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Periodical volume Nr. 235, 06.10.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

mindestens 100 Mitglieder beigetreten sind. Nach dem 
Satzungseutwnrf des Magistrats setzt sich dieser Verein ans 
Eigentümern Charlottenburger Hallsgrundstücke zusammen 
und beleiht nur Hausgruudstücke seiner Mitglieder gegen 
Einräumung zweiter Hypotheken. Wenn in Charlottcnbnrg 
diese wichtige Frage nach dem Schöneberger Muster gelöst 
werden soll, wäre die Bemühung des Magistrats vergeblich. 
Die Sache käme, weil zu teuer, nur den wohlhabenden 
Grundbesitzern zu gute, während gerade diejenigen leer aus 
gingen, denen Hilfe am meisten nottut. 
o Kurze Vorträge. Beim Beginn der Vortragssaison 
ist darauf aufmerksanr zu machen, daß die Vorträge nicht zu 
lang ausgedehnt werden. Gute Vorträge sind etwas Schönes 
und zwar in jeder Beziehung, zu lange Vorträge aber er 
müden auf alle Fälle, und die beabsichtigte Wirkung ist 
verloren. Kein Mensch ist imstande, einem Vortrage länger 
als eine Stunde zu folgen, weil er die Nerven stets nur 
einseitig beschäftigt, deklamatorische, gesangliche, musikalische, 
theatralische regen zugleich die Sinne mit an und zerstreuen. 
Es gibt bekanntlich Redner, die am liebsten sich selbst 
sprechen hören und kein Ende finden können. Bei dem 
Redner selbst kommt das persönliche Interesse dazu, das 
regt an, der Zuhörer aber hat nur Ohr und nüchternen 
Verstand zu leihen, was beides bald ermüdet. Auch ge 
fallen sich Vereine oft in möglichst langen Darbietungen, 
während das Publikum schon längst des Tanzes harrt, um 
sich selbst mit betätigen zu können, aber der Anstand und 
die gesellschaftliche Rücksicht verlangen ein wiederholtes Bei- i 
fallklatschen, womit man nicht selten die Vortragenden be 
trügt, denn man ersehnt das Ende. Kurz und gut ist eine 
Hanptregel bei allen Vorträgen. 
o Die Brücken des Teltowkanals, die in der Nähe 
von Britz liegen, haben neue Namen erhalten: die im Zuge 
der Gottlieb-Dunkel-Straße heißt jetzt „Mussehl-Brücke", die 
am Tempelhofer Weg „Wilhelm-Borgmannbrücke" die an 
der Rudower Straße „Schulenburgbrücke" und die im Zuge 
der Chaussee Buckow—Johannisthal „Wredebrücke". 
o Firnreneintragnngen. dir. 41 603. Offene Handels 
gesellschaft: Richard Thiel & Co. in Berlin-Friedenau. Ge 
sellschafter: Restaurateur Richard Thiel undFräulein Minna 
Thiel, beide in Berlin-Friedenau. Die Gesellschaft hat am 1 
2. März 1913 begonnen. — Nr. 8473. Friedenau 
Finanziernngsgesellschaft mit beschränkter Haftung: Amtsrat i 
Alexander Beussel ist nicht mehr Geschäftsführer, Rentier 1 
Friedrich Jalvwicz in Berlin-Wilmersdorf ist zum Geschäfts 
führer bestellt. ! 
o Zwangsversteigernngsergebnisse. Lefövrestr. 21 
in Gemarkung Berlin-Friedenau, dem Architekten Franz 
Helding in Berlin-Wilmersdorf, Rüdesheimcr Platz 2, ge 
hörig. Fläche 8,76 Ar. Nutznngswert 8400 M. Mit dem 
Gebot von 152 000 M. bar blieb der Oberpost-Assistent 
Wilhelm Zietz in Charlottenburg, Schülerstr. 75, Meist 
bietender. — Varzincrstr. 11 in Gemarkung Berlin-Frie 
denau, dem Architekten Fritz Schulke, im selben Hause, und 
dem Techniker Leonhard Kollmann in Berlin-Friedenau, 
Beniligscnstr. 17, gehörig. Fläche 11,90 Ar. Nutzungs- 
wert 15 120 M. Mit dein Gebot von 210 000 M. bar 
blieb der Gutsbesitzer Johannes Heinicke in Alsenhvf, Kreis 
‘ Templin, Meistbietender. — Einstweilen eingestellt wurde 
das Verfahren Hähnclstr. 13 und Hähnelstraße in Ge 
markung Berlin- Schöneberg, dem Maurermeister Ernst 
Bnckenauer gehörig. 
