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Periodical volume Nr. 232, 02.10.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

sind die Vorbereitungen dazu im Gange. Besonders an den 
Wahlen zn den Orlskrankcnkasscn sind weite Kreise inter 
essiert, unter anderen die Fronen. Es steht zn hassen, das; 
sie die Ausübung des ihnen hier zustehenden Rechtes für 
ihre Pflicht ansehen und sowohl wäyley, als sich zur Wahl 
aufstellen lassen. 
o Amtsverschwiegenheit für Ehrenbeamte. Auf 
Grund einer Verfügung des Ministers des Innern werden 
gegenwärtig die unteren Verwaltirngsbehörden ans die Ver 
schwiegenheit in Privatangelegenheiten hingewiesen und die 
Gemeindeverwaltungen werden ersucht, in diesem Sinne auf 
die Armendirektionen, Armenkommissionsvorstände, Waisen 
räte, Armenärzte usw. hinzuwirken. Vor allen Dingen 
sollen, so heißt es in dem Hinweis u. a., im amtlichen 
Verkehr offene Schreiben nur dann verwendet werden, wenn 
es sich um Mitteilungen handelt, die jeder dritte unbe 
denklich erfahren kann, alle anderen Benachrichtigungen sotten 
in einem verschlossenen Briefe erfolgen. Das gilt be 
sonders auch für Mitteilungen an Arme, die zur Abholung 
einer Unterstützung aufgefordert werden, und denen es 
peinlich sein muß, wenn andere von ihrer finanziellen Not 
lage Kenntnis erlangen. Diese Regel gilt für alle Schreiben 
an Personen in einer Unterstützungssache ganz besonders, 
dann aber auch für Schreiben in allen anderen Privat 
angelegenheiten. Postkarten sind nach Möglichkeit für Mit 
teilungen nicht zn benutzen. — Es ist zu wünschen, daß die 
in Frage kommenden Ehren- und besoldeten Beamten diese 
Anweisung nicht nur zur Kenntnis nehmen, sondern auch 
danach handeln. 
o Ueber die Einrichtung und Funktion städtischer 
Pressebüros spricht am Donnerstag, dem 10. Oktober, 
Herr Zeitungsverleger und Stadtverordneter Nacken-Köpenick 
im Verein Berliner Vorortprcsse in den Räumen der Berliner 
Handelskammer. Sämtliche in Betracht kommenden Städte 
und Gemeinden Groß-Berlins werden zu dieser wichtigen 
Veranstaltung Vertreter entsenden. Koinmuualpolitikcr können 
als Gäste eingeführt werden. 
o Klassenlotterie. Die Frist zur Erneuerung der Lose 
der Preußisch-Süddeutschen Klassenlotterie läuft am Montag, 
dem 0. Oktober, Abends 0 Uhr, ab. ,/Die Ziehung der 
4. Klasse beginnt am Freitag, 10. Oktober. 
o Warnung vor dem Privatforstbeamten-Bernf. 
Der Verein für Privatforstbcamte Deutschlands warnt schon 
seit Jahren vor dem Eintritt in die unsichere und überfüllte 
Privatforstbeamten-Laufbahn. Diese Warnung bezieht sich 
sowohl auf den Schutz- wie ans dem Verwaltungsdienst. 
Die Anzahl der Anwärter ist im Vergleich zu den vor 
handenen Dienststellen so übermäßig, daß der genannte 
Verein sich auch jetzt wieder veranlaßt sieht, die von der 
Schule abgehenden jungen Leute, und besonders deren 
Eltern, vor einer Laufbahn zu warnen, welche den meisten 
Anwärtern nach erfolgter Ausbildung nur Enttäuschung ja 
zn oft Elend bringt. Insbesondere seien die jungen Leute, 
die jetzt mit dem Einjährigenzeugnis die Schule verlassen, 
vor dem Eintritt in die Forstlehre und vor dem Besuche 
jener Forstakademien gewarnt, die zum Teil leider heute 
noch Hörer mit dieser beschränkten Vorbildung aufnehmen. 
