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Periodical volume Nr. 220, 18.09.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

ladungen erhalten werden, Zurzeit ist man damit be 
schäftigt, das Festprogramm aufzustellen. Wie wir erfahren, 
soll die Untergrundbahn die Gewähr für die prompte Fertig 
stellung des Wittenberg-Bahnhofes bis zürn angegebenen 
Termin gegeben haben. Die Strecke ist bekanntlich seit 
Wochen fertig, sodaß bis zum 11. Oktober nur die Arbeiten 
am Bahnhof Wittenbergplatz gefördert werden müssen. 
o Klassenlotterie. Zur 4. Klasse der 3. Preußisch- 
Süddeutschen (229. Königlich Preußischen) Klassenlotterie 
liegen die Lose gegen Vorzeigung der Varklassenlose vom 
18. September ab in den Berliner Kollekten zur Einlösung 
bereit. Diese hat bis spätestens zum 6. Oktober zu erfolgen. 
Die Auszahlung der Gewinne 3. Klasse findet vom 
20. September ab statt. Die Lotteriekollektionen in den 
Vororten zahlen die Gewinne immer erst einige Tage später 
aus, ebenso liegen hier die Lose zur Einlösung erst einige 
Tage später als in Berlin bereit. Am 10. Oktober beginnt 
die Ziehung der 4. Klasse, in der 10 000 Gewinne im 
Betrage von 2 988 485 M., darunter 2 Hauptgewinne zu 
je 100 000 M., gezogen werden. 
v Die Huinbold-Akademic hält ihre Zweigstätte im 
Friedenaner Königin-Luise-Lyzeum, Gvßlerstr. 15 aufrecht. 
Viele Einwohner iverden die Möglichkeit einer gediegenen 
wissenschaftlichen und künstlerischen Höherbildung mit 
Freuden begrüßen. Montags von 7—8 wird der uns durch 
seine Mitwirkung an einem Vortragsabend im Realgymnasium 
bestens bekannte Privatdozent Dr. Daun große Maler der 
modernen Kunst vorführen. Die Darstellung der Malerei 
der letzten 50 Jahre findet mit Projektionen und Farben- 
Lichtbildern nach dem Lumiäre-Berfahren statt, sodaß die 
Gemälde in den Originalfarben erscheinen. Dr. Berthold 
Daun gedenkt Menzel, Millet und Manet, Leibl u. Lenbach, 
Liebermann, Segantini, Gebhardt und Uhde, Thoma und 
Puvis de Chavannes, Bvcklin, Klinger und Hodler zu be 
handeln. Montags von 8—9 hat Gustav Ernest die 
Romantik und ihre Meister mit Erläuterungen am Klavier 
angekündigt: Die romanische Bewegung um die Wende des 
18. Jahrhunderts. Die Zeitereignisse (die französische Revo 
lution, Napoleon, die Freiheitskriege), die zeitgenössische 
Kunst und Literatur.^Beethoven als Romantiker. Schuberts, 
Schumanns, Webers, Mendelssohns, Chopins Leben und 
Schaffen. Eine Reihe von Werken dieser Meister wird zum 
Vortrag gebracht werden. Gleichfalls Montags von 8—9 
trügt Dr. Heinz Welten Bilder aus dem Leben der Tiere 
und Pflanzen (Biolog. Studien) vor. Er gedenkt mit Bild- 
Demonstrationen folgende Themen zu behandeln: 1. Natür 
liche Wunder. 2. Wie die Tiere wohnen. 3. Von gejagten 
Tiere. 4. Von Tieren und Menschen. 5. Mimikry. 6. Vvü 
Speisekammern der Tiere. 7. Gütergemeinschaft zwischen 
Tieren und Pflanzen. 8. Von Blumen und Schmetter 
lingen. 9. Pflanzen im Kampfe ums Dasein. 10. Tiere 
und Pflanzen im Winter. Dienstags van 6—7 Uhr ge 
denkt Dr. Richard Baerwald durch Erklärungen in die 
Lektiire philosphischer Klassiker einzuführen. Um die Hörer 
aus den Quellen schöpfen zu lassen, werden Kernstellen aus 
Werken klassischer Philosophen vorgelesen und unter Ein- 
sügung in den Zusammenhang der betreffenden Systeme er 
läutert. Weder Vorkenutnisse noch Bücher sind erforderlich. 