o Hmnboldt-Äkadcmie, Lehrstätte Friedenau (Königin- 
Luisc-Lyzeum, Goßlerstr. 15). Herr Dr. R. Baerivald hält 
Dienstag abends von 5 bis 7 Uhr einen Vortragszyklus 
über „Lektüre und Erklärung philosophischer Klassiker", Be 
ginn: 7. Oktober. Vorlesungsverzeichnisse und Hörerkarten 
bei Wcrtheim, Schmargendorferstr. 36, bei Wohlthat (Buch 
handlung), Rheinstr. 11, und im Hauptbüro, Berlin \V. 57, 
Kurfürstenstr. 166 I, (Lützow 8794). 
o Unsere Freiwillige Feuerwehr begeht ihr 31. 
Stifnngsfest, wie schon kurz erwähnt, am Sonnabend, dem 
11. Oktober. Um 8 1 / 2 Uhr abends tritt die Wehr am 
Festtage an der Feuerwache an, von wo um 8% Uhr der 
Abmarsch nach dem Festlokal „Kaiser-Wilhelm-Garten". 
Rheinstr. 65, erfolgt. Dort beginnt um 9 Uhr pünktlich 
das Festessen (das Gedeck 1,50 M). Während der Tafel 
ist Konzert unter Leitung des Herrn Musikdirektors Robert 
Schmidt. Ferner finden mährend der Festtafel statt: Be 
grüßung der Festteilnehmer durch den Oberbrandmeister, 
Ansprache des Vorsitzenden, Verteilung der Dienstaus 
zeichnungen, Erwiderungen der Gäste. Dem Essen folgt 
das Tanzkränzchen. Um 1 Uhr ist Kaffeepause, während 
der von Mitgliedern des aktiven Korps und deren Ange 
hörigen der Schwank „Soldatenliebe im Schildcrhause" aus 
geführt wird. — Zu der Feier ergehen besondere Ein 
ladungen nicht; die passiven Mitglieder sind aber hierdurch 
herzlich eingeladen. Ihre Teilnahme wird den Feuerwehr 
leuten sehr willkommen sein. 
o Die Bedeutung des Vriefmarkensammelns. Der 
unlängst in Hamburg abgehaltene Philatelistentag war ge 
eignet, so recht die Bedeutung des Briefinarkensammelns zu 
beweisen. Bedeutende Sammler ans aller Herren Länder 
waren neben den fast vollzählig erschienenen Briefmarken 
händlern zur Stelle, und von Seiten der Stadt Hannover 
wurde die Bedeutung dieses Sammler-Kongresses dadurch 
dokumentiert, daß ein Empfang durch den Magistrat statt 
fand. Zur Erhöhung der Bedeutung des Philatelistentages 
dienten auch die von zwei großen Berliner Firmen veran 
stalteten öffentlichen Versteigerungen ziveier wertvoller Brief 
markensammlungen, deren Erlös, wie wir hörten, sich auf 
etwa 100 000 M. beziffert haben soll. Wie man aus Vor 
stehendem sieht, haben, diejenigen Unrecht, die das Brief- 
markensammeln immer noch als einen Sport, der nur für 
jugendliche Sammler geeignet ist, ansehen. Daß das Brief 
markensammeln speziell in Deutschland derartige gewaltige 
Umfänge annehmen konnte, liegt zum größten Teil daran, 
daß den Briefmarkensamnrlern durch die vorzüglich be 
arbeiteten Saminelbücher die richtige Anleitung und 
Förderung zuteil geworden ist. Die deutschen Briefmarken 
alben sind zweifellos die bestbearbeiteten der Welt, und 
unter ihnen ist das Schwaneberger Album, das in Kürze in 
31. Auflage erscheinen wird, dasjenige, das an erster Stelle 
st;ht. In dem Zeitraum von 35 Jahren 31 neue Auflagen 
eme§ derartig umfangreichen Werkes herauszubringen, ist 
sicherlich der beste Beweis für die Beliebtheit und vorzüg 
liche Brauchbarkeit dieses Albums, uud die in Kürze er 
scheinende Neuauflage 1914 wird deshalb bei allen Sammlern 
wie jedes Jahr ein großes Interesse finden. Der Verlag 
versendet eine Broschüre „Wegweiser für Markensammler", 
die auf Verlangen kostenlos gegeben wird, und die An 
leitung zu sinngemäßem Sammeln bietet. Interessenten 
wenden sich an den Verlag Schaufuß & Stolpe, Leipzig-R. 127. 
