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Periodical volume Nr. 4, 05.01.1912

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 19.1912

ablehne. Darauf, wird Gemeindebaurat Altmann ein 
stin Mig gewählt. 
Bürgermeister Walger berichtet dann über Punkt 3: 
Besprechung der Eingabe de» Haus- und Grund- 
befitzer-Veretn» betreffend die RathauSplatzfrage: 
Gr habe in voriger Sitzung vom Eingang der Eingabe des 
Grundbesttzervereini Mitteilung gemacht. Herr Gerten 
halte beantragt, eine Besprechung der Eingabe auf die 
Tagesordnung der heutigen Sitzung zu setzm. ES wurde 
über den Antrag abgestimmt, der die Mehrheit nicht fand. 
Mithin hätte der Borstand die Sache vertagen können bis 
nach der Entscheidungüber die Veränderung der Baufluchtlinie. 
Da aber gewünscht wurde, daß die Sache besprochen und 
nicht vertagt werden sollte und da der Gemeindevorstand 
dec OeffentlichkLitund demGrundbesitzerverein gegenüber nicht 
den Eindruck erwecken wollte, als wenn er eine solche 
Besprechung scheue und nicht wünsche so habe er die 
Sache auf die Tagesordnung gesetzt, obwohl der Borstand 
der Ansicht sei, daß eine Besp echung erst dann wünschens 
wert wäre, wenn über die Baust ichtlinienveränderung ent 
schieden sei. Der Vorstand habe die Sache selbst auf die 
Tagesordnung gesetzt, um sie geschäftLordnungSmäßig zu 
erledigen. —- G.-V. Olt führt aus: Es wäre wünschens 
werter gewesen, man hätte damals den Antrag Kunow, 
der die Rathausp'atzfrage nochmals vrrtagt wünschte, an- 
genommen. Dann wären viele Reden und viel Schreiberei 
und Druckerschwärze erspart worden (sehr richtig). Er 
möchte heute ausgehen von der R -umberrchnung und 
müffe annehmen, daß di» Flächenberechnung von 1906 
richtig war. Darnach steht am WilmerSdorfer Platz eine 
bebaubare Fläche von 1765 gm zur Verfügung, während 
am Marktplatz erst durch Borrücken der Baufluchtlinie eine 
bebaubare Fläche von 1772 qm erzielt werden konnte. 
Wenn man also diese beiden Zahlen vergleicht, so ergibt 
sich, daß das Grundstück am Marktplatz sehr wenig größer 
ist, alS daS am WilmerSdorfer Platz Dann wurde 
immer vorgehalten, daß das Raumbedürfnis gegen 1906 
bedeutend gestiegen sei. 1906 habe man doch ebenfalls 
mit 50 000 Einwohner gerechnet. Daß man sich damals 
so stark verrechnet habe, sei also kaum anzunehmen und 
wäre, wenn eS der Fall fei, tief bedauerlich. Das ist 
aber durchaus nicht der Fall. Denn wenn man sich daS 
jetzt aufgestellte Raumbedürfnis ansehe, so könne man gut 
über 400 qm davon abstreichen, er habe 340 qm heraus» 
gerechnet. ES sind eine ganze Anzahl Zimmer über 
20 qm berechnet für eine einzelne Person. Solche Räume 
sind viel zu groß, in einem solchen Zimmer können gut 
zwei sitzen. Wenn nun damals daS Grundstück am 
WilmerSdorfer Platz genügte, so genügt es heut erst recht, 
denn damals war noch vorgesehen, daß nicht die ganze 
Baufläche ausgenützt werde, sondern sich ein organischer 
Anbau ermöglichen lasse. Bürgermeister Walger unter» 
bricht hier den Redner. Cr müsse ihn zur Sache rufen, 
auf der Tagesordnung stehe nicht, eine nochmalige Be 
sprechung der RathauSbaufrage, sondern der Antrag des 
HauS- und GrundbesitzervereinS, der eine nochmalige 
Prüfung der Rathausplatzfrage wünscht. Erst wenn man 
sich klar darüber sei, ob man eine nochmalige Prüfung 
der Platzfrage vornehmen wolle, könne darüber eine 
Debatte stattfinden. G-B. Ott bemerkt, er müsse doch, 
um zu einer Unterstützung deS Antrages zu kommen, eine 
Begründung vorausschicken. G.-B. Schultz hält ebenfalls 
eine Begründung für notwendig, denn sonst brauch? über 
haupt keine Debatte stattfinden. Bürgermeister Walgcr 
gibt zu, daß eine Begründung vorauszuschicken ist, er wolle 
die Ausführungen des Herrn Ott denn als solche Begründng 
anerkennen, ihn aber bitten, sich kurz zu fassen. G.-B. Ott 
fährt fort: Er möchte also feststellen, daß die Raumver 
hältnisse damals nicht genügend erörtert wurden. Es 
sind auch die Raumverhältnisse in der Denkschrift gegen 
über denen auf den Plänen ganz verschieden. Auf den 
Plänen sind durchweg höhere Zahlen angegeben. WaS 
die Finanzierung anbetrifft, so habe man das Grundstück 
am WilmerSdorfer Platz dadurch ungünstig beeinflußt, daß 
man 80 000 M. für Berlust beim Verkauf des Marktplatz- 
grundstückeS und 200 000 M. für Ankauf eines neuen 
Schulgrundstücks mit auf die Kosten für das Wilmers- 
dorfer Platz-Grundstück geworfen habe. DaS ist unzulässig, 
da wir kein neuer Dchulgrundstück zu kaufen brauchen, 
sondern geeignete Grundstücke für eine Schule besitzen. 
