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Periodical volume Nr. 11, 14.01.1912

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 19.1912

nächst merkte man er deutlich, daß am Bormittage die 
Herren Beamten zur Wahlurne beurlaubt waren, denn so 
viele Rätß, Geheimräte und sonstige Staat-würdenträger, 
wie in diesen wenigen Stunden, dürften sich wohl selten 
zur Wahrung ihrer bürgerlichen Pflichten und Rechte an 
einem Orte hinter und nebeneinander einstnden und mit 
welch aristokratischer Ruhe und Würde, welchen Liebens 
würdigkeiten und Höflichkeiten wurde hier der Wahlakt 
von beiden Seiten erledigt. Zwischendurch erschienen 
allerdings auch einige gewöhnliche Sterbliche, welche 
mit weniger vornehmer Begrüßung ihr Wahlrecht aus- 
übten. Sehr komisch wirkte eS, wenn einige der Herren 
durchaus nicht in .den vorschriftsmäßigen, kleinen Raum 
zur unbelauschten Konvertierung ihres Stimmzettels 
hinein wollten und erst vom Wahltisch au§ dahin zurück 
geschickt werden mußten, oder wenn sie in die kleine 
Dunkelkammer noch eintraten trotzdem sie ihren Wahlzettel 
schon vorher in den Briefumschlag gesteckt hatten. Mehrere 
Herren kamen auch trotz der von allen Seilen erfolgten 
genauen Zurechtweisung aus anderen Wahllokalen. Bor 
allem erstaunlich aber war die große Zahl derjenigen Heeren, 
welche ohne jede Legitimation am Wahltische erschienen 
und selbst die jeden Friedenauer Bürger alS Ausweis von 
der Gemeindervrrwaltung zugesandte Postkarte nicht bei 
sich hatten, und hierunter waren sagar eiuige höhere 
Staatsbeamte. Wahrhaft segensreich wirkte hierbei einer 
der Herren vom Wahloorstande, welcher als alter Friede- 
nauer „Ureinwohner" wohl mindestens 50—60 Herren 
als „persönlich bekannt" legitimierte. Als Kuriosum wäre 
wohl auch noch zu erwähnen, daß ein Dienstmädche mit 
einem Hunde vor den Wahltisch trat und verschämt lächelnd 
fragte, ob nicht jemand zu ihrem erkrankten Herrn kommen 
könne, um den Stimmzettel abzuholen. Im allgemeinen war 
bis zum Schluffe des Wahlaktes alles ruhig und gesetzmäßig 
verlaufen und unter den mehr alS 600 abgegebenen 
Stimmen befanden sich nur 5 ungültige, darunter 3 leere 
Kouvertk. Ein Wähler erklärte ganz harmlos, nachdem 
er sich genügend legitimiert und sein Kouvert vom Wahl 
vorsteher in die Urne gesteckt war: „Ach so, jetzt habe ich 
kernen Wahlzettel drin, na — schadet och nicht — adiö." 
o Ordensverleihung. Dem in Friedenau wohn 
haften Rentmeister a. D. Herrn RechnungSrat Theodor 
Petzold ist der Kronenorden 4. Klaffe verliehen worden. 
o Der städtische Arbeitsnachweis Lchöneberg, 
Grunewald-str. 19 fordert die Damen zur Mitarbeit an seiner 
Dienstbotenvermittlung auf. Gerade diese Abteilung der 
gemeinnützigen Arbeitsnachweise krankt daran, daß die Zihl 
deS verlangten Dienstpersonals größer ist, als das An 
gebot von Stellensuchenden. N.'ben der allgemeinen Dienst» 
botennot ist wohl der Grund darin zu suchen, daß den 
Mädchen die Vermittlungsstelle nicht genügend bekannt ist. 
