Path:
Periodical volume Nr. 9, 11.01.1912

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 19.1912

o Titelverleihung. Dem Oberlehrer Jung vom 
städtischen Helmholtz-Realgymnasium im Friedenauer OrtS- 
teil ist der Profeflorentitel verliehen worden. 
ö Der BürgerkonrneerS zur Feier von Kaiser» 
Geburt-tag findet diesmal am 26. Januar. Abends 
I Uhr im großen Saale deS „Hohenzollern^ statt. Die 
Festleitung liegt wiederum in den Händen deS Bürger« 
veretnS-Porsttzenden Herrn Dr. med. Heinecker. Die Fest 
rede hält Herr Dr. Anders, Oberlehrer an unserem 
Gymnasium. 
o Erhöhung des EiukomuieusteuerznschlagS? 
Wie die B. Z. a. M. erfährt, schweben zwischen den 
Kämmerern der Groß-Berltner Gemeinden vertauliche Ver 
handlungen über eine einheitliche Erhöhung de» Einkommen 
steuer-Zuschlages. Die Anregung hierzu wurde bei der 
ersten Tagung de» ZweckoerbandeS im Berliner Rathaus« 
gegeben. Verbindliche Beschlüsse konnten von den „Finanz, 
mintstern" der Groß-Berliner Gemeinden natürlich nicht 
gefaßt werden. ES ist aber damit zu rechnen, daß eine 
Erhöhung de» Steuersätze» auf 105 Proz. oder 110 Proz. 
empfohlen werden wird. 
ö Bekanntgabe des Ergebnisses der Reich«» 
tagswahl. Wir werden morgen Abend nach Schluß der 
Wahl das Ergebnis der ReichStagSwahl in Friedenau und 
soweit möglich, auch das Ergebnis aus dem Kreise durch 
Extrablatt unseren Mitbürgern bekanntgeben. — Die 
Liberalen haben eine Zentral-Wahlstclle in; Hohenzollern 
eingerichtet, wo unseren bürgerlichen Wählern das Ergebnis 
der Wahl in unserem Wahlkreise von Zeit zu Zeit mit 
geteilt wird. 
o Der Temperatursturz in diesen Tagrn ist ein 
ganz gewaltiger. Heute früh betrug die Temperatur in 
Groß-Berlin 11 Grad Celsius unter Null. DaS Pots 
damer Observatorium verzeichnete — 14 Grad Cessius. 
o Elektrisierung der Waunseebah«. Als erste 
Strecke wird, wie verlautet, die Wannseebahn elektrisiert 
werden. Die anderen Strecken der Stadt-, 'Ring- und 
Vorortbahnen werden dann nach und nach zum elektrischen 
Betrieb übergeleitet. Bis znm Schluß deS Jahres 1917 
soll die Elektrisierung der Stadtbahn beendig: sein. Mit 
der Elektrisierung der Wannseebahn wird bekanntlich auch 
die Umänderung bezw. Neuanlegung der Wannseebahn- 
Höfe Friedenau, EberSstraße und Saar- bezw. Feldstraße 
erfolgen. 
o Die Bahnhofshalle der Hochbahustatio» 
Nolleudorfplatz wird gegenwärtig nach der Potsdamer- 
straße zu verlängert. ES ist dies notwendig, weil die 
Zahl der SechSwagenzüge neuerdings bedeutend vermehrt 
worden ist. An die alte Halle werden zu diesem Behufe 
vier neue Rundbogen in Eisenkonstruktion angefügt, sodaß 
der bedeckte Bahnsteig um 20 Meter länger wird. Zu 
gleich ist dar Richtungsschild (nach Spittelmarkt bezw. 
Darschauerbrücke) nahe an den Zugang verlegt worden, 
sodaß man eS schon von der Treppe aus sehen kann. 
