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Periodical volume Nr. 222, 21.09.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

schienen. Der Vorsitzende, Herr v. Wrochem. eröffnete, 
gegen 9 Uhr die Versammlung, begrüßte die Erschienenen und 
drückte seine besondere Freude über den guten Besuch aus. 
Das vom Schriftführer, Herr» Engelhardt, darnach verlesene 
Protokoll der Mai - Versammlung wurde angenommen. 
Hierauf machte der Vorsitzende folgende Mitteilungen: Die 
Mitglieder werden sich gewundert haben, daß sie diesmal 
nach der „Kaiserciche" geladen worden sind. Das liege 
daran, daß im „Hohcnzollern" wiedermal der Wirt gewechselt 
habe, der von der Existenz des Grundbesitzervereins keine 
Ahnung hatte und noch viel weniger wußte, daß der Grund 
besitzerverein dort seit Jahren seine Sitzungen abgehalten 
habe. Der neue Besitzer habe daher vertraglich an den 
Tanzlehrer Herrn Kinder für die Freitage den Saal ver 
geben. Der Vorstand habe nun das Restaurant Kaiserciche 
gewählt, wo der Verein an und für sich gut aufgehoben sei 
doch dürfte es vorkommen, daß bei einem stärkeren Besuch 
das Lokal zu klein sein werde. Dann müsse man wohl einen 
anderen Saal suchen. Vorläufig aber werde man hier wohl 
auskommen und er hoffe, daß die Mitglieder mit dem 
Lokal und der Wirt auch mit dem Verein zufrieden sein 
werde. — Die Geschäftsstelle des „Friedenauer Lokal- 
Anzeigers" teilt mit, daß die Zeitung vom 1. Oktober 
durch eigene Voten bestellt wird, also nicht mehr auf dem 
Umwege durch den Spediteur. Dadurch werde der 
„Friedenauer Lokal - Anzeiger" künftig frühzeitiger und 
pünktlicher geliefert. Notwendig sei jedoch die Angabe der 
Adressen, da der Spediteur die Abonnentenliste nicht heraus 
gibt. Er bitte daher die Mitglieder, ihre Adresse der 
Geschäftsstelle des „Friedenauer Lokal-Auzeigcrs" mitzu 
teilen. — Eine Fabrik für Saugapparate empfiehlt sich. — 
Die Wirtschaftsgenossenschast Berliner Grundbesitzer macht 
darauf aufmerksam, daß sich zur Müllabfuhr eine Konknrreiiz- 
gesellschaft gegründet habe, die anscheinend billiger sei, aber 
kleinere Kästen stelle. Der Vorsitzende bemerkt hierzu, daß 
man wohl keine Veranlassung habe, von der Wirlschafts- 
genossenschaft abzugehen, da man dort gut bedient würde, 
wenigstens seien Klagen her Geschäftsstelle nicht mitgeteilt 
worden. (Zuruf: Die Kiffscher sind sehr grob.) Akademiker 
sind die Kutscher allerdings nicht (Heiterkeit). — Der 
Krieger- und Landwehrverein lädt zur Feier seines 
36. Stiftungsfest am Sonnabend, dem 20. d. M., im 
Gesellschaflshaus des Westens ein. Der Vorsitzende empfiehlt 
den Besuch. — Bezüglich der Wohnungstafel am Wannsee 
bahnhof gibt der Vorsitzende noch bekannt, daß die Schöne- 
berger Polizei die Aufstellung oder Anbringung der Tafel 
nicht gestaltet habe. Man müsse nun erst abwarten, 
bis die Umänderung des Wannscebahuhofs erfolgt sei, 
vielleicht, daß dann dort ein günstiger Platz für die 
Wohnungstafel gefunden werde. Die Humbold-Akademie 
hat ihre Vorlesungsverzeichnisse ausgelegt. Für Vereins 
mitglieder ermäßigt sich der Preis für den Besuch einer 
