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Periodical volume Nr. 237, 08.10.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

ungehörige des Arbeitgebers, die ohne eigentliches Arbeits 
verhältnis und ohne Entgelt bei ihm beschäftigt sind; Be 
triebsunternehmer, die in ihren Betrieben regelinäßig keine 
oder höchstens 2 Versichcrungspflichtige beschäftigen. Das 
Einkommen solcher Bersichernngsberechtigen darf aber 2500 
Mark nicht übersteigen. 
Zum Entgelt der Dienstboten gehören neben Gehalt 
oder Lohn auch Geiviimanteile, Sach- und andere Bezüge, 
die ein Mitglied, wenn auch nur gewohnheitsmäßig statt 
des Gehalts oder Lohnes oder neben ihm von dem Arbeit 
geber oder einem Dritten erhält. Der Wert der Sachbezüge 
wird nach Ortspreisen berechnet, die das Bersichernngsaint 
festsetzt. 
Bisher sind die ortsüblichen Sätze vom Dersichcrungs- 
amt noch nicht festgesetzt worden. Unsere Gemeinde hat da 
vorläufig sich nach den alten Sätzen gerichtet, die für 
Wohnung und Kost 1,80 M. für den Tag betragen. 
(Wohnung 80 Pfg., Kost 1,50 M.). Für Selbstoerpflegung 
der Dienstboten käme also vorläufig dieser Betrag — der 
aber noch nicht endgültig festgesetzt ist — in Frage. 
Die Mitgliedschaft erlischt, sobald der Versicherte Mit 
glied einer anderen Orts- oder Landkrankenkasse geworden ist. 
Die Meldung des Dienstboten bei der Kasse hat inner 
halb 6 Tagen nach Beginn und Ende der Beschäftigung 
schriftlich zu erfolgen. 
Die Kasse gewährt den Mitgliedern Krankenhilfe, 
Wochengeld, ^Sterbegeld. Diese gelten als Regel 
leistungen. Die übrigen Leistungen gelten als Mehr- 
leistungen. Den freiwillig Beigctretencn gewährt die Kasse 
nur Krankengeld. Als Krankenhilfe wird gewährt: 
I. Krankenpflege vom Beginn der Krankheit an; sie umfaßt 
ärztliche Behandlung und Versorgung mit Arznei sowie 
Brillen, Bruchbändern und anderen kleineren Heilmitteln 
(bis zum Höchstbetrage die 2Q M). Die Kasse kann einen 
einmaligen Zuschuß bis zur Höhe von 40 Al. für größere 
Heilmittel gewähren, ferner einen solchen bis zum Betrage 
von 75 M. fiir Hilfsmittel gegen Verunstaltung und Ver 
krüppelung, die nach beendetem Heilverfahien nötig sind, 
um die Arbeitsfähigkeit des Kassenmitgliedes herzustellen 
oder zu erhalten. 2. Krankengeld in Höhe des halben 
Grundlohnes fiir jeden Arbeitstag und alle Sonn- und 
Feiertage, wenn die Krankheit den Versicherten arbeits 
unfähig macht; es wird vom 4. Kraukheitslage, wenn aber 
die Arbeitsunfähigkeit eist später eintritt, vom Tage ihres 
Eintritts an gemährt. Die Krankenhilfe endet mit Ablauf 
der 39. Woche nach Beginn der Krankheit oder vom Beginn 
des Bezuges von Krankengeld. An Stelle der Kraukcn- 
pflege und des Krankengeldes kann die Kasse Kranken 
hauspflege gewähren. Versicherten, für die kein Haus 
geld zu zahlen ist, wird neben der Krankenhauspflege ein 
Krankengeld in Höhe von l / {0 gewährt. Während des 
Aufenthalts in Walderholungsstätten erhalten die Mitglieder 
außer der Kraukenhilfe Mittagessen und im Bedarfssalle 
1 Liter Milch täglich; das verauslagte Fahrgeld wird ihnen 
erstattet. Mit Zustimmung, des Versicherten kann Hilfe und 
Wartung durch Krankenpfleger, Krankenschwestern oder andere 
Pfleger namöütllch auch dann gewährt werden, wenn die 
Ausnahme des Kranken in ein Krankenhaus geboten, aber 
nicht ausführbar ist, oder ein gewichtiger Grund vorliegt, 
den Kranken in seinem Haushalt oder in seiner Familie zu 
belassen. 