Diese Neuerung ist vom Publikum mit Freude begrüßt 
worden, weil man sich bei Einfahrt eine» Zuges ruhig 
Zeit lassen kann, wenn man zeitig genug sieht, daß dieser 
Zug nicht nach dem gewünschten Ziel führt. Endlich wird 
auch die Zahl der zu erwartenden Wagen durch ein be 
sondere» Schild vorher angezeigt, sodaß das Publikum 
in der Lage ist, sich der Zuglänge entsprechend auf dem 
Bahnsteige zu verteilen. Diese Einrichtung erweist sich 
namentlich bei den SechSwagenzügen als eine sehr zweck 
mäßige Neuerung. 
o Die „Rauhe» Berge" als Park. Die im 
Osten Friedenaus an der Grenze von Schöneberg, Süd- 
Steglitz und Südende brlegenen „Rauhen Berge" sollen 
bekanntlich in einen Park umgewandelt werden. Früher 
lagen die „Rauhen Berge" in ländlicher Abgeschiedenheit 
einsam da. Gtnstersträucher, deren gelbe Blüten um die 
Pstngstzett weithin leuchteten, bedeckten die Anhöhen, von 
denen man noch heute eine prachtvolle Aussicht auf Berlin 
und die im Süden und Südwesten Berlins gelegenen Vor- 
orte hat. In den Ginstersträuchern nisteten Hunderte von 
Lerchen. Er wird die Aufgabe der Parkoerwallung fein, 
dle Natur dieser Btnnenlanddünen soviel als möglich zu 
schonen, um nicht nur eine Parkanlage, sondern auch eincS 
der seltener werdenden Naturdenkmäler in der Umgegend 
Berlin» zu erhalten. 
o Da« Zeutral-Wahlbüro der Bereinigte» 
liberale» Parteien in Friedenau befindet sich morgen 
am Wahltage im Restaurant Hohenzollern, Handjetystr. 64. 
Fernsp. Pflzb. 2135, unter Leitung deS Herrn Kaufmanns 
EverS. Liberale Bürger, die gewillt sind. Wahlhilfe zu 
leisten, werden gebeten, sich dorthin zu wenden. 
o Die Humboldtakademie, Volkshochschule, Lehrstätte 
Friedenau, hat der heutigen Nr. unsere» Blatte» ein 
LorlesungS-VerzeichniS für da» 1. Vierteljahr 1912 bei 
gelegt. Die Vorlesungen finden in der Aula der Königin- 
Luise-Schule (Goßlerstr. 14) und im Festsaal de» Reform- 
Realgymnasium» (Homuthstraße) statt. 
o Die sOrtsgrappe Steglitz • Friede»«« de« 
Aeutralverbandas pensionierter deutscher Be» 
amten »ud Lehrer hat tn ihrer am 5. d. Mt«, von 64 
Mitgliedern besuchten MonatSversammlung auf Anregung 
deS Geh. RegierungSratS Dr. PeterSdorff, unterstützt durch 
Befürwortung de» OberlandeSgerichtSrat» Petrich, des 
1. Vorsitzenden Bürgermeister und Kgl. Polizeihaupt, 
mann a. D. o. Carnap u. a. Herren, beschlossen, in der 
Gruppe und in Regie deS Vorstandes einen Stellenoer- 
mittelungSnachwetS für die Mitglieder und für die er 
wachsenen unversorgten Töchter derselben kostenlos einzu- 
richten. E» wird neben dem Bestreben befähigten 
Pensionären zur Erlangung einer Nebenetnnahme zu ihrer 
unzureichenden Pension und deren Töchtern zu einem Er 
werbe zu verhelfen, ganz besonders auch Wert darauf ge- 
legt werden, den Behörden und Prinzipalen möglichst ge- 
eigneteS und zuvirlässtgeS Personal zu empfehlen. An 
Stelle deS Telegraphen-Sekretär» a. D. Kurth, der von 
dem Amte de» 2. Vorsitzenden zurückgetreten ist, ist der 
Prof. Dr. Läthgen gewählt. Aus verschiedenen Zeitungen, 
insbesondere auS dem Organe de» PensionärverbandeS, 
gelangten geeignete Artikel zur näheren Erörterung. Dem 
jenigen Teile der hiesigen und auswärtigen deutschen 
Presse, die zeitweise ihre Spalten dem Interesse der 
Pensionärsache wohlwollend öffnen, ist wärmster Dank 
ausgesprochen mit dem Wunsche, daß die Presse weiter.für 
die gerechte Sache der pensionierten Reich»-. Staat»- und 
Gemeinde-Beamten wie der Lehrer, sowie der Witwen und 
Waisen dieser Beamten sich erwärmen und eintreten möge. 
