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Periodical volume Nr. 228, 28.09.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

(Friedenauer 
Anparteiische Zeitung für kommunale und bürgerliche 
Angelegenheiten. 
Bezugspreis Besondere 
bei Abholung aus der Geschäftsstelle, 
Rheiiistr. IS. 1.50 M. vierteljährlich; durch . . Decken jfiittwo* 
Boten ins Haus gebracht 1,80 M„ durch die «titzblatt „Seilen vlai en". 
Post bezogen 1,02 M. einschl. Bestellgeld. 
Erscheint täglich abends. 
serrilpreeder: Hmt pfaljburg 3139. 
Zeitung.) 
Organ sür den Kriedenauer Ortsteil von Ichbneberg unt> 
Oesirksverein Zähmest. 
Beilagen 
Jecken Sonntag; 
Llätter für cleuNcKe grauen. 
Druck und Verlag von Leo Schultz, Friedenau. 
Geschäftsstelle: NKeinNr. tZ. 
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werden bis 12 llhr mittags angenommen. 
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Raum 80 Ps. Die Reklamczeile kostet 
75 Ps. Bclagnummcr 10 Pf. 
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Ar. 228. 
ZLerlin-Kriedenau, Sonntag, den 28. September 1913. 
20. Iayrg. 
Depeschen 
Letzte Nachrichten 
Dresden. In Zauckeroda bei Dresden sind vier 
Personen einer Familie Reichelt an Pilzvergiftung erkrankt, 
von denen bereits zwei, der Pater und ein Sohn, ge 
storben. Ein anderer Sohn hat sich durch, schnelles Aus 
pumpen des Magens gerettet, während die Mutter ebenfalls 
hoffnungslos darniederliegt. 
Dresden. Der Kassierer der Deutschen Bank-Filiale 
in Dresden, Friedrich Hermann Maultzsch, dem seit Jahren 
schon die Verwaltung der Depositenkasje in der Amalien 
straße anvertraut war. ist verhaftet worden. Bei einer un 
verhofften Revision wurden Fehlbeträge in Höhe von 
20 000 M. festgestellt.' 
Paris. Einer '.Meldung des Petit Parisien zufolge 
hat die Türkei die Absicht, die Verhandlungen mit Griechen 
land abzubrechen und nur unter der Bedingung wieder auf 
zunehmen, daß die Inseln Chios und Mylilene zurücker 
stattet werden. Die Türkei soll gegenüber Chios ein 
Laudungskorps bereithalten. 
Herne. Auf die Eisenbahnstrecke Riemke—Herne war 
vor kurzem entdeckt worden, daß eine 15 Meter lange 
Schiene durch Loslösen der Schrauben gelockert morden war. 
Es ist jetzt gelungen, die Täter, zwei dreizehnjährige 
Burschen aus Riemke, zu ermitteln, als sie gestern Rach- 
mittag in Gesellschaft mit einem dritten Kameraden den 
selben Streich versuchten. Ihre Absicht war, die losgelösten 
Schrauben bei einem Althändler zu verkaufen. 
Paris. Ein Juweleuageiit ergriff die Flucht, nach 
dem er. falsche Wechsel im Betrage von 8000)0 Francs in 
Umlauf setzte. 
Paris. Das erste Linienschisssgeschwader wird am 
15. Oktober von Toulon ausgehend eine Kreuzfahrt nach 
der Levante antreten, um das französische Prestige im Orient 
zu heben und in den syrischen und kleinasischcn Häfen die 
Trikolore zu zeigen. 
London. Rach einer Meldung aus Schanghai soll 
der japanische Gesandte der chinesischen Regierung ein 
Ultimatum überreicht und ihr drei Tage Zeit gegeben haben, 
Japans Forderungen nach Genugtuung für die an 
japanischen Offizieren bei der Eroberung von Nanking be 
gangenen Grausamkeiten anzunehmen. 
Erläuterungen zu LtralZen- 
bezeichnungen. 
