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Periodical volume Nr. 227, 26.09.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

letzter Zeit durch eine überaus große Zahl telefonischer An 
fragen in Anspruch genommen worden, die sehr gut von 
den eiuzclucu Dienststellen hätte beantwortet werden können. 
Er bat sich daher zu der Anordnung veranlaßt gesehen, daß 
die Herstellung der Verbindung mit ihm nicht mehr direkt, 
sondern durch das Hauptbüro erfolgt. Wünscht jemand 
trotzdem in einer wichtigen Sache eine direkte Verbindung 
mit dem Herrn Bürgermeister, so wird er gebeten, diese 
Verbindung etwa mit den Worten „Herrn Bürgermeister 
direkt" bei der Fernsprechhauptstelle der Gemeindever 
waltung zu verlangen. (Vergl. die amtliche Bekanntmachung 
in dieser Nummer.) 
o Die nächste Gemeindevertretersitzung findet am 
Donnerstag, dem 2. Oktober d. Js., Abends 7 Uhr im 
Sitzungssaals des Reformrealgymnasiums (Homuthstraße) 
statt. Die Tagesordnung finden unsere Leser im Anzeigenteil 
dieser Nummer. 
o Gegen das Abwerfen der Kastanien erläßt der 
Amtsvorsteher im Anzeigenteil dieser Nummer eine öffent 
liche Warnung. Es ist verboten, mit Holzstücken oder 
Steinen nach den Kastanien zu werfen wegen der den 
Straßenpassanten dadurch erwachsenden Gefahr, getroffen 
und verletzt oder erschreckt zu werden. Die Polizeibeamten 
sind angewiesen, Uebertretungen zwecks Bestrafung zur 
Anzeige zu bringen. 
o Es ist die höchste Zeit, zum Fortbezug unseres 
Blattes die Adresse uns mitzuteilen. Nur wer uns seine 
Adresse mitgeteilt hat, erhält auch nach dem 1. Oktober den 
„Friedenauer Lokal-Anzeiger" pünktlich ins Haus. Durch 
den Spediteur Fleischmann wird unsere Zeitung dann nicht 
mehr gebracht, es sind also auch dorthin keine Be 
stellungen mehr zu machen. Wir fügen für diejenigen, die 
uns ihre Adresse immer noch nicht mitgeteilt haben, heute 
abermals Bestellkartcn bei. 
Die elende Straßenbeleuchtung, welche in der Kirch- 
straße seit längerer Zeit zu 'beobachten ist, bedarf dringend 
der Aufbesserung. An die selige Oelfunzel unserer Alt 
vordern erinnert besonders die Lampe vor dem Hause 
Nr. 14, an der zwar schon viel herumexperimentiert wurde, 
doch immer vergeblich. Gestern sagte ein Angestellter des 
Elektrizitätswerkes, welcher sich wieder vergeblich bemühte, 
der Lampe einen helleren Schein zu entlocken, zu unserem 
^Gewährsmann: „Diese Lampe kostet dem Werke schon viel 
Geld, sie wird sich heute wohl noch erholen," aber sie tat 
es nicht. Ihr milder Schein durchdrang die Dunkelheit 
nicht, auch der gute Mond hatte kein Mitleid mit den 
Straßenpassanten. Auch in der Goßler- und in der Büsing- 
straße versagten in den letzten Wochen wiederholt einige 
Straßenlampcn. Es gibt in Friedenau so viele Ausschüsse, 
gibts denn keinen Straßenbeleuchtungsausschuß? 
o ./Anfertigung nach Mast". Das Einigungsamt der 
Korporation der Kaufmannschaft hat in seiner gestrigen 
Sitzung einstimmig entschieden, daß eine Ankündigung 
„Anzug nach Maß" vom Publikum dahin verstanden wird, 
daß der Anzug im Handwerksbetrieb von einem Maß 
schneider angefertigt werde. Ein solche Ankündigung sei 
nicht zulässig, wenn zuin Anzug zwar Maß genommen wird, 
die Anfertigung aber von die Massenarbeit herstellenden 
Konfektionsschneidern geschieht. 
o Handclsgerichtliche Eintragung. Bei Nr. 9 301. 
