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Periodical volume Nr. 219, 17.09.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

volles Viertel für ihre Besteuerung in Anspruch zu nehmen. 
Diese Bestimmung soll aufgehoben werden. Für die Heran 
ziehung eines Steuerpflichtigen in mehreren Gemeinden wird 
eine andere Berechnung, nämlich nach dem Verhältnis des 
Teileinkommcns zu dem Gesamteinkommen eingeführt. 
v Linie L, Lichterfelde — Friedenau — Stcttmer 
Bahnhof. Endlich wird, wie wir hören, Friedenau die 
direkte Straßenbahnverbindung mit dem Stettiner Bahnhof 
erhalten. Eine neue Linie L wird die Straßenbahnge- 
sellschaft einführen, die ihren Ausgangspunkt in Lichterfelde 
(Händelplatz) nimmt und durch die Schloßstraße, Kaiserallee, 
weiter durch den Tiergarten am Brandenburger Tor vorbei 
zum Stettiner Bahnhof führt. Diese neue so langersehnte 
Verkehrsverbesseruug wird von unseren Mitbürgern freudig 
egrüßt werden. Aber hoffentlich sorgt unser Gemeinde- 
vorstand für eine bessere Tariffestsetzung als sie bei der 
'lV-Linie besteht. — Die Weiterführung der Linie 84 vom 
Kaiserplatz durch den Südwestkorso, sowie die Verkürzung 
des Fahrtabstandes von 15 auf 10 Minuten bei den 
Linien 60 und 67, worüber wir schon berichteten, wird gleich 
falls in nächster Zeit erfolgen. 
o Rücktritt des Lichterfelder Bürgermeisters. Der 
Amts- und Gemeindevorsteher von Lichterfelde, Bürgermeister 
Schulz, tritt am 1. Oktober aus Gesundheitsrücksichten in 
den Ruhestand. 35 Jahre hat Bürgermeister Schulz, der 
im 61. Lebensjahre steht, an der Spitze von Kommunal 
verwaltungen gestanden. Er ist im Jahre 1897 als 
damaliger Bürgermeister der Stadt Salzwedel unter 100 
Bewerbern einstimmig zum Orts- und Gemeindevorsteher 
von Lichterfelde gewählt und 1904 wiedergewählt worden. 
Die Verhandlungen über seinen Rücktritt haben in nicht 
öffentlicher Sitzung zu einem beide Teile befriedigenden Ab 
schluß geführt. Lichterfelde hat unter seiner Leitung einen 
großen Aufschwung genommen. Die Stelle wird neu aus-, 
geschrieben werden. 
o Zu der Einweihung des neuen Spandauer 
Rathauses am Montag, der auch Prinz August Wilhelm 
als Vertreter des Kaisers beiwohnte, hatte auch unser ge 
schätzter Mitbürger Herr Apotheker Sturm eine ehrenvolle 
Einladung erhalten. Stammt doch Herr Sturm aus einer 
alten sehr geachteten Familie Spandaus, die sich stets durch 
eine rege Betätigung im kommunalen Leben hervorgetan hat. 
Ein Bruder unseres Sturm ist der bekannte Stadtrat in 
Spandau, dem Prinz August Wilhelm jetzt persönlich den 
Roten Adlerorden überreicht hat. Sämtliche Geschwister 
Sturm hatten für den Festsaal des neuen Rathauses, das 
sich von außen durch einen besonders hohen imposanten 
Turm auszeichnet, der überall weit sichtbar ist, einen wert 
vollen Kandelaber gestiftet. 
o Ein „Dentschgricchischer Zentralverband zur 
Förderung der wirtschaftlichen Interessen" soll, wie ver 
lautet, begründet werden, dessen Leitung in den Händen von 
dem im Fciedenauer Ortsteil von Schöneberg wohnenden 
Oberbürgermeister Pagels und Syndikus Dr. Brauer liegen 
wird. Die Gründung begegnet lebhaftem Interesse in deutschen 
und griechischen Handelskreisen: der griechische Geschäftsträger 
in Berlin, Theotvki, hat sich bereits für die amtliche Förderung 
des Unternehmens, das voin Auswärtigen Amt unterstützt 
wird, bei der Regierung in Athen verwandt. Auch sämtliche 
griechischen Konsuln in den verschiedenen deutschen Bundes 
staaten, der Zentraloerband des deutschen Bank- und Bankier 
gewerbes sowie zahlreiche deutsche Handelskammern haben 
der Verbandsleitung Unterstützung zugesagt. 
