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Periodical volume Nr. 227, 26.09.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

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(Krlederrarrer 
Unparteiische Zeitung fiir kommunale und bürgerliche 
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Blatter für deutsche frauen. 
Druck und Verlag von Leo Schultz, Friedenau. 
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Aertm-Kriedenau, Ireilag, dw 26. Septemver 1913. 
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lins noch immer. !Vir können Ihnen den ,^riedenaucr 
^okal-Anzeiger" nach dem (. Oktober nur dann weiter 
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mitteilen. Auch wenn Sie uns bekannt sind, bitten wir 
trotzdem um Ihre Adresse. Nur wer die Adresse mitteilt, 
wird auch nach dem Oktober unser Blatt pünktlich er 
halten, da wir am Oktober eigene Boten einstellen. 
Eine Abbestellung beim Spediteur ist nicht erforderlich, 
jedoch unbedingt Neubestellung ist^der 
Eeschäftsstelle Rheinftrabe 15 
(Fernruf A,ut Pfalz bürg 2(29) 
oder in folgenden Geschäften: 
Papiergeschäft Wilh. Ebers.. Nheinftratze 15 
Papiergeschäft Arthur Zfchalig. Ldenwaidftrahe 7 
Papiergeschäft Frf. Nordheim. Sieglindestrabe 4 
Zigarrenhandlung Baut Luhl. Slidweftkorfo 17 
Zigarrenhmldfung E. Hahy^Mmbrandtftr. 14. Diirerpf. 
Berlag und Eelchältsstelle der 
Friedenauer Lowl-Anzeigerr 
Rheiaftr. >Z. Seniler. Wolzburg 2129. 
Depeschen 
Letzte Nachrichten 
Berlin. Der Flieger Paul Viktor Stoeffler ist Heute 
vormittag ll'/ 4 Uhr mit seinem Aviatik-Mercedes-Doppel- 
decker von Warschau in Johannisthal angekommen. Der 
Flieger war in Warschau gegen 7 Uhr morgens ohne Flug 
gast abgeflogen, hat also wenig über 4 Stunden für die 
550 Kilometer lange Strecke gebraucht. 
Parchim. Bei der Verfolgung eines diebischen Offi 
ziersburschen sind gestern abend hier zwei Dragoner durch 
Revolverschüsse getötet und einer schwer verletzt worden. 
Der Täter beging Selbstmord. 
Köln. Vorige Nacht.wurde auf belgischem Gebiet ein 
Anschlag auf den Schnellzug Ostende—Köln versucht. Bei 
der Revision der Strecke zwischen den Stationen Gent und 
Poemen entdeckte der Streckenwärter fünf auf die Schienen 
gelegte Eisenbahnschwellen, die offenbar dazu dienen sollten, 
den Schnellzug zur Entgleisung zu bringen. Unmittelbar 
vor Eintreffen des Zuges gelang es dem Wärter das 
Hindernis zu beseitigen. Die Untersuchnng ist eingeleitet. 
Genf. Bei den Manövern waren zwei Sektionen 
Vorposten der 1. Kompagnie des 13. Bataillons Schweizer 
Infanterie auf dem Gutshof les Hiolles in Villars le Tcrroir 
bei Echallons einquartiert. In einem Stalle des Guts 
hofes, neben einer großen Scheune, brach Feuer aus, das 
von dem Vorposten nicht bemerkt wurde. Das Feuer griff 
so rasch um sich, daß der ganze Gutshof mit Ausnahme 
weniger Gebäude ein Raub der Flammen wurde. Die 
Mannschaft konnte sich mit knapper Mühe retten. 
Udschda. Dreizehn schweren Verbrechern ist es in der 
Nacht vom Dienstag auf Mittwoch gelungen, aus dem 
hiesigen Militärgefängnis zu entweichen. Unter ihnen be 
befindet sich ein berüchtigter Mörder. Als die Flucht bemerkt 
wurde, sandte der Kommandeur von Udschda sofort eine 
Goum arabischer Reiter zur Verfolgung aus. Bis jetzt fehlt 
jede Spur von den Flüchtlingen. Man nimmt jedoch an, 
daß sie sich, da einige von ihnen des Arabischen mächtig sind, 
einer der herumstreifenden Araberhorden angeschlossen haben. 