Folgende Denker und Probleme werden behandelt: 1. Plato: 
Ideenwelt und Unsterblichkeitsfrage. Lektüre des Dialogs 
„Phaedon". 2. Descartes: Man kann an allem zweifeln. 
3. Hume: Alle Vorstellungen stammen aus der Erfahrung. 
4. Rousseau: Glaubensbekenntnis des savvyischen Vikars. 
Optimismus des 18. Jahrhunderts. Vergleichsstelle aus 
Schopenhauer: Pessimismus des 19. Jahrhunderts. Freitags 
von 6—7‘/ 2 Uhr lehrt Albany Featherstonhaugh englische 
Grammatik und knüpft englische Sprachübungen für An 
fänger daran. Der Kursus, der keinerlei Kenntnis des 
Englischen voraussetzt, bezweckt, die Aussprache zu lehren, 
in die Grundzüge der Grammatik einzuführen, zum Ver 
ständnis leichter Lektüre anzuleiten und den mündlichen Ge 
brauch des Englischen anzubahnen. Sprechübungen über 
Gegenstände des täglichen Lebens an Anschanungsbildern. 
Zugrunde gelegt wird: Thiergen. Englich Lessons. Verlag 
von B. G. Teubner-Leipzig. Die Hörer werden gebeten, 
das Lehrbuch bereits zur erstell Stunde am 10. Oktober 
niitzubringen. Freitags von 8—9 wird Dr. Maximilian 
Klein-Fragen der Erziehung und Lebensweisheit vortragen: 
Die Kunst des Arbeitens; die Kunst, Zeit zu haben; die 
Pflege des Gedächtnisses und die Gedächtniskunst; die Kunst 
des klaren Denkens; die Phantasie und ihre Erziehung; die 
Kunst der Erziehung; die Macht der Gewohnheit, die Kunst 
der wissenschaftlichen Selbstbildung; die Kunst des Ge 
hindern können, daß etwas Sarkastisches, ja, beinahe Gering 
schätziges im Klang seines scheinbaren Zugeständnisses ge 
wesen war. Am Ende konnte er doch auch nichts dafür, 
daß die kühle Ueberlegcnheit in diesen hellen grauen Augen 
so fatal aufreizend auf ihn wirkte, und daß er die An 
wesenheit dieses hanseaüschen Patriziers instinktiv wie dw 
ä.ühe eines Feindes empfand, der gekommen war, ihn 
seinem Weibe vollends zu entfremden. Wie er diese beiden 
Blutsverwandten da zum ersten Male feit achtzehn Monaten 
wieder nebeneinander sah, fühlte er ihre innerliche Zu 
sammengehörigkeit viel deutlicher, als sie ihm während 
ferner Berlobungszeit zum Bewußtsein gekommen war. In 
ihrer Haltung, in ihrer Art, sich zu geben ödet sich zu ver 
schließen, ja, selbst in ihren Gesichtszügen entdeckte er 
plötzlich Aehnlichkeiten, die seinen Zorn aufstachelten und 
ihn mit einem kaum zu unterdrückenden Unmut erfüllten 
gegen beide. Es hätte nur der kleinsten Herausforderung 
bedurft, seinen Ingrimm in hellen Flammen auflodern' zu 
lassen, und er empfand es geradezu als eine demütigende 
Bevormundung, daß Helga durch eine Aenderung des Ge 
sprächsthemas dieser Möglichkeit vorbeugte. 
„Uebrigens möchte ich dich noch etwas fragen, Cäsar — 
etwas, das ich nicht hinausschieben darf, da Henry vielleicht 
schon im nächsten Augenblick hier ist. Du bist über seine 
geschäftliche Lage unterrichtet — nicht wahr?" 