o Das Pädagogium für Musik (Dir. Frau Emmi 
Born, Georg Hilgenberg), Berlin-Friedenau, Rheinstr. 5, 
I. —3. Etage sieht Ende September 1913 auf elf Schul 
jahre zurück. Die Schülerfrequenz des letzten Jahres betrug 
279 Schüler, die sich folgendermaßen auf die einzelnen Lehr 
fächer verteilen: Gesang 6, Klavier 199, Violine 50, Violon 
cello 2, Flöte 1, Laute 2, Beteiligung von Externen am 
Klavier-Ensemble 3, am Orchester 4, am Theorie-Unterricht 3, 
an den musikwissenschaftlichen Vorträgen von Dr. Paul 
Ertel 10. Das Lehrerkollegium setzte sich aus den beiden 
Leitern des Konservatoriums und 24 Lehrkräften zusammen. 
Im Laufe des verflossenen Schuljahres fanden 6 öffentliche 
Vortragsabende der Schüler statt, darunter ein Orchester- 
konzert. Außerdem veranstalten die beiden Leiter des 
Instituts 2 musikalische Abendunterhaltungen für die größeren 
Schüler und allmonatlich Vorspielstnnden für sämtliche 
Schiller. Das Orchester des Konservatoriums spielte am 
II. März am Unterhaltungsabend des Parochialvereins und 
begleitete außerdem am selben Abend das Klavierkonzert 
von Medelssohn, das von einer Schülerin der Aus 
bildungsklasse vorgetragen wurde. Im Wintersemester 
1912-13 hielt Herr Dr. Paul Ertel 8 Vorträge über die 
Entwicklung der Oper und des Oratoriums mit Erläute 
rungen am Klavier, die sich reger Beteiligung erfreuten. 
Die Vorträge werden in diesem Winter fortgesetzt und finden 
im Konservatorium von 5 1 /,—6% Uhr an den folgenden 
Dienstagen statt: 28. Oktober, 11. und 25. November, 
9. Dezember 1913, 13. und 27. Januar, 10. und 24. 
Februar 1914. Das Programm dieses Winters umfaßt: 
Händel, seine Oratorien Judas Makkabäus und Messias, 
mit Erläuterungen am Klavier Bach, die II-iuoU-Messe 
und die Matthäuspassion, ebenfalls am Klavier; Gluck als 
Reform der Italienischen Oper: Iphigenie in Aulis und 
Teile aus Orpheus, am Klavier; Haydn: Die Schöpfung, 
mit Erläuterungen am Klavier. Die Vorträge sind für die 
Schüler des Konservatoriums frei. Für jeden Musikfreund 
und Interessenten sind Teilnehmerkarten für das Winter 
semester zu 4 M., fiir den Einzelvortrag zu 0,60 M. im 
Pädagogium Rheinstr. 6 erhältlich. Vom 1. Oktober 1913' 
ein neues Leben anfangen —'liier oder irgendwo, wo es 
dir gefällt." 