Wöchnerinnen, die mindestens sechs Monate gegen 
Krankheit versichert sind, erhalten ein Wochengeld in Höhe 
des Krankengeldes fiir 8 Wochen, von denen mindestens 
0 Wochen in die Zeit nach der Niederkunft fallen müssen. Neben 
Wochengeld wird Krankengeld nicht gewährt. Es kann 
mit Zustimmung der Wöchnerin an Stelle des Wochen 
geldes Kur und Verpflegung in einem Wöchnerinnenheim 
eintreten, auch Hilfe und Wartung durch Hauspflegerinnen 
gemährt und dafür bis zur Hälfte des Wochengeldes abge 
zogen werden. Außerdem werden den weiblichen Ver 
sicherten Hcbammcudienste und ärztliche Geburtshilfe bei der 
Niederkunft gewährt. Schwangeren, die der Kasse mindestens 
0 Monate angehören, werden, wenn sie infolge der Schwanger 
schaft dienstunfähig werden, ein Schwangergeld in Höhe des 
Krankengeldes bis zur Gcsamtdaucr von sechs Wochen, 
sowie Hebammendieuste und ärztliche Behandlung, die bei 
den SchwangerschaftSbeschwerden erforderlich werden, ge 
währt.- Außerdem erhalten Wöchnerinnen, die ihre Neu 
geborenen stillen, Stillgeld in Höhe des halben Kranken 
geldes vom Beginn der siebenten bis zunr Ablauf der 
zwölften Woche nach der Niederkunft. 
Als Sterbegeld wird beim Tode eines Mitgliedes 
das 30fache des Grundlohns, mindestens aber ein Betrag 
von 50 M. gezahlt. Es beträgt für die 1. Stufe (eiuscht. 
der StufeA) 50 M., für die 2. Stufe 60 M., für die 
3. Stufe 90 M., für die 4. Stufe 120 Ai., für die 5. Stufe 
150 M. und für die 6. Stufe 180 Ni. 
Die, ärztliche Behandlung wird von den approbierten 
Aerzten geleistet, die sie durch Vertrag mit der Kasse über 
nommen haben, die Kasse bestimmt danach, an ivelche Aerzte 
sich die Erkrankten zu wenden haben. Ten Biitgliedern 
steht die Auswahl unter den Aerzten, auch Zahnärzten, frei. 
Die Leistungen der Kasse werden nach einein Gruud- 
loh n bemessen. Als solcher gilt der nach der verschiedenen 
Lohnhöhe stufenweise festgesetzte durchschnittliche Tagescntgeld 
der Kassenmitglieder bis 6 M. für den Arbeitstag. Zur 
Festsetzung des Grundlohnes werden die Kassenmitglieder 
eingeteilt in solche, deren Arbeitsverdienst für den Arbeits 
tag beträgt: ohne Entgelt beschäftigte Lehrlinge Stufe A, 
weniger als 1,50 M. I. Stufe, bis einschließlich 2,49 M. 
II. Stufe, bis einschl. 3,49 M. III. Stufe, bis einschl. 
4,49 M. IV. Stufe, bis einschl. 5,49 M. V. Stufe, mehr 
als 6,49 M. VI. Stufe. Hiernach ist der Grundlohn 
bis auf weiteres festgesetzt für Stufe I auf 1 M., Stufe II 
auf 2 M.. Stufe III auf 3 Dl., Stufe IV auf 4 Al.. 