Vorlesung von 6 auf 4 M. Ebenso wies der Vorsitzende 
empfehlend auf die Friedenauer Vortragsabende für Kimst 
und Wissenschaft hin, die im Winter jeden 2. Donnerstag 
im Monat in der Aula des Reforinrealgymnasiiims statt 
finden. ; Di? Mietsvertragsangelegenheit ist jetzt soweit ge 
diehen, daß den Herren Uhlenbrock und Dreger die Aus 
arbeitung eines einheitlichen Mietsvertrages übertragen 
wurde. Nachdem werde der Vorstand den Vertrag durch 
sehen. Jedenfalls werden in der Oktobersammlung die ge 
druckten Formulare vorliegen. Unter allgemeiner Heiterkeit 
kett verlas der Vorsitzende einen Prospekt der Gemein 
nützigen Gartenstadtgesellschaft. Nach diesem Prospekt ivill 
die Gesellschaft alle Menschen in ihren Wohnnugsver- 
hältnissen gleich stellen, die Erde zu einem Eden, einem 
Paradies gestalten. Auf die Eingabe des Vereins betr. Er 
richtung eines Htzpothekenamtes hat die Gemeindevertretung 
in ihrer Donnerstag - Sitzung der Errichtung eines solchen 
Amtes grundsätzlich zugestimmt. Es wird eingerichtet 
werden, sobald das Geld dazu erlangt ist. Herr Lcnim 
fragt an, wie cs mit der Sparkasse wäre. Die Sparkasse 
könne doch Gelder für Hypotheken geben. Der Vorsitzende 
erklärte, daß die Sparkasse nicht so schnell eröffnet werden 
könne, daß aber die Gelder für sie kaum gleich so reichlich 
Kostüm des gestrigen Abends. Aber sie schien ihm dennoch 
eine ganz andere, schien ihm tausendmal königlicher, tausend 
mal schöner und verführerischer als die Beherrscherin der 
gestrigen Probe. Nicht der Schmuck, der an ihren nackten 
Armen, an ihrem weißen Halse und auf ihrer halb ent» 
blöszten Brust funkelte, konnte diese Veränderung bewirkt 
haben. Sie mußte in dem Ausdruck ihres Gesichts liegen, 
in dem süß schmachtenden Lächeln ihres leicht geöffmieu 
Mundes, in dem herausfordernden Glanz ihrer vollzuiym 
aufgeschlagenen Augen. Und er dachte auch gar nicht 
daran, sich nach der Ursache zu fragen: er gab sich wider 
standslos dem hinreißenden Eindruck gefangen, wie man 
sich einer Macht unterwirft, gegen die zu kämpfen von 
vornherein törichtes Unterfangen wäre. Wohl eine Minute 
lang starrte er stumm auf die sinnberückende Frauengestalt: 
dann mit einem Laut, der sich fast wie ein Stöhnen aus 
seiner Kehle drängte, stürzte er vor ihr auf die Knie und 
bedeckte ihre Hände, die sie ihm widerstandslos überließ, 
mit feinen durstigen, brennenden Küssen. 
„Aber, um des Himmels willen, mein Freund, was tun 
Sie?" mahnte sie halblaut und in einem Ton, der alles 
andere eher als eine Zurückweisung bedeutete. „Wenn 
man uns so überraschte —!" 
Er erhob sich nicht, aber er gab ihre Hände frei, um 
mit beiden Armen ihre schlanke, geschmeidige Gestalt zu 
umschlingen, wie wenn er sie zerbrechen wollie. 
„Wie schön du bist, Pola! Schöner, als je ein Weib 
auf Erden gewandelt! Du bist die Göttin der Schönheit — 
die Göttin der Liebe! Und du niußt mein sein — mein 
— oder ich schwöre, daß ich hier zu deinen Füßen sterbe." 
„Sie sprechen wie ein Tor, Hubert! Wollen Sie denn, 
daß ich bereuen soll, mich Ihnen so gezeigt zu haben? 
