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Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

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Beilage zu Nr 231 des , Friedenauer LokalAuzigeer' 
Mittwoch, den 1. Oktober 1913. 
Lokales 
(Nachdruck unserer o-Originalartikel nur mit Quellenangabe gestattet.) 
o Raucher in Eisenbahnzügen. Gegen rauchende 
Eisenbahnreisende in Nichtraucherabteilen, in Frauenabteilen 
und in den Gängen der O-Ziige wird fortan mit aller 
Ctrnige eingeschritten werden. Die Eisenbahndirektionen 
machen durch Verfügungen den Betriebsinspektionen zur 
Pflicht, solche Reisende zunächst streng zu verwarnen, dann 
aber unweigerlich in Strafe zu nehmen. Auch gegen Zug- 
bedienstete, welche das Rauchen in den für Nichtraucher be 
stimmten Zugteilen dulden, soll in Zukunft mit Strafen 
vorgegangen iverden. 
n Winke für die Stellensuche, die für viele Frauen 
und Mädchen zum Herbst von Nutzen sein werden, gibt ein 
Aufsatz, den wir in der illustrierten Wochenschrift „Die 
Deutsche Frau" (Verlag der „Deutschen Frau" [Behagen & 
Klasingj, Leipzig) finden und aus dem wir eine Probe mit 
teilen: Hat man sich entschlossen, oder besser gesagt, glaubt 
den in dem Ausschreiben aufgeführten Anforderungen ge 
nügen zu können, so gebrauche man nicht die abgeschmackte 
Wendung: „Ich wäre nicht abgeneigt, die Stelle in Ihrem 
Hause anzunehmen". Wenn man nur „nicht abgencigt" ist, 
so unterlasse man die Bewerbung. Es muß vielmehr der 
Wunsch der Suchenden sein, eine Stelle und augenblicklich 
gerade diese Stelle anzunehmen. Man melde sich also, das 
ist einfach, kurz und höflich. Ist das Nichtabgeneigtsein 
eine törichte „Hochnäsigkeit", die schon manche Zurückweisung 
nach sich zog, so wäre es auch wieder ganz verkehrt, im 
ersten Briefe gleich Lebensschicksale aller Art mitzuteilen. 
Derartige Mitteilungen sind auf diesem Standpunkt der 
Verhandlungen unnötig und unerwünscht. Vor allen Dingen 
vermeide man alles, was das Mitleid herausfordern soll, 
wie „arme Waise" usw. Später, wenn der Schriftwechsel 
zum Ziele geführt, wird sich die Familie gewiß für das 
Geschick des jungen Mädchens interessieren. Bei diesen Vor 
besprechungen könnte die Erwähnung doch nur dazu dienen 
sollen, das Mitleid mit in die Wagschale zu legen, und 
dazu sollten unsere jungen Mädchen zu stolz sein. Ein 
Mädchen von über 21 Jahren, das selbständig über sich 
verfügen kann, mag ihr Alleinstehen noch so schmerzlich 
empfinden, andere Menschen geht das garnichts an — oder 
wie jemand mit verblüffender Offenheit sagte: Waisen über 
21 Jahre gibt es nicht! Die Zeugnisse, die dem Bewerbungs 
schreiben beiliegen, müssen gut und sauber abgeschrieben sein, 
Originale versende man nur, wo sie von Behörden für 
staatliche Stellen ausdrücklich verlangt werden. Man wird 
sie von solchen Stellen pünktlich zurückerhalten. Werden 
Photographien verlangt, eine oft recht unangenehme Be 
lastung für die Suchende, so sorge man für eine, die nicht 
vor etwa zehn Jahren angefertigt wurde und eine ganz 
andere zeigt, als die sich vielleicht einige Wochen später der 
erstaunten Familie vorstellt. Die Adresse der Ausbildungs 
anstalt zu nennen, ist immer gut, wegen etwaiger Er 
kundigungen auch an dieser Stelle. Es ist immer ganz 
nützlich, wenn man statt aller persönlichen Bemerkungen noch 
besondere Fertigkeiten und Kenntnisse anführt, wie etwa: 
Kursus in Krankenpflege, Handarbeitseramen usw. Den 
Zeugnissen und der Photographie ist Rückporto anzufügen. 
