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Periodical volume Nr. 221, 19.09.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

des Satzes. G.-V. Kalkbrenner: Man kann beobachten, 
daß solche Kinder die das Rollschuhlanfcn erlernen wollen, 
von Vater oder Mutter begleitet werden und von selbst 
schon stille Straßen aufsuchen. Es wird daun ciustiininig 
dem dem Antrage des G.-V. Kalkbrenner stattgegeben, der 
belr. Satz also gestrichen. Die Polizciverordnung selbst 
wird hierauf auch in 2. Lesung genehmigt. 
Für den Einbau von Hydranten in die Nasenstreifen des 
Südwestkorso sind 600 M. Pflasterkosten entstanden, die zu 
übertragen bei der Abrechnung übersehen wurde. Bewilligt 
wurde der Betrag bereits. Es handelt sich also nur um 
einen formellen Beschluß. G.-K. Kalkbrenner fragt an, 
ob die Hydranten auch bei der künftigen Anlage bestehen 
bleiben. Bürgermeister Walger: Wir wissen sa noch gar 
nicht, wie die künftige Anlage sich gestalten wird. G.-B. 
Kalkbrenner: Vielleicht können wir aber versuchen, das 
Geld wieder <r'tattet zu bekommen. Bürgermeister Walger: 
Wir werden den Versuch mit tauglichen Mitteln am taug 
lichen Objekt machen. — Die 600 M. werden darauf 
bewilligt. 
Dem Obersekretär Borck wird Vollmacht erteilt zur 
Abgabe einer Erklärung auf Eintragung des Erbbaurechts 
für den für den katholischen Kirchenbau an der Schwal- 
bacher und Laubacher Straße bestimmten Platz. 
Bürgermeister Walger berichtet über den Beitritt zum 
Zentralausschuß für Volks- und Jugendspiele, daß man 
früher bereits einen Beitrag für den Zentralausschuß zahlte, 
diesen jedoch in diesem Jahre bei der Etatsberatung gö-l 
strichen habe. 9hm hatte der Gemeindevorstand eine Einladung 
zum Kongreß für Jugendpflege in Stettin erhalten und die 
Herren, die an dieser Veranstaltung teilnahmen, haben dort 
so viel beachtensivertes und lehrreiches für die Jugendpflege 
erfahren, daß sie, um auch ferner auf dem Laufenden zn 
bleiben, einen Anschluß an den Zentralausschuß empfehlen. 
Darum bittet der Gemeindevorstand, diesen Betrag wieder 
einzusetzen. G.-V. Ott meint, ob der Gemeindevorstand 
nicht aus dem ihm zur Verfügung stehenden Mitteln den 
Beitrag erledigen konnte. Bürgermeister Walger erwidert, 
daß, nachdem die Gemeindevertretung den Betrage gestrichen 
halte, der Gemeindevorstand mit der Vorlage kommen mußte, 
da sonst der Nechnnngsprüfungsausschuß die Beitragszahlung 
beanstanden könnte. G.-V. Kalkbrenner meint, daß nicht 
die Gemeindevertretung den Betrag gestrichen hätte, sondern 
daß der Gemeindevorstand ihn garnicht beantragt habe. 
Bürgermeister Walger antwortet, daß der Vorstand den. 