Gestern konnte ich Ihre Kühnheiten dulden, weil wir eben 
eine Komödie spielten. Jetzt aber sind wir nicht Antonius 
und KlLopatra, sondern zwei nüchterne Alltagsmenschcn, 
die die Pflicht haben, verständig zu bleiben." 
Sie hatte einen schwachen, nicht allzu ernst genieinten 
Versuch gemacht, sich seiner Umschlingung zu entwinden, 
und er mußte fühlen, daß es ihr in Wahrheit durchaus 
nicht darum zu tun war, ihn zu entmutigen. Darum 
sprang er wohl auf, aber er gab sie nicht >rei, sondern 
Um mt sofort neubcstellt 
erhält den „friedenauer Lokal-Anzeiger" au&> nath 
dem i. Oktober. Sine Abbestellung beim Spediteur 
ist nickt erforderlich, dagegen muß die Zeitung auf 
alle fälle neu bestellt werden. Außer der 
I)aitpt3cTchä?tsTtelU, Hbemttraße 15 
(fernruf Htnt ptaljburg 2129) 
nehmen folgende Geschäfte Bestellungen auf den 
f ,friedenauer Lokal-Anzeiger" an: 
DapierseMs! Wiih. Ebers. RhelnskiHe15 
MplergesMI Arthur Zsihattg. LLeruvMtratze 7 
Nuyiergeschlüt Frl. Nordheim, Sieglmdeltratze 4 
ZigerreuhaudlMg Aaui 3uhl, Mdmelttorlo !7 
ZilMmchmidlung E. Sühn. RemdraudLftr. 14, Dirrerpl. 
Verlag und EeMstsltelle der 
Friedenauer Lstal-Anzeigers 
Meiustr. 15. Fernspr. Pfklzbmg 2128. 
fließen werden, daß daraus Hypotheken gegeben werden 
könnten. In Verkehrsfragcn sei der Vorstand und 
der Vcrkehrsausschuß auch in den Sommermonaten 
tätig gewesen. An den Gemeinde - Vorstand wurde 
ein Schreiben gerichtet, in welchem um Förderung 
besserer Verkehrsverhältnisse durch Straßenbahn. Omnibusse 
und llmbau des Waunscebahnhofes ersucht wurde. Der 
,Gemeindevorstand antwortete: daß er sich mit den Direk 
tionen der Verkchrsunternehmungen in Verbindung gesetzt 
habe. Diesen Bemühungen! seien auch die neuen Straßcn- 
bahuvcrbiudungeu, insbesondere die Einführung der Linie L, 
zu danken. Diese Linie bringt die Verbindung mit dem 
Stettiner Bahnhof. Allerdings nimmt sie vom Tiergarten 
aus nicht den direkten Weg, sondern geht über den Hansa 
platz und Moabit. Vorstellungen um andere Führung der 
Linie beim Verbandsdirektvr blieben aber ohne Erfolg. 
