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Periodical volume Nr. 228, 28.09.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

mit ihnen ganz besonders vorsieht. Es kommen gewiß auch 
Versehen vor; denn wo ein Meer wogt, spritzen Tropfen. 
Aber kann eine falsche Verbindung, vielleicht veranlaßt durch 
undeutliche Aussprache der Nummernziffern, nicht einmal 
mit in den Kauf genommen oder doch im milden Lickte 
allgemein menschlicher Unzulänglichkeit betrachtet werden«' 
o .Konkursverfahren. In dem Konkursverfahren über 
das Vermögen des Rittergutsbesitzers Robert Grützen 
Beckerstr. 24, ist zur Prüfung der nachträglich angemeldeten 
Forderungen und infolge eines von dem Geineinschuldner 
gemachten Vorschlags zu einein Zwangsvcrgleiche Termin 
auf den 7. Oktober 19l3, nachm. 12% Uhr, anberaumt 
o Hedwig Radztszewöka, die bekannte Sopranistin, 
gibt am Dienstag, dem 14. Oktober, abends 8 Uhr im 
„Gesellschaftshaus des Westens", Hauptstr. 30/31, ein 
Konzert, in welchem mitwirken die Rezitatvrin Frail Frida 
Fischer und der Pianist Herr Hugo vair Daleu. Einlaß 
karten zu 2 M. und 1,50 M. (mim.), sowie 1 M. (unuin.) 
sind erhältlich in den Musikalienhandlungen von Schwartz, 
Rheinstr. 60, Sulzbach. Berlin AV., Bülowstr. 10, in der 
Papierhandlung von W. Ebers, Rheinstr. 15, sowie im 
Gesellschaftshaus des Westens. 
o Ihr 31. Stiftungsfest feiert unsere Freiwillige 
Feuerwehr am Sonnabend, dem 11. Oktober d. Js. durch 
ein Festessen. Theatcraufführung und Ball. Näheres werden 
wir noch später mitteilen. Erwünscht ist, daß sich recht 
viele Damen und Herren aus der Bürgerschaft an dem Feste 
beteiligen. 
o Der Evangelische Verein junger Männer hält 
am Sonntag, dem 28. September, abends 8 Uhr seinen 
Konfirmanden-Begrüßungsabend ab. Ec ladet dazu junge 
Männer, besonders aber die Neukonfirmierten mit ihren 
Angehörigen herzlich ein. Es wird ein Lichtbildcrvortrag 
gehalten werden über den „Bodensee und seine Um- 
gebung." Die Bewirtung hat Maggigesellschaft gütigst über 
nommen. Der Verein bietet seinen Mitgliedern neben 
bildenden Vorträgen aus verschiedenen Lebensgcbieten eine 
Turnabteilung, eine Chorgesangsabteilnng, eine Pfadfinder 
abteilung. Dazu Wanderfahrten uiid Besichtigungen von 
Museen. Außerdem finden zwei unentgeltliche Kurse in 
wnglisch, einer für Anfänger, einer für Fortgeschrittene, so- 
Eie ein Kursus in Stenographie statt, letzterer ebenfalls 
unentgeltlich. 
o Das große Herbst-Prciskegeln im Gesellschaftshaus 
des Westens, Schöneberg, Hauptstr. 30-31, nähert sich 
seinem Ende. Kegeltage sind jeden Freitag, Sonnabend und 
Sonntag, Schlußkegeln am Sonntag, 12. Oktober 1013. 
Dauergeldbahnen 1. Preis 1000 M., 2. Preis 800 M., 
3. Preis 000 M. usw. — 20 Geldpreise. Auf zwei 
kleinen Geldbahnen 1. Preis je 50 Bl. und zwei Lebens 
mittelbahnen jeden Sonntag nach Schluß des Kegelns 
Prcisverteilung. Gekegelt ivird: Freitags und Sonnabends 
von 6 Uhr Nachm, bis 12 Uhr Nachts, Sonntags von 3 Uhr 
Nachm, bis 12 Uhr Nachts. Für die besten Würfe täglich 
hohe Tages- und Stundcnprcise. Alle Kegelfreunde von 
Nah und Fern sind zu diesem Schlußkegeln freundlichst ein 
geladen. Die Führung der Kegellistcn haben Militäipersoncn 
übernommen. Am Sonntag, dem 21. September holten 
sich die ersten Preise auf Bahn I (Kleine Geldbahn) Herr 
Nagel-Tempelhof mit 4 Kugeln 33 Holz, auf Bahn II 
(Kleine Geldbahn) Herr G. Richtei-Neukölln mit 4 Kugeln 
33 Holz, Bahn V (Wild- und Geflügelbahn) Herr Dameran- 
Neukölln mit 4 Kugeln 33 Holz und auf Bahn V1 (Dclikateß- 
bahn) Herr Planert-Schöneberg mit 4 Kugeln 31 Holz. 
