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Periodical volume Nr. 229, 29.09.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

Goltz-, Grunewaldstraße, die Kaiserallee bis Friedenau Süd 
westkorso. 
o Der Verein der Vororte Berlins erläßt durch 
seinen ersten Borsitzenden, Herrn Franz Freise, folgende 
Bekanntmachung: Den angeschlossenen Gemeinden, Verbänden 
und Einzelmitgliedern bringen mir wiederholt in Erinnerung, 
daß die Märkische Haftpflicht-Versicherungs-Gesellschaft das 
alleinige Organ des Vereins der Vororte Berlins ist. Dieser 
Hinweis erscheint uns deswegen angebracht, weil der 
Zentralverband zurzeit für eine eigene Griiudung Propaganda 
macht. In seiner Eigenschaft als Verbandsdirektor des 
Zentralverbandes empfiehlt Dr. Baumert den Vereinen und 
den bereits versicherten Eigentümern Kündigung bestehender 
Verträge, während der von Dr. Baumert geleitete Branden 
burgische Verband der Haus- und Gründbesitzeroercine den 
bisherigen Vertrag mit der „Märkischen" prolongierte und 
den Vereinen in einer offiziellen Bekanntmachung Abschluß 
von Vergiinstigungs-Verträgen mit der „Märkischen" anratet. 
Ein derartiges Vorgehen ist geeignet, Verwirrung in die 
Kreise der Hausbesitzer zu tragen. Der Vorstand hat daher 
beschlossen, den Mitgliedern gut Aufklärung bekanntzugeben, 
daß die „Märkische" nach wie vor die eigene Versicherungs- 
Gesellschaft des Vorortvereins ist, wie auch der Branden 
burgischen Hausbesitzer. 
o Der Bund Deutscher Vodenreformcr tagt zur Zeit 
in Straßburg. Der Vorsitzende eröffnete ain Sonnabend, 
den 27. September, Punkt 10 Uhr vormittags den Bundes- 
tag. Bei der Begrüßung bekannten sich Vertreter hoher 
Behörden und freudigen Herzens Führer großer Berufs- 
genossenschasten zur Bodenreform. Den ersten Dortrag hielt 
Damaschke über „Die Bodcnreformarbeit im letzten Jahre". 
Im Hinblick auf die großen Erinnerungstage dieses Jahres 
mahnt er, nicht die Hände an dem Feuer vergangener 
Größe zu wärmen. Dann zieht er eine scharfe Grenze 
zwischen den Bestrebungen des vor 25 Jahren gegründeten 
„Bundes für Vodenbesitzreform" und den Zielen der heutigen 
deutschen Vodenreformer. Ein Kampf mit unzulässigen 
Waffen nennt er das Vorgehen der Gegner. Klar zeigt er 
den Weg. Eine vernünftige Jnuenkolonisation, die den 
Bauernstand bevorzugt, Steuern, .-.stvelchc den Besitz nutzlos 
liegenden Bodens unrentabel machen, eine Verschuldungs 
grenze, eine Hypothekenreform, verminftige Bebauungspläne, 
rücksichtslose Bauordnungen, die das Mietskasernensystem 
brechen, Erbbaurecht, Wiederkaufsrecht, Nentengutsrecht, das 
sind die Ziele, die uns einem neuen Bodenrecht näher 
bringen, ohne daß dem einzelnen, der auf seinem Boden 
leben will, das Gefühl der Freiheit und Freude eines ge 
sicherten und gefestigten Befitzes irgend wie genommen wird. 
Das Wachstum der Organisation selbst zeigt Damaschke in 
einigen Zahlen. Während 1906 dem Bunde u. a. 14 Staals- 
und Gemeindebehörden und 35 Beamten- und Lehrervereine 
angeschlossen waren, sind es in diesem Jahre 120, resp. 365. 
Von den 851 Organisationen, die insgesamt neben den vielen 
Tausenden von Einzelmitgliedern dem Bunde neu beigetreten. 
