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Periodical volume Nr. 1, 02.01.1912

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 19.1912

dar «eue Jahr rege wurden, in Erfüllung gehen. Da» sei 
unser herzlichster Wunsch! 
o Der Monat Januar. Der Januar, auch Eis- 
Monat oder Hartung (Zeit der frosterstarrten Erde) genannt, 
hat seinen Namen nach JanuS, der alten italienischen und 
römischen Gottheit, dem Regierer de» Jahre», Gebieter 
über Krieg und Frieden. Gott der Zeit und alle» Anfangs 
erhalten. Bekannt ist unS diese Gottheit bildlich durch 
daS yor- und rückwärts schauende Doppelgestcht. Ein 
richtiger Januar soll hart und reich an Eis und Schnee 
sein; niemand erwartet auch etwas anderes von ihm! Ist 
der erste der Monate dagegen lau und naß, so blickt der 
Landmann betrübt in die Zukunft und fürchtet sich schon 
jetzt vor den später nachhinkenden Eismännern und einem 
regenreichen Sommer. Hoffen wir also, daß uns das vor 
schauende Janusgesicht freundliche Wege zeigt, sein rück- 
schauendes Antlitz blickt auf ein verworrenes Jahr der 
Hitzekalamitäten, der Kriege und der Teuerung! 
o Schulnachrichteu. Die vorbehaltfose Anstellung 
der Lehrerin Frl. CH. Kabelitz ist soeben amtlich bekannt 
gegeben worden. 
o Zweite Hypotheken durch die Gemeinde«. Die 
Weißenseer Gemeindebehörden haben beschloffen eine Anleihe 
von fünf Millionen Mark aufzunehmen und diesen Betrag 
den Grundbesitzern als zweite Hypotheken zur Verfügung 
zu stellen. Der § 1 des beschlossenen Ortsstatuts lautet: 
»Zar Förderung der Bautätigkeit in der Gemeinde, insbesondere 
zur Förderung der Erbauung kleinerer und mittlerer Wohnungen, leiht 
dre Gemeinde Darlehne aus, gegen Sicherstellung durch zweite 
Hypotheken. Die Gewährung der Darlehen erlfolgt aus dem Hypotheken 
fonds. Die Beleihung erfolgt in der Regel innerhalb 75 Proz., in 
besonderen Fällen innerhalb 80 Proz. des Wertes des zu beleihenden 
Grundstücks«. 
o Zu den Neuerungen im Stadt- und Vorort« 
verkehr, die mit dem 1. Januar in Kraft getreten sind» 
gehört auch die versuchsweise Einführung von besonderen 
Abteilen für Reisende mit Hunden. In allen Stadt-, 
Ring- und Vorortzügen, bei denen zur Zeit zwei Raucher 
abteile zu diesem Zweck vorgesehen sind, soll nämlich ver 
suchsweise noch ein drittes und zwar ein Nichtraucherabteil 
für Reisende mit Hunden eingerichtet werden. Hierzu ist in 
der Regel das der zweiten Klaffe unmittelbar benachbarte 
Nichtraucherabteil dritter Klaffe zu verwenden; bei den 
Wagenzügen, welche die zweite Klasse nicht führen, soll 
daS dritte Hundeabteil sich möglichst in der Mitte des 
Zuges befinden. Diese neue Einrichtung soll daS ganze 
Jahr hindurch versucht, und wenn st« sich bewährt, bei 
behalten werden. — Bei dieser Gelegenheit sei nochmals 
daran erinnert, daß von jetzt ab die Zusatzkarlen zur 
Weiterfahrt über das Ziel hinaus, möglichst schon auf der 
AntrittSstation der Reise gelöst werden müssen, da sonst 
für die ohne giltige Fahrkarte zurückgelegte Strecke, außer 
dem tarifmäßigen Preise, noch ein Zuschlag (II. Klasse 
15 Pf., HL Klasse 10 Pf.) zu entrichten ist. Die 
Zuschlagkarten sind, außer am Schalter, auch auf dem 
Bahnsteig erhältlich. 
o Die Charlottenburger Wasserwerke, die auch 
Friedenau mit Wasser versorgen, werden auch in diesem 
Jahre, wie im Vorjahre, eine Dividende von 12 Prozent 
ausgeben. 