Grundstücksgesellschaft Stuttgarterstr. 9 mit beschränkter 
Haftung: Durch Beschluß vom 9. September 1913 ist der 
Sitz nach Berlin-Friedenau verlegt. Durch Beschluß vom 
9. September 1913 ist ferner bestimmt, daß das Geschäfts 
jahr jeweils vom 1. April des laufenden bis zum 1. April 
des folgenden Jahres geht. 
o Zur Berufswahl. Der Beruf des Kaufmanns ist 
jetzt wieder das Ziel tausender von jungen Leuten; schweren 
Herzens müssen Eltern, Vormünder und Lehrer ihre Kinder 
und Schutzbefohlenen in einen Stand eintreten lassen, dessen 
veränderte Bedingungen ihnen zum Teil nicht mehr vertraut, 
zum Teil überhaupt völlig fremd sind, von dem sie nur 
wissen, daß er infolge der starken Konkurrenz und der ge 
steigerten Aufgaben ein außerordentlich hohes Maß geistiger 
und sittlicher Anforderungen und eine gründliche praktische 
Ausbildungszeit verlangt. Schwere, oft für die ganze 
Zukunft maßgebende Entscheidungen über Wahl der Branche 
und der Lehrstelle, iiber die weitere außergeschäftliche Aus 
bildung der jungen Menschen, über die Pflege ihrer 
geistigen und geselligen Interessen usw. sind jetzt zu treffen. 
In allen diesen schwierigen Fragen bietet die Lehrlings- 
Abteilung des Vereins junger Kaufleute von Berlin SW 19, 
Beuthstr. 20 II, die sich seit Jahren der tatkräftigen Bei- 
auszusprechen, die sich zwischen Verwandten und Jugend 
freunden ziemt." 
„Zwischen Jugendfreunden?" wiederholte Henry mehr 
wehmütig als sarkastisch. „Mir ist, Cäsar, als wären wir 
von den Tagen unserer Iugendfreundschaft durch eine 
Ewigkeit getrennt. Und wenn es etwa deine hochsinnige 
Absicht sein sollte, mir irgendwie beizustehe», so laß dir 
ohne allen Groll und mit aufrichtigem Dank gesagt sein, 
daß ich unwiderruflich entschlossen bin, keines Menschen 
Beistand mehr anzunehmen. Ich könnte den Kampf gar 
nicht mehr von neuem beginnen, auch wenn ich es wollte. 
Meine Schiffe sind hinter mir verbrannt." 
„Was heißt das? Du hast doch nicht etwa den Kon 
kurs bereits angemeldet?" 
„Nein, aber ich habe meinen Geschäftsfreunden gestern 
abend durch Zirkular mitteilen lassen, daß die Firma 
Henry Frederiksen in Liquidation tritt. Und du begreifst 
wohl, daß man eine solche Mitteilung nicht mehr zurück 
nehmen könnte." 
„Ich verstehe immer weniger. In einem solchen Augen- 
blick, wo du auf eine sofortige Regelung aller Verbindlich 
keiten vorbereitet sein müßtest — in einem solchen Augen 
blick kannst du eine Summe entbehren, wie Helgas Gatte 
sie heute von dir empfing?" 
„Es handelte sich wohl weniger darum, ob ich sie ent 
behren konnte, als darum, daß Helga sie nicht verlieren 
durste. Sie mußte jedenfalls die erste sein, deren Anspruch 
bei einer Liquidation zu berücksichtige» war." 
„Sofern es geschehen konnte, ohne die berechtigten 
Interessen anderer sträflich zu schädigen — gewiß." 
Henry Frederiksen sah Cäsar für einen Moment starr 
an; dann richtete er sich hoch auf und trat dicht vor ihn hin. 
Hilfe der Berliner Handelskammer und der Acltesten der 
Kaufmannschaft von Berlin erfreut, den Elter» und den 
jungen Leuten Rat und Hilfe. Sie vermittelt kostenfreie 
Lehrstellen, steht den Suchenden mit Rat und Auskunft bei 
und gibt das bewährte Lehrvertragsformular, welches vom 
Deutschen Verband Kaufmännischer Vereine ausgearbeitet 
worden ist, aus. 