Der Tarif setzt die 10-Ps.-Strecke von Roeunebergstraße bis 
Eorneliusbrücke fest. Bis zum Stettiner Bahnhuf sind 
15 Pf. zu zahlen. Eine günstigere Verbindung nach dem 
sStcttiner Bahnhof stelle die Linie 51 dar, die allerdings 
nur bis zum Kaiserplatz fährt, lieber die Jubiläumsfest- 
lichkcit im Nvveinber gibt der Vorsitzende bekannt, daß die 
Chronik im Manuskript vorliege, die Leitung des Pro 
grammausschusses habe Herr Brücker, des Menünusschusses 
Herr Engelhardt. In der Oktobervcrsammluug werde er schon 
früheres bekannt geben können. Herr Engelhardt! macht noch 
die Mitteilung, daß ein Mitglied, das nicht genannt sein 
möchte, 65 000 M , geteilt in 30 000 M. und 35 000 M., 
zur 2. Stelle zu vergeben habe. Interessenten mögen sich 
jit der Geschäftsstelle Kuiserallec 128, melden. Hierauf 
wurden 15 neue Mitglieder aufgenommen. Dann gedachte 
der Vorsitzende der verstorbenen Mitglieder: Bäckermeister 
Keller und Rentier Max Gräbner. Besonders der Letztere habe 
auch bei harmlosem Zusammensein oftmals die Mitglieder 
erfreut und ebenso bei ernster Arbeit viel mitgewirkt. Zu 
Ehren der Verstorbenen erhoben sich die Anwesenden von 
den ^Plätzen. Dem Verein der Gartenfreunde wurde hierauf 
die übliche jährliche Beihilfe von 50 M. zur Balkon- und 
Porgartenprämiicrung bewilligt. Nachdem der Vorsitzende 
poch ein Schreiben des Gemcindevvrstandes verlesen hatte, in 
welchem die Hausbesitzer gebeten werden, für sorgfältige und 
pünktliche Ausfüllung der Hauslisten zur Per'soncnstauds- 
aufnahme zu sorgen, berichtete er zu Punkt 5, Aussprache 
über etwaigen Beitritt zum Bund der Haus- und Grund- 
besitzcruerciue Großberlins, daß der Verein bereits körper 
schaftliches Mitglied des Vereins Berliner Vororte sei. Die 
Delegierten werden gesehen haben, daß viele interessante 
preßte sie nur noch stürmifchcr au sich und vergrub seine 
Lippen in den weichen Wellen ihres duftenden Haares. 
„Pola!" stieß er mit heißem Atem heroor. „Meine 
geliebte Pola!" 
Ein Erzittern ging über ihren Leib, dessen Wärme er 
verwirrend und aufstachelnd durch die leichte Gewandung 
spürte, und bann, mit einem liefen Seufzer, gab sie sich 
widerstandslos seinen Liebkosungen hin. 
Minuten waren vergangen, als sie sich plötzlich los 
riß und ihm mit ausgestreckter. Armen wehrte, stch ihrer 
von neuem zu bemächtigen. 
„Nicht mehr — nicht mehr!" entrang es sich ihrer 
heftig wogenden Brust. „Mein Himmel, wozu dies alles! 
Was soll denn nur daraus werden?" 
Almröder strich üch das Haar aus der Stirn. Dann 
ließ er den Kopf sinken, als verzweifelte er daran, eine 
Antwort zu finden auf ihre Frage. Jäh aus dem wilden 
Rausch der Sinne ausgcjchreckt, fühlte er sich erbarmungs 
los in eine Wirklichkeit zurückgefchleudert, der gegenüber 
er nur eine niederschmetternde Einpstnüung der Ohnmacht 
und Hilflosigkeit hatte. Die Gräfin aber, in malerischer 
Pose auf einen Sessel niedergesunken, wiederholte nach 
einem kurzen Schweigen: 
„So sagen Sie mir doch, Hubert: was soll daraus 
werden?" 
Unsicher trat er auf sie zu, und sie ließ es geschehen» 
daß er abermals ihre Hand ergriff. 
„Die Götter werden es nach ihrem Willen fügen, 
Pola! Gewiß ist jetzt nur das eine, daß du nicht reifen 
darfst - nicht morgen und nicht in acht oder vierzehn 
Tagen." 
„Jetzt mußt du ja begreifen, Pola, daß ich dich nicht 
lassen könnte, ohne daran zugrunde zu gehen." 
Aber die Gräfin schüttelte mit einer Gebärde vollster 
Entschiedenheit den Kopf. 
„Quäle mich nicht! Versuche nicht zu ändern, was 
nicht zu ändern ist. Es ist unwiderruflich beschlossen, daß 
ich morgen reife." 
„Und warum — um des Himmels willen, warum? 
Eilt dir irgendeine sogenannte Fkeundin mehr als ich — 
mehr als untere Liebe?" 
und lehrreiche Vorträge dort gehalten werden, besonders 
diejenigen des Dr. Steiner. Im großen und ganzen aber 
widmet der Verein der Vororte sein Interesse mehr den 
außerhalb gelegenen Vororten. Nach Ansicht des Vorstandes 
habe für den Verein der Anschluß an den Bund der Grund- 
besitzervcreine noch größeren Wert als der Anschluß an den 
Verein lder Vororte. Der Bund'"tvidmet sich mehr den 
Interessen der städtisch angelegten Gemeinden. Vorsitzender 
des Bundes sei Herr Schneidcr-Schöneberg. Er weise nur 
hin auf die Frage der Berechnung des Wehrbeitragcs. 
