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Periodical volume Nr. 218, 16.09.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

Lebensunterhalt und die erforderliche Pflege in Krankheits 
fällen (§ 1 des AussührinigsgesetzeS zum Uilterstützungs- 
wvhnsitzgcscl;) geben, sie darf aber diese Gesehe mich nicht 
rvesentlich überschreiten. Sie muß stets eingedenk bleiben, 
daß es öffentliche Alittel sind, über die sie verfügt, daß jede 
durch eine Bezirkskommission bewilligte Unterstützung die 
steuerzahlenden Einwohner der Gemeinde belastet. Es muß 
daher eine weise Sparsamkeit und eine richtige Erfassung 
desjenigen gefordert werden, was unbedingt notwendig ist, 
eine klare Ausscheidung dessen, was über die öffentliche 
Armenpflege hinausgeht. 
Um dies ständig zu kontrollieren, vor allein , aber um 
die Verwendung der gegebenen Unterstiitzungcn, wie sie 
oben des näheren dargctan sind, zu bewachen, wird bei 
allen Fällen der Unterstützung lungenkranker Personen oder 
Familien die Ernennung eines ehrenamtlichen Pflegers oder 
Pflegerin dringend empfohlen. Es sind ja immer Fälle 
dauernder Unterstützung nab Fälle, in denen die Einwirkung 
durch eine dritte Person unbedingt erforderlich ist. 
Die Aufgaben des ehrenamtlichen Pflegers ergeben sich 
aus dein Dargelegten von selbst. Sie sind naturgemäß 
schwerer zu crfiillcn, als die Pflichten in einem gewöhnlichen 
Armenfall. Der Armenrat ziveifclt aber nicht, daß unter 
den ehrenamtlichen Armenpflegern und Armenpflegerinnen 
auch für solche schwereren Pflegefälle die bereiten Kräfte sich 
freiwillig zur Verfügung stellen werden. 
lokales 
(Nachdruck unserer o-Originnlartikel nur mit Quellenangabe gestattet.) 
v Konfirmation. Heute, morgen und Dpnnerstag 
finden in unserer Kirche zum guten Hirten die Einsegnungen 
statt. Der Tag der Konfirmation bleibt wohl allen eine 
der schönsten Erinnerungen für das Leben und cs ist daher 
bei Eltern, Paten, Anverwandten rc. von alters her Ge 
brauch, den Konfirmanden eine Gabe der Liebe als Ange 
binde zur Einsegnung zu spenden, obwohl oft schon die be 
scheidene, äußere Ausstattung des Kindes von den Ange 
hörigen als Geldsorge empfunden worden ist. Da wird 
denn leider häufig genug Flittcrkram gekauft, um nur eine 
Kleinigkeit schenken zu" können und das ist jedenfalls nicht 
das Nichtige. Andererseits findet man manchmal auch die 
Ansicht vertreten, das Konfirmationsgcschcnk müsse unbedingt 
in einem Andachtsbuch bestehen. DaS ist aber durchaus 
nicht immer nötig. Es gibt noch genügend andere dem 
ernsten Charakter des Kvnfirmatioiistages angepaßte Bücher; 
wir denken an „Ben Hur", an Gedichtsammlungen unserer 
großen Dichter, an gute vaterländische Schriften usw. 
Religiöse Klarheit und Bekenntnisfreudigkeit ist natürlich in 
unserem Zeitalter sehr notwendig sowohl bei Stimmern als 
bei Frauen. Um sie wird den Mädchen, die einst einmal 
züchtige Hausfrauen und sorgende Mütter werden sollen, ein 
hervorragender Schmuck bleiben. Man schenke daher der 
Konfirmandin ein schöngebundenes Gesangbuch, es wird der 
Beschenkten dann ans dein Weg zur Kirche stets ein treuer 
Begleiter sein. Ebenso wird für Mädchen ein goldenes oder 
silbernes Uinhängekrenz stets eine liebe Erinnerungsgabe 
bilden als Andenken an den Konfirmalionstag. Wer es 
-vermag, schenke dem Knaben eine gute, silberne Taschenuhr 
— nicht ein billiges Schundwerk, wie es die Fabriken zu 
Tansendeu liefern — und er wird sehen, wie stolz der 
Konfirmand immer wieder den Zeitmesser hervorzieht und 
wohlgefällig betrachtet, der übrigens für ihn die stete 
Mahnung in sich schließt: Nütze die Zeit! Sie eilt! — 
o Für das polizeiliche Meldewesen irr den Vor 
orten treten neue Vorschriften mit dem 1. Oktober d. Js. 
