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Periodical volume Nr. 215, 12.09.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

betrügerischer Absicht sind bei Liebhabern von Kreditent- 
nahmen recht häufig nicht zu erkennen. Gelegenheit schafft 
dann Böswilligkeit. Daß die neuerdings üppig ins Kraut 
geschossenen Abzahlungsgeschäfte den gefährlichen Mißstand 
ungerechtfertigter und unüberlegter Kreditabsichten gerade in 
Schichten der Festbesoldeten vergrößert haben, dies bedenk 
liche Anzeichen sollte unsere moralischen und volkswirtschaft 
lichen Gesetzgeber lebhaft, r interessieren. Es ist selbst dein 
finanziell gut gestützten Spezialhändler auf die Dauer nicht 
möglich, eine möglichst reich und sorgfältig geprüfte Waren- 
Ausmahl zu bieten, wenn er trotz des hohen Verzinsungs 
zwanges seines eigenen Geschäftskapitals den Kunden 
größeren Kredit ohne Zins einräumen muß. Diese ein 
schneidende Kreditierungsfrage ist aber auch nicht auf dem 
neuerdings viel erörterten Wege der Diskontierung von 
Buchforderungen zu lösen. Denn der Geschäftsmann, der 
seine Buchfvrderungen — soweit sie überhaupt Sicherheit 
versprechen — von einer Bank oder von Privatleuten be 
lehnen läßt, hat die Last doppelter Verzinsung ohne Er 
satzmöglichkeit zu tragen. Außerdem wird der Waren 
lieferant derartigen Bestrebungen, die mittelbar die Kredit- 
sicherheit des Detaillisten gefährden, mißtrauisch gegenüber 
stehen. 
Kurzum: Der Käufer hat es in der Hand, durch die 
Art, wie er beim Spezialhändler einkauft, diesen selbst wirt 
schaftlich zu fördern und damit ihn auch geschäftlich zu 
stärken. Gewiß "obliegen dem Kaufmann bestimmte Er 
ziehungspflichten gegenüber dem Kunden. Und die Möglich 
keit, diese Erziehungspflichten auszuüben, ist allein Sache 
der persönlichen Eigenschaften des gewandten Kaufmanns. 
Eine erzieherische Wechselwirkung vom Geschäftsmann und 
Käufer — dieses erstrebenswerte Arbeitsziel wird auch die 
Selbsttäuschung weiter Käuferkreise über die angebliche 
Billigkeit, Bequemlichkeit und Großzügigkeit im Warenhaus 
betrieb rasch zerstreuen helfen. Dr. M. I. Jacvbi. 
fokales 
(Nachdruck unserer o-Orlrffnalartikcl nur mit Quellenangabe gestattet.) 
v Schluff der Gerichtsferien. Die Gerichtsferien sind 
am nächsten Diontag, 15. September, beendet; an diesem 
Tage nehmen sämtliche Abteilungen ihren regelmäßigen 
Dienst iviedcr auf. 
o 74 500 Anschlüsse umfaßt, wie schon kurz gemeldet, 
das Fernsprechnetz der Berliner Vororte. Die meisten 
Anschlüsse haben die beiden Wilmersdorfer Aemter Pfalzburg 
und Uhlaud, denen auch Friedenau zugeteilt ist, mit 21272. 
An zweiter Stelle kommt Charlvttenburg 2 mit 17 821 
Sprechstellen. Es .folgt Charlottenburg 1 mit 10 005. 
Kein anderes Amt in den Vororten erreicht 10 000 Anschliisse. 
Nur ein einziges bringt es über 5000 Anschlüsse, nämlich 
Neukölln mit 5227. Es folgen die beiden westlichen Vororte 
Steglitz mit 4002 und Lichterfelde mit 8007. Ihnen 
schließen sich an Tempclhof mit 2412, Lichteuberg 2320, 
Pankow 2080, Ober-Schöneweide 1881, Weißensce 1504, 
Adlershof 870, Hoppegnrten 160, ...Mühlenbcck 40 und 
Großbeeren 25. In diesen Zahlen sind alle Haupt- und 
Nebenanschlüsse zusammengerechnet. Hauptanschlüsse für sich 
allein zählt Wilmersdorf 18 226, Charlottenburg 2 0305, 
Charlottenburg 1 insgesamt 5785, Neukölln 2588, Sieglitz 
2802, Lichterfelde 1061, Tempelhof 1438, Pankow 1280, 
Lichtenberg 1224 usw. 
