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Periodical volume Nr. 233, 03.10.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

(Friedenarrer 
Anparteiische Zeitung für kommunale und bürgerliche 
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Kr. 233. 
Nertin-Iriederiau, Areitag, den 3. Hüloöer 1913. 
20. Zayrg. 
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Depeschen 
Letzte Nachrichten 
Berlin. Der Amtsgerichtsrat I. Noeder in der Cvur- 
biürcstr. 3 Hat gestern Abend in einem Anfall geistiger 
Störung seinem Leben ein Ende gemacht. 
Hamburg. Ingenieur Dahm, der mit seinem Fried 
richshafener Wasserflugzeug, seit acht Tagen in Hamburg 
weilt und gestern Nacht um 12 l / 4 Uhr bei etwas nebligein 
Wetter zum Weiterfluge nach Memel gestartet war, hat einen 
glücklicherweise leichten Unfall erlitten. Dahm erklärte heute 
früh, daß an seinem Motor etwas passiert sein müsse, und 
das; er versucht habe, im Gleitfluge herabzugehen. Im letzten 
Augenblick ivar er aus dem Apparat herausgesprungen, sein 
Monteur wollte seinem Beispiel folgen, was aber mißlang. 
Beide fielen ins Wasser, wurden von Schleppdampfern ge 
borgen und im Hause des Kunstmalers Bvllner untergebracht. 
Heule früh wurden beide Flieger nach dem Altonaer Kranken 
hause gebracht, wo sich die Verletzungen Dahms als ganz 
leicht herausgestellt haben; sein Monteur ist aber schwerer 
verletzt. 
Budapest. Im Palais des Gouverneurs von Fiume 
ist heute Mcht gegen ü‘/ v Uhr eine Bombe explodiert. 
Heute morgen wurde eine Untersuchung vorgenommen, die 
ergab, daß das Attentat gut vorbereitet war. Man ver 
mutet, daß Jlaliener die Urheber sind. Die Polizei ver 
haftete drei verdächtigeIadividuen. Das Organ der italienischen 
Partei in Fiume verurteilt das Attentat in sehr scharfen Worten. 
Köln. Belgrader Meldungen, daß es bei Vraniste be 
reits zu einem Kampf mit den gegen Prizrend vorrückenden 
starken albanischen Abteilungen gekominen ist. Die Albanier 
seien von den Serben geschlagen worden. Die serbischen 
Truppen erhalten fortwährend Verstärkungen. 
Paris. Eine der kostbarsten Trophäen der Asiatischen 
Abteilung des Armee-Museums ist gestern auf geheimnis 
volle Weise verschwunden. Ein anamitischer Säbel, eine 
kostbare orientalische Goldschmiedearbeit, wurde gestern 
Abend beim Schluß des Museums vermißt. Der Dieb zog 
Patnzierblut. 
Roman von Sielnh » ld Ortmann. 
33. tSkachdruck verbotenst 
Ein deutscher Maler, Hubert W, hatte die polnische 
Gräfin W., als sie am Arme eines sehr hochgeborene" 
österreichischen Aristokraten das Foyer betrat, heftig in 
fultiert und ihren Begleiter, der natürlich zum Schutze der 
Dame intervenierte, tätlich angegriffen. Bon Bediensteten 
des Hotels überwältigt, war der Tobende der Polizei 
übergeben und von dieser nach zweitägiger Gefangenschaft 
ausgewiesen worden. Bon einer Duellforderuug hatte der 
beleidigte Aristokrat abgesehen, nachdem der Künstler von 
dem für den Oesterreicher zuständigen Ehrenrat für nicht 
satisfaktionsfähig erklärt worden war. Und als man 
Hubert A. aus der Haft entließ, hatte der hochgeborene 
H-rr das Bad bereits verlassen, und zwar wiederum in 
Gesellschaft der Gräfin W.. die gar kein Hehl daraus ge- 
macht hatte, daß sie seine Geliebte sei. Er dürste um so 
mehr Veranlassung haben, seine Herzensirrung zu bereue^ 
ols er nicht nur durch diese Vorkommnisse in der Münchener 
Gesellschaft so gut wie unmöglich geworden ist, sondern 
als sich auch seine pekuniären Verhältniffe recht unerfreu- 
lich gestaltet zu haben scheinen. Man spricht ziemlich 
laut davon, daß die ganze Herrlichkeit des fürstlich Bogen- 
hausener Künstlerheims nichts als ein grandioses Blendwerk 
gewesen sei, daß die Millionenmilgift der schönen, un- 
nabbaren stolzen Hamburgerin nur in der Einbildung derer 
bestanden habe, die dem Maler daraufhin eschen fast un 
begrenzten Kredit gewährten, und daß bei der Größe der 
vorhandenen Schuldenlast ein vollständiger wirtschaftlicher 
Zusammenbruch des noch vor wenigen Monaten so viel 
umworbenen Künstlers unmittelbar bevorstände. Nach den 
von uns eingezogenen Erkundigungen dürften die kommen 
den Ereignisse den Leuten, die so sprechen, vollkommen 
den Säbel aus der Scheide und nahm nur Klinge und 
Griff mit sich. 
