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Periodical volume Nr. 223, 22.09.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

(Kriederrauer 
Unparteiische Zeitung für kommunale und bürgerliche 
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Jecken Wittvock,: 
Mitzblatt „Seifenblasen". 
senispr.cker: Hmt pfaQburg 2129. Erscheint tägtlch üöeNdS. 
^r. 223. ~ 
Zettrrng.) 
Organ für den Kriebenaner Ortsteil non Zchbneberg und 
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Jecken Sonntag: 
ElLtter kür äeulicbe grauen. 
Druck und Verlag von Leo Schultz, Friedenau. 
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Aerlin-Ariedenau, Wontag, den 22. Septemöer 1913. 
20. Zayrg. 
Oepelcken 
Letzte Nachrichten 
Berlin. Die Familie des Arbeiters Nomanski. die in 
der Langestr. 110 in ziemlich dürftigen Verhältnissen lebt, 
hat in der vergangenen Nacht unerwartet großen Zuwachs 
erhalten. Drillinge, drei gesunde Jungen, wurden geboren. 
Auch die Mutter befindet sich den Umständen entsprechend 
sehr wohl. 
Cuxhaven. Die beiden Bergungsdampfer „Naiber" 
,md „Albatroß' des Norddeutschen Bergungsvereins, die zum 
Aufsuchen des Wracks des Marineluftschiffes „L. 1" von 
Cuxhaven ausgelaufen waren, sind unverrichteter Sache nach 
hier zurückgekehrt. Die beiden Dampfer haben 48 Stunden 
die angebliche, durch eine Boje bezeichnete Untergangsstclle 
im weitesten Umkreise mit einem hierfiir besonders eingerichteten 
Luchgeschirr abgesucht, aber nichts gefunden. Das sbestäligt die 
Annahme, die man von Anfang an in Fachkreisen hatte, 
daß das verhältnismäßig leichte Wrak des Luftschiffes nach 
dem Untersinken noch unter Wasser weit fortgeführt worden 
ist, und wer weiß, wo es schließlich auf dem Meeresgrunde 
zur Ruhe gekommen ist. 
Wien. Herr Panhans, der bekannte Besitzer des Hotels 
Panhans auf dem Semmering, ist gestern Abend im Alter 
von 43 Jahren gestorben. 
Halberstadt. Auf der Gewerkschaft Dingelstedt brach 
in der Nacht zum Sonntag beim'Abteufen in dem bereits 
über 200 Meter tiefen Schacht die Bühne. Die darauf 
stehenden Arbeiter stürzten 30 Nieter in die Tiefe. Zwei 
Arbeiter, Heinrich Gutjehr aus Darinstadt und Karl Kupfer 
aus Aspenstcdt, wurden dabei getötet, mehrere Arbeiter 
wurden leicht verletzt. 
Hamburg. Ein eigenartiger Unfall ereigtrete sich gestern 
nachmittag im Betriebe der > elektrischen Vorortbahn. Aus 
dein Führcrstande des zweiten Triebwagens, der ohne Be 
dienung im Zuge mitfuhr, schlug plötzlich eine starke elek 
trische Flamme in die Abteilung des Wagens, in der die 
Passagiere saßen. Die int Wagen sitzenden vier Passagiere, 
zwei Damen und zwei Herrn, erlitten starke Verletzungen 
an Händen und Gesicht. Auch die Kleidung wurde zum 
Teil verbrannt. Wie sich herausstellte, war der inr Führer 
stand befindliche sogenannte Vielschalter explodiert, ein Vorfall, 
der bisher im elektrischen Betriebe nicht beobachtet worden 
ist. Die Explosion hatte nur eine kleine Betriebsstörung 
.zur Folge. 
Paris. In Melun feuerte ein Mann mehrere 
Reovlverschüsse auf eine Prozession ab. Der Domherr 
Caudron wurde durch zwei Kugeln schwer und ein neun 
zehnjähriges Mädchen leicht verletzt. Der Täter, ein Mann 
namens Sixt, der vor nrehreren Jahren aus einem Irren 
hause entlassen worden war, wurde verhaftet. 
Neuchatel. Aus unbekannter Ursache geriet in den 
Nachtstunden eine riesige Mietskaserne, die von über 50 
Arbeiterfamilien bewohnt war, in Brand. Die Haus- 
bewohner lagen größtenteils schon im Schlafe und wurden 
von dem Feuer überrascht. Sie stürzten in wilder Hast die 
Treppen hinunter.EEine Frau mit einem Säugling sowie 
palririerblut. 