o Aufhebung der Wertzuwachssteuer. Wie kurz 
berichtest beschloß die Gemeindeverlretung von Heiligensee, 
als erste Gemeinde Groß-Berlins, ei .stimmig die Auf 
hebung der Wertzuwachssteuer, durch Erlaß eines Ortsstatuts, 
das nach Genehmigttng durch die Aufsichtsbehörde sofort in 
Kraft treten soll. Die Gemeindevertretung war der Ansicht, 
daß die Grundivertzuwachssteuer dem Grundstücksumsttz und 
der Entwickelung nur hinderlich gewesen sei. Diese Er 
kenntnis und der danüt begründete Beschluß, so bemerkt hierzu 
„Das Grundeigentum" sind überaus charakteristisch und 
von größter Bedeutung. Alle Gemeinden mit noch billigen 
Bodenpreisen — es ist die Mehrzahl Groß-Berlins — 
würden gut daran tun, diesem verständigen Beispiel zu 
folgen. Die Oeffentlichkeit hat bisher noch nicht erfahren, 
welches Hindernis die Wertzuwachssteuer nach Abzug aller 
Prvzeßkosten und Beamtengchälter tatsächlich erbracht hat 
und wie sich ihr fraglos ungünstiger Einfluß auf den 
Gruudstücksumsatz und auf die Entwickelung der Gemeinden 
bemerkbar gemacht hat. Wenn man schon 4—5 Prozent 
des Kaufpreises für Umsatzsteuerstenrpcl usw.., zu tragen hat 
„Nun must es für heute genug fein mit den Be 
kenntnissen undHerzensergießungen, meinLiebling! Morgen 
werden wir weiter über alle diese Dinge sprechen und 
werden unsere Entschlüsse fassen. Jetzt aber brauchst du 
Ruhe — nichts als Ruhe. Und du wirft mir schon er 
lauben müssen, selbst darüber zu wachen, daß du sie findest." 
Sie schuf ihr zunächst einen bequemen Platz in der 
Sofaeckc; dann ging sie hinaus, um anzuordnen, daß in 
dem Fremdenzimmer eine zweite Lagerstätte aufgeschlagen 
werde, die sie für sich selbst bestimmt hatte. Es war be 
reits tief in der Nacht, und Hubert war noch immer nicht 
zurück. Ohne, daß sie einen bestimmten Anhalt dafür 
gehabt hätte, wußte Helga doch, daß er nicht vor dem 
frühen Morgen heimkehren würde, und sie begnügte sich, 
zu seiner Information auf einen Zettel zu schreiben: 
„Meine Cousine Margarete ist unvermutet aus Ham 
burg gekommen, mich zu besuchen, und ich verbringe die 
Nacht bei ihr, da sie sich nicht ganz wohl fühlt." 
Diese Benachrichtigung, die so wenig eine Anrede als 
eine Unterschrift trug, steckte sie in einen Umschlag und 
legte den Brief auf den Tisch in ihres Mannes Zimmer 
nieder. Dann führte sie die zum Tode ermattete Mar 
garete, die willenlos alles mit fick geschehen ließ, in das 
Fremdenzimmer hinauf, war ihr fürsorglich wie eine zärt 
liche Mutter beim Auskleiden behiflich und lauschte cnolich 
Stunde um Stunde auf die gleichmäßigen Atemzüge der 
ruhig Schlafenden, während ihre eigenen, brennenden 
Lider kein wohltätiger Kuß des Schlummergoltes berührte. 
11. Kapitel. 
Bier Uhr war vorüber, als Hubert fein in tiefes, 
nächtiges Schweigen gehülltes Heim betrat. Er hatte die 
letzten Stunden im Kreise ausgelassen fröhlicher Kunst- 
und obendrein noch eine, in der Regel auf sachlich unzu 
treffender Basis nach dem Wortlaut eines bedenklichen Ge 
setzes ermittelte Wertzuivachssteuer zahlen soll, so ist der 
Verkauf von Baustellen gegen mäßige Anzahlung wie bisher 
üblich auch dann unterbunden, wenn es sich um seriöse und 
zuverlässige, jedrch weniger kapitalkräftige Käufer handelt. 