o Der «eue Tarif für Ttelleuvermittler, der 
Mitte Januar 1912 in Kraft treten soll, weist für einige 
Kategorien von Angestellten höhere Sätze auf, als der 
letzte, der durchschnittlich auf 6 M. lautete, zuließ. Für 
Dienstmädchen — welche wohl daS Hauptkontignent für 
die Stellenvermittlung stellen — ist der Satz von 6 M. 
geblieben. Die Vermittlungsgebühr beträgt nach dem 
neuen Tarif: 
I. Männliches Personal: 1. soweit cs der Gesindeordnung unter- 
steht: a) Diener, Kammerdiener, Silberdiener, Leibjiger, Kutscher, 
Köche 15 M.; d) alles übrige Personal, soweit es nicht unter a) fällt, 
wie Stall- und Hausburschen, Küchenjungen, Liftboys, Dienerjungen, 
Grooms und ähnl. 6 M.; 2. soweit der Dienstvertrag auf Grund des 
Bürgerlichen Gesetzbuchs abgeschlossen wird: a) Kraftwagenführer, 
Gärtner 15 M.; b) Portiers 8 M. — II. Weibliches Personal: 
1. soweit es der Gesindeordnung untersteht: a) Köchinnen, geprüfte 
Säuglingspflegerinnen 15 M.; b) Köchinnen ohne Zimmerarbeit, 
Jungfem, Dienermädchen 12 M.; o) Köchinnen, Hausmädchen und 
Stubenmädchen, wenn sie neben anderem Gesinde im Haushalt be 
schäftigt werden, 8 1.; d) alles übrige weibliche Dienstpersonal im 
Haushalt, wie: Aufwärterinncn (Tagemädchen, Stundenmidchen), 
Alleinmädchen, Mädchen für alles, Kindermädchen, Kinderfrauen, 
Kinder-Wärterinnen, Bonnen, Küchenmädchen und ähnl. 6 M.; 2. soweit 
der Dienstvertrag auf Grund des Bürgerl. Gesetzb. abgeschlossen wird; 
a) Hausdamen, Repräsentantinnen 20 M.; b) Stützen, Wirt- 
schafterinnen, Haushälterinnen, Gesellschafterinnen 10 M. — III. 1. Lehr- 
und Erziehungspersonal, soweit der Dienstvertrag auf Grund des 
Bürgerl. Gesetzb. abgeschlossen wird: a) Hauslehrer, Lehrerinnen, 
geprüfte Erzieherinnen, geprüfte Gouveranten, geprüfte Kinder- 
gärtnerinnen 1. Kl. 20 M.; b) Erzieherinnen und Gouvernanten mit 
abgeschlossener höherer Töchterschul- und Mittelschulbildung 12 M.; 
o) Kindergärtnerinnen 2. Kl., Kinderfriuleins 8 M.; 2. bei Ber- 
mittlung des Personals zu 1. in Stellungen ohne Bargehalt (Ferien- 
engagement, Engagement für Reisen) die Hälfte vorstehender unter 
1. a), b) c) festgesetzten Gebühren. — IV. Ammen 25 M. 
o Deutsche Kunst im Anskand. Nach 4jährigem 
Aufenthalt in Argentinien ist der Kunstmaler Martin 
Gscheidel nach Deutschland zurückgekehrt und hat hier 
Beckerstr. 3 Wohnung genommen. Der Künstler wurde 
s. Zt. durch sein in der großen Kunstausstellung ausge 
stelltes fesselndes, lebenStreues Gemälde „Monte Carlos, 
daS vielfach reproduziert wurde, in weiten Kreisen bekannt. 
