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Periodical volume Nr. 126, 01.06.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

(Friedenauer 
Unparteiische Zeitung für kommunale und bürgerliche 
Angelegenheiten. 
Bezugspreis Kefondere 
bei Abholung aus der Geschäftsstelle, 
Rheinstr. 15, 1,50 M. vierteljährlich; durch 
Boten insHaus gebracht1,80M., durch die 
Post bezogen 1,92 M. einschl. Bestellgeld. 
Jecken Wiltxpock: 
Mlzblatt „Seifenblasen". 
ftmsprtchcr: Hmt Pfal}burg 3129. 
Erscheint täglich aöends. 
Zeitung.) 
Organ für den Kriedenauer Ortsteil non Schömberg und 
Kesirksnerein Züdmest. 
Beilagen 
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VlLtter für cieulicke grauen. 
Druck und Verlag von Leo Schultz, Friedenau. 
Geschäftsstelle: kbeinslr. 1Z. 
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werden bis 12 Uhr mittags angenommen. 
Preis der 6gespaltcnen Zeile oder deren 
Raum 30 Pf. Die Reklamezeile kostet 
75 Pf. Belagnummer 10 Pf. 
sernspre-tier: Htnt pfaljbarg 3139. 
Mr. 220. 
ZLertin-Iriedenau, Donnerstag, den 18. Septemöer 1913. 
20. Zayrg. 
Oepetcken 
Metzle IIachrichten 
Konstantinopel. Heute Nachmittag wird, wenn sich 
nicht im letzten Augenblick unvorhergesehene Schwierigkeiten 
ergeben, der türkisch-bulgarische Friede abgeschlossen werden. 
Die wichtigste Frage, die Festsetzung der neuen Grenze, ist 
in der gestrigen Sitzung der Delegierten erledigt worden. 
Gestern Abend und heute Vormittag ivurde an der 
Redigierung des Friedensvertrages gearbeitet, der aller 
Wahrscheinlichkeit nach in der heutigen Sitzung zur Unter 
zeichnung gelangen wird. Die neue türkisch-bulgarische 
Grenze, über die gestern ein Einvernehmen erzielt wurde, 
geht von Enos am Aegäischen. Meer, wo die Maritza 
mündet, aus und folgt dann dem Lauf der Maritza bis 
Dimotika. Diese Stadt (von der aus eine Zweiglinie der 
Strecke Adrianopel—Konstantinopel nach Dedeagatsch führt) 
und einiges Hinterland bleiben türkisch. Von Dimotira geht 
die Grenze nördlich die Maritza entlang nach Adrianopel, 
das, ebenso wie seine Vorstadt Karagatsch, gleichfalls 
der Türkei verbleibt; dagegen fallen den Bulgaren 
außer Ortaköj (westlich von Karagatsch) die Grenz 
orte Mustaphu-Pascha mit einer zwei Kilometer breiten 
Zone und weiter östlich Malko-Tirnowo zu. Die Grenz 
linie zieht sich dann östlich in ziemlich gerader Linie nach 
dem Schwarzen Meer, wo sie bei einem Punkt zwischen 
Jniada und Sveti Stefanos endet. Das heiß umstrittene 
Kirkkilisse bleibt türkisch. 
Brüssel. In der Genter Ausstellung brach kurz nach 
Mitternacht im Restaurant Rheinland Feuer aus, das sich 
auf den Pavillon der Konditoren und Bäcker und das 
Burgershuis ausdehnte. Vier Pavillons fielen dem Brand 
zum Opfer, auch ein Privathaus im Bonlevardpark geriet 
in Brand. Rach etwa einstündigcr Arbeit war das Feuer 
gelöscht. 
Kassel. Auf der Werra bei Witzenhausen schlug 
gestern ein Boot um, in dem sich zwei Kinder eines in der 
Kolonialschule Witzenhausen angestellten Lehrers befanden. 
Die Kinder ertranken. Der Vater, der den Kindern nach 
sprang. ging in der Strömung unter und fand ebenfalls 
den Tod. Die Leichen konnten bisher noch nicht geborgen 
werden. 
Paris. Ein schweres Straßenbahnnnglück, das nicht 
weriger als 15 Todesopfer gefordert hat, ereignete sich 
gestern abend an der französischen Riviera, westlich von 
Nizza auf der Linie von Grosse nach Cagnes. Von einem 
Straßenbahnzug entgleisten auf einer Brücke unweit Tourtoi 
der Führerwagen, wodurch der Zug f auseinandergerissen 
wurde. Der vordere Teil des Zuges zerbrach das rechte 
Geländer, während der Hintere Teil über das linke Ge 
länder sauste. Die drei Anhängerwagen stürzten nun in 
den Abgrund hinunter, wo sie vollständig zertrümmert 
wurden. Bis 9 Uhr abends hatte man 15 Tote und 20 
zum Teil schwer Verletzte unter den Trümmern hervor 
gezogen. Eine andere Meldung gibt die Zahl der Toten 
auf 12, Lie der Verletzten auf 30 an. 