Dem kleinen Rentner und Beamten ist cs geradezu un 
möglich gemacht worden, sich heute noch unter günstigen 
Zahlungsbedingungen ein eigenes Heim oder ein kleines 
Zinshaus im Vorort zu erwerben. Die Stagnation der 
Verkaufs- und Bautätigkeit ist der Verbesserung des Woh 
nungswesens nicht minder hinderlich gewesen. Die Ge- 
meinden, welche den Mut haben, ihre Erfahrungen öffentlich 
bekannt zu geben oder gleich Heiligensee auch m ihren Kon 
sequenzen der Warhcit die Ehre zu geben, mögen sich jetzt 
doch endlich melden. Es gibt kaum einige Gemeinden, 
deren Jahresctat nicht durch hochgeschraubte Grundwert- 
steuererträge künstlich ausbalanciert wird. Mögen die Ge 
meinden auch einmal über den Wert und Unwert der 
Grundwertsteuer jenes bekanntlich „gesährl'chsten Sonder-, 
Folter-Werrzeuges" bekanntgeben und zugleich dabei nicht' 
verheimlichen, wie die Umsätze zurückgegangen sind und 
wie viele .Existenzen dadurch bereits ruiniert oder dem 
Ruin nahegebracht worden sind Es ist heute beinahe eine 
Strafe, unfreiwillig in den Besitz von Grund und Boden 
zu gelangen. Niemanden ist heute zuzuntulcn oder zu raten, 
freiwillig ein Grundstiick oder ein Haus zu erwerben. Welche 
Folgen diese traurige Erkenntnis für unser gesamtes Volks 
leben durch Rückgang der Bodenständigkeit unseres Familien 
lebens für die Folge noch haben wird, ist überhaupt nicht 
abzusehen. Man möchte fast wünschen, daß der jetzige, 
noch nie dagewesene Tiefstand im Grundstückshandel und 
Baugewerbe noch immer schlimmer werden möge, damit 
endlich die Erkenntnis sich nach oben und unten durch 
greifend Bahn bricht, wohin wir steuern. 
o Den Anschluff verpafft! Dem „Vorwärts" wird 
folgendes geschrieben: 
„Zahlreiche Bewohner der südwestlichen Vororte: Lichtcrfelde, 
Lankwitz, Südende, Steglitz, Friedenau, Mariendorf usw. haben oft 
iin Slldwestenj Berlins, in der Gegend des Halleschen Tores, des 
Dvnhofspiatzes, Spittelmaxktes usw. zu tun und oft wählen sie des 
wegen einen dieser Aororte zum Wohnsitz. Für all diese Leute ist 
cs ein Zeitverlust, die Vorort- oder Wannseebahn bis zum Potsd. 
Bahnhof zu benutzen und von dort noch 6 Minuten bis zum 
nächsten Verkehrsmittel zu gehen. Man hat seinerzeit die Stationen 
Aorkstraße und Großgörschenstraßc geipiß wegen dieses Verkehrs 
errichtet, damit die Slldwcstler von dort direkt nach rechts weiter 
können. Mas aber tun die Straßenbahnen und Omnibuse? Die 
Haltestellen der Elektrischen sind von den Bahnhöfen Großgörschcn- 
und Uorkstraße einige Minuten Fußweg weit ab — bevor man 
vom Zug hinkommt, sind alle Anschlußwagen weg. (Aufspringen 
lebensgefährlich!) Die Haltestellen des Autobus 14 sind zwar 
direkt dran, aber mit staunenswerter Pünktlichkeit fährt der 14 er 
unten immer in den Augenblick ab, ivo oben der Zug einfährt, 
und er bringt.auf dem Rückzug die Leute immer zum Bahnhof, 
ivenn oben ihr Zug zur Heimfahrt absaust. Dabei bedienen diese 
Straßenbahnen und Autobusse keinen anderen Borortbahnhof, so 
daß ihr Fahrplan gar nicht zu rechtfertigen ist. — Was die 
Großen in Berlin vormachen, müssen aber natürlich die Kleinen 
des Kreises Tcltoiv nachmachen, find so ist die elektrische Ver 
bindung der Bahnhöfe Steglitz und Südcnde für alle, die rasch 
den nächsten Zug erreichen wollen, einfach wertlos. Es fahren fast 
nur Frauen mit schweren Eiukaufskvrben oder müde Ausflügler 
darin, aber nicht die Leute, die rasch nach Berlin müssen. Die 
lausen zur. Bahn — und dem Kreise.Teltow bleibt das Dcsizit'dcr 
leeren Straßenbahn." 
