Path:
Periodical volume Nr. 231, 01.10.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

unserer Gemeinde eine Kritik notwendig ist. Die Rubrik 
„Zuschriften" steht unseren Lesern zur freien Meinungs 
äußerung zur Verfügung. Ohne selbst Stellung zu den auf 
geworfenen Fragen zu nehmen, gestatten wir unsern Lesern 
unter dieser Rubrik des „Für" und „Wider." Wir hoffen, 
daß wie bisher auch in Zukunft diese Rubrik gern von 
unsern Lesern in Anspruch genommen wird, nur möchten 
wir dabei die Bitte aussprechen, jede gehässige persönliche 
Bemerkung fern zu lassen. Allerdings wird sich über vieles 
ohne Nennung von Namen nicht schreiben lassen, aber es 
kann das dann wohl in einer die betreffende Person nicht 
verletzenden Weise geschehen Die Sache möge immer über 
alles Persönliche gestellt sein. lind aus diesem Grunde- 
möge man auch nicht so sehr darauf sehen, ob eine Zu-, 
ffchrist mit dem vollen Namen des Schreibers unterzeichnet 
ist oder nicht. Wenn wir es selbst auch lieber sehen würden, 
daß uns jeder Schreiber die Veröffentlichung seines Namens 
gestatten würde, so läßt sich das doch nicht immer durch 
führen. Wir müssen aber die Einsender bitten, uns ihren 
Namen auf jeden Fall mitzuteilen. Zuschriften, die uns 
selbst anonym zugehen, veröffentlichen mir nicht. 
Haben wir so die Organe erwähnt, die sich zur Ver-, 
tretung rmd Förderung kommunaler Fragen eignen, so ist 
es wohl angebracht, auch den Blick einmal darauf hinzu-, 
lenken, welche kommunalen Fragen uns denn eigentlich in 
nächster Zeit bevorstehen. 
Friedenau ist fast völlig ausgebaut und hat von seiner 
Entwickelung nicht mehr viel zu erwarten. So ist gleich 
sam nur noch die „letzte Hand" anzulegen, um ferner 
dahin zu trachten, das Erworbene auch dauernd zu er- 
halten. Zu diesen letzten Aufgaben aus der Entwickelung 
unserer Gemeinde gehören der Rathausbau und noch 
einige Schulbauten. Während andere Gemeinden 
bei beginnender Entwicklung sich zu allererst ; für den 
Sitz ihrer Verwaltung ein Rathaus bauten, hat Friedenau 
mit diesem Bau gewartet bis zum Endpunkt seiner Ent 
wicklung. Es hat harte Kämpfe um den Bauplatz für das 
Rathaus gegeben. Doch nun sind wir soweit, daß der 
Grundstein gelegt werden kann. ?Au dem denkwürdigen 
18. Oktober soll dies geschehen; da sich zuni lOOsten Male 
der Tag jährt, wo auf Leipzigs Gefilden die blutige Völker 
schlacht geschlagen wurde, die Napoleons Macht brach und 
Deutschland vom fremden Joch befreite. Unsere Gemeinde- 
körperschaften mögen mit Bedacht diesen Tag gewählt haben. 
Gilt es dach, mit dem Rathausbau zu besiegeln den Willen, 
eine selbständige Gemeinde zu bleiben, die stolz den Kopf 
emporhebt und nicht gesonnen ist, sich unter ein fremdes. 
Joch (das der Nachbargemeinden) zu beugen. Mehr als 
einmal hat die Eingemeindungsftage unsere Bürgerschaft be 
schäftigt. Und zweimal schon war die Eingemeindung, 
(einmal nach Berlin, ein andermal nach Schöneberg) be 
schlossene Tatsache. Aber es kam anders. Friedenau blieb 
selbständig. Zu seinem Vorteil! Wer will es leugnen?! 
