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Periodical volume Nr. 6, 08.01.1912

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 19.1912

Fmdknam FtKlll-Amriakl. 
(Kriedenauer 
Anparteiische Zeitung für kommunale und bürgerliche 
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Jeelen flHttwodv. 
GUtjblatt „Seifenblasen". 
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Krgan für den Kriedenauer Ortsteil von Schöneberg und 
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Krilagr« 
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»r. « 
Kepefchen. 
Berlin. In den frühen Morgenstunden sind heute 
in den Daimlerwerken in Marienfelde vier Arbeiter von 
einer schweren Gasvergiftung betroffen worden. Zwei von 
ihnen wurden in bedenklichem Zustande nach der Unfall 
station gebracht. 
Detmold. In der Nähe der sogenannten Pinneichen 
wurde gestern abend ein etwa 17 Jahre alter Knabe in 
bewußtlosem Zustande aufgefunven. Die nähere Unter 
suchung des Knaben, der offenbar rin Schüler der hiesigen 
höheren Lehranstalten ist, ergab, daß ec eine Schußwunde 
in der rechten Brustseite hatte. Mit einem sofort herbei 
gerufenen Krankenwagen wurde der schwer verletzte Knabe 
in das Detmolder Krankenhaus geschafft. Wie man sich in 
Detmold erzählt, hat der junge Mann sich mit einem 
gleichaltrigen Schulkollegen duelliert. 
Friedenau, Montag, den 8. Januar 
| daß England unter irgend einem Vorwände Tripolis be- 
1 setze. Während noch der Notenwechsel zwischen London 
und Rom >im Gange war, begann die italienische natio» 
«MW 
19 Ikchrltz. 
Tilsit. Vor dem Automobil eines hiesigen Kauf 
mannes, in dem sich der Chefredakteur Schulz und der 
praktische Arzt Dr. Siehr nach einigen Dörfern der Um 
gebung begeben wollten, um dort volk-parteiliche Ver 
sammlungen abzuhalten, scheuten die Pferde eines entgegen 
kommenden Fuhrwerkes und rasten durch den Chauffee- 
graben über den gefrorenen Sturzacker. Eine auf dem 
Wagen fitzende Frau wurde auf der Stelle getötet. Der 
Mann und mehrere Kinder erlitten leichtere Verletzungen. 
Frankfurt a. M. In d'en venezianischen Grenz 
städten. insbesondere in Udine und Cioidale wurden nach 
Berichten der Franks. Ztg. die Österreicher öffentlich ver 
höhnt und miß andelt. Mehrere sind verwundet worden. 
Die Arzte weigerten sich, sie zu behandeln. In den Gast 
häusern wurde ihnen die Versiegung verweigert. Auf den 
Bahnhöfen wurden die Österreicher mit Steinwürfen traktiert, 
mehreren wurde sogar dar Gepäck weggerissen. Die venezi 
anische Prefle verschweigt, wohl auf Wunsch der Behörden, 
diese Vorkomniffe. 
Rom. Ein Erdrutsch von mehreren Millionen Kubik 
metern hat zwei Häusergruppen der Gemeinde Perinaldo 
im Waldhügelgelände über Bordi^hera in Ligurien ver 
schüttet und zertrümmert. 
Rom- Der ,Avanti" bringt die Nachricht, daß der 
Urheber des italinisch türkischen Krieges England ist. Wie 
das Blatt zu erzählen weiß, hatte die „Banen di Roma* 
im August vergangenen Jahres die Absicht, ihre Filialen 
in Tripolis und der Kyrenaika, die nichts einbrachten und 
nur mit großen Verlusten zu halten waren, . an eine 
deutsche Finanzgruppe zu übergeben. Die englische Re 
gierung, die von dieser Absicht Mitteilung erhielt, erklärte 
iofort in Rom. sie könne auf keinen Fall gestatten, 
daß Deutschland sich in irgend einer Form an der 
Küste deS Mittelmeeres „festsetze". England stellte der 
italienischen Regierung die Alternative, entweder selbst 
Tripolis militärisch zu besetzen oder darauf gefaßt zu sein, 
Höhr« und Tiefe». 
