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Periodical volume Nr. 299, 21.12.1913 2. Beilage zu Nr. 299

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 20.1913

gleichfalls nicht einzutreiben sind. Man ersieht daraus, 
»'eiche Umständlichkeiten und Schwierigkeiten mit der 
kommunalen Biersteuer verbunden sind. Die Delegierten- 
Versammlung wandte sich auch gegen die kommunale Auf 
sichtspflicht, die durch AbänderungdesZ 33 der Gewerbeordnung 
herbeigeführt werden soll. Ueber einzelne Fragen, welche 
die Delegierteuversammlung beschäftigten, gaben die Herren 
Sternberg und Strauß noch nähere Erklärungen. Der 
Letztere wies insbesondere auf die himmelschreienden Unge 
rechtigkeiten hin, die seitens der Behörden und Polizei- 
organe durch die oft eigenartige Handhabung der Bedürfnis- 
frage bei Konzessionserteilungen, sowie durch verschieden 
artige Festsetzung der Polizeistunde begangen werden. Er 
verurteilte auch die neu beabsichtigte Einführung einer Be 
stimmung, wonach jedem Polizeibeamten das Recht zustehen 
soll, musikalische Unterhaltungen zu untersagen, wenn er der 
Meinung ist, daß dadurch die Nachbarschaft gestört wird 
(der sogen. Radau-Paragraph). Weiter forderte Herr Strauß 
auf, sämtlich zu dem bevorstehenden BerbandStage zu er 
scheinen; der größte Saal müsse zu klein sein, um die 
Oeffcntlichkeit durch die Massenversammlung auf die Notlage 
des Standes aufmerlsam zu machen. Auf Antrag des 
Herrn Thieleke wurde die Beschaffung einer größeren Anzahl 
der von Herrn Redakteur Friedrichs verfaßten Broschüre 
über die Lage im! Gastwirtsgewerbe beschlossen. Diese 
Broschüre soll auch Iden hiesigen Gemeinde verordneten 
zugestellt werden. Beschwerde geführt wurde über den sog. 
Winkelschank ans Bauten, deiikBerkauf von Bier, Branntwein, 
Zigarren usw. durch Poliere. Auch gegen die alkoholfreie 
Kantine des jFraucnvereins ans dem Baugrundstück der 
3. Ge mein beschule an der Offenbachcr Straße wurde ge 
sprochen. Hervorgehoben wurde, daß auch für diesen Aus 
schank die Konzession nötig ist und die Konzessivnssteuer 
gezahlt werden muß. Eine Beschwerdeschrift des Vereins- 
vvrstandcs an den Bürgermeister gegen dcus Bierverkanf 
des Poliers auf dem Bau des 3. Volksschnlgebändes 
kam zur Verlesung. Eine Antwort ist darauf noch nicht 
eingegangen. Es folgten nun die Berichte iibcr die Banner- 
weihe und das 12. Stiftungsfest des Brudervereins Spandau 
und iiber das Sommerfest des Verbandes in der Hasen 
haide. Darauf trat die Wareumarktpause ein. Herr Jos. 
Brnndtncr reichte Kostproben seiner ausgezeichneten Fabrikate 
in Hühnerbrühe-, Bouillon- und Suppenwürfel herum. Nach 
der Pause eröffnete der Vorsitzende die Generalversammlung. 
Zum erstens Punkt „Anträge" wurde beschlossen, die Präsenz 
liste wieder einzuführen. Der Schriftführer Herr Otto 
Thieleke verlas nun den Jahresbericht: In diesem wird zu- 
Ȋchst der Toten des vergangenen Jahres, insbesondere des 
schweren Verlustes gedacht, den der Vereiir durch den Tod 
seines langjährigen 1. Vorsitzenden Hermann Schn erlitten 
hat. Darauf wird über die Vorstands- und Vereinstätigkeit 
und die Mitgliederbewegung berichtet. Gelegentlich der 
Weihnachtsfeier konnten 3 Witwen unterstützt und 44 Kinder 
beschert werden. Ferner wird der Familienfeste der Vereins- 
mitglicder, der Veranstaltungen der Brndcrvercine und 
anderer Vereinsfeste gedacht. Es folgt eine Besprechung der 
Fragen, die den Verein und das Gastivirtsgemcrbe über 
haupt,-in-dem letzten Jahre hauptsüchtlich. beschäftigt haben, 
wovon zu erwähnen ist, die Fleischteuerung, die Beratungen 
über die Einführung des sogen. Gothcnbnrger Sizstems, der 
Kannenbierhandel, die Biersteuer, das neue Eichgesetz usw. 
