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Periodical volume Nr. 22, 26.01.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

starken Mauern und einem kleinen Zugang, oft zu Ver 
teidigung-zwecken dienend, ferner, da« eigentliche Kirchen 
gebäude, bestehend an- Kirchenschiff, Chor und AgstS. Alle 
drei Teile sind in der Mark sowohl im Grundriß wie auch 
durch die Abstufung der Dachhöhe ohne weitere- erkenntlich. 
Bemerkenswert ist, daß Flach- und Hügelland eine andere 
Gestaltung de- Bauwerkes bedingen. Di« Bilder führten 
uns durch die ganze Mark. Eigenartig sind die Dorfkirchrn 
in der Niederlausttz, soweit sie von den CistetzieNsern in 
Dobrilugk erbaut worden sind. So erschienen vor unsern 
Augen die Kirchen von Werenzheim, Lindern: Schönborn, 
Trebbu- und als schönste von allen die von Lugau, welche 
mit ihren romanischen Dopprltürmen tratz ihrer vrrhältniS- 
mäßigen Kleinheit «inen überau« harmonischen Eindruck 
macht. Auch Holzkirchen wie die- in SchwtrbuS, wurden 
gezeigt, die eine gute Technik verrieten. Ferner zogen die 
Kirchen in Kldwitz, Gurschen, Burg i. Spreewald, Seeren, 
Reetz und Nledeifiiow im Bild und in trefflicher Erklärung 
eine« berufenen Kenner« der einschlägigen Architektur an 
unS vorüber. Die bildlich« Vorführung erstreckte sich aber 
nicht nur auf den äußeren Eindruck der Kirchen, er wurden 
von fast allen auch das Jnnenbild geboten und auf Einzel 
heiten, z. B. Türbeschlag, Kanzelaltäre, Kronleuchter, Be 
malung, GlaSfenster, Chorgestithl, Verzierung der Kanzel, 
die schwebenden Taufengel u. s. w. Rücksicht genommen. 
Man bekam ein staunenerregender Bild von der bäuerlichen 
Volkskunst in den Dorfkirchen unserer Mark. Dem Vortrag 
folgte reicher Beifall, der vielleicht noch stürmischer gewesen 
wäre, wenn die Stimme des Redners den großen Saal 
hätte füllen können und vielleicht auch, wenn dt« überaus 
fesselnden Vorführungen etwas mehr gekürzt worden wäten. 
o Der Mäuner-Turuvereiu hielt gestern Abend 
im .Hohenzollern" seine ordentliche Mitgliederversammlung 
ab, an der 47 stimmberechtigte Mitglieder teilnahmen. 
Der Vorsitzende Herr Geh. Hofrat Fehler eröffnete die 
Versammlung gegen 9 Uhr. Rach Absingen des LiedeS 
„Turner auf zum Streite* durch die Versammlung machte 
der Vorsitzende verschiedene Mitteilungen: u. a. gab er 
die Einladung des Gemeindevorstande« zum KaiferS-Ge- 
burtStagS - Festmahl bekannt. Die Treptow-Srernwarte 
bietet dem Verein ErmäßtgungSkarten an. Auf die TageS- 
Ordnung kommt noch ein Punkt: Mitglieder Verzeichnis. 