o Wir befinden uns augenblicklich in den Wochen 
der Umzüge und richten daher die herzliche Bitte an alle 
diejenigen, welche einen Wohnungswechsel beabsichtigen, sich 
der Brockensammlung für die westlichen Vororte Berlins 
E. V., Sammelstclle Schöneberg. Mühlenstr. 16, gütigst er 
innern zu wollen. So manches Stück befindet sich daher 
in einem Haushalt, welches nichtverlohnt, in die neue 
Wohnung mit hinüber genommen zu werden, doch unseren 
Bedürftigen noch recht willkommen sein dürfte. Diese 
Spenden werden kostenfrei und pünktlich abgeholt. Wir 
bitten der Sammelstelle entweder eine Postkarte zukommen 
zu lassen oder sich des Telephons Amt Kurfürst Nr. 8657 
bedienen zu wollen. Aufrichtigen Dank all den ivarm- 
herzigen Spendern des Wohlfahrts-Unternehmens. 
o Der erste Unterhaltungsabend der III. Gemeinde- 
schule fand gestern 'Abend in der Aula des Reformreal 
gymnasiums vor völlig ausverkauftem Hause statt. Das 
Publikum folgte mit regstem Interesse den Deklamationen, 
den Chorgesängen und der Festaufführung „Lorbeer und 
Palme", von Margarete Münsterberg. In 3 Teilen zog 
die große Zeit vor 100 Jahren an unserem Geiste vorüber: 
1. Aufruf und Erhebung, 2. Kampf und Sieg, 3. Kaiser 
hoffnung. Den Schluß des herrlichen Abends bildete der 
gemeinsame Gesang der Nationalhymne. Es ist die Mühe 
zu loben, die von den Leitern des Abends aufgewendet 
wurde, um eine derart erfolgreiche Veranstaltung verzeichnen 
.zu können. Reicher Beifall folgte jeder Auffühnrng. Wir 
beglückwünschen die III. Gemeindeschnle zu dem schönen 
Erfolge. 
o Der Turnverein am Friedenauer Gymnasium 
veranstaltete gestern Wettkämpfe in volkstümlichen Uebungen. 
Die Mitglieder waren dem Alter nach in 3 Abteilungen 
eingeteilt. Die älteste Abteilung führte einen Sechskampf 
aus, bestehend in Stabhochsprung, Kugelstoßen, Weitsprung, 
Diskuswerfen, 100 und 400 Meter - Lauf. Die beiden 
anderen Gruppen übten sich im Fünfkampf (Hochsprung, 
Dreisprung, Kugelstoßen, 100 Meter-Lauf, Gerwerfen bezw. 
Schleuderballwerfen). Die Sieger in den einzelnen Ab 
teilungen erhielten Eichenkränze. 
o Verein der Fortschrittlichen Volkspartei für 
Friedenau und Umgegend. Wir erinnern nochmals an 
die morgen (Sonnabend) Abend 9 Uhr im oberen Saale 
des „Hohenzollern" stattfindende Mitgliederversammlung, in 
der u. a. Herr Chr. Tischendörfer über „Die liberale Ange 
stellten- und Arbeiterbewegung" sprechen wird. 
o Männer-Turnvereilt. Gestern fand nach einem 
gemeinsamen Turnen, an dem 60 Mitglieder der Alters 
und Männerabteilungen teilnahmen, die einberufene außer 
ordentliche Mitgliederversammlung statt, zu der 57 stimm 
berechtigte und 6 noch nicht stimmfähige Mitglieder er 
schienen waren. Nachdem der Vorsitzende Geh. Hofrat 
Fehler die Gründe für die Einberufung der Versamm 
lung bekannt gegeben hatte, ergriff Turnwart Newe das 
Wort.« Es galt, einen Mitbegründer des Turnvereins, den 
Rentner Herrn F. L. Löbner durch Antragung der Ehren 
mitgliedschaft zu ehren. Herr Löbner ist ein alter Turn 
veteran, der schon bei der Einweihung des Turnplatzes in 
der Hasenheide mitgewirkt hat, auch war er u. a. 1863 auf 
dem 3. Deutschen Turnfest in Leipzig aktiv tätig. Seine 
Anwesenheit bei dem diesjährigen 12. Deutschen Turnfest 
iu der gleichen Stadt zeigte, daß seine Liebe zur Turnerei 
trotz seines hohen Alters nicht erlahmt ist. Wenn er heute 
nicht mehr aktiv tätig sein kann, so hat er doch früher als 
Vorturner gewirkt, auch später an allen Veranstaltungen 
regen Anteil genommen, und das Interesse des Vereins 
stets hochgehalten, so daß er dieser Ehrung wohl würdig 
sei. Die durch Stimmzettel vorgenommene Abstimmung 
ergab die Wahl Löbners zum Ehrenmitgliede. Der Vor 
sitzende machte bekannt, daß eine Abordnung des Turnrates 
dem nunmehrigen jüngsten Ehrenmitgliede die Urkunde 
seiner Ernennung am 26. d. Mts., an welchem Tage Herr 
Löbner sein 77. Lebensjahr vollendet, überreicht wird. Als 
dann wies der Vorsitzende darauf hin, daß der Verein zu 
dem großen allgemeinen Eilbotenlaus, den die Deutsche 
Turnerschaft aus Anlaß der Enthüllung des Völkerschlacht 
denkmals nach Leipzig vom 17. bis 18. Oktober d. Js. 