in Kraft. Darnach sind Neuznziehende neben der dem 
Hauseigentümer oder Hausverwalter obliegenden Meldung 
auf Verlangen der Polizeibehörde verpflichtet, sich persönlich 
zu melden, über ihre und ihrer Angehörigen persönliche und 
Militärverhältnisse Auskunft zu geben und auf Verlangen 
einen schriftlichen Ausweis über ihre Persönlichkeit vorzu 
legen. Männliche Deutsche im Alter von 30—45 Jahren 
sind verpflichtet, sich über ihre Militäroerhältnisse durch Vor 
legung der Militärpapiere auszuweisen. Personen, welche 
unter Aufgabe des bisherigen Wohnsitzes ans einem anderen 
Gemeindebezirke zuziehen, haben einen von der Behörde des 
letzten Wohnortes ausgestellten Abmeldeschein, vorzulegen. 
Außerdem wird den Inhabern von Gastwirtschaften. Pensio 
naten, Fremdcnstuben usw. die Verpflichtung auferlegt, ein 
Fremdenbuch nach vorgeschriebenen Alustern zu führen, in 
das auch gleich nach Ankunft der aufgenommenen Personen, 
„Der Mann ist entweder erbarmungswürdig abge 
arbeitet," dackcke er, „oder er hat in dem Sündenbabel 
Berlin ein etwas zu tolles Leben geführt. Na, ob es nun 
das eine oder das andere ist, ein amüsanterer Gesell 
schafter ist er dadurch jedenfalls nicht geworden." 
Er klingelte und befahl dem Mädchen, ihm das Früh 
stück ins Eßzimmer zu bringen. 2lbcr er vergaß nicht, das 
inhaltsschwere Päckchen mit sich zu nehmen, als er hinübcr- 
ging. Seine Augen lachten, als er es betrachtete, und 
wie liebkosend fuhren seine Finger darüber hin. 
Wahrhaftig, er »iuß:e doch ein Liebling der Götter 
sein, daß sie ihm ihre Gaben immer just zur rechten Zeit 
in den Schoß warfen. 
13. Kapitel. 
Als Helga eine halbe Stunde später, in ein leichtes 
Morgengewand gehüllt, auf die Schwelle des Eßzimmers 
trat, fand sie ihren Gatten bei einer Beschäftigung, deren 
ungewöhnliche Art sie wohl hätte in Erstaunen fegen können. 
Er hatte den Inhalt des Banknotenpäckchens über die 
ganze Platte des großen Spcisetifches ausgebreitet und 
zählte den Betrag, indem er voll unverkennbaren Behagens 
mit dem Zeigefinger auf jeden der braunen Scheine tippte. 
Erst auf ihr halblautes und eigentümlich klangloses: „Guten 
Morgen!" wurde er ihrer Anwesenheit gewahr und drehte 
sich mit seinem strahlendsten Lächeln nach ihr um. 
„Grüß dich Gott, Herzensschatz! Also endlich ausge 
schlafen ?" 