Eigene Boten 
werden den „Friedenauer Lolai-Anzeiger" vom l. vttdr. d. 3. 
ab ins haus bringen. Wir bitten daher unsere siimtiichen 
Leser, uns ihre Adressen möglichst sofort levtl. auch 
durch Fernrusj mitzuteilen, da uns die bisherige spe- 
dition die AbonnenlenNsie nicht zur Verstigung stellt. Nutzer 
der Hauptgeschästsstelle des „Friedenauer Lolal-Anzeigers". 
Rheinstr. 18, nehmen noch solgende Eeschäste Anmeldungen 
entgegen: 
Papiergeschäst Wilh. Ebers. Rheinstrahe 15 
Paplergeschiikt Arthur Zschaiig. vdenwaldstrahe 7 
Papiergeschäft Frl. Nordhelm. Sleglindeslrahe 4 
Zlgarrenhmidlung Paul 8uhl. Siidwestkorlo 17 
Zigarrenhandlung E. Sahn. Rembrandtstr. 14. Dürerpl. 
Abbestellungen Mra N"°" nicht 
erlorderllch. 
Vom l. Oltoder ab kommt die Zeitung von 4'/,-« Uhr 
zur Ausgabe. 
Verlag und EeMItritelle der 
Friedenauer Lokal-Auzelgerr 
Rheinstr. 15. Fernspr. Pfalzburg 2128. 
Lokales 
(Nachdruck unserer o-Originalartikcl nur mit Quellenangabe gestattet.) 
o Zur Einreichung der Satzungen fordert der Amts 
vorsteher die Vercinsvorstände auf. Es handelt sich darum, 
um auf Grund der neuen Reichsversicherungsordnung fest 
zustellen, welche Vereine Kranken-, Sterbe-, Unfall- oder 
Unterstützungskassen für ihre Mitglieder unterhalten. 
o Die Ersatzwahlen zum Gewerbegericht Friedenau 
finden am Montag, dem 22. September d. I., von 2 Uhr 
Rachnnttags bis 8 Uhr Abends in der Turnhalle des Gym 
nasiums, Handjerystr. 95/96 statt. Von den Arbeitgebern 
sind mit Ausschluß des Herrn Herbert die ausscheidenden 
Beisitzer, die Herren Gärtnereibesitzer Fechtner, Tischler 
meister Jhlefeldt, Buchdruckereibesitzer Schultz, Schneider 
meister Wegener und Bäckermeister Wermke wieder zur 
Wahl gestellt. Für Herrn Herbert wird Herr Sattlermeister 
Goesch kandidieren. 
o Doppelte Steuerzahlung. Bei Umzügen von 
einem Ort in den andern, wird oftmals die Abmeldung 
nicht rechtzeitig erledigt. Dadurch kommt der Umziehende 
oft in die Lage, die Gemeindeeinkommensteuer doppelt zu 
zahlen. Die Pflicht zur Steuerzahlung beginnt von dem 
Monat ab, der auf den Tag der Begriindung des Wohn 
sitzes folgt und endet mit Schluß des Monats, in dem der 
Wohnsitz aufgegeben wird. Zieht also jemand in den letzten 
Tagen des Monats September fort, versäumt aber, die Ab 
meldung rechtzeitig dem Meldeamt oder Polizeirevier zuzu 
stellen, sodaß, diese erst Anfang des Monats Oktober der 
Behörde zugeht, so ist die Steuer für den Monat Oktober 
im neuen und alten Wohnort zu entrichten. Man verlasse 
sich daher bei Umzügen niemals auf die Hauswarte, die die 
Abmeldescheine oftmals einige Tage liegen lassen. 