„Soweit das für einen Außenstehenden möglich ist — 
jo. Aber du sagst, daß du ihn erwartest? Er ist also 
ebenfalls in München?" 
„Cr überraschte meinen Mann an diesem Morgen durch 
seinen Besuch. Aber ich kann dir auf das bestimmteste ver 
sichern, daß das Zusammentreffen ein rein zufälliges ist. 
Margarete hat mir erklärt, daß sie feit langer Zeit nichts 
nießens, Kunst- und Naturgennß! — Endlich soll Dozent 
Gustav Saccrdvte Sonnabend von 0 —7'/ 2 einen Anfänger 
kursus für italienische Grammatik und Konversation eröffnen. 
Es wird G. Sacerdotes Italienische Konversationsgrammatik 
I. Teil. Langenscheidtsche Verlagsbuchhandlung, Berlin- 
Schoneberg benutzt, die zur ersten Stunde am 11. Oktober 
mitzubringen ist. — Wenn aber das vorhergesehene 
Programm durchgeführt werden soll, müssen sich mindestens 
15 Teilnehmer zur jeder Vortragsreihe melden. Mögen sie 
sich in Berlin-Friedenau in noch größerer Anzahl finden! 
Vielleicht macht der eine, oder der andere mit der ihm noch 
unbekannten Einrichtung einen Versuch. Das Vorlesungs- 
Verzeichnis für das 4. Vierteljahr 1913, Oktober bis 
Dezember ist auch ebenso wie die Teilnehmerkarten in der 
Wohlthatschen Buchhandlung. Inhaber: Martin Kindler, 
Rheinstr. 11, unentgeltlich zu haben. Welche Anerkennung 
die Humboldt-Akademie in den 30 Studienjahren gefunden 
hat, beweist der Umfang der, geplanten Vorlesungsreihen. 
Abgesehen von einem Philosophischen Vortrags-Zyklus ulld 
3 wissenschaftlichen Abenden sind 240 Vorlesungen vorgesehen. 
o Die Burschenschaft „Arminia", die älteste Berlins 
und eine der ältesten überhaupt (gegründet am 2. Juni 1818, 
bezieht am 1. Oktober d. Js. ihr neues Couleurhaus in 
Berlin-Friedenau, Ringstr. 11, 
o Ueber die Frage' der Organisation des Real 
kredits heißt es im neuesten Verwaltungsbericht von Neu 
kölln: „Die städtische Hypothekenanstalt beleiht an erster 
Stelle ( Vi° des Wertes. Seit Errichtung der Anstalt 
(5. März 1912) bis September 1912 waren 32 Anträge 
auf Beleihung gestellt. Abgelehnt wurden 14 Anträge, 
mährend 18 in Hohe von 2 372 000 M. genehmigt wurden. 
Die städtischen Körperschaften suchten die ärgsten Uebel 
stände für Beschaffung 2. Hypotheken dadurch zu mildern, 
daß sie die städtischen Sammelfonds für diesen Zweck 
nutzbar machten. Bedingung für die Hergäbe einer zweiten 
Hypothek ist, daß der Eigentümer in Neukölln wohnt. Die 
Hypotheken dürfen über 75 Proz. nicht hinausgehen und 
müssen an zweiter Stelle eingetragen sein; in besonderen 
Fällen kann die Beleihüngsgrenze auf 80 Proz. ausgedehnt 
werden. Auf zweitstellige Beleihung sind vom Juni 1911 
bis Ende September 1912 92 Anträge gestellt worden. 
Davon mußten 50 abgelehnt werden, während 30 mit 
einem Kapital von 970 600 M. berücksichtigt werden konnten. 