An Schulbauten ist z. Zt. das Gebäude der 
3. Gemeindeschule an der Offenbacher Straße im Bau be 
griffen. Es wird das größte und schönste Volksschulgcbäude 
Groß-Berlins werden! Nach diesem Bau ist noch der Um 
bau der Volksschule in> der. Albestraße notwendig. In 
Aussicht steht vielleicht noch der Bau einer Realschule. 
Möglich ist ferner — in späterer Zeit — noch die Errichtung 
eines 2. Lyzeums. Damit dürften wohl unsere Schulbauten' 
erschöpft sein. ! 
Ob unsere Gemeinde noch dazu kommt, eine Bade 
anstalt zu bauen, ist Zukunftsmusik. Jedenfalls spielt 
hierbei die Platzfrage und schließlich auch die Geldfrage 
eine Nolle. Wenn auch die Finanzen unserer Gemeinde 
z. Zt. glänzende sind, so weiß man doch nicht, was noch 
kommen kann. 
Einen Stadtpark können wir uns nicht leisten, dazu 
fehlt uns das Gelände. Vielleicht bildet sich nach vielen, 
vielen Jahren einmal unser Friedhof dazu aus. Es dauert 
ja nur noch kurze Zeit, bis er voll belegt ist. Dann müssen 
unsere Toten nach GUtergotz reisen. Das dortige Gelände 
wird bereits für ihren Empfang hergerichtet. Die Baulich 
keiten sind zum größten Teil fertig. Die Kapelle geht ihrer 
Vollendung entgegen. — Fehlt uns also im Orte der Park, 
so haben wir doch schöne freie Flächen als mustergültige 
Spielplätze reserviert, auf denen unsere Jugend den 
Körper pflegen und stärken kann. lind unsere hübschen 
Platzanlagen inmitten des Ortes bieten auch dem Alter 
Stätten der Erholung. . 
Ein Hauptaugenmerk werden wir der ständigen Ver-; 
aber wenn Ihnen ein ansiändiges Auskommen genügt, so 
sollten Sie unbedingt einschlagen." 
Und Henry hatte sich nicht lange besonnen. Der Manu 
gefiel ihm, und wenn sich auch bei der Einsicht in die 
Bücher ergab, daß die letzten Jahre für die Firma Deiters 
einen Stillstand, wenn nicht einen Rückgang bedeutet hatten, 
so sah er doch in dcni unerschütterten Ansehen des Hauses 
Bürgschaft genug für die Möglichkeit, nicht nur das ver 
lorene Terrain zurückzugewinnen, sondern auch neue Ab 
satzgebiete zu erobern. Er war, nachdem alle seine Berliner 
Verbindlichkeiten mit Ehren erfüllt waren, mit Helga nach 
Leipzig übergesiedelt, hatte im Deiterssch'en Hanse eine 
kleine, nach der Meinung des alten Herrn säst zu bescheidene 
Wohnung bezogen und sich mit wahrem, Feuereifer seiner 
neuen Aufgabe gewidmet. 
Die ersten Anfänge freilich waren nicht allzu ermutigend 
gewesen. Trotz seines Vertrauens in die Fähigkeiten des 
neuen Kompagnons zeigte sich Emanuel Deiters wenig ge 
neigt, irgendwelchen Vorschlägen zuzustimmen, die für ihn 
ein Abweichen von altgewohnten Prinzipien und Gepflogen 
heiten bedeuteten. Und cs wäre vermutlich sehr bald zu 
ernstlichen Differenzen gekommen, wenn nicht Helga die 
Vermittlerin gespielt hätte. 
Helga nahm die freiwillig übernommene Aufgabe, 
fortan der gute Geist ihres Bruders zu sein, heilig ernst, 
und Henry hatte von vornherein die vollkoinmetisle Bereit 
willigkeit gezeigt, sich ihrer Führung zu übellassen. Nicht 
nur in den kleinen Fragen des häuslichen Lebens, sondern 
ailch in geschäftlichen Angelegenheiten. Denn in demselben 
Augenblick, da sie mir diesen Dingen befaßt wurde, offen 
barte sich auch der stark ausgeprägte kaufmännische Geist, 
den Helga in ungleich höherem Maße als ihr Bruder von 
den Vorfahren ererbt zu haben schien. Henry war aut 
besscruug der Verkehrs Verhältnisse zuwenden müssen. 