Dankbar gedacht wird der belehrenden Vorträge des Herrn 
Rechtsanwalt Dr. Schwenk. Die ungünstigen Verhältnisse 
im Gastwirtsgewerbe hätten verschiedene Kollegen um ihre 
Existenz gebracht, viele seien ans dem Schlachtselde geblieben. 
Gedankt wird allen, die dem Verein und dem Gewerbe in 
den Kämpfen unterstützten. Zum Schluß werden die Kollegen 
aufgefordert, sich fester um das Banner zu scharen und Mann 
für Mann dem Interesse des Vereins und des Standes zu 
dienen. Das vom Schriftführer ausgebrachte Hoch auf de» 
Verein, fand begeisterten Widerhall. Der Vorsitzende dankte 
dem Schriftführer für seinen Bericht und bat die Anwesenden, 
sich znm Tanke von den Plätzen zu erheben, was geschah. 
Ueber die Kasse berichtete der Rendant Herr Kiemitz. Dar 
nach stellt sich der Kassenbestand ausschließlich der Beiträge 
für September auf 168,86 M., mit den Mitglicdcrbeiträgeu 
für September und anderen noch zu erwartenden kleineren 
Einnahmen stellt sich das Vcreinsocrmögen am Schlüsse des 
Vereinsjahres auf rund 4(10 Al. Auch dem Rendanten 
wurde darauf durch Erheben von den Plätzen gedankt. 
Nach dem Bericht iiber die Tätigkeit der Vertrauensmänner 
durch Herrn Böge, sagte der Vorsitzende Dank den Verlrauens- 
männern, Kollege Thieleke dankte den beiden Vorsitzenden und 
sPiwjHiii» iiyggjnpi?i«i*m --jxitnnu 
„Was habe ich denn eigentlich von ihr gesagt 7 Das; 
sie das Mißgeschick hatte, als unerfahrenes, junges Ding 
auf das Machtgebot ihres Vaters in eine Familie von 
halben Idioten hineinheiraten zu müssen? Ist sie dafür 
verantwortlich, wenn ein paar degenerierte Narren in der 
Verrücktheit zur Pistole des Selbstmörders oder des 
Duellanten griffen? Nach meiner Ueberzeugung war es 
um den einen so wenig schade wie um den anderen." 
„Und doch nanntest du sie, als du hier znm ersten 
Male von ihr sprachst, eine schöne Teufelin?" 
„Ach, das war in einem ganz anderen Sinns gemeint, 
als du es jetzt zu deuten versuchst. Ist es denn schon dahin 
gekommen, daß ich vor meiner Frau jedes Wort auf die 
Goldwage legen und nach Tagen oder Wochen über jedes 
Wort Rechenschaft geben soll?" 
„Nicht ich bin es, die Rechenschaft von dir verlangt, 
sondern du hast mich aufgefordert, mein Urteil zu recht 
fertigen." 
„Was du dann auf echt weibliche Art getan haft. 
Nun, ich verzichte darauf, deine weiteren Gründe zu hören. 
21 Der ich bitte dich sehr dringend, in deiner Kritik der 
Gräfin Wassilewska künftig etwas vorsichtiger und zurück 
haltender zu sein. Es muß dir genügen, von mir zu hören, 
daß die Frau ebenso wohlgegründetenAnspruch auf Achtung 
hat wie du, und daß ihre Freundschaft aus verschiedenen, 
sehr triftigen Gründen für mich überaus wertvoll ist. Ich 
würde es geradezu als einen Akt der Feindseligkeit gegen 
mich ansehen müssen, wenn du ihr anders als rücksichtsvoll 
und freundlich begegnest." 