Am Freitag, dem 19. d. Mt», findet eine außerordentliche 
Versammlung der Gruppe im Restaurant „Kaiseretche" zu 
Friedenau statt, welche Nachmittags 5 Uhr pünktlich er 
öffnet werden wird. Zu den bereits vorhandenen 240 
Mitgliedern gesellten sich aufs Neue 3 Herren. K- 
o Da« Konzert zum Besten der Verein» zur Be 
kämpfung der Tuberkulose findet, wie schon gemeldet, am 
Sonnabend, dem 3. Februar, Abend» 8*/, Uhr, im Fest 
saale des Reformrealgymnasium« statt. Wie wir erfahren, 
hat auch der berühmte CellovirtnoS Willy Deckert seine 
Mitwirkung zugesagt. Eintrittskarten sind schon von heute 
ab bei den Mitgliedern erhältlich. In den nächsten Tagen 
werden die Eintrittskarten auch in hiesigen Geschäften zum 
Verkäuf ausgelegt. Die Adressen der Vorstandsmitglieder 
lauten: Dr. W. Lohmann, Rheinstr. 9. Kgl. KommifsionS- 
rat Sachs, Wilhelmstr. 5. Dr. med. Heinecker, Kaiser- 
Allee 138, Gemeindesekrelär Dahms, Feurigstr. 7, Frau 
Jos. Wetzell, Kaiserallee 131, Bankoorsteher Kaatzer, 
Rheinstr. 17, Justtzrat Skopnik, Hähnelstr. 20. Geheimrat 
Bache, Handjerystr. 88, Geheimrat Wossidlo, Ringsir. 47. 
o I» de« „Rheinschlotz-Lichtfpieleu", dem 
größten und vornehmsten Kinomatographen-Theater der 
südwestlichen Vororte, gelangen allabendlich wunderbare 
Films, spannende Dramen, hochinteressante Naturauf 
nahmen und lustige Schlager, zur Vorführung. Durch 
den letzten Brand im Vorführerraume de» „Rheinschloß* 
sind manche Einwohner ängstlich geworden. Doch ist diese 
Furcht vollkommen unbegründet, da die Sicherheitkvor- 
kehrungen sich bei dem Brande vollkommen bewährt haben, 
sodaß Niemand zu Schaden kam. Der Vorführerraum 
ist zudem vollständig isoliert, sodaß das Feuer sich nicht 
weiter verbreiten kann. Um aber auch im Vorführerraum 
selbst dos Feuer so schnell wie möglich zu ersticken, ist jetzt 
eine automatische Löscheinrichtung angebracht, die bet 
einem Brande iosort in Tätigkeit tritt und den Vorführer 
raum in wenigen Sekunden unter Wasser setzt. Unsere 
Mitbürger können somit beruhigt die Rheinschloß-Licht 
spiele aussuchen. In dem großen, luftigen Saal sind sie auch 
weniger Gefahren ausgesetzt als in manchen anderen Kino- 
matographentheatern, die nur niedrige, schmale und enge 
Räume aufweisen. 
o AuS de« Untersuchungszimruer entschlüpft. 
Der von verschiedenen Gerichten steckbrieflich verfolgte Otto 
Rückert auS Sieglitz wurde vor einigen Tagen bei einem 
Fahnaddiebstahl in der Echloßstraße verhaftet und nach 
Moabit gebracht. Während der Vernehmung vor dem 
Untersuchungsrichter ist es dem verwegenen Burschen ge 
lungen. zu entfliehen. Der betr. Richter entfernte sich 
während deS Verhörs auf einige Augenblicke auS dem Ver- 
handlungszimmer, und diese günstige Gelegenheit benutzte 
R., um sich den Hut deS Untersuchungsrichter» aufzusetzen 
und unbehindert daS Gebäude zu verlassen. Bei der 
Flucht half der Umstand mit. daß im krischen Augenblick 
auch der Nuntius, welcher daS betr. Zimmer zu observieren 
hatte, vorübergehend abwesend war. ES fehlt bis jetzt 
jede Spur de« frechen Ausreißers. 
