Path:
Periodical volume Nr. 213, 10.09.1913

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

Recht und Billigkeit verlangen nun aber, daß dem 
großen Einfluß der Hausbesitzer in Preußens Städten auch 
Pflichten gegeniiber stehen. Diese hauptsächlich in Form 
von besonderen Abgaben, die auf dem Hans- und Grund 
besitz lasten, sind nicht neueren Datums, sondern bestehen 
schon sehr lauge. Freilich beginnen sie erst i»r 19. Jahr 
hundert in der städtischen Verwaltung eine besondere Rolle 
zu spielen, seitdem man erkannt hatte, welcher Wert dieser 
Art Steuern gerade für kommunale Zwecke beigemessen sei. 
Grundlegend ist für das heutige kommunale Abgabe 
wesen in Preußens Gemeinden das Kommunalabgabcngesetz 
von 1893, das dem Staate das Bcsteuerungsrechl der Im 
mobilien gänzlich entzog und auf die Gemeinde übertrug. 
Die heutigen Grund- und Hausbesitzerabgaben in Preußens 
Städten zerfallen danach in Gebühren und Beiträge, in 
direkte und direkte Steuern. Auf Grund des gesammelten 
steucrstatistischeü Materials können wir sagen, daß die An 
sässigen in dieser Hinsicht sehr stark belastet sind. Sowohl 
bei Herstellung und Reinigung von Straßen, Chausseen, 
Wegen und Bürgersteigen, bei Errichtung von Kaualisatious- 
anlagen und Rieselfeldern, als auch beim Verkauf ihrer 
Immobilien und der Besteuerung des sogen. Wertzuwachses 
werden sie besonders herangezogen. Die Hauptlast bilden 
jedoch die Grund- 'und Gebäudesteueru, die allein nicht 
werstger als 26,7 Proz. aller direkten Kommunalsteuern 
betragen. 
Eine besondere Betrachtung der Groß-, Mittel- und 
Kleinstädte ließ uns im einzelnen die teilweise sehr hohen 
Soudcrverpflichtungen der Ansässigen erkennen. Besonders 
in den Kleinstädten nehmen jene bisweilen weit über die 
Hälfte sämtlicher Kommunalsteuern allein auf ihre Schultern. 
Auch ist schließlich noch zu berücksichtigen, daß in vielen 
Städten die Hausbesitzer durch Eiuguartierungslasten in An 
spruch genommen werden. Daher wird man, wenn man 
alle diese besonderen Leistungen der Ansässigen in Betracht 
zieht, ihnen auch besondere Rechte zubilligen können. 
In Klein- und Mittelstädten dürfte die Zubilligung 
besonderer Vorrechte -.buch heute noch befürwortet werden 
köuneil, da in diesen, mögen sie nun vorwiegend agrarischen 
oder industriellen Charakter tragen oder zu den sogen. 
Rentier- oder Bcamtenständen zählen, die dort Angesessenen 
im allgemeinen eine solide Hausbesitzerklasse stellen, der das 
Wohl und Wehe ihrer Heimat am Herzen liegt. 
Anders wird es in manchen unserer Großstädte aus 
sehen. Heute sind zum großen Teil die dortigen Haus 
besitzer nur Verwalter ihrer Häuser geworden, wohnen viel 
fach auch garnicht am Orte ihres Besitztums und verlieren 
so die persönliche Fühlung mit ihrer Gemeinde. Dazu 
kommt noch, daß es manchen von ihnen erheblich an dem 
konstanten Charakter zu fehlen scheint, den man von ihnen 
als den Hütern und Wächtern des Gemeinwohls verlangen 
muß. Denn sonst könnte man sich den raschen Wechsel von 
Grundstücken, wie er heute in manchen unserer Großstädte 
Platz gegriffen hat, garnicht erklären und nicht verstehen, 
wie verhältnismäßig gering die Zahl der Grundbesitzer ist, 
die ihren Besitztum auch nur einige Jahre hindurch behalten. 