Ein Zeichen, daß der Gedanke, der Bodenreform trotz aller 
Angriffe siegreich seinen Weg geht. Nach Damaschke sprach 
der Präsident des Caritasverbandes für das katholische 
Deutschland Monsignore Dr. Werthmann über „Wohnungs 
not und Sittlichkeit". 
o Zum Geschäftsführer bestellt ist bei der Wareu- 
und Grundbesitz-Gesellschaft m.b.H., Sitz Berlin, der Kaufmann 
Franz Pauly in Berlin-Friedenau. 
o Das 25jährige Bürger - Jubiläum begeht am 
1. Oktober der Leiter unserer Saniräts- und Feuerwache, 
Herr Hermann Rehmer. Herr Nehmer war früher in 
unserem Elektrizitätswerk als Maschinist tätig. Als die 
Sanitätswache ueir eingerichtet wurde, übernahm er deren 
Leitung. Unserer Freiwilligen Feuerwehr gehört er am 
1. Januar k. I. ebenfalls 25 Jahre an. 
o Verein der Fortschrittlichen Volkspartei für Frie 
denau und Umgegend. In der am Sonnabend, im „Hoheu- 
zvllcrn" stattgefimdcnen Mitgliederversammlung begrüßte 
der Vorsitzende, Herr Justizrat Skopnik, die leider in sehr 
mäßiger Anzahl erschienenen Mitglieder zugleich mit der 
Mahnung: Nach dein im Frühjahr errungenen Landtags 
wahlensieg nicht auszuruhen, sondern auch fernerhin an den 
Zielen und dem Ausbau der Partei kräftig zu arbeiten, 
sodass wir auch in der Zukunft stark und jederzeit gerüstet 
dastehen. Nach Mitteilung einiger weniger interessierender 
Eingänge erteilte Herr Skopnik dem Redner des Abends, 
dem Vorsitzenden des Reichsoereius der liberalen Arbeiter 
einer 'Viertelstunde mit dein Aufgebot meiner ganzen Be 
redsamkeit von dir erbitte." 
„Nein, du hast mich noch liicht verstanden. Nicht um 
es für dich anzulegen oder zu verwalten, könnte ich das 
Geld zurücknehmen, sondern nur, uni es dein zu erstatten, 
von dein ich es entliehen habe. Und es würde für dich 
verloren sein — ganz verloren — bis auf den letzten 
Pfennig. Ich sage ja nicht, daß cs so ist — versteh' mich 
recht, Helga! — ich setze iiiir den Fall, daß es so wäre. 
Würde ich damit nicht in deinen Augen zu dem niedrigsten, 
erbärmlichsten, verdammenswertestcn aller Menschen 
werden?" 
Sie legte den blonden Kopf an seine Schulter und sah 
zu ihm aus mit einem Blick, iit dem auch das aiigflooüsle 
Mißtrauen gewiß nichts von Abscheu oder Verachtung 
hätte lesen können. 
„Mein lieber, armer Henry! — Wie konntest du dich 
so quälen und martern uni dieses armseligen Geldes 
willen? Sind wir nicht beide jung und gesund? Und hin 
länglich gerüstet zu fröhlicher Arveit? Begreifst du denn 
nicht, daß ich mich erst dann ganz frei und ohne Vorwurf 
fühlen kann, wenn ich bettelarm aus diesem Hause gehe? 
Lei dem Andenten unserer Eltern schwöre ich dir, Henry, 
daß ich mich freudigen Herzens von diesem Besitz trenne, 
der in meinen Augen nie einen Wert gehabt hat. Glaubst 
du mir noch immer nicht? Was soll ich sagen oder tun, 
um dich von meiner Aufrichtigkeit zu überzeugen?" 
Henry Frederikscn atmete schwer. Er fühlte das warme 
Naß, das seinen Blick verdunkelte; aber er zwang mit 
mannhafter Anspannung des Wittens die Tränen nieder; 
denn dies war der Augenblick nicht, um zu weinen wie 
ein gerührtes Mädchen. Hoch richtete er sich auf, und schon 
nach den ersten Worten hatte seine Stimme Klang und 
Festigkeit zurückgewonnen. 