Roman von M. Eitner. 
1 Nachdruck verböte».) 
naltstische Presse ihre Kampagne gegen die Türket, als 
deren Endziel schließlich unverblümt die Besetzung von 
Tripolis gefordert wurde. Dies gab den Ausschlag. Giolitti, 
der seine Regierung bedroht sah, beschloß die Entsendung 
deS italienischen Expeditionskorps nach Tripolis. 
London. Der Geistliche Clarence Richardson, der 
der Ermordung der Mistreß Linnell in Boston angeklagt 
war und deffen Selbstmordversuch wir vor kurzer Zeit 
meldeten, legte ein Geständnis ab. 
Lokales. 
t«rach>.1,2 unsere . s-Lltgivalarükel nur mit Ourüeuaugabe gestartet!- 
o „Echt winterlich!" So rief gewiß mancher 
unserer Leser gestern morgen, als er durchs Fenster blickend, 
eine tadellose Winterlandschast bemerkte. Jeder Pfahl hatte 
sein weißes Käppchen, jeder Pfosten seine Haube. Die 
Dächer waren weiß bestreut. Die ganze Landschaft war 
blitzblank herausgeputzt, wie überzuckert. Das gab besonders 
eine Freude für unsere Jugend. Schleunigst wurde der 
Schlitten hervorgeholt und dann hinaus mit ihm auf die 
Strüße. Und so herrschte den ganzen Tag über ein reges 
Leben und Treiben in unseren Straßen. Brsonders be 
vorzugt waren die abschüssigen Straßen, wo schnell Rodel 
bahnen eingerichtet waren. Am der bekannten Rodelbahn 
am Fichteberg in Steglitz ging e§ von früh bis spät lustig 
her und auch im Grunewald wurden Rodelpartien ver 
anstaltet. — So willkommen vielen der Schnee war', so 
brachte er doch auch wieder viel UnauzenehmeS mit sich, 
namentlich wurde durch ihn der Verkehr gestern Vormittag 
arg gestört. Die Straßenbahnwagen stauten sich an vielen 
Stellen, da die Weichen immer wieder zugeweht wurden. 
Die Fuhrwerke kamen ebenlall« nicht vorwärts und auch 
Stadt, und Ringbahn, sowie di; Hochbahn hatten mir 
Schwierigkeiten zu kämpfen. Die einzigen Fuhrwerke, die 
glatt fortkamen, waren die Automobile. — Im Interesse 
der Feuersicherheir seien Hauswirte, Verwalter und 
Hauswarte darauf aufmerksam gemacht, beim Beseitigen 
de« Schuecs von den Bürgersteigen daraus zu achren, daß 
die Deckel der StraßenhydraMen vom Schnee frei bleiben. 
Im vorigen Winter ist von der Feuerwehr vielfach be 
obachtet worden, daß die Htzdranlen hoch mit Schnee be 
laden wurden. Im Juterrsse des schnellen Eingreifens 
der Feuerwehr bei einem autzbrecherideii Feuer ist er für 
die gesamte Einwohnerschaft von großem Nutzen, daß die 
Hydranten von Schnee und Eis frei sind. — Ferner sei 
darauf hingewiesen, daß bei Feuermeldungen nicht nur drc 
Scheibe des Melders emgescülag-m wird, sondern r.rch auf 
den Knopf gedrückt wird. Vielfach ist dies in letzter Zeir 
nicht geschehtn und der Meldende wunderte sich, daß die 
Feuerwehr nicht erschien. AnderersitS darf auch nur 
einmal, nicht öfter, gedrückt werden, da sonst auf der 
Polizeiwache die Nummern von mehreren Melder-, fallen. 
39. 