DaS Protokoll der vorjährigen Hauptversammlung, vom 
Tg. Starke verlesen, wurde genehmigt. Darauf erstattete der 
Vorsitzende den Jahrrsbericht, dem wir daS solgrnde ent 
nehmen: 
Auch irr diesem Jahre hat- der M. T. V. zu Friedenau seinen 
Grundsätzen getreu weiter gearbeitet an seiner Ausgabe, daS deutsche 
Turnen -u pflegen. In den einzelnen AbteilungSversammlungen ifl 
Ihnen, liebe Turngenvffen, in ausreichender Weise hierüber Bericht er 
stattet worden. Meine Aufgabe kann e8 darum heute nur fein, Ihnen 
eine kurze Uebersicht über das Ganze zu geben. In 8 Sitzungen er 
ledigte der Turnrat die BerwaltungSgefchifte des Vereins, wenn ich 
hinzufüge-, daß außerdem noch eine Anzahl Vorturner- und Abteilungs- 
Versammlungen nötig waren, so werden Sie ermessen, welche Fülle 
von Arbeit sie Leitung der Verein» verlangte. Dazu kommt noch eine 
ganze Reihe turnerischer Veranstaltungen innerhalb und außerhalb d.-S 
VelrinS, deren Vorbereitung und Durchführung die ganze Opfer- 
frcudigkett der Vereintbeamten und Vorturner in Anspruch nahm. 
Der Bericht zählt nun die vichtigiren Beranstaliunzen nach ihrer zeit- 
lichen Folge auf. In turnerischer Hinsicht war eS dem Verein ver 
gönnt, seinen früh ren. zahlreichen -..Erfolgenzahlreiche, neue 
Siege anzurechen. Bon den Turnratsmitgliedern waren Karl Koch 
und Paul Werner zu unserem Leidwesen gcnöllgt, ihre Aemter nied.r- 
zutegen, weil ihr Beruf sie nach Müschen führte. Die wertvollen 
Dienste, die sie beide, Werner als Zeugwart und Koch als bewährter 
Turawart unserer 2. Knabcnableltung dem Verein geleistet haben, verdienen 
besonders hervorgehoben zu werden. Die 2. Knabenabieilung konnten wir 
im NooemberauS der zu klein gewordenen Turnhalle in der NibcstraZe nach 
derTuruhalleGoßleistraßeveri-gen. Auch für diel.Knabenabieilung ist die 
Turnhalle schon läng r zu klein gewesen, eine Verlegung war aber nicht 
möglich, der Turnrat hat deshalb eine Teilung dieser Ableitung genehmigt. 
Ate schon erwähnt, konnte die 1. Knabenabteilung im Oktober auf ein 
35jähngeS B:stehen zuiückbl-cken. Cie feierte dies Ereignis durch rin mit 
der Weihnachtsfeier verbundener wohlgelungenes Schauturnen a n 
32. 12., an dem über 80 Knaben teilnahmen Der Vorsitzende gab 
hierbei in seiner Ansprahe einen Rückblick auf die Gründung und 
Entwicklung dieser nun zu schöner Blüte gediehenen Abteilung. Im 
Anschluß hieran möchte ich auch deS Schauturnen» der Damen Ec- 
wähnung tan, daS mit einer Beteiligung von 45 Damen einen Beweis 
des merklich gewachsene lebhaften TurnbclriebeL dieser Abteilung 
Ilele te. Mit dem abgelaufenen Jahre gehört unser Mitglied Prof. 
S r. Fröhlich 25 Jahre dem Verein als Turnfrcund an. Der Vorstand 
' be reichte ihm als Auszeichnung für feine Treue die Jahn Denkmünze 
in Brorz'. 20 Jahre gehören nunmehr dem Verein an die Mrr- 
tjiieder Leo Schultz, Emil Schenket, Gustav Haustein Oscar Haustein 
und Karl Brücker. Den Genannt « wurde für ihre Anhängllchkeit an 
den Verein ein dreifaches GUH.-il dargebracht. fAItem Brauche 
folgend, möchte ich auch noch dr.jenigen Turngenosier hier loberd 
«rwähnen, die Ihre 10 jährige Mitgliedschaft vollendet haben; es find 
dies bie Tg. B aun, H. Fiebcrg, Höpgner, Rewe, Pöht, Römhild und 
genau so erzählen, wie es sich zugetragen hat. Sie dürfen 
mich aber nicht schelten, wenn ich Duininheiten gemach! 
habe." — 
„Das werde ich selbstverständlich nicht tun," erklärte 
Julius. „Bitte, erzählen Sie." 