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veranstalten ivird, 10 Läufer zu stellen hat, von denen 
jeder das von Rugard aus Rügen durch Pommern und 
Brandenburg gebrachte Schriftstück 200 Meter im Eillanf 
iveiterzubcförderu hat, damit cs am Morgen des 18. Lklober 
am Denkmal übergeben werden kann. Die Turnwarte 
sollen 10 dafür geeignete Mitglieder in Vorschlag bringen. 
Im weiteren Verlauf des Abends wurden die diesjährigen 
Sieger gefeiert, deren Namen s. Zt. an sdieser Stelle ver 
öffentlicht wurden. Der Verein kann auf die vielen Er 
folge, die nicht nur Jugendmannschaftcn, sondern auch Mit 
glieder der Männer- und Altersabteilungen errungen haben, 
stolz sein. Insbesondere wurden sodann die Sieger 
vom Deutschen Turnfest, welches in Leipzig war, geehrt, 
dadurch, daß den Turngenossen Gallin und Ernst Pählchen 
die von der Stadt Leipzig gewidmeten Festbücher überreicht 
wurden; ferner hat der Turnrat beschlossen, beiden je ein 
Exemplar der Festschrift vom Turnfest als Anerkennung zu 
stiften. Den Nlitgliedern der Altersriege wurde das 
Gruppenbild von Leipzig gestiftet. Nun galt es noch die 
beiden Rekruten Schimmel und Ruhbach, die demnächst ein 
gezogen werden, zu verabschieden. Stellvertretender Vor 
sitzender Kreplin gab ihnen herzliche Worte mit auf den 
Weg und ermahnte sie, während ihrer Militärzeit stets des 
Turnerspruches „frisch, froh, fromm, frei" zu gedenken und 
der Turnsache treu zu bleiben. Wie alljährlich, wurde den 
Rekruten Pfeife und Tabak überreicht. Die Mitglieder 
blieben dann noch einige Zeit in froher Tafelrunde bei 
Liedern und Vorträgen beisammen. 
o D. H. V. Die hiesige Ortsgruppe des Deutsch 
nationalen Handlungsgehilfen-Verbandes hält am Mittwoch, 
dem 1. Oktober, Abends 9'/z Uhr im Vereinsheim „Hohen 
zollern" eine wichtige Mitgliederversammlung ab. — Am 
Mittwoch, dem 8. Oktober versammelt sich im Vereinsheim 
die Lehrlingsabteilung zu einem fröhlichen Beisammensein 
und einem Spielabend. 
o Die Kino-Königin im Kaiser-Wilhelm-Garten. 
Die hier von früher her noch bestens bekannte Direktion 
Steiner-Sandori brachte gestern im „Kaiser-Wilhelm-Garten" 
den Operettenschlager des Metropoltheaters „Die Kino 
königin" zur Aufführung. Mit recht gemischten Gefühlen 
begab ich mich zu dieser Friedenauer „Premiere". Wie 
würde wohl diese Vorstellung in dein recht dürftigen Saal 
des Kaiser-Wilhelm-Gartens ausfallen, wo doch die Dar 
bietungen im Metropoltheater gerade durch die raffinierte 
Ausstattung, die Eleganz der ganzen Aufmachung wirken? 
Und diese Bedenken mögen auch andere gehabt haben, die 
deshalb auf den Besuch dieset Vorstellung verzichteten. 