Gerade der Bund habe mit dahin gewirkt, daß auch die 
Berechuungsart nach dem gemeinen Wert in die Be 
stimmungen für Erhebung des Wchrbcitrages aufgenommen 
wurde. Auch andere vitale Fragen für den Grundbesitz 
werden durch den Bnud energisch vertreten. Der Vor 
stand beantrage daher, den Beitritt zum Bund. In einer regen 
Aussprache, an der sich die Herren Schmidt, Konieczka. Beymel, 
Franzelius, Eggert, Bering, Flauger und Steinbrucker 
beteiligten, sprachen sich alle Redner für den Beitritt zum 
Bunde aus; dagegen waren über die Berechnungsart des 
Wehrbeitrages, ob nach gemeinem oder Ertrags-Wert, die 
Ansichten verschieden. Die Villenbesitzer bevorzugen die Be 
rechnung nach dem Ertragswert, während die Besitzer von 
Mietshäusern der Berechnung nach dem gemeinen Wert zu- 
stimmen. Es wurde dann einstimmig der Beitritt 
zum Bunde der Haus- und Grundbesitzcrvcreine Groß 
Berlins beschlossen. Unter Jnteressensragen führt Herr 
Franz Schmidt an, daß er bei der Gasgesellschaft den Rabatt 
von 15 Pfg. für Treppenbeleuchtung beantragt habe; die 
Gasgcsellschaft antwortete aber, daß sie auf Grund des 
Vertrages mit der Gemeinde außer Staude sei, den Rabatt 
zu gewähren. Die Herren v. Wrochem, Uhlenbrock, Stöcker, 
Steinbrucker, Flauger und Konieczka sprachen hierzu und 
wurde Herrn Schmidt erklärt, daß die Sache zusamnien- 
hänge mit dem Streitverfahren, das die Gemeinde seit 
Jahren mit der Gasgesellschaft bezgl. der Meistbeaünstignugs- 
klausel im Vertrage führe. Wenn Friedenau den Gasein 
heitspreis einführen würde, würde die Gesellschaft hier auch 
die Rabatte gewähren. Doch bei der immer weiteren Aus 
breitung des elektrifchen Lichtes werde man den Gasein 
heitspreis hier nicht wünschen. Herrn Schmidt wurde die 
Einführung elektrischer Treppenbeleuchtung, die billiger 
und sauberer als. Gasbeleuchtung sei, empfohlen. Der 
Antrag des Herrn Schmidt, die Gemeinde aufzufordern, 
dahin zu wirken, daß den hiesigen Hausbesitzern die Rabatte 
der Gasgescllschaft gemährt werden, fand keine Zustimmung. 
Herr Schmidt regte dann die leidige Hundefrgge an. Es 
gab dabei manch heitere Ausführungen. Herr Schmidt 
wünscht eine Polizeiverordnung, wonach das Beschmutzen der 
Bürgersteige durch Hunde verboten wird. Herr Rechtsanwalt 
Bering nahm die Hunde in Schutz und empfahl die An 
lage von Huudeklosetts. Herr Rechtsanwalt Uhlenbrock 
meinte, es wäre ein leichtes, wenn die Gemeinde einige 
Leute anstellen würde, die den Schmutz von den Bürger 
steigen beseitigten. Ein Beschluß wurde nicht gefaßt. Herr 
Steinbrucker führte einen Fall au, wo ihm bei einem Streit 
fall mit den Wasserwerken einfach das Wasser abgesperrt 
wurde, wozu noch die Gemeinde das Aufreißen des Pflasters 
gestattete. (So etwas kann wohl nur in Friedenau vor 
kommen?! Schriftl.) Er werde die Sache weiter verfolgen 
und nach Erledigung im Verein Bericht erstatten. Herr 
Beymel regte an, die Vereinsversammlungen so zu legen, 
daß sie vor den Gemeindevertretersitzungen, nicht nachher 
stattfinden. Der Vorsitzende empfahl, einen diesbezüglichen 
Antrag auf Satzungsänderung in der Hauptversammlung im 
Januar zu stellen. Nachdem noch für die Anstellung des 
Hauswarts von Herrn Konieczka empfohlen wurde, mit der 
Frau den Vertrag zu schließen, wurde die Versammlung 
gegen V 4 12 Uhr geschlossen. 
