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Periodical volume Nr. 8, 10.01.1912

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 19.1912

Brausender Beifall und stürmische- Getrampel dankte 
dem Redner. Der Vorsitzende sagte ihm namenS 
des Ausschusses noch besonderen Dank. Herr Geh. Reg.» 
Rat Vogt erhielt dann da§ Wort, um in überzeugen 
den Worten die Stellung der Nationalliberalen in diesem 
Wahlkampfe erkennen zu lassen. Die Tätigkeit deS schwarz- 
blauen Blocke? habe allen Liberalen den Weg gezeigt, den 
sie in diesem Wahlkamp'e zu gehen haben und so forderte 
er seine nationalliberalen Parteigenossen auf. für die 
Wahl de« fortschrittlichen Kandidaten Prof. Dr. Spiegel 
einzutreten (Lebhafter Beifall). Herr Felten (Gcschästs- 
leiter des Hansabundcb) unterstützt gleichfalls diese 
Kandidatur. Er wies auf die Stellung Deutschlands als 
Handel- und Industriestaat hin und schilderte die Be- 
wegung, die nach der R^ichSfinanzreform zur Gründung 
deS Hansabundes führte. Ja Herrn Prof. Dr. Spiegel 
habe der Hansabund einen Mithelfer für die Z ele des 
Hansobundes gesunden. Er wandte das bekannte Soldaten- 
wo:t: Habt ihr denn noch nicht genug geschlafenI an, das 
als «in Fanfahrenruf alle Bürger aufrütteln und an die 
Wahlurnen führen müsse (lebhafter Beifall). Herr Rechts 
anwalt Küster banste dem Vorredner namens der hiesigen 
Orisgruppr deS Hansubundrs und wünschte, daß dessen 
Wort? auch Erfolg haben mögen. Herr Dr. Rosche 
wandte sich an die Partei der Nichtwähler, die noch 
immer sehr groß sei und durch ihre Untätigkeit dem 
Bürgertum den Kampf erschwere. Er nannte Zahlen über 
die Wahlbeteiligung in den Jahren 1903 und 1907, aus 
denen hervorging, daß bei stärkerer Wahlbeteiligung es 
möglich ist, der Sozialdemokratie i r unserem Wahlkreise 
das.Mandat zu entreißen. Darum möge J-der am 
12. Januar an der Wahlurne erscheinen. Herr Fabian 
(Demokrat) erging sich in Angriffen gegen die National- 
liberalen. damit den lebhaftesten Protest der Versammlung 
herdorrufend und wurde unterstützt durch das Fceudengeheul 
seiner Freunde und Freundinnen (unter letzteren befanden 
sich verschiedene kaum der Schule entwachsene Dämchen). 
Als auch Pfuirufe von den Demokraten ertönten, rügte 
dies der Vorsitzende. Herr Geh. Reg.-Rat Vogt trat dem 
demokratischen Redner scharf entgegen und legte ihm die 
Frage vor: maS er denn sagen würde, wenn die National- 
l beraten nicht mit den Fortschrittlern gingen? (Beifall) 
Man solle doch in der fortschrittlichen Partei jubeln über 
den bündigen Entschluß der Nationalltberalen, die sich 
auf ihre liberale Zugehörigkeit besonnen hätten. Er be 
stritt auch entschieden, daß die Nationalliberalen Wahl 
bündnisse mit dem Zentrum eingegangen seien. Auf dem 
Nationalliberalen Parteitage, wurde ein solches Bündnis 
mit [oller Entschiedenheit verworfen. Dagegen habe die 
Sozialdemokratie wiederholt sich mit dem Zentrum ver 
bunden. Desgleichen wandte sich der Redner gegen die 
unwahre Behauptung, als wären die Nationalliberalen 
Gegner deS Reichstagswahlrechtes. Nur ein einziger 
Nationalliberaler wagte einmal daran zu rütteln 
und er wurde darauf sofort von der Partei aus 
geschlossen. Er ermunterte abermals zur Wahl des fort 
schrittlichen Kandidaten, und hofft, daß dieser Kandidat 
den Sieg davontragen möge. Herr Ingenieur Behr 
forderte die Anwesenden zu tätiger Mitarbeit für die 
liberale Sache am Wahltage auf und bat, Meldungen an 
den Vorstand zu richten. Herr Lasser (Demokrat) richtete 
ebenfalls unter dem Beifall seiner Freunde Angriffe gegen 
die Nationalliberalen. Der Redner mußte zu sachlicher 
Erörterung vom Vorsitzenden gemahnt werden. Unter leb 
hafter Unruhe verließ er schließlich das Rednerpult. ES 
ging darauf ein Antrag auf Schluß der Debatte ein, 
der auch mit starker Mehrheit angenommen wurde. Darauf 
großer Lärm bei den Demokraten, Pfuirufe usw. Der 
Vorsitzende ermahnte zur Ruhe und wies darauf hin, daß 
er sonst von seinem HauSrecht Gebrauch machen müsse. 
