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Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 19.1912

Beilage zu Nr. 5 des „Kriedenauer Lokal-Anzeiger". 
Sonntag, den 7. Januar 1912. 
Sitzung der Hemeindeverlrelung 
vom Donnerstag, dem 4. Januar 1912. 
(Schluß.) 
Bürgermeister Walger bemerkt gegenüber den AuS- 
sthruugen deS ®.-93. Ott, daß die Begründung für besten 
Lotrag nichts neuer gebracht hat. Herr Ott habe ge- 
sagt» war schon gesagt worden ist. Auch der Antrag gibt 
kein neuer Material. Sr glaube, daß keine Sache so 
gründlich behandelt worden ist, wie die Rathausfrage. 
Man habe sich hier reichlich mit der Sache beschäftigt. 
Rach seinem Dafürhalten ist für eine nochmalig« Prüfung 
kein Grund vorhanden, da die Frage, ob das Rathaus am 
Marktplatz errichtet werden kann, noch gar nicht spruch 
reif ist, wetl^der Beschluß unter Bedingung gefaßt wurde, 
daß die Baufluchtlinienoeränderung genehmigt werde. Man 
kann sich also jede Debatte sparen und warten, bi« die 
Sache spruchreif ist und so kann man über den Antrag 
der TrundbesttzeroerrinS zur Tagesordnung übergehen. 
Denn «in Verein einen Anttag stellt, daß ein Beschluß 
umgestoßen werden soll, so müste dieser Verein auch 
Material geben. Ihm habe ein Mitglied deS Grund- 
besitzerorreinS. das in der Gemeindevertretung sitzt, gesagt, 
der Beschluß sei nur deshalb in dieser Form gefaßt worden, 
damit er nochmals abgelehnt werde, um dann Protest ein 
legen zu können. (@.-V. Gerken protestiert gegen eine 
derartige Auslegung seiner Worte). Herr Ott habe ge- 
sagt, er könne nicht glauben, daß dar RaumoerhältniS sich 
so bedeutend gegen srüher verändert habe. Demgegenüber 
möchte er hervorheben, daß die Etat», die sein AmtSvor- 
gäager für Jahre im voraus berechnet hatte, schon längst 
überholt sind. WaS die Bemängelungen einzelner Räume 
anbetristt, so ist doch zu bedenken, daß alle bisherigen 
Projekte nur Vorprojekt« sind, mit deren Zahlen man noch 
garnicht rechnen kann. Wenn Herr Ott die Schulbauten 
von Köpenick und Nowawe» anführte, so habe er nicht 
gesagt, wie hoch der Grundpreis dort für den umbauten 
Raum war. Diesen Grundpreis habe er genannt für 
staatliche Gebäude in Wetzlar, Liegnitz usw. Doch mit 
diesen Orten laste sich kein Vergleich anstellen. Wenn man 
vergleichen wolle, müste man Groß-Berliner Gebäude be- 
rückstchtigen. Gr stelle den Antrag, über die Eingabe deS 
Srundbefitzerverein» zur Tagesordnung überzugehen. 
S.'B. Kunow hätte gewünscht, daß man seinem Antrage 
damals gefolgt wäre, die Sache nochmals einer Kom 
mission zu überweisen. ES hat sich doch gezeigt, daß die 
Meinungen sehr verschieden sind. Man habe nun heute 
«ine Eingabe gehört, die von Männern unterzeichnet ist, 
die eine Meinung haben. Ob aber die Herren sich so in 
die Sache vertieft haben, ist doch zweifelhaft. Dasselbe 
gilt auch von denen, die sich in der Zeitung in nicht gerade 
rühmlicher Weise ausgedrückt haben. Die Meinung gegen 
das Projekt ist doch eine sehr große. Es darf die Minder 
heit durchaus nicht unterschätzt werden. Wenn nachträglich 
sich ein Ruf nach Rücknahme deS BeschlusteS kund tut, so 
meine er, dürste die Gemeindevertretung nicht so ohne 
Weiterer darüber hinweggehen. Wenn gesagt wurde, vor 
5 Jahren waren andere Anschauungen, dann möchte er 
doch empfehlen, wir warten nochmals 5 Jahre, vielleicht 
sind dann die Derhältniste auch wieder andere geworden. 