o Eine Neuordnnng in der Zustellung unseres 
Blattes Uassen wir mit dem 1. Oktober d. Js. in Kraft 
treten. Von diesem Tage ab werden unsere Leser den 
„Friedenauer Lokal Anzeiger" nicht mehr durch einen 
Spediteur, sondem durch unsere eigenen Zeitungsfrauen er 
halten. Wir sind dadurch in der Lage, die Zeitung bereits 
in der Zeit von 4 l / 2 —6 Uhr Nachmittags unseren Lesern 
zuzustellen. Da uns nun der Spediteur die Abonnentenliste 
nicht zur Verfügung stellt, sind wir darauf angewiesen, die 
Adressen unserer Leser von diesen selbst zu erfahren. Wir 
bitten daher alle Leser, ihre Adressen unserer Geschäftsstelle 
Rheinstr. 15 oder den Annahmestellen mitzuteilen. Nur 
wer uns seine Adresse angibt, kann erwarten, daß er nach 
dem 1. Oktober den „Friedenauer Lokal-Anzeiger" pünktlich 
weiter erhält. Die Mitteilung der Andresse kann auch durch 
den Fernsprecher (Amt Pfalzburg 2129) erfolgen. Eine 
Abbestellung bei dem Spediteur ist nicht erforderlich. Zu 
den bereits gestern veröffentlichten Annahmestellen ist nun 
noch eine am Dürerplatz hinzugekommen, zur Bequemlich 
keit unserer Leser im Schöneberger Ortsteil. Darnach 
nehmen außer der Geschäftsstelle Rheinstr. 15 jetzt noch 
folgende Geschäfte Bestellungen auf unser Blatt an: die 
Papierhandlungen von Wilh. Ebers. Rheinstr. 15, Arthur 
Zschalig, Odenwaldstr. 7, Frl. Nordheim, Sieglindestr. 4, 
die Zigarrenhandlungen Paul Juhl, Siidwestkorso 17 (an 
der Gartenstadt) undE. Hahn, Rembrandtstr. 14 (Dürerplatz). 
o Treppenbeleuchtung. Bei einbrechender Dunkelheit 
muß jeder Hausbesitzer oder dessen Stellvertreter dafür 
sorgen, daß Treppen, Korridore usw. genügend und recht 
zeitig beleuchtet werden. Maßgebend dafür ist die Zeit, 
in der die Straßenbeleuchtung angezündet wird. Wer die 
Beleuchtung der dem Verkehr dienenden Räumlichkeiten unter 
läßt, riskiert ein Strafmandat und ist außerdem noch haft 
pflichtig für den Fall, daß sich wegen der Nichtbeleuchtung 
der betreffenden Oertlichkeiten ein Unfall ereignet. 
o Militärmusik bei Beerdigung von Kriegs 
veteranen. Die Gestellung von Militärmusik bei der Be 
erdigung von Kriegsveteranen ist von den Generalkommandos 
verschiedener Armeekorps genehmigt worden. Die Kommandos 
erklärten sich damit einverstanden, daß bei Beerdigung von 
Feldzugsteilnehmern, die einem Verbände des Deutschen 
Kriegerbundes angehören, die Trauermusik kostenlos gestellt 
wird. Anträge hierzu sind an das Nächstliegende Garnison 
kommando zu richten, das- dann die Gestellung von im 
allgemeinen zwölf Mann Musik veranlaßt. Die Kosten für 
Reise und Verpflegung hat der Antragsteller im voraus zu 
entrichten. 
o Die Eröffnung der Wilmersdorfdr Untergrund 
bahn für den öffentlichen Verkehr wird am Sonntag, dem 
12. Oktober erfolgen. Tags zuvor findet eine offizielle Feier 
in Dahlem statt, zu der die Behörden demnächst Ein 
annahmen. Margarete würde in Hamburg schwerlich einen 
Gatten von besseren Familienbeziehungen und größerem 
persönlichen Werte finden als Harald Sieveking." 
„Wenn er gleichzeitig der Mann ihrer Wahl wäre — 
gewiß nicht. Aber es ist wohl sicher, Cäsar, daß sie ihn 
nicht liebt." 
Hubert hatte bei der Nennung des Namens interessiert 
aufgehorcht, und es war nicht seine Gewohnheit, mit etwas 
hinter dem Berge zu halten, das ihn lebhaft beschäftigte. 
„Verzeihung I" kam er der Erwiderung des Konsuls 
zuvor. „Diese Dinge gehen mich ja eigentlich nichts an. 
Aber da ich zufällig die Ehre habe, Herrn Harald Sieveking 
etwas näher zu kennen, möchte ich doch sagen, daß ich den 
Widerstand des jungen Mädchens hinreichend begreiflich 
finde. Mit einundzwanzig oder zweiundzwanzig Jahren 
verlangt ein temperamentvolles weibliches Wesen von einem 
Gatten doch wohl etwas mehr, als dieser typische Re 
präsentant einer grauenhaft langweiligen Korrektheit zu 
bieten vermöchte." 
Die klaren, grauen Augen des Konsuls hefteten sich mit 
ttrhigem Blick aus das Gesicht des Sprechenden. 