o Es wird weiter getanzt! Unter diesem Titel bringt 
soeben der bekannte in Friedenau wohnhafte Komponist 
C. Morena ein neues Potpourri in den Handel. In leicht 
spielbarem, dabei vollklingendeni Arrangement finden wir 
hier die beliebtesten Modelänze, welche jetzt allerorts den 
Tanzboden beheirschen, wie den Onestep, Twostep, Ragtime, 
Valje boston, Tango usw. effektvoll aneinandergereiht. Ohne 
Zweisel wird auch diese hochaktuelle Novität ans der Feder 
des so erfolgreichen KomponistcL von „Berlin wackelt" ihren 
Weg in alle Kreise, wo heitckE^Mnsik nicht verschmäht wird, 
finden. Das Titelblatt ist mit einer originellen Zeichnung 
von Ernst Heilemann, dem bewährten Mitarbeiter des 
„Simplicissimus" und der „Lustigen Blätter" geschmückt. 
Das neue opus von Morena ist stets vorrätig in der hiesigen 
Musikalienhandlung von Schwarz (Rheinschlotz). 
o Tie 1. und 2. Knaben-Abteilnng des Männer- 
TurnpereiuS beteiligte sich am Sonntag an dem Knaben- 
Wetturnen des 2. (Teltvwer) Turnbezirks des Havelgaues 
auf dem Spielplatz der Höheren Schulen in Dahlem. 210 
Schüler im Alter von 8 — 14 Jahren traten zu dem Wett 
kampf an. Die Knaben-Abteilungen des Männer-Turnvereins 
stellten mit 55 Wetturnern die größte Teilnehmerzahl. In 
der Oberstufe (Schüler van 12 — 14 Jahren) wurde Kugel 
stoßen, Dreisprung und 80 Meter-Lauf geturnt. Den 
1. Rang erhielt W. Bickel mit 60 Punkten und 13 Ueber- 
punkten, den 4. P. Bogt, den 5. W. Graßhos, den 6. 
W. Streblow, E. Hübner. Insgesamt erhielten in der 
Oberstufe 15 Friedenauer Jungen den Eichenstrauß. In 
der Unterstufe wurde Kugelstoßen, Weitsprung und 60 Meter- 
Lauf geturnt. Auch hier stellten die Knaben-Abteilungen 
des Männer-Turnvereins mit H. Schöppner und M. Schmidt 
die 1. Sieger. Den 2. und 3. Rang erhielten M. Koch 
und H. Niedner von demselben Verein. 10 weitere Turner 
erreichten mehr als 40 Punkte und gingen somit als[Sieger 
hervor. Zu dem Eilbotenlanf über 6 mal 80 Meter traten 
18 Mannschaften an, darunter 4 Friedenauer. Die flinken 
Friedenauer Jungen holten sich hier den 1., 2. und 4. Preis. 
Besonders zu erwähnen ist, daß die 1. und 2. Mannschaft 
trotz Fallenlassen des Stabes beim Wechsel den 2. und 
4. Preis erringen konnten. — Eine große Anzahl Eltern 
und Angehörige der Turnschüler sahen dem fröhlichen Leben 
und Treiben auf dem schönen Waldspielplatz zu. — Die 
1. Knaben-Abteilung (12—14 Jahre) turnt Montag und 
Donnerstag von 6 — 8 Uhr, 11» Abteilung (8—12 Jahre) 
Mittwoch und Sonnabend von 6—7 l / 2 Uhr in der Turn 
halle Albestraße. Die 2. Knaben-Abteilung turnt Mittwoch 
und Sonnabend von 5-7 Uhr in der Turnhalle Goßlerstraße. 