Das statistische Amt der Stadt Straßbnrg hat eine 
Umfrage bei einer Reihe voit Städten veranstaltet, iiuvie- 
weit den Straßenschildern kurze Erläuterungen über Namen, 
historische Bedeutung usw. der Straße beigefügt sind. Wie 
die Rundfrage ergeben hat, sind bisher nur in folgenden 
0 Städten solche Erläuterungen eingeführt. 
Breslau: Seit dem Jahre 1007 werden auf Magistrats 
beschluß an denjenigen Straßen, die nach dem Namen 
verdienter Männer benannt sind, allmählich Jnschriststafeln 
Reichen Sie sofort 
Ihre Adresse ein, wenn dies nicht bereits geschehen ist. Nur wer 
leine Adresse mitgeteilt hat, erhält vom 1. Oktober ab den 
„Friedenauer Lokal-Anzeiger" weiter bestellt. Der Spediteur 
Fleischmann llesert bann; unser Blatt nicht mehr, mithin sind 
dorthin keine Bestellungen mehr zu richten. Eine Abbestellung 
ist aber beim Spediteur auch nicht notwendig. Doch müssen Sie 
uns unbedingt 
3hre Adresse ein 
-reichen, wenn Sie den s„Friedenauer Lolal-Anzeiger" weiter 
pünktlich ins Saus geliefert wünschen. Bestellungen nehmen 
autzer der SauptgeMslSsteNe Rheinstr. 15 auch noch sol- 
gende Geschäfte an: r . 
Papiergeschäft Wild. Ebers, Rheinstrabe 15 
Papiergeschäft Arthur Zschalig, Ldenwaldsirabe 7 
Papiergeschäft Frl. Nord heim. Sieglindestrabe 4 
Zigarrenhandlung Paul 8uhl, Südwestlorso 17 
Zigarrenhandlung E. Sahn, Rembrandtstr. 14, Diirerpl. 
Berlag und Eeschältsstelle der 
Friedenauer Lokal-Anzeigers 
Rheinftr. 15. Fernspr. Pselzburg 2129. 
angebrächt. Die Inschriften enthalten außer dem Geburtsort 
und den Lebensdaten kurze Hinweise ans die Bedeutung 
der Männer, um sie späteren Zeiten im Gedächtnis zu 
bewahren. 
Die Tafeln werden in der Regel unter den Straßen 
schildern angebracht, die älteren sind in Bronce gegossen, 
die neueren in Kupfer getrieben. Bis jetzt sind 30 Straßen 
mit solchen Tafeln versehen. Im Haushaltsplan sind 
1000 M. laufend dafür vorgesehen. 
Charlotienburg: An den Enden einer Straße und bei 
langen Straßen außerdem an den verkehrsreichsten KreuzungS- 
punkten werden Erklärungsschilder angebracht. Diese sind 
ivie die Straßenbeilennungsschilder ans Bnckelplatten von 
2—3 mm starkem Eisenblech mit einem Ueberzug von 
dunkelblauer Emaille und iveißer Schrift hergestellt. 
Dresden: Erläntcrungsschilder für Straßennamen 
werden hier schon seit etwa 8 Jahren angebrackjt. Diese 
Maßnahme hat sich allenthalben bewährt und wiederholt 
schon Anerkennung gefunden, so daß sie auch für andere 
Städte empfohlen werden kann. Die Erläuterungsschilder 
haben die Form einer Notiertafel, sind 50 cm breit, 20 cm 
hoch und von weißer Farbe (Emaille) mit schwarzer Auf 
schrift in lateinischen Buchstaben. Die Erläuterungsschilder 
werden direkt unter den Schildern angebracht, die die 
PatnzkrMut. 
Roman vo« KeInhold Ortmann. 
j3 (Nachdruck verboten.) 
'„Warum nicht? Tu hast vor anderthalb Jahren dein 
bei, mit hundertundachtzigtansend Mark versichert. Und 
, hast vor zwei Tagen ein Darlehen in gleicher ch h f- 
iiüiiimen, das nach Ablauf einer Woche zur R ckzahln g 
lig wird. Ich habe das ganz zufällig erfahren u,,d 
weiß auch, daß du deine Versicherungs-Pol, e als Unter^ 
lind lierueaeden haft. 82 hat Nllch intcrcjiici , )^ 
mittag ‘im Kontor des Münchener Geschaftsfreunoe^ 
r dir die Gefälligkeit erwies, d,e Bestimmuugeit d 
ersicherungsvertrages durchzulesen, und daoc 
icn Absah aeitoßen, der die Auszahlung de Verstche 
ngssumme auch dann gewährleistet, wenn oerVersicher 
tch Ablauf des ersten Jahres durch Selbstmord aus re 
>ben scheiden sollte. Das ist es, was ich H.lga letz 
"'SSS*'« iprort),,!-!> §-«->> WA»« ;“| 
neu Stuhl fallen lassen und hatte da-> Ges cht m den 
änden verborgen. Seine Schultern beb , , . 