Er glaube, daß die Wünsche der Verwaltung außerordent 
lich hoch geschraubt sind. Gewiß kann man dies hier nicht 
so einfach klar legen, dazu gehört eingehende Arbeit. Wie 
man Herrn Ott widerlegt, so werde man ihn auch wider- 
legen. Aber es ist sicher, daß daS Projekt noch nirgends 
genau durchgearbeitet wurde. Von einzelnen Be. 
amten wohl, aber nicht im Ausschuß. ES war damals 
sein Wunsch, daß man von der Minderheit noch einige 
Herren gehört hätte und er hegte dabei die stille Hoffnung, 
daß sich die Herren dann auch noch überzeugt hätten. Die 
Minderheit hätte sich dann auch wohl beruhigt und es 
wäre all der Lärm nicht gekommen. Man hätte da mit 
größerer Mehrheit den Wunsch der Allgemeinheit erfüllt. 
Wir dürfen unsere Wünsche nicht so hoch tragen. Daß 
so^viele überschüssige Räume, wazu noch die Bürgermeister, 
wohnung kommt, die auch überschüssig ist, wirklich ge- 
braucht werden, möge ihn jemand erst nachweisen. Er 
glaube nicht daran. Der Herr Bürgermeister habe gesagt, 
der Raumbedarf habe sich in den letzten 5 Jahren so ge. 
steigert. Wer beweise aber, daß sich dieser Bedarf auch 
weiter noch so steigern werde, wo Friedenau fast auSge- 
baut ist. Er beantrage: nochmalige Ausschuß- 
brratung. G.»V. Gerken wollte anfangs nicht sprechen. 
Er müsse aber auf die Bemerkung deS Bürgermeisters zurück- 
kommen. Er habe gesagt, man habe im Grundbesttzerverein 
drnAntrag in solch vornehmer Form gefaßt, um nochmals eine 
Besprechung herbeizuführen. Wenn man damit nicht durch, 
dringe, so müsse man weiter gehen. Er könne im Interesse 
der Allgemeinheit nur für den Antrag Kunow eintreten. 
Die Minderheit sei doch keine geringe. Wenn man der 
Minderheit die Mitarbeit gönne, so könne eine Ueberein 
stimmung noch erzielt werden. Herr Ott hat recht, daß 
daS Projekt hier nicht in gehöriger Weise unterbreitet 
wurde. ES wurde hier nur die Platzfrage besprochen. 
Man möge für den WtlmerSdorfer Platz ebenfalls ein 
Projekt ausstellen, daS mit gleicher Liebe bearbeitet ist, wie 
dar Projekt am Marktplatz. Man habe ja noch viel Zeit 
zum Ueberlegen; der Herbst werde anbrechen, ohne daß wir 
einen Schritt weiter sind. Die Regierung gemahnt die. 