o In der Schulsparkasse der 8. Volksschule int 
Friedenauer Ortsteil von Schöneberg wurden im Vorjahre 
13026,15 M. ein- und 15 659,57 M. ausgezahlt. Der Ge 
samtsparbetrag seit Bestehen der Kas'e beträgt hier 99222,29 
Mark. Es sparten hier 728 Kinder, d. h. 76 Prozent. 
o Erhöhung der staatlichen Veteranenbeihülfe. 
Unsere gestrige Mitteilung über die Erhöhung der Veteranen 
beihülfe berichtigen wir dahin, daß nicht eine Erhöhung von 
20 Al. auf 30 M. den Monat stattfindet, sondern daß die 
jetzt jährlich 120 Bl. betragende Beihilfe um 30 Al. auf 
150 M. erhöht ist, sodaß der mouatliche Ehrensold künftig 
nicht 10 M., sondern 12,50 M. beträgt. Diese Erhöhung 
wird ohne weiteres ausgezahlt; Anträge auf Gewährung der 
Erhöhung brauchen also nicht gestellt zu werden. 
o Unser ältester Mitbürger, der im 96. Lebensjahre 
stehende Amtsgerichtssekretär a. D. Carl Wichmann, ver 
läßt zum 1. Oktober Friedenau, wo er so viele Jahre ge 
wohnt hat. Allerdings bleibt er ganz in unserer Nachbar- 
bevor du mich um meine Meinung befragt hattest? Aber 
das ist ja ganz gleichgültig. Glücklicherweise liegt wenigstens 
in dieser Angelegenheit die Entscheidung einzig und allein 
bei mir." 
Er wollte antworten: aber er mußte die Erwiderung 
aufschieben. Denn es wurde an die Tür des Eßzimmers 
geklopft, und das Hausmädchen kam miteiner Besuchskarte 
herein. Hubert griff danach, indem er seinem Uymut über 
die Störung durch eine sehr unzweideutige Geste Ausdruck 
gab. Dairn aber, nachdem er gelesen, stieß er ein kurzes, 
ingriinmig spöttisches Lachen aus und wandte sich an 
Helga: 
„Welche hohe Ehre für mein bescheidenes Haus! Der 
Herr Konsul Casar Frederiksen in höchsteigener Person! 
Fehlt nur noch die verehrungswürdige Frau Großmaüra, 
und der Familientag ist fertig. — Sie haben den Herni 
doch in den Salon geführt, Peppi?" 
„Jawohl, Herr Almröder!" 
„Dann hast du wohl die Güte, liebe Helga, ihn dort 
zu begrüßen. Ich bin nicht so eingebildet, zu glauben, daß 
der Besuch des Herrn Konsuls meiner armseligen Person 
zugedacht sein könnte." 
Mit großen Augen und leicht geöffneten Lippen hatte 
die junge Frau seinen spöttischen Worten gelauscht. Nun, 
mit einem ganz eigenen Klang von Entschlossenheit in der 
Stimme, kehrte sie sich gegen das Mädchen: 
„Bitten Sie den Herrn Konsul hierher!" 
Sowie das Mädchen hinaus war, strebte Hubert mit 
langen Schritten nach der Tür auf der entgcgeügesetzten 
Seite, hin. 
„Du entschuldigst mich, Liebste! Ich spüre nicht das 
mindeste Bedürfnis, das erste beglückende Wiedersehen Nach 
so langer, schmerzlicher Trennung durch meine Gegen 
wart zu stören." 