Beitrag zwar nicht gefordert habe, die Vertretung aber da 
mit einverstanden war. G.-V. Kalkbrenner wünscht, daß 
der Beitrag aus der für die Jugendpflege bewilligten 
Summe gezahlt werde, zieht diesen Antrag aber wieder 
zurück, als ihm erklärt wird, daß es wünschenswert märe, 
die Beiträge, die die Gemeinde für gemeinnützige Zwecke 
ausgibt, in einem Titel zusammengestellt zu haben. — Der 
Beitritt zum Zentralausschuß für Volks- und Jugendpflege 
wird darauf beschlossen und der Beitrag von 40 M. be 
willigt. - 
lieber die Errichtung eines Hypvthekenamtes 
berichtet Bürgermeister Walger: Die Sache habe die Ver 
tretung sowie den Hypotheken- und den Finanzausschuß 
wiederholt beschäftigt. Der Hypothekenausschuß hat fest 
gestellt, wie schwierig es augenblicklich sei, Geld für kom 
munale Anleihen, ganz besonders aber für den gedachten 
Zweck zu ; erhalten. Wenn man Geld bekomme, so seien 
die Zinsen doch so hoch, daß man dafür keine 
Hypotheken geben könne. Er bitte daher, die Frage heute 
grundsätzlich zu bejahen. Wenn das geschehe, könne 
der Ausschuß weiter arbeiten, das Statut aufstellen und zur 
Genehmigung vorlegen, sodass dann, wenn der Geldmarkt 
günstiger werde, sofort das Hypothekenamt in Kraft treten 
könne. Er habe heute von einem Herrn einen Hinweis auf 
eine Stelle bekommen, wo Geld zu erhalten sein. Er sei 
für den Hinweis dankbar, habe aber selbst schon mit dieser 
Stelle verhandelt, die damals einen hohen Zinsfuß bean 
spruchte. Er werde jedoch nochmals mit dieser Stelle ver 
handeln. Heute gelte es, grundsätzlich zu beschließen, 
daß man das Hypothekenamt wünsche. Wenn man das 
nicht beschließe, so habe es schließlich keinen Zweck, sich 
weiter mit der Sache zu beschäftigen. Der Satz in der 
Vorlage betr. die Vertagung, soll keine Vertagung auf den 
Nimmermehrstag darstellen, sondern sei so zu verstehen, daß 
das Hypothekenamt eingerichtet werde, sobald der Geldmarkt 
dafür günstig sei. G.-V. Lehment meint, es sei ihm noch 
nicht recht klar, wie die Sache gemeint sei. Man solle 
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kurzen Weg bis zu dem vornehmen Haufe der Prinz- 
Regentenstraße zurückgelegt, darin die Gräfin Wafsilewska 
,ur die Dauer ihres Münchener Aufenthalts eine Flucht 
elegant möblierter Zimmer gemietet hatte. Die kokett ge- 
kleidete, hübsche Zofe, die auf sein Klingeln geöffnet, be 
grüßte ihn zwar wie einen guten Bekannten, aber sie schien 
ungewiß, ob sie ihn melde» salbe. 
„Die Frau Gräfin ist sehr beschäftigt," sagte sie, „und 
ich habe den ausdrückliche» Befehl " 
Doch der Maler ließ sie gar nicht ausreden. 
„Der Befehl gilt jedenfalls nicht für mich; denn ich 
bin sicher, daß die Frau, Gräfin meinen Besuch erwartet." 
Dagegen wagte die Dienerin keinen weiteren Wider 
spruch. Sie verschwand in einem der Zimmer und kehrte 
schon nach Verlauf einer Minute mit der Meldung zurück, 
die Frau Gräfin lasse Herrn Almröder bitten. Er warf 
Hut und lleberrock auf den nächstbesten Stuhl und trat in 
ungestümer Hast über die Schwelle des kleinen, zierlich 
ausgestatteten Salons, den er schon so gut kannte. Mit 
einem liebenswürdigen Lächeln auf deni schönen, charakte 
ristischen Antlitz kam ihm die Polin entgegen und bot ihm 
mit trefflich gespielter Unbefangenheit die kleine, brillanten- 
sunkelude Hand zum Gruße. 
„So früh, mein Freund? Sie müssen es der Ueber- 
raschung zugute halten, wenn Sie mich noch in einem 
beinahe unmöglichen Aufzuge finden." 