„So werde ich am wenigsten Gefahr lausen, deinen 
Unwillen herauszufordern, wenn mir die Notwendigkeit 
derartiger Begegnungen überhaupt erspart wird." 
Kollege Sternberg den Beisitzern. Mit dem Dank für das 
dem Vorstande bewiesene Vertrauen legte der Vorsitzende 
die Aemter des Vorstandes in. die Hände der Mitglieder 
zurück. Den Vorsitz zur Wahlhandlung übernahm der Ver 
bandspräsident Strauß, während als Beisitzer bzw. Schrift 
führer die Kollegen Konietzki und Marschuer fungierten. Durch 
Stimmzettel wurden in einem Wahlgange wiedergewählt 
zum 1. Vorsitzenden Kollege Gundlach, zum 1. Schriftführer 
Kollege Thieleke und zum 1. Rendanten Kollege Kiewitz. 
Zum 2. Vorsitzenden wurde Kollege Wanke sneugewählt, 
ebenso wurden nengewählt zum 2. Schriftführer Kollege Henke II 
und zum 2. Rendanten Kollege Trinks.. Beisitzer wurden 
die Kollegen Frvhnert, Groschinski, Hanke und Henke III. 
Zu Vertrauensmänner wurden gewählt die Kollegen Böge, 
Schönherr, Kühn und Behrendt. Verüandsdelegierte wurden 
wieder die Kollegen Kiewitz, Thieleke und Böge, Kassen- 
prüfer wurden die Kollegen H. Schindler und W. Sternberg, 
Bannerträger die Kollegen H. Schindler und Hanke und 
Banncrjunker die Kollegen Böge und Kienast. Kollege Kiewitz 
ermahnte die neuen Vorstandsmitglieder zu reger Mitarbeit. 
Der Vorsitzende brachte auf den Verbaudspräsidenten Kollegen 
Strauß ein Hoch aus; dieser dankte und brachte seinerseits 
auf de^-Friedenaucr Gastwirte-Verein ein Hoch aus. Nach 
dem der Vorsitzende noch allen Anwesenden kür ihre Aus 
dauer in der Versammlung und die Tätigkeit zum Vesten 
des Vereins gedankt hatte, schloß er gegen 1 / 2 11 Uhr die 
Versammlung. — Die nächste Vorstandssitzung findet am 
6. Oktober beim Kollegen Groschinski, Wilhelmstr. 18, die 
nächste Vereinsversammlung am 13. Oktober beim Vorsitzenden 
Kollegen Gundlach, Odenwaldstr. 10, statt. 
o „Die Verräterin", eine dramatische Kriegserinnerung 
von 1870-71 wird von heute ab in den „Hohenzvllern- 
Lichlspielcu", Handjerystr. 64, vorgeführt. Die Titelrolle 
spielt Asta Nielsen, die in der Mimik unerreichte Künstlerin. 
Ferner sind in den Hauptrollen tätig die Herren Mar Obal, 
Nob. v. Valberg und Emil Albcrs. „Satanas" betitelt sich 
der zweite Hauptschlager, ein phantastisches Detektiv-Drama 
in 2 Akten mit dem Meisterdetektiv Nie Winter in der 
Hauptrolle. Auch die anderen Nummern des Programms 
bürgen für einen vorzüglichen Abend. Empfehlenswert ist 
es, schon in den frühen Abendstunden die Hohenzvllern- 
Lichtspiele zu besuchen, da nach 0 Uhr stets der Andrang 
sehr groß ist. In Vorbereitung hat unsere vornehmste Licht- 
spiclbühnc das wunderbare Drama „Die Jagd nach der 
Hundertpfundnote". Die Zuschauer werden mit diesem 
Drama gleichzeitig eine Reise um die Welt niachcn, alle 
Weltteile und die schönsten Plätze der Erde kennen lernen. 
Sticht eine einzige Szene wiederholt sich in diesem Film, 
immer wieder wechselt Landschaft und Szenerie. Ebenfalls 
in Vorbereitung ist ein 6akliger Reinhardtfilm, der erste 
seiner Art, betitelt „Der Student von Prag." Mau ersieht 
aus allein das Bemühen der Direktion, nur wirklich Gutes 
und Sehenswertes dem Friedeuauer Publikum zu bieten. 