Er war auf sie zugetreten und machte Miene, sie in 
seine Arme zu ziehen. Helga aber hinderte ihn daran 
durch eine leicht abwehrende Handbewegung, die in ihrer 
der Vor- und Zuname, Stand oder Gewerbe, Geburtsdaten, 
Staatsangehörigkeit, der Ort, ivoher sie kommen, die Art, 
der Legitimation sowie der Tag der Ankunft und später der 
Abreise einzutragen sind. Das Fremdenbuch muß auf dem 
zuständigen Polizeibüro abgestempelt und nach seinem Ab 
schlüsse noch 2 Jahre lang aufbewahrt werden. 
o Zur vorübergehenden Beschäftignng in der hiesigen 
Gemeinde- und Amtsverwaltung auf 2 oder 3 Monate 
bietet sich vom 1. Oktober d. I. ab gegen 4 M. Tages 
diäten Gelegenheit. Schreibgewandte Herren wollen sich 
unter Vorlegung ihrer Zeugnisse im Zimmer 42 melden. 
o Arbeitslose Maurer können bei dem Bau der 
3. Gemeiüdeschule in der Osfenbacher Straße Beschäftigung 
finden. Es sind dort noch für 10 Maurer Stellen stet. 
Da unsere Gemeinde in erster Linie die hiesigen Arbeits 
losen berücksichtigen möchte, so werden die sich hier be 
schäftigungslos aufhaltenden Maurer ersucht, sich im Bau 
büro der 3. Gerneindeschule, Osfenbacher Ecke Lanbachcr 
Straße zu melden. 
o Eine Erhöhung der staatlichen Veteranenbcihilfe 
tritt mit dem 1. Oktober d. Js. in Kraft. Die Erhöhung 
erfolgt von. 20 Al. auf 30 M. für den Monat. Die An 
träge auf Gewährung der höheren Beihilfe sind von den 
Kriegsoeteranen den zuständigen Behörden einzureichen. 
o Reifeprüfung. Am 24. und 25. d. M. findet im 
Helmholtz-Realgymnasium das mündliche Abiturienteneramen 
für 22 Abiturientinnen statt. 
o Zn den Schvnebergcr Stadtverordnctcnwahken 
wird uns mitgeteilt, daß der Kommunalvcrein Friedenauer 
Orlsteil sich an den Wahlen in der 2. nnd 3. Abteilung 
des Friedenauer Ortsteils nicht beteiligt. In der 1. Ab 
teilung des 11. Bezirks wird die Wahl des langjährigen 
Bürgerdeputierten Behr von dem Verein unterstützt. 
o Zur Ersatzpflicht der Sparkassen. Bei Abhebung ■ 
von Geld zahlen die Sparkassen an denjenigen aus, der 
ihnen das Sparkassenbuch vorlegt, also in dessen Besitze 
ist. So erhält also auch jemand Geld, der das Spar 
kassenbuch etwa gestohlen oder gesunden hat. Die Berliner 
städtische Sparkasse (und wohl auch andere Sparkassen) ist 
nach ihren Satzungen zwar berechtigt, aber nicht verpflichtet, 
die Legitimation des Vorzeigers zu prüfen, sie kann also ohne 
iveiteres an ihn Zahlungen leisten. Sie ersatzpflichtig zn 
machen, wenn sie auf ein gestohlenes Sparkassenbuch die 
Zahlung geleistet, ist zwar wiederholt versucht worden, die 
Kläger wurden aber mit ihrer Klage abgewiesen. 
v Winterkleider für hilfsbedürftige .KricgSvctcranen. 
Viele Herren lassen sich jetzt neue Winterkleidung anmessen 
nnd wissen oft nicht, wo sie die alten Winterkleider, die 
noch ganz gut erhalten sind, ihnen aber nicht mehr ge 
fallen, hingeben sollen. Wir möchten da empfehlen, diese 
Kleider der „Fürsorge-Vereinigung für hilfsbedürftige Kriegs- 
vetcianen in Friedenau" zu überweisen. Herr Kanzleirat 
Borck, Bornstr. 15, ist gern bereit, derartige Gaben für die 
alten hilfsbedürftigen Kriegsveteranen anzunehmen. 
v Baugenehmigung wurde erteilt für das Grundstück 
Ahrweiler Straße 4 (Rheiiigan). Bauherrund Ausführender: 
Kaufmann Heinrich Langer, Berlin-Friedenau, Bismarck- 
jtraße 7. (Neubau eines Wohngebäudes.) 
o Der Bundestag, der DerUschen Vodenreformer 
findet in diesem Jahre vom 28. —20. September in Straß 
burg i. E. statt. Im Mittelpunkt der Erörterungen werden 
stehen: 1. Der Nealkredit nnd die öffentlichen Gewalten. 