Da die Gelder der städtischen Sammelfonds in absehbarer 
Zeit aufgebraucht sind und da andererseits die Nachfrage 
nach zweifftelligen Hypotheken eine besonders rege ist, so 
schweben Erwägungen, die darauf hinauslaufen, bei der 
Staatsregierung die Genehmigung zur Aufnahme von An 
leihen für zweitstellige Hypotheken nachzusuchen." 
o Ein Mecresungehener. In der städtischen Seefisch 
halle I der Stadt Berlin-Schöneberg, Feurigstr. 4, ist z. Zt. 
ein großes Meerungeheuer — ein Haifisch von 1,85 Meter 
Länge und einem Gewicht von über 200 Pfund ausgestellt. 
In den nächsten Tagen wird dieses Ungeheuer auch in der 
Seefischhalle II am Wannseebahnhof Friedenau zu 
sehen sein. 
o Emil Nenmann-Bliemchen, der Altmeister sächsischen 
Humors feiert heute am 18. September in außergewöhn 
licher Frische seinen 77. Geburtstag. 
o Die erste Monatsversammlnng des Haus- und 
Grundbesitzcrvereins in Friedenau nach den Ferien findet, 
wie schon angekündigt, morgen Freitag, abends 8 l / 2 Uhr 
irrt Saale des Restaurats „Kaiser ei che", Rheinstr. 54, 
statt. Trotz der sehr harmlos erscheinenden Tagesordnung 
wird es — wie wir hören — zu sehr interessanten Er 
örterungen kommen. Ein zahlreicher Besuch der Versamm 
lung seitens der Mitglieder und eingeführter Gäste erscheint 
wünschenswert. 
o Auf der Treptow -^Sternwarte finden folgende 
kinematographische Vorführungen mit erläuterndem Vortrage 
statt: Am Freitag, dem 19. September, Nachm. i / 2 5 Uhr: 
„Aus fernen Landen", ain Sonnabend, dem 20. September, 
Abends 7 Uhr: „Scotts Reise zum Südpol und ein Blick 
ins Weltall", Abends 9 Uhr: „Chrfftoph Columbus", am 
Sonntag, dem 21. September, Nachm. 5 Uhr: „Aus fernen 
Landen", Abends 7 Uhr: „Das Berner Oberland", am 
Montag, dem 22. September, Abends 7 Uhr: „Interessante 
Bilder aus Italien". Mit dem großen Fernrohr werden 
Mond und Jupiter beobachtet. Außerdem stehen den Be 
suchern noch kleinere Fernrohre zur fieien Verfügung, mit 
denen beliebige Objekte selbst eingestellt werden können. 
o Das Vermächtnis der Selbstmörderinnen. Die 
beiden durch Doppelselbstmord geendeten Schwestern Daun 
mehr von ihm gehört habe. Und Henry konnte keine 
Ahnung von ihrem Hiersein haben. Er kam ja auch 
lediglich in der Absicht, mir das Darlehen zurückzuzahlen, 
das ich ihm vor anderthalb Jahren gegeben." 
Hubert Almröder war aufgestanden, weil er das Haus 
mädchen mit einem Briefe eintreten sah und weil die 
Form wie die zarte Reseda-Farbe des Billetts eine ganz 
bestimmte Vermutuüg in ihm geweckt hatte. 
„Entschuldigen Sie mich für einen Augenblick," sagte 
er hastig. „Es handelt sich möglicherweise um etwas sehr 
Eiliges." 
Und noch ehe sie sich dem Erker hatte nähern können, 
nahm er der Dienerin das zierliche Briefchen aus der Hand. 
Mitten im Zimmer stehenbleibend, öffnete er den Umschlag 
und las. Zn diesem Augenblick gab es nichts auf der 
Welt, das ihn üuch nur in annähernd demselben Maße 
interessiert hätte wie die. rasch hingewörsenen Zeilen aus 
diesem stark und süß duftenden Blatte. Selbst wenn Cäsar 
Frederiksen seine Stimme nicht fast bis zum Flüstern ge 
dampft hätte, würde der Maler darum wahrscheinlich nichts 
davon vernommen haben, als er in Erwiderung auf Helga 
letzte Worte fragte: 
„Um es zurückzuzahlen, sagst du? Doch nicht die 
ganze Summe?" 