Immerhin war der Saal noch leidlich gut besucht. Und 
alle, die erschienen waren, werden ebenso wie ich. angenehm 
enttäuscht worden sein. Es wurde eine wirklich lobens 
werte Aufführung geboten. Schöne Frauen in eleganten 
Kostümen schritten oder tanzten über eine gut ausgestaltete 
Bühne, erfreuten durch hübsche Stimmen und ein gutes 
Spiel. Aber auch die Herrenrollen befanden sich im Besitz 
schauspielerisch begabter Sänger. Besonders hervorheben 
möchten wir an erster Stelle Frieda Lopinska, die Ver 
treterin der Titelrolle, die durch temperamentvolles Spiel 
sowie die kräftige und reine Stimme gefiel. Franziska 
Sternheim war ebenfalls gesanglich vorzüglich und gab ihre 
Rolle überzeugend. Der Josias Clutterbuck wurde von 
Josef Dill ausgezeichnet dargestellt. Ebenso gab Direktor 
Steiner-Sandori dem Billy Halton eine treffende Maske. 
Erwähnt seien noch Anna Brinkmann (Gussi) und Karl 
Westphal (Victor). Auch der Chor klappte bestens. Das 
gut besetzte Orchester hätte in Berücksichtigung der schlechten 
Akkustik des Saales zurückhaltender sein können. Der 
stürmische Beifall, der jedem Aktschluß und auch bei den 
bekannten Liedern gespendet ivurde, war ein wohlverdienter. 
o Das Biofontheater in der Rheinstraße 14, bei 
seinen vielen Stammgästen „Das intime Kino" genannt, 
bringt von heute ab wieder eine ganze Serie neuer inter 
essanter Films zur Vorführung. „Das göttliche Feuer" ist 
ein dramatisches Lebensbild in 4 Akten, spannend und er 
greifend in großartigen Bildern, künstlerisch arrangiert und 
inszeniert. Ein Hauptschlager ist auch: Moritz macht es 
anders, eine glänzende Humoreske mit dem drolligen Moritz 
Prince in der Hauptrolle. Wer nicht krank ist, muß lachen, 
er mag wollen oder nicht. Sehr interessant ist der Film: 
Das Museum für Meereskunde in Monaco, eine schöne, 
belehrende Naturaufirahme. Auf den Seen des Pariser 
„Bois de Boulogne" zeigt die reizenden Landschaften in der 
illähe der französischen Hauptstadt. Abwechslungsreich ist 
die Biofon-Reoue von Pathä fräres, auch das Tonbild ist 
—————————— 
Durch die Rückzahlung öes von Helga gegebenen Dar 
lehens wird keiner meiner anderen Gläubiger auch nur um 
einen Pfennig geschädigt. Die Barmittel, um die Liqui 
dation glatt durchzuführen, liegen in meinem Berliner 
Kontor bereit. Der Schurke, dessen spitzbübischen Machen 
schaften mich ohne Helgas Warnung diesmal um ein Haar 
in dieselbe Situation gebracht hätten, wie damals die 
Unterschlagungen meines Sozius Thiele, hat den Betrag, 
der mir zur Regelung meiner Verbindlichkeiten gefehlt 
hätte, herausgezahlt, als ich ihm mit der Anzeige beim 
Staatsanwalt drohte." 
„Das ist eine Wendung, zu der ich dich von Herzen 
beglückwünsche. Aber wenn es fo ist, was zwang dich 
dann, die Flinte ins Korn zu werfen? Helga hat dich 
doch wohl nicht um die Rückgabe ihres Geldes gedrängt. 
Und wenn dir noch so viel flüssige Mittel blieben " 
Der andere unterbrach ihn mit einem Kopsschütteln. 
„Ich kann dir das nicht erklären — wirklich, ich kann 
nicht. Und ich wiederhole: nach Verlauf von zwei oder 
drei Tagen wirst du alles verstehen." 
„Gut denn: da du leider nicht Vertrauen genug zu 
mir hast, dich mir zu offciidaren, so will ich nicht weiter 
in dich dringen. Aber ick, werde mich jetzt nicht mehr 
hindern lassen, deiner Schwester meine Vermutungen und 
meine Besorgnisse mitzuteilen. Ihr stärkerer Einfluß wird 
dann hoffentlich fertig bringen, was mir zu meinem innigsten 
Bedauern nicht gelang." 
Henry Frederiksen schien.hesfiger erschrocken, als eine 
so harmlose Drohung es erklären konnte. 
„Deine Vermurungen?" fragte er. „Darf ich nicht er 
fahren, welcher Art diese Vermutungen sind?" 
(Fortsetzung folgt.)
        
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