Was ihr diese Worte eingegeben hatte, sie selber wußte 
sich keine Rechenschaft darüber zu geben. Nur über das 
eine vielleicht war sie sich vollkommen klar, daß es nicht 
wiedererwachte Liebe gewesen war, die ihr solche Ver- 
cheißungen zugeflüstert. Die einzige Empfindung, die sie 
behexrfchte, war ja das Gefühl einer namenlosen Angst 
— der Angst, daß hier vor ihren Angen etwas Schreckliches 
geschehen könnte, und damit zugleich das heiße, inbrünstige 
Verlangen, dies Schreckliche zu verhindern, sei es auch 
durch die Aufopferung ihrer Persönlichkeit, ihrer Zukunft 
und der unbestimmten Glücksträume, die während dieser 
letzten Monate zuweilen als holde, nebelhafte Gebilde 
durch ihre noch immer junge Seele gezogen waren. Alles, 
,alles wollte sie. hingeben, und alles wollte sie tun, um 
dies bedrohte Leben zu erhalten. Der da in verzehrenden 
Fiebergluten und in heldenhaft ertragenen Schmerzen var 
ihr lag — er war ja doch ihr Gatte, und sie hatten ein 
ander geliebt. Durfte sie zguderq, sich selber hinzugeben, 
wenn sie ihm damit die Kraft verlieh, sich die Erhaltung 
seines Daseins zu erkämpfen? 
Niemals in den Tagen seiner Kraft und Gesundheit 
war Hubert Almröder ein Seelenkundiger gewesen — hier 
aber, auf dem Leidensbette, zu dessen Füßen er seit vier 
undzwanzig Stunden mit voller Deutlichteit den Mann mit 
der Sense stehen sah, hier wurde er scharfsichtig und fein 
fühlend wie ein Visionär. Er sah und las alles, was in 
dem Herzen dieses zitternden, jungen Weibes vorging, und 
ein Schimmer unirdischer Güte, wie Helga ihn nie zuvor 
auf einem Menschenantlitz gesehen, verklärte seine Züge. 
»Helga— meine liebe Helgal" flüsterte er. „Ich nehme 
dem großmütiges Giigdengeschenk an» wie wenn ich noch 
Zeit genug hätte, Gebrauch davon zu machen. Komm' — 
lege deine Hand auf meine Stirn, um mich ganz zu ent 
sühnen. Und habe Dank — Dank — Dank! — So glücklich 
sollst du ein ganzes, langes Leben hindurch sein, wie du 
mich noch vor meine,» Ende gemacht hast." — 
Tiefer sank sein Haupt in die Kissen zurück, und 
wie ei» langes, befreites Aufatmen hob es seine eben 
noch ängstlich keuchende Brust. Von einem furchtbaren 
Schrecken ergriffen, fuhr Helga auf und eilte zur Tür. 
Noch ehe sie sie erreicht hatte, erschien die Schwester auf 
der Schwelle, diesmal in Begleitung des der jungen Frau 
wohlbekaimten, alten Arztes. 
Er grüßte sie stumm, und nachdem er einen Blick auf 
den Kranken geworfen hatte, trat er raschen Schrittes an 
das Lager. Als er sich über Hubert Almrödcr. neigte, 
schlug der Maler die Augen wieder auf, und seine lächeln 
den Lippen flüsterten: 
„Mir ist wohl, Doktor — ganz wohl! — Meine 
Frau ist gekommen, und sie hat mir vergeben. — Ah — 
nun werde ich einen guten Schlummer haben." 
Er streckte sich wie einer, der sich mit Behagen zu 
langer Ruhe anschickt. Doktor Asan, wandte den Kopf 
und winkte der in slatuenhaster Erstarrung inmitten des 
Gemaches stehenden jungen Frau mit den Augen. Sie 
verstand den Wink und den traurigen Ausdruck auf 
seinem Gesicht. Aufschluchzend warf sie sich neben dein 
Sterbenden in die Knie und küßte den letzten Atemhaucki 
von seinen erkaltenden Lippen. 