Roman von Kelnhold Ortmann. 
28. (Nachdruck verboten.) 
' Fast geringschätzig warf sie den Kopf zurück. 
Es gibt keine unzerbrechlichen Fesseln für den, der 
den Willen und den Mut zur Freiheit hat. Und ich liebe 
die Schwächlinge nicht. Hubert! Nie — nie wurde rch 
einem Schwächling gehören." ... 
Muß man ein Schwächling sein, weil man zögert, 
mit "dem Kopf gegen die Wand zu rennen? Es ist so 
leicht qesaat: den Willen und den Mut zur Freiheit haben. 
Glaubst du nicht, daß es den.meisten, die hinter Gefängnis- 
mauern schmachten, weder an dem einen noch an dem an- 
deren fehlt? Aber man kann ein Eifengitter nicht mit den 
Händen zerreißen und einen Quaderstein nicht mit den 
^"soch l^Es "hat Leute genug gegeben, die das fertig 
'S** -ich,-, bas 
- u 'it bas 
Nächstliegende zu sehen — was sollten dir da meine Rat- 
^°?Das" Nächstliegende? Dm meinst also, ich sollte vor 
meine Frau hintretcn und ihr sagen: Ich have a-ffT-'ort, 
dich zu lieben. Gib mich frei, damit «ch einer anderen 
°"^.Ma" d°u "deiner Frau sagen oder nicht sagen willst, 
bat für mich keine Bedeutung. .^Wenn du erne Ausem- 
Glauben Sie nicht, 
vatz wir Ihre Adresse besitzen, well Sie uns bekannt sind. Sie 
müssen uns aus jeden Fall Ihre Adresse mitteilen, wenn 
Sie auch nach dem 1. Oktober den „Frleüenauer Lokal-Anzeiger" 
weUer pünktlich zugestellt haben wollen. Nur. wer uns leine 
Adresse mitteilt, erhSU unser Blatt auch nach dem 1. Oktober, 
da wir von diesem Tage ad 
eigene Boten 
einstellen. Eine Abbestellung beim Spediteur ist nicht ersorderllch, 
jedoch unbedingt Neubestellung in der 
HauptgelchäktssteUe, RbemltraKe 15 
(fernruf Unit pk»lzburg 2129) 
oder ln den folgenden Geschäften: 
Papiergeschäft Wilh. Ebers, Rheinstrabe 15 
Papiergeschäft Arthur Zschalig, vdenwalhstrabe 7 
Papiergeschäft Frl. Nordheim. Sieglindestrabe 4 
Zigarrenhandlung Paul 8uhl. Südwestlorso 17 
Zlgarrenhandlung E. Sahn. Rembrandtstr. 14, Diirerpl. 
Bering und Eelchiistrstelle der 
Friedenauer Lokal-Anzeigerr 
Rhelnstr. 15. Fernspr. Psalzburg 2128. 
mehrere Kinder, denen der Answeg abgeschnitten war, 
wurden von der Feuerwehr unter großer Anstrengung mit 
Hilfe von Brandleitern gerettet. 
Petersburg. Hiesige Blätter melden, England, 
Deutschland und Frankreich haben der japanischen Negierung 
mitgeteilt, daß sie im Falle der Besetzung Nankings durch 
japanische Truppen genötigt sein würden, ebenfalls Truppen 
in China zu landen. 
lokales 
(Nachdruck unserer o-Originalartikel nur mit Quellenangabe gestattet.) 
o Vanplaumäßige Festlegung der Freiflächen. Wie 
wir erfahren, hatte der Regierungspräsident den Gemeinde 
vorstand aufgefordert, die als Freiflächen zu erhaltenden 
Plätze in unserer Gemeinde im Bebauungsplan aufzunehmen. 
