Path:
Periodical volume Nr. 238, 09.10.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

(Friedenauee 
Unparteiische Zeitung für kommunale und bürgerliche 
Angelegenheiten. ^ 
Zesondere 
Bezugspreis 
bei Abholung aus der Geschäftsstelle, 
Rheinstr. 15, 1,50 M. vierteljährlich: durch 
Boten insHauS gebracht 1,80M., durch die 
Post bezogen 1,92 M. einschl. Bestellgeld. 
Jecken MittrvocK: 
Mitzblatt „Seifenblasen". 
serv1pr«cber: Zimt pkst^borg 2129. lägllkh NörNtlS. 
Zeltirng.) 
Organ sür den Kriedenauer Ortsteil non Zchbneberg und 
Kerirksverein Züdmest. 
Keilagrn 
Jecken Sonntag: 
Blätter für deutsche freuen. 
Druck und Verlag von Leo Schultz, Friedenau. 
Geschäftsstelle: Rheinstr. ,5. 
Anzeigen 
werden bis 12 Uhr mittags angenommen. 
Preis der Ogespaltcneu Zeile oder deren 
Raum 30 Pf. Die Reklamezeile kostet 
75 Pf. Velagnummer 10 Pf. 
fcrnTprecher: Hmt pkalzborg 2129. 
Nr. 238. 
Aerttn-Iriedenau, Donnerstag, den 9. Klttoöer 1913. 
20. Zaprg. 
vepeläien 
Letzte Dachrichten 
Berlin. Wie wir erfahren, wird nach den neusten 
Dispositionen der Kaiser mit dem Jagdbesuch beim Erzherzog 
Franz Ferdinand in Konopischt, der vom 23. bis zum 25. Ok 
tober dauern soll, auch einen Abstecher nach Wien verbinden, 
um dort den Kaiser Franz Joseph in seiner Residenz Schönbrunn 
zu besuchen. 
Lobsens (Kreis Brombcrg): Ein um l / 2 7 Uhr in 
Johannisthal aufgestiegener AgwDoppeldecker ist um 1 / 2 Q Uhr 
hier verunglückt. Das Fahrzeug ist vollständig verbrannt. 
Bon den beiden Insassen wurde der eine leicht verletzt. 
Kopenhagen. Aus Helsingsfors kommt heute die 
Kunde von neuen Verhaftungen. Wegen Uebertretung des 
Gleichstellungsgesetzes wurden Mitglieder des Helsiugsorser 
Magistrats Sjoeholin und Kyrklund gefangen gesetzt. 
Nauen. Ein Fahnenflüchtiger aus Berlin wurde gestern 
hier festgenommen. Der Füsilier Oehmingen ivar als 
Bursche eines Generalstabsoffiziers nach Berlin abkommandiert 
worden. Er gehörte dem 172. Infanterie-Regiment in 
Straßburg au. Schon nach wenigen Wochen desertierte er 
und hielt sich iiber ein Jahr hindurch vor der Militärbehörde 
verborgen. Gestern wurde er in Nauen, wo er als Kutscher 
beschäftigt mar, erkannt und verhaftet. Er wurde in die 
nördliche Militärarrestanstallt eingeliefert. 
Rüdesheim. Am Nationaldenkmal auf dem Nieder- 
ivald wurden auf einer Bank ein 30 jähriger Mann und 
ein 24 jähriges Mädchen erschossen aufgefunden. Es wurde 
festgestellt, dass der junge Manu aus Bannen stammt. 
London.' Wie aus Dundee in Schottland gemeldet 
wird, stich gestern während der Manöoer in der Nordsee 
der neue Torpedobootszerstörcr „Jackal" mit dem Ueber- 
drcadnought „Thunderer" zusammen. Der Dreadnought 
wurde ober- und unterhalb der Wasserlinie beschädigt. Der 
Tvrpedobootszerstörer wäre beinahe gesunken. Er konnte 
sich nur infolge der Schollen, die rasch geschlossen wurden, 
über Wasser halten. Er wurde in das Dock von Dundee 
eingeschleppt, wohin der „Thunderer" ebenfalls zur Reparatur 
gebracht wurde. 