Der Arbeitsnachweis sucht durch R-klonte, wie Anzeigen, 
geeignete Notizen in den Tageszeitungen, Borträge usw. 
dem Uebel abzuhelfen. Die besten Agitatoren für die 
Stellenvermittlung sind aber die Hausfrauen. Würde jede 
Hausfrau ihr Mädchen nach Auflösung des DienstkontrakreS 
auf den städtischen Arbeitsnachweis aufmerksam machen, 
dann würde die Zahl der Meldungen von Dienstmädchen 
sich bald erhöhen. Die Hausfrauen würden diese Arbeit 
im eigenen Interesse vornehmen, denn je mehr sich die 
städtische Dienstbotenvermittlung entwickelt, um so bester 
und schneller können die Hausfrauen bedient werden. Be 
stehende Borurteile, daß Damen nicht dasselbe Büro auf 
suchen wollen wie ihre Mädchen, sollten im Interests der 
gemeinnützigen Sache überwunden werden. Der städtische 
Arbeitsnachweis Schöneberg mit seinen getrennten Räumrn- 
für Arbeitgeber und Arbeitnehmer schließt ein Zusammen 
treffen auch vollständig aus. 
o ZwangSversteigernngsergebniffe. Altmai k-, 
Ecke Sachsenwaldstraße, dem Kaufmann Paul Müller in 
Schöneberg, Rosenheimer Straße 16. gehörig. Fläche 
18,22 A. NutzungSwert nicht vermerkt. Mit dem Gebot 
von von 227 000 M. bar blieb der Rentier August Klöhn 
in Schöneberg, Hauptstr. 36, Meistbietender. — Schönhauser 
Straße 12, Ecke FriedrichSruher Str., dem Mauerpolier 
Richard Schüler gehörig. Fläche 12,21 Ar. Nutzungswert 
nicht vermerkt. Mit dem Gebzit von 226 000 M. bar 
blieb der Kaufmann Wilhelm KosenS in Steglitz, Albrecht- 
straße 109, Meistbietender. — Sachsenwalbstr. 29, dem 
„Was die Sache mich angeht?" unterbrach er mit einem 
Grinsen, das offenbar freundschaftlich gemeint war. „Ganz 
recht, verehrter Herr, woher sollten Sie das auch wissen? 
Aber vielleicht verstehen Sie mich besser, wenn ich Ihnen sage, 
daß ich Lcmuel Nathan, Harp-Alley 315, bin. Ich habe diese 
kleine Notiz geschrieben. Darf ich Sie fragen, ob sie besonderes 
Interesse für Sie hat?" 
Die Tatsache, daß er der Chef der Firma Nathan & Co. 
war, bildete allerdings eine genügende Entschuldigung dafür, 
daß er mich angesprochen, denn meine Kleidung mochte ihm 
verraten haben, daß ich Schiffsofsizier tvar, und er halte mich 
jedenfalls für einen eventuellen Bewerber gehalten. Außer 
dem hatte ich in der geschriebenen No.iz auch gefunden, was 
ich in den Zeitungen vergebens gesucht — eine Gelegenheit, 
eine gute Stellung zu bekommen — und deshalb beeilte ich 
mich, mich ivegen meines schroffen, kurzangcbundcnen Be 
nehmens zu entschuldigen. 
„Tann haben Sie natürlich volles Recht zu fragen," sagte 
ich. „Ich war mir über die Sache noch nicht klar, als Sie 
mich ansprachen, aber ich glaube, ich hatte die Absicht, Sie 
aufzusuchen, um mit Ihnen wegen der Stellung zu reden." 
„Das sollen Sie auch, mein lieber junger Freund, Sie 
sollen gleich in mein kleines Bureau kommen," versetzte er; 
„es ist ganz in der Nähe, und wir können in meinem Privat 
zimmer ruhiger sprechen, als in einem Restaurant. Kommen 
Sie, wollen wir das Eisen nicht schmieden, solange es 
warm ist? 
Er hatte den Umschwung in meinem Tone sofort benutzt, 
um seine Hand unter meinen Nockärmel zu schieben, und hielt 
so fest, als wären Kapitäne für Vergnügungsdampser außer 
ordentlich selten, und als fürchtete er, einen ivertvollcn Fang 
zu verlieren. Sein Benehmen und der freundliche Allsdruck, 
den er seinem verschmitzten alten Gesicht zu geben versuchte, 
wareil so komisch, daß ich mich des Lachens nicht erwehren 
koilnte, während ich sagte: 
„Gewiß werde ich kommen, sogar sofort, wenn Sie es 
wünschen. Ich habe es mit der Stellung wahrscheinlich noch 
ein bißchen eiliger als Sie, Mr. Nathan!" 
Kaufmann Paul Müller gehörig. Dar ZwangSver- 
steigerungSoerfahren wurde einstweilen eingestellt. 