Da warf sie den schönen Kopf zurück und zwang ihn 
schaft: er zieht nämlich nach der Deidesheimer Straße in 
der Gartenstadt Wilmersdorf. 
o Hausnnterricht für kranke Kinder. Die Ein 
richtung des Hansunterrichts für kranke Kinder besteht jetzt 
in Charlottenburg zehn Jahre und hat sich sehr gut bewährt. 
Vor zehn Jahren wurde auf Anordnung der Schuldeputätion 
erstmalig der Versuch gemacht, solche Kinder, die wegen 
körperlicher Gebrechen nicht imstande sind, den Schulweg 
zurückzulegen, in der elterlichen Wohnung unterrichten zu 
lassen. Es werden je nach der Art und dem Bildungs 
bedürfnis der Kinder wöchentlich zwei bis sechs Stunden 
erteilt. Die Eltern werden verpflichtet, das für den' 
Unterricht bestimmte Zimmer sauber und jede Störung 
während der Unterrichtsstunden fern zuhalten. Die Kosten 
für die Lehrerin trägt der Magistrat, jedoch werden die 
Eltern in geeigneten Füllen angehalten, dieselben wenigstens 
teilweise zu erstatten. Den Unterricht erteilen gewöhnlich 
Hilfslehrerinnen, insbesondere solche; die infolge Verheiratung 
oder höheren Alters auf Anstellung im öffentlichen Schul 
dienst nicht rechnen können. Diese Lehrkräfte erhalten 
stundenweise Bezahlung. In vereinzelten Fällen sind auch 
Kinder, die wegen geistiger Minderwertigkeit in einer der 
vorhandenen Gemeinde- bezw. Hilfsschulen nicht fortkommen 
konnten, oder die wegen hochgradiger Kurzsichtigkeit oder 
ähnlicher Uebel für den Klassenunterricht ungeeignet waren, 
-mit Hausunterricht bedacht morden. Es werden zurzeit 
ständig 20 bis 30 solcher kranken Kinder auf Stadtkosten 
privatim unterrichtet. 
. o Führerlose Fuhrwerke sah man in jüngster Zeit 
verschiedentlich durch die Straßen rasen, zum größten 
* @d)re(fcit der Anwohner und der Fußgänger. Nicht immer 
sind, wie glücklicherweise in den vorliegenden Fällen, 
beherzte Männer zur Stelle, die oftmals unter Lebensgefahr 
das Gefährt zum Halten bringen. Die Ursachen des Scheu 
werdens der Pferde sind viele. In den meisten Fällen 
trifft aber die Kutscher die Schuld, die sich nicht an die Be 
stimmungen der Straßenpolizei-Verordnung kehren. Bekannt 
lich darf bespanntes Fuhrwerk auf öffentlicher Straße nicht 
ohne Aufsicht bleiben. Ausnahmen sind nur insoweit zu 
lässig, als der Führer behufs Be- oder Entladens seines 
Fuhrwerks genötigt ist, sich zeitweise von ihm zu entfernen. 
In solchem Falle muß jedoch das Fuhrwerk vor dem betr. 
Grundstück, oder, falls hier die Oertlichkeit nicht geeignet ist, 
in unmittelbarer Nähe desselben aufgestellt, das Gespann 
kurz angebunden und wenigstens ein Rad mittels einer 
zweckmäßigen und haltbaren Vorrichtung gehemmt werden. 
o Ein Mahnwort an alle Schulärzte richtet Stadt- 
und Schulamtsarzt Dr. Albert Schcin-Olmütz in Nr. 8,, 
Jahrgang 1913 der Zeitschrift „Der Schularzt". Esscheine 
ihm an der Zeit, sagt Verfasser u. a., daß sich die Schul 
ärzte endlich über eine vernünftige einheitliche Methodik 
einigen, die derzeit den schulärztlichen Untersuchungen vollends 
mangele. Die Schulärzte müßten endlich den Mut aus 
bringen, die Zumutung schlecht honorierter, physisch-, 
unmöglicher schulärztlicher Leistungen abzulehnen. Durch 
verblüffende Zahlenpotpourris werde es niemals gelingen, 
die breite Oeffentlichkeit von der Mühseligkeit und Not 
wendigkeit schulärztlicher Funktionen zu überzeugen. Die 
Schulärzte müßten eben das Schwergewicht ihrer Arbeiten 
weniger auf statistische Ausbeute, sondern viel mehr auf eine 
erfolgreiche Behandlung der armen kranken Kinder verlegen. 