Kommunen immer zur Sparsamkeit und sie wird 
einem Projekt für solch teure Summe nicht zustimmen, 
wenn sie weiß, daß er billiger zu machen ist. Darum 
bitte er frühzeitig die Sache zu überlegen. Denn wenn 
man vielleicht nach einigen Jahren einen Rückzug an- 
treten müsse, sei die Situation für die Verwaltung 
kein« gutel (Unruhe). Er möchte raten, lassen Sie die 
Sach« noch ruhen! (Schöffe Lichthrim: Wer ist schuld, 
daß sie nicht ruht?) Wer schuld ist, der Schöffe Lichtheim, 
weil er ander» gestimmt hat (Heiterkeit). Man wird hier 
durch die vielen Reserveräume in ein Zukunftsbild hinein 
gespielt, daS nicht zutreffend ist. Er glaube nicht, daß der 
Zweckverband so große Belastung bringen wird, im 
Gegenteil, eS wird eine Zentralstelle geschaffen werden, in 
der für alle Gemeinden gemeinsam verschiedene Angelegen- 
heilen erledigt werden. ES wird also eine Entlastung 
durch den Zweckoerband für die Gemeinden eintreten. Und 
waS sollen wir dann mit dem großen Rathaus? Er sehe 
auch nicht ein, warum wir jetzt schon für alle Zukunft 
Vorsorgen sollen, da» macht keine Gemeinde. Ein Rathaus 
legt man auch nicht an die Grenze, man legt eS möglichst 
in die Mitte deS OrteS (Schöffe Lichtheim macht Be 
merkungen). Ich bitte den Herrn Bürgermeister, Herrn 
Lichtheim zur Ordnung zu rufen, er hat gesagt, waS ich 
sage, wäre Quatsch (Schöffe Lichthrim widerspricht, er habe 
solche Bemerkung nicht getan). Ec bittet dann, dem 
Antrage Kunow auf AuSschußberatung zuzustimmen. G.-V. 
Ott betont, daS Rathaus sollte 1906 für 55 000 Lin- 
wohner reichen und heute auch. Da können die Raum- 
bedürfnisse nicht so hoch gestiegen sein. Für dar Bauamt 
sind außerdem 11 Räume vorgesehen. Dabei stehe daS 
Bauamt durch den bevorstehenden vollständigen Ausbau 
Friedenaus doch auf dem Aussterbeetat. Ec sei auch für 
den Antrag Kunow. Schöffe Lichthetm hält die An- 
nahm« deS Antrages Kunow für ein Mißtrauensvotum 
gegenüber dem BauauSschuß. Sr glaube auch nicht, daß 
man durch eine nochmalige AuSschußberatung zu einem 
anderen Ergebnis kommen werde. So halte er eine noch 
malige Beratung für überflüssig. Herr Gerken sagte, es 
wäre daS Projekt nicht genügend erörtert worden. Er 
habe schon im HauS- und Grundbesitzerverein gesagt, 
warum die Herren denn nicht selbst einmal ein Projekt 
ausstellen, Herr Ruhemann sei doch ein tüchtiger Architekt. 
Und ein Projekt aufzustellen, sei doch nicht etwa« so 
großes (Oho. Zurufe: Bezahlt eS die Gemeinde? Die 
Projekte deS BauratS bezahlen wir). Auf die Frage, wer 
hat schuld, daß die Sache nicht zur Ruhe komme, ant 
worte er: Herr Gerken. Er habe überall nur die Stimme 
deS Herrn Gerken gehört, das müssen auch die Herren zu- 
geben, die mit ihm an einem Strang ziehen. Es freue 
ihn, daß der „Fried. Lok.-Anz." jetzt auch schon eine 
Schwenkung (?) gemacht hat; denn in seiner Neujahrs 
nummer schreibt er. daß man doch zur Ruhe kommen 
möge und zunächst mal abwarte. Damit ist eine Aenderung 
in der Anschauung deS Lokal-AnzeigerS eingetreten (?) und 
eS wird hoffentlich auch bald das bei ihm eintreten, waS 
am Kopf steht: er wird unparteiisch werden. (Sind 
wir immer, Herr Lichtheim, wir vertreten aber auch 
kommunale Interessen. Schrift!) G.-V. Schultz tritt für 
den Antrag Kunow ein. Viel neues werde wohl kaum 
noch vorzubringen sein. Er sei insofern für daS Projekt 
am WilmerSdorfer Platz, weil mindestens eine Million 
geopfert werde. Friedenau habe hierdurch jährlich 50 000 
Mark weniger Zinsen zu zahlen. Der Gemeindevertreter 
sei dazu da, daß seine Mitbürger nicht mit Steuern über- 
lastet werden. Hierdurch wird das Ansehen Friedenaus 
nicht geschmälert. ES ist nicht nötig, daß man daS auf 
gebrachte oder aufzubringende Geld der Bürgerschaft mit 
vollen Händen fortwerfe. Wir haben jetzt 7 fette Jahre 
hinter uns, wo wir aus dem Vollen wirtschaften konnten. 