„Run, also, de» ganzen Bormittag passierte nichts. Sir 
William ging nicb aus, und cs kan, arich niemand an 
die Tür, als di. gewöhnlichen Lieferanten. Nach denr 
zweiten Frühstück schlief Ladt) Graffman ein wenig, und um 
drei Uhr sagte sie zu mir, sie fühle sich wohl genug, um 
Besuche zu empfange», wenn welche kämen. Wie Sie 
wissen, empfängt sie nicht im Salon, sondern in ihrem 
Boudoir, damit ihr Stuhl nicht erst hinübergerollt zu 
werden braucht. Mir war das sehr angenehm, denn von 
dein Boudoirsenstcr ans kann man beide Wege übersehen, 
die nach dem Hause fähren, sowohl den Fußpfad, der an 
der Hintertür mündet, sowie den breiten Fahrweg, der 
vorn an der Freitreppe endigt. 
Es war ungefähr halb vier, da sah ich eine elegant ge 
kleidete junge Dame den Fahrweg hercustomnien, und 
als sie geineidet wurde, zeigte es' sich, das; es Fräulein 
Maitlaiid war, die Sie und Sir William gcstcr- drüben 
im Schloff trafen. Sie haben uns zwar beide oo» ihrer 
Schönheit erzählt, aber sie ist noch viel, viel schöner, als 
sie von Ihnen geschildert wurde. Und sie ist nicht nur 
schön, sondern sie hat auch entzückende Manieren. Gleich 
von Anfang an schien sie einen ganz eigenartigen Zauber 
auf Lady Graßman auszuüben. Sie bat in liebenswürdigen 
Worten um Verzeihung, daff die Komtesse de Beanconrl sie 
nicht begleite; diese litte an einer leichten Erlüttung, so daff 
sie nicht selbst kommen könne. Sie habe aber gewünscht, 
dass Sir Williams freundlicher Besuch sofort erwidert werde 
und sie deshalb als Bertreterin geschickt. Ich fand, das sei 
Schreib«. Abcr nicht nur Fccudc wid.rsuhr dcm Darin. Auch 
schweren Verlust holten wir zu MUo.cn: Die Turafecundc Gemeinde- 
verordneter Hermann Schu uud Theodor Ladewig, die beide dem 
Verein »armes Interesse cntgegenbrachlen, und das Milqlted unserer 
Damenabtetlung Elsbeld Pölitz wurden unS durch den Tod entrissen. 
Ihr Andenken »urbe durch Erheben von den Plätzen geehrt. Der 
Vorstand hat ein erneubs umfangreicher Gesuch um völligen Erlaß 
der vom Verein für seine Juzendabteilungen zu zahlenden Ent- 
fchädigung für die Benutzung der Turnhallen an den Gemeinde- 
vorstand und die Gemebdeverlrelnog gerichtet. DaS erste Gesuch 
dieser Art ist im Frübsahr diese« Jahre» abgelehnt worden, hoffen 
wir, daß die Semefvdekörpeischaflen diesmal volle» Verständnis für 
die große Gemeinnützigkeit unseres JugendtnrnenS zeigen werden. 
Beffer und Erfolg versprechender ist e», Krankheiten zu ver 
hüten, alS Kranke zu heilen. Unser Jugrndturnen aber ist 
ein» der besten Mutet, gesunde Kinder gesund za erhalten. 