Der unmögliche Aufzug war ein mit den wunder 
vollsten Stickereien bedeckter japanischer Seidenkiinono, der 
den klassisch geformten weißen Hals der Gräfin unverhüllt 
ließ, und aus dessen weiten Aermeln die herrlichen Arme 
bei jeder ihrer lebhaften Bewegungen mehr als zur Hälfte 
hervortauchten. Aber Hubert Almröder schien — wenigstens 
in diese,» ei sten Moment derBegrüßung — gar keine Auf 
grundsätzlich zustimmen, aber dennoch soll die Sache ver 
tagt werden. Der Ausschuß könne doch aber wohl schon 
immer weiter arbeiten, damit, wenn die Zeit günstig sei, 
das Hypothekenaint sofort eingerichtet werde. Bürgermeister 
Walger: Der Ausschuß arbeitet sofort weiter, legt die 
Satzungen vor und wenn das Geld da ist, kann das 
Hypothekenamt sofort eingerichtet werden. — Weitere Wort 
meldungen liegen nicht vor. Alle Gemeindeverordnete, mit 
Ausnahme des G.-B. Kalkbrenner, stimmen grundsätzlich 
der Errichtung eines Hypothekenamtes für unsern Ort zu. 
G.-V. Kalkbrenner erklärt, daß er sich der Abstimmung 
enthalte. 
Darauf beschließt die Gemeindevertretung ohne Er 
örterung, die auf dem Grundstück Laubacherstr. 13 ruhende 
Hypothek von 28 850 M. für den Kommerzienrat Salomon 
Haberland am 1. Oktober d. Js. zurückzuzahlen. 
Nach Verlesung und Unterzeichnung des Protokolls wird 
die öffentliche Sitzung gegen 8 Uhr geschlossen. Es folgt eine 
geheime Sitzung. 
Lokales 
(Nachdruck unserer o-Originalarllkcl nur mit Quellenangabe gestattet.) 
o Von unseren Gemeindeschöffen. Herr Schöffe 
Licht heim war nach Rückkehr von der-Reise zur Besichtigung 
des Friedhofs in München ernstlich erkrankt, sodaß er einige 
Wochen das Bett hüten mußte. Er befindet sich jetzt wieder 
auf dem Wege der Besserung und hat das Bett bereits 
wieder verlassen. Wir wünschen, daß er recht bald voll 
ständig wieder hergestellt wird. — Herr Schöffe Draeger 
weilt zur Zeit in Tegernsee zum Besuch seiner erkrankten 
Frau Gemahlin. Wir hoffen, daß auch die Gattin des 
Herrn Draeger sich bald wieder der vollen Gesundheit erfreut. 
v Die Umbauarbeiten in der Aula des Reformreal 
gymnasiums, bzw. in der Turnhalle sind beendet. Es ist 
den Bausachoerständigen gelungen, die Ursache der Risse in 
der Decke der Turnhalle zu ergründen und die Fehler ab 
zustellen. Wir möchten hierbei noch betonen, daß eine Gefahr 
für die Besucher der Aula bisher nicht bestanden hat und 
somit auch künftig nicht bestehen kann. Die aufgetretenen 
Mängel waren nebensächlicher Natur, die mit der Festigkeit 
und Haltbarkeit der Decke nichts zu tun hatten. 
o Eine Reifeprüfung von Ertranerinnen fand am 
Mittwoch und Dienstag an unserem Gymnasium statt. Von 
den 13 jungen Damen, die sich der Prüfung untergezogen, 
bestanden sieben. Unter diesen befindet sich eine Friede- 
nauerin. — Schüler des Gymnasiums haben sich in diesem 
Herbst nicht zur Abiturientenprüfung gestellt. 
o Herbstferien. Der Schluß des Unterrichts au den 
höheren Schulen ist am Sonnabend, dem 27. September, 
Wiederbeginn am Mittwoch, den 8. Oktober. Die Volks 
schulen schließen ebenfalls am Sonnabend, den 27., be 
ginnen aber bereits wieder am Montag, 6. Oktober, so daß 
die Gemeindeschüler 3. Tage weniger sich des Genusses der 
Ferien erfreuen können wie ihre „höheren" Kameraden. 