o Bekämpfung des rnhestörcnden Lärms durch die 
Ikeichsgesetzgebung. Die „Juristischen Tagesfrageu" 
schreiben: Es ist beabsichtigt, iin Rahmen der Novelle zur 
Gewerbeordnung, welche eine Neuregelung der Bestimmungen 
über das Gastwirtsgewerbe, die kinematographischeu und 
phonographischen Vorführungen und die sog. Rumelplätze 
vornehmen soll, auch eine gesetzliche Handhabe gegen ruhe- 
störendcn Lärm durch Musikaufführuugcn zu schaffen. Nach 
dem Bürgerlichen Gesetzbuch kann der Eigentümer eines 
Grundstücks störende .Geräusche, die von einem andern 
Grundstück ausgehen, insoweit nicht verbieten, als die Ein 
wirkung die Benutzung seines Grundstücks nicht oder nur 
unwesentlich beeinträchtigt. Diese Vorschrift hat das Reichs 
gericht dahin ausgelegt, daß es sich um Gerällsche handeln 
muß, die entweder auf das Grundstück und die dort be 
findlichen Sachen schädigend cinwirlen, oder die auf dem 
Grundstiick sich aufhaltenden Personen derart belästigen, daß 
ihr gesundheitliches Wohlbefinden gestört oder ein körper 
liches Unbehagen bei ihnen hervorgerufen wird. Es muß 
sich also bei Geräuschen von einem Nachbargrundstück aus 
immer um schädliche Wirkungen handeln, um dagegen Ein 
spruch erheben zu können. ..Aus diesem Grunde ist auch 
genossen durchzecht, und er war der Lautesten und Uebcr- 
mütigsten einer gewesen. Aber die Fröhlichkeit 'war ihm 
nicht vom Herzen gekommen, und der in übergroßer Menge 
genossene Wein hatte das tiefe Unbehagen mcht verscheuchen 
können, das sich in einen Winkel feiner Seele eingenistet 
halte. Der Rausch war iu der kühlen Rachtlnst schnell ver 
flogen, und während er sich behutsam dem eheiichen Schlaf 
gemach näherte, stand alles, was er feit dein. gestrigen 
Abend erlebt, mit greifbarer, unbarmherziger Klarheit vor 
seinem ernüchterte» Geiste. Er erinnerte sich in allen Einzel 
heiten seiner Unterredung mit Helga und des trotzigen 
Vorsatzes, der ihn erfüllt hatte, als er sie in das Künftier- 
haus geleitet. 
Das weitere aber war wie die Erinnerung an einen 
phantastischen Traum. Denn noch immer fiel es ihm schwer, 
an die Wirklichkeit des Erlebten zu glauben. Daß ihn die 
beinahe übernatürliche Schönheit der.Gräfin Wajjilemska 
berauscht, daß der bacchanlische Taumel der Hunderte um 
ihn her ihn in seinen tollen Wirbel hineingenssen, es wäre 
ihm nachher sicherlich ebensowenig unbegreiflich als flraf- 
würdig erschienen. Aber es war ja viel mehr geschehen 
als das. Die huldigenden Schmeicheleien, die er der Gräfin 
zugeflüstert, als das Spiel ihm an ihre Seite gebracht, 
waren zuerst wohl nicht allzu wZt hinausgegangen über das, 
was künstlerische Ungebundenheit in solcher Situation ge 
stattet. Aber der Glutstrom, der von dieser sinnbetöreiiden 
Frnuengestalt ausging, der Dust ihrer aufgelösten Haar- 
wellen, das verwirrende Spie! ihrer lockenden Augen 
hatten nur allzu schnell sein Blut in Flammen gesetzt, 
hatten ihn vergessen lassen, daß alles ja nur eine für neu 
gierig lüsterne Zuschauerblicke berechnete Komödie sei, und 
daß von der Höhe der Galerie zwei schöne, ernste grauen» 
äugen jede seiner Mienen und Bewegungen verfolgen 
Klagen der Nachbarn gegen Rummelplätze usw. niemals ein 
Erfolg bcschieden gewesen, wenn nicht der Nachweis erbracht 
werden konnte, daß eine G'esundheitsschädigung oder ein 
körperliches Unbehagen verursacht ist. Eine Ruhestörung 
allein ist nicht nur als austeichendec Grund angesehen 
worden, um dem Eigentümer des Grundstücks, von dem das 
Geräusch ausgeht, die Erregung des Geräusches zu verbieten. 