Lokales 
(Nachdruck unserer o-Origiualartikcl nur mit Quellenangabe gestattet.) 
o Schulnachrichten. Mit dem Beginn des Winter 
halbjahres sind in das Lehrerkollegium des Helmholtz-Real- 
gymnasiums im Friedenauer Ortsteil die Herren Prof. Rasch, 
Oberlehrer Dr. Pupanz, Turnlehrer Tainm und Kandidat 
des höheren Lehramts Rausch eingetreten. Ausgeschieden 
sind die Herren Gille und Willkommen. Herr Oberlehrer 
Dr. Blühm ist von seinem halbjährigen Urlaub zurückgekehrt. 
o Quittungen für unsere Abonnementen. Zur 
Vereinfachung der Geschäftsführung haben wir als Quittungen 
für unsere Abonnenten gedruckte Zettel anfertigen lassen. 
UnsereAusträgerinnensind zum Einkassieren des Abonuements- 
geldes berechtigt und geben als Quittung ein gedrucktes 
Formular, das mir als Quittung anerkennen. Für Viertel- 
Sylvias Chauffeur. 
Roman von Louis Tracy. 
(Nachdruck verboten.) 
1. Kapitel. 
Vor einem von prächtigen Gartenanlagen umgebenen, 
schloßartigen Hause im vornehmsten Villenviertel von Frank 
furt am Main hielt ein großes, rot lackiertes Touren-- 
Automobil, dem auch der Nichtkenner unschwer ansehen 
mußte, daß es zu jener Eliteklasse von Kraftfahrzeugen ge 
hörte, deren Benutzung nur sehr begüterten Sterblichen 
vergönnt ist. Der junge Chauffeur saß, zur Abfahrt bereit, 
auf seinem Platze, während ein älterer Mann mit glatt 
rasiertem Gesicht und in einfacher, schwarzer Livree mit 
der Unterbringung eines nach Umfang und Gewicht recht 
vielversprechenden Frühstückskorbes beschäftigt war. 
.Haben Sie schon Order wegen der Hei»,fahrt be 
kommen, Hasenkamp?" fragte er halblaut, als er mit seiner 
Verrichtung sertig war. .Glauben Sie, daß der Herr Graf 
zum Diner zurück ist?" t m 
„Jawohl," lautete die Antwort. „Sie wissen doch, Ver- 
ringer, daß wir immer solide sind. Und für einen Aus 
flug mit der gnädigen Frau Tante sind doch auch wohl 
vier oder fünf Stunden mehr als genug." 
Der alte Kammerdiener schüttelte den Kopf. 
.Andere Zeiten — andere Kavalierei" meinte er. 
„Ms unser akter Herr Graf in diesen Jahren war. hat er. 
soviel ich mich erinnern kann, kaum jemals Spast.-fabNeii 
mit Damen zwischen sechzig und siebzig unternommen. 
Sie pflegten in der Regel sogar ganz erheblich jünger 
jahrsquittung dient ein weißes, für Monatsquittung diesmal 
ein rotes Formular. 
o Die Eröffnung d.er Wilmcrsdorfer Untergrund 
bahn und der Anschlußbahnen fiir den öffentlichen Verkehr 
findet bekanntlich am Sonntag, dem 12. Oktober statt. 