Fünfzehn Monate nach dem sonnenhellen Iulitaqe 
dem man den früh verstorbenen Maler Hubert Alinrö 
auf dem Münchener Waldfriedhof zum letzten Schlumi 
gebettet, wurde in der Frederiksenschen Villa am Ais 
ufer nach alt-patrizischem Brauch ein vornehm sti 
Familienfest gefeiert: die Vermählung Margaretes 
ihrem Vetter Henry, dem glückseligsten u»d.Ztrahlcnd! 
an sind folgende Lehrfächer in den Lehrplan des Konser 
vatoriums neu aufgenommen: Kontrabaß, Flöte, Oboe, 
Klarinette, Fagott und Waldhorn. Als Lehrkräfte sind aus 
schließlich Königliche Kammermusiker verpflichtet, und zwar 
die Herren Kästly, Waßmundt, Schreiber, Conrad, Bogen 
und Böttcher. An den wöchentlichen Uebungen des Orchesters 
(Sonnabends 6—7 ‘/ 2 Uhr) können sich auch gern Nicht 
schüler des Konservatoriums beteiligen. 
o In der Akademischen Musik-Schille, Direktion 
Joh. Scheurich, Friedenau, Rheinstr. 24, beginnen jetzt 
Anfang Oktober ueue Kurse in den Unter- und Mittelklassen 
für Klavier, Violine, Cello und Gesang. Dem Lehrer 
kollegium dieses bestens eingeführten Konservatoriums sind 
der bekannte Violoncellosolist Herr Emst Wassing (Methode 
Prof. H. Becker, Berlin, und Prof. Grümmer, Wien), sowie 
für die Theorieklassen, Kontrapunkt, Komposition Herr 
Friedrich Albrecht (Studium Kgl. Hochschule) als Lehrer 
neu beigetreten. Im Oktober beginnen Vorträge über 
Jnstrumentenkunde von Herrn Camillo Moritz, Anmeldungen 
bis 15. Oktober. In der dem Institut angegliederten, 
gewissenhaft geleiteten Chor- und Orchesteroereinigung 
werden Teilnehmer in den Proben Dienstag und Mittwoch 
Abends 1 / 2 9 Uhr aufgenommen. 
o Ueber „Berühmter Amerikaner und interessante 
Amerikanerinnen" spricht am Freitag, 10. Oktober, Abends 
8 Uhr in der Humboldt-Akademie (Aula der Falk-Real 
gymnasiums, Lützowstr. 84 d) unser Mitbürger Schriftsteller 
Louis Viereck. Der Vortrag ist mit nahezu 100 Original 
lichtbildern illustriert und kostet der Eintritt (Karten am 
Eingang des Saals) nur 1 M. Es ist hier eine selten ge 
nußreiche Gelegenheit gegeben, sich unterhalten uud zugleich 
über wichtige Zeitgenossen belehren zu lassen. 
o Stuf der Treptower Sternwarte beginnt Direktor 
Dr. F. S. Archenhold am Dienstag, dein 7. Oktober, 
Abends 8 1 / 2 Uhr, eine astronomische Vortragsreihe, die in 
10 Vorlesungen den Laien unter Vorführung zahlreicher 
Lichtbilder und praktischen Uebungen, wie auch unter Be 
nutzung von Filmen in das interessante Gebiet der 
Astronomie einführen soll. Die Vorlesungen finden jeden 
Dienstag von 8'/,—9'/* Uhr statt. Am Mittwoch 8 Uhr- 
Abends wird Direktor Dr. Archeuhold im „Verein von 
Freunden der Treptow-Sternwarte" einen Vortrag über 
„Neues aus der naturwissenschaftlichen Abteilung der dies 
jährigen deutschen Naturforscherversammlung in Wien" 
halten. Gäste haben Zutritt. 
o Für englische und französische Stenographie eröffnet 
der Kurzschriftverein Stolze-Schrey Anfängerkurse fiir Damen 
und Herren, auch Nichtmitglieder. Beginn 9. Oktober 8 Uhr 
im Königstädtischen Gymnasium, Berlin, Elisabethstr. 57-58. 
