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Periodical volume Nr. 224, 23.09.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

wählt die Herren: Sattlermeister Goesch, Gärtucreibesitzer 
Fechtncr, Tischlermeister Ihlefeldt, Vuchdruckcrcibesitzer 
Schultz, Schneidermeister Wegner, Bäckermeister Wermke 
und als Ersatz für den verstorbenen Beisitzer Schu Ge 
schäftsinhaber Vuchheimer. Bon den Arbeitnehmer 
wählten 783. Auch hier war nur eine Liste aufgestellt, die 
angenommen wurde. Soinit sind von den Arbeitnehmern 
gewählt die Herren: Chauffeur Herm. Oehring, Optiker Ernst 
Göritz, Zimmerer Wilh. Lahnt, Maurer Emil Lehmann, 
Bildhauer Fritz Nuttke, Arbeiter Willy Staigcr und als 
Ersatz für den Maurer Marowsky Metallarbeiter August 
Holldorf. 
o Wieder eine neue Strastenbahnvcrbindung. Nach 
Fertigstellung des neuen Straßcnbahnhvss an der Steglitz- 
Groß-Lichterfeldsr Grenze wird jeder zweite Wagen der 
Linie 74 von der Hauptstraße in Schöneberg durch die 
Rhein- und Echloßstraße als Linie 174 bis zum Schloßpark 
Steglitz, resp. bis nach Groß-Lichtcrfelde durchgcsührt werderi. 
Die neue Straßenbahulinie 84, die vom Südwestkorso über 
Wilmersdorf, Berliner Straße, Schöneberg, Winterfeldtplatz, 
Gneisenau Straße und Halleschcs Tor bis zur Pappclallcc 
Ecke Schönhauser Astee gefiihrt wird, soll, wie die Direktion 
der Großen Berliner Straßenbahn-Gesellschaft mitteilt, Anfang 
Oktober eröffnet werden. Desgleichen ist beabsichtigt, die 
Linie 69, die ihre Endhaltestelle gegenwärtig am Südwest 
korso hat, bis nach Steglitz zu verlängern. 
o Erweiterung des Schvueberger Stadtparkö. Der 
Schöneberger Magistrat beschloß, die geplante Enveiterung 
des Schöncberger/Stadtparkcs im Anschluß an den zur Zeit 
in der Ausführung begriffenen Wilmersdorfcr Scepark als 
bald in Angriff zu nehmen und hierfür der Stadtver 
ordnetenversammlung die entsprechende Vorlage zu machen. 
o Meisterprüfung ohne vorherige Gesellenprüfung. 
Der 1. Oktober 1913 ist für das Handwerk von besonderer 
Bedeutung. Bis zu diesem Tage wird nach den Ueber- 
gangsbestimmungen des Gesetzes vom 30. Mai 1008 von 
keinem Handwerker, der sich zur Ablegung der Meister 
prüfung meldet, der Nachweis der bestandenen Gesellen 
prüfung verlangt. Nach dem 1. Oktober 1913 muß dagegen 
die Gesellenprüfung der Meisterprüfung vorangehen. Befreit 
von der Gesellenprüfung sind fernerhin nur diejenigen Hand 
werker, die bereits am 1. Oktober 1908 zur Anleitung von 
Lehrlingen befugt waren. Wer daher eine Gesellenprüfung 
nicht abgelegt hat und beabsichtigt, sich der Meisterprüfung 
zn unterziehen, nur sich dadurch das Recht zur Anleitung 
von Lehrlingen und den Meistertitel zu erwerben, benutze 
die Vergünstigung der erleichterten Bedingungen und reiche 
sofort sein Gesuch um Zulassung zur Meisterprüfung ein. 
