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Periodical volume Nr. 13, 15.01.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

weilen behalten Sie den Brief mit Ihrem Fünfmarkschein." 
Er ging — und kommt nicht wieder. Man schöpft Berdacht, 
öffnet den Brief und findet neben nutzlosem Geschreibsel 
einige leere Zettel, aber keinen Schein! Den hatte der 
Gauner so nebenbei verschwinden lassen, in seiner eigenen 
Tasche. 
v Vermißte Schüler. Der 12jährige Schüler Kurt I., 
der bei seinen Eltern in der Regensburger Str. 5 in Schöne 
berg wohnte, ist feit gestern spurlos verschwunden. Ob er 
Selbstmord begangen hat, weil er nicht versetzt wurde, konnte 
noch nicht ermittelt werden. — Vermißt wird auch seit 
gestern der 10jährige Schüler Erich Block aus Schöneberg. 
Die Eltern nehmen an, daß dem Knaben ein Unglück zu 
gestoßen ist. Er war mit grauem Anzug, blau und weiß 
gestreiften! Sporthemd, schwarzen Strümpfen und Sandalen 
bekleidet. 
o Schnelle Bestrafung eines Fahrraddiebes. In der 
Straße unter den Eichen in Lichterfelde wurde von einem 
jungen Menschen ein wertvolles Zweirad gestohlen. Wohl 
hatte sich der Dieb, als - der Verlust des Rades gemerkt 
wurde, bereits auf die Maschine geschwungen, doch vergeblich 
versuchte er von der Stelle zu kommen: er war betrunken. 
Der Dieb wurde vom Rade heruntergeholt, tüchtig durch 
geprügelt und dann der Polizei übergeben. Die Beamten 
erkannten in ihm einen alten Fahrradmarder. 
o Zusammenstoß. Mit einem Straßenbahnwagen der 
Linie V (Neukölln-Friedenau-Steglitz) stieß gestern Mittag 
in der Blücherstraße in Berlin ein großer Rollwagen der 
Bahnamtlichen Rollfuhr-Gesellschaft zusammen. Der Anprall 
war so heftig, daß der Führer des Bahnwagens, Gericke, 
gegen die Stirnwand des Borderperrons geschleudert wurde 
und wieder zurückprallte. Dabei wurde er von der Hand 
bremse, die sich wohl infolge der Erschütterung gelöst hatte, 
so heftig gegen den Kopf getroffen, daß er eine tiefe Wunde 
im Gesicht und anscheinend einen Schüdelbruch erlitt. 
o Eine größere Verkehrsstörung entstand am heutigen 
Vorniittag in der Beckerstraße. Vor dem Hause Nr. 10 
war ein großer Möbelwagen vorgefahren, der ein Gleis voll 
kommen versperrte. Bald hatte sich eine größere Einzahl 
von Straßenbahnwagen angesammelt, sodaß der Verkehr von 
und nach Berlin auf den Linien 60, 87 und 88 vollkommen 
stockte. Um die Verspätungen ivieder einzuholen, legte ein 
Teil der Wagen sofort an der Friedenauer Brücke um. 
Infolgedessen verkehrte vom Krankenhause ab längere Zeit 
überhaupt kein Wagen. 
o Ueberfahren. In der Hauptstraße wurde gestern 
der 73 Jahre alle Kaufmann Wilh. Naschmann aus der 
Belziger Straße 59 in Schöneberg von einem Bolle-Wagen 
überfahren und schwer verletzt, als er den Fahrdamm iiber- 
schreiten wollte. 
o Die üble Angewohnheit der Kinder, sich an Wagen 
zu hängen, hat wieder einmal lzu einem Unfall geführt. 
Nor dem Hause Holsteinische Straße 27 wurde der Schiller 
Martin Kasprczyk von einem Möbelwagen überfahren. Den 
Jungen, der sich an diesen gehängt, dann abgeglitten und 
unter den Wagen geraten war, wurden die Zehen des einen 
Fußes abgetrennt, am andern Bein erlitt er eine Quetschung 
der Wade. 
Paterstkbau 
mitgeteilt vom Patentbüro Johannes Koch, Berlin NO. 18, Große 
Frankfurterstr. 59. Abschriften billigst. Auskünfte kostenlos. 
Willi Hagedorn, Berlin, Alte Jakobstr. 156 und Gustav Henkel, 
Berlin-Friedenau, Kaiserallee 70: Strahlfänger zur Verhütung des 
Spritzens von Fontänen. (GM.) 
Kurt Vettsak, Berlin-Friedenau, Bismarckstr. 3: Mit amt 
licher Erlaubnis herzustellende Postwertzeichen mit Reklamsabschnitt. 