Heute erfolgte die amtliche Abnahme und Einweihung der 
neuen Schnellbahustrecken in feierlicher Weise. In Er 
gänzung unseres gestrigen Berichtes über die Borbesichtiguiigs- 
fahrt der Presse sei noch folgendes angeführt: 
Das Liniennetz der Hochbahugcscllschafl erhält im Zusammen 
hang mit seinem weiteren Ausbau zwei vom Bahnhof Witlenberg- 
platz ausgehende Abzweigungen als Ansgangsstrecken für neue 
Anschlußbahnen, die eine nach der llhlandstraße (Kursürstendamm), 
die andere nach dem Nürnberger Platz. Die Etadtgemeinde Berlin- 
Wilmersdorf und die Königliche Kommission zur Aufteilung der 
Domäne Dahlem (Dahlem-Kommission) haben im Jahre 1908 mit 
der Hochbahngesellschaft Verträge abgeschlossen, wonach an den nach 
dem Nürnberger Platz gerichteten Zweig gleichzeitig mit den Bau 
ausführungen der Hochbahngesellschaft eigene roeitoordringende 
Linien angeschlossen wurden. Am 12. Oktober d. I. werden der 
erweiterte Bahnhof Wittenbergplatz, die Zweiglinie zum Nürnberger 
Platz mit den Wilmersdorf-Dahlemer Bahnen und die Zweiglinie 
zur llhlandstraße dem öffentlichen Verkehr übergeben. Ten Betrieb 
der Anschlußbahnen übernimmt die Hochbahngescllschost im Zu 
sammenhang mit ihrem Bahnnetz unter Ausdehnung ihres Tarifs 
auch auf die neuen Strecken. Für die Zwciglinie zur llhlandstraße 
hat die Stadtgemeinde Charlottcnburg einen Zuschuß von rund 
2'/, Mill. Mark, für die Bahnstrecke Fehrbelliner Platz—Breitenbach, 
platz haben die Domäne Dahlem 2'/. Mill. Mark und die be 
teiligten Terraingescllschaften etwa 2 Mill. Mark an Zuschüssen 
geleistet. Die Eigentumslängen der neuen Bahnstrecken belaufen 
sich wie folgt: Linien der Hochbahngesellschaft: Wittenbcrgplag — 
Nürnbergerplatz und Wittcnbergplatz —llhlandstraße 2,8 Kilometer. 
Wilmersdorfcr Bahn: Nürnberger Platz—Breitcnbachplatz 4,4 Km. 
Tahlemer Bahn: Breitcnbachplatz—Thielplatz 2,8 Km., zusammen 
10 Km. Vom Wittcnbergplatz kommend, biegt die Bahn mit 
Unterfahrung eines Eckgrundstücks ans der Taucntzicnstraße in die 
Nürnberger Straße ein. Mit dem Bahnhof Nürnberger Platz tritt 
sic auf Wilmersdorfer Gebiet über, durchfährt die Spichernstraße, 
kreuzt die Kaiserallee und schwenkt in den Hohcnzollerndamm ein, 
in dem die Bahnhöfe Hohenzollernplatz und Fehrbelliner Platz 
liegen. Tie Bahn wendet sich dann südwärts in die Barstraße, 
in deren Zuge sie das sumpfige Fenngelände mittels der Seepark 
brücke überschreitet, Nach Kreuzung der Mecklenburgischen Straße 
wird der Bahnhof Heidelberger Platz erreicht. Tie Bahn unter 
fährt hierauf die Ringbahn, folgt der Aßmannshausener Straße 
bis zum Bahnhof Nüdesheimer Platz und der Niederwaldstraße 