2. Der Kampf um die Steuer nach dem gemeinen Wert. 
3. Die Entivickelnng der Zmvachsstener. Dazu treten Fragen 
ivie Volksgesundheit, Sittlichkeit, Kolonien und Bodenreform. 
Als Redner sind eine Reihe der hervorragendsten Vertreter 
der deutschen Bodenreform vorgesehen, so Reichstagsabg. 
Dr. Jacger, Prof. Dr. Kraft, leitender Arzt der Lahmann- 
schen Anstalten, „Weißer Hirsch", Bürgermeister Bleiken- 
Cnrhaven, Dr. H. Potlhvff-Düsseldorf, Geh. Adiniralitälsrat 
Dr. Schrameier, Legalionsrat Dr. A. von Schwerin, Geh 
Jnstizrat Prof. Dr. Ermau-Müiister i. W., Kurt Marfels- 
Berlin, Vorsitzender des deutschen Uhrmacherbundes, Mon 
signore Werthmnnn-Frcibnrg i. B., Prof. Dr. v. Blume- 
Tübingen, Oberbürgermeister Liebetrnu-Gotha, A. Pohlmann- 
Hohcnaspe, A. Damaschke. Der Zutritt ist jedermann ge 
stattet. Einladungen und genaue Tagesordnung versendet 
kostenfrei die „Bodenreform", Berlin NW. 23, Lessing- 
straße 1 l. 
o Ein Heim für Lehrlinge. Führende Männer der 
Jugendbewegung haben in Berlin soeben ein Lchrlingsheim 
ins Leben gerufen. Bestimmte Berufe, die einen besonderen 
Unzweideutigkeit erkältender wirken müßte als irgendeine 
pathetische Geste. 
„Ich suchte dich, weil ich mit dir zu reden habe. Hast 
du ein paar Minuten für mich übrig?" 
„Nicht bloß ein paar Alinuten, sondern Tage, Monate, 
Jahre. Alciii ganzes künftiges Leben ist zu deiner aus 
schließlichen Verfügung." 
Die liebenswürdige Heiterkeit und Herzlichkeit seines 
Tones blieb ohne jede sichtbare Wirkung auf die Starr 
heit ihrer Haltung und die ruhige Undurchdringlichkeit 
ihres bleichen, übernächtigen Antlitzes. Als hätte sie die 
scherzhaft überschwengliche Versicherung gar nicht gehört, 
fuhr sie fort: 
„Du weißt, daß meine Cousine Margarete mich gestern 
abend durch ihren Besuch überrascht hat. Ihretwegen 
möchte ich mit dir sprechen." 
Wenn ihn um seines schlechten Gewissens willen die 
Act ihres Benehmens bisher lebhaft beunruhigt hatte, so 
fiel ihm jetzt eine schwere Last von der >secle. Es war ja 
kein Zweifel, daß Helga ihm wegen des gestrigen Abends 
zürnte und daß es ihn einige Mühe kosten wurde, sie zu 
versöhnen. Aber es war für ihn von unschätzbarem Vor 
teil, wenn sich ihr Gespräch zunächst auf einem gleichsam 
neutralen Boden bewegen konnte. Da würde sich schon 
der richtige Uebergang und der geeignete Augenblick finden 
lassen zu einem Angriff auf den Eispanzer, mit dem sie 
sich umgürtet hatte. Und sein Herz war voll so sieghafter 
Fröhlichkeit, daß ihn um den Ausgang nicht bangte. 
„Ja, was ifr's denn mit ihr >" fragte er mit gut ge 
heucheltem Interesse. „Sie ist der verehrungswürdigen 
Sippe doch nicht am Ende gar durchgevrannt?" 
Er wunderte sich, daß ihm der Verdacht nicht von vorn 
herein gekommen war, denn es schien ja ganz undenkbar. 