o Der Märkische Stenographenbund Stolze-Schrey 
beginnt am 12. Oktober einen Kursus zur Ausbildung von 
Unterrichts- und Uebungsleitern für Kurzschrift und Jugend 
vereine in Verbindung mit einer Praktikerschule. Es sind 
hierfür Vorträge vorgesehen aus den Gebieten der Ge 
schichte, der Literatur, der sprachwissenschaftlichen Begründung 
der Kurzschrift, der allgemeinen und speziellen Methodik des 
stenographischen Unterrichts, der Systemvergleichung und 
dem Vereinsbetriebe. Daran anschließend werden Be 
sprechungen und Probelektionen abgehalten. Für die Vor 
träge sind folgende Herren gewonnen worden: Städtischer 
Fortbildungsschulleiter und Dozent an der Berliner Handels 
schule Coprian-Berlin, Lehrer Dietrichs-Charlottenburg, Lehrer 
Kruschcwski-Steglitz, Bürovorsteher Monte-Spandan und 
Lehrer Wvlff-Fciedrichsselde. Die Praklikerschuke, in der den 
Teilnehmern der Weg zu einem tüchtigen Stenographen 
gewiesen wird, wird der gepr. Reichstagsstenograph Höhne- 
Charlottenburg leiten. Der Kursus wird in einem Schul 
gebäude an 8—10 Vormittagen des Sonntags stattfinden. 
Den Schluß soll die Ablegung der Stenvgraphielehrer- 
vrüfung und der Erwerb von Fertigkeitszeugnissen bilden. 
Nähere Auskunft erteilt der Bundesvorsitzende Lehrer 
H. Liidtkes-Friedcnau, Wiesbadenerstr. 11. 
o Der Guttempler-Gesangverein Vcrkin-Wcsten zu 
Friedenau begeht am Sonnabend, dem 4. Oktober, abends 
pünktlich 9 Uhr, in den Gesamträumen des „Kaiser- 
Wilhelm-Garten", Rhcinstraße 64 75, sein diesjähriges 
Stiftungsfest. Gesangsvorträge der Mitglieder unter be 
währter Leitung ihres Dirigenten Herrn Mar Voigt, andere 
Darbietungen, ein Theaterstück und schließlich der Festball 
werden zweifellos auch diesmal wieder den Besuchern einen 
genußreichen Abend bereiten. Der Eintritt ist, auch für 
Nicht-Guttempler auf nur 50 Pf. bemessen. 
§ä)öneberg 
—o Die Eisenbahner haben Abschied genommen. Gestern 
Mittag hat das Eisenbahnregiment Nr. 2 seine Schöneberger 
Garnison verlassen. Um 12 Uhr trat das Regiment zur 
Abschiedsparade auf dem Kasernenhofe in der General-Pape- 
Straße an, wo sich zahlreiche Ehrengäste und das Reseroe- 
offizierkorps des Regiments eingefunden hatten. Nach einer 
Ansprache des Kommandeurs Obersten Sommerfeld erfolgte 
unter den Klängen der Regimentskapelle der Abmarsch nach 
dem Militärbahnhof. Um 1 Uhr 40 Min. fuhr das Regiment 
in einem Ertrazuge nach Hanau ab, wo es heute früh ein 
getroffen ist. Ein zahlreiches Publikum begleitete die „Eisen 
bahner" und auf dem Bahnhof gab es manch herzlichen 
Abschied zwischen dem scheidenden Marsjünger und seinem 
Lieb. Tränen flössen und mancher „Holden" drängte sich 
die Frage auf: Wird er Treue halten. Sie mögen sich 
trösten, sagt doch ein altes Lied: Treu ist die Svldatenliebe! 
— o In das Handelsregister ist eingetragen worden: 
Nr. 17 039. Zentralstelle für Transport Erdarbeiten Hugo 
Allers sen., Schöneberg. Die Firma lautet nunmehr: 
Zentralstelle für Transport- und Erdnrbeiten Hugo Allers sen. 
Inhaber Severin & Neuendorf. Jetzt offene Handelsgesell 
schaft, welche am 1. September 1913 begonnen hat. Ge 
sellschafter: Johannes Neuendorf, Kaufmann, Beclin-Schöne- 
berg, Friedrich Severin, Rentier. Berlin-Weißensce. Dem 
Hugo Allers sen., Berlin-Lichterfelde, ist Prokura erteilt. 