und Angestellten Herrn Tischendörfer das Wort. Der 
Referent führte u. a. aus: 
Seit einem Jahr hat der entschiedene Liberalismus endlich 
wieder einmal eine Arbeiterbewegung. Vorläufig noch klein, ist sie 
aber — wie es sich im ersten Jahre ,gezeigt hat— durchaus aus 
sichtsvoll. Im August 19 i 2 wurde in Leipzig der Reichsoerein der 
liberalen Arbeiter und Angestellten begründet, und zwar als eine 
zentralisierte Sondcrorganisation innerhalb der Fortschrittlichen 
Volkspartei. Bor drei Wochen hat der erste Delegiertentag in 
Halle a. S. stattgefunden, auf dem berichtet werden konnte, daß 
bereits 64 Orts-Gruppen mit 8382 Mitgliedern begründet werden 
konnten. Es ist also ein erfreulicher Anfang vorhanden, der um 
somehr wiegt, als ein Jahresbeitrag von 8,60 Mk. erhoben wird, 
während er in den bisherigen liberalen Vereinen erheblich geringer 
ist. Gegen die Berechtigung einer Sonderorganisation sind manche 
Bedenken geäußert worden; insbesondere befürchtet inan da und 
dort eine Zersplitterung. Wie in anderen Parteien, werden sich 
aber auch im Liberalismus diese Bedenken nicht als stichhaltig 
erweisen. Arbeitnehmer wollen unter sich sein, um frei von der 
Leber weg reden zu können, was man billigen müsse, umsomehr, 
als cs sich dabei um den größten Stand im Volke handelt. Und 
wenn sie besondere Wünsche haben, und diese energisch vertreten, 
sei dagegen garnichts einzuwenden. Tie Hauptsache sei die beider 
seitige Üeberzeuguiig, daß man zusammen gehöre, und diese sei 
vorhanden. Alis 8 1 der Satzung des Reichsvercins heißt es: 
„Durchdrungen von der Notwendigkeit eines Zusammengehens der 
freiheitlich-nationalen Arbeiter- und Angestelltenbeweguiig mit dem 
freiheitlichen Bürgertum steht der Reichsverein auf dem Boden der 
Fortschrittlichen Volkspartei und verpflichtet seine Anhänger zu einem 
engen Hand- in Hand-Arbeiten mit den Parteiorganen." Es sei ja be 
dauerlich, daß diese Gründung erst so spät erfolgen konnte, aber sie war 
nicht eher möglich, bevor nicht der entschiedene Liberalismus ge 
einigt war. Durch die weitere soziale Arbeit und die Einigung des 
Liberalismus ist neues Vertrauen zu ihm unter Arbeitern und 
Angestellten erwacht, was sich An der Zunahme vpn 300 0Y0 
haben uns immer noch nicht ihre AdkeffS mitgeteilt. N)ir 
können ihnen den „Fricdenaner Lokal-Anzeiger" aber am 
{. Oktober nur ÖÖUH liefern, wenn wir die Adresse besitzen. 
Daher richten wir an alle, die uns ihre Adresse noch nicht 
mitgeteilt haben, die dringende Bitte, sich der heute 
abermals beiliegenden 
VeklellkartL geMsIt zu bedienen. 
Die Karte bitten wir fofCtt einzureichen bei der HllUpt- 
geschWssielle Meinstr. 15 oder bei folgenden Geschäften: 
Papiergeschäft Will). Ebers. Nhemstratze 15 
Papiergelchäft Arthur Zlchalig, LdenMNldllrche 7 
Papiergeschäft Frl. Nordheim. Siegliri-estratze 4 
Zigarrenhandlmrg Paul 8uhl. Südwelttorla 17 
Zigarrenhandlung E. Hahn. Nembrandtstr. 14. Dürerpl. 
Verlag «ad EeWitsstelle des 
Friedemmer Lakai-Anzeiger; 
Rheinktr. 15. Fernlpr. Psalzburg 2129. 
Stimmen bei der letzten Reichstagöwahl gezeigt habe. Allerdings 
sei eine gewaltige Erziehungsarbeit nötig, da sich die kliberaien 
Arbeitnehmer Jahrzehnte abseits hielten und diese nun erst wieder 
angefacht werden müßten, um'ihre politische Pflicht zu erfüllen, 
sich zu organisieren und unter ihren Arbeitskollegen zu agitieren. 