Fachunterricht als Ergänzung fordern, lassen sich henke mir 
iu der Großstadt erlernen. Für solche Lehrlinge bestand 
bisher leine Möglichkeit, in einem traulichen Heim einen 
Ersatz für daü Familienleben ftini Elternhause zu finden. 
Die Lage des Berliner Lchrlingshcims (Schönhauser Allee 140) 
ermöglicht eine schnelle Verbindung nach allen Richtungen 
Großberliits. Die Lehrlinge wohnen in ansprechend einge 
richteten Rämen, die den Anforderungen neuzeitlicher Hygiene 
Rechnung tragen. Jedes Zimmer hat einen eigenen Balkon 
und ist mit je 3 und 4 jungen Leuten belegt. Der ganze 
Hausgeist beruht auf eine sittlich-religiöse Grundlage, die 
aber den jugendlichen Frohsinn in keiner Weise einengt. 
Die Aufnahme kann jederzeit erfolgen; der Pensionspreis 
beträgt monatlich 45 M. Vorsitzender des Vereins 
„Berliner Lchrlingsheim" '(E. V.) ist Prof. Dr. K. Brunner, 
Charlottenburg. Bcrnburgplatz 2, der auch die Erledigung 
von Anfragen ermittelt. 
v Wandertage. Als die schönste Zeit im Jahre für 
allerhand Wandersleute sind die Monate September und 
Oktober zn bezeichnen. Dies dürfte besonders für dieses 
Jahr.zutreffen, das so sehr unter der Ungunst des Wetters 
zn leiden halte. Das Frühjahr mit seiner rasch wechselnden 
Witterung und seinen noch sehr kalten Nächten bietet den 
Wandersleuten leicht unliebsame Ueberraschungen. Der 
Sommer wieder macht den Fnßwanderer leicht schlaff; 
schwüle Hitze nnd Staub werden für den Körper oft recht 
quäkend. Der Herbst dagegen vereint nicht nur die Vor 
züge des Frühjahrs- und Sommerwetters, sondern erfreut 
den Wandersmann auch noch durch die Beständigkeit der 
Witterung. Solch ein milder klarer Herbsttag ist wie ge 
schaffen dazu, größere Fußtouren zu unternehmen. Darum 
auf, ihr Wandervögel, fahrenden Gesellen, Qiiellenivandcrer, 
Pfadfinder und wie ihr euch sonst nennt — hinaus ins 
Freie! Auch für den Erwachsenen kann es nur vorteilhaft 
sein, vor Eintritt des Winters, der uns lang genug wieder 
ans Haus fesseln wird, die Reize des Umherstrcifens in der 
Natur zn genießen. Obwohl der Wandersport gerade in 
den letzten Jahren zahlreiche neue Freunde gefunden hol, 
wird das gesundheitlich so überaus wohltuende Wandern 
viel zn wenig geübt. Da in diesem Jahre nach einem ver 
regneten Sommer ein schöner. Herbst bevvrslchen soll, soll 
uin so eindringlicher die Mahnung laut werden: wandert 
recht fleißig ins Land hinein! 
o Das Biofontheater itt der Rheinstraße 14, welches 
seine neuen Bilder mit dem listigst eröffneten Etablissement 
gleichen Namens in der Potsdamerstr. 38 wechselt, erfreut 
sich allabendlich wegen der Klarheit seines Films eines 
starken Besuchs. Das heute zum ersten Male vorgeführte 
Programm ist sehr reichhaltig und bringt eine interessante 
Bilderfolge zur Vorführung. Eine schwarze Verschwörung 
ist ein spannendes Kriegsbild in 2 Akten. Die Truppe 
Gillen ist ein hübscher Variötö-Akt, während „Jugend" die Be 
zeichnung eine glänzende Flieger-Komödie mit Recht verdient. 