Diesem Mangel soll in Zukunft abgeholfen werden. Tie 
Gewerbeordnung soll eine Bestimmung erhalten, durch die 
die Ortspolizeibehörden ermächtigt werden, Veranstaltungen 
von Musikaufführungen in Schankwirtschaften oder anderen 
öffentlichen Orten zu untersagen, wenn dadurch die Nachbar 
schaff erheblich belästigt wird. 
v Der Kommunalverciu Friedenauer Ortsteil hie!) 
am Donnerstag iin Burghof seine erste Monatsversammlung 
nach den großen Ferien ab. Vor Eintritt in die Tages 
ordnung kam es zu lebhaften Auseinandersetzungen. Herr 
Stadtverordneter Cvlosser drückte sein Erstanncn darüber 
ans, daß die bevorstehenden Stadverordnetenwahlcn nicht 
auf der Tagesordnung der Einladungen standen und fragte 
an, ob die „Quertreibereien" auch hier noch weiter gehen 
sollten. Herr Rechnungsrat Müller stellte demgegenüber fest, 
daß ein Versehen unterlanfen und eine diesbezügliche Er 
gänzung noch rechtzeitig in dev'Presse bekannt gegeben sei. 
Herr Prof. Dr. Rothe teilte mit, daß dem Verein 6 neue 
Mitglieder beigetreten sind. Auf die Petition wegen An 
legung von Nasenstreifen zwischen den Straßcnbahnschiencn 
in der Hauptstraße teilt der Magistrat mit, daß im dies 
jährigen Etat Mittel hierfür nicht zur Verfügung stehen. 
Im Etatsansschuß für das nächste Jahr soll die Angelegen 
heit eingehend geprüft werden. Ueber die Verlängerung der 
Untergrundbahn ins Südgelände schweben nach der Antwort 
des Magistrats ans eine weitere Eingabe Verhandlungen; 
der Magistrat ist noch nicht in der Lage, anzugeben, wann 
die Verlängerung in Angriff genommen wird. Nach Ver 
lesung des Protokolls hielt Herr Rechnringsrat Müller einen 
längeren Vortrag über das Wehrbeitrags- und Vermögem- 
zumachssteuergesetz. Zn einem lebhaften Meinungsaustausch 
gab die Besprechung der Stadtverordnctcnwahlen Anlaß. 
Herr Rentier Vehr stellte sich als Kandidat vor und ver 
sprach, im Falle der Wahl stets für das Wohl der Stadt 
und insbesondere des Friedenauer OrtSteils einzutreten. Im 
weiteren Verlauf einer erhitzten Debatte, an der sich die 
Herren Rogatski, Müller, Treugebrodt, Scholz, Cvlosser u. a. 
beteiligen, ergreift noch Herr Woeste das Wort, um im 
Aufträge des Liberalen Kommunalveieins zu sprechen. Ter 
Liberale Kommunalverciu, der den Kampf gegen die Liberale 
Fraktion aufgenommen habe, habe für die 2. Abteilung des 
12. Bezirks die Herren Jäger und Wälzet ausgestellt und 
hofft auf eine allseitige Unterstützung dieser Kandidaturen. 
Herr Prof Dr. Rothe versprach, persönlich nach allen 
Kräften für die Wahl dieser beiden Herren zu wirken. Ein 
Vereinsbeschluß, für diese Kandidaturen einzutreten, wurde 
indessen nicht gefaßt. Nach Erledigung einiger Jnteressen- 
fragen schloß Herr Prof. Dr. Rothe die Versammlung. 
o Die 1. Kuabenabteilnng des Mnnner-Turnvercins 
unternimmt am kommenden Sonntag eine Tages-Turnfalnt 
nach Schulzendorf, Tegelgrund, Hermsdorf, Waidmannslnst. 