15. Kapitel. 
Regungslos. wie im Traum, war Hildegard geblieben, 
yachdem ■ der Ära» ne freigegeben und sich intftrstt hatte. Was 
war denn'seich. HeuHd!V ilöii<ult fand in iht Raum, >ondcrn 
, er» 'Grtichl der ,'SA lew v.n'Ödebte sie. wie siel noch: nie »u 
Leben cuwsündcn haue, auch »na,t. ha Lenden »in siö geworben, 
.da er sie zum ein.!» Male als 'Zräut in die Arme geschlossen 
'hatte. TckS. war nicht Freundschaft gewesen, waS an? Graf 
Erbachs' Augen sprach. LaS war'nicht Freundschaft geiveftn, 
die in demKuß sich vssenbaitef das war die heiße, gewaltige 
Llcbe eines MänneS, die zum Ausbruch kam. Za, das war 
'Liebe. 
Unter Herzt! 'pfen und Herzjubel sagte sie sich das. Uitter 
Herzkiopsen und Hcrzjubet war ihr zumute, als ob in ihr ein 
Gr t-hk. da« jahrelang in ihr geiwluiiiiuert harte, plvtzl ch 
rrwa '}*>'. Und dies Gefühl unrr Liebe. Sie legre die Hand 
cu die 3:inr. Hatte sie denn bis jetzt geträumt? Hatte Ge 
sich felb.r nicht gekannt? War sie über ihr eigenes Herz im 
u klaren geblieben? War es nicht immer und immer ichs» 
H.cre' gewesen, die sie für den Grafen empfunden hatte ? Es 
fMiiftie so fein, denn sonst hätte sie ihm ja zürnen müssen, daß 
Dt sie so stürmisch in seine Arme genommen, sie so stürmisch 
Müßt hatte. Aber sic zürnte ihm nicht. > 
War das nicht Seligkeit aus Erden, die ihr nahte, die 
sich ihr zeigt-'-? Geliebt zu werden von dem Mann, zu'dem 
sie stets aufgeschaut hatte, wie nie zu einem anderen Menschen? 
Doch wärmn'war er gegangen'? Warum hatte er ihr nichts 
'iigt? War ihm lüd geivorden, daß er sich hatte hinreißen 
ftn? 
Sie hörte las Klingen des Schelle aelänts, das vom Hof 
m -K'chM drang.' Da zuckte sie zusammen. Fctzl.ftihr 
..rb.sprt. zW.rrum? / : 
■ ;V Die Baröl; in kehrte m den 'Saal zurück. Eie iah Hilde- 
> g'ard ällciir sieben',, fragte «rstaiinr: '..Wo ist der' Graf?" ' 
' > »Der Ezras?" wiederholte H.tdegaro, »ntzres lag etwas 
Snck.endrs in ihren r'lugen, ..der Graf! Tante, ist er: jchau 
'-sehr fiange^'kort'- ö-.'.' fft 
-- Sie wollte weiter fragen, bock» ein cigevtnmlicher Ausdruck 
> üt HilöchrMds. Gesicht hüch.rre. sie v iratt. ' . . 
>' .... Ais-He Baron, st sich in ihr Zimmer begeben haltt, .komite 
- sie sich-üiNiiach. näht curschlirsten. zur Rnhe-zn gellen. -.ft 
Itw Blick, glln ltb-.r- r-«u Part hin, rv»ch der Richtung, in 
welcher des- Grafen Schloß tag. — -Sein Heim! Ein Ziuenr 
durchlief -.ihre - Gestatt, »lernte sie doch plötzlich wieder, sich in 
. seinen Armen zu fühlen, an - sein - Herz gedrstckr. 
. „Verzeihung, Brn oneßcheu !* batte er gesagt. Was sollte 
sie verzeihen'S — Daß er sie inl'te ? — 
* Sie legte sich schließlich zur Ruhe, -aber sie schloß lei» 
Auge. - 
Am Morgen in aller Frühe brachte ihr Lisette einen Brief 
vpm Grafen. . ilnter Herzkiorfen-össliete sie Mid las: „Barones;- 
. chrn, verzeihen Sie dem a t len Freunde, .der sich so vergast. 
Ich gehe fort, um die mir zilwiinueude Ruhe zu er.äugen. 