Programine mit Beschreibung der Bilder sind am Eingang 
zu haben. 
v Der Feind im Land, eine spannende Episode aiis 
dem Kriege 1870/71, kommt von heute ab im Biofontheater 
in der Rheinstraße 14 erstmalig zur Vorführung. Zum 
gegenwärtigen Kaisermauöver eignet sich dieser Film sehr 
gut zur Darstellung. Ein wenig bekannt gewordener Vor 
gang, bei dem der damalige Kronprinz, unser Fritz, eine 
Rolle spielte, ist der Gegenstand dieses Films. Die Pariser 
Untergrundbahn, nach der Natur aufgenommen, wird in 
einer Reihe von Bildern anschaulich vorgeführt. Das 
Mädchen von Holland ist ein ergreifendes Schauspiel in 
2 Akten, das man die.» Geschichte von der verlorenen und 
iviedergefuudenen Tochter uenneu kaun. Es ist eine 
spannende Geschichte aus dem Leben eines hübschen 
Mädchens. Die Wochenrevuc von Pathe frörcs bringt 
wieder viel neue Bilder von Vorgängen aus aller Welt 
und die Komödie Ein Sprüchwvrt sagt nicht immer wahr 
ist äußerst drollig. Man sieht, das Biofontheater bringt 
stets ein abwechslungsreiches und unterhaltendes Programin 
zur Vorführung, sodaß sein Besuch immer lohnend erscheint. 
o Im Wege der Zwangsvollstreckung soll das 
Thorwaldsenstr. 26, belegene, auf den Namen 1. des 
Architekten Paul Vcrthold, 2. des Architekten Willy Baum- 
garten beide in Berlin-Steglitz. Thorwaldsenstr. 26, einge 
tragene Grundstück am 11. November 1913, Vormittags 
11‘/ 4 Uhr, versteigert werden. Das Grundstück ist bei 
einem jährlichem Nutzungswcrt von 14 800 M. zu einer 
Gebäudesteuer von jährlich 576 M. veranlagt. 
„Kommst vu wirklich wieder ans bciu törichtes Ver 
langen von vorhin zurück? Muß ich dir erst ausdrücklich 
Zagen, daß davon nicht die Rede sein kann? Gerade um 
der Gräfin Wassilewska willen kann davon nicht die 
Rede sein. Sie hat schon beim ersten Zusammentreffen 
den Eindruck gehabt, daß ihr Besuch in meinem Atelier dir 
unangenehm gewesen sei. Und ich will nicht, daß dieser 
peinliche Eindruck jetzt noch eine Aerstärkung erfahre. 
Wenn du morgen dem Feste fernbleibst, ja, schon, wenn 
du mich heute nicht begleitest, nachdent ich davon gesprochen 
habe, daß ich dich mitbringen werde, so gibt es dafür 
natürlich keine andere Erklärung, als die einer kindischen 
Eifersucht. Alle Welt wird es so deuten, und die Gräfin 
wird es als einen Affront cmpsinden, unter dem am 
letzten Ende kein anderer zu leiden hat als ich. Wenn 
das deine liebenswürdige Absicht ist " 
Helga hatte sich erhoben, und durch eine müde Hand 
bewegung hinderte sie ihn, weitcrzusprechen. 
„Wenn es sich wirtlich darum handelt zu beweisen, 
daß ich nichts von Eifersucht gegen diese Frau empfinde, 
so bin ich bereit, dich zu begleiten. Gedulde dich nur fünf 
Minuten: dann bin ich zu deiner Verfügung." 