Stufe V auf 5 M. und Stufe VI auf 6 M. Aendert sich 
der Lohn, so ändert sich die Lvhnstufe bei Beginn der 
nächsten Beitragswoche. Die. Krankenbeiträge sind auf 
31/2 v. H. des Grundlohns festgesetzt und je für eine Woche 
berechnet; sie betragen für die Stufe A 0,18 M.), Stufe I 
0.24 M.. Stufe 11 0,48 M., Stufe IIl 0,72 M., Stufe IV 
0,99 M.,. Suüc V 1,23 M. und Stufe VI 1,47 Al. Ver 
sichcrungspflichtige haben 2 / 3 , ihre Dienstgeber >/ 3 der Bei- 
Beiträge zu tragen. Versicherungsberechtigte (freiwillig 
Versicherte) haben die! Beiträge allein zu tragen, sie zahlen 
jedoch nur 2 /„. Die Beiträge sind am Montag jeder Woche 
fällig und vom Dienstgeber nachträglich zu zahlen. Die 
Kasse kann die Beiträge auch durch Boten einziehen lassen, 
ist dazu aber nicht verpflichtet. Dienstzeber, die die Bei 
träge im Wege des Scheckverkehrs oder der Banküberweisung 
einzahlen wollen, erhalten auf ihren Antrag die Beitrags 
rechnung durch Boten oder durch die Post zugestellt. 
Die Satzungen enthalten dann noch als Sonder 
bestinunungen über Leistungen für Dienstboten den folgende 
Paragraph: Auf Antrag des Dienstbercchtigten oder Dienst 
boten hat die Kasse dem in die häusliche Gemeinschaft 
aufgenommenen Dienstboten ajss erweiterte Krankenpflege an 
Stelle der Krankenpflege und des Krankengeldes Kranken 
hauspflege zu gewähren, wenn der Dienstbote infolge von 
Krankheit arbeitsunfähig wird und die Krankheit ansteckend 
ist, oder wenn er nach ihrer Art in der häuslichen Ge 
meinschaft nicht oder nur unter erheblicher Belästigung des 
Dienstberechtigten behandelt oder verpflegt werden kann. 
Neben der Krankenhauspflege wird ein Hausgeld nicht ge 
währt. Sehr beachtenswert sind auch noch die Bestüumungen 
über die Leistungen an Erwerbsunfähige. 
Waren solche Personen in den vorangegangenen zwölf 
Monaten mindestens 26 Wochen oder unmittelbar vorher 
mindestens 6 Wochen versichert, so verbleibt ihnen der An 
spruch auf die Regelleistungen der Kasse, wenn die Krank 
heit während der Erwerbslosigkeit und binnen 3 Wochen 
nach dein Ausscheiden eintritt. 
Sterbegeld ivird sogar nach Ablauf der drei Wochen 
gewährt, wenn die Kraukenhilfe bis znm Tode geleistet 
worden ist. 
Wir haben hiermit unsere Leser mit den wichtigsten 
Bestimmungen der Satzungen der Landkrankcnkasse bekannt 
gemacht. Eine etwas heikle Frage bleibt die des Abzugs 
rechts der Herrschaft gegen die Dienstboten. Im allge 
meinen sollte die Herrschaft davon ohne weiteres Gebrauch 
macheir. Kommt es doch bei vielen andern gewerblichen 
Berufen, die sich erheblich schlechter stehen, in Anwendung, 
lind von einer Anhänglichkeit und Dankbarkeit der Dienst 
boten kann gemeinhin nicht mehr die Rede sein. Aller 
dings iverden wohl Ausnahmen da stattzufinden haben, wo 
ein Dienstbote sich durch jahrelange treue Dienste bewährt 
hat. Da sollte die Herrschaft die Beiträge ganz zahlen. 
Aber zur Regel sollte :nan dies nicht werden lassen. 
So hoffen ivir denn, daß sich dieser neueste Zweig der 
sozialen Fürsorge segensreich entwickelt. 13. M. 
Lokales 
(Nachdruck unserer o-Originalartikel nur mit Quellenangabe gestattet.) 
0 Personenstandsaufnahme. Wir weisen auf die 
Bekanntmachung im amtlichen Teil betreffend die am 
15. d. Mts. stattfindende.Personalstaudsaufnahme für das 
Steuerjahr 1013 noch besonders hin. Im Vorjahre sind 
:bci Einsammlung der Hauslisten insofern große Unzuträg 
lichkeilen zutage getreten, als eine große Anzahl Hausbesitzer 
die Listeu nicht rechtzeitig eingesammelt und auch nicht auf 
richtige Ausfüllung geachtet hatten, sodaß die Beamten 
wiederholt in verschiedenen Fällen drei und mehr Alale er 
scheinen mußten, um das Material zusammen zu bekommen. 