Anläßlich seines Abschieds von Argentinien widmeten ihm 
dst dortigen deutschen Zeitungen längere Artikel. Wir 
Äitnehrüen einem solchen Artikel der „Deutschen La Plata 
Zeihuna" über die Kunst Martin Gscheidels und seine 
Tätigkeit in Argentinien das Folgende: 
. . . Herr Martin Gscheidel ist ein Künstler, dem das Schaffen 
etn Gebot, die Arbeit eine Not ist. Monatelang hat er auf den 
§ aranainseln wie ein Eikifiedler gelebt, unermüdlich gearbeitet an dem 
»stehen der ihn umgebenden, aller gewährenden Natur und an der 
feinen, formvollendeten Gestaltung und Wiedergabe dessen, was jene 
Natur Ihm innerlich erleben ließ. Fleiß ist bekanntlich ein Wahrzeichen 
des Genies: der Glaube, daß die Großen im Geiste hier auf Erden 
ihre Werke nur so aus dem Aermel geschüttelt hätten, konnte nur von 
recht kindlichen Menschen gehegt werden. Aus den Werken des Herrn 
Gscheidel empfindet man gewissermaßen diese Sorgfalt, den Fleiß, die 
unablässige, sich selbst nie genugtuende Arbeitsschnsucht heraus; nur 
'Genauigkeit bis ins Kleinste, ohne daß dabei der Blick auf das 
Ganze verloren gegangen wäre, macht Werke von solcher Vollendung 
S o glich, wie wir dieselbe bei denen des Herrn Gscheidel bewundern 
nnen . ... ' 
Auch die „SonntagS-Zeitung, illustriertes Argentinisches 
Unterhaltungsblatt", bringt einen längeren AbschiedSartikrl 
und gleichzeitig Reproduktionen von mehreren Gemälden 
argentinischer Landschaften usw. deS Herrn Gscheidel. Wir 
begrüßen den Künstler in Friedenau und geben der Hoffnung 
Ausdruck, daß unS feine Kunst mit noch manchem schönen 
Werke erfreuen möge. 
o Der Weihnacht-verkehr auf den Berliner Fern 
bahnhöfen hat gegen daS Vorjahr ganz beträchtlich zuge 
nommen. ES wurden auf den Fernbahnhöfen, einschließlich 
Station Gesundbrunnen und Amtliches Reisebüro, am 
Donnerstag vor dem Fest 33 960, am Freitag 42 661, 
am Sonnabend 82 669 und am Sonntag (Heiliger Abend) 
75 331 Fahrkarten verkauft. Im vorigen Jahre reisten 
am heiligen Abend, der auf den Sonnabend fiel, zwar 
rund 10 000 Weihnachtsurlauber mehr von Berlin ab, 
indes ergibt die Gesamtzahl der verkauften Fahrkarten die 
234 621 (im Vorjahr 208 332) betrug, ein PluS von 
26 289 (= 12,6 Proz.) 
o Männer-Turnverein. Er war am 23. d. M., 
zwischen 8 und 9 Uhr Abends, als man eine Anzahl 
rüstiger Jünglinge mit flotten Schritten dem Hohenzollern 
zustreben sah: die Jünglmgsabieilung des Turnvereins ver- 
ämmelte sich hier im oberen Saale zu einer WeihnachlS- 
eier. Etwa 50—60 Jünglinge mochten anwesend sein, 
auch viele Angehörige waren erschienen. Pünktlich um 
9 Uhr begann die Feier mit dem Liede „Stille Nacht, 
heilige Nacht". AIS der Gesang verklungen, begrüßte der 
Turnwart der Abteilung, Herr Kurt Koppe, alle Ec- 
chienenen und gab dem Wunsche Ausdruck, daß der Abend 
einen alle befriedigenden Verlauf nehmen möge. Nachdem 
der Jüngling Bombach eindrucksvoll einen stimmungsvollen 
Prolog gesprochen, ergriff Herr Schriftsteller HanS Schrott- 
Fiechtl das Wort und plauderte in seiner anspruchslosen, 
einfachen Art von Weihnachten im Hochgebirge. EL waren 
n der Hauptsache Naturschilderungen von der eigenartigen 
Prägung, die wir an ihm längst kennen. Er erzählte von 
der winterlichen Holzarbeit, von den Weihnachtsbräuchen, 
beschrieb den nächtlichen Gang in die Chriftmette mitten 
n der klaren, horten, heiligen Nacht. Der poetische Reiz, 
rer im Wandern durch so eine heilige Winternacht, die 
Fackeln in der Hand, den knirschenden Schnee unter den 
Füßen, für jeden liegt, kam wunderschön zum Ausdruck. 