AuS dcm Ukderbllck, den ich gab, werden Sie gewth da» «ne er-, 
sehen haben, daß eS in allen Zweiaeu deS Verein» reichliche Arbeit ge- 
geben hat. Aber gern und freudig nahmen die berufenen Verein»- 
beamten die schwere Bürde ihrer Aemter auf sich Wenn der Erfolg 
nicht immer der redlichen Mühe entsprach, wenn nicht überall da« 
glühe, erfreuliche Wachstum ln den Abteilungen eingetreten ist, «te 
Eie nachher von unserem Odeclw. hören weiden, so liegt dar nicht 
an den leitenden Personen. Dt: neuerdings sich immer mehr auS- 
breileude, durch die Organisationen für die Jnzendpflege in'S Leben 
gerufenen Neubildungen von Jugendveretnen und Jugendklubs trägt 
cffeabar die Hauptschuld an der Vermindnung unserer 1. Männer- 
und unserer JüngltrigSabicilung. Es s-genSreich die neu« Jugend 
bewegung auch Ist, vor der Hand hat sie manchen jungen Mann dem 
Turnverein entzogen. Wir befinden uns in dieser Beziehung in einer 
UebergangSzeit, die Lb«rwund>n werden muß und wird, wenn die 
Turner unentwegt weiter arbeiten uud sich den Federungen der Neu 
zeit, soweit sie berechtigt sind, nicht verschließen. Hoffen wir, daß 
unsre Jungmannschaft, trctz allem Neuen, da» auf sie eindringt, sich 
in Zukunft wieder darauf besinnt, daß im TurnvereiuSwesca eine 
solche Fülle eckt deutscher Kraft, ein solcher Reichtum idealer Be 
geisterung zu finden ist, wie in keiner anderen Gemeiaschast. 
Nachdem der Vorsitzende noch gebeten hatte, ihm von 
seinem Amte in diesem Jahr« zu entbinden, gab Herr 
Oberturnwart Kühn den Bericht über den Turnbetrteb im 
oerfloffenen Jahre. Der durchschnittliche Turnbesuch betrug 
bet der 1. Männerabteilung 23 (33 lm Vorjahre) von 72 
Mitgliedern (112 i. V.); bei der 2. Männer-Abieilung 
24.5 (25) von 117 (110) Mitgliedern, beider 3. Männer- 
Abteilung 10,1(8) von 35 (29) Mitgliedern. bei der Jüng- 
ItngS-Ableilung 20 (27) von 40 (55) Mitgliedern, bei der 
I. Knaben-Abteiluttg 60 (51) von 91 (78) Mitgliedern, 
bei der 2. Knaben,Abteilung 84 (80) von 145 (150) Mit 
gliedern, bei der Damen-Abteilung 29,1 (24) von 88 (58) 
Mitgliedern, bei der 1. Mädchen-Abteilung 29 4 (35) von 
62 (56) Mitgliedern, bet der 2. Mädchen-Abteilung 48,5 
(42) von 48 (83) Mitgliedern. Weiter berichtete der Ober 
turnwart Über die Teilnahme an den turnerischen Ver- 
anstaltungen im Lau'e de« letzten JahreS. Der Besuch 
deS Spielplatzes war wie in den Vorjahren. Eine Rot 
besteht mit den Spielwarten. Da sich niemand hierzu 
fand, mußten bezahlte Jungen dafür bestellt werden. Die 
Vorturnlrschaft, bestehend auS 30 Mitgliedern hielt 5 Ver 
sammlungen ab. Der dann vom Kassenwart Herrn 
Kaminkki erstattete JahreSaericht verzeichnet folgende«: 
Di- Einnahmen diS Vereins für 1912 benagen 3277.15 
Mark, die Ausgaben 3370,73 M.. ab Zinsen auS der 
R-tzdorff-Süftung zur.Förderung de» Turnens der Jugend» 
ablkiluvgen 105 M. ergibt 3265,75 M., bleibt Bestand 
II, 42 M. Die Zinsen auS der Shtzdorff-Stistung zu Turn- 
fahrten der Jugendabteilungen betragen 105 M, ab Aus 
gaben 1-68745- M-, bleiben 1,55 M.. mithin 12 97 M. für 
1913. Der Bericht deS ZeugwartS konnte nicht grgcben 
weiden, da dieser auS beruflichen Gründen Friedenau vor 
