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Periodical volume Nr. 230, 30.09.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

Vorlage betreffend Teilung der IIIII Rg im lateinischen Unterricht. 
Bei einer Ende August d. Js. abgehaltenen mehrtägigen 
Ncvisivn des Realgymnasiums bezeichnete der Dezernent des 
Königlichen Provinzial-Schulkollegiuius die Ueberfüllung der 
Klasse UIII Ng. (48 Schüler) als höchst uachteiligt für das 
Gedeihen des lateinischen Anfangsunterrichts und regte die 
Teilung dieser Klasse im lateinischen Unterricht an. Auf 
Antrag des Direktors Schröder rnid in Uebereinstimmung 
mit dem. Kuratorium für die höheren Schulen beantragen 
wir, beschlichen zu wollen: Die Gemeindevertretung ge 
nehmigt die Teilung der IIIII Rg im lateinischen Unter 
richt und erklärt sich mit der Zahlung der Kosten für die 
entstehenden 8 Ueberstunden aus der Boranschlagsziffer XIII) 
Nr. 7 einverstanden. 
Vorlage betreffend Errichtung einer neuen LehrersteNe zum 
1. Oktober 1913. 
Für die Ncueinschuluug zu Michaelis d. Js. sind bis 
jetzt 213 Kinder angemeldet worden. Nimmt man die 13 
Kinder hinzu, welche die 7. Klasse noch einmal durch 
machen müssen, so ergibt sich für diese Stufe eine Frequenz 
von 226. Es sind nur 4 Herbstaufnahmeklassen vorhanden, 
sodaß nach dem gegenwärtigen Stande auf jede Klasse 56 
bis 57 Schüler kommen würden. Diese Zahl läßt sich 
aber in unseren Schulsälen nicht unterbringen, auch steht 
nach den bisherigen Erfahrungen zu erivarten, daß bis zum 
tatsächlichen Schulbeginn 10—12 Kinder hinzukommen 
werden. Es ist deshalb notwendig, bei der 1. Gemeinde 
schule vom 1. Oktober 1913 ab eine weitere 7. Klasse zu 
bilden und dieselbe einem Lehrer zu übertragen. In Ueber-, 
einstimmung mit der Schuldeputation beantragen wir be- 
schließen zu wollen: Die Gemeindevertretung genehmigt die 
Errichtung einer neuen Lehrerstelle an der 1. Gemeinde 
schule zu Michaelis d. Js. und bewilligt die erforderlichen 
Mittel für die Lehrkraft. 
Vorlage betreffend Wahl eines Armcnpslegers. 
Der Armenpfleger, Lehrer Schmidt, hat sein Amt 
niedergelegt. An seiner Stelle ist eine Ersatzwahl erforder 
lich. Wir schlagen die Wahl des Kaufmanns Palka hier, 
Wilhelinshöhcrstr. 13, vor, der sich bereit erklärt hat, das 
Amt anzunehmen und ersuchen, beschließen zu wollen: Als 
Armenpfleger ivird der Kaufmann Palka gewählt. 
Vorlage! betreffend Bewilligung der Mittel für die Grundsteinlegung 
des Rathausbaues. 
Nachdem die Gemeindevertretung am 18. September 
beschlossen hat, die Grundsteinlegung für den Rathausneubau 
am 18. Oktober zu veranstalten, ist ein Kostenanschlag für 
die voraussichtlich zu erwartenden notwendigen Ausgaben 
der Veranstaltung aufgestellt worden. Darnach würden 
800 Ai. erforderlich werden, falls die Veranstaltung bei 
gutem Wetter stattfinden kann. Für den Fall des regne 
rischen Wetters würde die Aufstellung eines Zeltes not 
wendig werden, wozu außerdem noch ein Kostenbetrag von 
140 M. zu bewilligen wäre. Da der RathausbauauSschuß 
sich erst mit der Angelegenheit in seiner Sitzung am Dienstag, 
dem 30. September beschäftigen kann, werden wir über die 
Angelegenheit mündlich in. der Sitzung, weiter berichten. 