Es handelt sich dabei um die Spielplätze am Maybachplatz 
und an der Laubacher Straße, sowie um den Sportplatz an der 
Wiesbadener Straße. Die Gemeindevertretung beschäftigte 
sich kürzlich in geheimer Sitzung mit dieser Angelegenheit und 
beschloß. die Freiflächen nicht im Bebauungsplan festzulegen. 
o Das Abschneiden der Wasserzuleitung in den 
von den Charlottenburger Wasserwerken bedienten Häusern, 
kain — wie berichtet wurde — in der letzten Sitzung des 
hiellgen Haus- und Grundbesitzervereins durch den Herrn 
V:d) testen Steinbrucker zur Sprache. Herr St. war 
wegen einer — nach seiner Meinung ungerechtfertigten — 
Forderung des Werkes mit letzterem in Differenzen geraten 
und das letztere hatte ihm dann das Wasser in seinem 
anoerjeizung furchtest, warum willst du dann nicht einfach 
die Tatsachen sprechen lassen? Der Weg nach dem Süden 
ist offen für dich wie für mich. Wer kann dich hindern, 
morgen mit mir an die Riviera zu fahren?" 
Das leicht hingeworfene Wort, jagte ihm einen Glut 
strom durch die Adern. Aber zugleich fühlte er eine Be 
klemmung auf der Brust, deren er sich mit einem tiefen 
Atemzuge zu entledigen suchte. Er empfand den ganzen 
Zauber der lockenden Versuchung, aber es war doch etwas 
in feinem Innern, das sich dagegen zur Wehr setzte. 
„Und mein Hans?" fragte er leise. „Meine Kunst?" 
Poln Wassilewska zuckie die Achseln und erhob sich 
brüsk. 
„Mir scheint, mein Freund, daß wir uns ineinander ge 
täuscht haben, und daß schon viel zu viel Worte gewechselt 
sind über eine Sache, die nichts schlechter verträgt als leere 
Worte. Wenn ich dir jetzt noch einen Rat geben soll, 
kann es einzig der sein, so rasch als möglich an deinen 
häuslichen Herd zurückzukehren und die Erinnerung an 
diese Stunde aus deinery Gedächtnis zu tilgen, wie ich sie 
daraus zu tilgen suchen werde." 
„Wenn du dazu jetzt noch imstande bist, Pola " 
„Oh, ich kann alles, was ich ernstlich will. Wahrscheinlich 
ist es gerade das, was uns voneinander unterscheidet." 
Sie hatte eine» über einen Sessel geworsenei» Seiden, 
schal aufgenommen, und sie hüllte ihre nackten Schultern 
darin ein, wie wenn sie ein Frösteln empfände. Mit tief 
gefurchter Stirn sah der Maler ihrem Beginnen zu. Dann, 
indem seine Hände sich zu Fäusten zusammenkrampften, 
sagte er: 
„Du hast recht: es wäre nicht gut für unser Glück, 
jetzt »och viele Worte zu machen über das, was geschehen 
soll. .Laß mich gehen." 
Hause abgeschnitten. Kaum hatte Herr Polizeikommissar 
Jacobi davon Kenntnis erhalten, als er aus hygienischen und 
feuersicherheitlichen Gründen der Sache auf den Grund 
ging und einen Beamten zur Recherche entsandte. Letzterer 
konnte aber näheres nicht erfahren, die Sache lag also jeden 
falls schon eine Zeit zurück. — Die Frage ist jedenfalls be 
rechtigt: Können die Charlottenburger Wasserwerke aus 
irgend einem Grunde einem Hause das Wasstr abschneiden 
und dadurch schwere Schädigungen bezüglich Leben, Gesund 
heit und Besitz der Hausbewohner herbeiführen? Nach dem 
Vertrage mit dem Eigentümer des Hauses sind sie in ge 
wissen Fällen — z. B. wenn die Rechnung nicht bezahlt 
wird — zivilrechtlich dazu befugt. In Charlottenburg und 
anderwärts sollen sie die Forderung grundbuchlich haben 
eintragen lassen, was sehr vemünftig ist. Nach dem mit 
der Gemeinde Friedenau abgeschlossenen Vertrage ist die 
genannte Gesellschaft berechtigt, zwecks Wasserlieferung an die 
Einwohner die Straßenzüge zur Röhrenlegung zu benutzen. 
Es frägt sich itun, ob die Polizeivermaltung eine Handhabe 
besitzt, nach deren Anwendung sie das Wasserwerk zwingen 
könnte, mit Rücksicht auf die hygienischen und Feuersicher- 
heits-Erfordernisse das Abschneiden des Wassers zu verbieten. 