Jetzt aber kommen die 7 mageren Jahre (sehr richtig). 
Wir müssen uns daher mit Geldausgaben vorsehen. Bei 
dem Grundstück am Markt werden wir niemals etwas 
verlieren und die zu zahlenden Zinsen werden beim 
Verkauf sich verdoppeln. Er sei als Anwohner der Rhein 
straße ja auch Interessent für das Marktplatzprojekt, der 
größte Teil der Unterzeichner der soeben verlesenen Ein 
gabe seien ja Interessenten, die anderen seien Künstler 
und Architekten und bei diesen Herren kann eS meistens 
nicht genug kosten. Doch er gehe nicht darnach, welchen 
Vorteil e r haben könnte, er trete nur deshalb für den 
WilmerSdorfer Platz ein, weil der Bau hier billiger für die 
Gemeinde ist und bitte daher, den Antrag Kunow anzunehmen. 
G.-V. v. Wrochem will zum Antrag des Grundbesitzer- 
Vereins nicht sprechen (Zurufe). Ja, die Herren haben ja 
alle zum Antrag Kunow bis jetzt gesprochen, denn s. A. 
nach konnte dazu erst gesprochen werden, wenn über den 
Antrag des Grundbesitzervereins zuvor abgestimmt war. 
Ec wollte nur seinen Standpunkt zu erkennen geben, wenn 
es künftig Brauch werden sollte, daß zu jeder Sache eine 
Kommission pro und contra eingesetzt werde. ES ist ja 
schon im Grundbesitzerverein gesagt worden, daß alle die 
rauS müssen, die gegen den WilmerSdorfer Platz stimmten. 
Da nun jedenfalls zunächst die daran kommen, die diesmal 
ausscheiden und er zu diesen gehöre, so verbessere er ja 
seine Position nicht, wenn er hier erkläre, daß er, falls er 
die Ehre haben sollte, auch ferner der Gemeindevertretung 
anzugehören, nie mehr einer Kommission beitreten werde, 
wenn noch eine Gegen-Kommisston eingesetzt würde. Er 
könne dies nicht mit seinem AnstandSgefühl vereinbaren. 
G.-V. Gerken meinte, eS sei dies doch ein besonderer 
Fall, der nur einmal vorkomme, da könne man nicht ein 
gehend genug prüfen. Er stehe aber nicht auf dem 
Standpunkt, den Herr v. Wrochem bezgl. der Wiederwahl 
hier angeführt habe. Er sei nicht der Ansicht, daß der- 
jenige rausfliegen müsse, der mal eine andere Ansicht 
kundgegeben habe, wie man eS von ihm gewünscht hätte. 
Aber er bitte Herrn v. Wrochem doch, eS sich noch einmal 
sehr zu überlegen (Lachen). Und so rufe er ihm zu: 
JultuS kehre zurück, dir ist alles vergeben! 
(stürmische Heiterkeit). Gemeindebaurat Altmann wollte 
eigentlich auch nicht sprechen, er müsse aber Herrn Ott er- 
widern, da dieser mit irrigen Zahlen operiere. Er er- 
wähnt dann, daß die bebaubare Fläche am WilmerSdorfer 
Platz nur 1645 qm betrage, gegenüber 1772 am Markt 
platz. Herr Ott habe dann die Schulbauten in Köpenick rc. 
angeführt, ohne eine Basis zu gründe zu legen. Die an- 
geführten staatlichen Gebäude in Wetzlar usw. sprechen 
aber für hiesige Verhältnisse nicht mit. Wenn hierher 
Sachverständige auS den Nachbargemeinden kommen und 
sie hören, was unsere Schulen gekostet haben, so bekommen 
sie jedesmal einen Schreck und sagen, er solle die Summe 
nicht laut nennen. Die Beträge für Verlust beim Grund» 
stückSoerkauf und für ein neues Schulgrundstück müssen mit 
berechnet werden, weil man immer die zukünftigen Be 
dürfnisse bei allen Dingen mit inbetracht zu ziehen habe. 