Vorlage betreffend Entsendung zweier Beamten zum Besuche der 
Internationalen BaufachauSstcllung in Leipzig. 
Aiit Rücksicht auf die vielen für den Techniker sehr 
lehrreichen Materien haben wir beschlossen, den Baupolizei- 
sekretär Wilhelm und den Bauwart Linke zum Besuch der 
Jnteriiationaleu Baufachausstellung nach Leipzig auf 3 Tage 
mit Einschluß der Reisetage zu entsenden. Wir beantragen 
zu beschließen: Die Ausführung der Reise des Baupolizei- 
sekretärs Wilhelm und des Bauwarts Linke zum Besuch der 
Internationalen Baufachausstellung in Leipzig auf 3 Tage 
mit Einschluß der Reisetage wird genehmigt. Die erforder 
lichen Kosten werden aus Voranschlag I Nr. 13 a unter 
Ileberschreitung dieser Position bewilligt. 
Lokales 
(Nachdruck unserer o-Originalartilel nur mit Quellenangabe gestattet.) 
o Die Beschickung des Fortbildungsschultages in 
Altona durch einen Vertreter hat unsere Gemeindever 
tretung am 4. September beschlossen. Es wurde nun aber 
der Wunsch ausgesprochen, daß außer dem Dezernenten 
auch ein Lehrer dieser Tagung beiwohne. Daraufhin be 
schloß die Vertretung in ihrer gestrigen geheimen Sitzung, 
die Herren Schöffe Bache und Rektor Jaeschke zur Teil 
nahme an dein Fortbildungsschultage zu entsenden. 
o Erweiterung des Friedhofs in Gütergotz. Unsere 
Gemeindevertretung hat gestern in einer außerordentlichen 
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-leb eng ein ach bildete, ungestüm zuriilkgerissen» und 'Mar 
garete Frederikjeu eilte auf ihren Bruder zu. Ihre Auge:', 
-baren gerötet, und ihr hübsches Gesichtchen sah ganz vcr- 
schwollen aus vom vielen Weinen. In diesem Moment 
aber weinte sie nicht, und ihre Miene wie ihre Haltung 
drückten eine Entschlossenheit aus, wie sie der Konsul bei 
dieser ersten Wiederbegegnung nach ihrer Flucht sicherlich 
nicht erwartet hatte. , 
„Da bin ich, Cäsar! — Ich habe getan, was nicht 
recht war, und ich weiß, daß ich deinen Unwillen verdient 
habe. Aber ich hoffe, du wirst mir verzeihen." 
Er hatte ihre Hände genommen, und ernst, aber ohne 
Strenge sah er ihr in die Augen. 
„Schwerer als gegen mich hast du dich gegen die alte 
Frau versündigt, die nie etwas anderes wollte als dein 
Glück. Aber sie hat nichts mehr von deiner Unüberlegtheit 
erfahren, und sie ist ohne Groll gegen dich zur ewigen 
Ruhe eingegangen. Wir wollen das als eine gnädige 
Fügung preisen, Margarete, und ich will gewiß nicht 
härter gegen dich sein, als es das Schicksal gewesen ist. 
Ich verzeihe dir von lHerzen, aber ich erwarte, daß du 
fortan volles Vertrauen in mich und in meine brüderliche 
Liebe setzen wirst." 
Sie ließ den Kopf sinken und schwieg. Da stieg es 
langsam wie eine heiße Blutwelle in dem Gesicht des 
Konsuls auf. 
„Wie? — Du antwortest mir nicht? — Du glaubst 
also nicht daran, daß ich dich von Herzen liebe?" 
„Ich würde ja gern sagen, Cäsar, was du von mir 
zu hören erwartest. Aber ich kann nicht lügen — in 
diesem Augenblick kann ich nicht lügen." 
«Und wodurch habe ich dein Vertrauen verloren.? 
geheimen Sitzung beschlossen, ein au das Friedhofsgelände 
in Gütergotz anschließendes 25 Morgen großes Grundstück 
zu erwerben. Das Grundstück wurde ihr günstig angeboten. 