\ o Aufgehoben wurde da« Zwangsversteigerung-- 
verfahren, Schwalbacherstraße 6 in Gemarkung Friedenau, 
dem Kaufmann Emil Aschö in Friedenau gehörig. 
o Ei« Turnen der Geübtere« des 2. Bezirk« 
de» Havellälidtschen Gaues findet am Sonntag, dem 
21. Januar, 3 Uhr Nachmittags in der Turnhalle der 
hiesigen Gymnasiums am Maybachplatz statt ES turnen 
von 3—8.20 Teltow Freiübungen, von 3 20—3 40 Groß- 
Lichterfelde Barren, von 3 40 — 4 Steglitz Tgs. Reck, von 
4—4 20 Schöneberg Mtv. Pferd, von 4 20—4 40 Friede- 
nau Ringe, von 4 40—5 Uhr Wilmersdorf Mtv. Ringen, 
von 6—5 30 Kürturnen am Reck, Barren, Ringe. Nach 
dem Tarnen ist im Restaurant Hohrnzollern geselliges 
Beisammensein. Beginn 6 Uhr. U a. Lichtbilderoortrag: 
Turnen und -Sportoorführung n auf der Hygiene-LuS- 
stellnng in Dresden. ES wird um zahlreiches Ei scheinen mich 
der nicht am Turnen Beteiligte» gebeten. Gäste willkommen. 
o DepHändlervereinderNahrnugSmiltelbrauche 
Friedenau veranstaltet seine General Versammlung am 
Mittwoch, dem 17. Januar, Abends 9 Uhr, im VereinS- 
lokalKaiser WilhelmgartenmitfolgenderTageSordnung: Mit 
teilungen deS Vorstandes. Verlesung deS Protokolls. Ausnahme 
neuer Mitglieder. Kassenbericht. Bericht der Kaffenprüfer. 
Jahresbericht. Neuwahl des Gesamt Vorstandes. Wahl eine« 
Delegierten zum Bund der Handel- und Gewerbetreibenden. 
Antrag des Vorstandes, dem Lagerhalter zum Ausgleich von 
Zahlungen 100 M- aus der BereinSkaffe zur Verfügung 
zu stellen. Anregungen und Wünsche aus dem Mitglieder- 
kreise. Pünktliches und vollzähliges Erscheinen ist im 
Hinblick auf die umfangreiche und wichtige Tagesordnung 
für jeden Händler geboten. 
o Saison-Ausverkauf TeidenhausMichelSLCie. 
Räumung der Herbst- und Winterbestände zu billigen 
Preisen, um Platz zu schaffen für die E zeugniffe der neuen 
Saison — das ist das Züchen der kommenden Woche in 
dem bekannten roten Eckhause Leipzigerstraße Ecke Marg- 
grakenftraßs. Wenn irgendwo, ist gerade in einem führenden 
Sp°zialhause, welcher Seidengewebe eben nicht nur handelt, 
sondern sogar in großem Maßstabe selbst fabriziert, dieser 
Grundsatz doppelt berechtigt. Gewaltige Mengen dieses 
entzückenden Gewebes passieren in jeder Saison die Läger 
eines großen Spezialhauses und darum sind auch gerade 
hier am Schluffe der Saison die verbliebenen Restbestände 
gonz naturgemäß ungleich größer als in einem Kaufhause 
gemischter Branchen, das Seide nur nebenbei führt. Aus 
dieser besonderen Leistungsfähigkeit als Fabrikanten und 
andereiseitS aus der Fülle der vorhandenen Bestände, die 
in wenigen Tagen geräumt sein sollen, erklärt sich denn 
auch, daß die PreiSreduklion der dargebotenen Artikel 
trotz bester Qualitäten eine enorme fein kann. Unver- 
gleichliche Vorteile werden der Damenwelt durch diese 
Veranstaltung geboten. Herrliche Seidenstoffe für Blusen 
und Kleiber, reiche Auswahlen in kleidsamsten Faffons 
seidener Blusen und JuponS, halbfertige Roben, Matineö?, 
Morgen:öcke, Samte, Spitzen und Tüllen, sowie reizende 
Libenydecken und Kiffen für Salon-, Herren- und Mohn- 
zimwer, Flügeldecken und vieles ondere kommt zu beispiel 
los billigen Preisen, zum Teil auf einhalb und eindrille! drS 
regulären Wertes ermäßigt, zum Verkauf. Jeder Dame ist 
der Besuch dieser nach jeder Richtung hin großzügigen 
und intereffanten BelkaufSausstellung angelegentlichst zu 
empfehlen. 
