volkstümliches Wetturnen, bestehend auS Dreisprung ohne
Brett, Schleuderball. Weitwerfen und 100 Meter-Lauf,
sowie ein Eilbotenlauf über 1500 Meter stattfanden. Trotz
dec großen Hitze und den vorausgegangenen Anstrengungen
des Bormittags wurde wacker gekämpft. An dem Wettturnen
beteiligten sich 68 Turner. Unsere Jünglings-Abteilung
stellte 11 Wetturner. Nach 2^ stündiger
turnerischer Tätigkeit nahm der 2. BezirkSturnwart. Turnlchrer
Krause, das Wort zur Verkündigung der Sieger,
gleichzeitig die Jünglinge ermahnend, stets fest und treu
zur Turnsache zu halten. Aus dem Wetturnen gingen
folgende 11 Jünglinge als Sieger hervor: 1. Merseburger-Wilmersdorf
50 Punkte, 2. Korn-Schönrberg 49 Punkte,
3. Gerstel-Schöneberg 46 Punkte. 4. Lindig-Schöneberg
45 Punkte, 5. Leistng-Teltow 45 Punkte, 6. Mannke-Friedenau
45 Punkte. 7. MartinS-Friedenau 43 Punkte,
8. Ruhnke Friedenau 42 Punkte. 9. Bombach Friedenau
42 Punkte, 10, Perling-WilmerSdorf 41 Punke. 11. MichaliS-Drewitz
40 Punkte. Mit einem „Gut Heil" auf die erfolgreichen
Turner und dem Gesänge deS Lieber .Lieder
stimmt an" fand die wohlgelungene Beranstaltung ihr
Ende. Die Friedenauer Turner verließen mit Gesang in
Marschkolonne, voran die 4 Sieger, den Turnplatz und
wanderten frohen Mutes nach Friedenau, in dem Bewußtsein,
wieder einmal einen Sonntag in echt turnerischer
Weise genußreich verlebt zu haben und trennten sich mit
der Parole „Auf zu neuem Kampf für das BezirkStutnfeft
in Lichterfelde".
o Jur Viofoutheater in der Rheinstratze 14,
daS sich trotz der hohen Sommertemperatur eine- guten
Besuches erfreut, kommen von heute bis Freitag Abend
folgende Bilder zur Vorführung; „Tirza, die Sängerin",
eia dreiaktigeS Drama aus dem Leben. Eifersucht zwischen
Freundinnen, das Milieu eines Variötö TheaterS, die Vergeltung
und zum Schluß Vergebung zeigt dieser intereflante
Film. „MirkaS Haß" ist ein „fürchterliches" Drama,
daS wegen seines unwahrscheinlichen Inhalts wie ein
tragikomisches Märchen wirkt. Die Studie über die
geometrische Deformation der unter starkem Druck befindlichen
Metalle ist sehr interefiant als Experiment. „Mädchenart"
ist ein hübsches Drama, aus dem heiratslustige
Damen viel lernen können. Wie immer wirken daS
Path6 Journal und das Tonbild sehr abwechslungsreich
und die HauSkapelle illustriert die Bilder in musikalischer
Beziehung recht gut. Lotti'S Ebenbild, Willy als Seefahrer
wirken als komische Gaben erheiternd. ES sei
darauf hingewiesen, daß die Garderobe kostenlos aufbewahrt
wird. ES ist für stete Ventilation Sorge getragen,
so daß die Temperatur im Saale immer erträglich ist.
o WaS alles schamverletzend ist. Unter dieser
Spitzmarke schreibt der .Stegl. Anz.": Eine schwierige
Rechtsfrage ist in der Herrfurthstraße in Steglitz entstanden.
Dort befindet sich ein größeres Gartenland, das
angesehene Mitbürger sehr schmuck in eine Laubenkolonie
verwandelt haben. Natürlich tummeln sich namentlich die
kleinen Kinder der betr. Familien zwischen Obstbäumen,
Spinat, Spargel und sonstigen Gartenerzeugntffen. Zwei
„enfantS terribleS", die alle Pächter in ihr Herz gefchlofien
haben, weil sie urdrollig find, haben nun den oben erwähnten
Rechtsstreit hervorgerufen. Die fünf- bezw. dreijährigen
Kinder spielen da' neulich harmlos, allerdings im
Adamskostüm, woran ein älterer Herr, der die Straße passierte,
Anstoß nahm und — Anzeige erstattete! Man höre und
staune, ein Erwachsener fühlt sich durch zarte Kinder in
seinem Schamgefühl verletzt. Besagter Herr zitierte also
einen Hüter deS Gesetze« herbei, der mit ernster Miene
die notwendigen „Feststellungen" traf. Wie die Sache
weiter verlaufen ist, wissen wir nicht, ob es zu einem hochnotpeinlichen
Verfahren kommt. Dem Anschein nach nicht.