o Ein aufregende»; Vorfall trug sich hier gestern 
Vormittag mrf dem hiesigen Wochenmarkt an der Lauterstraße 
zu. Eine Handelsfrau Schütte wurde dort plötzlich be- 
wußtloS und mußte mit dem Krankenwagen nach ihrer Woh 
nung in Moabit gebracht werden. Der Frau war am 
Tage vorher auf dem Steglitzer Wochenmarkt die Wand 
einer Bude auf den Kopf gefallen. Man nimmt daher 
an, daß d»r hiesige Vorfall als Folge des UnglückSfalle» 
der Händlerin in Steglitz anzusehen ist. 
o Durch die Glätte auf de« Bürgersteig stürzte 
der 33 Jahre alte Heizer Hermann Teetz auS der Hauptstr. 65 
in Schöneberg vor dem Hauptpostamt in SchÜnederz zu 
Boden und brach den linken Fuß. Er wurde nach einer 
Klinik in der Potsdamerstraße gebracht. Der Bürgersteig 
soll weder gefegt noch bestreut gewesen sein. 
o Mit Leuchtgas vergiftet hat sich hier vorgestern 
Nacht da« bei einer Herrschaft im Hause Albestr. 35 in 
Stellung gewesene Dienstmädchen Luise Peters. Sofort 
angestellte Wiederbelebungsversuche mit dem Sauerstoff 
apparat blieben ohne Erfolg. Die Leiche wurde nach der 
hiesigen Friedhofskapelle gebracht. Der Grund zur Tat ist 
noch nicht bestimmt ermittelt, man nimmt Liebeskummer an. 
Werlin mb Aororte. 
§o Der Erweiterungsbau de» Untergrundbahuhofe» 
Wittenbergplatz ist jetzt soweit gediehen, daß demnächst mit 
dem inneren Ausbau der beiden neben der jetzigen Halte 
stelle befindlichen Tunnelstrecken begonnen werden kann. 
Zugleich werden die im Rohbau fertigen Bahnkörper, die 
einschließlich der Bahnsteige die stattliche Breite von 10 
bezw. 12 Meter haben, eingedeckt und nach dem jetzigen 
Bahnsteige hin beiderseitig provisorisch abgeschlossen werden. 
Im April hofft die Bauverwaltung die neuen Tunnel 
strecken soweit fertiggestellt zu haben, daß durch diese der 
Bahnbetrieb wird geleitet werden können. Alsdann wird 
die jetzige Haltestelle Wittenbergplatz solange geschlossen 
bleiben, bis auch diese abgebrochen und einem Umbau 
unterzogen worden ist. Die Züge werden während dieser 
Zeit auf den neuen Bahnsteigen abgefertigt werden. — 
Der Untergrundbahnbau greift jetzt schon wett in die 
Nürnbergerstraße hinein, denn ht«r hat die Hochbahnge- 
sellschaft den Tunnelbau bi» zur Kaiserallee in Angriff 
nehmen lassen; dorthin schließt sich bekanntlich die WUmerS- 
dorfer Schnellbahn an. Ebenso wird schon eifrig an der 
Kurfürstendammlinte gearbeitet; hier zieht sich der Bau 
zaun bis zur Uhlandstraße. ' 
Zuschriften. ~~ 
(9nt diese «ubrik übernehmen «t keine »«ontooctnng.) 
/ 
Zum Rathansbau. 