Beachtet'tttdu dünn'noch, daß die Hausbesitzer in den Groß 
sich mehr rmd mehr abschließen in den Vereinen und Ver 
bänden und sonst durch mannigfache Einrichtungen ihre 
eigenen Interessen besser wahrzunehmen suchen, daß die 
Werbetätigkeit hierfür von Tag zu Tag wächst, daun kaun 
man nur trotz der großen Lasten, die die Hausbesitzer tragen, 
eine Beseitigung ihres Vorrechtes für viele großstädtische 
Parlamente gutheißen. Hand in Hand damit würden wir 
auch eine Aenderung des kommunalen Wahlrechts durch 
Schaffung einer Grundlage empfehlen. Selbstverständlich 
müßten auch die Interessen der Hausbesitzer, die soviel Ver 
pflichtungen den Gemeinden gegenüber haben, in ent 
sprechender Weise berücksichtigt werden. 
lokales 
(Nachdruck unserer o-Originalartikcl nur mit Quellenangabe gestattet.) 
v Schnlvcrband Groß-Berlin. Der Entwurf einer 
Novelle zum preußischen Kommnualabgabeugesetz ist den 
Ministern des Innern und der Finanzen, ■ den unteren 
Aufsichtsbehörden, Städten und Landkreisen sowie dem 
Preußischen Städtctag zur Begutachtung übermittelt worden. 
Es handelt sich darin um die vielumstrittene Schullasteu- 
frage, die schon zu manchen Verivaltuugsstreitklagen der 
Vororte gegen Berlin geführt hat. Durch einen neu einzu 
führenden Paragraphen 53 a soll der Oberpräsideut ermächtigt 
ivcrden, solche Gemeinden, die eine wirtschaftliche Einheit 
paare fortzupflanzen, die sie mit hochkloplenven Herzen 
und stürmisch wogenden Busen umschwärmten. — 
Helga sah alles, was da unten vor sich ging, aber sie 
sah es schon nach Verlauf der ersten Minuten nur doch 
wie durch einen Schleier, der dichter und immer dichter 
zu werden schien. Davon, daß sie ein Gegenstand stets 
gesteigerter Aufmerksamkeit für ihre Umgebung wurde, 
bemerkte sie nichts. Die boshaften Seitenblicke ihrer Nach 
barschaft entgingen ihr ebenso vollständig wie die mit 
leidigen, und sie ahnte nicht, daß das zischelnde Ge 
flüster um sie her sich mit ihrer Person beschäftigen 
könnte. 
Da — gegen das Ende der Ausführung hin — er 
schienen zwei sehr elegant gekleidete, jüngere Damen auf 
der Galerie, die vom Saale tzeraufgekoinmen waren, weil 
sie glaubten, das erwartete Schlußtableau von hier oben 
besser überschauen zu können. Daß sie niemanden grüßten 
und von niemandem gegrüßt wurden, war ein Beweis, 
daß sie schwerlich den Kreisen der Münchener Künstler- 
schaft zugenörten. Und auch die Art, wie sic sich sehr laut 
in französischer Sprache unterhielten, kennzeichnete sie als 
Ausländerinnen. 
Sie waren offenbar in hohem Maße angeregt durch 
das, was sie bis sjetzt gesehen hatten, und in dem Be 
wußtsein, von niemandem in ihrer Umgebung gekannt zu 
sein, legten sie sich in ihrer lebhaften Konversation viel 
weniger Zwang auf, als es wohl unter anderen Ver 
hältnissen der Fall gewesen wäre. Unmittelbar hinter Helga 
ließen sie sich auf zwei' leer gebliebenen Stühlen nieder, 
und die junge Frau war damit gezwungen, jedes Wort 
ihrer Unterhaltung anzuhören. 