: Wmn ich wiederkomme, werden Sie jo freundlich- jj» mir 'jciit, 
wie Sie sich stets sein a lr.en Freunde' gezeigr haben., und 
werden vergehe» haben und verziehen,' daß er sich im S.urin 
des Angeitüliäs vergaß." , 
An dein Wort „alt", das der Graf jedesmal unterstrichen 
hatte, blieb. Hildegards Btiek hasten, nachdem-sic vmstanden 
halte, daß der Graf abgereist -rar. - ", 
n ..Atl!" warum »»amire er sich: .alt", in so absichtlicher 
Weife'? Was halte es denn zu sagen, daß er älter war ajs 
si-, weit» er sie doch lwbie ? Ach! daß sie ihn hätte zurüä- 
rufei» könne». - ch - ^ - 
Das Friihliiigsraii-chen verklang vor ihren Öhren. Jetzt 
empfand sie. daß es Winter war. Wenn der Graf wiederkam 
und hatte seine riebe bekämpf-, hatie den Sieg über lieh er- 
o Meldung zur Stammrolle. Durch Bekannt, 
machung in dieser Zeitung fordert der Gemeindevorsteher 
alle sich hier dauernd aushaltenden Militärpflichtigen, die 
in den Jahren 1890, 1891, 1892 geboren sind und ihrer 
Militärpflicht noch nicht genügt haben oder die vor 1890 
geboren sind, aber eine endgültige Entscheidung über ihre 
Militärpflicht bisher noch nicht erhaltenZhaben, auf. sich in 
der Zeit vom 15. Januar bis einschließlich 1. Februar 
I 1912 während der Dienftstunden von Bormittags 8 bis 
| Nachmittag» 3 Uhr im hiesigen Gemeindeamt, Feurig- 
: straße 8, Zimmer 51/52 zur Stammrolle zu melden. 
o Zn der Einführung des 2. Teils des Gesetzes 
über die Sicherung der Bauforderuuge« nahm der 
Verband der Baugeschäfte von Berlin und den Vororten 
in einer außerordentlichen Generalversammlung Stellung. 
ES wurde folgender Beschluß gefaßt: 
Die außerordenttichi tzeueralversammlung des Verbandes der 
Baugeschäfte von Berlin und den Vororten erkennt die auf dem Bau» 
spekulationZmaikt besteheirde:! Mißstande an. Nach eingehender und 
gerechter Würdigung all-r Vorteile und Nachteile des 2. Teile« des 
Gesetzes über die Sicherung der Bauforderungen lehnt sie eS jedoch 
ab, wegen der schwerwiegei-den Eingriffe dieses Gesetzes in das 
gesamte Wirtschaftsleben des Baugewerbes, die Einführung des 
2. Teiles von der Regierung zu fordern, solange nicht alle Wege und 
Mittel erschöpft sind, um durch Ergänzung und strengere Durch 
führung d?S 1. Teile-, durch weitere behördliche Maßnahmen und 
durch Selbsthilfe öer interessierten Körperjchaften ein: Abhilfe der 
Mißstände herbeizuführen. Die Generalverfcn.mlu.ig beauftragt die 
Verbandsleitung, den gesetzgebenden Körperschaften Anträge für den 
Ausbau de» eisten Teiles zu unterbreiten und andere Mittel und 
Wege zur Beseitigung der Mißstände vorzuschlagen. 
o Nießbrauch zur Sicherung einer Korderung. 
Der Nießbrauch an einem Grundstück pflegr vornehmlich 
aus zwei Anlässen bestellt zu werden: einmal auf Grund 
'etztwilliger Verfügungen, meist an Vorerben: sodann zur 
Sicherung von persönlichen Forderungen an Gläubiger dcs 
Eigentümers. Ueber die Bedeutung eines solchen zur 
Sicherung ein-'r Forderung bestellten Nießbrauchs hat sich 
daS Reichsgericht in einem interessanten Erkcnnln'.S' aus 
gesprochen. Es war folgendem Tatbestand zu üeurteiien: 
Der Bauunternehmer Sch. hatte einem seiner Gläubiger 
für dessen Wcchsetforderung den Nießbrauch an seinem 
Grundstücke bestellt. Auf Grund dessen zog der Gläubiger 
die Mieten des Hauses eiri und verrechnete die einge 
zogenen Bet.ägc auf seine Forderung. Einige Zeit danach 
wurde das Grundstück auf Betrciäeu der Deutschen Bank 
a!§ Hnxolhekrnglänbigrrin wegen einer nicht bezahlten 
Zinsforderung zur Zwangsversteigerung gebrecht. Für den 
hierdurch nir ihn tingrtrrtsnen Schaden machte der Eigen 
tümer Sch. im Prozeßwege den Nießbraucher verantwortlich. 