Tragisch ist das Bild Der alte Veteran. Tie Biofonrcvue 
bringt viel Neues aus aller Welt, auch das Tonbild ist 
ganz nett. Eareassonne, eine historische Stadt Süd- 
Frankreichs wird in einer Reihe fesselnder Naturaufnahmen 
vorgeführt. Die Erbtante ist eine drollige Komödie, die 
zum Lachen reizt. Sämtliche Bilder werden von der Haus 
kapelle musikalisch illustriert und finden eine Erklärung in 
der am Eingang nnd im Saul erhältlichen Theaterzeiiuiig 
des Biofontheaters. 
o „Mit dem Imperator nach Amerika" kantet das 
Thema, welches Dr. Oskar Bvngard iw „Verein von 
Freunden der Treptow-Sternwarte" a:-n Mittwoch, dem 
17. September, abends 8 Uhr im großen Vortragssaale der 
Treptow-Sternwarte behandeln wird. Der Vortragende 
wird über folgende Punkte sprechen: Die Bedeutung der 
ersten Imperator-Fahrt. — Die Größenverhältnisse. — Die 
Gründe für die Erbauung moderner Riesenschiffe. — Die 
Sicherungen auf dem Meeresriesen. — Das wohnliche 
Schiff. — Der Jmperntör als Seebad. — Ballin, Hapag 
und Imperator. — Ankunft in Renyork. Der Vortrag ist 
mit zahlreichen Lichtbildern nnd Filmen ausgestattet. Mit 
dem großen Fernrohr werden Jupiter, Mond oder der Riug- 
nebet in der Leier beobachtet. 
v Vermißt wird seit vergangenen Freitag die Gaüia 
des Kaufmanns Perlwitz, Berlin-Wilmersdorf, Rürnbciaer- 
platz l. Frau Perlwitz übergab an genanntem Tage ihre 
sämtlichen Schmncksachen ihrer Tochter mit dem Bemerken, 
sie selbst könne davon keinen Gebrauch mehr machen. Es 
sei hervorgehoben, daß dem Entschlüsse der Vermißten, sich 
daß man ihr in Hamburg die Erlaubnis zu dieser Münchener 
Reise erteilt haben sollte. Und es bereitete ihm dämm 
nicht mehr die mtnöcjte Ucberrafchung, als Helga in ih.er 
kühlen, aber scheinbar völlig gelapenen Weise Antwort «gab: 
„Sie ist allerdings ohne Zupiiuiiiniig und ohne -m.r= 
kvifsen ihrer Angehörigen geiommeii, und wir werden dämm 
vor aile.u meinen B.tier Cäsar a.J telegraphischem Wege 
von ihrem Hiersein in Kenntnis setzen müssen. Du ha,l 
wohl die Freundlichkeit, das zu besorgen." 
„Wenn es dein Wunsch ist —gewiß! Obwohl ich der 
Dleiiiung bin, daß den fischblütigen Herrjchafien da drunicu 
eine steine Aufregung nur gelpuüyeirüchcn Nutzen vr.iigca 
kann. Darf man übrigens erführen, weshalb " 
„Margarete fürchtet, daß man sie zwingen will, einem 
ungeliebten Manne ihr Jawort zu geveu. Wie ich »ictueii 
Vetter Cäsar tcmic, ist das natürlich eine unbegründe.e 
Besorgnis. Aber nachdem sie sich einmal unter nieiucu 
Schutz gestellt hat, muß ich ihr denselben auch gewähren, 
bis eine Verständigung mit ihrer Familie erzielt ist." 
„Selbstverständlich müssen wir sie gegen die Kaltherzig 
keit und den grausainen Egoismus dieser Menschen schütze n," 
versicherte Hubert lebhafc. „Sie soll als ein freudig ivckl- 
lommen geheißener Gap hier in unserem Hause bleiben, 
solange cs ihr beliebt." 
„Hier in unserem Hause — item!" 
„Nein ?" wiederholte er in ehrlichem Erstaunen. „Und 
warum nicht?" 
„Weit unser Haus nicht'der geeignete Aufenthalt für 
sie wäre. — Weil ich meinen Verwandten gegenüber i.ichc 
die Verantwoitung ans mich nehmen kann, sw- iu bic;cm 
Hause jo rein rni erhalten, wie i,e cs ge. cm ueue.e» har." 
(Fortsetzung folgt.)
        
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