„Die Wünsche und Erwartungen eines unerfahrenen 
jungen Mädchens gehen vielleicht immer um einiges über 
das Erfüllbare hinaus. Herr Almröder I Und gewisse Ent- 
täuschungen sind wohl in jeder Ehe unvermeidlich. Aber 
ich meine, daß die Enttäuschungen, die eine in jeder Lebens 
lage bewahrte Korrektheit bereiten kann, durchaus nicht die 
schlimmsten sind. Wir Hamburger find eben noch immer 
gewöhnt, die von Ihnen getadelte Eigenschaft mehr für 
einen Vorzug als für einen Fehler zu halten." 
„Worin Sie von Ihrem kaufinünnischen Standpunkt 
aus ja auch wahrscheinlich recht haben." 
Er wollte sich beherrfchen, aber er hatte doch nicht ver 
pslririei'blut. 
Roman von Reinhold Ortmann. 
25. (Nachdruck verboten.! 
Es war kein Zweifel, daß ihn der Verlust im innersten 
Herzen bewegte, und niemand wußte besser als Helga, 
wie harmonisch und innig das Verhältnis zwischen ihm 
und der alten Dame gewesen war. Aber er sprach nichts 
destoweniger ebenso ruhig» als ob es sich um einen Be 
richt über wenig bedeutsame Vorkommnisse gehandelt hätte. 
Und er schien nicht zu erwarten, daß Helga sich in lauten 
Schmerzesäußerungen ergehe. Als sie statt aller Beteue 
rungen einer tiefen Betrübnis sagte: 
„Ich habe mir niemals vorstellen können, daß sie 
einen anderen als einen schönen und sanften Tod sterben 
könnte" — neigte er in schweigender Zustimmung den Kopf. 
Hubert aber, der denn doch nicht länger als neben 
sächliche Staffage behandelt zu werden wünschte, mischte 
sich jetzt in das Gespräch. 
„Gestatten Sie mir, Ihnen mein Beileid auszusprechen, 
Herr Frederiksen l Die sehr geringen Sympathien, die die 
Verstorbene mir entgegengebracht, haben mich niemals 
gehindert, anzuerkennen, daß sie eine Frau von seltener 
Klugheit und ungewöhnlicher Charakterstärke war." 
„Ich danke Ihnen, Herr Almröder I Nach meiner 
Ueberzeugung gibt es wohl niemanden, der der Ent,chl-stnen 
den Zoll höchster, Achtung hätte versagen können. 
Nur diejenigen aber, die ihr am - nächsten standen, 
wissen eine wie unerschöpfliche Quelle des Segens ihr 
langes Erdendalejn gewesen ist.. Sie wird, immer ein 
leuchtendes Vorbild bleiben für alle, die den Namen Frede- 
rikfen tragen." 
'Hochmütig und steifleinen wie immer! dachte der 
Maler, und er hatte sich von dem hanseatischen Ge 
schlechterstolz niemals unangenehmer berührt gefühlt als 
in diesem Augenblick, wo seine Laune ohnehin nicht ge 
rade die rosigste war. Der kurze Händedruck, den er mit 
dem Konsul tauschte, war keineswegs von besonderer 
Wärme, und er wünschte in der Stille seines Herzens sehr 
lebhaft irgendeinen Zufall herbei, der ihm den Vorwand 
geliefert hätte, sich zurückzuziehen. 
Man hatte sich auf Helgas stumme Einladung in der 
Erkernische niedergelassen, und nach einem kurzen Schweigen 
nahm Cäsar Frederikseu von neuem das Wort: 
„Möchtest du mir Gelegenheit geben, liebe Helga, mit 
meiner Schwester zu sprechen?" 
„Gewiß! Aber ich wäre dir dankbar, wenn du ihr 
noch für eine oder zwei Stunden Ruhe gönnen wolltest, 
und wenn du mir dann erlaubtest, sie schonend vorzu 
bereiten. Sie ist von den Aufregungen des gestrigen Tages 
sehr angegriffen und hat erst lange nach Tagesanbruch 
Schlaf gefunden." 
„Ich füge mich darin selbstverständlich ganz deiner 
besseren Einsicht, um so mehr, als wir die Rückreise nach 
Hamburg ja leider erst mit dem Abendzuge werden antreten 
können. Darf ich erfahren, was Margarete dir über die 
Gründe ihres unbegreiflichen Schrittes mitgeteilt hat?" 
„Sie fühlte sich durch ein Heiratsprojekt beängstigt, das, 
wie sie glaubte, in der Großtante und dir sehr eifrige 
Förderer hatte." 
„In dieser Vermutung hat sie sich allerdings nicht ge- 
täuscht. Und ich denke, du wirst die Haltung nicht unbe- 
aieiflich finden, die wir einein solchen Antrage gegenüber
        
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