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Periodical volume Nr. 234, 05.10.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

April ii. I., 600 000 M. zum 1. Oktober n. I. und 
der Rest im Jahre 1915. Die Gemeinde kaun also immer 
hin noch eine gewisse Zeit warten mit der Aufnahme einer 
Anleihe, die nicht unter 2 Millionen Mark betragen wird. 
Es ist jedoch kaum zu erwarten, daß der Geldmarkt sich 
auch in den nächsten Jahren bessern wird, und so haben 
Gemeindevorstand und Finanzausschuß beschlossen, das für 
die Gemeinde nötige Geld vorläufig aus dem Reservefonds 
zu nehmen, der zurzeit auf etwa 2 Millionen Mark ange 
wachsen ist. Die Gemeindevertretung ist diesem Beschlusse 
beigetreten. ■ Zur Auffüllung des Reservefonds wird dann 
später bei günstigeren Gcldverhältnissen eine Anleihe aufge 
nommen werden. 
o Allgemeine Viehzählung im Deutschen Reiche. 
Auf Beschluß des Bundesrates findet im Deutschen Reiche 
am 1. Dezember 1913 eine allgemeine Viehzählung statt, 
mit der in Preußen die gleichfalls vom Bundesrate an 
geordnete Obstbaumzählung verbunden wird. 
o Verkchrsverbessernngen ans der Eisenbahn. Zur 
Bewältigung der Verkehrsbedürfnisse in Berlin und den Vor 
orten hat die Eisenbahnverwaltung eine Reihe von Entwürfen 
fertiggestellt, mit deren Ausführung zum Teil schon begonnen 
ist, während für andere Neu- und Umbauten die Projekte 
in der Vorbereitung begriffen sind. Für die Reichshauptstadt 
selbst ist der Erweiterungsbau des stark belasteten Bahnhofes 
Friedrichstraße von hoher Bedeutung; auch die beschlossene 
Elektrisierung der Stadt- und Ringbahn wird eine erhebliche 
Verkehrsverbesserung im Gefolge haben. Dem bereits in 
Angriff genommenen viergleisigen Ausbau der Nordbahn 
wird nun noch derjenige der Anhalter Bahn auf der Strecke 
bis Jüterbog folgen. Die Görlitzer Bahn wird, nach den 
Absichten der Eisenbahnverwaltung, auf der Strecke von 
Grllnau bis Königsmusterhausen das dritte und vierte Gleis 
erhalten. Der Berliner Vorortverkehr macht die Anlage 
zahlreicher neuer Bahnhöfe notwendig. Die Ringbahn wird 
um zwei neue Stationen vermehrt, in Charlottenburg am 
Westende der Neuen Kantstraße zwischen" den Bahnhöfen 
Westend und Halensee um die Station Witzleben und in 
Tenipelhof am Südrande des Exerzierfeldes in der Nähe 
der zu errichtenden Feld-Artillerie-Kaserne an der Oberland- 
straße zwischen den Bahnhöfen Tempelhof und Hermann 
straße um eine Haltestelle. An der Anschlußstrecke Neukölln— 
Baumschulenweg—Niederschöneweide ist im Südostgelände 
von Neukölln der Bahnhof Köllnische Heide im Entstehen 
begriffen. An der Görlitzer Bahn ist zwischen Adlershof- 
Altglienicke und Grünau der neue Vorortbahnhof Altglienicke 
beschlossen; ferner ist im. Zuge der Parkstraße in Treptow- 
Baumschulenweg ein neuer Bahnhof projektiert. Die Zossener 
Vorortstrecke erhält in Mariendorf die neue Haltestelle 
Lankwitzerstraße. Für die im Entstehen begriffene Landhaus- 
siedelung in Wilhelmshorst an der Wetzlarer Bahn hat der 
Eisenbahnminister eine Haltestelle genehmigt. Für die 
Großberliner Gürtelbahn befindet sich die Strecke Nauen— 
Oranienburg im Bau; für die südliche Umgehungsstrecke ist 
dieLinienführung zwischen Michendorf—Großbeeren—Cöpenick 
festgesetzt. Infolge des Baues der Gürtelbahn werden die 
Bahnhöfe Cöpenick, Nauen und Oranienburg einer weit 
gehenden Neugestaltung unterworfen. An der Anhalter 
Strecke wird der Bahnhof Lichterfelde-Ost vollständig um 
gebaut und bedeutend vergrößert. Wegen des Umbaues des 
Wannseebahnhofes Friedenau schweben gegenmärtigVer- 
handlungen. Zur Entlastung der Berliner Bahnhöfe werden die 
großen Verschiebcbahnhöfe bei Rummelsburg, Mahlsdorf 
und Michendorf nach ihrer Neugestaltung dienen. Zu einer 
einwandfreien Regelung des Verkehrs vom Potsdamer und 
Görlitzer Bahnhof und von der Stadtbahn aus wird der 
Vvrortbahnhof Baumschulenweg umgebaut. 