o Zur letzten Ruhe gebettet wurde gestern auf unserm 
Friedhof der Hnfpianist Prof. Alfred Sormann, der 17Jahre 
als Lehrer am Sternschen Konservatorium gewirkt .hat. 
Direktor und Lehrerkollegium, sowie zahlreiche Schüler und 
Schülerinnen, die der ■ Entschlafene ausgebildet hat, gaben 
ihm das letzte Geleit. 
„Wenn cs auch nicht um meiner Freundin willen 
wäre, es müßte dennoch geschehen. Willst du mir zumuten, 
hier ein Vcrstcckjpicl vor deiner Frau zu treiben und mich 
in angstvoller Heimlichkeit deiner zu erfreuen wie eine —-—" 
„Pola I" 
Mit dem Klang flehentlichster Bitte hatte er cs gerufen. 
Seine ratlose Verzweiflung mußte ihr Beweis genug für 
feine Unerfahienhett tu verbotenen Liebesabenteuern {ein. 
lind vielleicht war es ja gerade diese augenfällige Uucr- 
fahrcnheit gewesen, die das Spiel für sie von Anfang an 
zu einem reizvollen und lockenden gemacht hatte. Jetzt am 
wenigsten fühlte sie sich geneigt, es aufzugeben. 
„Siehst du nicht ein, daß das unmögtich wäre?" fuhr 
sie fort. „Unmöglich für dich wie für mich ? Ich bin schwach 
genug gewesen, mich dir zu verraten, und ich will nicht 
die Feigheit begehen, mich nachträglich auf einen Augen 
blick der Verwirrung hinauszureden. Aber die Feigheit 
eines verstohlenen Verhältnisses würde mir noch hundert 
mal verächtlicher erscheinen. Ich frage nichts nach der 
gureti oder schlechten Meiutmg der Wett, und ich bin nicht 
gewöhnt, ein Glück zu verstecke», wie der Dieb, der vor 
Entdeckung zittert, seine Beute versteckt." 
Was sie ihin da zeigte, schien ihm wie ein Ausblick 
auf alle Herrlichkeiten des Paradieses; aber es reichte doch 
nicht hin, ihn auf's neue in jenen wilden Tauutcl zu ver 
setze», der ihn vorhin alles hatte vergessen lassen. Er 
konnte seine Augen nicht, mehr verschließen vor dem Dasein 
der Schranke, die unerbittlich trennönd zwischen ihnen stand, 
und er kämpfte um die Seligkeit, nach der sein Herz 
dürstete, nicht wie ein Held, dcr sich sieghaft zum Herrn 
feines Schicksals macht, sondern wie ein eigensinniger Junge, 
hinter dessen hartnäckigem Vegetgen doch immer die heim 
liche Furcht vor der Zuchtrute lauert. 
„Ich verlange ja nicht, daß wir unser Glück verstecken 
sollen, Pola," flehte er. „Aber du mußt Nachsicht haben 
mußt mir Zeit lassen, einen Weg zu finden, den auch 
du geben kannst, ohne deinem Stolz etwas zu vergeben. 
Sich, es ist doch ein Unterschied zwischen deiner Lage und 
der meinigen. Du bist durch keine äußere Fessel gebunden, 
während ich —" - ; r 
(Fortsetzung folgt.)
        
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