Das Volk wolle nicht nur trockene Ziffern, es wolle hilf 
reiche Taten sehen. 
o Die III. Genkeindeschule veranstaltet am Donners 
tag, dem 25. d. Mts., abends 8V4 Uhr in der Aula des 
Realgymnasiums einen Unterhaltungsabend, der als Jahr 
hundertfeier 1813 — 1913 gedacht ist. Zur Aufführung ge 
langt wieder das Festspiel von Margarete Münsterberg 
„Lorbeer und Palme," das von Schülern und Schülerinnen 
gespielt wird. Der gemischte Schulchor singt dazu Lieder, 
die zumeist aus der Liederdichtung der Freiheitskriege ausge 
wählt sind. Programme zu 50 und 30 Pf. werden abge 
geben im Amtszimmer, Rheigaustr. 7, von den Damen und 
Herren des Lehrkollegiums und in der Buch- und Papier 
handlung von Kossakowski, Schmargendorfer Str. 35. 
0 Abschiedsfeier im Freibad Wannfee. Am Sonntag 
feierten die ständigen Besucher des Freibades am Wannsee 
ihr Abschiedsfest und mit Pauken und Trompeten zogen sie 
durch den Grunewald. In Beelitzhof wurde dann der Ab 
schied vom Wannseestrand 1913 feucht-fröhlich begangen. 
Das Freibad bleibt diese Woche noch geöffnet, wird aber 
mit einem gebieterischen Blick, die Hand von dem Türgriff 
herabsinken zu lassen, den er bereits gefaßt hatte. 
„Wenn dir überhaupt noch an meiner Achtung ge 
legen ist, so bleib'! Was zwischen meinem Better Cäsar 
und mir zu sprechen ist, soll nur in deiner Gegenwart ge 
sprochen werden." 
Mit einem Achselzucken trat er ins Zimmer zurück.'" 
„Mir kann's schon recht sein," sagte er mit erheuchelter 
Gleichgültigkeit. „Ich glaubte eben nur. dir einen Dienst 
zu erweisen. Daß ich mich vor dem Herrn Konsul nicht 
fürchte, wirst du mir wohl glauben." 
14. Kapitel. 
Groß und stattlich, noch imponierender durch die 
tadellose Korrektheit ihrer Haltung, war die Gestalt. Cäsar 
Frederiksens in der Türöffnung aufgetaucht. Mit höflicher 
Geniefscnheit verbeugte er sich gegen den Herrn des Hauses; 
dann nahm er die Hand, die Helga ihm mit einer herz 
lichen Bewegung entgegengestreckt hatte, und führte sie 
an seine Lippen. 
„Ich bitte wegen meines Eindringens um Verzeihung," 
sagte er, und es war ein Klang tiefen Ernstes in seiner 
Stimme. „Aber du hast die Veranlassung wohl schon er 
raten. Margarete ist hier — nicht wahr?" 
„Ja. Und ich bin von Herzen froh, Cäsar, daß du 
selbst gekommen bist, diese traurige Verwirrung zu lösen," 
„Du hast wohl recht, sie eine traurige zu nennen, 
liebe Helga! Obwohl du wahrscheinlich noch picht einmal 
weißt, daß es das Sterbebett eines uns allen teuren 
Wesens war, vyn dem meine Schwester in .sträflichem 
Leichtsinn entfloh." 
In jähem Erschrecken war Helga zusammengefahren. 
Und ihr Gesicht wurde linnenweiß. 
„Um Hininiels willen, Cäsar — die Großtante " 
am nächsten Sonntag seine Pforten schließen. Der Besuch 
in diesem Jahre war ebenso stark ivie im Vorjahre. _ Es 
ereignete sich kein einziger schwerer Unfall. Seil sechs 
Jahren ist das Freibad Wanusee von einem Todesfall, 
der dlirch einen Unfall verursacht worden wäre, verschont 
geblieben. 