AIS Herr Dr. Eick daS Schlußwort erhielt, hielt der Lärm 
immer noch an, auch die Glocke des Vorsitzenden vermochte 
keine Ruhe zu bringen. Schließlich forderte der Vorsitzende 
die Radaumacher, bet Weigerung auf die Folgen hinweisend, 
zum Verlassen des Saales auf. Unter fortwährendem Lärmen, 
worauf die Liberalen mit den Rufen „Raus, raus" ant 
worteten, zogen schließlich die meisten Demokraten ab. 
Herr Dr. Eick wies dann im Schlußwort darauf hin, daß 
.Guter Gott, wie schrecklich! Ein moderner bettn» do 
cachet," sagte er schaudernd. „Und Sie sind überzeugt, 
Vizard, daß bas wirken wird, daß keine Absage zu befürchten 
ist; eS wäre schrecklich, sein Glück in dieser Weise zu versuchen 
und ein Fiasko zu erleben." 
Es klingt eine gewisse belustigte Verachtung in VizardS 
Stimme heraus, als er erwidert: 
„Ein Fehlschlag ist ausgeschlossen. Wenn Miß Ehallenor 
die Reise auf Grund dieses Spezialarrangements antritt, so 
wird in der von Ihnen gewünschten Weise für ihre Gesund- 
heit Sorge getragen." 
Mit diesen Worten öffnet er die Tür, als wolle er 
damit andeuten, daß weiter nichts zu sagen ist, und führt 
fernen Gast die Stufen hinunter in ein prächtiges Treppen 
haus, wo zivei Bediente sofort eilfertig herbeistürzen. Ter eine 
erscheint mit Sir Simon? Hut und Havelock, der andere reißt 
die Tür auf, um den draußen haltenden Wagen herbeizurufen. 
Einige wenige alltägliche Abschiedsworte werden gewechselt, 
der Wagen rollt davon, und Vizard blickt ihm mit rätsel 
haftem Lächeln von der obersten Treppe nach. Die elegante 
Equipage unterscheidet sich in nichts von den hunderten, die 
in Piccadillp verkehren, und dennoch trägt sie den Urheber 
eines furchtbaren Dramas von dannen. 
Nach einer Minute geht Vizard wieder langsam die 
Treppe hinauf, in das Zimmer, in welchem er feinen Gast 
bewirtet hat. _ Er drückt auf eine geheime Feder in der Wand, 
und zum Vorschein kommt ein sehr sinnreich versteckter, eiserner 
Geldschrank; [er entnimmt ihm ein kleines, in Maroquinleder 
gebundenes Buch, in das er schnell einige Eintragungen 
macht. Er schreibt diese Notizen in Geheimschrift nieder, so- 
daß sie für jeden, der nicht den Schlüssel dazu besitzt, unver 
ständlich sind. Als er damit fertig ist, legt er das Bnch 
wieder in den Schrank, verschließt denselben, schiebt die ge 
heime Wand wieder vor und sieht nach der Uhr, als eS an 
di« Tür klopft, und ein Diener mit der Meldung eintritt: 
„Doktor Zavertal." 