Sie sprachen von der Gräffn Wasfflewska, LU^der 
bilden,' zu Schulverbänden zusammenzulegen. Berlin hat 
sich gegen diese Lösung der Schullastcufrage ausgesprochen, 
wünscht vor allem einen Jnstauzeuweg, sodaß die Ent 
scheidung des Oberpräsideuten keine endgültige ist. Wie 
durch die verschiedenen Verwaltuugsstreitverfahren bekannt 
sein dürfte, stützen sich die Klagen auf Zahlung von Zu 
schüssen zu den Volksschullasten auf den 8 53 des 
Kommunalabgabengesetzes, der die sog. Betricbsgemeinden 
zur Zahlung von Zuschüssen an die Wohngeineiudcn ver 
pflichtet, falls diese infolge der hohen Schulunterhaltungs 
kosten an steuerlicher Uebcrbiirdung leiden. Dieser 8 53 
war aber ursprünglich für ländliche Gemeinden bestimmt, 
die durch gewerbliche Niederlassungen in ihrer Nähe 
(Ziegeleien usw.) und den damit verbundenen Arbciterzuzug 
in die Notwendigkeit versetzt wurden, plötzlich eine große 
Zahl von Kindern zu beschulen. Ueber den Rahmen dieser 
Bestimmung sind aber die Großberliner Gemeinden und auch 
andere große Judustrieurte längst hinausgewachsen. In 
dem Entwurf zu einer Novelle des K. A. G. werden ferner 
auch die steuerlichen Verhältnisse der Gemeinden und die 
Aufsichtsbefugnisse der Behörden neu geregelt. Es soll 
damit gleichzeitig ein Ausgleich der Schullasten zwischen 
steuerlich bevorzugten und steuerarmcn Gemeinden herbei 
geführt werden. Derselbe Plan tauchte schon auf, als der 
Zweckoerband Großberlin gegründet wurde und man sagte 
schon damals, daß dieser Verband auch die Regelung der 
Schullasten übernehmen würde. Nun zeigte sich aber, daß 
die vorläufig dem Verbände überwiesenen Ausgaben so große 
sind, daß ihm neue Aufgaben vor der Hand nicht mehr auf 
erlegt werden können. Und so versucht die Negierung nun 
auf andere Weise die Schnllastenfrage zu regeln. Doch der 
Schnlvcrband Großberliu dürfte kaum der rechte Weg sein. 
Es muß doch berücksichtigt werden, daß an die steuerlich 
leistungsfähigeren Gemeinden auch höhere Ansprüche bezüglich 
des höheren Schulwesens gestellt werden. 
o Die Sparkassen in Preußen. Unsere Gemeinde 
wird bekanntlich mit der Eröffnung des neuen Rathauses 
auch eine Gemeiudesparkasse einrichten. Im Rechnungsjahre 
1912 sind in Preußen nach einer Mitteilung des König!. 
Statistischen Landesamtes 20 neue Sparkasten eröffnet 
worden und zwar 18 städtische, 0 Sparkassen von Land 
gemeinden, 4 Kreis- und Amtssparkassen und eine Privat 
sparkasse. Ihre Pforten geschlossen haben dagegen 4 Privat- 
sparkasseu und eine Landgemeindesparkasse. Der Zugang 
au Sparkassen überhaupt betrug demnach 24 gegen 25 im 
Vorjahre. ' Es gibt nunmehr im preuß. Staate 1760 öffent 
liche und private aber statistisch nachgewiesene Sparkassen. 
o Das Fernsprechnetz Groß-Berlin umfaßt nach der 
neuesten Aufstellung vom 1. Juli 224 311 Ferusprechan- 
schlüsse. In der ersten.Hälfte d. Js. hat eine Vermehrung 
um nahezu 10 000 Sprcchstellen stattgefunden. Auf Berlin 
entfielen 149 811, auf die Vororte 74 500 Anschlüsse. 
v Kühle Abende. Die Abende werden bereits recht 
kühl, im Gegensatz zu den sich mitunter noch sommerlich 
gestaltenden Tagen. Da heißt cs: sich in acht nehmen! 