Weiler berichtete er von dem alten Kinderbrauch, in der 
heiligen Nacht volle Garben für die Vögel ins Freie zu 
teilen, damit die kleinen lustigen Dinger doch auch etwas 
vom heiligen Tag spüren — vom Wintersport und vom 
Liebesbarometer, dem Zelten (Früchtebrot), weil nur der 
Herzallerliebste so einen Zelten anschneiden dürfe. Endlich 
malte er eine Lawine aus; vom Einschneien und vom 
weißen Tod wußte er vielerlei. Er schilderte einen groben 
Lawinenbruch, der Menschenleben kostete, und schloß damit, 
wie eine Bäuerin ihre Tochter tröstete, deren Liebhaber 
eben nach Jahr und Tag auS dem Lawinenschnee auSge- 
graben wurde. Auf den nahen Feldern pflügten die Leute 
eben, und daS Diendl war faffungSloS zusammengebrochen 
an der Leiche. „Warum pflügen und eggen wir Bauern 
unsern Acker?" fragt die Bäuerin. Und wie das Diendl 
nicht antwortet, meint sie ruhig und fest: »Weißt, Pflug 
und Egg sind daS für den Acker, was Not und Leid für 
die Seel' ist. Beide müssen bessere Ernten bringen. Drum 
verbeiß dein Weh, wie'S jeder ordentliche Bauer auch tut 
und wohl auch tun muß!" — Der Vortrag bot viel 
Interessantes, Lehrreiches und Schönes, und wenn der 
Vortragende so frisch, sinnig und kernig plaudert, zwingt 
er ja immer die Augen seiner Zuhörer an seine Lippen. 
Gerade seiner einfachen und schmucklosen Art merkt man 
es an, daß er jedes Wort aus dem Herzen herausholt. 
Nach dem Vortrag folgte der gemeinsame Gesang deS 
LiedeS „O Tannenbaum". Hierauf erzählte Herr HanS 
Schrott-Firchtl die Geschichte des WeihnachtSsiedeS „Stille 
Nacht, heilige Nacht', das in 7 Jahren seinen 100. Geburts 
tag feiern kann. Der Gruber Franzl hat es gemacht, das 
Liedel. Und weilS in der Kirche keine Orgel hatten, haben 
sie eS mit Guitarrebegleitung daS erstemal öffentlich ge 
sungen. Im Jahre 1831 haben eS dann die Zillertaler 
Geschwister Staffen zum erstenmal in Leipzig gesungen, 
und von da an ging sein SiegeSzug durch die ganze 
gesittete Welt. Ueberall, wo man Weihnachten feiert, 
klingt dies Lied als ein echte», rechtes Liedl auS dem Berg, 
schmucklos, einfach und treu. Mit der Deklamation deS 
ergreifenden Gedichts „HanS Jürgen und sein Kind" durch 
den Jüngling Seeger fand der erste, ernste Teil der Feier 
einen eindrucksvollen Abschluß. Der 2. Teil der Feier 
begann mit der Bekanntgabe und Auszeichnung der Sieger 
bei dem in der JünglingSabteilung kurz vor Weihnachten 
veranstalteten Wetturnen. In der Oberstufe errang Bruno 
Martins mit 94 1 / 2 Punkten den 1. und Karl Mannke mit 
86 Punkten den 2. Preis. Sieger der Unterstufe waren 
Aribert Bombach mit 70^/, und Bruno Bernecker mit 66 
Punkten. Nun folgte eine Verlosung der mitgebrachten 
Geschenke, die längere Zeit die Gemüter in heiterster 
Stimmung hielt. Rezitationen der Jünglinge Schubotz 
und NieSluchowSki, die beachtenswertes Können zeigten, wurde 
ein flott gespielter Einakter, von den Jünglingen Kiewitz, 
Müller, Seeger, Stoltzenburg und Vollrath zur Darstellung 
gebracht, und die Ueberreichung der vom Verein gestifteten 
„offiziellen" Geschenke füllten den letzten Teil des Abends 
aus. Zum Schluß dankte Oberturnwart Kühn allen, die 
zum Gelingen der Feier beigetragen, insbesondere Herrn 
Turnwart Koppe, der es in vorzüglicher Weise verstanden, 
die Feier zu einer überaus würdigen und eindrucksvollen 
zu gestalten. Mit einem dreifachen „Gut Heil" dankten 
die Jünglinge ihrem Turnwart, der in selbstloser, hin- 
gebender Tätigkeit wieder ein Jahr für sie gearbeitet. — 
Mit Gesang hatte die Feier begonnen, mit Gesang wurde 
sie beschlossen. Als das melodische „So leb denn wohl' 
verklungen war, verließen alle erhobenen Herzen» die 
Stätte, an der sich nun schon seit einer Reihe von Jahren 
die Jünglinge des Vereins zusammenfinden, um ber 
Lichterglanz und Tannenduft einige Stunden reinster, 
edelster Freude zu verbringen. 