Die Schnellbahnen sind uns ja leider bisher au der Nase 
vorbeigcrutscht. Vielleicht ist noch ein Anschluß au die 
gerade nicht sehr ideale Schöneberger Bahn möglich! Wir 
haben aber gewiß nicht nötig, bei Schöneberg darum betteln 
zu gehen. Denn erst durch den Anschluß Friedenaus würde 
die Schöneberger Bahn rentabel werden. Das weiß man 
tdort sehr gut. Zögert aber mit Anträgen, weil niemand 
gern die gemachten Fehler einsieht. Für uns bleibt mithin 
vorerst die Sorge, den Verkehr durch neue Straßenbahn 
linien oder durch Heranziehung von Omnibuslinien zu ver 
bessern. Dringend erforderlich ist auch eine lokale Ost-West- 
Verbindung. 
Es gäbe wohl noch manche kommunale Frage zu er 
wähnen. Wir möchten uns dies aber für einen späteren 
Artikel aufheben. Mögen die vorstehenden Zeilen unsere 
Leser angeregt haben, sich mehr als bisher mit den öffent 
lichen Angelegenheiten unserer Gemeinde zu beschäftigen. 
Möge unsere Bürgerschaft sich rege in den kommunalen 
Vereinen betätigen und auch an dieser Stelle ihren Ansichten 
oftmals Ausdruck geben. Sich regen, bringt Segen! — 
Segen auch für unser liebes Friedenau! M. 
Lokales 
(Nachdruck unserer o-Originalartikel nur mit Quellenangabe gestattet.) 
o Vom Monat Oktober. Der Oktober, der seinen 
Namen von dem lateinischen oeto, d. i. acht, ableitet, 
bildete den achten Monat im altrömischen Kalender. Im 
Deutschen wird der Oktober Gilbhard, d. i. der an gelben 
(Blättern) Reiche, genannt, auch die Bezeichnungen Wein 
mond und Säemond finden sich hier und da vor. Im 
Oktober nimmt der Tag (früh und abends) 2 Stunden ab; 
die Zeit der dunklen Tage naht mit Riesenschritten. 
o Friedenauer Vortragsabend Jfstr Kunst und 
Wissenschaft. Im Anzeigenteil dieser Nummer gibt der 
Ausfchuß für die Veranstaltung der Friedenauer Vortrags 
abende in der Aula des Reformrealgymnasiums das Pro 
gramm für den Winter bekannt. Der erste Vortragsabend 
findet am Donnerstag, den 9. Oktober statt. 
o Zum Vertrauensmann der Brandenburgischen 
landwirtschaftlichen Vernfsgenossenschaft, Sektion 32 
(Kreis Teltow) ist für den Bezirk Berlin-Friedenau für die 
Zeit vom 1. Oktober 1913 bis 30. September 1917 Herr 
Molkereibesitzer Otto Wendt, Handjerystr. 09 gewählt. 
o Bargeldloser Verkehr bei den Postämtern. Zur 
Förderung der bargeldlosen Zahlungen nehmen die an 
Reichsbankplätzen befindlichen Postanstalten außer Reichs 
bankschecks auch Schecks auf Banken, Anstalten, Genossen- 
schaften und Sparkassen in Zahlung. Die im Scheck als 
Bezogene genannte Bank »sw. muß ihre Geschäftsstelle im 
selben Orte haben und ein Girokonto bei der Reichsbank 
stelle des Ortes unterhalten. Schecks dieser Art sind ver 
wendbar bei Einzahlungen auf Postanweisungen und Zahl 
karten, beim Einkauf von Wertzeichen im Betrage von 
mindestens 20 Dl., die Entrichtungen von Fernsprechgebühren, 
gestundeten Portobeträgen und Telegrammgebiihren, Zeitungs 
geld und Schließsachgebiihren. Die eingelieferten Postan 
weisungen und Zahlkarten werden in diesem Falle an den 
Postanstalten abgesandt, sobald die Reichsbank den Betrag 
der Postkasse gutgeschrieben hat. Hat der Absender bei der 
Postanstalt eine Sicherheit hinterlegt, so werden die einge 
lieferten Postanweisungen und Zahlkarten schon vorher ab 
gesandt. Eine solche Sicherheitsleistung wird jedoch von 
öffentlichen Behörden, Kassen und Anstalten sowie an Spar 
kassen der Kreise, Stadt- und Landgemeinde nicht beansprucht, 
wenn sie mit der Postanstalt eine Verabredung über das 
ein- für allemal zu beobachtende Einlieferungsverfahren ge 
troffen haben. 