Dieter habe, so führte Sch. aus, nach § 1047 BGB. auch 
die Hypothrkenzirflen zahlen müssen: durch Nichterfüllung 
dieser Pflicht sei es zur ZwangSvkrftrracr-.ma gekommen 
in d der Schaden eingetreten. Landgericht und Oöer- 
landeSgerichl wiesen den Kläger ab. Das Oberlandes 
gericht führte ans: Der Kläger stützt seinen Anspruch 
daraus, der Beklagte habe gegen 8 1047 BGB. verstoßen, 
weil er die Hypothrkenzlnsen nicht zahlte. Diese Gesetzes- 
fti: - v. ■ d 'uu'-i'!l.d7 «ftsH-rrftssu7-u, ,Ü'Ü1 er ßlnu mWftij'rDM 
.kn-.H'e, -dich f.iU ern Ecy« iü- ihr'enirH?»rnt>zcs,üräE 
lra-k-s,' Äre -.rar . d.rs Vag) so karg «lirFeiuen Gaveii'^E 
Beim Frühstück erzählte Hildegard der Taine. das: der 
Graf verreist sei, scheinbar aus lange. 
„Der Graf verreist!'" . 
Tie Baronin schüttelte den Kops. Sie stand, vor einem 
Rätsel. ' 
„Auf lange," sagte sie, »das glaube ich nicht." Wie eine 
Beruhigung erschien Hildegard dieser Ausspruch. 
Sie machte sich dann zum Ausgehen bereit und wanderte 
durch den Park zur Gruft. Eine mächtige Unruhe iv« in ihr, 
und ihr Herz klopfte ungestüm, so daß sie wieder und wi^ft-r 
die Hand dagegen drücken mußte, als könnte sie -es dadurch 
benlhigen- 
Sie stand bei den Toten. Ihre Hand glitt wie liebkosend 
über den-Sargdeckel, unter welchem ihr Pater schlief. „Papa," 
sagte sie leise, „Graf Erbach liebt mich." 
Sie ging zuni Schluß ilnd wunderte sich, daß der Tag 
noch nicht weiter vorgeschritten war. Tie StnnLeu'schkrpren 
sich so langsam hin. Wie lang , eine Stunde doch, eigentlich 
war, war. der Barones: noch, nie so klar geworden wie jetzt., 
Acht und ein Tag hatte vienilidjwaujigS.undeu. Wenn- der 
Graf viele Wochen' fortblieb, so, würden ihr diese wie eine 
Ewigkeit erscheinen. ’ ‘ V ^ \'• 
TreivTage vergingen. Am Abend dcs vierten Tages stund 
Hildegard im Saal, unter dem Weihnachtsbam».' DieBaronin 
. war in die Gärtnerivohnuug igegällgevi. um ßrit dem. GäNfler 
etwas zu befprechen. Hildegard halte die Hände 'gefallet. Sie 
- ging >vie int Trauln einher. Sie ivurde mit sich selber nicht 
'fertig. Ihr war zuniute, als sei ihre Seele ihr genomiücn 
worden. - ' s . 
/Der Saal war ultv matt erleuchtet. Sie blickte zu dem 
schönen, schlanken Täuneubaitm ans, der auf der Tafel stand, 
die noch genail so war wie am Weihnachtsabend. Die Lichte 
ivaren noch nicht liiede, gebrannt. Da fühlte Hildegard die Lust,
        
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