v Eine Besichtigilttgsfahrt ans der Wikmersdorfer 
Untergrundbahn veranstaltet der Friedenauer Bürger 
verein am Freitag, dem 10. Oktober. Trotz erheblicher 
Schwierigkeiten ist es dem Vorstand des Vereins gelungen, 
diese Fahrt zu ermöglichen, die einen Tag nach der amt 
lichen Abnahme und zwei Tage vor der öffentlichen Be 
triebsübergabe der Bahn erfolgt. Es wird unsern Lesern 
noch erinnerlich sein, daß die Wikmersdorfer Untergrund 
bahnstrecke bereits mährend des Baues vom Friedenauer 
Bürgeroerein besichtigt wurde. Die Führung wird auch 
diesmal wieder der Erbauer der Bahn Herr Ingenieur Dr. 
Platzmann übcrnehnien, der schon bei der ersten Be 
kannt zu werden, venu Die Schande lastete ja auch aus 
ibr und sie, die Mutige, Selbstbewußte, Stolze zitterte 
davor, daß einer von denen ihren Weg kreuzen tonnte, 
die sich einst ihre Freunde genannt hatten. 
Fast ohne Atem vor Aufregung, drückte sie ans den 
Klingelkiiopf an der Tür der Bogenhausener Villa. Es 
währte lange, bis jemand kam, ihr zu öffnen, und das 
Gesicht der ältlichen Frau, die endlich erschien, war ihr 
fremd. 
Sie wollte rasch in das Haus eintreten, aber die Frau 
versperrte ihr mit verdrießlicher Miene den Weg. 
„Zu wem wünschen Sie? Hier werden jetzt keine 
Besuche empfangen." 
„Ich bin Frau Helga Almrödcr. Und den Eintritt in 
mein eigenes Haus wird man mir, wie ich hoffe, nicht ver 
wehren." 
Die Dienerin trat zurück. Ein Ausdruck, zugleich der 
Ueberraschung und des Mißtrauens, war auf ihrem Gesicht. 
„Entschuldigen Sie, das konnte ich nicht vermuten. 
Ich bin erst seit einer Woche hier im Dienst." 
„Als was, wenn ich fragen darf?" 
„Als Wirtschafterin oder als Mädchen für alles. Sie 
können es nennen, wie Sie wollen. Herr Almröder hatte 
ani Tage seiner Ankunft an ein Vermietungsbureau telepho 
niert, man solle ihm irgendeine zuverlässige Person für 
seinen Haushalt schicken/ weil er seine bisherigen Dienstboten 
entlassen habe. Er engagierte mich, fast ohne mich anzu 
sehen und ohne auch nur mit einem einzigen Wort nach 
meinen Zeugnissen zu fragen. Wenn aber gnädige Frau 
meine Zeugnisse zu sehen wünschen " 
„Davon ist vorläufig keine Rede. Wenn mein Gatte 
Sie in Dienst genommen bat, so ist alles in Ordnung. 
Sagen Sie mir vor allem, wie er sich befindet. Oder 
ist er vielleicht gar nicht mehr hier im Hause?" 