>n,t>r,lickies Stöhnen kam es aus den Tiefen feiner -öum - 
’ 3S Soll beim olle, mujortt , 
in? Was, UM des Himmels willen, hat d.ch geiN 
" tfÄÄÄ 
iemchen, dem ich von Herzen 4Ugera„ bm u... a-t dct.i 
, ein beklagenswertes Unrecht gut S" machen halte 
Der junge Pantier machte eine schwach atwehrenoe 
andbeweguiig. 
„Last uns nicht noch einmal auf das Vergangene zu 
rückkommen, Cäsar — ich bitte dich darum. Ich habe dir's 
ja schon ausdrücklich bestätigt, daß im keine Ursache hast, 
deine damalige Handlung; weise zu bedauern. Da hast 
recht gehabt — tausendmal recht. Und wenn ich dir einen 
Vorwurf zu machen habe, so ist cs einzig der, daß du dich 
jetzt unberufen in meine Angelegenheiten eingedrängt und 
meinen Absichten nachgespürt hast. Dazu gebe ich keinem 
die Befugnis — keinem, anch dir nicht. Auf welche S.cher- 
heit hin ich mir dies Geld verschafft habe, und was ich 
zu tun gedcnte, um feine Erstattung zu ermöglichen, 
küir.incrt nien andcn außer mir. Ich gebe nicht zu, daß 
deine Vermutung das richtige trifft; aber wenn es so wäre 
— wenn ich wirklich entschlossen wäre, mein verpfuschtes 
Leben daran zu geben, daiuit Helga wieder zu ihrem 
Eigentum gelangt— glaubst d» in der Tat, Cäsar, daß es 
dann noch in deine Macht gegeben wäre, mich o» der 
Ausführung meines Vorhabens zu hindern? Ich bin kein 
Knabe mehr, der in törichter liebereilung abeutenerliche 
Pläne schmiedet. Was ich tun und was ich nicht tun werde, 
alles ist ii langer lleberlegung reiflich erwogen und be 
dacht. Und ich würde den als Imine» fch.inunsten Feind 
be rächte», der sich herausnähme, mir in letzter Stunde 
h.ndernd in den Weg zu treten. 
„Hast du jemals etwas wie Freundschaft und verwandt 
schaftliche Zuneigung sür mich einpfuude», fo ist jetzt der 
Augenblick gekommen, es zu beweise», indem du mich ohne 
jede Cinm schling den Weg gehen lässest, den ich mir ge 
wählt habe." 
Er war im Verlauf seiner Rede immer wärmer und 
dringender geworden. All der Schmerz, der in seiner 
zelr.ssene» Seele rvühlte, war wider feinen Willen in den 
letzten Sägen zum Ausdruck g.kommen, und noch in keinem 
Straßennalnen in weißer Schrift auf blauem Grunde tragen 
Das Stück kostet 4 M. 
Hildesheim: Seit einem Jahre werden bei Straßen 
namen, die sich ans historische Persönlichkeiten beziehen oder 
sonst eine Erläuterung wünschenswert machen, Erläuterungs- 
tafeln angebracht. 
Die Tafeln sind aus Gußeisen hergestellt. Die mit der 
Inschrift versehene Außenseite ist weiß emailliert und trägt 
schwarze Schrift. Beispiel: „Alter Markt: Schon im 13. 
Jahrhundert (1231) antiqnam oder vetus formn, die erste 
städtische Siedelung zwischen der Burg (»rt»8) und dem Hügel 
des Michaelis-Klosters." 
Es wurden gute Erfahrungen gemacht. Einheimische 
und Freinde nehmen lebhaftes Interesse daran, bei der 
Jugend wird der Heimatsinn gestärkt. Die Ausführung der 
Tafeln ist geschmackvoll und dauerhaft. Im vorigen Jahre 
wurden für 171 Schilder 731,78 M. gezahlt. Der Preis 
richtet sich nach der durch die Größe der Inschrift bedingten 
Größe der Tafeln. 
Königsberg: Es sind in den Straßen, die nach be 
sonders um die Stadt, Provinz usw. verdienten Männeni 
benannt sind, unter oder neben den Straßenschildern, sowie 
an sonst geeigneten Stellen Gedenktafeln angebracht. Als 
Inschrift tragen sie Namen, Geburtsdatum und Sterbetag 
des betreffenden Mannes und einen kurzen Hinweis ans 
seine Verdienste. Die Tafeln sind in 3 Milliineter starkem 
Knpferniederschlag ausgeführt und haben verschiedene Größen. 