Der Uebergang der im Betriebe des Geschäfts begründeten 
Forderungen und Verpflichtungen auf die Gesellschaft ist 
ausgeschlossen. 
öerlin und Vororte 
o Berlin-Lichterfelde. Amts- und Gemeindevor 
steher Schultz, der heute von seinem seit 1893 innegehabten 
Amte zurückgetreten ist, verabschiedete sich gestern von seiner 
Gemeinde durch folgende Bekanntmachung: 
„Bei meinem Scheiden aus dem Amle rufe ich der Gemeinde 
ein herzliches Lebewohl zu und sage allen ihren Gliedern, die mich 
mit Rat und Tat unterstützt haben, insonderheit allen denen, die 
in den verfassungsmäßigen Organen der Gemeinde, der kirchlichen 
und der politischen, meine treuen Mithelfer gewesen, den herz 
lichsten Dank. Daß ich dies tun darf, da mir der Kopf noch nicht 
„wackelt", erachte ich als Gewinn der Gemeinde, für die in heutiger 
Zeit die rüstigst,, aus dem Vollen schöpfende Manneskraft gerade 
gut genug ist. Das Ergebnis der Berwaltungsarbeit in den letzten 
beiden Jahrzehnten und die glückliche Entwickelung von Lichter 
felde, in die>er Zeit halten jede gerechte, mit der eigenartigen 
Historie des Ortes und den Gcburtsstundcn vertraute Kritik aus; 
in dem geringschätzigen Urteil aber, das ich nur als Leiter des 
Gemeinwesens über den Erfolg meiner eigenen Tätigkeit und 
meines eigenen Einflusses gebildet habe, werde ich von niemanden 
übertrosfen. Die große Summe von Intelligenz in unserer Bürger 
schaft bürgt für ein weiteres glückliches Aufblühen des schonen 
Lichterfelde, und so lange ich atme, werde ich nicht aufhören, cs 
mit meinen besten Wünschen zu begleiten." 
Von seinen Beanilen halte sich Bürgermeister Schulz 
bereits am Sonnabend verabschiedet. 
o Nenkölln. Die Neuköllner Freiwillige Feuerwehr 
ist aufgelöst worden nach 35 jährigem Bestehen. Sie ging 
aus dem Turnverein „Jahn" hervor. Damals zählte 
Ei« «euer Tmiz 
kurnis für Erwachsene, Damen und Herren befferer Stände beginnt 
Anfang Oktober im „Hohenzollern", Friedenau, Handjerystr. 64. 
Ilnt.-rrichtszcit: Freitag von '„9--11 Uhr abends. Um rechtzeitige 
Anmeldung bittet 
Georg Kinder. Tanzlehrer. Friedenau. Rönnebergstr. 7. 
Privatunterricht vollständig ungeniert für moderne Tänze Onesteep, 
Twostep, Boston, Tango. 
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Rheinstr. 54 Inh.: O. Konietzki Tel. Pfbg. 2194. 
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„Rixdorf" nur 16 000 Einwohner und 364 Häuser. Die 
nun allein bestehende Berufsfeuerwehr wurde am 1. April 
1907 gegründet. Anläßlich der Auflösung der Wehr fand 
auf Einladung des Magistrats eine Abschiedsfeier statt, bei 
der der Bürgermeister Dr. Weinreich der Wehr für ihre bis 
herige aufopfernde Arbeit dankte. Den Mitgliedern der 
Wehr wurden künstlerisch ausgeführte Anerkennungsurkunden 
überreicht. 
Zuschriften 
(Für diese Rubrik übernehmen wir keine Verantwortung.) 
Roch einmal: Die Dicnstbotenverficherung in Friedenau. 
Der Aufsatz von 8. P. in Nr. 229 dieses Blattes stellt die 
Sachlage im Allgemeinen zwar richtig dar. Jedoch begeht auch 
er den Fehler, einige Dinge als bereits feststehende Tatsachen in 
Rechnung zu stellen, trotzdem über sie das letzte Wort noch nicht 
gesprochen ist. So ist es nicht zutreffend, daß zahlenmäßig fest 
gelegt sei, bei welcher Einkommens- bezw. Vermögenshöhe eine 
Dienstherrschaft als so leistungsfähig im Sinne des Gesetzes zu be 
trachten sei, daß ihr die Krankenfürsorge für ihre Dienstboten zu 
getraut, sic also von der Versicherungspflicht befreit werden könne. 