„Freilich ist er da. Der Doktor wollte ja durchaus, 
daß er in ein Krankenhaus oder in eine Privatklinik ge 
bracht würde. Aber Herr Almröder laate, er wolle bleiben. 
sichtigung durch die eingehenden, auch teils humorvollen Er 
klärungen seine Hörer zu fesseln wußte. Es wird auf jedem 
Bahnhöfe zur Besichtigung gehalten werden. Zu der Be 
sichtigungsfahrt ist jeder Friedenauer Bürger eingeladen. 
Treffpunkt ist der Untergrundbahnhof Rüdesheimer Platz, 
wo am 10. d. Mts. um 5 Uhr Nachmittags die Fahrt 
beginnt. 
o Die goldene Hochzeit feiert am 6. Oktober mit 
seiner . Gattjn ein Alt-Friedenauer, Herr Privatier L. P. 
Mitterdorfer, Wiesbadenerstr. 89. 
o Zusammenschluß von Landgemeinden. Das 
sächsische Ministerium des Innern bemerkt' in einer Ver 
ordnung, die Fälle mehrten sich, in denen Gemeinden Auf 
gaben, deren Erfüllung ihnen an sich zukommen würde, 
insbesondere die Versorgung ihres Gebietes mit Wasser, 
Gas, Elektrizität, einer anderen Gemeinde durch Vertrag 
überließen. Dies sei zulässig und in manchen Fällen auch 
nicht zu umgehen. Aber jeder derartige Vertrag bedeute 
die Aufgabe eines Teiles der Selbständigkeit, er erzeuge für 
die empfangende Gemeinde, eine wirtschaftliche Abhängigkeit 
von der liefernden Gemeinde, deren Folgen regelmäßig noch 
gar nicht abzusehen seien, die augenblicklichen Vorteile des 
Vertrages aber leicht aufwiegen könnten. Das Ministerium 
des Innern sei gewiß nicht für ein gegenseitiges Sichab- 
schließen der Gemeinden, er wisse sehr wohl, daß viele 
kommunale Aufgaben von den kleineren Gemeinden nicht 
allein gelöst werden könnten und daß die Entwicklung 
deutlich nach der Richtung eines Zusammenarbeitens der 
Gemeinden hinweise. Aber es halte nicht für richtig, daß 
die Gemeinsamkeit dadurch herbeigeführt werde, daß die 
schwächere Gemeinde sich der stärkeren mehr oder weniger 
ausliefere. Es glaube vielmehr, daß insbesondere die 
kleineren Gemeinden mehr als bisher sich auf die Möglich 
keit des Zusamenschlusses mit ihresgleichen zu Gemeinde- 
verbänden durch die Selbständigkeit der Gemeinden gewahrt 
bleibe, besinnen sollten. Sache der Aufsichtsbehörden müsse 
es sei», auf die Bildung solcher Gemeindeverbände hinzu 
wirken, dort, wo Verträge zwischen Gemeinden über die 
Versorgung mit Wasser, Gas, Elektrizität, über die. Be 
seitigung oder Klärung von Abwässern, über die Einrichtung 
von Verkehrsverbindungen geschlossen würden, den schwächeren 
Gemeinden beratend beizustehend und darauf zu sehen, daß 
die ihr zustehende öffentliche Gewalt durch den Vertrag nicht 
übec Gebühr beeinträchtigt und ihre freie Entschließung nicht 
unnötig beschränkt werde. Das sei bisher häufig nicht 
möglich gewesen, weil die Aufsichtsbehörden von dem Ab 
schlüsse derartiger Verträge gar nicht oder zu spät Kenntnis 
erhalten hätten. Das Ministerium bestimmt daher, daß 
jede Gemeinde, die in Vertragsverhandlungen — wenn auch 
nur im Wege mündlicher und zunächst unverbindlicher Be 
sprechung — mit einer. anderen Gemeinde trete, um sich 
von dieser mit Wasser, Gas, Elektrizität zu versorgen, oder 
an ihr Schleusennetz anschließen zu lassen oder sonst ent 
geltliche Vorteile von ihr zw empfangen, hiervon alsbald 
ihrer Aufsichtsbehörde Anzeige erstatten und ihr über den 
Gang der Verhandlungen laufend berichte. 