Denn gerade die Forstverwaltungslaufbahn weist eine solche 
Menge von stellenlosen, vielfach schon ergrauten Antwärtern 
auf, daß diese trotz ihrer akademischen Ausbildung sich in 
großer Anzahl nicht nur für ausgeschriebene gering besoldete 
Försterstellen, sondern auch für Schreiber- und ähnliche 
geringe Stellen in anderen Bernsen melden. Hiernach mögen 
die jungen Leute, die sich dem Privatsorstdienste widmen 
wollen, selbst ermessen, welch trauriger Zukunft sie entgegen 
gehen, wenn sie sich dennoch dem äußerlich gewiß so ideal 
anzusehenden forstlichen Berufe widmen. 
o Astronomisches vom Oktober. Im Oktober machen 
sich die kurzen Tage schon recht bemerkbar und Lampe wie 
Ofen treten immer mehr in Wirksamkeit. Während das 
TageSgestirn zu Anfang des Monats 0 Uhr 2 Minuten auf 
geht, scheint uns die Sonne zu Ende d. M. erst um 0 Uhr 
55 Min. Und während die Sonne am 1. Oktober 5 Uhr 
07 Min. untergeht, findet ihr Untergang am 3l. Oktober 
bereits 4 Uhr 31 Min. statt. Am 24. Oktober 2 Uhr 
Morgens tritt die Sonne in das Zeichen des Skorpions. 
Den 14. Oktober haben wir Vollmond. Was die Planeten- 
Erscheinungen betrifft, so ist zu bcinerken: Der Merkur 
bleibt unsichtbar. Die Venus nimmt an Sichtbarkeitsdauer 
ab bis auf kaum 2 Stunden am Ende des Monats. 
Dagegen nimmt der Mars an Sichtbarkeitsdauer zu bis 
ans 8 l / 4 Stunden am Ende des Monats. Der Jupiter ist 
nach dieser Entdeckung der Versuchung nicht mehr wider 
stehen, den durch die Markierung hervorgehobenen Artikel 
hastig zu überfliegen. Er trug die Ueberschrift: „DerHcrzens- 
roinan eines bekannten Münchener Künstlers", und lautete: 
„Viel besprochen wird in der hiesigen Gesellschaft eine 
Affäre, deren Mittelpunkt einer unserer bekanntesten und 
vom Glücke bisher in geradezu unerhörter Weise begünstigten 
jüngeren Maler bildet. Die Angelegenheit ist allerdings in 
ihren Anfängen nicht mehr ganz neuen Dalums, denn sie 
bildete schon vor etlichen Monaten eine lebhaft erörterte 
Bereicherung unserer chronique skandaleuss. Aber durch 
den für den Hauptbetciligten sehr unerfreulichen Abschluß, 
den sie in jüngster Zeit gefunden, ist sie wieder in dein 
Vordergrund des allgemeinen Interesses gerückt morden. 
Es handelt sich um den namentlich als mondainer Por 
trätmaler sehr geschätzten und hoch bezahlten Hubert A., 
einen Künstler, dessen glänzende Erscheinung und dessen 
sicheres Auftreten ihm schon im Beginn seiner Laufbahn 
einen bevorzugten Platz in der besten Gesellschaft gesichert 
hatten. Am stärksten . befestigt allerdings wurde diese 
Stellung wohl durch den Umstand, bas; A. vor etwa zwei 
Jahren eine auffallend schöne junge Dame aus einer der 
ersten Hamburgischen Patrizicrsamilien als Gattin heim 
führte. Man erzählte sich damals überall von einer Mit- 
gift, die nach hundertiausenden, wenn nicht nach Millionen 
gezählt habe, und man wunderte sich deshalb auch nicht 
über die fürstliche Einrichtung, die der Künstler seiner 
Vogenhausener Mietvilla gab, wie über den einem riesigen 
Vermögen entsprechenden Zuschnitt seiner Haushaltung. 
A. übte eine verschwenderische Gastlichkeit, und man 
war gewöhnt, ihn namentlich zur Faschingszeit an der 
Spitze beinahe jeder großen gesellschaftlichen Veranstaltung 
"> sehen. Obwohl das kühle und bis zur Abweisung zurück- 
Eitde Oktober nur noch 2 1 / 2 Stunden zu sehen. Der 
Saturn dagegen ist die ganze Nacht hindurch zu beobachten. 
o Geschäftsjnbiläum. Am 1. Oktober waren 25 Jahre 
vergangen, da Herr Heinrich Kossakowski in der Rhein- 
straße 1 seine Papier- und Schreibwarenhandlung eröffnete. 