0 Ein neues Volksbuch, das den Titel „Kron- 
'prinzens im Film" führt, erscheint demnächst im Verlage 
von Panl Klebinder G. m. b. H. (Berlin). Die vorzüg 
lichen Bilder, die zum großen Teil der auch hier bekannte 
Kunstmaler Herr Eugen Hamm aufgenommen hat, zeigen 
den Kronprinzen und die Frau Kronprinzessin in ver 
schiedenen Lebensaltern, und haben den größten Beifall der 
Dargestellten gefunden und allen gefallen, welche die Bilder 
sahen. Namhafte Autoren haben dem redaktionellen Teil 
des Werkes ihre Feder geliehen. Namentlich weiß 
Dr. Oskar Bongard, der Reisebegleiter des Kronprinzen 
durch Indien, dessen Weltreise anschaulich zu schildern, und 
Kapitän Persins erinnert an des Kronprinzen Liebe für das 
Meer und sein Jirteresse für die. Kriegsmarine. Dr. Marx 
Möller wieder führt uns in die Heimat der Kronprinzessin, 
und Dorothea Goebeler stellt uns die Kronprinzessin als 
Frau und Mutter dar. 
0 Die 1. Knabenabteilung des Münner-Turn- 
vereinS unternahm anr vergangenen Sonntag ihre 6. dies 
jährige Turnfahrt nach Waidmannslust. Die Teilnahme 
war diesmal nicht so stark wie sonst, da ein großer Teil 
der Schüler durch die Konfirmationsprüfung verhindert mar, 
an der Turnfahrt teilzunehmen. 25 Teilnehmer fuhren um 
8 Uhr vom Ringbahnhof nach Tegel. Nach etwa ein- 
stündigein Marsch fand Frühstücksrast am Tegeler Fließ 
statt. Der Hunger war bald gestillt und schon lockten 
Schlagholz und Fußball. Einige vergnügten sich mit Ball 
schlagen, Faustballspielen usw., während andere ihr Mütze 
mit Eichenlaub schmückten. Nach etwa einstündiger Rast ging 
es weiter über Hermsdorf nach Waidmannslust. um sich 
hier am Knaben-Wetturnen des 1. Turnbezirks zu beteiligen. 
Um 2 Uhr traten etwa 180 Knaben, darunter 18 Friede 
nauer, die in ihrer sauberen Turnkleidung, („Kluft" nannten 
es die anderen Jungen) einen guten Eindruck niachten. In 
10 Riegen wurden nacheinander, Hochsprung ohne Brett, 
Kugelstoßen, 80-Meterlauf und eine Freiübung geturnt.- Hier 
zeigte es sich, daß die Friedenauer Jungen nicht nur eine 
saubere „Kluft" anhatten, sondern daß sie auch gut turnen 
konnten. Beim Hochsprung ohne Brett sprangen in einigen 
Riegen zum Schluß nur noch die Friedenauer. Die Höchst 
leistung war 1,30 ui und 1,25 in von W. Bickel und 
Drogeleit. 1,20 in = 20 Punkte sprangen 6 Turner. 
Beim Laufen und Kugelstoßen war es ebenso. Im 
80-Meterlauf erzielte W. Bickel mit 10 l / 5 Sek., zweitbeste 
Leistung, ebenso Neumann im Kugelstoßen mit 7,20 in. 
Die Zeit bis zur Sicgerverkündigung wurde durch Spiele 
aller Art ausgefüllt. Bei der Siegelverkündigung erhielt 
von den Friedenaucrn den 2. Rang Neumann mit Go 1 /^ 
Punkten, den 3. Rang Bickel mit 65 Punkten, ferner P. 