o Der Wasserstand der Grnnewakdseen weist nach den 
letzten Messungen am 1. Oktober gegen das Ergebnis der 
Beobachtungen am 16. September einen kleinen Rückgang 
auf. Wannsee 29,13 (29,15), Schlachtensee 31,57 (31,60), 
Krumnie Lanke 31,60 (31,63) und Waldsee 35,40 (35.41). 
o Freie Hochschule Berlin. Die größte Zahl der 
Vorlesungen nehmen in dieser Woche ihren Anfang. Im 
ganzen sind 123 zehnstündige Vorlesungen und Führungen 
in Museen und im Zool. Garten usw. im Programm an 
gezeigt. Außerdem finden Einzel-Vorträge statt. Jeder, der 
sich für Kunst und Wissenschaft interessiert, findet in dem reich 
haltigen, 64 Seiten starken Programm, das kostenlos in 
sämtlichen Zweiggeschäften von Loeser & Wolfs und in allen 
öffentlichen Bibliotheken und Lesehallen ausgegeben wird, 
Anregung zum Studium, wozu auf allen Wissensgebieten 
Gelegenheit geboten wird. Verkaufsstellen der Hörerkarten 
sind auf Seite 63 und 64 des Programms verzeichnet. 
o Eine Hundertjahrfeier veranstaltet der Friedenauer 
Parochialverein am Dienstag, dem 21. Oktober, Abends 
8 Uhr in der Aula des Reformrealgymnasiums. Die 
Festansprache hält Herr Dr. Hecht. Die Vortragsfolge weist 
ferner auf: Orgeloorspiel, Prolog, historische Tänze und 
Reigen, Gesangsvorträge des Berliner Doppelquartetts (Mit- 
wo er sei. Es fehlt ihm ja auch an nichts. Die Schwester 
ist sehr tüchtig, und schließlich verstehe ich mich auch ein 
bißchen auf Krankenpflege. Wenn inan einen Mann und 
vier Kinder begraben hat, kriegt man Uebung in solchen 
Sachen." 
„Und seine Krankheit? Man hat Ihnen doch wohl ge 
sagt, was meinem Manne fehlt?" 
„Acki, das wissen gnädige Frau noch gar nicht?" 
fragte die Wirtschafterin, und das Mißtrauen glitzerte noch 
lebhafter in ihren Augen. „Obwohl es doch heute schon 
der vierte Tag ist oder gar schon der fünfte. Eine schwere 
Lungenentzündung ist es — auf beiden Seiten und mit 
Komplexioaen oder dergleichen, wie der Doktor sagt." 
„Mein Mann liegt in seinem Schlafzimmer — nicht 
wahr? Ist er — ist er bei Besinnung?" 
„Manchmal wohl nicht so recht, gnädige Frau! Er 
phantasiert viel. Aber zwischendurch redet er doch auch 
wieder ganz vernünftig." 
Helga zauderte. 
„Vielleicht rufen Sie die Schwester, die doch wohl 
bei ihm ist, aus einen Augenblick heraus. Ich möchie doch 
nicht bei meinen Manne eintreten, ohne daß er auf mein 
Kommen vorbereitet worden ist." 
„Ja, das wird auch wohl besser sein, zumal der 
Herr Doktor streng verboten hat, irgendeinen Menschen zu 
ihm zu lassen." 
Sie entfernte sich, und Helga, die in der Hast der 
Abreise nur noch eine kleine Handtasche hatte packen können, 
entl'eüigte sich in dem nächstgelegenen Zimmer ihres Hutes 
und ihres Staubmantels. Sie hatte kaum den Mut, sich 
in den wohlvertrauten Räumen umzuschauen, die ihr Fuß 
betrat. Denn sie kam sich darin wie eine Fremde vor, wie 
ein Eindringling, der davor zittern mußte, daß man ihm 
die Tür wies. Schon in dem kurzen Gespräch mit der 
Wirtschafterin hatte sie kaum ihre Haltung zu bewahren, 
vermocht, und als nun die in die dunkle Tkacht einer Ordens 
schwester gekleidete Krankenpflegerin mit dem lautlosen 
glieder des Berliner Lehrer-Gesangvereins), Festausführung 
„Kurmärker und Pikarde", mit Gesang und Tanz 
von Schneider; Lebende Bilder, gestellt von Herrn 
Kunstmaler Zirges. Eintrittskarten für Mitglieder zum 
Preise von 1 M. und 50 Pfg., für Nichtmitglieder zum 
Preise von 1,50 und 1 M. sind erhältlich in den Papier- 
Handlungen von Ebers, Rheinstr. 15, Kossakowski, 
Schmargendorferstr. 35, Erlich, Kaiserallee 85 und in der 
Musikalienhandlung von Schwartz, Rheinstr. 60. 