Die Frist ist nur noch sehr kurz! Bis zum 30. September 
müssen die Anträge auf Zulassung zur Meisterprüfung in 
den Händen der Vorsitzenden der Meister - Prüfungs- 
Kvminissioncn sein. Die Handwerkskammer zu Berlin, 
Teltowec Straße 1—4, erteilt darüber Auskunft, welche 
Mcistcr-Prüsungs-Koinmission zuständig ist und welche 
Papiere den Anträgen auf Zulassung beizufügen sind. 
o Große Ereignisse werfen ihre Schatten voraus, 
lind die „Zichzcit" ist ein großes Ereignis und ihr Schatten 
der Möbelwagen. Zwar liegt noch eine Woche zwischen 
heute und dein ersten Oktober, aber schon sieht man den 
Möbelwagen in allen Größen und „Farbeit" auf den 
Straßen, um den Hausrat der glücklichen Leute, die vor der 
Zeit sich den Luxus des Umzuges gestatten können, aus dein 
alten Heim ins neue zu besördern. Diese Leute sind in 
mehr als einer Hinsicht „glücklich". Denn erstens stellt sich 
jetzt noch ein Umzug bei weitem billiger als am „eigent 
lichen" Ziehtage, und danir kommen sie in eine leere 
Wohnung hinein, was am 1. Oktober oft nur bedingungs 
weise der Fall ist; sie brauchen nicht mit ihrem Hausrat so 
lange auf der Straße zn stehen, bis der ihrer Vorgänger 
aus der alten, für sie aber neuen Wohnung ausgeräumt ist, 
sie sitzen schon behaglich im neuen Nest, wenn das Gros 
der umziehenden Menschheit noch nach dem seinen umherirrt. 
o Tie Eiscnbahnsahrpreise für .Binder. Kinder 
vom vollendeten vierten bis zum zehnten Jahren zahlen auf 
den deutschen Eisenbahnen bekanntlich den halben Fahrpreis. 
Hierzu ist jetzt bestimmt worden, daß das Alter bei Antritt 
der Reise maßgebend ist. Dadurch wird klargestellt, daß 
Kinder Fahrpreisermäßigung auch für den Rest der Reise 
behalten, die ihnen nach ihrem Alter beim Antritt der Reise 
zustanden. Sie können also während der Gültigkeitsdauer 
der Fahrkarte die Altersgrenze überschreiten. Sic haben 
aber keinen Anspruch auf die Ermäßigung, wenn die Fahr 
karte für sie zwar vorher gelöst, jedoch beim Antritt der 
Reise die Altersgrenze schon überschritten ist. Dieselben 
Grundsätze gelten für jugendliche Personen, die Fahrpreis 
ermäßigung genießen. 
o Das silberne Ehejubiläum feierte gestern mit seiner 
Gemahlin der Kartograph beim Reichspostaint Herr O. 
Radtke, Lauterstr. 34. Seit vielen Jahren wohnen die 
Jubilare in Friedenau und Herr Radtke ist besonders durch 
seine eifrige Tätigkeit im Vorstand des „Krieger- und Land 
wehrverein", wo er gegenwärtig das Amt des 2. Führers 
bekleidet, vielen Kreisen bekannt geworden. Er diente als 
Einjähriger im 2. Garderegiment zn Fuß und wurde später 
Reserveoffizier im 35. Jnf.-Regiment in Brandenburg a. H. 
Wir wünschen den Jubilaren auch ferner Glück und Segen 
in ihrer Ehe. Möge ihnen auch der schöne Tag der goldenen 
Hochzeit beschieden sein. 
o Der Krieger- und Landwchrverein feierte ain ver 
gangenen Sonnabend sein 36. Stiftungsfest. Da in Frie 
denau für derartige Veranstaltungen Säle nicht mehr zur 
Verfügung stehen, war der Vorstand darauf angewiesen, 
ins „Ausland" zu gehen und so fand das Fest im „Ge- 
sellschaftshaus des Westens" in Schönebcrg statt. Der 
Besuch ließ leider sehr viel zu wünschen übrig, sowohl seitens 
der Vereinsmitglieder als auch seitens unserer Behörden. 
Dom Gemeiudevorstand war niemand erschienen, von unserer 
Gemeindevertretung nur Herr Gcmeindeverordncter Stöcker. 
Dieser wie unser Ehrenbürger Herr Geheimrat Hoinuth ver 
traten auch den Haus- und Grundbesitzerverein. Die Sanitäts 
kolonne vertrat deren Vorsitzender, Herr Dr. Badt, den 
Turnverein Herr Rechnungsrat Kaminski. Ferner waren 
erschienen Vertreter des Handel- und Gewerbevereins, der 
Feuerwehr und der „Friedenauer Liedertafel." Gegen 9 Uhr 
begann das Fest nach Einstellung der Fahne mit einem 
Konzert, in welchem die Kapelle des Eisenbahn-Regiments 
durch hübsche Weisen älterer und neuerer Komponisten er 
freute. Darnach hielt der Vorsitzende, Herr Hauptmann d. L. 