(GM.) 
Heinrich Voigt, Berlin-Friedenau, Rubensstr. 1-1: Sclbstver- 
käufer. (Ert. Pat.) 
Seböneberg 
—o Bauerlaubnis wurde erteilt für das Grundstück 
Hohenstaufenstraße 2. Bauherr: Kirchenvorstand von St. 
Matthias in Berlin-Schöneberg. Bauausführender: Albert 
Weber, Architekt, Berlin-Schöneberg, Hauptstr. 85. (ilnibau 
des Erdgeschosses, Läden und Wohnung,) 
— o Im Wege der Zwangsvollstreckung soll das 
Albertstraße 12 belegene, zur Zeit der Eintragung des 
Verstcigerungsvermerkes auf den Namen der Frau Anna 
Türckc, geb. Wünsche, verwitwet gewesene Enthofer, zu 
Berlin-Schmargendorf, Hubertusbader Str. 8, eingetragene 
Grundstück, am 3. Dezember 1913, Vormittags 11 1 / 2 Uhr, 
versteigert werden. Der Gebäudesteuernutzungswert beträgt 
9000 M. 
Ztf\6rnUm 
(Für diese Rubrik übernehmen wir keine Verantwortung.) 
Sehr geehrte Redaktion! Ter Herr F. N., dessen Auslassungen 
über die Straßenbahn aus den: Rascnstreifen Sie aufnahmen, hat 
meiner Ansicht nach durchaus nicht recht. Seine Kritik dient nur 
dazu, die Leute unnötig ängstlich zu machen. Dabei muß es — 
abgesehen von dem hochcrfreulichen gärtnerischen Schmuck — für 
jeden klar sein, daß die Einrichtung ihre großen Vorteile hat. Man 
braucht nicht während des Waaenverkchrs den Straßendamm zri 
überschreiten, sondern bewerkstelligt das Einsteigen vom Bürger 
steig in aller Sicherheit. Der Fahrdamm bleibt dem Fuhrwerk über 
lassen, die Zusammenstöße mit der Elektrischen sind infogedessen so 
gut wie unmöglich geworden. Diese beiden Vorteile der Straßen 
bahnführung an den Bürgersteigen genügen schon allein, um sie der 
Anlage in der Mitte des Straßendammes vorzuziehen. Die Opfer 
des Straßenverkehrs in einer Stadt wie Berlin sind leider groß; 
es müßte doch aber erst durch einwandfreies statistisches Material 
bewiesen werden, daß die neue Einrichtung mehr Unfälle ver 
ursacht als die früher gewohnte. Ich bin überzeugt, daß die An- 
lage der Bahn auf dem Rasenstreifen zwischen Bürgersteig und 
Straßendamm von den meisten Friedenauern gut geheißen wird. 
8t. 
Wie weit das Recht des Hauswirts geht. 
Ein Hauswirt im Siidwcstkorso warf gestern Abend eine arme 
Familie mit drei kleinen Kindern auf die Straße. Sämtliche Sachen 
hatte er in Abwesenheit der Frau einpacken lassen und vor die Tür 
gestellt. Der Mann geht um */,5 Uhr früh zur Arbeit, die Frau 
hat 2 Anfwartestellen; das eine Kind kommt in die Krippe und 
die andern zwei in die Spielschule. Ten Sachen nach zu urteilen, 
sind cs saubere und fleißige Leute, welche ihren Verhältnissen nach 
bei dieser teuren Zeit nicht viel erübrigen können, so daß es vor 
kommt, daß am 1. die Miete nicht zusammen ist. Die Frau zahlte 
am 8. die Miete, die auch der Wirt annahm. Er reichte die Klage 
ein, nachdem er vorher die Familie mit häßlichen Briefen bedachte. 
Die Frau, unerfahren und ängstlich eingeschüchtert durch das Vor 
gehen des Hauswirts, ging vorher zum Gericht und glaubte hiermit 
die Sache für erledigt. Sehr reges Interesse nahm das Publikum, 
welches wohl die Sache nicht ändern konnte, aber mehr Mitgefühl 
mit ihren Mitmenschen hatte, wie der Hauswirt. Ob arm oder 
reich, alles steuerte mit bei, um die Familie wenigstens vor dem 
gröbsten zu schützen. Die Friedenauer Polizeibeamten nahmen sich 
der Sachen an und zeigten viel Mitleid. Wohl werden viele 
anders urteilen und sagen, in solche Verlegenheit könnte ich nicht 
kommen, aber man muß Verhältnisse und Stand beurteilen, die 
teuren Lebensmittel, die Arbeitslosigkeit und daß Kinder Geld 
kosten. Ich bitte hiermit Jedem, dem es gut geht, seinen Mit 
menschen zu helfen. Hauswirte, die mal am 3. die Miete erhalten, 
mögen nicht so häßlich sein und arme Leute in noch größeres 
Unglück stürzen. Paula Mack, Friedenau. 