o Tierquälereien siiid jetzt zur Zeit des Umzugs 
wieder an der Tagesordnung. Gestern Abend um 10 Uhr 
mußte eine Möbelfuhre (0 Meter-Wagen) am Friedrich- 
Wilhelm-Platz vom Polizeiposten angehalten werden. Die beiden 
Pferde waren vollständig abgetrieben und schafften den 
schweren Wagen nicht mehr den Berg hinauf. Die Wagen 
führer, zwei junge Burschen, suchten durch Schreien und sinn 
loses Schlagen die Tiere zur äußersten Kraftanstrcngung zu 
zwingen, mußten aber, auf Veranlassung des Beamten, 
Vorspann kommen lassen. 
o Ein Gnrdinenbrand entstand gestern Abend im 
Hause Poschiiigerstraße 28. Die Steglitzer und die Schöne- 
bergcr Wehr erschienen am Brandvrt. Sie konnten jedoch 
sofort wieder abrücken, da das Feuer bereits von Haus 
bewohnern gelöscht war. 
Ansknnfts- und Jnrsorgestelle (Kaiserallee 60), 
für Tuberkulöse: AerzilicheSprcchstilnden für Männer jeden Dienstag 
von 12—1, für Frauen und Kinder jeden Mittwoch von 12—1 Nhr, 
für Alkohollranke: Aerztl.Sprechstunde jeden Freitag von 12—1 Uyr. 
Schömberg 
—o Stadtv. Gottheiner hat aus Gesundheitsrücksichten 
sein Mandat als Stadtverordneter niedergelegt. Herr G. 
vertrat in der dritten Abteilung sechs Jahre den ersten und 
seit 1908 den zehnten Bezirk. Er gehört der Fortschritts 
partei an und war Vorstandsmitglied der Freisinnigen 
Volkspartei in Schöneberg. In der Stadtoerordneten- 
Versammlung gehörte er der liberalen Fraktion an, aus der 
er ivegen des Konflikts der Fraktion mit den: Baurat 
Egcling ausschied. Die Errichtung der Pflichtfortbildungs 
schule, in deren Kuratorium er längere Zeit Mitglied war, 
ist seinen Bemühungen zu verdanken. 
—o Die Schöneberger Wohnungsinspektion und die 
Hausbesitzer. In der ersten Versammlung des Schöneberger 
Haus- und Grundbesitzer-Vereins nach den Sommerferien 
hielt der Syndikus Carl Krauß einen mit sehr großem 
Beifall aufgenommenen Vortrag über das Thema: „Wehr- 
beitrag und Grundbesitz'. Der Vortragende führte die 
außerordentlich zahlreich besuchte Versammlung durch die 
vielen Irrwege des reichlich komplizierten Wehrbeitrags 
gesetzes und verstand es, seine Gcundzüge so klar zu legen, 
dieselben durch treffend gewählte Beispiele so zu erläutern, 
daß jede einzelne reiche Gewinne mit nach Hause getragen 
haben dürfte. — Der weitere Verlauf des Abends brachte 
eine Aussprache über die Schöneberger Wohnungsinspektion. 