Der Gemeldete tritt schnell in das Zimmer, und Vizard 
begrüßt ihn mit der liebenswürdigen Herzlichkeit eines Mannes, 
der sich freut, einen ihm sympathischen Menschen vor sich zu 
eS Grundsatz der Demokraten sei, Z-rsplitterung in die 
Reihen der liberalen Wähler zu bringen. Die Herren er 
scheinen stet« in Stärke von 10 Mann und wenig mehr 
in den liberalen Versammlungen; ein T H läßt sich als 
R-'dner vormerken, während die anderen, im Saale ge 
schickt verteilt, Beifall jubeln. Die Demokraten dringen 
nur in liberale Wahlkreise ein. S'<e mögen doch einmal < 
auch versuchen, konservative Wahlkreis« zu erobern. Seine 
Mahnung richtete sich abermals an alle L beraten, ge 
schlossen an der Wahlurne zu erscheinen und für den fort 
schrittlichen Kandidaten zu stimmen. Der Vorsitzende bat 
die Anwesenden, soweit eS ihnen möglich ist, sich zur Mit 
arbeit am Wahltage bei Herrn Kaufmann EverS, Nied- 
straße 28. pari, zu melden. Nochmals mit der Auf 
forderung. für den liber len Kandidaten zu stimmen und , 
in Bekanntenkreisen auch für diesen Kandidaten zu wirken, 
schloß der Vorsitzende gegen s / 4 12 Uhr die Versammlung 
mit einem allseitig kräftig erwiderten dreifachen Hoch auf 
den Kandidaten der vereinigten Liberalen: Professor Dr. 
Spiegel! 
o Zur ReichstagSwahl Der heutigen Nummer 
unsere? Blattes liegt ein Wahlaufruf der nationolliberalen 
Partei b-i, worauf wir hiermit aufmerksam machen. 
o Hohenzollerntheater. Die Neue Deutsch? Bühne 
hatte mit der Wahl des Stückes für die erste Vorstellung 
in diesem Jahre einen guten Griff getan. Der übermütige 
Schwank „Der Rnrb der Sabineriunen" von Franz und 
Paul Schöithan. der gestern Abend zur Aisführung kam. ! 
versagte seine altbekannte Wirkung nicht, sodaß dos 
Publikum in die rostgste Launen versetzt war und vor 
Lach»n Tränen vergoß. Die Direktion hatte aber auch 
für eine großartige Inszenierung wie für eine tadellose 
Besetzung der einzelnen Rollen gesorgt. Herr Eduard 
Kaniscb war als Emannel S:riks- ranz vorzüglich. Seine 
natürliche, zu stürmischer Heiterkeit fortreißende Komik, 
sein glaubhaftes Spiel und gute Charakteristik ließen 
ihm lebhaften Beifall, vielfach bei offener Szrne, zuteil 
werden. Nicht minder vortrefflich war der Professor 
Martin Gollwitz des Herrn Friedrich Albert Groß. Diese 
Rolle war dem Künstler geradezu aus den Leib geschrieben. 
Das Dienstmädchen Rosa wurde von Fräulein Elle Schneider 
mit guter Maske und viel Humor gespielt. Auch sie trug 
viel zur Belustigung der Zuschauer bei. Auch die übrigen 
Rollen waren in guten Händen, so daß die Gesamt- 
darbietung den nicht endenwollenden Beifall bei jedes 
maligem Senken deS Vorhanges voll verdiente. 
o Stenographisches. Der neue Anfängerkursus im 
Einigungssystem Stolze-Schrey für Damen und Herren be 
ginnt am Dienstag, dem 16. Januar 1912 im Schulge 
bäude Albestraße (Zimmer 20). Das Unterrichtshonorar 
beträgt 8 M. Anmeldungen nimmt Lehrer LUdtke, Wiek- 
badenerstr. 11 entgegen. 