Oie Krankenversicherung cler 
Dienstboten in frieäenau. 
Die Gemeindeverwaltung unseres Ortes hat bekanntlich 
die Errichtung einer Landkrankenkasse für Dienstboten be 
schlossen. Sie ist darin dem Beispiel von Wilmersdorf und 
Steglitz gefolgt und hat — obgleich man anfangs vielfach 
dagegen polemisierte — daran recht getan. Nachdem bekannt 
geworden, daß der Berliner Abonnementsverein — bei dem 
bisher die meisten hiesigen Dienstboten versichert waren — 
wohl bestehen bleiben wird, aber 36 M. Jahresbeitrag für 
jeden versicherten Dienstboten erheben will, muß man sich 
die Sache doch einmal ernstlich ansehen und sich fragen: 
Was nun tun? 
Nach den der Reichsversicherung angepaßten neuen 
Statuten gewährt der Abonnementsverein auf die Dauer 
von 39 Wochen: 1. freie ärztliche und zahnärztliche Be 
handlung; 2. Versorgung mit Arznei sowie Brillen, Bruch 
bändern und anderen kleinen Heilmitteln, unter besonderen 
Verhältnissen zu größeren Heilmitteln einen Zuschuß bis zur 
Höhe von 100 M.; 3. Kur und Verpflegung in einer 
Krankenanstalt einschl. des notwendigen Transportes; 4. bei 
nachgewiesener Arbeitsunfähigkeit, sofern Unterbringung in 
einer Krankenanstalt nicht erfolgt, Krankengeld in Höhe von 
1,50 M. pro Tag, allerdings erst vom vierten Krankheits 
tage ab; 5. neben Krankenhauspflege ein Hausgeld in Höhe 
eines Viertels des Krankengeldes. Ferner wird vom Verein 
unter besonderen Voraussetzungen an ^Schwangere und 
Wöchnerinnen für mehrere Wochen eine Unterstützung in 
Höhe des Krankengeldes gezahlt und für Hilfeleistung bei 
der Geburt durch eine Hebamme bis zur Höhe von 15 M. 
Endlich ist auch ein Sterbegeld bis zum Betrage von 90 M., 
mindestens aber von 50 M. vorgesehen. 
Für diese erweiterten Leistungen, die sich vollkommen 
mit denen der Allgemeinen Ortskrankenkasse decken, verlangt 
der Verein einen Jahresbeitrag von 36 M. 
Dieser Satz dürfte manchem einfachen Bürgersmann 
recht schwer ankommen, wenn auch das Gesetz bestimmt, daß 
der Dienstherr 1 / a , der Versicherte 3 ,'s der Prämie für die 
Versicherung zu tragen hat. Das Opfer von 2 Mark den 
Monat für den Dienstboten erscheint den meisten zu hoch. 
Der Abonnementsoerein erhob bisher 9 M. für das 
Jahr und Dienstbote, er zahlte nur die Kur- und Ver 
pflegungskosten für die in ein Krankenhaus verbrachten 
Dienstboten, und zwar bei nicht erfolgter Kündigung bis zu 
26 Wochen, sonst nur bis zum Dienstende des Erkrankten. 
Der Transport nach dem Krankenhause erfolgte, wenn nötig, 
gleichfalls auf Kosten des Vereins. Außerdem bezahlte der 
Verein die ärztliche Behandlung, aber nur bei der Be 
ratung in der Sprechstunde; Besuche bei erkrankten Dienst 
boten dagegen bezahlte er ebensowenig wie Arznei, Bäder. 
Verbandstoffe usw. Bruchbänder, Bandagen und Brillen 
wurden für jeden Dienstboten bis zum Höchstbetrage von 
10 M. in einem Jahre bewilligt. Zahnärzte durften nur 
zum Zahnziehen in Anspruch genommen werden. 