Zunächst konnte Herr Petow, der das Wohl bezw. das Wehe 
dieser Einrichtung am eigenen Leibe ^erfahren hat, sehr 
interessante Ausführungen machen. An der Hand von im 
Wortlaut vorgetragenen Briefen des Schöneberger Magistrats 
konnte er beweisen, daß die Art und Weise, wie die 
Wohuungsinspektorin, Fräulein Rosenstock, ihr Amt ver 
waltet, allerdings sehr anfechtbar und geeignet ist, bei den 
Hausbesitzern den Eindruck zu erwecke», als ob sie schikaniert 
werden sollen. Es stellt sich übrigens aus den Briefen des 
Magistrats heraus, daß sich zwar der Hausbesitzer in jeder 
Beziehung entgegenkommend verhielte, daß aber die Mieter 
der Wohnungsinspektorin den Eintritt in die Wohnung ver 
weigerten, und daß man deshalb den Hausbesitzer zu Hilfe 
rief, um sich Eingang in die Wohnung zu schaffen. Syndikus 
Krauß betonte, daß er allerdings über die Handhabung der 
Wohnungsinspektion in Schöncberg überrascht sei. Er l abe 
vor einem halben Jahr im Haus- und Grundbesitzern rein 
in Schöneberg einen Vortrag gehalten, und die Einführung 
der Wohnungsinspektion in Schöneberg empfohlen, allerdings 
in der Erwartung daß bei der Bildung der Deputation auch 
Vertreter des Haus- und Gcundbesitzervcreins zugezogen 
werden würden, da sie doch die ersten Sachverständigen auf 
diesem Gebiete seien. Daß cs bei der Wohnungsinspektion 
ohne Härten für den Hausbesitzer nicht abgeht, wisse man 
ganz genau. Man dürste aber nicht einseitig gegen die 
Hausbesitzer vorgehen, wie hier geschehen sei. sondern müsse 
es als Hauptaufgabe einer gerechten und wirksam arbeitenden 
Wohnungsaufsicht ansehen, die Mieter zur richtigen Be 
handlung ihrer Wohnung zu erziehen. Die Wohnung wird 
von dem Hausbesitz in einwandfreiem Zustand geliefert, 
sonst zieht kein Mieter ein. Manche Wohnungen sind schon 
nach halbjähriger Benutzung in einem Zustand, der jeder 
Beschreibung spottet. Entspricht es nun dann der Gerechtig 
keit, dem Hauswirt zuzumuten, die Wohnung schon wieder 
renovieren zulassen? Das wir aber von Fräulein Rosenstock, 
die sogar die Briefe des Blagistrats unterzeichnete, verlangt. 
Aus dem Briefwechsel geht hervor, daß der Hauswirt so 
ziemlich für alles verantwortlich gemacht wird, was der 
Mieter in der Wohnung anrichtet. Unter dem lebhaften 
Beifall der Versammlung betonte der Redner zum Schlüsse, 
daß die Wohnungsinspektion, wenn sie segensreich wirken 
wolle, von ihren Abwegen auf richtige Bahnen geleitet 
werden müsse. Der anwesende Wohnuugsinspektor Ehlert 
versuchte den ungünstigen Eindruck, den der Brief von 
Fräulein Rosenstock hervorgerufen hatte, zu verwischen. Es 
gelang ihm aber nur zu beweisen, daß die Stadt Schöne 
berg besser getan hätte, die Leitung der Wohnnngsinspeklion 
in männliche Hände, und nicht in weibliche Hände zu legen. 
Zum Schluß der Versammlung kam Herr Syndikus Krauß 
noch auf die Ausführungen des Schöneberger Direktors des 
Statistischen Amtes, Dr. Kuczynski, zu sprechen, die dieser 
zu der Broschüre des Professors Eltzbachcr über Groß- 
Berlincr Mietsverträge gemacht hat. Er wies die Angriffe, 
die in beiden Veröffentlichungen auf die Berliner Hausbe- 
besitzer gemacht werden, gebührend zurück und betonte, daß 
n'vhl die „Studenten", die bei der Ausarbeitung der 
Broschüre mitgeholfen haben, nicht die richtigen Sachver 
ständigen in Mietsangelegenheiten seien. Was erfahrene 
Praktiker im Interesse des Friedens zwischen Hauswirten 
und Mietern in langjähriger Tätigkeit ausgearbeitet haben, 
hat denn doch mehr Anspruch auf die allgemeine Beachtung 
als derartige seminare Arbeiten. Die Berliner Mietsver 
träge haben bewiesen, daß sie gerade im Interesse der an 
ständige Mieter liegen, die genau so gut wie die Hauswirte 
vor den unanständigen Mietern geschützt werden müssen. Die 
anregende Versammlung schloß lange nach Mitternacht. 
Berlin und Vororte 
§o Am Potsdamer Platz werden jetzt weitere Verkehrs- 
erleichtcrungen geschaffen. Vor dem Hotel Fürstenhof, wo 
der Uebergang vom Potsdamer zum Leipziger Platz durch 
einen Straßenzug hinter dem südlichen der beiden Tor 
hänschen stattfindet, werden die Bürgersteige durch Ver 
schieben der Bvrdsteinschmellcn ganz erheblich verbreitert. 