Im Nachfolgenden bringen wir die in der letzten 
Sitzung der Gemeindevertretung vom Herrn Bürgermeister 
Walger verlesene Eingabe hiesiger Bürger unverkürzt znm 
Abdruck: 
Am 1«. November d. 3«. hat die hiesige Gemeindevertretung mit 
erhebticher Mehrheit beschlossen, da« neue RachauS am 
Ecke Hauptstraße zu errichten, nachdem der vorbereitende 
den gleichen Beschluß einstimmig gefaßt hatte, und der Gemeinbevor- 
stand ihm mit fünf Stimmen gegen eine beigetteten war. Dieser 
einfachen und klaren Sachlage gegenüber muß e« befremden, daß gegen 
diesen Beschluß sofort eine Agitation eingesetzt hat, dte in öffentlichen 
Blättern und Bersammlungen, oene Widerspruch zu finden, so lebhaft 
geführt wird, daß der unbefangene Dritte die Vorsiellrmg gewinnen 
muß, al« wenn fast die ganzeFriedmauer Bürgerschaft im Gegensatze 
zu der großen Mehrheit der von ihr selbst gewählten Gemeindeoer- 
tretung stöude. Einer solchen irrigen Borstellung und ihrer Weiter- 
Verbreitung mit allem Nachdruck entgegenzutreten halten dte Unter- 
zeichneten von denen nicht Wenige seit langen Jahren in Friedmau 
ansässig, und viele Hausbesitzer sind, für ihre Bürgerpflicht. Wir 
wollen der bisher einseitigen Agitation gegenüber, deren Recht zu rein 
sachlicher Kritik an sich garnicht bestritten werden soll, die aber in 
ihrer Lebhaftigkeit den inneren Frieden in der Gemeinde zu gefährden 
geeignet ist, für die Beschlußmehrheit der Gemeindeverttetung Zeugni« 
ablegen. Die Unterzeichneten, deren Zahl sich bei einer dxr gegne- 
rischen Agitation entsprechenden Werbearbeit leicht vervielfachen ließt, 
sind der wohlüberlegten Meinung, daß die Gemeindevertretung mit 
ihrem Beschluß, den kautcrplatz vor dem Wilmersdcrfer P atz als 
RathauSbauplatz zu bevorzugen, für die Gegenwart wie erst recht für 
die Zukunft daS Richtige getroffen und die wah'en Interessen der 
Gemeind« gewah't ha». 
1. Wir wollen auf die Eirzclheiten des Für und Wider, die 
nachgerade mehr alS genug erön rt find, über die sich auch Jeder 
fein Urteil gebildet hat, nicht weiter eingehen, auch gar nicht be- 
streiten, daß sich der eine und andere Grund auch gegen 
den Lauterplatz und für den WilmerSdoner Platz geltend machen läßt. 
Aber dem stets in erster Linie dafür ang führten Grunde, daß der 
Bau am WilmerSdorser Platze in der Ausführung wie wegen des 
Wertes des Bauplatzes billiger fei, vermögen wrr — auch wmn diese 
(von Bielen überhaupt bestrittene) BorauSsetzung bis zu einem 
gewissen Grade zutreffen sollte — kein auSschlaggetendes Gewicht bet 
zumessen. Friedenau hat auch bei seinen beiden Gymnasien und der 
höheren Mädchenschule sowie bei der BstkSschule an der Rhetogau- 
straße keineswegs getpart, und ooch haben diese Monumenialdauten, 
deren Kosten sich bei jeder Anstalt zwischen einer halben und einer 
ganzen Million bewegen, durch die gesteigerte Entwicklung Friedenau» 
und besonders den steten Zu>ug neuer steuerkräftiger Bewohner sich 
bestens bezahlt gemacht. Nicht anders liegt dre Sache bei dem 
wichtigsten öffentlicheil Bau dem Rathaus, bas, an der verkehr», 
reichsten großen Durchgangsstraße Berlin—Potsdam erbaut, daS 
künftige Gesamtbild von Fnedenau auf das vortrilhafteste beeinflussen 
und heben und dadurch auch reue AnziehungSkrail auf Berliner 
Mietslustige ausüben wird. ES wird wesenilicd dazu beitragen, 
dieses vorteilhafte und geschloffene Gesamtbild unserer Gemeinde auch 
dann zu erhalten, wenn sie einmal nicht mehr seibstSuotg sein wird. 