o Ein Verein der Träger des Eisernen Kreuzes 
soll gegründet werden. Der Minister des Innern hat durch 
die Nachgeordneten Behörden die Ortpolizeibehörden anweisen 
lassen, über Anregungen zur Gründung solcher Sondervereine 
umgehend der vorgesetzten Instanz zu berichten. 
o Evangel. Bund-Abend. Der Zweigverein Schöne 
berg des Evangelischen Bundes zur Wahrung der deutsch 
protestantischen Interessen hat bekanntlich unter gleichzeitiger 
Annahme des Namens „Zweigverein Schöneberg-Friedenau- 
Steglitz" und unter entsprechender Aenderung seiner Satzungen 
die Arbeit des Evangelischen Bundes im Gemeindebezirk 
Friedenau übernommen und die Herren Pfarrer Kleine und 
Vetter, Geh. Rat Schulze und Rechnungsrat Lange als Vorstands 
mitglieder und Vertrauensleute für Friedenau gewählt. Da 
der letzte Evangel. Bund-Abend im kirchl. Gemeindehause 
im vorigen Jahre so großen Anklang gefunden hatte, daß 
der Saal die Besucher kaum fassen konnte, hat der Vorstand, 
an der Spitze Herr Oberstleutnant a. D. Bauer unter gütiger 
Mitwirkung und Unterstützung des Friedenauer Parochial- 
vereins beschlossen, auch in diesem Jahre am Montag, dem 
13. Oktober, Abends 8 Uhr, in der Aula des Friedenauer 
Realgymnasiums, Eingang Homuthstraße, einen Evangel. 
Bund-Abend zu veranstalten, zu dem alle evangelischen 
Männer und Frauen von Friedenau und Schöneberg, auch 
wenn sie nicht Mitglieder des Bundes oder des Parochial- 
vereins sind, herzlich geladen werden. Der Eintritt ist frei. 
Der bekannte Parlamentarier S. Exzellenz Herr General 
leutnant z. D. v. Liebert, M. d. R., der über eine ganz hervor 
ragende Rednergabe verfügt, wird einen außerordentlich 
packenden Vortrag über „Deutschtum oder Weltbürgertum" 
halten, und Herr Pfarrer Mann-Charlottenburg über, das 
Thema „Deutsch - evangelisch, eine notwendige Parole" 
sprechen. Musikalische Darbietungen umrahmen die Vorträge. 
Ein sehr anregender und lehrreicher Abend ist demgemäß zu 
erwarten. Daß er einen guten Bestich zu verzeichnen haben 
und einen würdigen Verlauf nehmen möge, dafür zu sorgen, 
ist die Pflicht aller unserer evangelischen Mitbürger. Näheres 
an den Säulen und durch die ausgehängten Plakate. 
Programme am Abend für 10 Pfg. erhältlich. 
o Evangelischer Arbeiterverein für Friedenau und 
Umgegend. Ueber „Die Schlacht bei Großbeercn unter 
Berücksichtigung der Stadt Berlin und des Kreises Teltow" 
wird Herr Lehrer Lehmann-Friedenau, am Dienstag, dem 
7. Oktober, abends 8% Uhr, im oberen Saale des „Kaiser 
Wilhelmgartcn" Rheinstr. 65 einen Vortrag halten. Dieser 
Vortrag dürfte- vielen unserer Mitbürger interessant sein 
und ist der Besuch sicher nicht nur von Mitgliedern, sondern 
auch von Gästen sehr empfehlenswert, zumal Herr Lehmann, 
wie man zu sagen pflegt, ein Teltower Kind ist. 