Bezüglich der Verkaufs des Marktplatzgrundstücks habe 
man bisher noch keine ernstlichen Bemühungen gemacht. 
Solange man keine ernstlichen Anstre: gungen gemacht 
habe, könne man nicht sagen, daß das Grundstück für den 
Auch scharten sich ihre Gedanken voll Sorge um Werner. 
Seit langer Zeit war leine Nachricht von ihm eingetroffen. 
War ihm etwas zugestoßen? Sollte doch der Fluch, der an 
den Mellinghausen hing, weiter, immer weiter arbeiten, einen 
Zweig nach dem anderen von dem Baum brechen? Sollte 
wieder nur die Familie auf zwei Augen ruhen? Wie ein 
Schauer faßte es sie jedesmal, wenn diese Gedanken sich ihrer 
bemächtigten. 
Da, am Tage vor dem heiligen Abend, kam ein Brief 
von Werner, der Hildegard tief erschütterte. Werner schrieb: 
„Hilde, es fehlte nicht viel, so war wieder ein Wellinghansen 
dahin. Aus den letzten Nachrichten, die ich von dir über Erwin 
hatte, habe ich entnommen, daß seine Zeit ivohl nur noch sehr 
kurz bemessen war. Wenn diese Zeilen in deine Hände kommen, 
ist wohl längst wieder ein Platz in der Gruft besetzt. — Viel 
leicht ist ein Brief von dir verloren gegangen. Eine Todes 
nachricht gelangte bis jetzt nicht in meine Hände, — vielleicht, 
weil ich in einem Hospital liegen niiißte, während unser Kreuzer 
seinen Kurs fortsetzte. Es hätte nicht viel gefehlt, Hilde, so 
hätten mich die Fische als Futter bekommen. Durch unvorsichtige 
Ladung wahrscheinlich ist ein Geschützrohr gesprungen und hat 
viel Unheil angerichtet. Einige Leute waren verwundet, rin 
Mann war sofort tot. Ich stand in der Nähe und lag be 
sinnungslos am Boden, ehe ich wußte, was mir geschehen war. 
Mein linker Arm war in einer Weise zerschmettert worden, 
daß nichts übrig blieb, als ihn sofort zu amputieren. Gräme 
dich nicht darüber, Hilde, und klage nicht; es muß mancher 
mit einem Arm in der Welt fertig werden. Dem Leben bin ich 
auf diese Weise wiedergegeben. Es ist ohnehin ivie ein Wunder, 
daß ich nicht sofort tot war. Wir Seeleute müssen ja stets 
ms alles gefaßt sein. Mehr als bei euch geschieht bei uns. 
>ede Stunde, die man lebt, ist wie ein besonderes Gescheit!, 
rs W"" ' aufzugeben und mich ans Land zu gewöhnen. 
berechneten Preis nicht verkäuflich ist. Wen» man aller 
berücksichtigt, so kommt der Bau am WilmerSdorfer Platz 
um 930 000 M. billiger alS am Marktplatz. Zur besseren 
Finanzierung de« MarktplatzprojckteS habe man nun 
Mieten für eine Bank, Unterbeamtenwohnungen, die bisher 
nirgends bezahlt werden, für einen Ratskeller mit hinauf 
gerechnet. Di« Miete für den Ratskeller ist viel zu hoch 
angenommen, die Krankenkasse aber habe man noch gar 
nicht. Dann ist eine Sparkasse vorgesehen. Wie kommt 
der Bauausschuß dazu, uns eine Sparkasse zuzulegen; 
darüber müssen wir doch erst beschließen. Unsere Be 
wohner können in Schöneberg, Wilmersdorf, bei der Kreis 
sparkasse überall sparen, wozu brauchen wir da noch eine 
besondere Sparkasse. Er erwähnt dann, daß er auS dem 
Teltower Kreikkalender ersehen habe, daß andere Teltower 
KceiSgemeinden ihre Schulgebäude bedeutend billiger gebaut 
haben, als Friedenau. Und dabei sehen diese Gebäude 
gleichfalls sehr schmuck aus. Ein Realgymnasium in 
Köpenick kostet nur 620 000 M. gegen 800 000 M. hier, 
eine höhere Mädchenschule in Nowawrs wurde für 390 000 
Mark gebaut, hier kostet solche Schule 720 000 M. 