Es sei nicht recht, von anderen eine Polin! im Interesse der Arbeit 
nehmer zu verlangen, selbst aber nichts zu tun, höchstens, zu 
raissonieren und zu kritisieren. Jeder Fortschritt im sozialen und 
wirtschaftlichen Leben müsse erkämpft werden. Arbeiter und An 
gestellte' kommen zu ihren sozialen und politischen Rechten nur durch 
den Liberalismus, und dieser habe nur eine machtvolle Zukunft 
durch die Beteiligung der Arbeiter und Angestellten an der partei 
politischen Arbeit. Es ist also ein Pakt ans Gegenseitigkeit, der 
hier eingegangen wird. Nur durch eine zielbewußte Organisation 
sei hciitziltage noch etwas zu erreichen. Die rechtsstehenden Parteien 
haben seit Jahrzehnten die Arbeiter in allen möglichen, meist kon 
fessionellen Vereinen organisiert, uni sich zu stärke», und die straffe 
eine Million Mitglieder umfassende sozialdenivkratische Organisation 
ist in ihrer Arbeit genügend bekannt. In der Mitte tut sich null die 
liberale A beiter-und Angestclltenbeivegnng ans in der Hoffnung aus 
eine große Zukunft. Sic erkennt das Programm der Fortschrittlichen 
Volkspartei als ihr Mindestprogramm an, hat ader in der Sozial 
politik, insbesondere bezüglich eines zeitgemäßen ArbeitsrechtcS, in der 
Wohnungs-, Steuer- und Schnlfrage, sowie bezüglich einer groß 
zügigen Kolonisation — schon um den Arbeiter,zustrom vom Lande 
in die Stadt aufzuhalten — noch besondere Forderungen aufgestellt. 
Daß die sozialdemokratische Bewegung Arbeitern und Angestellten 
sehr wenig nützt, ihnen fogar schadet, wird mehr und mehr erkannt, 
„An weiches Menschen Aufrichtigkeit sollte ich noch 
glaube» können, Helga, wenn nicht an deine! Ja — jetzt 
weiß ich, daß deine Großmut dich keinen Kampf gekostet 
Hatz tmd daß sic kein Opfer für dich dcdeuler. Gott ist 
mein Zeuge, daß ich mit dem festen Entschluß hierher ge 
kommen mar, sie abzulehnen; jetzt aber nehme ich sie an. 
Ich mache dich bannt so arm, wie ich selbst cs in diesem 
Augenblick bin; aber ich fühle mich stark genug, dich 
wieder reich gn niachcn. Denn das Leben, das deine 
Sehmesterlicbe mir »en geschenkt Hatz fortan gehört es dir 
— nur dir. Ich nehme dich unter meinen Schutz — nein, 
ich vertraue mich deinem Schutze an. Und nichts mehr 
soll uns trennen, a!s der Tod oder dein eigener Wille." 
Solche hingerissene Ueberschwriiglichleit entsprach ge 
wiß nicht Helga Frederilsens Art, und bei jeder anderen 
oder in jeder anderen Situation würde sie sie gewiß nur 
peinlich empfunden haben. Hier aber klang ihr ans jedem 
Wort die Echtheit tiefen Gefühls und die Begeisterung 
heiliger Vorsätze entgegen. Die Zärtlichkeitz mit der sie 
noch einmal ihre Arme um seinen Hais legre und seinen 
Mund küßte, mutzte ihn wohl mit der beglückenden Ge 
wißheit erfüllen, daß sie ihm glaubte und ihm vertraute. 
20. Kapstel. 
Eine ernste, feierliche Stille mar der geschwisterlichen 
Liebkosung gefolgt, und die beiden, die noch immer Seite 
an Seite standen, mochten es in gleichem Maße wie eine 
große Ueberraschung empfinden, als plötzlich die klare, 
ruhige Stimme des Konsuls vom Fenster her in das 
Schweigen drang: , • . 
„Ick) bitte um Entschuldigung, wenn ich mich einmische. 