ES stimmt auch nicht, daß viele Räume über 20 qm sind. 
Er bitte Herrn Ott, sich die Räume einmal anzusehen und 
genau auszumessen, dann wird er zu der Ansicht kommen, 
daß die Räume nicht zu groß bemessen sind. Der Baurat 
nennt einige Maße für Zimmer. Das Projekt von 1906 
hatte ja den großen Fehler, daß die Räume zu klein be 
messen waren, dar hatte ja Herr Bache selbst bemängelt. 
Nun hält man die Räume wieder für zu groß. WaS die 
Mieten für die Unterbeamtenwohnungen anbetrifft, so habe 
man hier nur einen Fall, bet den Schuppenanlagen. Dort 
werde dem Beamten die Miete angerechnet. Für Schul- 
dtener werden dagegen allgemein keine Mieten erhoben. 
Die Sparkasse einzurichten ist aber ausdrücklich in dem 
Beschlusse über den Rathausbau mit beschlossen worden. 
Er weiß nicht, ob das den Ort ltebende.Bürger sein sollen, 
die überall zu verhetzen suchen. Die Unterzeichner der 
Eingabe sind durchaus nicht nur Künstler und Architekten; 
eS sind Herren, die sich sehr rege um kommunale Verhält 
nisse kümmern, wenn sie auch nicht jeden Abend ein Ein- 
gesandt an die Zeitung schicken. Der Name Sarrazin habe 
hier einen guten Klang. DaS Projekt ist im BauauSschuß 
auch eingehend besprochen worden. Wenn Herr Kunow 
bei den Beratungen nicht zugegen war, so lag dies eben 
an unglücklichen Verhältnissen, die ihn der Sitzung fern 
hielten. Herr Kunow habe, als er zuerst beide Projekte 
gegenüber sah, im BauauSschuß erklärt, daß er nun auch 
für daS Projekt am Marktplatz sei. DaS ist eS ja eben, 
waS ihm die Sache so schwirig mache, er weiß garnicht 
mehr, wie er sich durch all die Zahlen hindurch winden 
soll. Er glaube nicht, daß die Herren der Opposition sich 
durch eine AuSschußberatung überzeugen lassen. G.-B. 
Kunow möchte auf die AuSplauderung der Herrn Baurat 
erwidern, daß er allerdings im ersten Augenblick für daS 
Lauterplatzprojekt eingenommen war, warum, weil er das 
schönere ist. AIS er sich aber die Kosten ansah, hat er sich 
doch anders überlegt und hat sich gesagt, die Sache ist zu 
teuer. Und zu dieser Ueberzeugung werden auch die 
anderen Herren noch kommen, wenn sie auch heute noch 
nicht dazu gekommen sind. Gewiß ist der Entwurf fü' 
den Marktplatz der schönere. Er glaube nicht, daß durch 
die Mitwirkung der Herren der Opposition eine andere 
Entscheidung getroffen würde. Herr v. Wrochem habe gesagt, 
daß alle die Herren eines Ausschusses, die sich dar gefallen 
lassen unanständig wären. Wenn dies der Fall wäre, 
gibt es nicht viel anständige. Er wolle durchaus nicht, 
daß jemand unanständig wird und so glaube er, Herr 
v. Wrochem habe wohl ein anderes Wort gebrauchen 
wollen. Schöffe Sadee stellt einen Antrag auf Schluß 
der Debatte. Auf der Rednerliste stehen noch G.-V. 