Jnstizrat Skopnik, die Festrede, in der er etwa folgendes 
ausführte: 
Werte Festverscimmlung, liebe Kameraden! Wir sind hier heute 
erschienen, um das Stiftungsfest des Krieger- und Landwehrvereins 
zu feiern. Wir blicken zurück auf ein Jahr reger Tätigkeit und alte 
werden wohl mit mir den Wunsch haben, daß der Verein auch in 
Zukunft wachsen, blühen und gedeihen möge. Doch das Fest steht 
heute in dem besonderen Zeichen der in diesem Jahre überall im 
Reiche stattfindenden Jahrhundertfeiern von 1813. Und das verleiht 
dem Feste besonderen Wert. Warum haben diese Feiern nun solche 
Bedeutung für uns? Die Jahrhundertfeiern rufen cinnial die Er 
innerung wach an die glorreiche Erhebung vor 100 Jahren, durch 
welche das Joch, unter dem unser Vaterland schmachtete, kraftvoll 
abgeschüttelt wurde, der korsische Erorberer durch deutsche Gaue 
nach Frankreich hinüber gejagt wurde. Sie sollen uns ferner eine 
Mahnung sein an die Tage der Schmach und Erniedrigung, denen 
die unglücklichen Schlachten von Jena und Aucrstädt vorangingen, 
an den Tilsiter Frieden, der für Preußen eine Demütigung war. 
Diese Mahnung soll uns veranlassen, das; wir nimmer glauben 
sollen, auf den Lorbeeren ausruhen zn dürfen, sie soll uns ohne 
Unterlaß anfeuern, den Wunsch rege zu halten, in der Selbst 
erkenntnis unserer Schwächen und Fehler weitcrzubaucn und unserer 
Jugend, ans der die Zukunft ruht, jene Tugenden zu bewahren, 
durch die unsere Väter so glorreiche Taten vollbrachten. Das sind 
Gottesfurcht, Treue und Liebe zn Fürst und Vaterland, Gehorsam, 
Tapferkeit und Opfersinn bis zum Tode. Wir ivollcn geloben, diese 
Tugenden allzeit hochzuhalten und geben diesem Gelöbnis Ausdruck, 
indem wir des Landcsherrn gedenken, der auch in diesem Jahre auf 
ein 25 jähriges Bestehen seiner Regierung zurückblicken durfte. 
Gott der Herr möge ihm weiter eine lange Regierung gewähren. 
Diesen Wünschen geben wir Ausdruck, in dem wir rufen: Seine 
Majestät unser Kaiser: hoch, hoch, hoch! 
Mit Begeisterung stimmte die Festgesellschast in das 
Hoch ein und saug im Anschluß daran stehend die National- 
hynine. Darauf begrüßte der Vorsitzende die Vertreter der 
Behörden und Vereine, insbesondere die Herren Geheimrat 
Hoinuth, Gcmeindcverordneter Stöcker und Dr. Badt, ferner 
die Offiziere, unter diesen Herrn Oberstleutnant O'Grady. 
Er hieß auch alle Gäste und die' Vereinsmitglieder will 
kommen, gleichzeitig dem Feste einen schönen Verlauf und 
allen Teilnehmern bestes Vergnügen wünschend. Nach 
einigen Konzertstücken ging nun das vaterländische Schau 
spiel in 2 Akten von Adolf Volger „Das Volk steht 
auf, der Sturm bricht los", in Szene. Das Stück spielt 
in Potsdam zur Zeit, als Friedrich Wilhelm III. sich nach 
Breslau begeben hatte und von dort den „Aufruf an mein 
Volk" erließ. Der KriegLkonunissär der französischen Be 
satzung verkehrt im Hause des Buchdruckereibesitzers Renz 
und versucht diesen zu bestechen, ihm den Ileücrbringer des 
„Aufrufs" in die Hände zu liefern. Zufälliger Weise wird 
er Zeuge einer Unterredung des Agenten und läßt nun zu 
dessen Verhaftung das Haus umstellen. Die Tochter Renz' 
aber weiß den Kommissär dadurch, daß sie den Lauf einer 
Flinte auf ihn richtet, im Schach zu halten, sodaß ihr 
Bruder mit dem Agenten fliehen kann. Inzwischen wird 
auch die französische Besatzung durch die Volkswut ver 
trieben und somit scheitert das Vorhaben des Kommissärs 
gänzlich, der ebenfalls schleunigst die Flucht ergreifen muß. 