o Wieder ergriffen. Wie wir in der Nr. 9 vom 
Donnerstag berichteten, war ein gewiffer Otto Rückerl aus 
Steglitz, der wegen verschiedener Vergehen verhaftet war, 
bei der Vernehmung vor dem Untersuchungsrichter in einem 
unbeobachten Augenblick mit dem Hute des Untersuchungs 
richters entschlüpft. Gestern ist eS nun einem Polizei 
beamten gelungen, den Flüchtling in Steglitz wieder zu 
i verhaften. 
o Ein Zusammenstoß zwischen einem Straßen 
bahnwagen der Linie 87 und einem Rollwagen ereignete 
sich heute Vormittag gegen 11 Uhr an der Kaisereiche, 
Ecke Moselstraße. Auf dem Rollwagen befanden sich Glas 
sachen, von denen ein großer Teil bet dem Zusammenstoß 
in Trümmer ging. Der Wagen selbst sowie der Straßen 
bahnwagen wurden nicht beschädigt. 
Er hielt leine Hand immer noch aus meinem Arm und 
führte mich durch die Strichen. Er sprach fortwährend, und 
ich konnte mich des Gedankens an die Werber, die zu Anfang 
dieses Jahrhunderts ihr Unwesen trieben, nicht erwehren, als 
ich sah, wie vergnügt der Mann darüber war, daß er mich 
gesunden hatte. Das erschien mir angesichts der Tatsache, 
daß cs in der Handelsmarine von stellenlosen und Stellung 
suchenden Tampserkachtärren wimmelte, so merkwürdig, daß 
ich, während wir weitergingen, das Gespräch darauf brachte. 
Ach ja, mein Sohn, es gibt eine' Menge Kapitäne," 
grinste er, „aber nicht die richtige Sorte für die „Königin der 
Nacht." Ich kann in den Gesichtern lesen, und Sie sind der 
einzige Mann, den ich seit vierzehn Tagen gesehen habe, 
der für den Posten paßt. Wir brauchen jemand, der Schneid 
und Schmiß hat und das Schiss für die Paffagiere zu einem 
kleinen Paradies gestalten kann." 
„Sie hätten doch aber eine weit größere Auswahl ge 
habt, wenn Sie annonciert hätten, anstatt eine solche Notiz 
an die Wand zuhängen, wo sie nur wenige sehen," meinte ich. 
„Da haben Sie ganz recht, mein Freund," Ansetzte er, 
„aber wir haben dafür unsere Gründe. Tie „Königin der 
Nacht" ist in letzter Zeit sehr populär geworden, und der 
letzte Kapitän war ein Liebling des Publikums. Wir hätten 
vielleicht Reklamationen bekommen, bättc man erfahren, daß 
in der Leitung eine Aenderung eingetreten wäre." 
Wir waren jetzt von der Fcnchurch-Strcct in einen Durch 
gang mit düsteren alten Häusern auf jeder Seite eingebogen, 
— einst die Wohnungen reicher Bürger, jetzt aber vom Keller 
bis znm Giebel zu Kontoren und Bureaus umgewandelt. 
Etiva in der Hälfte des Durchgangs blieb mein Führer vor^ 
einer Tür stehen, an der unter vielen andern eine Messing, 
platte befestigt war, mit der Aufschrift: 
Ozeandampfer „Königin der Nachts 
| Nathan und Co. Eigentümer. 
- Zweites Bureau Pat Mall 24. 
„Hier werden nur die Abschlüsse mit der Mannschaft ge 
macht, die Ausnahme der Passagiere findet in der Westend-Filiale 
statt." erklärte Dir. Nathan, als wir in den dunklen, dumpfig 
o Durch die Glätte auf de« Bürgersteig 
stürzte in der Pcinzregentenstraße, Eck« Durlacherflraße, 
der Tischler Gustav Bresche! au» Lichtenberg zu Boden 
und zog sich eine Quetschwunde am Unken Auge zu. Auf 
der Rettungswache wurde dem Verunglückten die Wunde 
verbunden. 