Am Nachmittag beteiligt sich die Abteilung daselbst an dein 
Schüler-Wetturiien der Knabcnabteilungen des 1. Bezirks. 
Für Fahrgeld hat jeder Turnschüler 80 Pf. zu zahlen. 
Treffpunkt um 8 Uhr am Ringbahnhof Friedenau-Wil 
mersdorf. 
o Jur Evangelischen Verein junger Männer hält 
am Sonntag dem 14. September Herr Geh. Rat Schindler, 
Hauptmann der Garde-Landwehr, Mitkämpfer der 3 Feld- 
züge von 1864, 00 und 70,-71 einen Bortrag über das 
Thema: Der Krieg gegen Oesterreich 1806. Erinnerungen 
eines alten 35ers. Jeder junge Mann ist herzlich dazu 
eingeladen. 
v Ein neues Lichtspieltheater eröffnet heute in vor 
nehmer großstädtischer Aufmachung mit ctiva 1000 Sitz 
plätzen (vor geladenen Gästen, darunter viele Friedenauer) 
die rührige Direktion des Biofoutheaters in dem früher 
Lipper-Heydcschen Hanse in der Potsdamerstraße 88 zu 
Berlin. Die Besucher des hiesigen gleichnamigen Etablissc- 
ments in der Rheinstraße 14 haben nun den Vorzug, 
von jetzt ab zu gleicher Zeit immer dasselbe Programm 
wie im neuen Hanse in der Potsdamerstraße 38 vorgeführt 
zu sehen. Daß nur erstklassige Filme neuester Aufnahme 
zur Darstellung kommen, braucht nicht erst versichert zu 
werden. Das neue Programm ist äußerst unterhaltsam, 
konnten. Was er, nur ihr vernehmbar, zu seiner oer- 
füh '-rijec'cn Partnerin gesprochen, waren hcißatn ige, rer- 
wegene Worte gewesen, die eure fre-nce, unwiderstehliche 
Gewalt ans ihm hervörzulocieir schien. Er hat c ihre 
schlanken, seinen Finger ni .ff.nncr Rechten gepreßt, wie 
wenn er sie zerbrechen wollte, und er hatte se ne brennen 
den Lippen in ihr t-.hles, scidcuweichcs Haar gepreßt, ab 
sie ihm einmal noch solchem Händedruck zugeraunt hatte: 
»Sind Sie von Sinnen? Sie tun mir ja weh! llnö 
dann — alle Weil muß es doch sehen." 
Hätte sie !hm gezürnt, härte ihn nur ein einziger, un 
williger Blick aus ihren ausdrucksvollen Augen getroffen, 
vielleicht wurde cs hinreichend gewesen sein, ihn zu ernüchtern 
und ihn zur Erkennte.is seines Wahnwitzes zu bringe». 
Aber wenn sie ihn durch eiiie leise Bemerkung zur Mäßigung 
gemahnt, wenn sie sich zeitweilig durch eine geschickte" Bc- 
wegung seinen verstohlenen -Liebkosungen entzogen hatte, 
so war es mit einem Lächeln geschehen, das ihn vollends 
rasend machen mußie. Und immer — immer hatte sie nach 
jeder dieser scheinbaren Zurückweisungen eine Möglichkeit 
gefunden, ihm durch einen Blick, ein Zeichen, eine flüchtige, 
schmeichelnde Berührung kunözutun, wie wenig ernstzasl 
die Abwehr geincinr aervestn sei. 
Mit seinen eisernen F- usten hätte er die Unverschämten 
zurückdrängen mögen, die die Gräfin nach beendetem 
Spiel in huldigender Bewunderung oder in verzückter An 
betung umschwärmten; sie aber, die der Wolle aus seiner 
Stirn ohne Zweifel die. rechte Deutung zu geben wusste, 
hatte sich noch einmal ganz nahe zu ihm geneigt, um ihm 
ins Ohr zn flüstern: 
„Sehen Sie nach Ihrer Frau! Ich will nicht, daß st 
uns beargwöhnt." 
(sonietzua'ü
        
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