Als vor etwa 8 Jahren das alte Haus Rheinstraße 1 ab 
gerissen wurde, verlegte Herr Kossakowski sein Geschäft nach 
Schmargendorfer Straße 35, wo es sich noch heute befindet. 
Durch umsichtige Leitung, Fleiß und liebenswürdigen Um 
gang mit der Kundschaft hat der Jubilar sein Geschäft von 
kleinem Anfange zu einem angesehenen Unternehmen aus 
gebildet. Herr Kossakowski erfreut sich auch in weiten 
Kreisen unserer Bürgerschaft, vor allein im Vereinsleben, 
großer Beliebtheit. Wir wünschen ihm ferner Glück und 
Segelt in seinem Unternehmen und verbinden damit auch 
beste Wünsche für sein ferneres leibliches Wohlergehen. 
o Missionsstunde. Montag, den 6. Oktober, Abends 
8 Uhr, wird Missionsinspektor Roterberg inr Goßnerschen 
Missionshause, Handjerystr. 19/20,'die monatliche Missions- 
stnnde halten. 
o Männer-Turuverein zu Friedenau. Wer es iiber 
sich gewann, Sonntag früh in der 6. Stunde den Schlaf 
aus" den Augen zu reiben, und sich von seinen weichen 
Daunenkissen loszureißen vermochte, um der Einladung des 
Turnwarts der Altersabteilung zur Herbstlurnfahrt folgen zu 
können, der ist reichlich belohnt worden für diese Tat, welche 
manchem einen heroischen Entschluß gekostet haben mag. 
24 Teilnehmer, darunter 3 Gäste, versammelten sich um 
6.40 am Ringbahnhof Wilmersdorf-Friedenau zur gemein 
samen Fahrt nach Bernau, eine der ältesten Städte auf dem 
Barnim. Von hier aus begann die Wanderung. Der Weg 
führte durch das Königstor, einem einfachen Backsteinbau 
mit spitzbogiger Durchfahrt, an der noch heute zum größten 
Teil erhaltenen mittelalterlichen Feldsteinmauer entlang zum 
Kriegerdenkmal, an dem sich zwischen den Wällen hin 
ziehenden Kirchhof vorüber auf die Wandlitzer Chaussee. 
Nach etwa einstündigem Marsche wurde die Bcrnauer Stadt 
forst erreicht, wo am Eingänge derselben das Restaurant 
Waldkater zur kurzen Rast einladete. Sobald die so not 
wendige Stärkung der nüchternen Btagen erfolgt war, ging 
es weiter unter fröhlichem Gesang durch prächtigen Nadel 
später Laubwald zum schönen waldumsäumten Liepnitzsee. 
Das an demselben gelegene Forsthaus Liepnitz bietet einen 
so prächtigen Blick über den See, daß ein längeres Ver 
weilen hier beschlossen wurde. Einige Turngenossen be 
nutzten die Zeit, ihre Künste im Rudern zu zeigen, während 
die übrigen sich von der Gartenterrasse aus an der land 
schaftlichen Schönheit ergötzten. Schnell war eine Stunde 
verflogen, und es mußte zum Aufbruch gerüstet werden. 
Durch schönen Wald am Ufer des Sees entlang, an Uetzdorf 
vorüber, führte der Weg nach Dorf Lanke, das sich anmutig 
in einer Talmulde dem Auge darbietet. Im Restaurant 
Schloßpark fanden die Turner einen gut gedeckten Mittags 
tisch vor, dem von Allen tüchtig zugesprochen wurde. Die 
reichliche Mittagsrast ermöglichte es, die neu erworbene 
Besitzung der Stadt Berlin etwas in Augenschein zu nehmen, 
wobei namentlich der prächtige Schloßpark allgemeine Be 
wunderung Hervorruf. Nur allzuschnell verstrich die Zeit. 