Vielleicht nimmt aber mal einer unserer Juristen das Wort
zu dem strittigen Problem, ob ein Kind auf einen „Großen"
fchamverletzend wirken kann. Zur Beruhigung der Gemüter
wird unS übrigens versichert, daß die kleinen
Schwerenöter seit der aufregenden Affaire bekleidet, mindestens
im Badeanzüge umhertollen. Daran kann natürlich
selbst der findigste Jurist keinen Anstoß nehmen. Es
ist das aber eigentlich schade, denn so kommen unsere
höheren und höchsten Gerichte nicht in die Lage, eine Entscheidung
in dieser nicht nur für die Steglitzer Herrfurthstraße
wichtigen Sache zu fällen.
o Flüchtig geworden nach Entwendung von 600 M.
ist der 27 Jahre alte Maler Anton Cerwencka auS der
Neuen Winterfel )str. 8 zu Schöneberg.
o Verbrüht. Durch siedenden Honig verbrühten sich
gestern Mittag ein Konditorgeselle und der Hausdiener der
Bäckerei und Konditorei Lindenberg, Rheinstraße 61, an
den Armen. Den Verunglückten wurden die schweren und
schmerzhaften Wunden zunächst auf der hiesigen Sanitätswache
behandelt.
o Vom fahrenden Eiseubahnzng abgestürzt.
Auf der Strecke Potsdam—Zehlendorf wurde heute Nacht
der Hilfsschaffner Thörner auS Magdeburg schwer verletzt
auf den Schienen aufgefunden und nach dem KreiSkranken-Hause
in Ltchterfelde gebracht. Thörner ist anscheinend von
einem fahrenden Zug abgestürzt.
o Gin Preßkohlenbrand entstand vorige Nacht in
einem Kohlengeschäft in der Hertelstraße vermutlich durch
Selbstentzündung. Unsere Wehr, die schnell zur Stelle
war, löschte daS Feuer, ehe ,S größere Ausdehnung erlangt
hatte.
—o In daS Handelsregister wurde eingetragen: Bei Nr.
19 984. I. Klein, Berlin: Die Niederlaffung ist jetzt
Berltn-Schöneberg.
Istür diese Rubrik übernehmen «tr ketur W«rant»ortung.l
Dem Einsender (mit 0. unterzeichnet) über den kreischenden
Papagei kann ich nachfühlen, denn bet mir ist dasselbe der stall. Ich
kann Ihnen nur den Ra« geben, machen Sie eine Anzeige an den
hiesigen Gemeindevorstand und lasten Sie diese von mehreren Anwohnern
unterzeichnen. Dann ist der Amtsvorsteher resp. besten Stellvertreter
verpflichtet, Abhülfe zu schaffen. Er erläßt dann eine Verfügung,
daß der Papagei bei einer Strafe von ? M. nicht am offnen Fenster
stehen darf. — Gleichzeitig möchte ich Herrn Architekten und Schöffen
Draeger meinen Dank aussprechen für die Abhilfe des einen „Mist"-standes
auf dem Platze am Feuerwehrgebäude. Trotzdem die Abhilfe
nicht vorschriftsmäßig ist, ist es doch jetzt wenigstens beffer, als wies
vorher war. A.
Rücksichtslose Rachvar». Ich trete vollständig der Ansicht deS
Einsenders deS unter vorstehender Ueberschrift in Ihrem geschätzten
Blatte von vorgestern gebrachten Artikels bei, daß es von absoluter
Rücksichtslosigkeit zeugt, wenn jemand auf einen Balkon einen Papagei
stellt, der den ganzen Tag kreischt und schreit und dadurch den in der
Nähe wohnenden Mitmenschen den Aufenthalt auf ihren Balkönen und
am offenen stenster unmöglich macht. Ich glaubte, daß dieser Hinweis
genügen würde, um die Besitzer von Papageien zu veraulasten, mehr
Rücksicht auf ihre Mitmenschen durch Hereinnähme der Tiere in die
Zimmer zu nehmen. Ich habe mich indessen darin geirrt, denn in der
Kaiserallee und den angrenzenden Straßen zwischen der Barztnerstraße
und dem striedrich-Wilhelmplatz schreien und kreischen verschiedene
Papageien fast ununterbrochen von Morgens bis Abends unentwegt
weiter, fodaß einem daS Wohnen in der bezeichneten Gegend durch
daS andauernde Gekrächz fast verleidet werden kann. ES läge deshalb
schon im Jntereffe der Hausbesitzer dieses Teiles ter^Kaiferallee, bei
der Polizei dahin vorstellig zu werden, daß den Besitzern von
Papageien aufgegeben würde, das Aufstellen der Tiere auf den
Balkönen und am offenen stenster zu verbieten, wenn nicht die Polizei
von selbst Veranlaffung nimmt, diesem groben Unfug Einhalt zu tun.