Leipzig: Unter den Straßenschildern werden, wo es 
notwendig erscheint, Erläuterungstafeln angebracht, und zwar 
am Anfang und am Ende der Straße. Straßenschilder und 
Erläuternngstafcln sind aus Emaille, erstere tragen weiße 
Schrift auf dunkelblauem Grunde, letztere schwarze Schrift 
auf weißem Grunde. Die Herstellungskosten schwanken je 
nach der Größe der Tafel und der Buchstabenzahl zwischen 
4,50 M. und 5,50 M. 
Die Anbringung von Erläuterungen ist angeregt 
ivorden in: Elberfeld. Hannover, Stettin und Straßburg. 
Mitteilungen der Zentralstelle des Deutschen Städtetages, 
Nr. 7 (1913). 
Lokales 
(Nachdruck unserer o-Origlualartikel nur mit Quellenangabe gestattet.) 
o Morgen Michaelistag! Der Michaelistag erinnert 
an das heidnische Sepien brcfest unserer Vorfahren. Dieses 
hatte einen doppelten Cha.akler. Es war einerseits ein 
Dankfest, an welchem ben guten Gottheiten, insbesondere 
dem Odin, Tiere sowie die Früchte des Landes zum Opfer 
gebracht und die nicht geopferten Tierstücke am Abend von 
der um die Linde versammelten Gemeinde verzehrt wurden, 
und ein großes Totenfest, zu desseri Begehung die absterbende 
Natur, das Welken der Blätter, das Fortziehen der Schwalbe 
die Anregung gaben. Da besuchte man die Gräber, um sie 
mit frischem Grün zu schmücken und mit der Verstorbenen 
Lieblingsspeise zu belegen. Auch diese ernste Seite des 
Festes galt in erster Linie Odin, als dem Seelenführer, dem 
Totengvtte. Die christlichen Priester setzten an seiner Stelle 
den Erzengel Michael ein. Der strahlende Lichtgott, der 
Moment seit seniein Ei ttiu batte er so ganz ben Eluorucr 
eines völlig gebrochenen, von allen Lekeiishoß'nuiigen und 
von aller Lebcnstrajt verlassene» Mannes gemacht wie 
eben jetzt. 
In der Erregung, die ihn durchzittcrte, hatte er es 
nicht beinerlt, daß Cäsar Frederiksen seine Hand nach dem 
immitteibar neben ihm befindlichen Kaops der Klingel- 
leitung ausgestreckt halte, und er blickte eist auf, als ihn 
der Konsul sekundenlang vergebens auf eine Antwort 
warten l eß. Es mochte ihn besremden, keine Veränderung, 
kein Anzeichen inneren Ergrifienseins auf dem ruhig 
ernsten Antlitz des Handelsherrn wahrzunehmen. Und 
vielleicht waren es noch heißere, noch leidenschajtlichcr und 
inständiger biitende Worte, die sich ihm auf die Lippen 
drängen wollten. Aber er kan, nicht mehr dazu, sie aus» 
zusplechen, denn ein leichtes Geräusch hinter seinem Rücken 
ließ ihn zusammenfahren, und als er, sich hastig wandte, 
fid sein Blick aut die ich tanke, dunkle Gestalt seiner in der 
Türössnung erschienenen Schwester. 
19. Kapitel. 
Fragend hatte Helga sür die Dauer einiger Herzschläge 
von dem einen der beiden Männer zu dem anderen ge 
sehen, dann war sie rusch auf ihren'Bruder zugetreten 
und halle den Arm um seinen Nacken gelegt. 
„Henn,! — Mein lieber Henry ! — Wie dankbar segne 
ich das Geschick, das dich gerade heute hierher geführt hat!" 
■ • Er war verwirrt und befangen; mit der ganzen Kraft 
seines Willens juchte er die Herrjchaft über sich selbst zurück- 
zügewuinen; aber als er in iyre von Tränen schimmern 
den Augen iah.überwältigte ihn die Bewegung. Er zog 
s-e an sich rnd lißste stüliistjch wie ein Liebender ihre Lider 
..Helga! — Me ne gute, ireue Helga!" stammelte er
        
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