o Evangelischer Arbeiter«Verein für Frie 
denau und Umgegend. Die kürzlich stattgefundene 
Weihnachtsfeier nebst Bescherung der Kinder und an 
schließender Verlosung war äußerst zahlreich besucht. Be 
chert wurden 106 Kinder. Die aufgestellten Weihnacht»« 
afeln mit zahlreichen Gaben haben die allezeit entgegen- 
ommenden hiesigen Geschäftsleute reichlich füllen helfen. 
Ihnen sagte der Vorsitzende Herr Hugo Richter noch be- 
onderen Dank und empfahl seinen Mitgliedern, möglichst 
nur bet diesen zu kaufen, wobei er alle einzeln namentlich 
anführte. Zu der Feier selbst sei erwähnt, daß diese reich 
an Abwechselungen war. Weihnachtslieder und -Gedichte 
iiurn Teil mit vom Vorsitzenden arrangierten lebenden 
Bildern. Den Höhepunkt des Feste» bol wieder die An» 
prache de» Herrn Pfarrer Kleine. Besonder» erwähnen 
möchten wir auch das gut gespielte WeihnachlSfestspiel 
„Ehre Vater und Mutter", einstudiert von Frau Martha 
Winter. — Herr KammergerichtSreferendar Krug wird in 
rer am Dienstag, dem 2. Januar 1912, 8'/z Uhr Abend» 
m Kaiser-Wilhelmgarten stattfindenden Versammlung ein 
Violinkonzert geben, auch hier rechnet der Vorstand auf 
zahlreiche Beteiligung der Mitglieder. Die „Großstadt 
Hamburg" wird man am selbigen Abend ebenfalls kennen 
lernen, nebenbei wird der geschäftliche Teil kurz erledigt 
und eine Reihe neu sich Meldender in den Verein als Mit 
glieder aufgenommen. 
o Die Weihnachtsfeier im Parochialoerein der 
Positiven von Nathanael, die Freitag im großen Saal 
deS Kaiser Wilhelm-Garten stattfand, war so stark besucht, 
daß eine ganze Anzahl der zuletzt Gekommenen keinen 
Platz mehr fand. Nach gemeinsamem Gesänge sprach Herr 
Pfarrer Geest in gedankenreichen Worten über die tiefe 
Bedeutung der Weihnachtszeit, die nicht nur dir fröhliche 
ein darf, die sie für die Kinder ist, sondern die für Groß 
und Klein vor allem die gnadenbringende sein soll. Im 
Anschluß hieran erfreuten einige mit schönen Stimmen be 
gabte Vereinsmitglieder durch Vortrag alter und neuer 
WeihnachtSlieder die Versammlung. Und dann begann 
das für diesen Abend von Frau Rat Süßenbach gedichtete 
Weihnachtsspiel, dem mit großer Spannung entgegen 
gesehen wurde. Um eS vorweg zu sagen: die „Frohe Weih» 
nacht" erzielte tinen jubelnden Erfolg. Die erste Szene 
der „Frohen Weihnacht" führt unS in daS Häuschen der 
armen Frau Rother, die mit ihren beiden Kinderchen 
Franzel und Leni von ihrem Mann treulos verlassen 
wurde. Die arme Mutter kann .ihren Kindern keinen 
Baum schmücken, stellt ihnen aber in Aussicht, daß da» 
Christkind ihnen auch am Abend etwas bescheren werde, 
wenn sie von der Arbeit käme. Kaum ist die Mutter 
fort, so beschließen die Kinder, daS Christkind zu suchen. 