Endlich — nach langer Unterbrechung — wird der Rummel 
platz zur „großen Freude" der Anwohner benachbarter Straßen in 
Friedenau ivieder eröffnet. Vor ca. 3 , 4 Jahr gab der Gemeinde 
vorsteher auf eine Aufrage die Antwort, der Rummelplatz würde 
nicht wieder eröffnet und die Enteignung zwecks Durchlegung der 
Gutsmuthsstraße ivürde mit großem Eifer betrieben, damit die 
Born- und Gutsmuthsstrnßejschnell ausgebaut werden könnten und 
Friedenau auch hier ein dem Ort würdiges Aussehen erhalte. Seit 
dieser langen Zeit hat man nichts wieder von der Dnrchlegung der 
Gutsmuthsstraße gehört. Hoffentlich nimmt der Rathausbau die 
Kräfte unserer Verwaltung nicht ganz in Anspruch, so daß wir bald 
einen Fortschritt in dieser Sache erwarten können. A. W. 
Vermintes 
*o Von der Fremdenlegion. Vor etwa einem Jahre wurde, 
der „Köln. Ztg." zufolge, der am 3. Oktober in Riedlingen in 
Württemberg geborene'Theodor Faßnacht von seinen Angehörigen 
vermißt, bis sie die schreckliche Nachricht erhielten, der noch nicht 
ganz 17 Jahre alte junge Mann sei von einem Falschwerber der 
Fremdenlegion überliefert worden. Faßnacht befand sich zu jener 
Zeit mit einem anderen jungen Deutschen aus Elberfeld, der aber 
das 18. Lebensjahr schon überschritten hatte, in Lnneville, wo beide 
in einer Automobilfabrik arbeiteten. Von dort machten sie einen 
Ausflug nach Ranzig. In einen, Weinrestaurant gesellte sich ein 
feingeklcidetcr Herr zu ihnen und lud sie zu einem Glas Wein ein. 
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Es wurde aber stark getrunken, bis der Elegante den jungen Leuten 
goldene Berge versprach; er habe ausgezeichnete Stellen für sie in 
Marseille, sie brauchten nur ein Schriftstück zu unterzeichne», damit 
er das Geschäft in Marseille sofort benachrichtigen könne. Ohne 
iveitere llcberlegung gingen die durch den reichlichen Wctngenuß 
stark Erhitzten darauf ein. Nun wurden nicht mehr viel Umstände 
gemacht und die beiden schmählich betrogenen Deutschen kurzerhand 
nach Marseille befördert und in einer Kaserne, aus der es kein 
Entrinnen mehr gab, gefangen gehalten; trotzdem machten sie hier 
und später noch in Afrika Fluchtversuche. Alles Widersprechen half 
nichts; sie wurden schroff auf ihre Unterschriften auf den 
Kapitulationsverhandlungcn hingewiesen. Sie kamen zum zweiten 
Regiment nach Saida, und nach zwölfwöchiger Ausbildung wurde 
Faßnacht nach Marokko gesandt, während sein Elberfelder Leidens 
genosse wegen handgreiflicher Auflehnung ztirzeit eine zweijährige 
schwere Strafe verbüßt. Nachdem die Mutter Faßnachts von dem 
Schicksal ihres Sohnes Kenntnis erhalten hatte, wandte sie sich an 
einen in Riedlingen lebenden Pensionär, der sofort die nötigen 
Schritte tat und die Frau zu dem erforderlichen Schreiben 
unmittelbar an das Auswärtige Amt in Berlin veranlaßte. Ter 
Erfolg war ebenso rasch wie vollständig. Der junge Faßnacht ward 
aus 'Marokko zurückberufen und auf französische Kosten nach 
Marseille und von da an die deutsche Grenze geschafft. Am 
13. September ist er in Riedlingen, seiner Heimat, wieder ein 
getroffen, um im deutschen Heere seiner Militärpflicht, sobald wie 
es zulässig ist, nachzukommen. Ueber den Dienst und das ganze 
Leben in der Legion gibt er an, daß der Dienst außergewöhnlich 
anstrengend, die Behandlung eines Menschen unwürdig, die Kost 
schlecht und ungenügend und die Strafen ungewöhnlich hoch seien; 
die harmloseste Aeußerung, wie nicht genug gegessen, oder keine 
Freude an der Legion zu haben und ähnliche andere, werden mit 
langen und harten Arreststrafen geahndet. Nur seiner kräftigen 
Gesundheit verdankte er die Erhaltrmg seines Lebens. Wer nicht 
Französisch spricht, namentlich Deutsche, werden, bis sie ihre Mund 
art abgelegt haben, besonders gemein behandelt. 