Das Stück war gut inszeniert und alle Mitspieler zeigten 
ein gut schauspielerisches Talent, sodaß eine wirklich gute 
Vorstellung geboten wurde. Ausgezeichnet spielten vor allem 
Frl. Göltert (Rosette) und Frl. Soudermauu (Marie), ebenso 
bot Frl. Könicke eine achtbare Leistung. Den Damen 
schlossen sich die Herren bestens an. An erster Stelle ist 
hier Herr Pasewald zu erwähnen, der den französischen 
Kriegskommissär mit vorzüglicher Maske gab. Gleichfalls 
gut in ihren Rollen waren die Herren Hindemieth (Barde- 
leben), Klariert (Renz) und Dietzsche (Fritz). Der gespendete 
stürmische Beifall, der die „Künstler" wiederholt hervorrief, 
war ein wirklich wohlverdienter. Der Saal wurde nun 
ausgeräumt und Nut einer Polonaise begann der Ball. Um 
1 1 / 2 Uhr war Kaffeetafel. Während dieser erfreute Herr 
Kaufmann Groß mit mehreren heiteren Vorträgen im 
Königsberger Dialekt. Herr Justizrat Skopnik sagte in 
einer Ansprache allen, die zum Gelingen des Festes bei 
getragen hatten, besonders den Theaterspielern und dem 
rührigen Festausschuß, Dank und brachte diesen ein Hoch 
dar. Herr Obersekretär Klariert toastete auf die Danren 
und Herr Hindemieth brachte ein Hoch ans die Gemütlichkeit 
aus. Es wurde dann wieder flott das Tanzbein geschwungen 
bis früh um 5 Uhr. Das schöne Fest rvird allen Teil 
nehmern eine liebe Erinnerung bleiben. 
v Zu Gunsten der Fechtschule N. 325 des deutschen 
Kriegerbundes wird am Doirnerstag, den 9. Oktober, Abends 
8 Uhr im großen Saale des „Kaiser-Wilhelm-Garten" zu 
Friedenau, Rheinstr. 64 ein Vortrag deS Herrn Oberstleutnants 
z. D. Gallus gehalten über: „Einführung in die Kolonial- 
polilik, Unsere Siedlungskolonie Siidwestafrika" auf Grund 
einer im Jahre 1911/12 ausgeführten Reise mit 64 neusten 
farbigen Lichtbildern. Die wirtschaftliche Bedeutung aller 
unser Kolonien ist gerade in den letzten Jahren so erheblich 
und erfreulich gewachsen, daß wir jetzt mit sehr viel größerer 
Freude und Befriedigung auf diese blicken können. Auch 
Deutschsüdwcstafrika hat in Bezug auf Viehzucht, Aus 
dehnung des Ackerbaues und des Bergbaues wesentliche 
Fortschritte gemacht. In das eigenartige Leben dieser schwer 
gegen alle möglichen Unbilden des Klimas ringenden Kolonie 
wird uns der Vortrag einführen, der auch einen Gesamt 
überblick über.Weltlage, Klima, Gebirge, Flüsse, Bewohner, 
Tier- und Pflanzenwelt geben soll. Schließlich sei noch er 
wähnt, daß der Herr Vortragende einen Teil seiner Reise 
in Eisenbahn- und Maultierkarrcnfahrt mit einer jungen 
Lehrerin aus Warmbad von Süden des Schutzgebiets 
kommend, einer geborenen Schönebergerin, von Keetmanshoop 
nach Windhuck zusammen ausführte. Im* fernen Afrika 
trafen Angehörige unseres Heimatsortes mit den des Nachbar 
ortes durch Zufall zusammeu und waren für einige Zeit 
Reisegefährten durch die Steppe unseres Schutzgebietes. 
Einlaßkarten zu 30 Pf. sind zu haben beim Landessechtmeister 
Koßakowski, Schmargendorferstr. 35, Installateur Dittmann, 
Reinstr. 5 und beim Ober-Fechtmeister Wietasch, Stuben 
rauchstraße 16. 
o Die Akademische Musikschule, Direktion: Joh. 