Es ist mit schönem Hochwald bestanden und soll vorläufig 
als Walderholungsstätte für Kinder Verwendung finden. 
Dadurch würden die Kosten, die jetzt für Entsendung 
erholungsbedürftiger Kinder in die Walderholungsstätte in 
Eichkamp aufgewendet werden, unserer eigenen Anlage zugute 
kommen. 
v.i o Gegen eine gesetzliche Regelung des Zugabe- 
wesens hat sich der Zentralausschuß Berliner kaufmännischer, 
gewerblicher und industrieller Vereine ausgesprochen. 
In einer an den Handelsminister gerichteten Eingabe wird 
u. a. zur Begründung dieser Stellungnahme angeführt, daß eine 
scharfe Umgrenzung des Begriffs „Zugabe" nicht möglich sei, und 
sich daher bei der Durchführung des Gesetzes außerordentliche 
Schwierigkeiten in den Weg stellen würden. Zudem sei auch nicht 
zu bestreiten, daß die Zugabe ein wirksames Mittel gegen das 
Borgunwcsen bedeutet. Den nicht zu leugnenden Auswüchsen im 
Zngäbewcsen könne auf Grund der jetzt bestehenden gesetzlichen Be 
stimmungen des BGB. und des Gesetzes gegen den lauteren Wett 
bewerb wirksam entgegengetreten werden. 
o Entschädigungsansprüche für verlorene Güter. 
Die Eisenbahudireklion gibt bekannt, daß die selbständigen 
Güter- und Eilgutabfertigungsstellen auf dem Schlesischen, 
Görlitzer, Anhalt-Dresdener, Potsdamer, Ost-, Stettiner und 
Hamburg-Lehrter Bahnhof vom 1. Oktober d. Js. ab 
versuchsweise ermächtigt sind, Anträge auf Entschädigung für 
verloren gegangene, beschädigte oder verspätet eingegangene 
Güter selbständig zu erledigen. Voraussetzung ist, daß der 
zu zahlende Entschädigungsbetrag bei Sendungen im inneren 
Verkehr der preußisch-hessischen Staatseisenbahucn den Betrag 
von 30 M., bei Sendungen im Verkehr mit den anderen 
deutschen Eisenbahnen den Betrag von 10 M. für die 
Sendung nicht übersteigt. 
o Kündigung beim Dienstboten - Abonnements 
verein. Wir haben mehrfach darauf hingewiesen, daß mit 
dem 1. Januar 1914 die Versicherungspflicht auch für 
Dienstboten in Kraft tritt. Für Friedenau ist bekanntlich 
die Errichtung einer Landkrankenkasse genehmigt worden. 
Bei dieser müssen vom 1. Januar ab alle Dienstboten an 
gemeldet werden. Von der Versicherungspflicht befreit 
werden können solche leistungsfähigen Dienstherrschaften, die 
bei Erkrankung des Dienstboten die sämtlichen Kosten über 
nehmen. Als eine Rückversicherung wird nun die Ver 
sicherung beim Abonnements verein betrachtet. Die Beiträge 
für diesen Verein betragen jedoch nach der neuesten Fest 
setzung 36 Bl., während für die Landkraukenkasse ein 
wescuilich geringerer Beitrag zu zahlen ist. Wer sich nun 
vom Abonnementsverein frei machen will, versäume die 
Kündigung nicht. Diese hat nach den Satzungen bis zuin 
30. November zu erfolgen. Bemerkt sei noch, daß sämt 
liche Dienstboten der Landkraukenkasse am 1. Januar zu 
melden sind. Ueber die Befreiung von der Versicherungs 
pflicht wird erst später beschlossen. 
o Fortfall der Bezeichnung „Drucksache." Die Vor 
schrift, daß Sendungen zu der ermäßigten Drucksachentaxe 
die Bezeichnung „Drucksache" zu tragen haben, ist jetzt auf 
gehoben worden. Für die Post gilt als Drucksache jede 
Sendung, aus deren Verpackung, Frankierung usw. zu ent 
nehmen ist, daß der Absender sie als Drucksache hat ange 
sehen wissen wollen. 