o Gewerbegerichtswahlcn. Wie schon berichtet, finden 
die Wahlen am Montag, dein 22. September, von 2 Uhr 
Nachmittags bis 8 Uhr Abends in der Turnhalle des Gym 
nasiums, Handjerystr. 95/06 statt. Als Arbeitgeberbeisitzer 
sind aufgestellt vom Handel- und Gewerbeoerein und vom 
Bund der Handwerker die folgenden Herren: Gärtnereibesitzer 
Fechtner, Tischlermeister Jhlefeldt, Buchdruckereibesitzer Schultz, 
Schneidermeister Wegener, Bäckermeister Wermke und Sattler- 
meister Goesch. 
o Adreßbuch für Friedenau 1914. Die Hauslisten 
für das Friedenauer Adreßbuch 1914 gehen jetzt den Haus 
wirten und Verwaltern zu. In beiderseitigem Interesse 
bitten wir die Hauswirte und Verwalter, die Eintragungen 
selbst und recht sorgfältig vorzunehmen. 
o Friedenauer Wohnuugs - Anzeiger. Die neue 
Nummer des mit dem „Friedenauer Lokal-Anzeiger" ver 
bundenen „Friedenauer Wohnuugs - Anzeigers" erscheint 
morgen Sonnabend. Anzeigen über Vermietung von 
Wohnungen, leeren oder möbl. Zimmern, Läden, Garagen, 
Lagerkellern usw., müssen spätestens bis Sonnabend 
Atittag 12 Uhr im Besitz der Geschäftsstelle, Rheinstr. 15 
sein. Sie kosten nur 4E Pfg. die Zeile, und erscheinen dafür 
eine volle Woche hindurch im „Friedenauer Lokal-Anzeiger" 
und in den Anschlägen an den Wannsee- und Ringbahnhöfen. 
o Novelle zum .Kommunalabgabengesetz. Die halb 
amtliche Berliner Korrespondenz schreibt: In der Tagespresse 
wird mitgeteilt, daß vom Ministerium des Innern und vom 
merksamkeit zu haben für den berückenden Liebreiz, der 
sich da so verführerisch seinem Künstlerauge darbot. Er 
gab sich nicht die geringste Blühe, seine Aufregung zu ver 
hehlen, und indem er die zarte Frauenhand mit leiden- 
schafilichem Druck in der seine» behielt, erwiderte er in 
einem Tone schmerzlichsten Borwurfs: 
„Wie hätte ich nach dem Empkang Ihres Briefes auch 
nur eine Minute lang zögern dürfen, hierher zu eilen! — 
Was Sie mir da geschrieben haben, Pola — es war nur 
ein Scherz — nicht wahr? Oder allenfalls eine flüchtige 
Laune, die Sie unter keinen Umständen zur Tat machen 
dürfen." 
Statt aller anderen Antwort schlug sie mit der frei 
gebliebenen Hand den Vorhang zurück, der den Eingang 
zum Nebenzimmer verschloß, und eröffnete dem Besucher 
damit den Blick in ein Gemach, auf dessen Fußboden zwei 
mächtige englische Neisekoffer standen, während eine Un 
zahl von Kleidungsstücken, Wäsche und anderen Gegen 
ständen weiblicher Toilette auf Stühlen und Tischen aus 
gebreitet war. 
Hubert hatte nur einen halb unwillkürlichen Ausruf 
des Erschreckens oder des unmutigen Erstaunens, Sie aber 
erhob mit schelmischem Ausdruck die Augen zu seinem be 
stürzten Gesicht und fragte lächelnd: 
„Sieht das nach einer bloßen Laune aus, mein Freund? 
Oder werden Sie jetzt endllch daran glauben, daß es mir 
bitterer Ernst ist mit meinen Reiseabsichten!" 
Er gab ihre Hand frei und runzelte finster die Stirn. 
„Und warum tun Sie das, Pola? Nur um mir in 
echt weiblicher Grausamkeit einen tödlichen Schmerz zu be 
reiten ?" 