Abgesehen von der unnötigen Zeitversäumnis werden durch 
solche Vorkommnisse die Vcraulaguugsarbeiten crschrvert und 
verzögert.' Die genaue Beachtung der erwähnten Bekannt 
machung wird deshalb den Herren Hausbesitzern dringend ans 
Herz gelegt, zumal Säumige bestraft werdeit können. 
0 Eine Anleihe von 1 Million Mark hat die Stadt 
Neukölln bei unserer Gemeinde gemacht. Die Gemeinde 
vertretung bewilligteNcukölln die Anleihe aus dem 2 Millionen 
Mark betragenden Reservefonds unserer Gemeinde auf 1 Jahr. 
0 Zur Eröffnung derWilmersdorfer Untergrundbahn. 
Tie Groß-Bevliuer Prefie war heute Vormittag zu einer 
Besichtigungsfahrt auf der neuesten Untergrundbahn geladen. 
Um 10 Uhr versammelten sich die Vertreter aller Berliner 
und Vorort-Zeitungen sowie die Herren vom Direktorium 
der Hochbahngesellschaft, ferner Herr Kommerzienrat 
Haberland, Herr Bürgermeister Peters und Herr Sladtrat 
Steinborn aus Wilmersdorf in der neuen, viel ange 
feindeten Halle des größten Berliner Untergrundbahnhofes 
auf dem Wittenbergplatz. Der Vorsitzende des Direktoriums 
der Untergrundbahn Geheimer Baurat Wittig begrüßte in 
der Halle die Erschienenen und gab an einer zeichnerischen 
Darstellung an der Wand nähere Erklärungen über 
den Bahnhof Witteubergplatz. Die Bahnsteige sind 
mit A. nud B. bezeichnet und der Zufall fügte cs, 
daß alle Züge vom Bahnsteig B. nach Berlin und vom 
Bahnsteig A. »ach außerhalb fahren. Durch diese Be 
zeichnung glaubt man also, eine schnelle Orientierung des 
Publikums zu erreichen. Von einem Sonderzuge wurde 
nun zunächst zur Station Uhlandstraße gefahren, deren 
Kcnnsarbe „blau" ist. Auf der Fahrt dorthin hatten wir 
Gelegenheit, die umfangreichen Bahnhofs- und Gleisanlagen 
am Wittenbergplatz in Augenschein zu nehmen. Es ging nun 
wieder zurück zum Bahnhof Witteubergplatz und vom Bahn 
steig B aus wurde die Wilmersdorfer Strecke befahren 
Zunächst oic Anschlußstrecke bis Nürnberger Platz, der als 
Kennfarbc gelb-weiß zeigt. Auf dem Bahnhof Hohenzollernplatz 
(Kennfarbe blau) stiegen Herr Baurat Müller-Wilmersdorf, 
Herr Ingenieur Dr. Platzniann und noch einige Wilmers 
dorfer Herren in den Zug. Es ging dann weiter zum 
Fehrbellincr Platz (Keunfarbe bordeauxrot), am Wilmers 
dorfer Sccpark vorüber, wo die Untergrundbahn zu Tage 
tritt und Arkaden sie einsäumen, durch den Bahnhof Heidel 
berger Platz zum Bahnhof Riidesheimcr Platz. Hier wurde 
auLgestiegen und der Bahnhof verlassen. Herr Kommerzien 
rat Haberland gab auf dem Rüdesheimer Platz nähere Er 
klärungen über die Anlage der Gartenstadt. Vom Rüdes 
heimer Platz, der als nächster Schnellbahnhof für Friedenau 
inbctcacht kommt, wird man künftig in 22 Minuten bis zur 
Friedrichstraße fahren können. Vom Rüdesheimer Platz 
ging die Fahrt weiter durch die Bahnhöfe Brcitenbach-Platz, 
Podbielski-Allee (hier beginnt die Einschnittbahn) zum 
Bahnhof Dahlem Dorf, wo Herr Geh. Regierungsrat Ramm 
einen Vortrag über die Dahkemer Strecke der Untergrund 
bahn und ihre Bahnhöfe hielt. Vom Bahnhof Dahlem 