Fortsetzung de« Lokale« i« der Beilage 
Mereins-Aüchrichlw 
Friedenauer Männer-Gesangvrrein 1875 Heute (Sonnabend) 
Abend findet tm Hohenzollern die ordentliche Generalversammlung mit 
folgender wichtiger Tagesordnung statt: Bericht des Vorstandes. Ent 
gegennahme der Jahrekrechnung Reservekaffe, Straskaffe, ETeilung 
der Decharge. Neuwahl bei Vorstandes. Neuwahl bei Kassen 
revisors und des Vergnügung« Komitees, Antrag Schumann u. Gen. 
betr. Statulemi'nLndermrg,' Erhöhung der Beiträge für aktive und 
passives Mitglieder A trag EdcrS u. Gen betr. Statutenänderung, 
Aenderung der M.nalssitzunge,. in Viertkljahrssitzunqen, Verschiedenes. 
Es ist die Anwesenheit von' mir.d strnS *> d r Mitglieder zur Be 
schlußfassung erso derlich. 
Auskunfts« und Fürsorgestelle (Kaiserallee 66). 
für Tvderkulös«: Aerztl che Sprechstunden für Minner jeden Dienstag 
von IS—1, iür Frauen und Kinder jeden Mittwoch von 32—1 llhr 
für Alkoholkranke: Acrzrl. Sprechstunde jeden Freitag von 12—1 Uhr. 
Schöneecrg° 
—o Sitzung der Stadwerordneten am Montag, dem 15. Januar, 
Nachmittags 7 Uhr. Tagesordnung: I. Beschiutzfaffung über die 
Vorlage des Magistrats betr. Bewilligung eine? Betrages ron 1000 M. 
zur Errichtung eines Denkmal- für Robert Koch. 2. Desgl. betr. Nach 
bewilligung von insgesamt 87 300 M. rum Armenetat für I9tl. 
Desgl betr. Festsetzung deS FluchUinienplans für die neue Straße zur 
Erschließung des Baublocks zwischen Rudolph Wilde-Platz und Inns 
brucker Straße einerseits und Freiherr-vom-Stein Straße und verlegte 
Mühlenstraße andererseits. 4. Desgl. betr. Bewilligung der Kosten 
für die Gelinderegulierung auf dem Grundstück der neuen Stadt- 
gärtnerei im Südgelände in Höhe von 13 800 M. zum Etat der 
außerordentlichen Einnahmen und Ausgaben für 1911 Abschnitt A. 
5. Desgl. betr. Bildung einer gemisrten Deputation von 15 Mit- 
gliedern zur Erörterung der Frage der Ausschreibung des ReubauS der 
Rückcrtschule. 6 Bericht deS WahIausschuffeS über die Wahl der 
ständigen Ausfchüffe der Stadtverordnetenversammlung: I. Ausschuß 
für Anstellung und Wahlen von Gemeindebeamten (11 Mitglieder), 
2. Ausschuß für Petitionen (11 Mitglieder), 8. Rechnunzsausjchuß 
(13 Mitglieder) 4 Wahlprüsungsausschuß (II Mitglieder), 5 Aus 
schuß für Prüsungs und Bcförderungsangelkgenheiteu der Beamten 
(9 Mitglieder), 6. Etat'auSschuß (13 Mitglieder). 7. Beschlußfaflung 
über die Vorlage deS Magistrats betr. Abänderung des OrtSstatutS über 
die Sonntagsruhe im Handelsgewerbe. 8 Antrag der Stadt». 8. 
Meyer und Genossen betr. Verbreiterung der Treppen und der Perrons 
auf dem Hoybahnhof Noüendsrfplatz. 
—o Die Liberale F:aktton hat an die Stadtverordneten 
versammlung folgenden Antrag zur Beschiußfaffung gestellt: 
Wir bitten den Magistrat zu ersuchen, die Hochbahn- 
Gesellschaft zu einer beschleunigten Verbreiterung der 
Treppen und besonders der Perrons auf dem Bahnhof 
NoUendorf Platz zu verairloflen, da bet einer weiteren 
Verstärkung deS Verkehrs und bei der grringen Breite der 
P-rronS große Gefahren für da? Publikum bestehen. 
— o Gegen den Mapistratssek etär Stürmer, der von 
einer Beamtengruppe eriS ReichStagSkandidat aufgestellt 
war. hat der Magistrat ein Disziplinarverfahren eingeleitet. 
Er hatte mehrmals in Versammlungen qbfällize Be 
merkungen über die liberale Fraktion und Vorgänge im 
Magistrat gemacht, worüber er nur in seiner Eigenschaft 
alS Mogistratkbeamter informiert sein konnte. 