Diese Frage ist rechtlich noch nicht entschieden worden, ob 
gleich es aus verschiedenen erheblichen Gründen wünschens 
wert wäre, daß es geschähe. ^ E. F. 
o Ueber die Führung des Baumeistertiteks hat vor 
einigen Wochen zivischen Kommissaren der Reichsregierung 
und Vertretern der größeren Blindesregierungen ein Meinungs 
austausch stattgefunden. Der Bundesrat dürfte deshalb in 
absehbarer Zeit eine Entscheidting in der Frage fällen. Die 
Entscheidung des Buitdesrats dürfte jedenfalls dahin gehen, 
daß für die Führung des Baumeistertitels volle akademische 
Ausbildung die Voraussetzung bildet. Deut Handwerk 
dürfte der Titel Baugewerksmeister verbleiben»--der solchen 
Handwerkern zugänglich sein wird, die sich in niehreren 
Zweigen des Bauhandwerks betätigen oder eine besondere 
Vorbildung auf Fachschulen erworben haben und infolge 
dessen eine gehobene Stellung unter ihren Berufsgenossen 
einnehmen. 
o Goldene Hochzeit. Bei voller geistiger Frische und 
körperlicher Rüstigkeit feierten gestern Herr Geheimer 
Rechnungsrat August Bormann und Gemahlin, Kaiser 
allee 128 wohnhaft, das seltene Fest der goldenen Hochzeit. 
Das Jubelpaar wohnt seit vielen Jahren in Friedenau und 
seit 15 Jahren in dem Hause Kaiserallce 128, gehört also 
zu den „seßhaften" Mietern. Wir schließen uns hiermit 
den zahlreichen Gratulanten an und wünschen Herrn Ge- 
heimral Bormann und seiner Gattin noch viele Jahre froher 
und glücklicher Ehegemeinschaft. Die diamantene Hochzeit 
muß auch noch gefeiert werden! 
o Die Alters-Abteilung des Männer - Turnvereins 
unternimmt am kommenden Sonntag ihre nächste Turnfahrt. 
Die Abfahrt erfolgt Morgens 6.46 Uhr vom Ringbahnhof 
Wilmersdorf-Friedenau «ach Bernau. Dort beginnt der 
Marsch durch den Bernauer Forst nach dem herrlich am 
Liepnitzsee gelegenen Forsthaus Liepnitz. Nach dem dort 
eingenommenen Frühstück wird weiter marschiert an dem 
teils von Laub-, teils von Nadelwald eingesäumten 
Pola kehrte sich ihm zu mit einem ungewijjen Blick 
und mit einem lauernden Glitzern auf dem Grunde ihrer 
Augen. 
„Ich halte dich nicht zurück. Wann werde ich dich 
wiedersehen?" 
Er verschlang sie mit seinem Blick, aber er zauderte zu 
antworten. Endlich, da sie eine ungeduldige Bewegung 
machte, sagte er: 
„An diesem Abend — oder " 
„Nun — oder —?" 
„Oder niemals." 
Die Gräfin zuckte zusammen, als ob er ihr statt des 
Wortes einen schweren Gegenstand zugeschleudert hätte. 
Aber sie hatte nicht mehr Zeit, ihm zu antworten; denn 
im nächsten Augenblick schon hatte sich mit lautem Krachen 
die Tür des Zimmers hinter ihm geschloffen. 
16. Kapitel. 
In ein einfaches dunkles Straßenkostüm gekleidet, trat 
Helga aus dem Zimmer, in de», sie soeben eine kurze 
Unterredung mit der weinenden Margarete geführt hatte. 
Das Mädchen hatte ihr gesagt, Herr Almröder erwarte 
sie im Atelier, und sie hatte nicht einen Augenblick ge 
zögert, dem Ruf ihres Mannes Folge zu leisten. Ihr 
erster Blick beim Betreten des prächtigen Raumes fiel auf 
das weit vorgeschrittene Porträt der Gräfin Wassilewska, 
das sie heute zum ersten Male sah, und das in der Tat 
eines von Hubert Almröders besten Werken zu werden 
versprach. Ihre Augen glitten darüber hin. wie über irgend- 
einen anderen gleichgültigen Gegenstand, und sie ging 
ruhig bis zu dem Tische, an dem Hubert mit über der 
Brust verschränkten Armen lehnte. 
„Entschuldige, daß ich dich hierher bemüht habe,"
        
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