Außerdem ist der angenommene Grundpreis von 20 M 
für den Quadratmeter umbauten R iumes zu doch bemessen. 
Der Staat habe für seine Gebäude in Wetzlar nur 18 43 
Mark, in Liegnitz 18,6 M-, in BreSlau 18,60 M. be 
zahlt. Wenn das Gebäude am WilmerSdorfer Platz 
errichtet werde, könne man einen geringeren Preis als 
20 M. annehmen. Ob wir Ursache zum Sparen haben, 
überlasse er jedermanns Ermessen. Seiner Meinung nach 
ist Sparsamkeit sehr notwendig. Er erwähnt dann die 
s. Zt. für das Marklplatzgrundstück hervorgehobenen 
Vorteile. Es heißt da, daß während des Baues die 
Feuerwache solange dort bleiben könne, wo sie jetzt ist. 
Daß aber das Bauamt während dieser Zeit verlegt 
werden müsse, ist mit keinem Worte erwähnt worden (sehr 
richtig). Er hält eS danach für wünschenswert, daß noch 
mals in eine Prüfung der Platzfrage eingetreten werde, 
um in der Bürgerschaft die Beruhigung zu schassen, die 
geschafft werden müsse. Er stelle daher den Antrag, 
nochmals in eine Prüfung der Platzfrage einzutreten. — 
Hiernach spricht der Bürgermeister, der Uebergang zur 
Tagesordnung beantragt. (Schluß folgt.) 
Lokates. 
(Nachdruck unserer o-Originatattikel nur mit OueSenangabk tieftatte») 
o Der Dreikönigstag Der sechste Januar geht 
jetzt fast spurlos an den Berlinern vorüber. Das war 
vormalS anders. Noch unter König F.'iedrich dem Großen 
hat der Tag insofern eine Rolle gespielt, alS an ihm die 
karnevalistischen Festlichkeiten ihren Anfang nahmen. 
Namentlich in den eisten Jahren der Regierung deS Königs, 
alS dieser noch nicht so viel „Geld fvr meine Kanonen 
gebrauchte, waren die Hoffeste rechte pomphaft. Man legte 
in früheren Zeilen Wert darauf, daß die Bevölkerung auch 
etwas von diesem Feste hatte, die sich damals viel mehr 
in der Oessentlichkeit abspielen als heutzutage. Am Drei 
königstage fand die große Schlittenfahrt des Hofes statt, 
die für die Berliner ein Saisonereignis bildete und bei 
der in der Tat eine große Pracht entfaltet wurde. Am 
Abend war dann Opernvorstellung. Da die Oper ganz 
auf königliche Kosten erhalten wurde, war der Eintritt 
frei, aber es wurden nur in der Karnevalszeit Opern ge 
geben. und zwar gewöhnlich zehn, am Montag und 
Freitag. Der König selbst besuchte die Oper nur selten 
und saß dann niemals in der Hofloge, sondern im Parkett, 
um der Musik nahe zu sein. Trompeten und Pauken 
kündigten jedesmal die Ankunft der königlichen Herrschaften 
an, und wenn der König sich hatte anmelden lassen, so 
durfte die Vorstellung erst nach seinem Erscheinen eröffnet 
werden. Ebenso bestimmte der König das Stück. In den 
Lagen saßen die Hofleute und höheren Beamten, die ihre 
bestimmten Plätze hatten. Die übrigen Billets verteilte 
der directeur des spectacles. Der größte Teil des 
Theaters gehörte also oem Publikum, und man kann sich 
denken, daß der Berliner keine Mühe scheute, sich einen 
Platz zu erringen, und den Soldaten oder Dienern auch 
wohl ein ansehnliches Trinkgeld spendete, um Einlaß zu 
erhalten. Schon um zwei Uhr Nachmittags begann das 
Laufen, Kutschenfahren und Gedränge. Ganz Berlin war 
auf den Beinen, um wenigstens die Auffahrt deS Hofes 
zu sehen. Im Opernhaule fanden auch während deS 
Karnevals jeden Dienstag Redouten statt. Das Parkett 
und Parterre wurde dann auf gleiche Höhe mit der Bühne 
gebracht. Auf dieser tanzte der Adel, im anderen Teile 
wird mir wohl sehr schwer werden, denn eine Wasserratte bin 
ich, wie selten einer in. Den Anblick des Wassers und der 
Schiffe würde ich wohl kaum auf die Dauer entbehren können. 