„Oh — Oh l" — wehrte die Gräfin in unveränderter 
Heiterkeit ab. „Dieser Schmerz wird Sie gewiß nicht töten. 
Finanzministerium der Entwurf einer Novelle zum Kom- 
munalabgabengcsetz aufgestellt worden sei. und es werden 
hieran Mitteilungen über den Inhalt des Entwurfs geknüpft. 
Es handelt sich bei diesem «Entwurf", der sich selber als 
solchen noch nicht bezeichnet, lediglich um eine Vorarbeit. 
Keineswegs ist beabsichtigt, alle darin gemachten Vorschläge 
in dieser Form zum Inhalt des demnächst aufzustellenden 
Entwurfs zu machen. Die Vorarbeit hatte vielmehr ledig 
lich den Zweck, den Provinzialbehörden, Gemeinden und 
Gcmeindeorganisationen einen Anhalt dafür zu geben, in 
welcher Richtung eine Reform des Kommunalabgabengesetzes 
von der Staatsregierung in Aussicht genommen nnd zu 
welchen Punkten ihre Aeußerung erwünscht sei. An der 
Aufstellung des Gesetzentwurfs wird zur Zeit unter Be 
nutzung der inzwischen eingegangenen Gutachten gearbeitet. 
o Eine neue Goldmünze? Wie verlautet, wird die 
Prägung einer dritten Goldmünze beabsichtigt, und zwar 
im Werte von 30 Mark. Andere Staaten haben auch 
größere Goldstücke als 20 Einheiten, z. B. Frankreich das 
40-Franköstück. Ob sich bei uns die Dreißigmarkstücke ein 
bürgern werden, ist sehr fraglich, da schon die Zwanzig 
markstücke knapp sind. 
o Seinen 70. Geburtstag feiert der auch hier in 
weiten Kreisen durch seine Bestrebungen für das Licht- und 
Luftbad bekannte Geheime Rechnungsrat Kaeding in Steglitz. 
Der Jubilar hat sich auch um das Kurzschriftwesen aller 
Nationen verdient gemacht. 
o Kinder auf der Straßenbahn. Nach der Meldung 
einer Korrespondenz sollte die Große Berliner Straßenbahn 
über die Beförderung von Kindern eine neue Bestimmung 
dahingehend getroffen haben, daß -Kinder im Alter von 
g—12 Jahren bei Platzmangel aufstehen und Erwachsenen 
Platz machen müßten. Die erwähnte Korrespondenz betont 
ausdrücklich, daß es sich nicht nur um Kinder mit Schüler 
fahrkarten handelt, sondern auch um solche, die im Besitze 
eines vollgültigen Billetts seien. — Wie die ,,Voss. Zig." 
von zuständiger Stelle erfährt, ist diese Angabe in ihrem 
letzten Teile vollkommen unzutreffend. Es besteht zwar 
aus der Zeit der Pferdebahnen noch eine Bestimmung, nach 
welcher der Schaffner im erforderlichen Falle verlangen 
kann, daß Kinder Erwachsenen Platz machen. Diese Be 
stimmung erstreckt sich jedoch lediglich ans Kinder, die sich 
im Besitze einer Schülerkarte befinden. Passagiere mit voll 
gültig bezahlten Billetts unterstehen nach wie vor den 
gleichen Bestimmungen, gleichgültig, ob sie Kinder oder Er 
wachsene sind. 
o Die Finanzlage Schönebergs — eine Anfrage 
an den Magistrat. Zu den bevorstehenden Stadtver 
ordnetenwahlen werden gegenwärtig in Schöneberg Flug 
blätter verteilt, die Angriffe gegen den Liberalismus und 
gegen die liberale Fraktion der Stadtverordnetenversammlung 
enthalten. Im Auftrage der liberalen Fraktion wird, wie 
wir hören, Stndtv. Fritz Bamberg in der am nächsten 
Montag stattfindenden Sitzung der Stadtverordnetenver- 
versammlung folgende Anfrage an den Magistrat richten: 
„Ist dem Magistrat bekannt,.daß in der Bürgerschaft un 
wahre Angaben über die finanzielle Lage Schönebergs ver 
breitet werden und daß sogar die Behauptung aufgestellt 
wird, der Vertrag mit dem Elektrizitätswerk „Südwest" 
wäre uur der schlechten Finanzen halber und gegen eine 
ungenügende Entschädigung verlängert worden. Welche 
Schritte gedenkt der Magistrat zu tun, um derartige Un 
wahrheiten richtigzustellen?" 