bis zum Bahnhof Brcitenbachplatz. Hier tritt sie auf Tahlemer 
Gebiet über und geht unter der künftigen Schorlemcrallee — der 
Verlängerung des Südwestkorso — als Untergrundbahn bis znm 
Bahnhof Podbielskiallee weiter. Mit diesem beginnend, ist die 
Bahn durch das in der Ausschließung begriffene Tahlemer Gelände 
als Einschnittbahn geführt. Auf der Eiuschnittstreckc folgen noch 
der an der alten Dahlcmcr Dorfsiedlung gelegene Bahnhof Tahlcm- 
Torf und der Endbahnhof Thiclplag. In den Entwürfen ist 
darauf Rücksicht genommen, daß der Bahneinschnitt bei später ein 
tretendem Bedürfnis durch Einbau einer Decke in eine Untergrund 
bahn umgewandelt werden kann. Tie gesamte Streckenlänge 
Wittcnbergplatz-Thielplatz beträgt 8>/, Km. Tie Kurfürsteudamm- 
Linie verläuft in der Taucntzienstraße zu beiden Seiten der 
Stammbahn, unterfährt diese mit dem einen Gleis an der Kaiscr- 
Wilhelm-Gedächtnis-Kirche und biegt in den Kursürstendamm ein, 
dem sic bis (zum vorläufigen Endpunkt, dem Bahnhof Uhland- 
straße, folgt. Die Streckenlänge beträgt 1,5 Km. Ter alle Durch 
gangsbahnhof Wittcnbergplatz mit seinen beiden Seitenbahnsteigen 
mußte unter Aufrechterhaltung des Betriebes zu einem Ab- 
ziveigungsbahnhof umgebaut und erweitert werden, der beim voll 
ständigen Ausbau 0 Gleise und 4 Bahnsteige, nämlich 
zwei Mittelbahnsteige und zwei Scitenbahnsteige, erhalten 
wird. In der jetzt bevorstehenden Betricbspcriode werden nur 
die beiden Mittelbahnstcige in Benutzung genommen. Am süd- 
zu sein. Und an der abendlichen Faniilientafel war er 
auch ein sehr seltener Gast." 
Der Chauffeur zuckte die Achseln. 
„Jeder nach seinem Gusto, mein Lieber! Was mich 
betrifft, so bin ich mit meinem Herrn Grasen vollkommen 
zufrieden, so wie er eben ist." 
„Das versteht sich. Gibt es hier denn überhaupt je 
manden, der nicht mit ihm zufrieden wäre? Ein Edel 
mann, wie er im Buch steht. Was er während des 
Krieges in Südwest-Afrika an Schneid und Tapferkeit ge 
leistet hat, soll ja ganz kolossal gewesen sein. Und dann 
seine Weltreise! Ich mache mir jedesmal möglichst lange 
im Zimmer zu schaffen, wenn er eins oder das andere 
von seinen hundert Abenteuern erzählt. Es ist schöner 
wie in irgendeiner gedruckten Beschreibung. Nur ein biß 
chen flotter in seiner Lebensweise sollte er sein. Wenn 
er mit achtundzwanzig Jahren seine Iugendkraft und 
seinen Reichtum nicht genießen will, wann soll er es dann 
tun? Der alte Herr würde es ihm gewiß nicht allzu 
übelnehinen, wenn er mal ein paar recht tolle Streiche 
machte. Wenigstens müßte er seine eigene Vergangenheit 
ganz und gar vergessen haben, wenn er es fertig brächte." 
„Pst!" machte vorsichtig warnend der Chauffeur. „Da 
kommt er." 