1 Liber da mir die nächsten Stunden und Tage wenig Zeit 
lassen werden, an anderes als an meine Psiichtcn gegen 
eine teure Entschlafene zu denken, möchte iry „dir pcyon 
und die Arbeiter im rechtsstehenden Partcilager sehen ebenfalls 
allmählich ein, daß sie dort nun und nimmer zu den 3 U * 
stehenden Rechten kommen können. Die Weigerung der Rechts 
parteien. das elende preußische Landtagswahlrecht im Jntereffe der 
breiten Volksmaffe zu ändern, muß schließlich den letzten denkenden 
Arbeiter stutzig machen. So hat der Reichsverein ein großes Feld 
der Arbeit und wird, wenn es in Parteikreisen wackere llnrer- 
stützung findet, nicht nur den Arbeitnehmern Deutschlands, sondern 
dem ganzen deutschen Volke von Segen sein, indem er dazu bei 
trägt, alle öffentlichen Einrichtungen in Reich, Staat und Gemeinde 
in freiheitlichem Sinne auszubauen und allen Ständen und Schichten 
zu dem Schutz zu verhelfen, der ihnen zukommt. 
Reicher Beifall der Zuhörer wurde dem Vortragenden 
zu teil. Auch Herr Skopnik dankte in seinem Schlußwort 
Herrn Tischendörfer für seine in so klarer und sympathischer 
Art gebrachten Ausführungen, indem er der jungen Orgain- 
sation ein weiteres Wachsen wünschte und auch stete und 
tatkräftige Unterstützung unserer Zweigpartei zusagte. Eine 
kleine folgende Diskussion bewies, daß auch bei den Zu 
hörern für die Idee des Reichsvereins nur Sympathie vor 
handen war. Nach der Mitteilung, daß am Sonntag, dem 
26. Oktober, vorm. 11 Uhr, der Parteitag der Fvrtschrittl. 
Volkspartei der Provinz Brandenburg stattfindet (eine 
Teilnehmerkarte ist beim Vorsitzenden noch zu haben), wurde 
die anregende Versammlung um 11 1 / 4 Uhr geschlossen. 
o Die Herbstflugwoche hat gestern in Johannisthal 
begonnen. Trotz des recht böigen Windes wurden sehr be 
achtenswerte Flüge ausgeführt. Als erster startete Stiploschek 
ans Jeannin-Stahltaube. Darnach gingen Sablatnig, 
Reitercr, Krieger, Fieder, Ruvp und Viktor Stoeffler an 
den Start. Sablatnig stellte einen neuen deutschen Höhen 
rekord auf, indem er mit 2 Fluggästen ans 2100 Meter 
Höhe stieg. Die größte Höhe erreichte Viktor Stoeffler mit 
3600 Meter. Ec war bis Küstrin geflogen und landete 
nach 5 1 / 2 Uhr wieder in Johannisthal. Damit verzeichnete 
er die beste Leistung des Tages. In dein Rennen für 
schwere Eindecker wurde Laitsch Erster mit 10 Minnten 
25 Sekunden. 
o Das 26. Stiftungsfest des Mäuncr-Gesangbereins 
„Nütli", das am Sonnabend im „Kaiser-Wilhelm-Garten" 
gefeiert wurde, nahm bei gutem Besuch einen für alle Be 
teiligten schönen Verlauf. Ein Kozertteil leitete das Fest 
ein. Die Schützcnkapclle des Herrn Msikdirektors Müller- 
Zehlendorf erfreute mit dem tadellosen Vortrag alter und 
neuer Weisen, während der gutgeschulte und stimmlich 
bestens besetzte Männerchor unter der sicheren Leitung seines 
Dirigenten lebhafte Anerkennung. mit seinen Darbietungen 
fand. Die Gesänge „Krönt den Tag", „Muttersegen", 
„Mein Hochland", „Gruß an's Oberümtal", „Zu Straß 
burg" und „Einkehr" wurden stürmisch applaudiert. Ebenso 
wurden mit lebhaftem Beifall bedacht die Sologesänge des 
Tenoristen Herrn H. Steinhäuser und des Bassisten Herrn 
A. Dannenberg, sowie des Quartetts „Nachtigall hüte dich". 
Eine hübsche Darbietung war auch der Gesang Waldmarsch 
mit Orchesterbegleitung. Nach dem Konzert wurde ein 
humoristisches Singspiel (Quartett) „Ein fideles Gefängnis" 
aufgeführt, das neben stürmischer Heiterkeit auch reichen 
Beifall hervorrief, der den Sängern Herren Goßmann, 
Rummel, Steffen und Daimeiiberg Dank war für ihre guten 
Leistungen. Während der Kaffeetafel unterhielt Herr Rummel 
mit mehreren heiteren Vorträgen. Herrn Steinhäuser wurde 
vom Vorsitzenden Herrn Pascherat ein kunstvolles Diplom für 
10jährige treue Dienste mit ehrenden Worten überreicht. 