Madrid. In der Nähe von Miranda fand auf der 
Nordeisenbahnlinie ein Zusammenstoß zwischen einem Güter 
zuge und einem Personenzuge statt. Bei dem Zusammen 
stoß wurden 5 Personen getötet und 34 verletzt und 12 
davon schwer. Die Eisenbahnlinie ist längs der Unglücks 
stelle gesperrt. 
Konstantinopel. Die diplomatischen Beziehungen 
zwischen der Türkei und Bulgarien sind gestern in aller 
Form wieder aufgenommen morden. Der zweite bulgarische 
Friedensdelegierte Toschew ist zum Gesandten in Kon 
stantinopel ernannt. Der türkisch-bulgarische Bahnverkehr 
wird in einer Woche wieder eröffnet werden. 
§ilzung äer Gemeindevertretung 
vom Donnerstag, dem 2. Oktober 1913. 
Die Dienstbotenkrankenkasse. 
Das Hauptinteresse der gestrigen Tagesordnung bildete die Be 
ratung der Satzungen für die Land kranken lasse, die für Frie 
denau hauptsächlich als Dienstbotenkrankenkasse in Frage 
kommt. In seinen allgemeinen Ausführungen ging Bürgermeister 
Walger auch auf die Mitteilungen in der Grvßberliner Presse 
über den Abonnementsvcrein und die Landkrankenkasse näher ein. 
Er erkannte die bisherigen Leistungen und das segensreiche Wirken 
des Abonnementsoercins für Dienstherrschaften an, empfahl jedoch 
allen Dienstherrschaften, ihre Mitgliedschaft bei diesem Verein 
rechtzeitig zu kündigen. Tenn nicht allein, daß sic bei der 
Landkrankenkasse erheblich billiger fahren, vermeiden sie auch durch 
eine Versicherung bei dieser Kasse Unannehmlichkeiten und eventl. 
Kosten. Denn cs müssen später alle Dienstboten bei der Land 
krankenkasse angemeldet werden. Ueber die Befreiung von der Ver- 
sicherungspslicht bei der Landkrankenkasse entscheidet der Vorstand 
der Kasse. Die Befreiung kann nur eintreten, wenn die Dienst- 
herrschaft als leistungsfähig angesehen werden kann, alles das zu 
gewähren, was die Kasse bei Erkrankung der Dienstboten diesen 
leistet. Es dürfte da nicht ein Einkommen von nur 3000—4000 M. 
in Betracht kommen, sondern mindestens ein Einkommen von 7000 
bis 8000 M. Der Abonnementsoerein glaubte, daß die Ver 
sicherung bei ihm schon ohne weiteres die Befreiung von der Land 
krankenkasse veranlassen würde. Das dürfte aber wahrscheinlich 
nicht zutreffen. Und so kann es kommen, daß die Dienstherrschaft, 
wenn sie die Mitgliedschaft beim Abonnementsoerein nicht recht- 
eitig kündigt, die Beiträge zum Abonnementsverein und zur Land 
rankenkasse, also doppelt, zu zahlen hat. Darum ijt recht 
zeitige Kündigung beim Abonnementsverein anzuraten. 
Diesen Ausführungen des Vorsitzenden traten Schöffe v. Wrocheni 
und G.-V. Richter bei. Die Satzungen wurden dann nach 
längeren Erörterung in der 1. und 2. Lesung genehmigt. Die Bei- 
ttäge wurden aus 3'/, Proz. des Grundlohnes festgesetzt, sodaß in 
2. Klasse 24.96 M. in III. Klasse 37,44 M. jährlicher Beitrag zu 
zahlen sind. Für die II. Klasse gilt ein Monatslohn bis 28,20 M. 