Sie ging hinaus, ohne seiner bunten Schönheit noch 
einen Blick zu gönnen, und Hubert Alinrödcr ging bis zu 
ihrer Wiederkehr in höchst verdrießlicher Stimmung auf 
und nieder. Er konnte die plötzliche Nachgiebigkeit seiner 
Frau durchaus nicht als einen Triumph feiner eheherrlichen 
Ncberlegenheit empfinden, und die geringschätzige Art, in 
der sie den Verdacht der Eifersucht von sich gewiesen hatte, 
reizte seine männliche Eitelkeit. Wenn das nicht am Ende 
doch nur eine Maske gewesen war — und er konnte sich 
nun einmal Helga stricht, als Heuchlerin vorstellen — Io 
o bin ehemaliger Hausdiener als Einbrecher. Von 
der Schöneberger Kriminalpolizei wurde der 22 jährige Haus 
diener Josef Schack festgenommen, der in dein Cast- 
Americain in der Innsbrucker Straße, wo er früher an 
gestellt war. mehrere Einbrüche verübt hatte. Das erste 
Mal waren ihm 1400 M., das zweite Mal 200 M. und 
außerdem eine Künstlergeige im Werte von 2000 M. in 
die Hände gefallen, und bei seinem letzten Einbruch stahl er 
sämtliche Schmuckstücke der Besitzerin des Cafes. In der 
Wohnung des Diebes fand man ein ganzes Lager von ge 
stohlenen Gegenständen, darunter auch die im Cafü Americain 
entwendeten. Als sich der Verhaftete überführt sah, legte er 
ein Geständnis ab. 
o Beim Fußballspiel verunglückt. Der 16jährige 
Willy Schlicht aus Berlin erlitt auf dem Spielplatz an der 
Schildhornstraße durch einen unglücklichen Ballwurf einen 
Bruch des linken Vorderarmes. Auf der Rettungswache 
legte der hinzugerufene Dr. Wegener den Arm einstweilen 
in Schienen und sorgte für die Ucbcrführung des Ver 
unglückten in die elterliche Wohnung. 
o Selbstmord durch Sturz aus dem Fenster. Gestern 
morgen stürzte sich die 40 jährige Magistratssekretärwitwe 
Amanda Bodcck aus einem Fenster der 3. Etage des Hauses 
Zietenstr. 20 zu Schöneberg. Tie Lebensmüde schlug auf 
den gepflasterten Hof auf und zog sich außer einem doppelten 
Schenkelbruch einen Bruch der Wirbelsäule zu. Die Schwer 
verletzte wurde nach dem Elisabethkraukcnhans gebracht, ivo 
sie kurz nach ihrer Einlieferung starb. Das Motiv zu der 
Tat ist in dem Kummer zu suchen, in den die Frau durch 
drei kurz aufeinander folgende Todesfälle unter ihren Kindern 
geriet. Die Tote hinterläßt zwei unmündige Kinder, von 
denen das jüngste 4 Jahre alt ist. 
o Unfall. Bcinr Schienenleger. für die Straßenbahn 
in der Steglitzer Bismarckstraße flog dein in der Fenrig- 
straßc in Schöneberg wohnhaften Arbeiter Karl Springbvrn 
ein abgesprungener Hammerkopf so heftig gegen die Stirn, 
daß er eine starkblutcnde Verletzung davontrug? Auf der 
Rettungswache, wohin man den Verunglückten brachte, ivurde 
die Wunde von Dr. Paradies genäht. Dann mürbe der 
Verunglückte nach seiner Wohnung gebracht. 
v Polizeibericht. Als gefunden sind hier angcincldct 
worden: 1 Portcnionnaics mit Inhalt, 1 Maulkorb, 1 Hals 
kette, 1 Wagcnplan, Die rechtmäßigen Eigentümer vorbe- 
benannter Gegenstände werden aufgefordert, ihre Ansprüche 
binnen drei Monaten im hiesigen Fundbüro, Feurigste. 7, 
Zimmer 6, geltend zu machen, widrigenfalls anderweit über 
die Fundgegenstände verfügt werden wird. 
Vercins-Oacbrichteii 
Morgen Mittwoch tagen: 
Theatcrvercin „Serres" 1873. Sitzungen jeden Mittwoch 
9V ? Uhr im Bercinslokal Paul Spanholz, Steglitz, Körnerstr. 48,:. 
Gäste als Mitglieder und Spieler sind herzlich willkommen. 