o Sein 50 jähriges Militärjubiläum feiert am 
I. Oktober d. Js. unser alter Einwohner Herr Wilhelm 
Krafft, welcher am 1. Oktober 1863 als Einjährig-Frei 
williger bei der Gardeartillerie eintrat, dann am 1. April 1866 
zum Feldzuge gegen Oesterreich, später am 15. Juli 1870 gegen 
Frankreich eingezogen wurde. Tie Feier findet am Mitt 
woch im Kaiser-Wilhelm-Garten durch den „Skalklub zur 
Geniütlichkeit" statt. 
o Löjähriges Amtsjttbiläum. Der Küster an unserer 
Kirche zum guten Hirten Herr Julius Rösener feiert heute 
in voller Rüstigkeit das 25 jährige Jubiläum seiner hiesigen 
Wirksamkeit. Am 1. Oktober, im Dreikaiscrjahr, wurde er 
vom Königlichen Konsistorium bestätigt als Küster der Filial- 
gemeinde von Dt.-Wilmersdorf, Friedenau. Er hat alle 
Wandlungen der Geiueiude von den kleinsten Anfängen bis 
zur heutigen Seelenzahl von über 40 000 miterlebt und 
seines Amtes gewaltet im Gasthaussaal, im Schulhaus, in 
der Turnhalle, und ist mit eingezogen in unser schönes 
Gotteshaus. Dabei betrieb er in den ersten Jahren noch 
sein ehrsames Handwerk, bis der Umfang der kirchlichen Ge 
schäfte ihn zwang, es aufzugeben. Von 1893 bis 1910 be 
fand sich die Küsterei und Wohnung in dem Pfarrhause, 
das jetzt verschwunden ist, um dem neuen Gemeinde- und 
Pfarrhause Platz zu machen. Von 1900—1911 wohnte er 
Was hat dich veranlaßt, an meiner brüderlichen Zu- 
Neigung zu zweifeln?" 
„Daß du dich niemals um meine Empfindungen ge 
kümmert hast — daß die Sehnsucht und die Qual meines 
Herzens dir nichts bedeutete »eben dem Ansehe» deines 
Namens und der sogenannten Familienehre. Du hast dich 
feindlich zwischen mich und den Mann gestellt, den ich liebte. 
Und du hast mich zu dem ungeliebten Manne zwingen 
wollen, nur weil sein Vermögen und seine gesellschaftliche 
Stellung besser zu deinem Hause paßten. Kannst du jetzt 
von mir verlangen, daß ich in alledem Beweise deiner 
Liebe sehen soll?" 
Niemals, soweit seine Erinnerungen zurückreichten, 
hatte seine schüchterne kleine Schwester gewagt, eine der 
artige Sprache ihm gegenüber zu führen. Er sah sie an, 
und es war ihm, als wäre sie auch körperlich gewachsen, 
als wären Züge in ihr Gesicht gekommen, die er früher 
nie darin gesehen. Die da vor ihm stand, war nicht mehr 
das zu Fügsamkeit und blindem Gehorsam erzogene, in 
kindlicher Unersahrenheit erhaltene junge Mädchen, sondern 
es war ein zum Bewußtsein seines Selbslbestiniinungs- 
rechtes gelangtes Weib, das eine fchwere Anklage erhob, 
statt um gnädige. Strafe zu betteln. 
Und Cäsar Frederilsen fühlte bei ihrein Anblick, wie 
viel Berechtigtes in dieser Anklage war. Sanft legte er 
seinen Ar», um sie und zog sie näher zu sich heran. 
„Warum bist du nicht zu mir gekommen, Margarets, 
als du glaubtest, daß dir ein Unrecht geschähe? Warum 
hast du dich mir nicht offenbart?" 