Der hochgewachsene Herr, der soeben aus dem Hause 
getreten war, machte durch seine äußere Erscheinung voll 
kommen glaubhaft, was der Kammerdiener Rühmliches 
von ihm gesprochen hatte. Er hatte die straffe Haltung 
und die elastischen Bewegungen des durch Strapazen und 
körperliche Uebungen gestählten Offiziers, die schmale" 
Hände und Füße des rcinblütigen Aristokraten, und da^ 
bübsche, offene Gesicht den klaren, freien Blick, wie das 
lichen Mittelbahnsteig werden die Züge nach Berlin, am nördlichen 
die Züge nach Charlottenburg—Westend, Wilmersdorf—Dahlem und 
Charlottenburg-Knrfürstendam abfahren. Ani nördlichen Mittelbahn- 
steig laufencinstweilenauch dievomKurfürsteudnmm kommendenZüge 
ein. Ter Zugang zu den Bahnsteigen und das Umsteigen von Bahn 
steig zu Bahnsteig vollziehen sich in einer gedeckten Halle, die über 
den unterirdischen Bahnhofsanlagen errichtet ist. Die Halle liegt 
mit ihrer Längcnachse quer zur Platznnlage; sie ist in dieser 
Richtung aus das geringste zulässige Maß eingeschränkt, das sich 
nach dem Abstand der äußeren Treppenläufe bestimmt. Die 
Außcngleisc mit den dazugehörigen Bahustcighälften befinden sich 
bereits außerhalb des Gebäudes unter dem freien Platz. Zn beiden 
Seiten der Halle — nach der Tauentzienstraße und der Kleiststraße 
gerichtet — sind Eingangsräume angegliedert, in denen breite 
Treppen zu deni etwa 1'/, Meter unter der Straßenhöhe liegenden 
Hallensußboden hinabführen; bis zu den Bahnsteigen ist dann nur 
noch eine Höhe von 2,9 Bieter zu überwinde». Die Hallenmitte 
wird von einem Ausbau mit hohem Sntenlicht gekrönt. Der 
ganze Bau ist in Eisenfachwerk errichtet und außen mit Muschel 
kalk, innen mit Majoliken verkleidet. Die übrigen Bahnhöfe der 
neuen Linien sind einfache Durchgangsbahnhöfe mir 110 Meter 
langen Mittelbahnsteigen, deren Länge für Züge von 8 Wagen 
ausreicht. Die Bahnhöfe Nürnberger Platz, Fehrbelliner Platz, 
Brciteitbnchplatz und llhlandstraße haben doppelseitige Kehrgleis 
anlagen, um die Umkehr von Stammbahnzügen und den Anschluß 
von Pendelzügen zu ermöglichen. Tie beiden Bahnhöfe llhland- 
straße und Nürnbergerplatz sind in derselben Weise ausgebaut, wie 
alle neueren llntergrundbahnhöfc der Hochbahngesellschaft: ihre 
Kennfarben sind blau und gelb. Tie Bahnhöfe der Wilmersdorfer 
Bahn sind besonders charakteristisch ausgcbatit. Der Bahnhof Hohen- 
zollernplatz besitzt fassettierte Decken, getragen von viereckigen 
Granitsäulen. Bei dem Bahnhof Fehrbelliner Platz sind die Stützen 
als achteckige mit Majoliken verkleidete Pfeiler ausgebildet. Auf 
dem Heidelberger Platz mußte die Bahn wegen der unmittelbar 
benachbarten Unterfahrung der Ringbahn mit ihrer Sohle etwa 
9 Bieter unter Gcländehöhe gelegt werden; bei dieser Ticfenlnge 
wurde der Bahnhof Heidelberger Platz als hoher gewölbter Raum 
ausgebildet. Das doppelte Kreuzgewölbe der Bahnhofsdccke ruht 
auf einer Reihe gedrungener Granitsänlen. Ter unter der Ring 
bahn hindurchfühlende Gang zum südlichen Bahnhofsvorraum ist 
so eingerichtet, daß sich späterhin für den llnistcigcvcrkehr zwischen 
Untergrundbahn und Ringbahn ein bequemer Ucbcrgang schaffen 
läßt. Der Bahnhof Rüdesheimer Platz weist viereckige Granit- 
pfeiler mit farbigem Schmuck auf, während im Bahnhof Breitcnbach 
platz die fassettierte Tccke von kannelierten dorischen Säulen ge 
tragen wird. Sämtliche Eingänge der^Wilmersdorfer Bahn sind 
mit Brüstungen und Pylonen aus Muschelkalk, Granit oder Sand ■ 