Für die Versicherungsberechtigten wurden die Beiträge auf % 
herabgesetzt, dafür steht diesen Versicherten aber nur Krankengeld 
zu. — Die übrigen Punkte der Tagesordnung wurden mit Aus 
nahme des Punktes 3, Einrichtung eines Schuldienerzimmcrs im 
Gymnasium, nach den Vorschlägen des Gemeindeoorstandes er 
ledigt. Tie Einrichtung des Schuldienerzimmcrs wurde vertagt, 
um zunächst eine Ortsbesichtigung vorzunehmen. Beschloßen würbe 
ferner ein Vertrag mit den Wasserwerken für die Wasserlieferung 
für das Gütergotzer Friedhofsgrundstück, sowie die Anlage von 
Blitzableitern auf allen Gebäuden des Friedhofsgeländes in 
recht geben, und wenn auch das vorzeitige Ende einer 
mit den höchsten Erwartungen und den glänzendsten Aus 
sichten begonnenen Künstlerlaufbahn aufrichtig zu bedauern 
sein mag, so läßt sich doch nicht verkenne», daß das Ver 
hängnis hier lediglich durch das eigene, nahezu frevelhafte 
Verschulden des Betroffenen heraufbeschworen worden ist." 
Ein prüfender Blick auf den übrigen Inhalt der 
Zeitung ließ Henry keinen Zweifel, daß es sich um ein 
Skandälblatt der übelsten Art handle, was ja auch schon 
aus der Fassung und der behaglichen Breite des Artikels, 
der sich mit Hubert Almröder beschäftigte, zur Genüge her 
vorging. Aber wieviel oder wie wenig der abscheuliche 
Aufiatz auch immer von der wirklichen öffentlichen Meinung 
in München widerspiegeln mochte, daß die darin erzählten 
Tatsachen der Wahrheit entsprachen, schien doch nur allzu 
gewiß. Und die Vorstellung, daß Helga von den Ver 
irrungen ihres Mannes gerade auf solche Art hatte Kennt 
nis erhalten müssen, erfüllte Henry mit ebensoviel Schmerz 
als flammender Empörung. Daß sie den Aufsatz gelesen 
hatte, durfte er ja nicht bezweifeln, und für einen Augen 
blick erfaßte ihn die Furcht, daß sie sich zurückgezogen habe, 
weil sie infolge der Aufregung erkrankt sei. Er schickte sich 
an, sie zu suchen, aber in der Tür des Wohnzimmers schon 
traf er mit ihr zusammen. 
Helga war vielleicht um ein geringes bleicher als sonst, 
aber äußerlich vollkommen beherrscht und ruhig. Ein Blick 
in das Gesicht des Bruders sagte ihr alles, und mit einein 
wehinütigen Zucken an den Mundwinkeln fragte sie: 
„Du hast gelesen, was man über Hubert schreibt? Ein 
trauriges Gewerbe, das diese Ehrabschneider betreiben — 
nicht wahr?" 
„Das elendeste und fluchwürdigste von der Welt. 
Womit aber hast du es oerdi.nt, meine arme Helga, daß 
sich obendrein noch eine erbärmliche Kreatur finden muhte, 
die dir dies Schmutzblatt zusandte! Beim Himmel, ich 
wünschte, daß ich das nichlswürdige Geschöpf hier unter 
ineinen Händen hätte." 
Gütergotz. Für die Grundsteinlegung zum RathauS wurden 
809 M. bewilligt. Vaurat Altmann bemerkte dabei, daß der Rat 
hausbauausschuß die Bewilligung von Mehrkosten für ein Zelt, 
falls Regenwetter sein sollte, nicht vorschlage, da der Aus 
schuß der Meinung sei, daß es nicht regnen, also eine „trockene" 
Feier sein werde. 
Wir bringen nun den Verhandlungsbericht: 
Es fehlen Schöffen Bache, Lichtheim, Sadöe, G.-V. 
Berger, Finke, Huhn, Kalkbrenner, Matthies, Stöcker und 
Uhlenbrock, die Bürgermeister Walger entschuldigt. Das 
Protokoll führt Bürodirektor Sudan, ferner sind anwesend 
Gemeindebaurat Altmann und Assessor Grundmann. 
Bürgermeister Walger eröffnet um */ 4 8 Uhr die 
Sitzung und macht folgende Mitteilungen: 
Die Freiwillige Feuerwehr lädt zu ihrem Stiftungsfeste 
am 11. Oktober ein. 
Der Verband der Landgemeinden hat einen Lichtdruck 
gesandt von der Adresse, die dem Kaiser aus Anlaß seines 
25jährigen Regierungsjubiläums überreicht wurde. 
Da wiederholt der Wunsch geäußert wurde, das 
Elektrizitätsiverk in seinem jetzigen neuen Betriebe zu be 
sichtigen, so werde er die Gemeindevertretung dazu eine 
Stunde vor der nächsten Sitzung nach dem Werk einladen. 