Gerken, Ott, Schöffe Bache, G.-V. Richter, Haustein und 
v. Wrochem. G.-B. Ott spricht gegen Schluß der Debatte, 
da er dadurch verhindert wäre, dem Gemeindebaurat zu 
antworten. Mit 10 gegen 13 Stimmen wird der Antrag 
abgelehnt. G.-V. Gerken wendet sich gegen die Be 
merkung deS Baurats, daß diejenigen, die dem Beschluffe 
nicht zustimmen, verhetzen. Tr bedauere es sehr, daß der 
Vorsitzende diesen Ausdruck nicht rügte, da doch nur Mit 
glieder der Versammlung gemeint sein konnten. WaS 
Herr Lichtheim gesagt habe, erfülle ihn mit Stolz, er hatte 
noch garnicht gewußt, daß er solch ein tüchtiger Kerl sei. 
Aber eS sei ihm von vielen Bürgern und Bürgerinnen 
Anerkennung zuteil geworden, daß er die Sache so mann 
haft vertrete. G.-V. Ott bemerkt gegenüber den Aus- 
führungen des Baurats, daß er nicht als Referent des 
GrundbesitzervercinS-Antrages gesprochen habe, sondern er 
habe seinen eigenen Antrag vertreten, denn er sei Mieter. 
Er habe ferner nur Zahlen genannt, die gedruckt 
stehen, die Zahlen stehen einmal im Programm von 1906, 
zum anderen in der letzten Denkschrift. Er müsse sich 
daher ganz energisch dagegen verwahren, daß er mit 
angenommenen Zahlen operiert habe. WaS die Größen- 
Verhältnisse der Zimmer anbetrifft, so bemerke er, daß er 
selbst Beamter sei und genau so, wie es der Herr Baurat 
sagte, sein Zimmer auSgemeffen habe, daß 16 qm groß 
sei. Und dieses Zimmer sei ihm schon zu groß. Für 
die einzelnen Beamten sind aber Zimmer von 20 und 
mehr Quadratmeter vorgesehen. Er stütze sich also voll 
kommen auf Tatsachen. Schöffe Bache führt aus, eS sei 
vielfach gesagt worden, daß er pro äorno spreche, da er 
der einzige sei, der in der Handjerystraße wohne und der 
nicht für daS RathauSprojekt am Marktplatz se>. Von den 
Unterzeichnern der heute verlesen Eingabe wohnen 34 
rund um den Marktplatz, wo das Rathaus hinkommen 
soll. Er könne also den Herren noch mehr den Vorwurf 
machen, daß sie für ihre eigenen Interessen wären. Er 
habe niemals auS seiner Stellung Kapital zu schlagen ver 
sucht. Er sei gegen die Errichtung des Rathauses am 
Marktplatz, weil ihm der Platz nicht geeignet erscheint. 
Der WilmerSdorfer Platz ist gesünder und ruhiger. Doch 
daS wäre noch dar wenigste, die Hauptsache ist, daß 
daS Rathaus am Martplatz zu teuer ist. Er 
möchte mal fragen, ob wir uns noch alles da» 
leisten können, waS wir unS vorgenommen 
haben? Wenn wir so weiter wirtschaften, stehen wir 
bald am Schluß. Nach den Berichten der Rechnung»- 
Prüfungskommission, die Herr Ott mitgeteilt, müsse er e» 
bezweifeln, daß wir dann noch weiter bestehen können. ES 
war jüngst ein Hausbesitzer bei ihm, der sagte, 2 /, der 
Hausbesitzer wollen sich eingemeinden lassen. Er habe 
dem Herrn so gut wie eS ging, widerlegt. Doch schrieb 
der Herr ihm, ,daß der Grundbesttzerverein doch die Frage 
erörtern solle. Herr Draeger, der jetzt für den Millionen-
        
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