„Kannst du mich das im Ernst fragen — mich, die 
mcm nie etwas anderes gelehrt hatte als willenlose Unter- 
werjrmg unter die Gebote derer, die äu meinen Lenkern 
im alten Gemeindehause. In seiner Familie hat er Freud 
und Leid erfahren. Seine erste Gattin starb ihm im Jahre 
1900 und liegt in Schrciberhau begraben, seit 1902 lebt er in 
zweiter, glücklicher Ehe mit Therese geb. Kuhn. Aus erster 
Ehe hat er 3 Söhne und 1 Tochter, denen er eine gute 
Erziehung und Ausbildung zuteil werden ließ, sodaß sie aus 
eigenen Füßen stehen. In der Gemeinde erfreut er sich der 
allgemeinsten Achtung und Beliebtheit, Vier Herren vom 
Gemeindekirchenrat erschienen unter Führung des ersten 
Geistlichen Pfarrer Görnandt heute Mittag in der Wohnung 
des Jubilars und überbrachten als Zeichen der Anerkennung 
seitens der kirchlichen Körperschaften eine schöne Blumen 
spende nebst einer ansehnlichen Geldgabe. Wir wünschen 
'mit der gesamten Gemeinde Herrn Rösener viel Glück 
zum heutigen schönen Feste und hoffen, daß er seine Dienste 
noch lange Jahre der Kirchengemeinde in bisheriger Kraft 
und Frische leisten werde, dies umsomehr, als er im August 
1910 (wie s. Zt. berichtet) in seinen Diensträumen beinahe 
das Opfer eines Raubanfalls wurde, bei der ihm ein Bube 
eine große Kopfwunde beibrachte, die ihm längere Zeit zu 
schaffen machte. 
v Grundstücksverkanf. Die Wilmersdorfcr Terrain 
Rheingau Gesellschaft hat die Baustelle Johannisburger 
Straße 9 an Herrn Gerichtssckrelär Mar Rittner in Berlin- 
Wilmersdorf verkauft. 
o Urlaub wegen Jnventuraufnahme. Bei der 
Optischen Anstalt C. P. Goerz findet z. Zt. Inventur statt. 
Während dieser Zeit — es sind etwa acht Tage dafür an; 
gesetzt — ist das gesamte Personal unter Fortbezug des 
vollen Gehalts beurlaubt morden. Für die Firma bedeutet 
das eine Ausgabe von 72-—75 000 M. 
o Veräuffernngsverbot. Nachdem die Eröffnung des 
Konkurses über das Vermögen a) des Architekten Paul 
Beuster in Berlin-Friedenau, Bornstr. 18b, b) bet 
Firma C. P. Beuster, G. ui. b.H. zu Berlin-Friedenau, 
Bornstr. 18b, beantragt ist, wird dem Paul Beuster jede 
Veräußerung, Verpfändung und Entfremdung von Bestand 
teilen seines Vermögens und des Vermögens der G. in. b. H. 
hierdurch untersagt. 
o Unter Ausschluß der Oesfentlichkeit, so wird uns 
geschrieben, tagte am Montag Abend 9 Uhr im „Rembrandt" 
eine vom „liberalen" Kommunalen Verein einberufene 
Wählerversammlung. Als der Stadtv. Peine den Sitzungs 
raum betreten hatte, richtete der Leiter der Versammlung 
Herr Martin Michalski die Frage an ihn, ob er an der 
Versammlung teilzunehmen gedächte. Auf die bejahende 
Antwort erklärte Herr Martin Michalski, „daß der Vorstand 
des liberalen Kommunaloereins nicht beabsichtigt habe, 
einen Gegner zu Worte kommen zu lassen und. allein zu 
den Wählern sprechen wolle" (Zwischenruf des Prof. Dr. 
Rothe „sehr richtig!"). Der Versammlungsleiter dankte noch 
Herrn Peine für sein Interesse. Somit war es dem lang 
jährigen Vertreter des Ortstcils Herrn Stadtv. Peine, dem 
allen Wählern wohlbekannten Vorsitzenden des Bezirks 
vereins „Südwest", nicht möglich, etwa gegen ihn und die 
liberale Fraktion gerichteten Angriffen entgegenzutreten. 