einiger Zeit verlassen mußte. Der Oberturnwart bemerkte, 
daß dteferBericht demvorjährigen zirmlich gleich fei. AuS dem 
Bericht deS BücherwartS erwähnen wir, daß die Bücherei inSge- 
faintüber 437 Bände verfügt; cS wurden jedoch nur 20Bllcher 
benutzt. Die Bücherei ist jeden Sonntag von 10—11 Uhr 
Vormittag- im Schulhause Albestraße grössnet. Rach dem 
Bericht der Kassenprüfer wurde dem Gefamtoorstande Ent 
lastung erteilt. Hierauf folgte die Vorstandswahl. Der 
1. Vorsitzende bat dringend, ihn nicht wieder zu wählen, 
er fei jetzt so stark mitarbeiten überhäuft, daß er den 
Posten nicht mehr pflichtgemäß erfüllen könnte. Er be 
dauerte es auch, daß er bisher so wenig Unterstützung ge 
funden hätte, sodaß er genötigt war, alles selbst zu machen, 
jeder Abteilung-veranstaltung beizuwohnrn und auch noch 
die Berichte an die Presse zu gcben. ES entspann sich 
hierbei eine längere Aussprache, die schließlich zu dem 
EcgebniS führte, daß dem Vorsitzenden eine greignrte 
Persönlichkeit zur,Seite gestellt werden müßte, die ihn in 
seinem Amte unterstützt. Da- Nähere soll dem Turnrat 
überlassen bleiben. Der tikherige Vorsitzende, Herr Geh. 
Hofrnt Fehler, wurde dann fast einsiimmta wiedergewählt. 
Wiedergewählt wurden auch die Herren Kühn zum Ober 
turnwart. Kaminski zum Kassenwart und Slarke zum 
Schriftwart. Kassenprüfer wurden die &tnen Stets, Stale, 
Behn, Koblitz und Gothan. Die Fahnenbegleitung besteht 
aus den Herren O. Schulz, Klang. G. Pählchen. Braun. 
Rünntcke, Hegener. Holz und Könicke. Der Mttgliedr- 
bettrag bleibt wie bisher bestehen. Beschloss-n wurde die 
Herausgabe einer Mitgliederliste, aber ohn« Adressen. Die 
Besprechung über da» Deutsch« Turnfest wurde vertagt 
und nur mitgeteilt, daß eS vom 12.—*0. Jast in Leipzig 
stattfindet. Eure neue Zeitschrift .Jung-Deutschland-Post 
wurde herumgereicht. Den Spielmannschaften bewilligte 
die Versammlung ein Spielabzeichen. Nachdem^Herr 
Hrinze dem Vorstand für seine Tätigkeit im verflossenen 
Bereinsjahre gedankt und auf ihn ein Hoch ausgebracht 
halte, schloß der Vorsttzrnde gegen 12 Uhr die ordentliche 
Mitgliederversammlung. 
0 Ueber die Notwendtgkett einer starke« Lust, 
flotte vo» Luftschiffen und Flugzeuge« sprach Herr 
Hauptmann a. D. Dr. Hildebrand am letzten Dien-tag rn 
der Aula deS ReformrealgymnastumS. Der Vortragende 
berichtet« sehr interessante Einzelheiten über dle Anstren 
gungen, die Frankreich und England machten, um die 
Oberherrschaft in der Last zu gewinnen. Insbesondere 
Frankreich habe zahlreiche Flugzeuge an der deutschen 
Grenze stationiert, die bei Kriegsausbruch sofort alle Brücken 
und Eisenbahnstricken auf deutscher Seite zerstören sollen 
Auch eine genaue Nachbildung drr Zeppelinhalle haben 
di« Franzosen, und die Flugzeugführcr üben sich, derartige 
Hallen durch Wurfgeschoss, zu zerstören. Bekannt s i ja 
auch die Zeppklinfurcht der Engländer. Uebrrall gloubr« 
die Engländer Zeppelinluftschiffe zu sehen. Der Vortragende 
sprach ssch tnbezug drs Luftsch ssbaueS für die einen großen 
Aktionsradius aufweisenden Z ppeltnkceuzer auS. Da» 
halbftarre System habe ganz abgewirtschaftet. Die Zukunft 
werde nur mit starren und unstarren Luftschiffen rechnen. 