;Es mußte an die Heimkehr gedacht werden, sollte das noch 
nahezu 3 Stunden entfernte Endziel Rüdnitz rechtzeitig er 
reicht werden. Neu gestärkt trat die Gesellschaft den Rück 
marsch an, der durch Buchenwald an einem der schönsten 
iSeen der Mark, den Hellsee, voriibcrführte. Zu den vielen 
^schönen Eindrücken, die sich auf der Partie dem Beschauer 
darboten, gesellte sich zum Schluß noch das Bild eines Herr-, 
ilichen Sonnenuntergangs. Begünstigt von einem selten 
prächtigen Herbstwetter, werden die Turngcnossen in freier 
Natur frische Kraft und Erholung gesammelt haben, und 
mit Befriedigung an die Turnfahrt zurückdenken. 
o Stenographisches. Der hiesige Stenographenverein 
!Gabelsbergcr hält am morgigen Freitag seine erste Herbst- 
chersammlung im Restaurant „Hohenzollern", Handjerystr. 64, 
ab. Eine stattliche Anzahl von Mitgliederanmeldungen 
rvird an diesen: Abend seine Erledigung finden, außerdein 
werden die neuen Statuten beraten werden. Inr Anschluß 
an die geschäftliche Sitzung, die sich im übrigen mit der 
für die kommende Zeit zu entfaltenden Winterpropaganda 
zu beschäftigen haben wird, wird vom Redakteur und grvß- 
herzogl. badischen Kammerstenographen Max Cohn ein 
Vortrag gehalten werden über das zeitgemäße Thema: 
„Stenographie oder Maschine?* Von der Parlograph- 
Gesellschast wird in Verfolg des Vortrages ein elektrisch 
haltende Wesen seiner schönen Gattin bald allgemein aus 
fiel, hielt inan die Ehe des Künstlers doch für vollkommen 
glücklich, bis während des letzten Faschings ein Ereignis 
eintrat, das durch die begleitenden Umstände ganz das 
Aussehen einer ehelichen Katastrophe erhielt. Roch werden 
sich ja viele unserer Leser mit lebhaftem Vergnügen des 
prächtigen Künstlerfestes „Eine Nacyt der Kleopatra" er 
innern, das diesmal den Höhepunkt der vornehmeren 
karnevalistischen Veranstaltungen bedeutete und an dessen 
Arrangement Hubert A. den hervonagendsteu Anteil hatte. 
Bei dein Festspiel, das diesen für alle Teilnehmer unver 
geßlichen Abend einleitete, agierte A., durch seine bestechende 
männliche Erscheinung von vornherein dazu prädestiniert, die 
Rolle des Antonius, während die derKleopatra nicht, wie 
man es allgemein erwartet halte, von feiner Gattin, sondern 
von einer der Münchener Künstlerwelt bis dahin ganz unbe-- 
kannten Persönlichkeit, der polnischen Gräfin W., über- 
nonimen worden war. Darüber, daß man in ganz Isar- 
Athen keine geeignetere Darstellerin der üppigen ägypti 
schen Königin und Buhlerin hätte ausfindig machen können, 
gab es allerdings nur eine einzige Stimme. Diese Kleopatra 
war einfcrch berückend, und dem Interesse, das man ihrer 
rassigen Schönheit entgegenbrachte, tat es nicht den ge 
ringsten Abbruch, daß über die Vergangenheit des ve- 
zaubernden Fremdlings die abenteuerlichsten Gerüchte um 
liefen. Selvstniordc, die um ihretwillen verübt worden 
waren, und tragisch verlaufene Zweikämpfe, zu denen sie 
den Anlaß gegeben haben sollte, spielten in diesen mehr 
oder weniger romantischen Geschichten eine grotze Rolle, 
und es war jedenfalls sicher, daß die reizende polnische 
Witwe mancherlei auf dem Gewissen hatte, was man 
einer Dame der heimische» Gesellschaft nimmermehr verziehen 
haben würde, selbst wenn sie über ein so riesiges Vermögen 
betriebener Diktierapparat erklärt und in praxi vorgeführt 
werden. Alle nach Gabelsbergcr stenographierenden Damen 
und Herren sind zir dem Vortrag herzlichst eingeladen, auch 
Gäste, die nicht stcnographiekundig sind, sind gern gesehen. 