Vogt 56 Punkte, Graßhof 54 l / 2 Punkte, Misse 52 Punkte, 
Schmidt 49 Punkte;' Richter* 46*/ 2 Punkte, Lindenberg 46 
Punkte. In der Unterstufe erhielt den 3. Rang F. Wiese 
mit 67 Punkten, ferner Zabach 60 Punkte, Hopp 59 Punkte, 
Neumann 58 Punkte. — Unter fröhlichem Liederklang 
wurde zum Bahnhof marschiert, um von hieraus die Heim 
fahrt anzutreten. Um 8 l l 2 Uhr langten sämtliche Teilnehmer 
wohlbehalten in Friedenau an. 
0 Ein Straßenräuber ans Schöneberg in Soest 
verhaftet. Ein gefährlicher Straßenränder wurde gestern in 
Soest verhaftet. Er hatte an der Moenetalsperre mit vor 
gehaltenem Revolver eine Frau gezwungen, ihre Geldbörse 
herauszugeben. Eine andere Frau, die er überfiel, sagte 
ihm, daß sie kein Geld bei sich habe. Er möge mit ihr in 
die Wohnung kommen, wo sie allein sei. Dort wollte sie 
ihm all ihr Geld geben. Der Räuber ging darauf auch 
ein. Als sie vor dem Hause angekommen waren, rief die 
Frau nach ihrem Mann. Der Räuber ergriff darauf die 
Flucht und gab auf seine Verfolger Revolverschüsse ab. Er 
entkam in den Wald, Gendarmen und Förster nahmen aber 
die Verfolgung ans, und es gelang ihnen, den gefährlichen 
Burschen zu verhaften. Er heißt Alfred Radetzki und ist 
aus Berlin-Schöneberg. 
0 Persönliches Pech eines Einbrechers. Vor einer 
Woche wurde im Hause Knobelsdorffstraße 40 in Charloticn- 
burg ein Einbruch verübt, ohne daß es gelang, von dem 
——sau——w—gMM—w——Baa 
„Sie ist entschlafen.— kaum eine Stunde, nachdem 
Margarete heimlich das Haus verlassen hatte. Man über 
mittelte mir die Nachricht von ihrem Hinscheiden tele, 
phonisch nach Berlin, wo ich mich eben in Geschäften auf 
hielt. Und als ich vier Stunden später in Hamburg ein 
traf, erfuhr ich auch von der Flucht Margaretes. Da ich 
mich nach gewissen Andeutungen, die sie einem Dienstboten 
gegenüber gemacht, über ihr Reiseziel hinlänglich unter 
richtet glaubte, fuhr ich dann mit dem Abendzuge hierher." 
Helga hatte sekundenlang die Hand über die Augen 
gelegt; nun bot sie dem Vetter-noch einmal ihre Rechte, 
die er mit festem Druck umschloß, und im Tone angstvoller 
Beklommenheit fragte sie zögernd: 
„Aber &s war doch wohl nicht die Aufregung über 
Margaretes heimliche Abreise, die " 
Er verstand, was sie meinte, und beeilte sich, sie durch 
ein Kopfschütteln zu beruhigen. 
„Nein! — Diese furchtbare Strafe für ihre Unüber 
legtheit ist meiner Schwester gnädig erspart geblieben. Oie 
Großmutter hat nichts mehr von ihrer Fluchs erfahren. 
Sie hatte sich schon seit einigen Tagen unpäßlich gefühlt, 
ohne daß sich die Symptome einer bestimmten Krankheit 
hätten feststellen lassen. Als ich meine Reise nach Berlin 
antrat, dachte ich nicht entfernt an eine Gefahr für ihr 
Leben. Und auch der Jungfer, die sie bediente, kam noch 
am gestrigen Morgen keine derartige Besorgnis. Ruhig 
wie immer traf die Großmutter von ihrem Bette aus die 
auf die Leitung des Hauswesens bezüglichen Anordnungen. 
Dann äußerte sie den Wunsch, ein wenig zu schlummern 
und drehte das Gesicht gegen die Wand. In dieser Lage 
wurde sie von dem Mädchen eine Stande später entseelt 
gefunden. Sie war augenscheinlich ohne Schmerz und 
Kamps in die Ewigkeit binübergeglitten." 
(Fortsetzung folgt.)
        
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