Dasselbe ist vor kurzem geschehen bei dem liebergang von 
den Nebeufahrdämmen des Leipziger Platzes zu dem in der 
Mitte liegenden breiten Hauptfahrdamm. Hier hat man, 
wie schon kurz erwähnt, das eiserne Gitter, das die Anlagen 
zu beiden Seiten des Platzes umschließt, ziemlich weit zurück 
gesetzt, wodurch der Bürgersteig erheblich verbreitert morden 
ist. Eine durchgreifende Verkehrserleichteruug wird allerdings 
erst dann stattfinden, wenn die geplante Beseitigung der 
beiden Torhänschen endlich einmal erfolgt sein wird. 
ZuT Christen 
(Für diese Rubrik übernehmen wir keine Verantwortung.) 
Die IIl. Gcmcindeschule veranstaltete vorgestern einen llntcr- 
haltungsabend, bei dein als Eintritt 30 und 50 Pf. erhoben wurden. 
Ist es wirklich notwendig, bei solchen Veranstaltungen Eintritt zu 
erheben? Früher ist das doch niemals geschehen! Wir Eltern 
wurden von unseren Kindern so gebeten, mitzukommen, um sie zu 
hören und zu sehen, das; man sich halb gezwungen sieht, für zivei 
Personen zu zahlen. Ja, die Kinder sind sogar mir den Billetts 
von Halis zu Haus gegangen. Wir Eltern müssen dabei doch wohl 
fragen, ivas geschieht mit dem Gelde? Ich erfuhr auf meine Er 
kundigungen hin, es sollte ctivas für die Schule angeschafft werden. 
Ist es in einem Orte ivie Friedenau ivirklich notwendig, daß man 
von den Eltern das Geld für Schnlgegenstündc sammelt? Rüstet 
Friedenau seine Schulen nicht gut genug arls? Ich glaube Frie 
denau tut in schätzenswerter Weise für seine Schulen so viel, wie 
kaum ein anderer Ort. Man sehe sich nur die nell entstehende 
Schule und den Spielplatz an der Laubacherstraße an. Da sollten 
sich doch unsere Herren „Stadtväter" eine solche „Zusammen 
bettele i" verbitten. Ein Vater für viele. 
Vermischtes 
* Einer, der an seinem Tode selbst schuld ist. Einen reizenden 
Bericht eines französischen Landgendarmen teilt der „Daily 
Telegraph" mit. Der brave Landgendarm schreibt nämlich an 
seinen linterpräsekten folgendermaßen: „Ich habe die Ehre, den 
Herrn Ilnterpräjekten davon zu benachrichtigen, das; ein Individuum 
namens R. C., das geistcsschivach ist, von einem Eisenbahnwagen 
übsrsahren ivorden ist, der absichtlich (!) fuhr. Ich begab mich an 
den Schauplatz des llttfalls und schloß daraus, daß der Kopf voll 
ständig vvm Rumpfe abgetrennt ivar, daß der Tod auf der Stelle 
eingetreten sein muß. Nichtsdestoweniger ist das Individuum R C. 
hicran schuld, denn im vergangenen Jahre ist ihm ein ähnlicher 
Unsall widerfahren. 
GeMäMiches 
^ Die Mode der Fußbekleidung für die beginnende Saison 
steht ailch diesmal völlig im Zeichen des eleganten Lackschuhes. 
Wer hellte auch nur bescheidene Ansprüche aus Exaktheit machen 
null, hat sich vor allen Dingen mit Lackschuhen zll versehen, natürlich 
'.licht ilur Ganzlack, sondern auch Lack mit verschiedenen hoch- 
lnvderncn Einsätzen. So unterrichtet uns nämlich das Schuhhaus 
Leiser, das in allen Dingen der Cchuhinode für tonangebend 
gilt. Seine sämtlichen Gcvßberliner Geschäfte iveiselt faszinierend 
prachtvolle, dabei aber preiswerte Modelle auf und die Auswahl 
ist — ivie imnicr — ungcmciil reichhaltig. 
Teck Lehranstalt Berlin-Steglitz. 
Inh.: Ingenieur Paul Döbling, Direktor 
Elektrotechnik, Maschinen , Hoch-, Tiefbau, Gas-, Wasser-, 
Heizung Lüftung. Eicktromontcurkursus, Tages-, Abend 
unterricht. Vermessungtcshnik. Programm frei. 
Wetteraussichteu. 
Sonntag: Trocken, ein wenig wärmer bei veränderlicher 
Beivölkung und ziemlich frischen östlichen Winden. 
Verantwortlicher Schriftleiter: Hermann Martinius Friedenau. 
Hierzu eine Beilage. 
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Xeuhaütn, hot'qttdUa 
JZdaMt, ru tnidtt. siO 
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