o Der bekannte Violoncell-Virtnose Willy Deckert, 
durch seine zahlreichen Schüler in Friedenau bekannt, gibt 
in diesem Winter mit feinern Trio Dr. Mark Günzburg, 
Klavier und Sam Fiedelmann, Violine 3 Konzerte mit 
Kompositionen lebender Komponisten im Theatersaal der 
Königlichen Hochschule für Musik. 
o Der Ruderverein des Realgymnasiums feiert am 
Sonnabend, dem 20. d. M. sein Abrudern verbunden mit 
geselligem Beisamrnensein im Restaurant Kohlhasenbrück. 
Abfahrt 2,39 Uhr vom Wannseebahnhof Friedenau, Ver 
sammlung im Bootshaus am kleinen Wannsee. Dann ge- 
meinsamer Spaziergang am Wasser entlang vorbei an dem 
Ziel der Wettfahrten, die veranstaltet werden, nach Kohl 
hasenbrück. Alle Freunde und Gönner des Vereins sind 
herzlichst eingeladen. 
o Die letzten Tage pon Byzanz, ein gewaltiges 
historisches Drama in 3 Akten, kommt von heute ab im 
Biofvntheater in der Rheinstraße 14 zur Vorführung. Die 
Eroberung von Byzanz (Konstantinupel) durch die Türken 
———aa 
Und ich gebe Ihnen die heilige Versicherung, daß ich nicht 
einen Augenblick den Wunsch hatte. Ihnen Kummer zu 
rnachen." 
„Ich schrieb Ihnen doch schon, daß eine kranke Freundin 
mich dringend gebeten hat, sie so rasch als möglich an 
der Riviera zu besuchen, nnd da ich ohnedies in zehn 
oder vierzehn Tagen dorthingefahren wäre, hatte ich keinen 
Grund, ihr die Erfüllung dieses Wunsches zu verweigern." 
„Sie hatten keinen Grund? Wirklich — Sie hatten 
keinen? An mich also dachten Sie überhaupt nicht?" 
„O doch — ich habe an Sie gedacht. Der Umstand, 
daß ich sofort nachAbsendung meineszusagendenTelegramms 
an Sie schrieb, muß es Ihnen doch bewiesen haben." 
„Nichts hat er mir bewiesen, denn in Ihrem Briefe ist 
von nichts anderem die Rede als'von dem Porträt, dessen 
Vollendung Sie auf unbestimmte Zeit hinausgeschoben wissen 
wollen. Was aber liegt mir an dem Porträt? Die Ver 
wirrung und Aufregung, in die Sie mich durch Ihren Ent 
schluß gestürzt haben, ist für Sie offenbar ohne alle Be 
deutung." 
„Aber ich verstehe Sie nicht, verehrter Freund! Sie 
haben mich doch hoffentlich nicht mißverstanden, indem 
Sie fürchten, daß ich Sie bei Ihrem heutigen Feste im 
Stiche lassen könnte? Davon ist selbstverständlich nicht die 
Rede, denn ich weiß wohl, daß es Ihnen schwerfallen 
würde, jetzt, im allerletzten Augenblick, einen Ersatz für 
mich zu finden. Ich werde Ihre Kleopatra sein, wie ich 
cs versprochen habe. Bis zum Abgänge des Nord-Süd- 
Expreß bleibt mir ja noch Zeit genug, mich umzukleiden 
und »reine letzten Neisevoroereitungeii zu treffen." 
(Fortsetzung folgt.)
        
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