stein ausgestattet, die Wandungen der Treppcuschächle mit polierten 
Granitpiatten verkleidet. Die Ausbildung der Tahlemer Bahnhöfe 
ergab sich aus ihrer Lage im offenen Einschnitt. In Straßenhöhe 
liegen die Bahnhofsgebäude mit den Schalter- und Dienst 
räumen. Von der Schalterhalle führen Treppen zu den 
Bahnsteigen hinab, die zürn Teil überdacht sind. Der erste 
der drei Bahnhöfe, Podbielskiallee, bildet den architektonischen 
Abschluß de? großen Straßcnzugcs des Süd:vcst-Korso und der 
Schorlemcrallee. Der Architekt hat daher dem Gebäude den Charakter 
eines märkischen Torhauses gegeben, aris dcssein hohen Portal der 
ankommende Fahrgast einen umfassenden Blick aus die Umgebung 
gewinnt. Das Gebäude des Bahnhofs Dahlem-Dorf lehnt sich 
mit seinem Fachwcrk und Rohrdach dem bäuerlichen Charakter der 
alten Torjsiedelungen an. In der Ausbildung des Vorraums mit 
seiner farbigen Auskleidung ist die Stimmung einer ländlichen Diele fest 
gehalten. Ter Bahnhof Thiclplatz zeigt eine eigenartige Grundriß- 
Anordnung; der Eingang mit seiner großen Bogenöffnung wird 
von schräg vorgezogenen Flügelbauten eingerahmt. Ter Giebel 
über dem Eingang ist durch eine große Uhr mit freigeschmiedctcm 
Zifferblatt belebt. Die Innenwände mit ihren für den Bahndienst 
bestimmten Einrichtungen sind in Majolikaarchitcktnr durchgebildet. 
Von den sonstigen benierkeuswerten Bauten sei die Durchquerung 
des Wilmersdorfer Fenngeländes, das der Rest eines alten, noch 
durch den Wilmersdorfcr See und die Grunewaldsccn gekennt- 
zcichncten Flußarmes ist, erwähnt, was besonders Schwierigkeiten 
bereitete. Der tragfähige Baugrund ivurde hier erst in etiva 20 m 
sorglos heitere Lächeln eines wahrhaft liebenswürdigen 
Menschen. Auf seinen gebräunten Wangen lag der rosige 
Schimmer blühendster Gesundheit, und es wäre wohl auch 
manchem anderen als dem im Dienste des grästichen Hauses 
ergrauten Berringer viel natürlicher vorgekommen, wenn 
ein von der Natur so verschwenderisch ausgestatteter junger 
Mann ein wenig nach dem Muster seines einst als Lebe 
mann berühmten Herrn Vaters gelebt hätte, statt sich dein 
ritterlichen Dienst einer belrächtlich angejahrten und einiger 
maßen wunderlichen Tante zu widmen. 
„Alles in Ordnung, Hasenkamp?" fragte der glückliche 
Automobilbesitzer, der im Gothaischen Almanach als Kurt 
Dietrich Graf von Hoiningen auf Westenholg verzeichnet 
war. „Die Zündung funktioniert wieder, wie sie soll?" 
Der Chauffeur hatte die Hand an den Mützenschirm 
gelegt. 
„Tadellos, Herr Graf! Wir machen ohne jeden 
Zwischenfall heute unsere hundert Kilometer, wenn der 
Herr Graf es so befehlen." 
„Auf solche Probe wollen wir für diesmal lieber ver 
zichten." lachte Hoiningen. „Meine Frau Tante ist keine 
Freundin von Gemaltleistungen, wenn sie sich entschließt, 
ihre unschätzbare Person einem Auto anzuvertrauen. Ver 
gessen Sie darum nicht, Hascnkamp, ein' sehr mäßiges 
Tempo innezuhalten, solange Sie den Wagen steuern." 
Er setzte sich neben den Chauffeur, nickte dem respekt- 
voll grüßenden Kammerdiener freundlich zu, und gab das 
Zeichen zur Abfahrt. Mit so wenig Geräusch, als es bei 
einem meisterhaft gebauten Motor von vierzig Pferde- 
krüften nur immer möglich ist, rollte das Fahrzeug davon, 
um zehn Minuten später vor einer anderen, kleineren 
Villa zu halten, die mit ihrem zierlich abgezirkelten Vor-
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.