o Der Vetsicherungsstempel tritt, wie wir schon be 
richteten, heute in Kraft. Stach dem Gesetz müssen die 
Versicherungsnehmer für ihre Versicherungen, mit vereinzelten 
Ausnahmen, eine Stempelabgabe an das Reich bezahlen. 
Die bisher in den einzelnen Bundesstaaten erhobenen 
Stempelabgaben (Sportel usw.) kommen dagegen in Fortfall. 
Der neue Reichsstempel beträgt z. B. für Feuerversiche 
rungen 1. für bewegliche Gegenstände, bei Versicherungen 
a) von einjähriger oder mehr als einjähriger Dauer für 
jedes Jahr 15 Pf. für je 1000 M. der Versicherungssumme 
oder einen Bruchteil von 1000 M., b) von kürzerer Dauer 
für jeden Monat 1 1 / 2 Pf. für je 1000 M. der Versicherungs 
summe'oder einen Bruchteil von 1000 M.; 2. für unbe- 
das äußerste überrascht von der Klarheit ihres Blickes,: 
der Sicher!,eil ihres Urteils und der Fähigkeit, sich mühelos 
auch auf den fremdesten Gebieten zurechtzufinden. Als es 
zwischen ihm und dem älteren Teckhaber eine besonders 
lebhafte Auseinandersetzung gegeben hatte, deren Ausgang 
sich kaum »och von einem wirtlichen Bruch unterschied; 
übernahm cs Helga, die ihrem Bruder recht gab, die Ver 
ständigung herbeizuführen. Und wenii auch Emanuel Deiters 
niifäiiglich große Augen machte, als die schöne junge Frau 
bei ihm eintrat und mit ihm von seine» Geschäftön'zü reden 
begatt», so verwandelte sich sei» Befremden doch sehr bald 
in die atlsrittiiigsle Bewunderung. Er ließ sich durch ihre 
ruhige, sachliche Art viel leichter überzeugen, als durch das 
temperamentvolle Ungestüm seines Kompqgn.bns, und er 
teilte die Zustimmung, die er vorher mit' hartnäckigster 
Entschiedenheit verweigert hatte, nicht bloß aus Galanterie. 
Der Erfolg hatte bewiesen, daß er recht daran getan, und 
von jenem Tage an war Helga gewisserntaßen zur Würde 
eines dritten 'Teilhabers aufgestiegen. Es wurde keine be 
deutsamere Einschließung gefaßt, ohne daß die Angelegen 
heit mit ihr besprochen morden wäre, und wenn der alte 
Deiters, was noch immer vorkam, Miene mächte, einen 
hoffnungsvollen Plan Henrns durch seine altmodische» Be 
denklichkeiten zu vereiteln, so brauchte nur Helgas Unter 
stützung angerufen zu werden, um das gefährliche Hinder 
nis zu beseitigen. 