Schcurich, Rheinstr. 24 veranstaltete am letzten Sonnabend 
einen Vortragsabend der Klavier- und Diolinklassen. Der 
Besuch dieser jeden Monat stattfindende Musikabende war 
wiederum sehr zahlreich. Die Aufführung war. den bis 
herigen Erfolgen des Konservatoriums entsprechend, in allen 
Teilen anerkennswert. 
o Das Biofontheater in der Rhciustraste 14 ist 
stets bemüht, seinen Besuchern ein abwechslungsreiches 
Programin vorzuführen. „Hochspannung" ist ein sensationelles 
Drama in 3 Akten voll spannender Momente, die Regie 
und das Spiel der Darsteller ist großartig, prächtig und er 
greifend zugleich. Das Nocturna von Chopin ist ebenfalls 
ein hervorragendes Drama in 3 Akten, ausgezeichnet durch 
vornehme Ausstattung und Auffassung. Die Entwässerung 
einer großen Stadt zeigt die Kanalisationseinrichtnng der 
französischen Hauptstadt in anschaulicher und belehrender 
Weise. Die Biofon-Revue von Pathö fräres bringt Bilder 
von Vorgängen in aller Welt in abwechslungsreichen Dar 
bietungen. Recht heitere Gaben sind die komischen Films 
Willy ist gegen die Ehescheidung wie das ulkige Bild die 
Hosen des Herrn Doktors. Die Hauskapelle illustriert in 
künstlerische Weise alle Nummern des Programms musikalisch 
recht anerkennenswert. Ganz besonders möchten wir aus 
das vom Büffet eingeführte Pilsener von Hilsebein auf- 
merksam machen, auch die delikaten Brötchen mit verschiedenem 
Belag seien hier einmal bestens empfohlen. Anfang 6 Uhr, 
Sonntags 4 Uhr. 
o Wiedergefunden. Der seit Mitte September ver 
schwunden gewesene 10jährige Schüler Rudolf Oppen, Pauls- 
borner Straße 91 in Wilmersdorf hat sich glücklicherweise 
wieder eingefunden. 
o Die WikmerSdorser Feuerwehr wurde am Sonn 
abend abend gegen 1 / 2 7 Uhr nach dem Hause Kaiserallee 65 
in Friedenau gerufen. Es lag blinder Lärm vor. 
o Einbrecher suchten am Sonntag Abend die Mansardcn- 
stubcn des Hauses Schmargendorfer Straße 6 auf. Sic 
entwendeten jedoch nichts. Jedenfalls wurden sie gestört, 
sodaß sie nicht mehr dazu kamen, ihr Vorhaben auszuführen. 
o Polizeibericht. Als gefunden ist hier angemeldet 
worden: 1 Handtäschchen; als zugelaufen 1 Dackelhund. Tic 
rechtmäßigen Eigentümer vürbenannter Gegenstandes werden 
aufgefordert, ihre Ansprüche binnen drei Monaten im 
hiesigen Fundbüro, Feurigste. 7, Zimmer 6, geltend zu 
machen, widrigenfalls anderweit über den Fundgegenstand 
und den Hund verfügt werden wird. 
Vereins-kZackriMen 
Morgen Mittwoch tagen: 
Thcatervercin ,,4'errcs" 1873. Sitzungen jeden Mittwoch 
8»/, Uhr inr Bcreinslvkal Paul Spanholz, Steglitz, Körnerstr. 48c. 
Gäste als Mitglieder und Spieler sind herzlich willkainmcn. 
Sckoneberg 
—o Die Finanzlage Schönebergs kam durch eine 
Anfrage der Stadtv. Bamberg u. Gen. in der gestrigen 
Sitzung der Stadtverordnetenversammlung zur Erörterung. 
Die Anfrage lautete: 
Ist dem Magistrat bekannt, daß in der Bürgerschaft, unwahre 
Angaben über die Finanzlage Schönebergs verbreitet werden, und 
daß sogar die Behnnplnng. ausgestellt wird, der Vertrag mit dem 
Elektrizitätswerk Südwest wäre nur der schlechten Finanzlage wegen 
gegen eine vollständig ungenügende Entschädigung verlängert worden? 