Dorf wurde noch zum Bahnhof Thielplatz gefahren, daun 
ging es zurück zum Heidelberger Platz. Hier bol die Stadt 
Wilmersdorf den Teilnehmern ein Frühstück an. Bürger 
meister Peters wies in einer Rede auf die Vorteile der 
neuen Verkehrsverbindung hin, bat um gütige Beurteilung 
und brachte auf die Großberliner Presse ein Hoch aus. Auf 
diese Rede dankte Redakteur Kuntzendorsf mit cinein Hoch 
auf die neue Bahn und ihre Erbauer. Nun kanr das 
Signal zur Rückfahrt zum Wittenberg-Platz, wo die Be 
sichtigungsfahrt ihr Ende erreichte. — Wenn wir noch einige 
Worte hinzufügen dürfen, so dürfte den Glanzpunkt der neuen 
Strecke der Bahnhof Heidelberger Platz bilden. Hier war die 
Unterführung der Ringbahn am Bahnhof Schmargendorf er 
forderlich. Und durch die tiefe Lage der Ringbahn wurde 
es möglich, dein Bahnhof Heidelberger Platz eine ganz 
andere Form zu geben. Es ist hier ein hohes Kreuzgewölbe 
geschaffen, welches dem Bahnhöfe sowohl etwas feierliches, wie 
auch anheimelndes gibt. Man glaubte heute, wo hier ein 
Frühstück gereicht wurde, sich in einem Rathauskeller zu be 
finden. Und die Frage einiger Herren, als ihnen Speise 
und Trank angeboten wurde, ob dies immer so sei, war 
berechtigt. „Das reiche Wilmersdorf könnte es sich wohl 
leisten", sagte darauf ein Anderer. Und in der Tat, der 
Reichtum Wilmersdorfs tritt uns aus allen Bahnhöfen 
dieser Stadt entgegen. Granit und Sandstein sich 
überreich verwendet auf allen Bahnhöfen. Außerdem aber 
hat man durch bildlichen Schmuck ihre Lage anzudeuten 
gewußt. Der Rüdesheimer Platz zeigt Weinreben. Der 
Breitenbachplatz erinnert in seinen Enblemen an Dahlems 
Entwickelung und beim Heidelberger Platz fehlt nur 
noch das Heidelberger Faß! Die Dahlemer Bahnhöfe 
wiederum passen sich dem Charakter der Domäne an. Hier 
verbinden sich die Errungenschaften der Neuzeit mit der stillen 
Wesensart der ländlichen Landschaft. Hoffentlich sind der 
neuen Untergrundbahn auch die Einnahmen beschiedcn, die ihre 
Rentabilität sichern.-Wir möchten hierbei gleichzeitig noch mit 
teilen, daß die geplante Besichtigungsfahrt des Bürger 
vereins nun doch nicht am Freilag stattfinden karrn, da es 
nicht möglich war. die mit dieser Fahrt verbundenen Schwierig 
keiten zu beseitigen. 
0 Was unsere Nachbargemeinde Steglitz beabsichtigt, 
das läßt eine Aufrage vermuten, die auf der Tagesordnung 
der nächsten Gemeindevertretersitzung unseres Nachbarorts 
am konimciiden Freitag zur Verhandlung steht und auch 
für unsere lokalen Verhältnisse won einiger Bedeutung sein 
dürfte. Als letzter Punkt der öffentlichen Tagesordnung 
steht nämlich eine Anfrage der Herren G.-V. Winkler und 
Genossen über die Stadtiverdung, den Ban eines Wasser 
werks und Bau eines eines Theateis zur Erörterung. 
Das Privatleben der Hebamme. Als Nachspiel eines 
Ehcscheidungsprozesses folgte heute vor dem Potsdamer Be 
zirksausschuß eine Klage des Amtsvvrftehers in Friedenau 
gegen die dortige Hebamme Frau Hedwig Schwahn geb. 