Der Gemeindeoorstond hat eine Aenderung der Kassen- 
anweisung beschlossen, wonach bei Beträgen bis 1000 M. 
nur noch eine Unterschrift als Anweisung zur Zahlung er 
forderlich. Dies erleichtert den Verkehr mit der Kaffe und 
entspricht auch den Wünschen des Finanzausschusses. 
Er bittet dann, noch zwei Punkte auf die Tages 
ordnung zu setzen: 1. Abschluß eines Vertrages mit den 
Wasserwerken für die Wasserleitung nach dem Friedhof in 
Gütergotz; 2. Anlage von Blitzableitern auf den Gebäuden 
des Friedhofs in Gütergotz. Tie Gemeindevertretung setzte 
diese Punkte nach Anerkennung der Dringlichkeit auf die 
Tagesordnung. 
Ohne Erörterung wird die Herstellung einer elektrischen 
Leitung und des elektrischen Kraftanschlusses für den Ge 
sangsaal des Königin-Luise-Lyzeums beschlossen. Die hierzu 
erforderlichen Kosten in Höhe von 200 M. werden bewilligt. 
Betreffend die Einrichtung eines Schuldienerzimmers im 
Gymnasium berichtet Bürgermeister Walger, daß die An 
gelegenheit die Vertretung bereits vor einiger Zeit be 
schäftigt habe. Damals wurde die Vorlage abgelehnt. Nun 
hat sich kürzlich durch eine Erkrankung des Schuldieners er 
neut die Notwendigkeit der Schaffung eines besonderen 
Schuldieneramtszimmer herausgestellt. Auch der Kreisarzt 
hat bemängelt, daß kein besonderes Amtszimmer für den 
Schuldiener vorhanden ist. Er bitte daher um Bewilligung 
der Vorlage. Sollte sie abermals abgelehnt werden, so habe 
doch der Vorstand seiner Pflicht genügt. G.-V. Ott 
weist darauf hin, daß die Wohnung des Schuldieners in 
zwei Stockwerken liegt. Er möchte mal fragen, ob es nicht 
möglich sei, für die unteren Räume einen besonderen Zu 
gang zu schaffen. G.-V. Richter ist auch heute gegen die 
Vorlage. Er habe damals nicht zugestimmt, weil er sich 
„Vielleicht war die Absicht nicht einmal so schlecht, als 
du vermutest. Und ich bin mit mir selber noch keineswegs 
darüber im reinen, ob ich dem anonymen Absender der 
Zeitung zürnen oder ob ich ihm danken soll. Was ich da 
gelesen, hat mich wohl betrübt, aber es hat mich auch sehr 
nachdenklich gemacht. Und es ist viel bitlere Selbstanklage 
in dem Mitleid, das ich für Hubert empfinde." 
„Mitleid, Helga? — Mitleid mit diesem Manne, der 
dich aufgeben konnte, weil eine " 
Die junge Frau hinderte ihn zu vollenden. 
„Nicht bei ihm allein liegt alles Verschulden, Henry! 
Man kann nicht aufgeben, was inan längst verloren hat. 
Und in Wahrheit hatte er mich bereits verloren, noch ehe 
er mir mit dieser Gräfin Wassilewska oder mit irgend 
einer anderen die Treue gebrochen. Er ist nicht so schlecht, 
wie dieser häßliche Skandalartikel ihn darzustellen sucht. 
Noch an dem letzten Tage unseres Beisammenseins, als 
schon die Leidenschaft für diese Frau in seinem Blute 
brannte, war er bereit, auf ihren Besitz zu verzichten und 
reuig zu mir zurückzukehren. Damals glaubte ich, diese 
Bereitwilligkeit, von der ich mich beschimpft fühlte, ab 
weisen zu müssen. Herne aber hege ich bange Zweifel, ob 
ich in Wahrheit ein Recht hatte, so zu handeln." 
„Und du bereust, das Haus deines Mannes verlassen 
zu haben? Du sehnst dich wieder danach," mit ihm ver 
einigt zu sein? 
In ernster, langsamer Bewegung schüttelte sie ver 
neinend den Kopf. 
„Ich sehne mich nicht nach Hubert; denn eine ge- 
storbene Liebe wird nicht wieder lebendig. Aber nicht 
von unserem Sehnen und Wünschen allein dürfen wir 
unsere Handlungen bestimmen lassen. Höher und heiliger 
bleibt doch immer das Gebot der Pflicht. Und jetzt, da ich 
weiß, daß Hubert unglücklich geworden ist, jetzt frage ich 
mich unablässig, ob es nicht meine Pflicht gewesen wäre, 
dies Unglück vorauszusehen und ihn davor zu bewahren." 
(Fortsetzung folgt.)
        
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