Welche Schrille gedenkt der Magistrat zu tun, um derartige Unwahr 
heiten richtigzustellen? 
Stadtv. Bamberg begründete die Anfrage wie folgt: 
Der von den Gegnern der liberalen Fraktion geführte ge 
hässige Wahlkampf läßt uns vollkommen kalt. Anders aber 
wird die Sache, ivenn von dieser Seite Behauptungen auf 
gestellt werderi, die geeignet sind, das Ansehen der Sladl 
Schöneberg aufs schwerste zu schädigen, wenn in Flug 
blättern gesagt wird, die Finanzen der Stabt wäre derartig 
trostlose, daß der Vertrag der Elektrizitätswerke Südwesr 
unter vollkonnncn ungenügenden Bedingungen verlängert 
werden mußte. Oberbürgermeister Dvminicus erwiderte 
ungefähr folgendes: Ter Magistrat erachtet es als seine 
Pflicht, in den Wahlkampf nicht einzugreifen. Eine Aus 
nahme von dieser allgemeinen Regel kann nach Meinung 
des Magistrats nur eintreten, wenn im Verlaufe des Wahl 
kampfes Behauptungen aufgestellt werden, die geeignet sind, 
das Ansehen unserer Stadt herabzusetzen. Dieser Fall liegt 
nach Ansicht des Magistrats hier vor. Als Unterlagen der 
Anfrage des Stadtverordneten Bamberg und Genossen sind 
dem Magistrat mehrere Flugblätter des liberalem Kommii- 
nalvereins Berlin-Schönebcrg vorgelegt worden. In einem 
dieser Flugblätter wird u. a. behauptet, „die früheren großen 
Ueberschuß- und Reservefonds seien aufgebraucht", und „es 
sei notwendig gewesen, den Vertrag mit dem Elektrizitäts 
werk Südmest schon jetzt Anfang dieses Jahres bis zum 
Jahre l950 gegen eine völlig ungenügende Entschädigung 
zu verlängern". Demgegenüber erklärt der Magistrat: 
1. Die Bestände der städtischen Fonds am Schluffe des 
Rechnungsjahres 1906 betrugen 4 479 000 Al., am Schlüsse des 
Rechnungsjahres 1912 8 270‘000 M. 2. Die Verlängerung des 
Vertrages mit dem Elektrizitätswerk Südwest bedeutet in Konse 
quenz lediglich des 1908 geschlossenen Vertrages eine Beteiligung 
der Stadt an dem Werke. Zur Beurteilung der jetzigen Finanz 
lage der Stadt verweist der Magistrat darauf, daß der laufende 
Etat mit einer ungewöhnlichen Vorsicht ausgestellt worden sei. 
Außerdem betont der Magistrat, daß das Rernvermögen unserer 
Stadt sich seit dem Jahre 1905 von 9 473 000 M. im Jahre 1011 
auf 30 202 000 M. erhöht hat. Daraus geht hervor, daß in der 
Tat die genannten Behauptungen jenes Flugblattes durchaus 
unbegründet sind. (Lebhaftes Bravo bei Liberalen und Sozial 
demokraten.) 
Stadtv. Reinbachcr betont, daß die Finanzpolitik 
Schönebergs eine gesunde sei, wer das Gegenteil behaupte, 
sei, gelinde gesagt, falsch unterrichtet. Der Liberalismus 
aber müsse bei den Angriffen aus dem Spiel gelassen werden; 
die liberale Fraktion stehe aus dem Boden der Fortschritt 
lichen Bvikspartei. Stadtv. Munk (Freie Bgg.) erklärt, daß 
im Flugblutte nur gesagt sei: „Tie reiche Stadt Schönebcrg 
ist auf schiefer Ebene, und die drohende Finanzlage zwingt 
zu einer Abkehr von den bisherigen Prinzipien." Ter 
Magistrat habe durch seine heutige Erklärung in den Wahl 
kampf eingegriffen. (Lebh. Unruhe.) Die finanzielle Lage 
der Stadt sei keineswegs auf der Höhe. Der Ueberschußfvnds 
ist aufgebraucht; im Jaljrc 1912 betrug er noch 753 000 
Mark. Kämmerer Machvwiez gab seiner Verwunderung
        
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