Der Vortrag war begleitet von einer großen Zahl prächtiger 
Lichtbilder, ln denen die verschiedenen deutschen Flugzeug- 
typen sowie die Luflsch'ffe gezeigt wurden. Reicher Beifall 
wurde dem Vortragenden zuteil. Obgleich der Besuch nicht, 
besonders stark war, wurde doch ein Uebrrfchuß vor» 
222 80 M. zum Besten der Nationalflugspende erzielt. .. 
0 Die Maler»Zw »ngsiunuug nahm in ihrer 
MoaaiSocrsammlung zwei Kollegen, Werner auS Lankwitz 
und Kuschel auS Friedenau neu auf. Ende 1912 zähl«» 
die Innung 190 Mitglieder. Der Besuch der Fachschule 
mar regelmäßig, die Führung der Lehrlinge gut. Kolleg« 
Ttnat Friedenau erstaltete den Kassenbericht. Der JahreS- 
haukhalti der Innung erreichte die Höhe von 4200 M. 
Bei der EcgänzungLwahl zum Vorstand wurden die aus 
scheidenden Beisitzer Echwuchow. Barth, Müller und Rüter 
durch Zuruf wiedergewählt. Als Beauftragter drr Hand 
werkskammer für den Lichterfelder Bezirk wurde Kollege 
Pipper bestimmt. Die Bericht« über die Revision drr 
Werkstätten gaben zu keinen Klagen Anlaß. Kollege Frrid- 
ling-Steglitz teilt mit, daß das JnnungS-Schiedsgericht 
immer mehr Vertrauen und Zuspruch bet Gehilfen und 
Meistern findet. 
0 Kaiser» > Geburtstag» » Feier der Krieg»» 
Veteranen. Von der „FürforgrVereinigung patriotischer 
Frauen und Männer Friedenaus für hilfsbedürftige KltegS- 
vrteranen" oeranstaltet, findet morgen (Sonntag) Abend 
6 Uhr im oberen Saale de» Restauran S Hohenzollern die 
Feier deS GeburiSrageS Sr. Majestät der Kaisers und 
Königs sowie die Speisung der Krieg-veteranen statt. Die 
Musik wird unter gütiger Mitwirkung von Herren der 
Occhkstrrgesellschaft de- Westen» (Dirigent Herr Musik- 
direklor Löngr) ausgeführt. Ferner haben ihre gütige 
Mitwirkung zugesagt die Herren KammergerichtSrrferendar 
Krug (Geige), Rezitator Witte-Eaudoz. Die Festrede mit 
Kaisrrhoch hält Herr Generalmajor Imme. Zu der Feier 
ist j:drr Freund unserer alten Krieger herzlich will 
kommen. Vormittags 9% Uhr findet ein Kirchgang der 
Kriegkveteranln statt. 
0 Sine vereinte Schüler-Aufführung der Musik- 
schule von Frau Elisabeth Acenstedt, Matzmannstr. 11 und 
und der Gesangschule von Frau Martha Krüger, Rönne- 
bergstc. 13, findet morgen (Sonntag), Abends 6 Uhr im 
Saale der Loge in Steglitz, Albrechtstr. 112a, statt. Der 
Eintritt ist frei. 
0 Die Fricdenauer Schützengilde feiert den Ge- 
buitktag de» Kaisers am Montag, dem 27. Januar, 
eine etwas überlncvcne Elle, uud cs wäre v„-ffüudig artig 
genug gewesen, wenn die Gräfin ihre Gruefiiug abgewartet 
hätte, und dann in Person zu erschallen." 
„Hat Sir William Frälucin Maitland auch begrüßt?" 
erkundigte sich Julius. 