Sebörseberg 
—o Die Stadtverordnetenversammlung beschloß in ihrer 
gestrigen Sitzung,- -Ine- im- November d. Js. stattfindenden 
Stadtverordnetenwahlcn in der dritten Abteilung auf einen 
Sonntag zu verlegen. Oberbürgermeister Dominicus teilte 
mit, daß der Magistrat bereits den Sonntag als Wahltag 
für die dritte Abteilung festgelegt habe. Die Versammlung 
beschäftigte sich ferner mit dem Magistratsantrage, drei 
Stadtverordnete Schönebergs zu dem Preußischen Städte 
tage, der am 0. und 7. Oktober d. Js. in Breslan statt 
findet, zu entsenden und die Kosten, die einschließlich der 
für drei Magistratsmitglieder, die dem Städtetage gleich 
falls beiwohnen sollen, 800 Dt. betragen, zu bewilligen. 
Weiter ersuchte der Magistrat, für den Brandenburgischen 
Städtetag, der ain 22. und 23. d. M. in Spandau statt 
findet, zwei Vertreter zu entsenden. Auf Antrag des Stadt 
verordneten Weise (Lib. Fr.) werden für den Preußischen 
Städtetag nur zwei Stadtverordnete delegiert; cs wurden 
hierzu die Stadtverordneten Zobel (lib.) und Eduard 
Bernstein (Soz.) vorgeschlagen. Die Wahl mußte ausgesetzt 
werden, weil die Wahlurne bereits nach dem neuen Rat- 
hause transportiert war, sie mußte erst durch einen Boten 
geholt werden. Nachdem die Urne zur Stelle geschafft war, 
wurde zur Wahl geschritten. Sie ergab, daß als Delegierte 
die Stadtverordneten Zobel (Lib. Fr.) und Bernstein (Soz.) 
nach Breslan gehen sollen. — Als Vertreter Schönebergs 
auf dein Brandenburgischen Städtetag in Spandau wurden 
die Stadtverordneten Peine (Lib. Fr.) und Reiche (Soz.) 
geivählt. — Ein sozialdemokratischer Antrag ersuchte den 
mmaanaaK3i.iiM .-amawi« 
bekundete es ein Selbstgefühl und eine Besitzficherhcil, 
die ihn ärgerten und die seinen Trotz ausstachelten. Viel 
leicht würde sie künftig etwas eifriger als bisher bemüht 
fein, die Glut seiner ehelichen Liebe zu nähren, wenn 
ihre Ueberzeugung, seiner unbedingt gewiß zu sein, ein 
mal ein wenig ins Wanken gebracht wurde. 
Ein Mann, dein seine Frau ins Gesicht hinein erklärt, 
daß sie niemals und unter keinen Umständen eifersüchtig 
sein würde, spielte seiner Ansicht nach ja schon eine beinahe 
lächerliche Rolle. 
Helga kam zurück. Sie hatte es wirklich verschmäht, 
ihr. vornehm einfaches Straßenkleid mit einem anderen 
Kostüm zu vertauschen, uyd ihre Miene war so ruhig, das; 
Hubert sich davon nur noch stärker gereizt fühlte. Schweigend 
hüllte er sich wieder in seinen Mantel und führte sie zu 
dem wartenden Wagen hinunter. Auch während der Fahrt 
war von dem Gegenstand ihres vorigen Gespräches mit 
keiner Silbe mehr die Rede. Helga felb>t hatte ein anderes, 
unverfängliches Thenia angeschlagen, und sie hatte cs fest 
gehalten, bis sie ihr Ziel erreichten. 
Sie waren spät gekommen, und in dem großen Fest 
saal, der schon die phanlastigh prächtige Dekoration einer 
mit echt münchnerischer Geschicklichkeit hervorgezauberten 
Nillandschaft trug, herrschte ein buntes Durcheinander 
lachender, plaudernder und ungezwungen flirtender Men 
schen in den vielfältigsten Kostümen. An den Längswänden 
waren ein paar Stuhlreiyen für die Zuschauer ausgestellt; 
aber nachdem sie von der Tür aus einen Blick in das 
Gewühl geworfen hatte, bat Helga ihren Gatten, sie auf 
die kleine Galerie zu führen, wo sie sich vor etwaigen An 
näherungsversuchen sicherer glaubte als hier unten. 
(övr.sitzuttg ,0tgc.-
        
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