Der Tanz hielt dann die Sangcsbrüder mit ihren Damen 
und Gästen bis zum hellen Morgen in fröhlichster Stimmung 
zusammen. Es soll 8 Uhr gewesen sein, als die Letzten 
den Heimweg antraten. Ein Beweis, für den schönen 
Verlauf des Festes und ein gutes Vergnügen. 
o Der Klub für junge Mädchen, Heilbronnerstr. 20 
(nahe Bayrischer Platz) macht alle■ jungen Mädchen des 
kaufmännischen Berufes darauf aufmerksam, daß diesen 
Donnerstag, den 2. Oktober, Abends pünktlich 8 l / 2 Uhr 
ein Handelskursus (Buchführung und kaufmännisches Rechnen) 
beginnt, zu dem auch Nichtmitglieder freundlichst einge 
laden sind. Der Beitrag ist gering. Auch zu den anderen 
Kursen sind noch Teilnehmerinnen willkommen. 
o Die Verhaftung des Magistratsassistenten Walter 
.Krentz ans der WieSbadenerftr. 4 macht hierund in Neu 
kölln nicht geringes Aufsehen. Der von der Kriminalpolizei 
Festgenommene ist 25 Jahre alt und seit fünf Jahren beim 
Neuköllner Magistrat diätarisch im Nechnungsbureau be 
schäftigt und hat auch bereits sein Eramen als Magistrats 
assistent abgelegt. K. hat schvn im Juli d. I. einen Betrag 
von etwa 500 Mark von. .der. Stadthauptkasse abgehoben, 
jetzt einen Borschtag mache», Henry — einen Vorschlag, 
den du nicht mit ja oder »ein abtun, sondern in ruhige 
Erwägung ziehen sollst, bis wir beide Gelegenheit finden, 
weiter darüber zu reden. Würdest du bereit sein, vorerst 
einen unseren verwandtschaftlichen Beziehungen ange 
messenen Posten in meinem Hause anzunehmen?" 
Henry Fredcriksen kehrte sich ihm zu, und mit leichtem 
Sarkasmus, wenn auch ohne Groll und Bitterkeit, fragte er: 
„Vielleicht wieder auf den Samoa-Inseln, Cäsar?" 
„Nein, nicht auf Samoa, sondern in Hamburg." 
„Ich danke dir herzlich für die gute Absicht. Aber du 
darfst mir nicht zürnen, wenn ich ablehne. 
„Ohne Ueberlegung und ohne dich mit Helga darüber 
beraten zu haben?" 
„Ich bin sicher, daß sie meine Entschließung billigt. 
Wohl ist es an und für sich gleichgültig, an welchem 
Orte der Welt ich mir mein neues Leben zu zimmern ver 
suche; nur i» Hamburg darf es nicht sein. 
„Ich kenne die Anschauungen meiner trefflichen Lands 
leute, und ich weiß, wie sie es beurteilen wübden, wenn 
ich als ein Schiffbrüchiger Unterschlupf in dem alten Hause 
Fredeuksen fände, nur weil ich eben das Glück habe, den 
selben Namen zu tragen. Laß mich also getrost aus die 
eigene Kraft angewiesen bleiben und laß mich ihr ver 
trauen. Wo ich eines Rates bedarf, werde ich ihn fortan 
gewiß bei keinem andere., jachen als bei dir. Wohltaten 
aber, in welcher Form auch immer sie gewährt sein niögen, 
wünsche ich fortan von if.cmdnbcm mehr zu empfangen." 
„So würdest du es vielleicht auch als eine'Wohltal 
ansehen, wenn ick dick bäte, mir das Arrangement mit 
deinem hiesigen Gesch'-si» reuude zu überl.sistn?" 
(Fortsetzung folgt.)
        
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