Und dann werden die künftigen Friedenauer unsere heutige Gemeinde- 
verttetung loden, weil sie in weiser Boraussicht der Zukunft ein so 
geräumiges Rathaus geschaffen hat, daß es die Unterbri»lgung einzelner 
Zweige der künftigen Großstabt-Berwatlung ermöglicht und den darin 
beschäftigten Teil deS BeamtenköipeiS an Fridenau bindet, ganz ab 
gesehen von den mancherlei sachlichen Borteileu, die dem Friedenauer 
OttSteil der künftigen Großstadt und vielen seiner Bewohner aus de« 
Vorhandensein einer großen Verwaltung erwachsen werden. 
2. Gänzlich unbegründet sind nach unserer Meinung die gegen 
die Dahl de6 LautervlatzeS mehrfach geltend gemachten verkehr», 
technischen Bedenken. Die künftig tn sanftem Bogen um daS Rathaus 
hemmgeführte Nredstratze wird einen ungleich günstigeren Anschlug au 
die Rhetnstiaße ergeben, a!S ihn der vriednch-Wilhelm.Platz mit 
feiner scharfen Kurve vor der Kftche an die Kaiseravee findet, worüber 
doch keine Klagen laut geworden sind, ttotzdem hier dee Verkehr weit 
lebhafter ist, als tn der Niedsttatze. Jnedesondere aber im Hinblick 
auf die BerkehrSficherheit wird die Umlegung der Niedstraße eine Ber- 
beffemng bedeuten. Da sie künftig in einem sehr stumpfen Winket 
auf die Gleise der Straßenbahn in der Rheinstraße zuläuft, 
so wird den Kutschem, die vom Friedrich - Wilhelm - Platz usw. 
her zur Rheinfttaße fahren, schon von weitem her ein freierer 
Ueberblick über die Geleise der elektrischen Straßenbahn und den 
sonstigen Berkehr der Rhetnstraße geschaffen, als er bei der heutigen 
Führung der Riedstraße möglich ist. 
3. Wenn sich bei r anchen, besonders in der Handjerystraße an- 
sisfigen Bürgem, -die sich von jeher mit dem Gedanken der Er 
richtung des Rathauses am WilmerSdorser Platzes vertraut ge- 
macht hatten, eine gewisse erregte Enttäuschung geltend wacht, so ver- 
stehen wir da» vom rein menschlichen Standpunkte und können e» 
nachempfinden. Wir hoffen ater, daß auch diese mit uns der 
Meinung find, daß daS Allgemeinintereffe den Ernzelwünschenjvorgehen 
muß, und daß sie sich bescheiden, wenn ihre Wünsche sich nicht er- 
füllen laffen. 
Auf weitere Einzelheiten, deren jede für sich ohnedies gegenüber 
der Gesamtfrage keine entscheidende Rolle spielt, wollen »rr nicht ein 
gehen, möchten aber schiteßlich nicht unerwähnt laffen, daß wir eS für 
sehr unangebracht hatten, wenn dm Mitgliedern der Gemeindeoer- 
tretung, die gegenüber einem früher gefaßten Beschlusse ihre Meinung 
über den Rathausplatz geändert haben, in der Oeffeotlichken vorge- 
worfm wird, sie seien „umgefallen'. Wmn damit eine wrder bessere 
Ueberzeugung kundgegebene MeiuungSivdemug gckenntzeichnet werde« 
so liegt darin eine veiletzmd« Kränkung, die daS Gebiet des Sachliche» 
verläßt und den bestehendm Gegensatz unnötig verschttt. Auch unter 
dm Unterzeichneten find mehrere, dte früher anderer Meinung warm 
und sehr bewußt und nach reiflicher Uecerleguug „umgefallen' find. 
Und gerade der vorliegmde Anlaß de» Rathaukbane» legt die Er 
innerung an das alte Sprüchwott nähe, daß mancher klüger vom 
Rathaus« kommt, al» er hingegangen ist. Die Uoterzeichnetm könne» 
deshalb in ihrer Ueberzeugung von der Richtigkeit ihre« Standpunkte» 
nur bestärkt werdm durch dm Umstand, daß einzeln« Mitglieder der 
Gemeiudeveitretung zu demsetben Ergebnis erst gelangt sind, als fie 
nach gewiffmhaster Prüfung sich überzeugt halten, daß fie damrt dt« 
Sesamttntereffea der Gemeinde wirksamer söidem würden, alS mit 
ihrem früherm Votum. 