Wenn man am warmen Nachmittage ausgeht, darf man 
sich nicht scheuen, die Uebergardcrobe mitzunehmen, denn 
eine kleine Verspätung kann leicht zur großen Erkältung 
führen. Die sommerlichen Biergärten sind zwar noch ge 
füllt, und das mit Recht, denn eben jetzt, wo abends schon 
kühle Lüftchen wehen, kann Man sich noch erholen, wenn 
man Tags über drückende Stubenluft gekostet hat. Wer 
aber die bei vielen übliche Nachkur im Seebade jetzt unter 
nimmt, der mag sich ganz besonders mit schützender Garde 
robe versehen, um nicht statt der Nacherholung eine Er 
kältung sich zuzuziehen. Gerade beim Wechsel der Jahres 
zeit pflegen sich die meisten gegen das Wetter nicht abge 
härteten Personen krank zu machen. Da ist man mit der 
Garderobe nicht ordentlich eingerichtet und man geht leicht 
zu warm und leicht zu kühl angekleidet. Hierbei sei auch 
gleich die Mahnung aus Herz gelegt, sich bei Zeiten um die 
Anfertigung der Herbst- und Wiutergardervbe zu bemühen. 
Später haben die Schneider alle Hände voll zu tun. Wer 
jetzt kommt, wird noch rechtzeitig bedient. Später ist es 
den Schneidern und Modistinnen nicht möglich, selbst ihren 
alten Kunden alles zur Zeit zu liefern, wenn sie alles mit 
einem Male machen sollen. Ta müssen sie zu allerhand 
Ausreden greifen und ihre Besteller trotzdem im Stich lassen. 
o Für unsere Damen! Nach der Diode möchte jede 
Dame gekleidet gehen. Doch nicht jeder Dame ist es möglich, 
ständig eine Schneiderin zu beschäftigen, die ihren Wünschen 
nachkommt. Bei den teuren Zeiten sind viele Haus 
frauen, aber auch junge Mädchen. gezwungen, den 
unverkennbar in nahen persönlichen Beziehungen standen, 
und waren unerschöpflich in Ausdrücken der Bewunderung 
für die Schönheit der Polin. 
„Wenn diese Münchener nicht ganz mit Stumpfheit 
geschlagen sind, werden sie morgen nichts anderes sehen 
als sie," sagte die Eine. „Ist es nicht, als ob eine ganze 
Welt zwischen ihr und all diesen deutschen Frauen läge?" 
„Ja. Und ich kann nicht verstehen, daß sie sich bereit- 
gesunden hat, all dem zusammengelaufenen Volk zur 
Augenweide 31t dienen. Sie, die von jeder europäischen 
Hofgesellschaft mit offenen Armen empfangen wird!" 
„Oh, die Erklärung ist nicht gar so schwer zu finden. 
Wenn mau von irgendeinem exzentrischen Entschluß der 
Gräfin Wassilewska hört, muß man immer fragen: Wer 
ist der Mann, der dahintersteckt? Und hier braucht man 
nicht lange nach ihm zu suchen." 
„Sie glauben also, daß dieser Maler, der den Antonius 
macht ?" 
„Aber gewiß! In der gestrigen Soiree bei dem 
Priiizen Alfons wurde schon davon (gesprochen wie von 
einem öffentlichen Geheimnis. Des Vormittags geht sie 
zu ihm, um ihm für ein Porträt zu sitzen, unv die Nach 
mittage verbringt er dann aus Erkenntlichkeit bei ihr, um 
ihr die Kleopatra einzustudieren. Wie man heute sehen 
kann, muß es ein sehr gründlicher Unterricht gewesen sein; 
denn man braucht nur einen Blick auf die beiden zu 
werfen, um sich zu überzeugen, daß sie den Antonius 
und seine Herzliebste an diesem Abend nicht zum ersten 
Male agieren." 