o Im großen Hörsaal der Treptow-Sternwarte 
wird Dir. Dr. F. S. Archenhold am Sonntag, dem 
14. Januar, Nachmittags 5 Uhr. über: „Die Bewohnbarkeit 
der Wellen" sprechen und am Montag, dem 15. Januar, 
Abends 7 Uhr. wird eine zehnstündig« Vortragsreihe be 
ginnen, dessen Thema an diesem Abend: „Unser Wissen 
von den Sternenwelten" lauten wird. Beide Vorträge 
sind gemeinverständlich und mit zahlreichen Licht- und 
Drehbildern ausgestattet. Mit dem großen Fernrohr werden 
abwechselnd Saturn und MarS, die nur noch kurze Zeit 
zu sehen sind, beobachtet. Kleinere Fernrohre stehen zur 
Benutzung allen Besuchern der Treptow Sternwarte unent 
geltlich zur Verfügung. 
o Der Tod deS RechtSkaudidaten Eugen 
Krentscher aus der Kaiserallee ist nicht — wie wir 
erfahren — auf Selbstmord, sondern auf einen Unfall 
zurückzuführen. K.'s Leiche wurde bekanntlich morgens 
auf dem Untergrundbahnhof Friedrichstratze neben dem 
: Gleise liegend aufgefunden. 
. o In einem Wagen der Hochbahn plötzlich 
i gestorben ist gestern Nachmittag der 76 Jahre alte 
RechnungSrat Fischer aus der Wartburgstr. 20 rn Schöne 
berg. AIS der Zug an der Station Möckernbrücke hielt, 
brach der alte Herr, der sich noch eben mit seinem Nachbar 
lebhaft unterhalten hatte, plötzlich zusammen und [verschied 
auf der Stelle. Auf der Unfallstation Tempelhofer Ufer 
sehen. Das dauert indessen nur so lange, bis der Diener die 
Tür geschlossen und sich zurückgezogen hat. Sie sind kaum 
einen Augenblick allein, da schwindet die etwas demonstrativ 
zur Schau getragene Freundschaft auf beiden Seilen, und an 
ihrer Stelle tritt eine noch stärker« Ungezwungenheit, die 
deutlich darauf hinweist, daß ihre Beziehungen recht vertraulich 
und intim sein müssen. 
„Aller in Ordnung?" fragt Vizard '' it einer gewissen 
Angst in der Stimme, aus der man die Wichtigkeit, die er 
der Antwort beimißt, deutlich ersehen kann. 
„Ein sehr gutes Geschäft," versetzte der Doktor, indem er 
seine Hände vergnügt aneinander reibt und sich mit der 
Miene einer Menschen, der sich hier vollständig zu Hause 
fühlt, in einen Lehnstuhl niederläßt. Er ist in seiner Weise 
fast ebenso interessant, als wie sein Freund, — dieser englisch 
sprechende Arzt mit dem merkwürdigen, ausländischen Namen. 
Kurz an Gestalt, ist er dabei aber rundlich und kräftig und 
trägt auf seinem dicken, wettergebräunten Gesicht den freund 
lichen Ausdruck eines gutmütigen Menschen, der bei seinen 
Patienten wohl sehr beliebt sein mag. Wenn man jedoch 
näher hinsieht, namentlich jetzt, wo er jede Zurückhaltung 
abgelegt hat, kann man in seine« blauen, immer lächelnden 
Augen dieselbe stählerne SäUt bemerken, die bereite an 
VizardS Augen aufgefallen ist. Hier, wo man ihn zum ersten 
Male in voller Ungezwungenheit erblickt, würde er, wenn 
man ihn genauer studierte, vielleicht den Eindruck eines Mannes 
machen, der sich stets auf den „genialen Kerl" herausspielt und 
sich in diese Rolle, obwohl sie ihm gar nicht liegt, schon so 
hineingelebt hat, daß er nur noch mit Mühe aus ihr heraus 
kann. Je länger er seinem GefÄzrten von seltsamen Erleb 
nissen auf hoher See erzählt, desto härter und schroffer wird 
sein Gesicht, während die schnurrend« Weichheit seiner Stimme 
einen metallischeren Klang annimmt. 
Bizard, der augenscheinlich die Gewohnheiten des Dokters 
kennt, mischte ein GlaS Claret und Wasser und händigte es 
ihm ohne weitere Bemerkungen ein, als wenn sich da? ganz 
von selbst verstünde. Dann lehnte er sich an den Kamm und 
fuhr in seinen Fragen fort: 
„Ueber drei der „Spezialsälle „habe ich per Post Nachricht 
konnte der Arzt nur noch den eingetretenen Tod feststellen. 