„Ja. Die ganze Summe. Das Geld liegt, wie du 
siehst, noch dort auf dem Speisetisch." 
Der Konsul strich mit beiden Händen seinen Bart. 
Sein Gesicht hatte sich nicht verändert; aber Helga kannte 
ihn gut genug, um ihm trdtzdem die Erregung anzusehen 
in die ihre Bestätigung ihn versetzt hatte. 
„Das überrascht mich. Du hast mit deinem Bruder 
gesprochen?" 
aus der Augustastr. 28 in Wilmersdorf haben ein 
mögen von über 250 000 M. hinterlassen. Dieses Habens, 
testamentarisch der Stadt Wilmersdorf vermacht. Die beide, 
einzigen rechtlichen Erben der Geschwister Daun, zwei 
Neffen, sind laut testamentarischer Verfügung der Toten du, 
jeglicher Erbschaft ausgeschlossen. Die Ursache zu diese: 
Enterbung soll in Unverträglichkeiten der Geschwister ntij 
ihren Anverwandten gelegen haben, die durch die religiöse, 
Wahnideen der Erbtanten hervorgerufen worden sind. Ueber 
Haupt soll des geistige Zustand der beiden Selbstmörderinnei, 
wie aus verschiedenen ihrer Eigenarten hervorgeht, räch 
ganz einwandfrei gewesen sein. Die leiblichen Erben, di, 
übrigens in dürftigen Verhältnissen leben, werden deshalj 
das Testament anfechten. 
o An Verblutung gestorben. In ihrer Wohnung i, 
der Sigmaringenstraße zu Schöneberg wurde die 40 Iaht, 
alte Ehefrau Martha H. tot aufgefunden. Auf die Hilse- 
rufe ihres fünfjährigen Töchterchens eilten die Hausbewohne 
herbei. Sie fanden Frau H. in einer Blutlache am Bode, 
liegen. Der sofort herbeigerufene Arzt stellte fest, daß di, 
Frau infolge eines gewaltsamen Eingriffs, den sie wahr 
scheinlich persönlich vorgenommen hatte, verblutet war. Di, 
Leiche wurde von der Polizei beschlagnahmt und nach dn 
Leichenhalle gebracht. 
o Vergiftet. Mit Bezug auf unsere Notiz nute 
gleicher Spitzmarke in Nr. 217 unseres Blattes, ersucht uns 
der Sohn des verstorbenen Chemikers Ludwig Stange, Her 
L. Stange jr., zu berichtigen, daß sein Vater sich nicht ver 
giftet habe und daß ihn auch nicht pekuniäre Sorgen j, 
den Tod getrieben haben. Der Verstorbene habe all 
Chemiker vielfach experimentiert und nach seinen eigene, 
Angaben liegt lediglich ein unglückliches Versehen vor 
Sein Vater sollte auch am 1. Oktober d. Js. außerhali 
einen chemischen Betrieb wieder in Gang bringen. 
Verems-Dackrickten 
Am Freitag tagen: 
Stenographenverein „Stolze-Schrev". '/,ö Uhr in der Gemeinde 
Mädchenschule, Goßlerstraße. Diktatschreiben in verschiedenen Ä 
teilüngen. 
Schömberg 
— o Die städtischen Körperschaften von Berlin-Schöne 
berg haben anläßlich des Regierungs-Jubiläums. Sr. Mas 
des Kaisers unter anderen Stiftungen auch beschloffen, alle, 
damals in Berlin-Schoneberg wohnhaft gewesenen Veteranen 
der Feldzüge 1864, 1866, 1870/71, die im Besitze del 
Bürgerrechts sind und ein steuerpflichtiges Einkommen von 
nicht über 1200 M. haben, die Gemeindeeinkommensteuei 
mit Wirkung vom Rechnungsjahre 1913 ab zu erlassen. Tii 
für 1913 bereits erhobenen Steuern sollen, wie uns init- 
geteilt wird, demnächst an die in Frage kommendeii 
Veteranen zurückgezahlt werden. Del Magistrat von Berliti- 
Schoneberg fordert in einer Bekanntmachung die betr 
Veteranen auf, uingehend ihre Militärpapiere und die 
Steuerzahlkarte für 1913 arr das Generalbüro des Magistrats 
Berlin-Schöneberg, Neues Rathaus, Zimmer 207, einzit- 
senden oder sie dort persönlich abzugeben. 