„Der Aermste! — Sie wird ihm nicht besser mit 
spielen als der großen Zahl seiner Vorgänger. Ist er 
übrigens von anständigem Herkommen?" 
teuren Schneiderlohn zu ersparen und sich die Garderobe 
selbst anzufertigen. Und da möchten wir unsere verehrten 
Damen in ihrem Bestreben, sich moderne Kleider selbst zu 
arbeiten, unterstützen. Wir haben daher eine Erweiterung 
deS textlichen Teiles unseres Blattes vorgenomiuen, indem 
wir allwöchentlich einmal eine Seite unseres Blattes der Mode 
widmen. Wir bringen darin die neuesten Modelle für 
Damen- und Kinderkleider, aber auch manch hübsches Muster 
für Handarbeiten usw. Die Schnittmuster sind durch unsere 
Geschäftsstelle Rhcinstr. 15 zu dem geringen Preise vonSOPfg. 
zu beziehen. Die erste „Mode"-Seite wird in der morgigen 
Nummer erscheinen. 
0 Handelsgerichtliche Eintragung. Bei Nr. 28 445. 
Robert .Gerhardt, Berlin. Niederlassung jetzt: Berlin- 
Friedenau. 
0 Einstweilen eingestellt wurde das Zwangsver 
steigerungsverfahren über das Grundstück Blankenbergstr. 8, 
niemand gehörig. 
0 Znr Berufswahl für junge Mädchen. Ein schöner, 
empfehlenswerter Beruf für gebildete, gemütvoll veranlagte 
junge Mädchen ist der einer evangelischen Kleinkinderlehrerin. 
Die Aufgabe derselben ist die Pflege und Erziehung der 
Kinder vom 3. Lebensjahre au. Ihr Wirkungskreis ist 
innerhalb der christlichen Gemeinde Kleinkinderschule, Kinder 
hort, sowie auch Strick- und Nähschule, und Erziehungs 
tätigkeit in der Familie. Das bewährte, seit 30 Jahren 
bestehende Oberlinseminar, Berlin C, Oberwallstraße 21, 
eine Zweiganstalt des Diakonissenmutterhauses, Oberlinhaus 
zu Nowawes, gibt hierzu eine nach allen Seiten hin gründ 
liche Vorbereitung. Bedingungen 'zur Aufnahme sind gute 
Schulbildung und das vollendete 16. Lebensjahr. Der ein 
jährige Kursus beginnt Mittwoch, den 8. Oktober. Prospekte 
und Aufragen bei der Diakonisse M. Seeling, Berlin 0, 
Oberwallstr. 21, Vorm. 8—12 Uhr ausschl. Donnerstag, 
und bei Küster Voßmeier ebendaselbst täglich. 
v Der Deutsche Flu g sch i sfa h rt s- B er ei n (D. F.-D.), 
der die Förderung der deutschen Flugschisfahrt im Interesse 
der Wehrkraft des Deutschen Reiches in den Lüften bezweckt 
und in allen größeren Städten Deutschlands Fliegerkorps zu 
gründen beabsichtigt, um dem Vaterlande jederzeit ver- 
wendungsfähige, gut ausgebildete „Fliegerreservekorps" zur 
Verfügung stellen zu können, veranstaltet am kommenden 
Sonntag (14. Septembern in Krolls Garten eine zweite große 
Flugfeier; der Ertrag fließt ebenfalls dem „Fliegerkorps- 
Fonds" des Vereins zu, der darüber öffentlich Rechnung 
ablegen wird. 
o Ter Krieger- und Landwehrvereiu Friedenau 
feiert sein 36. Stiftungsfest am Sonnabend, dem 
20. September d. I., im Gcsellschaftshaus des Westens in 
Schöneberg, Hauptstr. 30/31. Um zahlreiche Beteiligung 
seitens der Mitglieder und Angehörigen wird gebeten. Gäste 
können eingeführt werden. — Die diesjährige General- 
versammlung findet am Sonnabend, dem 11. Oktober d. I., 
im Vereinslokal statt. Anträge zur Generalversammlung 
sind bis zum 23. September d. I. an den Herrn Kameraden, 
Führer Justizrat Skopnik, Berlin-Friedenau, Hähnelstr. 20, 
einzureichen. 