Nähere Äuskunft durch den Bankbeamten Otto Lehrmann, 
Charlottenburg, Kruinmestr. 40. Diktatübungen in deutscher 
Kurzschrift 40—400 Silben, Fortbildung. Praktikerseminar 
ebenda Dienstags, Freitags 7 1 / 2 bis 10 Uhr. 
o Wertvolle Pelze gestohlen. Für 4000 M. Pelze 
erbeutete ein Dieb in der Motzstraße. Ein Bote der Firma 
Margarete Bräutigam aus der- Markgrafenstraße 46, hatte 
am Sonnabend nachmittag mit,seinem Dreirade verschiedene 
Bestellungen zu besorgen. Als er sein Rad vor dem Hause 
Motzstraße 79 stehen ließ, um dort Waren abzuliefern, fuhr 
ein Dieb mit dem Dreirad davon. Es befanden sich darauf 
für ungefähr 4000 Dt. Pelze. - 
o Selbstmord im Eilzng. Auf einem Abort des Eil 
zuges, der in der vergangenen Nacht gegen 11% Uhr von 
Potsdam kommend in den Potsdamer Fernbahnhof ein 
gelaufen war, fand man die Leiche eines etwa 25 Jahre 
alten, anscheinend den mittleren Ständen angehörenden 
Mannes mit einer Schußwunde im Kopfe auf. Der Un- 
bekannte hielt noch den Revolver, aus dem er den tödlichen 
Schuß abgefeuert hatte, in der Hand. Die Leiche wurde 
dem Schauhause übergeben. 
o Polizeibericht. Als gefunden ist hier angemeldet 
worden: 1 Portemonnaie mit Inhalt. Der rechtmäßige 
Eigentümer vorbenannten Gegenstandes wird aufgefordert, 
seinen Anspruch binnen drei Monaten im hiesigen Fund 
büro, Feurigstr. 7, Zimmer 6, geltend zu machen, da 
sonst anderweit über den Fundgegenstand verfügt werden wird. 
Verems-Nacki-ickten 
Am Dienstag tagen: 
Stenographenverein „Stolze-Schrey". '/,ß Uhr in der Gemeindc- 
^gHB M! WWl»MUIU.mlll IH —!■!! H|| 
aller jungen Ehemänner, die ,'e vor dem Altar oer eyr- 
würdigen Petrikirche zu Hamburg gestanden. Während 
sich nach beendetem Mahle die Gäste drinnen in den 
verschiedenen Nepräsentationsräumen des Hauses verteilten, 
schritt der Konsul Cäsar Frederiksen gemessenen Schrittes' 
aber unruhig suchenden Blickes in den schon herbstlich ver 
färbten Garten hinaus. Und unfern des kleinen Boots 
hafens, wo einst an einem herrlichen Somniertage die 
„Ellida" mit einem glückseligen jungen Brautpaare ac- 
landet war. traf er auf die. die »r gesucht. 
Helga stand an der niederen Gartenmauer und ließ 
ihren Blick über die dunkelnde Wasserfläche hinwegschweifen 
deren leises Rauschen und Plätschern ihr so viel erzählen 
mochte von törichten, längst verwehten Mädchenträumen, 
von bitterem Kämpfen und stille gewordenem Sehnen. 
Sie hatte den Schritt des Konsuls nicht gehört, aber sie 
erschrak trotzdem nicht, als er plötzlich an ihrer Seite 
stand. Ruhig wandte sie ihm ihr schönes Antlitz zu, und 
ein Lächeln war in ihren Augen wie auf ihren Lippen, da 
sich ihre Blicke trafen. 
„Helga," sagte er halblaut, „liebe Helga! Ist meine 
Zeit noch immer nicht gekommen? Willst du Hamburg 
auch diesmal wieder verlassen, ohne einem einsamen 
Menschen, der seit vielen, vielen Jahren auf sein Glück 
gewartet, dieses Glück geschenkt zu haben?" 
Sie antwortete ihm nicht, aber sie ließ ihren blonden 
Kopf sanft au seine Schulter sinken. Und sie wehrte ihm 
nicht, als er sie vollends an sich zog, um mit bebender 
Stimme in ihr Ohr zu stüstern: 
„Helga — du meine geliebte, stolze, schwer errungene 
Braut!" 
E n dss.
        
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