Berlin und Vororte 
§o Die Einweihung des neuen Kammergerichts an bet 
Elßholzstr. 32 und dem Kleistpark hat heute mittag 12Uhi 
stattgefunden.' Als Vertreter des Kaisers war Prinz 
August Wilhelm erschienen. Nach Absingen eines LicdeS 
übörgab der Justizminister das prächtige Gebäude feinet 
Bestimmung, worauf der Kammergerichtspräsident eine An 
sprache hielt. Den Beschluß bildete eine vom Tum 
geblasene Sonate „Huuntrieinium" aus dem Jahre 1698, 
ausgeführt vom Trompeter- und Posaunenchor des Kgl. 
Kammermusikers Plaß. Von heute ab befinden sich da? 
Kammergericht, das Prüfungs- und Rechnungsamt, du 
Oberstaatsanwaltschaft und die Strafsenate in der Elßholz- 
straße 32 im neuen Kantmergerichtsgebäude. 
o Steglitz. Im Städtbad Steglitz wurden während 
des Monats August d. Js. 10 759 Bäder an männliche, 
6087 an weibliche Personen, zusammen 16 846 Bäder ver 
abfolgt. Die Gesamtbetriebseinnahmen im Berichtsmonat 
betrugen 5581,12 M. (350,07 M. mehr als im gleichen 
Monat des Vorjahres). Wegen des Erweiterungsbaues 
konnte etwa % der Heilbäderabteilung nicht benutzt werden. 
Die Schwimmhalle und die Wännenabteilung waren zeit 
weise unzureichend. Stärkster TageSbesuch 902, schwächste: 
434; täglicher Durschnitk 510 Bäder. Zum Bädertage in 
' ' „Rein. Ich wär noch nicht aufgestanden, als er käm 
und er entfernte sich wieder, ehe ich von seiner Anwesenheit 
erfuhr. Ich beschwöre dich, Cäsar: sage mir die voll! 
Wahrheit. Wie ist es um ihn bestellt? Ist er wirklich in 
der Lage, jetzt einen so großen Betrag zu zahlen?" 
„Wenn er nicht ändere darum bestehlen will — nein! 
Soweit meine Informationen zuverlässig sind — und ich 
bin gewiß, daß sie es find, steht er zum zweiten Male v°> 
dem Bankrott." 
„O mein Himmel — ich habe es geahnt," flüsterte 
Helga mit zuckenden Lippen; aber als sie sah, daß Huber 
sich in diesem Augenblick wieder nach ihnen umwandte 
nahm sie alle Kraft ihres starken Willens zusammen, sich 
zu beherrschen. 
„Ich habe nochmals um Entschuldigung zu bitten/ 
sagte der Hausherr, in dessen Augen eine lebhafte Unruh! 
flackerte. „Aber ich erhalte da soeben eine unangenehme 
Nachricht, die mich zu meinem Bedauern zwingt, mich siii 
kurze Zeit zu beurlauben. Ich habe doch wohl das Ver 
gnügen, Herr Frederiksen, Sie bei meiner Rückkehr noch 
hier zu finden?" 
„Das zu versprechen, bin ich allerdings nicht in bet 
Lage. Es wird ganz davon abhängen, wann ich meine 
Schwester sprechen kann." 
„Nun, ich habe Vertrauen genug zu Helgas Geschiik- 
lichkeit. Sie festzuhalten. Es handelt sich ja auch alle, 
Voraussicht nach nur uin eine kurze Abwesenheit, und ich 
verschiebe die Verabschiedung darum auf später. Auf Wieben 
sehen, liebster Schatz!" 
(Fortsetzung folgt.)
        
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