Jedeir Freitag hält der Verein in den gleichen Räumen 
unter Leitung des Magistratsstenographen Herrn Nürnberger 
Fortbildungsunterricht sowie Anfangskursc ab. Anmeldungen 
nimmt der Vorsitzende, Redakteur und Reichstagsjonrnalist 
M. Schirmer, Stubenranchstr. 68, entgegen. 
o Die Dichterabende in Lichterfelde, die auch ans 
unserem Orte zahlreiche Besucher finden trnd deren künstle 
rische und literarische Bedeutung durch die bisherigen Ver 
anstaltungen erwiesen ist, sollen auch in diesem Winter 
fortgesetzt werden. Die erste Veranstaltung im neuen Pro 
gramm findet bereits am Freitag, dem 10. Oktober, abends 
8V 4 Uhr in der Aula des Neuen Realgymnasiums zu 
Lichterfelde, Drakestr. 72/75 (5 Minuten vom Bahnhof 
Lichtcrfelde-West) statt. Es sind hierfür zwei besonders 
interessante Gäste gewonnen worden und zwar: Olga 
Wohlbrück und; Freiherr v. Schlicht (Graf Baudissin), die 
aus eigenen Werken lesen werden. Mit diesen beiden Per 
sönlichkeiten dürfte ein würdiger Auftakt zu den diesmaligen 
Lichterfelder Dichterabenden gegeben sein. Eine beschränkte 
Zahl von Eintrittskarten zu den Preisen von 2 M., 1,50 M. 
und 1 M. stehen noch zur Verfügung und sind bei dem 
Leiter der Veranstaltungen: Redakteur Franz Hauser, Berlin- 
Lichterfelde, Göthestr. 7, Tel. Li. 3115, schriftlich oder tele 
fonisch zu bestellen. 
o Ein alter Schwindel wird gegenwärtig wieder mit 
Erfolg durchgeführt, sodaß eine Warnung angebracht sein 
diirfte. Zu einzelnen hiesigen Ladenbesitzern kam ein junger 
Mann, der erzählte, daß er für einen im Hause wohnhaften 
Mieter ein bestelltes Buch abzugeben, diesen aber nicht an 
getroffen habe; der Geschäftsmann erklärte sich sodann berest, 
das Buch anzunehmen, und legte den Betrag hierfür, in 
einzelnen Fällen 2—5 M., aus. Nachdem der Mieter 
zurückgekehrt war, stellte sich der Schwindel heraus; das 
Buch, das so gut wie gar keinen Wert hat, war von ihm 
nicht bestellt. Der junge Mann, der das Buch brachte, war 
etwa 19—20 Jahre alt und trug einen braunen Anzug. 
Es steht zu erwarten, daß der Schwindel weiter versucht 
werden wird; in solchen Fällen benachrichtige man sofort 
die Polizei. 
o Polizeibericht. Als gefunden ist hier angemeldet 
worden: 1 Pack schmutziger Wäsche, 1 Visithandtäschchen, 
1 Portemonnaie mit Inhalt, 1 Pompadour, 1 Fuß-(Ab- 
4rete)-Decke, 1 Trauring mit Gravierung; zugelaufen 1 Hund. 
^Die rechtmäßigen Eigentümer vorbenannter Gegenstände 
werden aufgefordert, ihre Ansprüche binnen drei Monaten 
im hiesigen Fundbüro, Feurigstr. 7, Zimmer 0. geltend 
izu machen, da sonst anderweit über die Fundgegenstände 
und den Hund verfügt werden wird. 
Vereins-Nacki-icklen 
Heute Donnerstag tagen: 
Kegelklub „Friedenau 1009" (Mitglied des Verbandes Berliner 
iKegelklubs E. V.) kegelt jeden Donnerstag von 80,- 12 Uhr Abends 
auf 2 vorschriftsmäßigen Vcrbandsbahuen im Keglerheim Lautci- 
platz-Casiiw, Hauptstr. 80. Vorsitzender: Willi Mandel. Kaufmann, 
sVerlin-Jriedenau, Rvnnebcrgstr. 7 v. II, Schriftführer: Hermann 
Dänisch, Buchhalter, Berlin-Steglitz, Peschkestr. 15, Kassierer: Paul 
Töpfer, Optiker, Berlin-Großlichterfeldc-Wcst, Drakestr. 49. 