Die in dem Aufsatz angeführte Einkommcnshöhe von 4-—5000 M. 
ist nicht etwa durch das Gesetz festgelegt — etwa wie die Ein- 
kommensgrenzen für Versicherungspslicht, bezw. -Recht bei den 
Kassen überhaupt. Die von bl. F. erwähnten Zahlen wurden 
wohl gelegentlich als ungefähre Werte von maßgebender Stelle 
erwähnt; jedoch ist, wie derHeir Vorsitzende des Oberverficherungsamtes 
(das ja über die Befreiungsanträge endgültig zu entscheiden haben 
wird) ausdrücklich aus eine Aufrage hin erklärt hat, dies nur eine 
ungefähre Angabe; selbstverständlich sind in jedem einzelnen Fall 
die wirtschaftlichen Berhältnisse des auf Befreiung Antragenden 
zir prüfen. Ferner ist es durchaus noch nicht angängig, schon jetzt 
eine bestimmte Zahl als Jahresbeitrag bei den Landkrankenkassen 
in Rechnung zu setzen, weder für Wilmersdorf, noch für Friedenau. 
Diese Zahl kann vielmehr erst dann berechnet werden, wenn fest 
steht, einen wie hohen Prozentsatz des Einkommens der Ver 
sicherten die Kasse als Jahresbeitrag erheben wird. Auch das ist 
von Einfluß, ob die Woche zu 6 oder zu 7 Arbeitstagen gerechnet, 
d. h. ob auch (höchst übcrflüssigerweise bei einer Londkrankenkasse! —) 
für Sonntag Krankengeld gegeben und demenlsprechend für 860 
statt für 300 Tage Beitrag erhoben wird. Und auch dann 
wird es sich bei den Landkrankenkassen nicht um eine für alle Fälle 
gleichhohe Zahl handeln, wie bei den 36 M. des Abonnements 
vereins, sondern vielmehr um verschieden hohe, je nach der Höhe 
des Lohnes, den di: Dienstboten beziehen. Und hier wird es nun 
für die Lebensfähigkeit der Landkrankenkaffen von entscheidender 
Bedeutung sein, von vornherein keine zu niedrigen Sätze zu er 
heben. Es scheint fast, als ob Wilmersdorf diesen Fehler zu 
machen bisher geneigt ist. Dies darf aber für uns nicht maß 
gebend 'ein. Werden (bei 6 Arbeitstagen) 4 Prozent (bezw. bei 
7: 3'/,) erhoben, was als das Richtige angenommen werden 
muß, so würde für Dienstmädchen mit der Gehaltsstufe II: 
24 Mark, für solche der Gehaltsstufe III: 36 Mark zu 
zahlen sein. Mehr zu erheben, wird nicht nötig sein; es 
würde sich dies auch schon deshalb nicht empfehlen, weil dann in 
der Gehaltsstufe 111 mehr zu entrichten wäre, als im Abonnements- 
Verein — wobei allerdings der von E. F. mit Recht betonte Unter 
schied bestehen bleibt, daß die Herrschaft bei jenem Verein den 
Beitrag allein zu bezahlen hat, während sie ihn bei der Land- 
krankenkaffe zu 2 / 3 vom Lohn abziehen kann. Weniger zu erheben, 
wäre aber deshalb unzweckmäßig, weil dann von vornherein mit 
finanziellen Schwierigkeiten zu kämpfen sein würde. Würden z. B. 
bei 6 Arbeitstagen nur 3‘ , Proz. erhoben, so würden die im Jahre 
als Beitrag ersparten 3 bezw. 4,50 M., (oder eigentlich: 1 bezw. 