Ein Anwohner derjsKaiserallee.
AermWMKo
"o In die Serien! Nun kommt die liebe Ferienzeü, — da rüstet
man sich wett und breit — und macht sich schleunigst auf die Sohlen,
— sich einmal gründlich zu erholen. — Der kleine Mann im Werklagsrock
— greift fröhlich nach dem Knotenstock — und zieht, sein
Söhnchen an der Hand, — mit Kind und Kegel übers Land. — An
ganz besonders frohen Tagen — schiebt er vielleicht den Kinderwagen
— und legt mit innerem Frohlocken, — „wenn niemand kommt", sei«
Baby trocken. — Vielleicht auch nicht! Es find hienieden — die
Menschen gar zu sehr verschieden — und daß ers Kindermädchen
mache, — ist schwerlich jedes Vater Sache. — Nicht selten gehts bei
solchem Wandern — von einem Restaurant zum andern, — doch
schöner ist eS ohne Frage, — man hält im Walde ein Gelage — bei
Kaffee, Semmeln, Gänsewein. — Jft's auch frugal, so schmcckS doch
fein! — Ein wenig weiter treibt es den, — der hinterm Laden mußte
stehn — und der am Schreibtisch viele Stunden — tagtäglich saß,
wie festgebunden. — Ganz nach der Zahl der „goldnen Lieben," —
die ihm im Portemonnaie verblieben — plant er sich möglichst klug
und weise — 'ne amüsante Serienreife. — So nimmt er denn daS
Kursbuch vor — legt Mittags sich bequem aufs Ohr — und malt
sich auf dem Kanapee — 'ne Sommerretfe aus „in spss" — »Sag,
mein Weib", spricht er nach Tische: — »willst du in die Sommerfrische?
— Wochenlang im Gras zu liegen — und umsummt von
Käfern, Fliegen, — rings umweht von Wonnedüften, — eine Lerche
in den Lüften, — die inS Blaue steigt empor: — das stell' ich mir
himmlisch vor! — Unter grünen WaldeSbiumen, — wo man stundenlang
kann träumen, — auS der Quelle Nektar schlürfen, — jodeln
— sogar schrei'» zu dürfen, — das, du liebes, holdes Weib, — wäp
mein liebster Zeitvertreib!" — Auf solche Rede folgt gewöhnlich, —
daß die stamilie sich persönlich — vgn diesen Reizen überzeugt —
und sich den Landbewohnern zeigt. — Schrei'n Ochs und Kuh auch
ein Duett, — kräht auch ein Hahn am Fensterbrett, — grunzt auch
ein fettes Schwein im Stall — entzückend tsts auf jeden Fall, — und
urgesund noch obendrein, — daran kann wohl kein Zweifel sein!
Ganz anders wieder treibts der Mann, — der sich schon etwas bieten
kann. — Sein Geldsack ist ja viel zu schwer, — als daß er dadurch
würde leer. — Und wo verbringt er feine Ferien? — Vielleicht nicht
grade in Algerien, — doch allenfalls in Vlisfingen, — Ostende oder
Kisfingen, — Sylt, Karlsbad, Baden, Norderney, — nur, daß es
etwas „teures" sei — und etwa», wo'S dann heißt: „Ach ja! —
Dort war'n wir auch. Wir Habens ja!" — Vielleicht geht'S auch
inS Alpenland, — zu klettern an der Gletscherwand, — denn nobel
ist'S, davon zu sprechen — man hoffte sich kein Bein zu brechen —
und dann zu sagen nach acht Wochen, — man habe bald den Hals
gebrochen! — Vielleicht gehts nach Berlin, Paris — (des Weltmanns
stolzes Paradies): — nach Bergen, Tromjö, Hammerfest, — Neapel,
London, Budapest, — zur schönen Donau, an den Rhein, — zur Isar,
Elbe, an den Main, — zur Spree, zur Mosel Oder, Warra, —
vielleicht gar an die Riviera! — Nun, wo daS Ziel auch liegen möge,
— wir wünschen gute Reisewege, — und . . . und jeder Mutter, der'S
dran liegt — 'nen Schwiegersohn! Hans Stillvergnügt.
"o Französischer Witz. Ein notwendiges Organ: „Sie sagen also,
Herr Doktor, daß der Blinddarm im Grunde ganz überflüssig ist, und
daß man ohne ihn leben kann?" „Hm, die Patienten vielleicht, aber
die Chirurgen sicher nicht."
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