Hoheffel. Das Verfahren sollte die.Entziehung des. Heb 
ammenzeugnisses bewirken, weil nach der Auffassung dcs 
Klägers der Lebenswandel der Fran Sch. nicht die aus 
reichenden Bürgschaften biete, die man von einer Hebamme 
erwarten müsse. Das ganze Einwandsmaterial baute der 
Kläger auf die Scheidungsakten auf, in denen allerdings 
der Sch. ein Ehebruch mit einem gewissen Grabowski und 
Zärtlichkeiten zu anderen Männern zum Vorwurf gemacht 
werden. Die Ehe wurde auch durch das Verschulden der 
Frau geschieden. Gegen den Antrag des Amtsvorstehers 
wehrte sich die Beklagte mit Händen und Füßen, da er sie 
ja subsistcnzlos machen würde. Sic bezeichnete in der 
mündlichen Verhandlung die angeblichen Rendezvous und 
sogar den Ehebruch mit Gr. als Machenschaften ihres auf 
Rache bedachten Gatten, der auch dem Gericht eine Fülle 
von Brief- und Kartemnaterial eingereicht habe, das offenbar 
von fingierten Persönlichkeiten herrühre. Der Fall mit Gr. 
sei inszeniert, zum Zweck der Scheidung. Schließlich habe 
auch die ihr durch den Gatten widerfahrene grobe Vernach 
lässigung die Trennung verschuldet. Die Beklagte stützte 
sich auf die ihr von Herrschaften über ihre berufliche Tüchtigkeit 
erteilten Atteste. Der Bezirksausschuß wies die Klage des 
Amtsvorstehers kostenpflichtig ab. Er erklärte, wenn auch 
der Lebenswandel nicht durchaus cinwandsfrei sein sollte, 
dennoch die berufliche Tüchtigkeit bestimmend sein müsse für 
die^Entscheidung und beruflich seien der Sch. keine Verstöße 
zur Last zu legen. Mit ddr Mahnung, in ihrem äußeren 
Auftreten und in ihrem^ Verkehr auf ihren Beruf gebührende 
Rücksicht zu nehmen, wurde das Urteil verkündet. 
0 „Sylvias Chauffeur," so betitelt sich unser neuer 
Roman von Louis Tracy, der von morgen ab in unserem 
Blatte zum Abdruck kommt. Wir hoffen, auch mit diesem 
Roman wieder den Beifall uuserrr Leser, ganz besonders 
unserer Leserinnen zu finden. 
0 Der Verkehr auf der „Schwarze» Brücke". Seit 
einigen Wochen sind die Polizcibeamten von Steglitz tags 
über damit beschäftigt, die Anzahl der Personen und Fuhr 
werke festzustellen, welche die sogenannte „Schwarze Brücke" 
an der Feldstraße passieren. Das dadurch gewonnene 
Material wird hoffentlich dazu beitragen, daß der lcbeus- 
gefährlicheEngpaß, um dessen Beseitigung Bürgerschaft, Presse, 
und Vereine schon seit vielen Jahren kämpfen, endlich ver 
schwindet. 
0 Rückgang der Zwangsversteigerungen von Grund 
stücken in Grofi-Bcrlin. Während im Monat Juli d. I. 
in den 13 Amlsgerichtsbezirkeu noch 154 Grundstücke zur 
Zwangsversteigerung kamen, waren eS im August nur 125 
und im September 95 Grundstücke, die bei den Amts 
gerichten Berlin-Mitte, Berlin Wedtnng, Berlin-Schöneberg, 
Berlin-Charlottenburg, Verlin-Teiupelhof, Neukölln, Berlin- 
Pankow, Berlin-Lichterfelde, Berlin-Lichtenberg, Berlin- 
Weißensee, Köpenick, Spandau und Potsdam versteigert 
wurden. Im Jahre 1912 wurden im ganzen 1637 
Grundstücke zwangsversteigert, hiervon entfallen auf das 
erste Halbjahr 847 und auf das zweite Halbjahr 790. es 
war also im zweiten Semester des Jahres 1912 ein Rück 
gang der Zwangsversteigerungen um 57 Grundstücke einge
        
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