Im nahen Walde treffen sie einen Wanderer, der ihnen 
aber den Weg zum Christkind nicht weisen kann. Aus den 
Unbekannten macht die Begegnung einen tiefen Eindruck: 
er denkt an seine Kinder, die er einst verließ, als Weih 
nachtsmann will er zu ihnen zurückkehren. Die Kinder 
wandern weiter. Da kommen Zwerge daher mit Kapuzen 
und Windlichtern und tauschen ihre wunderlichen Ge 
danken über Weihnacht und Christkind auS. Auch sie 
können Franzel und Leni nicht zurechtweisen, und die 
Kinder wandern weiter. Nun betritt König Winter selbst 
die Bühne mit Krone und glitzerndem Mantel, und mit 
sich bringt er eine große Schar von kleinen Echneeflocken- 
Mädchen, die sich anmutig im Reigen drehe». Sie wissen 
den hinzugekommeaen Geschwistern viel Schöner vom 
Christkind zu erzählen, bis der Winter Leni sagt, das 
Christkind komme ungesehen. Nun ist eS dunkel geworden 
im Wald: die Kinder sind müde und schlafen ein. So 
findet sie die Mutter und bringt sie heim. AIS sie hier den 
Tisch mit Lichtern und Tannenzweigen geschmückt hat, 
kommt der Weihnachtsmann und bringt den Kindern viele 
gute Sachen. Da wird die Mutter unruhig und meint, 
er sei am falschen Ort, doch der Fremde tut die MaSke 
vom Gesicht und gibt sich reuig zu erkennen als Gatte 
und Vater. Nun können sie frohe Weihnacht feiern. Da» 
schöne Spiel fand großen Beifall, da sich jeder einzelne 
Darsteller von der besten Seite zeigte. Besonderen Ein 
druck machten die Massenszenen der Zwerg« und Schnee 
flocken mit ihrem musterhaften Zusammenspiel. In der 
folgenden Pause fand eine Tombola statt. Dann ent 
ließ nach gemeinsamem Gesänge Herr Redakteur Uhl, 
anknüpfend an die Rede deS Herrn Pfarrer Geest, mit 
einigen warmen Worten vom Segen der Weihnachtszeit 
die Versammlung. DaS Weihnachtsspiel fand so großen 
Anklang, daß eS auf vielseitigen Wunsch am 3. Januar 
1912 um 7 Uhr im Kaiser-Wilhelm-Garten wiederholt wird. 
o Mäuuer-Turn-Verei«. Die AlterS-Abteilung 
turnt nach dem Weihnachtsfeste heute (Dien»tag) wieder 
zum ersten Male in der Turnhalle deS Gymnasiums am 
Maybachplatz. 
o Ein Frühstück-marder schädigte wiederholt die 
Bäckermeister deS alte« OrtSteil» in Wilmersdorf. Die 
Polizei verhaftete nun in Echöneberg vor einigen Tagen 
einen Diplom-Jngenier. bei welchem etwa 30 solcher leerer 
Frühftücksbeutel vorgefunden wurden, darunter je ein 
Stück, welche» den Namen de» Bäckermeister Herrmann 
und den eines Herrn W., Berlinerstr. 23, trug. Durch 
eine Umfrage gelang e» nun festzustellen, daß der Dieb 
schon seit 6 bis 8 Wochen sein Unwesen trieb. — Auch in 
Friedenau sind in letzter Zeit wiederholt FrühstückSbeutel 
gestohlen worden. 
o Ein Stratzeubahunnfall ereignete sich am Sonntag 
nachmittags gegen 1 /^2 Uhr in der Beckerstraße. An einem 
Straßenbahnzuge der Linie 60 war die Kuppelung ge 
rissen und der Anhänger fuhr mit großer Gewalt auf den 
Hauptwagen. Hierbei wurde die Borderplattform de» 
Anhängers schwer beschädigt. Die meisten Fensterscheiben 
wurden zertrümmert. Einige Personen zogen sich schmerz 
hafte Wunden am Kopf und an den Händen zu. Berlrtzt 
sind der Kaufmann Erich Fack aus Saßnitz, der sich be 
suchsweise hier ac^^lt (Hautabschürfungen am rechten Arm). 
Portier Gustav Krüger auS der Hohenstaufenstraße 56 
(Hautabschürfungen am Hinterkopf), Bahnarbeitrr Hermann 
Russow auS der Gothenstraße 14 zu Schöneberg (Hautab 
schürfungen an der linken Hand) und ein Schaffner Domin. 
Die Verunglückten wurden im Auguste-Viktoria-Krankenhau» 
verbunden. — In der NeujahrSnacht fuhr an der Ecke 
der Haupt- und Ringbahnstraße eine Automobil-Droschke 
gegen einen Straßenbahnwagen der Linie v. Die Droschke
        
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