Hiemach können wir dm Gemeindevorstand und die Gemeind«. 
Vertretung nur dringend bitten, von ihrem Beschlusse, da» neue Rat- 
haus am Lauterplatz zu errichtm, nicht abzugehen Er wird der Ge 
meinde zum Segen gereichen. 
Dihm, Kgl. Baurat, Goßlerstr. 8. Eigentümer. Dr. Ott, 
Dämmer, Schriftsteller, Studeurachstr. 67, Eigentümer. Dr, Rtch. 
Sarrazin, Geh. Ober-RegiemngSrat, »aiserallee 80, Eigentümer. 
Delius, Geh. Ober-Justizrat, Kaiserallee 131. Hentze, Reg.- u. vaurat, 
Kaiseravee 119. 8. Mitterdorfer, Eigentümer, WieSbadenerstr. 89. 
Dr. O. Sarrazin, »eh. Oberbaura», Katseralle« 117, Eigentümer. 
Giebt, Major bei der Feldzeugmetsterei, Studenrauchstr. 5. E. 
Kretschmer, Bürodireklor, Kaiserallee 83, Eigmtümer. Friedrich Müller, 
Kgl. Baurat, Goßlerstr. 2. Lüttich Generallmtnant, Kaiseravee »83. 
Prof. Dilh. Haorrkamp, Bildhauer, Schwalbacherllr. 9, Eigentümer. 
H. Sarrazin, Reg.- und Baurat, Goßlerstr. 2811. Richard Lertner, 
Rechtsanwalt und Notar, Kaiserallee 75 n 11. Franz Steinbruck», 
Architekt, Gohterstt. 24, Eigmtümer. Falke Ober- ». »eh. Baurat, 
Kaiserallee 811. H. Schroeter, Major a. D., Kasseralle» 81. llhlmbrock, 
Wirkt. Geh. Kriegsrat, Ntedftr. 32. Eugen Suhl, Kasserallee 79, 
Eigentümer. Franke. Geh. Justtzrat, Kaiseallee 122. Mlhelm Bors«, 
Kais. Geh. Reg.-Rat, Goßlerstr. 25. Prof. Dr. Jaro» ^ringer, 
Goßlerstr. 24. Schubett, Marine-Intendantur und Banrat, Stuben- 
rauchftraße 3. Dr. Bruno Decker, Kasserallee 135, Eigentümer. 
R. Sarrazin, Dipl.-Jng., Kaiseravee 80. Dr. A. Lassou, Univ.-Prof. 
»eh. Reg.-Rat, Handjenzstr. 49 Pt. K. Rose, Direktor, Friedrich- 
WUheim-Ptatz 5, Eigmtümer. Freiherr v. Leoebur, Kaiserallee 81. 
Heinrich Mißreldt, Bildhauer, Eschenftr. 6. Kotka, Reg.-Rat, Kaiser- 
alle« 61/62, Eigentümer. Dr. jor. Fritz Tinzier, Etubmrauchstraße 5. 
Freiherr v. Vehr, Studenrauchstr. 3. Curl Kitzler, Gtubeorauchstraße 2, 
Eigentümer. Pros. Dr. Amman, Goßlerstraße 24. Truhtsm, 
Geh. Baurat, DUHelmIhöherstr. 7. E. Husfeld, Kommissiontrat, 
Lauterftr. 16, Eigeattmer. Dr. Möhring, Rechtsanwalt, Lauterstr. 36, 
Eigmtümer. Dr. Grvschke, Gennaloderarzt a. D., Lauterstr. 16. 
Karl Wolff, Rentier, Rtedstratze 38, Eigentümer. Dr. Apel, 
AdmiratitätSrat, Niedstr. 89. Dr. SchapS, Kinderarzt, Lauterstr. 16. 
Fr. Imme, Generalmajor z. D., Kaiserallee 106. Hkdwig Vehmcver, 
Sauterplatz, 
vauausschuß
        
Top of page

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.