Der so plötz'ich am Herzschlag aus dem Leben Geschiedene 
erfreute sich tm Kreis? seiner vielen Bekannten allgemeiner 
Beliebtheit 
o Mit Leuchtgas zu vergiften versuchte sich die 
Aufwärterin Maih'lde Jeske aus Wilmersdorf, Augusts- 
straß? 23 Sie wurde nach dem.Kreiskrankenhaus in Groß- 
Lichterfelde gebracht. Der Zustand der Schwerkranken hat 
sich inzwischen soweit gebessert, daß Gefahren üicht mehr 
bestehen. 
o Eine« Selbstmordversuch u-uernahm ein Garde- 
schütze, der sich unerlaubter Weise au« seiner Garnison 
entfernt halte. Der im ersten Jahre bei den Garde- 
Schützen in Lichterselde dienende Musiker Pohl, hatte sich 
in Zivilkleidern von seiner Truppe entfernt und fand sich 
vorgestern bei seinem Schwager, einen Bahnbeamten in 
Schönebera ein. Dieser wollte ihn wieder zu seinem 
Trupp-nteil zurückbringen. Während sich der Bohnbeamte 
in einer N-b?nstube befand, schoß sich der Musiker eine 
Kugel in die rechte Schläfe. Der Schwerverletzte wurde 
nach dem GarnisonlazareN in T?mpelhof gebracht. 
o Kellerbraud. In dem Keller des Hanfes Kaiser 
allee 126 war gestern Abend 6 Uhr allerhand Gerümpel 
in Brand geraten. Unsere Feuerwehr löschte das Feuer 
mit einer Schlauchleitung. 
Wereins-Macyi rchlen. 
Morgen Donnerstag lagen: 
.Fricdknauer Männer-Gefangverein 1875", Uebungsstuvden 9—11 
im Restaurant .Hodenzollein'. Dirigent: Mnfikcireklor Paul Antoni. 
Kegelklub „Friedenau 1909' (Mitglied des Verbandes Berliner 
Kegelklubs E. V.) kegelt jeden Donnerstag auf zwei Verbandsbahnen 
von 8Vs bis 12 Uhr Abends im Kcglerheirn ,Bahns-tlöhchen,' am 
Wannjeebahnhof Friedenau. Gäste und neue Mitglieder willkommen. 
Ortsgruppe Friedenau des Deutschen Flvttcnvereins. Montag, 
15. Januar, Abends 8'/, Uhr, im Festsaale der Homuthstraße. - Herr 
Oberleulnant Dr. M. Weiß, wissenschaftlicher Begleiter Sr. Hoheit 
deS Herzogs Adolf Friedrich zu Mecklenburg auf' der Zer.tralafrika- 
Eppcdilion, spricht über .Die Kultur der Kulturlosen in Afrika.' Mit 
Lichtbildern. — Die satzunaszcmäße Generalversammlung findet am 
Montag, dem 29 Januar. Abends 8'/, Uhr, tm Kaiser Wilhelm- 
Garten, Rheinstr. 64 I (Eingang von der Rheiustr.) statt. 
Schönev^rgo 
—o Das Ritterkreuz zweiter Klasse des Herzoglich 
Sachsen-Ecmstinischkn HauSordenS wurde dem General 
sekretär des ZentralocreinS für Binnenschiffahrt Herrn Egon 
Rcigoczy verliehen. 
—o Nachdem der Entwurf der Eisenbahndirektion 
Berlin für den Umbau und die Erweiterung deS auf 
Schöneberger Gebiet befindtichenRangierbahnhofeS Tempelhof 
von dem BerkehrSminister genehmigt worden ist, gelangt 
gegenwärtig die Verbreiterung der Unterführung deS 
SachfendammeS unter dem VerbindungSgleiS der Ringbahn 
mit dem Rangierbahnhof zur Ausführung. Durch diese 
Verbreiterung wird ein Weg geschaffen, der dem an dieser 
Stelle besonders starken Lastwagenverkehr Rechnyng trägt 
und eine bequeme Verbindung zwischen Schöneberg 0. und 
Tempelhof W. herstellt. 