HefÄüstftcheL 
3u den orrsten E eiguiffe der Winter-Saiso«. denen 
das Publikum stets mit «p.mnvng entgegen sieht, g-hören in Berlin 
seit Jahren die Jnvent u Ausverkäufe der bedeutenden Schuh-Spez'al- 
geschälte. Besonders sind cs die Inventur Ausverkäufe der bekannten 
Schuhwaren.Firma Curl Stiller junior, die sich sofort die Guust de» 
Publikums erworben Huben und darum stets einen Massenandrang 
von Käufern tzervorruien. Drs ist natürlich kein Zufall, sondern be- 
ruht auf der au-gezeickmcten gestäiUich-n Organtration deS Hauses. 
Di-se bewirkt, daß tie Inventur-Ausverkäufe der Firma ausschließlich 
die Reste der jeweiligen Saison Bestände, also absolut die letzten Neu 
heiten, nicht etwa Ladenhüter, umfassen. DaS wiegt doppelt durch die 
weitest herabgffetzten Preise und wird in- seiner Wirkung noch durch 
die Tatsache verstärkt, daß die Firma für jedeS einzelne Paar Schuhe 
28 Jahre litt ich an NaLrh B,,och Kamt im sprecv 
beil-lnstihil „Phöbnt", Berti» , 8ü!ow- 
etraSe 58, spreche leb jetzt natürlich 
wie Jeder andere Mensch. Ich fühle 
mich wie neugeboren. 
J. K-, Elektr.-Ment 
Jeder, der stotterfrei sin-rt, 
lat heilbar. 
Nene Knrse beginnen täglich. 
Sprechstunden 3—8 Uhr. 
riechenden Cur^aug uaicu, und er wich eine wurmstichige 
Cichentrcppe zum ersten Stock hinaufführte. Er holte einen 
Schlüssel hervor, schloß eine Tür auf und ersuchte mich, ihm 
zu folgen. Das Zimmer, in welchem ich mich befand, hatte 
nur 15 Fritz tm Geviert und war mit memem mit Tinte be 
spritzten Tische und drei bis vier Stühlen möbliert. Der 
Raum ntachte den Eindruck eines Vorzimmers, denn es be 
fand sich am andern Ende eine zweite Tür, die, wie ich ver 
mutete, in einen Jnncnraum derselben Flucht führte. Die 
naffen Wände waren schmutzig und vollständig kahl, bis auf 
ein paar zerfetzte Plakate und Karten, die daran hingen. 
Mein neuer Bekannter setzte mir einen Stuhl hin, nahm 
selbst an dem Tische Platz, ergriff ein Blatt Papier und 
notierte sich daraus die Antworten, die ich ihm auf seine 
Fragen gab. Er notierte sich meinen Namen, die Daten 
meiner Zeugnisse, meine vorangegangenen Stellungen, alles 
wurde von mir treulich berichtet und dann fragte er mich, 
warum ich den Dienst der „Flower-Linie" verlassen hätte. 
„Weil ich eine Vorschrift verletzt, ich habe die Schiffsbrücke 
verlaffen, ehe ich abgelöst wurde," versetzte ich, ohne mich weiter 
auf Einzelheiten einzulassen, um so mehr, da er nicht weiter 
danach fragte. Außerdem war cs mir unangenehm, in eine 
so peinliche Angelegenheit wie meine Entlassung. Alincns 
Namen mitzuverquicken. Ich hatte damals noch keine Ahnung, 
wieviel von seiner Kenntnis der Unkenntnis der RcttungS- 
episode abhing. 
Meine Antwort schien ihn zu befriedigen, auf jeden Fall 
zeigte er nicht die geringste Neugier nach den Details. 
„Sie haben aljo eine Vorschrift verletzt," krächzte er; „na, 
das hat ja nicht viel zu sagen. Können Sie mir einen 
Brief von der Gesellschaft beibringen, daß Sie bis auf diesen 
Fall ein tüchtiger Offizier gewesen sind und stets Ihre Pflicht 
getan haben?" 
Ich erwiderte ihm, das könnte ich zweifellos. Tatsächlich 
hatten die Direktoren mir gesagt, sie würden alles tun, waS 
in ihrer Macht stände, und mir in jeder Weise bei einer 
Bewerbung um eine neue Stelle behilflich sein; auf ein gutes 
Zeugnis könnte ich rechnen. (Fortsetzung folgt.)
        
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