Aber wie sie ihm in allen Unternehmüngen beistand, 
die sie für vernünftig und wohlüberlegt ansah, so setzte die 
junge Frau auch ihren ganzen Einfluß auf den 'Bruder 
dafür ei», ihn von übereilten Schritten und waghalsigen 
Experimenten abzuhalten, für die er in seinem Eifer und 
in seiner »och immer nicht ganz auf das richtige Maß 
zurückgeführten Vertrauensseligkeit manchmal eine gewisse 
weglichc Gegenstände, bei Versicherungen a) von einjähriger 
oder mehr als einjähriger Dauer für jedes Jahr 5 Pf. für 
je 1000 M., 1») von kürzerer Dauer für jeden Monat 5 Pf. 
für je 10 000 M. der Versicherungssumme oder einen 
Bruchteil von 10 000 M. Für Versicherungen gegen Ein 
bruch-Diebstahl beträgt der Stempel 10 v. H. der gezahlten 
Prämie. Befreit von der Stempelpflicht bleiben Versiche 
rungen. bei welchen die Versicherungssumme den Betrag von 
3000 M. nicht übersteigt. 
o Der endgültige Termin! Die Wilmersdorfer^Schnell- 
bahn wird nun bestimmt am 12. Oktober dem Verkehr 
übergeben werden. Die behördliche Abnahme und Ein 
weihung der neuen Untergrundbahnstrecke findet am 9. 
Oktober statt. 
o Dienstjubiläum. In der Optischen Anstalt 
C. P. Goerz wurde heute ein kleines Fest gefeiert, das so 
recht das schöne Verhältnis charakterisiert, welches zwischen 
Vorgesetzten, Beamten und Arbeitern besteht. Der Ober 
meister Karl Hertel feierte sein 25jähriges Dienstjübilänm. 
Es war am 1. Oktober 1888, als Herr Hertel, nachdem er 
gerade seinen Militärdienst absolviert hatte, als erster 
Optiker von Herrn Goerz engagiert wurde. Er fand 
damals nur eine einzige Schleifmaschine vor, das Schleif 
und Poliermaterial mußte er sich selbst erst einkaufen. Aus 
diesen' primitiven Anfängen hat Hertel mit Umsicht und 
Tatkraft die optische Werkstätte immer mehr vergrößert. 
Die hohen Anforderungen, die bald an ihn gestellt wurden, 
hat er nicht nur in quantitativer, sondern namentlich auch 
in qualitativer Beziehung zu befriedigen verstanden, und die 
große Genauigkeit, die er von seinen Arbeitern verlangte, 
hat geradezu Schule gemacht. Darum konnte sich auch die 
Optische Anstalt C. P. Goerz zu dem entwickeln, was sie 
heute ist: zu einem Großbetriebe von Präzisions-Optik und 
-Mechanik. Die Art und Weise aber, wie Hertel sein Ziel 
erreichte, hat ihm die Sympathie nicht nur seiner Vor 
gesetzten, sondern auch seiner Untergebenen in dem Maße 
erworben, daß heute zu seinem Jubiläum sich alle drängten, 
ihre herzlichen Glückwünsche darzubringen. Die Arbeiter 
hatten sich gesammelt und Herrn Hertel ein Konversations 
lexikon geschenkt, die Beamten einen kostbaren Besteck- 
Schrank, Herr Kommerzienrat Goerz überreichte im Namen 
des Direktoriums und des Aufsichtsrates eine goldene Uhr 
mit schwerer Kette und außerdem ein inhaltreiches Kuvert. 
Das Obermeisterzimmer prangt im Festschmuck; cs ist von 
den Arbeitern und Vizemeistern mit Blumen und Kränzen 
schön dekoriert worden. Zahlreiche Telegramme trafen von 
all denen ein, die einst mit oder unter Herrn Hertel ge 
arbeitet haben. 
o Ausbildungskursus für Helferinnen. Wie in den 
vergangenen letzten beiden Jahren, beabsichtigt der Vater 
ländische Frauen-Verein zu Friedenau auch in diesem Winter 
einen Ausbildungskursus für Helferinnen vom Roten Kreuz 
zu veranstalten. Damen, welche Lust und Interesse für 
diese gemeinnützige und zum Wähle des Vaterlandes höchst 
wichtige und wünschenswerte Einrichtung haben, werden 
hierdurch eingeladen, ffich„mit Postkarte bei Herrn Major a. D. 
von Unger, Wielandstr. 5 für den genannten Ausbildungs 
kursus anzumelden. Die- theoretische Ausbildung -wird im 
Dezember 1913 und im Januar 1914 in Friedenau, die 
praktische im Februar und März 1914 im Garnisonlazarett II 
Berlin zu Tempelhof stattfinden. Da stets eine äußerst rege 
Beteiligung stattgefunden hat. so liegt es im Interesse der 
Damen selber, sich möglichst früh zu melden, da naturgemäß 
die Anzahl der auszubildenden Damen keine unbeschränkte ist. 