Weiter stehen auf der Tagesordnung: Aufnahme neuer Mit 
glieder, Bericht vom Theaterabend, Jahresfest, Berichte über 
Bezirks- und den kommenden Provinzialverbandsvertretertag 
und Arbeiterkongreß, Vergrößerung unseres Vereinsbanners 
und Verschiedenes. 
o Das große Herbst-PreiSkegeln im Gesellschaftshans 
des Westens, Schöneberg, Hanplstr. 30-31, findet jetzt 
nur noch an 4 Tagen statt und zwar am Sonntag, dem 
5., Freitag, 10., Sonnabend, 11. und Schlußkegeln am 
Sonntag, 12. Oktober 1913p- Gekegelt wird: Freitags und 
Sonnabends von 6 Uhr Nachm, bis 12 Uhr Nachts. Sonntags 
von 3 Uhr Nachm, bis 12 Uhr Nachts. Auf den beiden 
Dauergeldbahnen 1. Preis 1000 M., 2. Preis 800 M., 
3. Preis 600 M. usw. — 20 Geldpreise; der höchste 
Wurf auf diesen Bahnen ist bis jetzt mit 6 Kugeln 49 Holz. 
Hohe Tages- und Stnndenpreise auf allen 6 Bahnen. Auf 
drei kleinen Geldbahnen und eine Wild- und Geflügelbahn 
jeden^ Sonntag nach Schluß des Kegeins Preisverteilung. 
Alle Kegelfreunde von Nah und Fern sind zu diesem 
Schlußkegeln freundlichst eingeladen. Die Führung der 
Kegellisten haben Militärpersonen übernommen. Am Sonntag, 
Schritt und dem undurchdringlich ruhigen Gesicht, die 
diesen Frauen nicht minder eigentümlich zu sein scheinen 
als ihre Gewandung, das Gemach betrat, legte sie vollends 
nicht mehr das geringste Gewicht darauf, die Würde der 
Hausfrau zu repräsentieren. 
„Wie geht es meinem Manne?" fragte sie ungestüm. 
„Darf ich ihn sehen?" 
„Sie sind Frau Alinröder — nicht wahr?" kam es 
.in sehr üverstüisiger Frage von den sausten Lippen der 
Schwester. „Ja, ich glaube wohl, daß Sie ihn sehen 
können. Es ivird ihm nicht schaden, denn er hat schm, ost 
gefragt, ob Sie nicht gekommen seien, und er scheint sie 
mit großer Ungeduld zu erwarten. Aber ich muß Sie srei- 
lich darauf aufmerksam machen, daß Ihr Gatte sehr krank 
ist — sehr krank —," wiederholte sie noch einmal mit 
eigentümlichen! Nachdruck. ),Sie werden das bei Ihrer 
Unterhaltung mit ihm nicht.vergessen, nicht wahr?" 
„Mein Himmel, er ist doch — er ist doch nicht wirtlich 
in Lebensgefahr?" 
„Ich bin nicht berufen, daraus zu antworten, Frau 
Almröder! Sie werden besser tun, es den Arzt zu fragen, 
der in einer Stunde wiederkommen wollte, um, wenn es 
nottäte, die Nacht hier zu verbringen." 
Wie eisiges. Erschauern hatie es Helga bei den letzten 
Worten der Pflege, im überrieselt, denn trotz der uner 
schütterlichen Ruhe uns L.llaffenheit, mit der sie gesprochen 
worden waren, war in d .,eit Worten etwas Unheimliches 
lind Herzbeklemmendes gewesen — etwas wie die düstere 
Ankündigung von etwas unabwendbar Fürchterlichem. 
Und um nichts in der Welt würüs die junge Frau jetzt 
noch die Kraft aufgebracht haben, eine weitere Frage zu Um. 
„Warten Sie hier »och einen Augenblick," sagte die 
Schwester, al-^ sie vor der Tür des Krankenzimmers 
standen. „Es ist nö.ig, daß- ich den Patienten aus Ihr 
Erscheinen vorbereite." 
(Schluß folgt.)
        
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