Auch die Kandidaten des Bezirksvereins Südwest und der 
liberalen Fraktion, Herrn Stadtv. Bester und Verlcgsouch- 
händler Julius Springer, hatte man wohlweislich nicht ein 
geladen. Dagegen war Herr Woiwode aus Steglitz, also 
ein Nichtwähler, zugelassen. 
o Erfolge Friedenauer Turnerinnen nnd Turner. 
Am 21. d. Bits, fand in Schönholz ein Spielfest des 
Zweckoerbandes der Turnvereine im Norden Berlins statt, an 
dem auch die Damenabteilung und die Jünglingsabtcilung 
unseres Männer-Turnoereins teilnahmen. Als Sieger 
gingen im Drcikampf hervor ans der Damenabteilung 
Fräulein Lotte Krüger, Fräulein E. und K. Nünnecke, vvn 
der Jünglingsabteilung Walter (Diplom), Mertens, Bickel, 
Runke, Lampe und Eisen (je einen Eichenstrauß). — Bei 
dem Gauspiclfcst in Spandau errang die Faustball-Mann 
schaft der 1. Männerabteilung (Kraft, Gallin, Pälchcn, 
Barnecker, Seeliger) die Gau-Meisterschaft. 
o Die Jüngliugsabteilung des Männer-Turnvereins 
beteiligte sich am letzten Sonntag, dem 28. d. M., an einem 
von dem 2. Bezirk des Havelländischen Turngaues rer- 
austalteten Wettkampf auf dem Waldspielplntz der höheren 
Schulen in Gruncwald-Dahlew. In dem Fünfkampf (Stab 
hochsprung, Kugelstoßen, Weilsprung, Balliveitwersen und 
150 Meter-Schnellauf) erhielt H. Birfelder den 1. Rang, 
Br. Martins den 3., R. Walter den 6. und P. Rnhnke und 
Saupe zusammen den 13. Rang vqn 78 beteiligten Turnern. 
In dem Hindernislauf über 150 Meter, Graben, Hürde und 
2 , Meter hohe Wand konnte R. Walter nochmals den 
fwuw ■wh'iimi 
und Erziehern bestellt seien ? Bei jedem Fkemden hätte 
ich eher Verständnis und Mitgefühl für meine Kämpfe und 
Leiden zu finden gehofft, als bei der Großmutter oder 
bei dir." 
„Das zu hören, ist sehr trauiig für mich. Aber was 
soll ich nun tun, Margarete, um dich zu überzeugen, daß 
du dich täuschtest? Womit soll ich nur deinen Glauben 
an meine Liebe zurückgewinnen?" 
„Frage mich das nicht; denn Ich wüßte nicht, was ich 
dir darauf antworten soll. Wir wollen versuchen, gut uird 
freundlich miteinander zu leo.ii. Vielleicht wird dann nach 
und nach alles so werde.>, roie du es wünschest. 
Es gab ein Schweigen.; dann jagte der Konsul: 
„Henry ist hier in München. Hast du vielleicht den 
Wunsch, mit ihm zu reden?" 
Schnell und bestimmt erfolgte ihre Erwiderung. 
„Nein. Ich weiß ja, daß er selber nicht den Wunsch 
hat, mich zu scheu." 
„Du weißt es? — Vou wem kannst du das erfahren 
haben?" 
„Ich bin immitkl ku nach Helga heruntergekommen, 
weil ich es oben in in.in in Zunnier nicht inehr aushielt. 
Und ich habe in dem Nebengemach dort beinahe alles 
gehört, was hier zwischen euch gesprochen wurde. Es war 
wohl das erstemal in meinem Leren, daß ich bewußt und 
absichtlich gehorcht habe. Aber ich bereue nicht, daß ich 
es getan. Und damit es nicht wieder zu häßlichen Miß 
verständnissen zwischen uns koinuien kann, Echar, möchte 
ich dir gleich inüiejein Augenbücc erklären, daß ich niemals 
einen von deir Mäuucrn heiraten werde, die du vielleicht 
für mich auszusuchen gedenkst — Harald Sieveking eben 
sowenig als Usif nt einen anbeten." (Fortsetzung folgt.)
        
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