Die neue Reichsoersicherungsordnung verlangt — wie 
oben berichtet — eine weit größere Leistung seitens der Kaffe 
und natürlich auch größere Opfer der Verstcherungsver- 
pflichteten d. h. der Arbeitgeber. Zulässig ist der Beitritt 
zur Allgemeinen Ortskrankenkasse, die für das Jahr und 
den Kopf 43,20 M. erheben muß, weil sie die viel 
riskantere Versicherung industrieller Arbeiter beiderlei Ge 
schlechts übernehmen muß. Die Dienstboten, meist junge 
Leute, erkranken viel seltener als die in Fabriken und Werk 
stätten Beschäftigten. Bei ihnen ist das Risiko viel geringer. 
Wer seine Zahlungsfähigkeit nachweist, kaun auch die Ver 
sicherung unterlassen. Er kann aber — wenn auch in 
seltener vorkommenden Fällen — ganz bedeutende Summen 
zu zahlen in die Lage kommen. 
Man kann in verschiedenen Vorortgemeinden z. B. 
Wilmersdorf, Berlin-Friedenau und Steglitz, seine 
Dienstboten wesentlich billiger versichern und zwar bei den 
dortigen Landkr'ankenkässen, die allerdings geringere, 
■ aber sicher doch wohl auch ausreichende Leistungen bieten. 
Von amtlicher Stelle wird dazu aus Wilmerdorf geschrieben, 
daß für die dortigen Dienstboten durch Beschluß der städt. 
Körperschaften eine besondere Krankenkasse, die Landkranken 
kasse, gegründet worden ist, der die Dienstboten kraft des 
Gesetzes angehören miissen. An Beiträgen werden nach dem 
vom Magistrat aufgestellten Satzungsentwurf jährlich nur 
25 M. zu zahlen sein. Die Wilmersdorfer Kasse, die ihre 
Beiträge nur zur Deckung der satzungsmäßigen Leistungen 
verwenden darf und als öffentliche Einrichtung auf rein ge 
meinnütziger Grundlage aufgebaut ist, ist also um jährlich 
11 M. billiger als der Abonnementsverein. 
Es dürfte wohl keinem Zweifel unterliegen, daß 
Friedenau seine Landkrankenkasse nach dem Wilmers 
dorfer Muster einrichten und denselben Beitrag wie dort er 
heben wird. 
Nach dem Vorstehenden dürfte es für die Mitglieder 
des Abonnementsvereins angezeigt sein, noch vor dem 
1. Oktober d. Js. zum 31. Dezember zu kündigen, da ge 
gebenenfalls einer späteren Neuanmeldung zum Abonne 
mentsverein nichts entgegensteht. E. F. 
Lokales 
(Nachdruck unserer o-Driginalartifel nur mit Quellenangabe gestattet.) 
o Ucberlastung des Bürgermeisters durch tele 
fonische Anfragen. Herr Bürgermeister Walger ist in 
Patnzicrblut. 
Roman von Aetnhold Ortmann. 
2z, (Nachdruck verboten.) 
' Nein.. Während, ich aus einer kurze., ^,..,us.sce.,e uv- 
wesend war, ijt meine G.o^mul.er in ein oegerev Ven- 
frei unb strich sich schwor aus. 
- >ch weist d-sti.r. 
Schmerz'um die Dahingeschiedene zu würdige,,. Ade, du 
kerlängt mcht, daß ich mehr a>. Kummer erhemtsie a - 
ich in d esem Augcnolick zu suhlen vermag — inchr wahr. 
Gewiß nimt Sie ist dir niemals gewesen, was sie 
mir war. Und^ußsroem weiß sehr wohl oa,z es un 
Leben Situationen gibt, me auch den Wen.,herzig,re 
^'"Ler"junge Bankier streifte ihn mit einem mißtrauisch 
i,lr “ta." ha'tü' dst d-»u? °,iiw°ri-ii. °hn- dich zu 
&“<A m. -- rksz * 
>°«w ÄW L°nÄ °d-m°i- -.-ist,ich genug HA,-st 
-mpst'Lnw-ii d-i.i Sütmlfb Mi ..... unb an 
meinem Schicksal geht. 
„Würde es heule anders um dich veileal sein, Henry, 
wenn ich an je..ein Tage bereitwillig und ohne leüen Vor 
behalt deinen Erwartungen entjprochen hatte ? Bist du nicht 
vielmehr der Meinung, daß einiges Berechtigte war in 
dem, was ich dir damals sagte?" 