Am Freitag tagen: 
Stcnographenverein „Stolze-Schrey". '/,9 Uhr in der Gemeinde- 
iMädchenschule, Goßlcrstratze. Diktatschreiben in verschiedenen Ab 
deckungen. 
Deilsche Kolonialgcsellschaft, Abteilung Berlin: Vortag des 
iHerrn Hauptmann a. D. Frhr. v. Antenrico, am 3. Oktober 1013, 
-abends 8'/< Uhr im „Künstlerhause", Berlin, Bellevuestr. 3: „Frank- 
-rcichs Nordasrikanisches Kolonialreich" (mit Lichtbildern ) 
Scköneberg 
—o In das Handelsregister wurde eingetragen: 
Nr. 41 579. Firma Heinrich Selten in Schöneberg. Inhaber 
Heinrich Selten, Agent, Schöneberg. 
—o Zwangsvcrsteigcrungsergebnisse. Barbarossastraße 
Nr. 45, Ecke Berchtesgadener Straße 39/40, dem Architekten 
Anton Cawi in Berlin-Lichterfelde, Potsdamer Str. 34, 
gehörig. Fläche 12,02 Ar. Nutzungswert 27 500 M. Mit 
dem Gebot von 90 000 M. bar und Uebernahme von 
390 600 M. Hypotheken blieb der prakt. Arzt Dr. Hugo 
Boch in Berlin. — Nollendorfplatz 9, dem Restaurateur 
Otto Krause, im selben Hause, gehörig. Fläche 7,54 Ar. 
Nutzungswert 20 800 M. Mit dem Gebot von 405 000 M. 
verfügt hätte, wie man es der Gräfin W. nachsagte, Cs 
war offenkundig, daß sich etliche Schmetterlinge aus unserer 
Lebewelt an dieser unwiderstehlich lockenden Flamme die 
Flügel verbrannt hatten, aber ebenso offen lag es für 
alle Teilnehmer an dem Künftlerfest zutage, daß die Polin 
unter all den -eifrigen Bewerbern um ihre Gunst nur 
eine» einzigen auserwählt halte: ihren in Maniieskraft 
und Mannesjchönhcit prangende» Partner Hubert-Auronius. 
Die Art, in der die beiden sowohl auf der Generalprobe 
wie auf dem Feste selbst miteinander verkehrten, erregte 
um so größeres Aufsehen, als die Gattin des Malers 
bei der Veranstaltung nicht erschienen war. Mau fand 
das Benehmen des Künstlers und der Gräfin geradezu 
skandalös, und man war nach dieser beinahe tollkühnen 
Herausforderung der öffentlichen Meinung kaum noch 
überrascht, als sich wenige Tage später das Gerücht ver 
breitete, Hubert A. habe alle seine begonnenen Arbeiten 
und alle seine Aufträge im Stich gelassen, um in Gesell 
schaft der Gräfin an die Riviera zu reisen, während seine 
junge Frau.gleichzeitig das Haus verlassen habe und zu 
ihren Hamburger Verwandten zurückgekehrt sei. Jeden 
falls stand die Billa in Bogenhauseu plötzlich leer, und 
ihre sonst so gastlich geöffneten Pforten sind den zahlreichen 
Freunden des jungen Künstlers bis auf den heutigen Tag 
verschlossen geblieben. D'c Affäre wurde damals sehr viel 
und, wie man sich deuten kann, in einem für Hubert A. 
nicht gerade schmeichelhaften Sinne beredet; aber sie wäre 
doch vielleicht nach und nach in Vergessenheit geraten, wenn 
nicht Nachrichten, die vor einigen Tagen aus Biarritz hier 
her gelangten, von einen, recht kläglichen Abschluß des 
pikanten Romans zu erzählen gewußt Hütten. Die Berichte 
meldeten von einer turbulenten Szene, die sich im Foyer 
eines dortigen Hotels zugetragen. (Fortsetzung folgt.)
        
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