*o Die Ausstellung „Das deutsche Handwerk Dresden 1015" 
verspricht als Ganzes ein wertvoller Typus des Ausstellungswesens 
zu werden. Handwerk und Industrie bringen ihr das größte 
Interesse entgegen uird die Geschäftsführung mußte ab 1. Oktober 
wesentlich vergrößert werden. Stadtbaurat Prof. Erlmein, Dresden, 
hat den Vorsitz im Barmusschuß übernommen. Diese Tatsache 
sorgt für eine einheitliche Ausstellnngsarcksttektnr und Ausnützung 
der Raumverhältnisse nach Zweck und Schönheit. Unter "den 
ncriesten Schritten der Beteiligung an der Ausstellung ist Hervor 
zuheben, daß der Junungsvcrband Deutscher Baugewerksmeister 
eine umfassende Kollektivausstellung 'im Rahmen der Ausstellung 
„Das dcutsckie Handwerk Dresden 1015" ins Auge gefaßt hat, für 
welche 80 000 M. aufgebraucht werden sollen/ In einer Resolution 
hat der Verband einstimmig solche Beteiligung als im vornehmsten 
Interesse des ganzen Vaugewerksmeistcrstandes erachtet. Auch der 
Bezirksverband der Sächsischen und Renßischen Bau-Innungen be 
absichtigt eine derartige Kollektivbeteiligung, um den Fehler auszu 
gleichen, der darin liegt, daß auf der Internationalen Baufach- 
Ausstellung Leipzig 1013, wohl die Eisen- und Betonfachmünner 
sowie die Architekten, nicht aber die Baumeister umfassend zur 
Geltung gekommen sind, lieber die Beteiligung der Maschinen- 
iudustrie ist neuerdings hervorzuheben, daß der Verein Deutscher 
Werkzeugmaschinen-Fabriken, Düsseldorf, beschlossen hat, die Ver- 
cinsmitglicger nachdrücklich auf die Beschickung der Ausstellung mit 
den für das Handwerk geeigneten Maschinen hinzuweisen. 
*o Wie es in einer Kinderlesehalle zugeht. Die Leiterin der 
Kreuznacher Kinderlesehalle erzählt in dem Jahresbericht der 
Anstalt: Schon am ersten Nachmittag kamen viel mehr Kinder, 
als man erwartet hatte, nämlich über 100. Die Kinder müssen sich 
vorher im Nebenraum sehr gründlich die Hände waschen. Dann 
treten sie an den Büchertisch, manche mit ganz bestimmten 
Wünschen, andere wollen nur „e Buch", wieder andere „e dickes", 
einer will ein Kriegsbuch oder Jndianerbuch. Am begehrtesten sind 
Hans Hnckebein, Marund Moritz, Robinson und Märchen. Mit 
ihren Büchern suchen sich die Kinder einen Platz. Sie bringen ihre 
kleinen Geschwister mit, die sie sonst beaufsichtigen müssen, während 
die Mutter auf Arbeit ist. Die Kleinen besehen in einem Winkel 
Bilderbücher. Wenn eine Helferin frei ist, erzählt sie ihnen 
Märchen, denen sie begeistert zuhören. 150—200 Kinder kommen 
jetzt im Laufe des Nachmittags; nur gegen Weihnachten war die 
Zahl etwas niedriger. Als die Lesehalle im Oktober wieder auf 
ging, erklärten einige Kleinere der Leiterin stolz, dieses Jahr 
wollten sie keine Bilderbücher, sie könnten jetzt gut lesen. Einer, 
der voriges Jahr weggeschickt werden mußte, weil er nicht still sein 
konnte, hat geheimnisvoll gesagt: „Gell, Sie schicke mich nit fort, 
awer Sie misse mer nach c Buch gewwe, wo mer gefällt." Die 
Leiterin ließ ihn eins aussuchen. Er hat Wort gehalten: er kommt 
fast alle Tage, holt seinem dreijährigen Schwesterchen ein Bilder 
buch, liest 1 bis 2 Stunden in seinem Buch und geht dann. 
Solcher lesenden Stammgäste hat die Lesehalle etwa 30. 
Wetteraussichten. 
Sonnabend: Mild vielfach heiter, aber veränderlich mit 
etwas Regen und schwachen siidweststlichen Winden. 
Verantwortlicher Schriftleiter: H ermann Marlinius Friedenau 
Von der Reise zurück. ! 
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Rheinstr. 63. Rheinstr. 63.
        
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