„Du bijt ja, wie es scheint, schon wieder vortrefflich 
unterrichtet. Und es gewahrt dir vegreffii.yerweffe eine 
nicht geringe Genugtuung, mich nun wirklich an dem Ende 
angelangt zu sehen, das du mir vor anderthalb Jahren 
mit so bewunderungswürdigein Scharfblick prophezeilest." 
Er hatte sich beim Anblick seines Vetters ohne Zweifel 
> fest vorgenommen, nichts von der oerzweiselten Stimmung 
zu verraten, in der er sich befand. Aber in der Art des 
anderen war vom ersten Augenblick an etwas eigentümlich 
Zwingendes gewesen, das alle seine trotzigen Vorsätze zu 
sammenbrechen ließ. Und vielleicht auch war es ihm nach 
all der mühselig durchgeführten Verstellung der letzten Tage 
plötzlich zu einein unbezwinglichen Bedürfnis geworden, 
feine hoffnungslose Lage rückhaltlos preiszugeben. Der, 
vor dem er es tat, mußte ja wissen, daß es nicht geschah, 
weil er noch auf Beistand und Rettung baute. 
Wie in leiser Mißbilligung nur hatte der Konsul bei 
ieinen bitteren Worten den Kopf bewegt. 
„Es ist doch wohl nicht nötig, daß ich mich gegen 
solche Unterstellung erst noch ausdrücklich verwahre. Es 
würde mir eine wahre Herzensfreude sein, wenn ich dir 
heute eingestehen dürfte, daß ich mit meiner Voraussage im 
Unrecht geblieben sei. Ich habe ein Recht zu verlangen, 
daß du mir das glaubst." 
„Ob ich dir's glaube oder nicht, was ändert das an der 
Tatsache, daß der Verlauf der Dinge dir recht gegeben 
hat — und zwar vermutlich noch um einiges schneller und 
vollständiger als du selbst es erwartet haben magst. Du 
siehst, ich verhehle nichts und zwar aus dem einfachen Grunde, 
weil es keinen Zweck mehr hätte, etwas zu verhehlen. 
Es ist doch wohl ganz gleichgültig, ob du um vierund 
zwanzig Stunden früher erfährst, was morgen oder über 
morgen in Berlin und in Hamburg die Spatzen von den 
Dächern pfeifen werden. Also rund und klar: ich bin heute 
ebenso gründlich ruiniert, wie ich es ohne Helgas groß 
mütige Hilfe damals gewesen wäre." 
„Wäre es nicht besser, Henry, wenn wir ohne Ueber 
treibungen miteinander sprächen? Ein Kaufmann, der 
in der Lage ist, unaufgefordert so große Summen zurück 
zuzahlen, wie du sie heute deiner Schwester angeboten 
hast, kann nicht gleichzeitig von sich sagen, daß er ruiniert 
fei. Oder vielleicht verbindest du mit dem verhängnisvollen 
Worte einen anderen Sinn, als man ihm gewöhnlich unter 
legt. Willst du damit etwa nur sagen, daß es dir für 
den Moment an weiteren Betriebsmitteln fehlt, und daß 
du Bedenken trägst, sie dir auf dem Wege des Kredits 
zu verschaffen?" 
„Verzeih', wenn ich in diesem Augenblick wenig Lust 
verspüre, mich lang und breit über diese Dinge zu äußern. 
Gedulde dich noch ein paar Tage, und du wirst dir ohne 
besondere Schwierigkeiten selbst eine Urteil darüber bilden 
können, ob ich übertrieben habe oder nicht. — Wenn ich 
nur begriffe, weshalb Helga mich hier eine Ewigkeit 
antichambrieren läßt. Ich habe ihr doch bereits durch ihren 
Mann sagen lassen, daß die Zeit meines Münchener Au ent- 
halts knapp bemessen ist." 
„Wenn sie dich warten läßt, geschieht es sicherlich 
nicht ohne zwingende Notwendigkeit. Wir aber sollten 
dies zufällige Alleinsein nutzen, um uns mit der Offenheit
        
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