1,50 M.; hat doch der Dienstbote % auszubringen!) die Dienst- 
herrschaften nicht glücklich machen. Ihre Nichterhebung könnte es 
aber der Kasse z. B. unmöglich machen, für ärztliche Honorare eine 
angemessene Summe bereitzustellen, was den Abschluß eines Ver 
trages mit den Ärzten in Frage stellen müßte. Denn daß diese 
sich mit geringeren Sätzen begnügen würden, als sie sie vom 
Abonnemcntsocrein erhalten, ist natürlich ausgeschlossen. Das 
würde wohl auch durchaus nicht im Sinne der Dienstherrschaften 
gelegen sein. Andererseits müssen aber auch für die anderen Aus 
gaben der Kasse genügende Mittel vorhanden sein. Man vermeide 
daher ein etwaiges Kokettieren mit besonders niedrigen Beitrags- 
quoteil (— etwa nach Art des mißglückten Schöneberger Versuchs 
vor 3—4 Jahren bei der Quote der Kommunalsteucr! —) und setze 
deshalb 4 Proz. des Grundlohns bei 6, bezw. 3'/, Proz. bei 7 
Arbeitstagen als Beitrag fest. Erheblich weniger, als die Dienst- 
berrschaftcn in Schöncberg und Berlin für ihre Mädchen an die 
dortigen Ortskrankenkaffen zu zahlen haben werden, ist dies immer 
noch! G. 11. 
Gerichtliches 
P. Ein Telephonschwindler in der Person des Friseurs Richard 
Suckow stand gestern vor dem Schöffengericht Berlin-Wedding. Der 
in Friedenau wohnhafte Angeklagte rief am 3. Dezember v. Js. 
den Schlächtermeister Schnabel, Badstraße 37, telephonisch an und 
bestellte bei ihm im angeblichen Aufträge eines in der Badstr. 47 
ivohnhaften Dr. Kritte Wurst und Spickgänse. S. fand sich dann 
im Flur des Hauses ein und fing den Boten ab, der die bestellten 
Waren überbrachte. In diesem Falle gelang der Schwindel 
dadurch, daß S. dem Boten des Meisters Schnabel die Waren ab 
nahm mit der Erklärung: „Es ist gut, gehen Sie man nur rauf 
und lassen Sie sich das Geld dafür bezahlen. Ich muß schnell 
hinten rum zur Küche, die walten schon vorne!" Darauf fiel der 
naive Bote hinein. Er überließ dem Schwindler das Paket und 
erfuhr dann bei dem Bemühen, das Geld für die Ware einzuziehen, 
daß er gefoppt war. — Bei einem zweiten derartigen Schwindel 
kam Suckow aber an den Unrechten. Am 31. Mai d. I. wurde 
mittels Fernsprecher bei dem in Alt-Moabit 112 wohnhaften 
Schlächtermeister Oppen eine angeblich von einem in der Calvin- 
straße 2 wohnhaften Gerichtsvollzieher verlangte Lieferung von 
Fleischwaren bestellt. Meister Oppen schöpfte Verdacht. Er schickte 
sein Dienstmädchen, mit einem leeren Korbe und mit Instruktion 
versehen, an die angegebene Adresse. Wie O. schon vorausgesehen, 
wartete int Hausflur der Schwindler. Dieser trat dem Mädchen 
entgegen mit den Worten: „Ach Sie bringen wohl das Bestellte von 
Herrn Oppen. Na, geben Sie man rasch her und gehen Sie usw.", 
wie oben. Nun trat Oppen hervor und faßte den Suckow beim 
Kragen. Auf dem nahebelegenen Polizeirevier 4 in Moabit war 
Suckow bei der ersten verantwortlichen Vernehmung sofort des ver 
suchten Betruges geständig und späterhin gab er auch den auf dem 
Gesundbrunnen bei Schnabel verübten Betrug zu. Vor dem 
Schöffengericht entschuldigte sich Suckow, als er sein Geständnis 
wiederholte, mit großer Notlage zur Zeit der Straftaten. Wegen 
vollendeten und versuchten Betruges erkannte das Gericht auf drei 
Wochen Gefängnis im Hinblick auf bisherige Unbescholtenheit. 
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