„Allerdings, und daran hängt die Geschichte, die ich 
Ihnen erzählen will," erwiderte Nora, „Fräulein Maitland 
war erst wenige Minuten da, als er in strahlender Laune 
eintrat, sie außerordentlich liebenswürdig begrüßte „nd 
sich auf das Freundlichste mit ihr unterhielt. Vielleicht 
war es eln Glück, daff er hereinkam, wie Sie selbst gleich 
am besten beurteilen können. Dadurch, daff er zugegen 
war und an der Unterhaltung teilnahm, konnte ich die 
beiden Eingänge besser im Auge behalten, und so kam es, 
daff ich auf dein Pfad nach der Hintertür einen Mann 
bemerkte, der sich höchst sonderbar benahm. Zuerst ging 
er ganz rasch den Weg entlang, als beabsichtige er, an 
der Hintertür zu klingeln, aber als er ungefähr halb 
wegs gekommen war, verschwand er plötzlich im Gebüsch, das 
den Pfad von dein Rasen und dem Blumengarten trennt. 
Ich verlor ihn sofort aus den Augen, und er kam auch 
nicht wieder heraus, weder auf den Pfad noch auf den 
Rasen. 
Ich überlegte mir gerade, was ich tun solle, als 
Fräulein Maitland, die i» der Nähe des Fensters soff, 
einen Blick hinauswarf und das wundervolle Beet mit den 
Niesenbegonicn sah. Sic brach in helle Bewunderung aus 
und erklärte, der Ruf dieser herrlichen Blumen sei bis 
zum Schloß hinübergedrungen, und die Gräfin habe sic 
gebeten, sich dieselben genau anzuschauen. 
Sir William war sofort bereit, ihr die Blumen zu 
zeigen und erbot sich, sie nachher durch den Garten zu 
begleiten, wenn sie den Rachhauscwea antreten würde." 
„Großer Gott!" rief Iullüs. 
„Nicht wahr, das war gleich eine schwierige Sache für 
eine Dame, die aus Liebhaberei Detcktivgeschäfte über 
nimmt. Dazu noch gleich am ersten Tage," sagte Nora. 
«Run, ich half mir folgendermaßen. Ich brachte irgendeine 
Entschuldigung vor, verlies; das Zimmer und begab mich 
in den Garten, wo ich anscheinend zweck- und ziellos aus 
dem Rasen hin und herging. Aber ich richtete es so ein, 
daff ich immer näher au bas Gebüsch herankam, und bald 
entdeckte ich denn auch den Mann, der sich hinter einem 
breiten Lcbeiisbaum versteckt hatte. Er schaute mich mit 
wütenden Augen an, als er merkte, daß ich ihn gesehen 
hatte, und ich kann Ihnen sage», ich fürchtete mich ordent- 
lich. Aber ich raffte all meinen Mut zusammen, ging 
auf ihn zu uud fragte ihn, was er da tue. Ohne aus 
eine Antwort zu warten, befahl ich ihm. Garten und Park 
sofort zu verlassen, ich würde sonst die Gärtner holen, um 
ihn mit Gewalt hinauszubringen. Er fauchte mich an 
wie ei» wütender Fuchs, aber er ging, und ich hinter 
ihm her bis zur Ausgangstür, um mich zu überzeugen, 
ob er sich auch wirklich entferne." 
„Sie hätten die Sache nicht besser machen können, 
Fräulein Nora, wenn Sie ein gewiegter Detektiv wären," 
antwortete Julius anerkennend. „Und hat sich der Ein 
dringling dann nicht wieder gezeigt?"- 
„Nein, und um ganz sicher zu sein, daff er nicht 
wiederkommen würde, blieb ich draußen- bis Fräulein Mail- 
land unter Sir Willianis Führung das Begonienbeet be 
wundert und sich entfernt hatte. Dann schloß ich mich 
dem Chef an und ging mit ihm ins Haus zurück. Scit- 
dcn, habe ich nichts Auffallendes beinerkt." 
(Fortsetzung folgt.)
        
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