Damen, welche im Jahre 1912 und früher zu Helferinnen 
ausgebildet wurden und si h im Besitze des Helferinnen 
ausweises befinden, werden darauf aufmerksam gemacht, daß 
in diesem Winter auch ein Wiederholungskursus (Uebung) 
abgehalten werden wird und zwar im Februar und März 
1914 im gleichen Lazarett. Auch hierzu werden Anmeldungen 
an den Unterzeichneten möglichst bald erbeten. Schließlich 
findet noch ein Kursus statt für die Ausbildung von Damen 
im Lazarettverwaltnngsdienst. Dieser umfaßt die Unter 
bringung und Entlassung der Kranken bezw. Verwundeten, 
die Verpflegung, die Materialverwaltung, die Listenführung, 
die Kassen- und Buchführung und vieles Andere noch und 
gewährt einen Ueberblick über das gesamte Lazarettwcsen. 
Damen, die sich dieser wichtigen, interessanten und bisher 
noch wenig bekannten Ausbildung unterziehen wallen, werden 
ebenfalls um baldige Anmeldung bei Herrn Major a. D. 
v. Unger gebeten. Die Ausbildung erfolgt im gleichen 
L^rett^im^Februar^Bl^^n^^Nachmittagen^^^^^ 
Neigung zeigte. Gerade dies' letztere war es, was n>r in 
den Augen des alten Deiters ein immer bedeutenderes An 
sehen verschaffte, und mit mehr Ernst als Scherz hatte er 
eines Tages erklärt, daß sie bei weitem der beste von 
allen Kaufleuten sei, die er in seinem langen Leben kennen 
gelernt. 
Das alles ging Henry Frederiksen an diesem Juli- 
morgen durch den Sinn, als er voll Dankbarkeit gegen die 
Gnade des Schicksals den Verlauf dieser letzteir drei Monate 
überdachte. Zweimal schon während seines kurze» Erden 
wallens wäre er ohne den mutige», klugen und hochherzigen 
Beistand seiner Schwester ein hoffnungslos verlorener 
Mann gewesen. Zweimal hatte ihre Liebe ihn vom sicheren 
Untergange gerettet, und wenn ihm der mit den besten 
Aussichten begonnene Aufstieg jetzt wirklich glückte, so hatte 
er einzig ihrer tapferen und geduldigen Liebe dafür zu 
danken. Es war eine Schuld, die er niemals restlos würde 
tilgen können — eine Schuld, die ihn nach ihrem Wille» 
gewiß nicht drücken sollte und deren er sich doch oft genug 
mit einem gewissen Bangen bewußt wurde. Denn er würde 
sie um vieles leichter und sorgloser getragen haben, wen» 
er sich halle in dem Glauben wiegen dürfe», daß Helga 
in ihrer neuen Lebensaufgabe eine Art stillen Glückes ge 
funden habe. Sie tat ja sicherlich alles, was in ihren 
Kräften stand, um ihnr diese» Glauben zu erwecken. Sie 
zeigte sich ihm niemals traurig oder auch nur vcrstiiinnt. 
Ihre warme Teilnahme an alleni, was ihn befchäsligte, 
trug das Gepräge der vollsten Aufrichtigkeit, und ihre Freude 
an seine» Erfolgen war oo» einer Herzlich.'eit, die auch 
'nicht de» leif steii Verdacht der Ver teilung auskomme» 
lassen konnte. 
(Foitschnng felgt.)
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.