Berlin und Fororte- 
so Unter dem Alexanderplatz wird jetzt schon eifrig 
ausgeschachtet. Die Straßenbahngleise sind unterminiert 
und die Absteifungsarbeiten im Gange. Zeitraubend war 
die Herausnahme zweier gemauerter Kanäle, deren 
Material sich wie Felsgestein verhärtet hat. Der eine 
dieser elliptisch geformten Kanäle, hat die stattliche Breite 
von 1 */ 2 Metern. Ein südlich von den Straßenbahn- 
gleisen liegender Notauslaß wird später unter den Bahn 
hof der Untergrundbahn gedückert werden, vorläufig sind 
drei eiserne Rohre, die quer über der Baugrube liegen, 
eingeschaltet worden. In der Mitte des Platzes, vor dem 
Polizei-Präsidium, sind die Säulen für die EtrrgangS- 
treppe und die Schalterräume jetzt sämtlich aufgestellt. 
Gerichtliches. 
(:) Reparaturen an Gebäuden dürfen bei der Steuererklärung ab 
gezogen werden. Ein Hausbesitzer hatte Ausgaben für Reparaturen, 
die bereits im Jahre 1906 entstanden waren, bei seiner Steuer 
erklärung für das Steuerjahr 1908 von seinem Einkommen au» 
Grundbesitz abgezogen und die BerufungSkommisfion hatte diese» 
crballeu. Einer war ja wohl noch nicht erledigt, als Sie 
Gibraltar verließen?' 
.Das war TresnstS, der Kohlenmineubefitzrr und Millionär 
von Tyneside," sagte Zavertal. indem er a» seine« Claret 
nippte. „Er starb, als wir die Bay von ViSkaya kreuzten. 
Wie ich Ihnen bestätigen kann, handelte «S stch »« eine Lebev- 
krankheil mir Komplikationen." 
Die beiden Männer sahen stch mit seltsame» Mienen an. 
Ein cynisch-kornischer Blick schoß auS de« Doktor» Augen, 
während eS um Bizard« Mund zuctte. Da»« jagte der 
letztere: 
„ES war wohl besser, die Sache bi» zuletzt z« belassen. 
Ich meine, daß man ihn nicht z»m Begräbnis nach Haufe z« 
bringen brauchte." 
„Gewisse Unistände verzögerten die Ausführung; da ich 
auch von den örtlichen Gelegenheiten abhängig di», jo muß 
ich mich oft von ihnen leiten lassen. Gie habe« keine Ahnung, 
welche trivialen Kleinigkeiten mich oft an meiner Arbeit 
hindern. Ich würde lieber einen „Gpepalfall" nach Haufe 
bringen, als mich Gefahren auszusetzen," erklärt« der Doktor in 
etwas warnendem Tour. „Hier stellte, stch mdessen leine 
Schwierigkeiten ein," fügte er hinzu, „ich kann sage», d« Natur 
der Falles verlangte sofortige Versenkung der sterbliche» Hülle; 
er wurde noch an demselben Tage zui^S« begraben." 
„Gut," sagte Bizard, „die Epezialabteilung steht also auf 
gesunder Basis und wird uns noch manch« Freude bereiten. 
Ist sonst im allgemeinen »och etwas vorgefallen?" 
„Ja. Wir werden für die nächste Fahrt einen neuen 
Kapitän finden müssen," versetzte Zavertal m einem Tone, als 
wenn die Bemerkung nicht von höchster BWeutnng wär«. 
„Kapitän Luck hat die Abficht ankgesprochen, da» Kommando 
abzugeben, und ich erwarte, daß er Nathan jeden Augenblick 
sein Entlaffungsgesuch schickt. AIS ich mich heute Abend 
von ihm trennte, erklärte er mir, er wäre entschlossen, keine 
wettere Fahrt auf der „Königin der Nacht" P» unternehmen." 
„Er hat doch keinen Verdacht?" sagte Vizard ktzhl. 
(Fottsetz«ng folgt.)
        
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