0 Kommunalverein Schöneberg (Fricdeuauer Orts 
teil). Die Monatsversammlung findet am Donnerstag, 
dem 11. September, Abends 8'/? Uhr, im Restaurant 
„Burghof", Hauptstr. 85, statt. Auf der Tagesordnung 
steht u. a.: Das Wehrbeitrags- und das Vermögenszuwachs 
steuer-Gesetz. Außerdem findet noch eine Besprechung der 
Stadtverordnetenmahl statt. 
v Auf ein 10 jähriges Bestehen kaun die 3. Männer 
abteilung des Schöneberger Mäuuer-Turuvercius aut 15. 
September d. Js. zurückblicken. Das Stiftungsfest wird 
aus diesem Anlaß in größerem Rahmest gefeiert werden. 
Am Donnerstag dem 11. d. M., findet in der Turnhalle 
des Helmholtz-Realgrimuasiums, Rubcusstraße, Abends 9 Uhr 
ein Schauturnen statt (Eintritt frei), und im Anschluß daran 
vereinigen sich die Mitglieder mit den Gästen zu einem 
Abeudschoppen im Abteiluugslokal „Zum Rubens", Rubens- 
straße 35. Der Hauptfcsttag ist Sonnabend, der 13., für 
den ein Festkommers mit Ball im großen Saale des 
„Wilhelmshof", Ebersstr. 80, vorgesehen ist. Das reich 
haltige Programm dieses Abends meist turnerische Vor 
führungen, klassische Musikstücke, 2 Theaterstücke rr. a. auf. 
Eintrittskarten zum Preise von 0,75 M. sind in allen Ab 
teilungen des Sch. M. T. V. zu haben. Am Sonntag, 
dem 14., werden die Turner mit ihren Damen einen Aus 
flug nach Wannsee—Stolpe, unternehmen. Die Abteilung 
ladet alle Freunde und Gönner herzlichst zu ihrem Feste 
„Nein — ein Bauernsohn oder etwas dergleichen. Und 
obendrein jung verheiratet — wie mau mir erzählt hat, 
mit einer sehr schönen und vornehmen Frau. Unsere liebe 
Polo wird sich da vermutlich ■ wieder die Verantwortung 
für eine kleine Ehekragödie auf das Genügen laden." 
»Nun, sie wird nicht allzu schwer daran tragen. Aber 
ich sauge jetzt au, zu verstehen, warum die Liaison einen 
Reiz für sie, hat. Sie har ja nun einmal ein Faible für 
dramatische Komplikationen." 
Helga hörte von dein Folgenden nichts mehr, denn es 
war plötzlich wie das Rauschen einer Meeresbrandung in 
ihren Ohren, und bis in den Hals (hinauf fühlte sie den 
wilden Schlag ihres Herzens. Die Luft, die sie atmen 
nutzste, legte sich ihr mit einem Male erstickend schwer auf 
die Brust, und für 'inen Moment fürchtete sie, von einer 
Ohnmacht befallen zu werden. Aber ihr Wille war stark 
genug, die Schwäche des Körpers zu überwinden. In 
demselben Augenblick, wo sich drunten im Saale alles in 
ein ausgelassen lärmendes Bacchanals löste, wo Männer 
und Frauen jauchzend das auf seinem erhöhten Thronsitz 
zärtlich aneinander geschmiegte Liebespaar umtanzten, erhob 
sich die junge Frau von izreui Stuhl und wandte sich der 
Treppe zu. Langsam, 'aver hoch ausgerichtet, und mit 
statuenhaft ruhigem Anftiz schritt sie die Stufen hinab, 
ließ sich in der Garderobe, in die sie unbemerkt gelangt 
war, ihren Mantel geben ttnd trat auf die Straße hinaus. 
Eiskalt fegte ihr der Münchener Wind ein widriges 
Geinisch von Regen und Sckmee in das'Gesicht; aber sie 
dachte nicht einmal daran, ihren Schleier herabzuziehen, 
wie es ihr nicht einfiel, sich einer der vor dem Künstler» 
Hause haltenden Droschken zu bedienen. 
(.Ükvrtze^u^ ,vtgr.)
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.