Ich werde daher versuchen, sobald ich mit dem AblösungS- 
kommaudo zurückkomme, vb es möglich ist, in Kiel oder 
Wilhelmshaven irgend ein Amt zu erhalten. Denn Landwirt 
kann ich inmmermchr werden. Wasser muß ich sehen und 
Schisssmastcn. Das Leben voll Abwechselung hört ans. Ich 
muß nun, wie andere Sterbliche, stets festen Grund und Boden 
unter mir behalte», kaun nicht mehr bald dieses, bald jenes 
Land begrüßen. Vielleicht, wenn die Kunst mir wird den linken 
Arm erietzt haben, gelingt cs mir doch noch, ein weibliches 
Herz für mich zu erobern. Wenn das der Fall wäre, so würdest 
du mich entschieden nicht mehr beklagen, und würdest es nicht 
bedauern, daß ich dein unsicheren Element, wie du immer 
sagst, entrückt bin.- 
In scherzhaftem Ton war der ganze Brief geschrieben, und 
dennoch tonnte Hildegard nicht darüber lächeln. Sie wußte, 
daß cs sehr schwer für Werner war, seinen Beruf aufzugeben, 
dem er mit ganzer Seele ergeben gewesen war. Dennocki ivollte 
sie Gott danken, daß Werner wenigstens am Leben erbalten 
war. Wie nahe, wie sehr nahe war'ihm der Tod gewesen. 
Ach! der Sturm, der um das Schloß der Welliughauseu 
tobte, und der es in seinen Fundamenten erzittern machte, 
wollte sich gar nicht legen. Was hatten die letzten zwei Jahre 
alles gebracht. War es nicht, als sei die Sonne untergegangen, 
und als gebe es gar kein Morgenrot, als fei der Tag ge 
schwunden, und als wolle die Nacht gar nicht weichen? 
Wollten die Wogen der Trübsal sich denn gar nicht lege» ? 
Wollte denn nimmer eine Stille eintreten? Sollte denn für 
immer der Schatten das Licht verdrängen? Sollte die Blume 
deS Glücks denn gar nicht mehr zu voller Blüte kommen? 
So --bol» sich eine Frage nach d-r anderen. Wie ein 
die Bürgerschaft. Ohne Domino und seidene Strümz 
wurde niemand zugelassen. 
o Ordensverleihung. Dem Direktor der Handelt 
gefellschali für Grundbesitz Ernst Johann Hensel, Eon 
stanzerstr. 4. früher Wilhelm Haufistr. 4 wohnhaft würd» 
aus Anlaß seiner Mitarbeit am PrivatbeamtenverstchermigS- 
gefetz der Kgl. Kronenorden 4 Klasse verliehen. 
o Die Amtsniederlegung von 7 Ltadträtcn in 
Schöneberg erregl weil über die Grenzen unserer Nach 
barstadt hinaus berechtigtes Aufsehen. B?n den unbe 
soldeten Magistratsmitgliedern blieben nur noch Schulrat 
Kob. Geh. RegterungSrat Harder, Kaufmann Katz und 
Rentier Schüler im Amte. Veranlassung zu dem nicht 
häufig vorkommenden Ereignis gab äußerlich die Wahl 
von Mitgliedern beider städtischen Kürperschaften zum 
Provinz'allandtage. Die Hauptursache der Differenzen 
liegt scho.i weiter zurück und hat sich teilweise hinter den 
Kulissen der Wahl des Ersten Bürgermeister» DominikuS 
entwickelt. Bürgermeister Blankenstein glaubte selbst ge 
wählt zu werden, erhielt aber nur 4 Stimmen. Ban da 
ab fehlt in der Stadtverwaltung die nötige Harmonie. 
o Gegen die Errichtung städtischer Pfandbrief- 
ämter in Grossster!«« hat sich di? Regierung erklärt. 
Wie bekannt sein dürfte, ist in Berlin vor einiger Zeit die 
Errichtung einer Hypothekenanstalt für zweilstellige Be 
leihungen angeregt morden. Eyarlottenburg, Wilmersdorf 
und Schöneberg wollten einen Zweckoerband zur Hergäbe 
2 Hypotheken bilden, und R'xdorf und Weißenfee haben 
in dieser Beziehung bereits bindende Beschlüsse gefaßt. Auf 
ein entsprechendes Gesuch um Genehmigung von Pfand 
briesanstalten ist nun den Gemeinden folgendes Antwort 
schreiben drr Aufsichtsbehörde zugegangen: .Dem Plane 
der Errichtung einer Hypothekenanstalt de: Stadt ver 
mögen wir zurzeit nicht näherzutrelen. Für die P-ovtnz 
Brandenburg wird demnächst unter Mitwirkung der Pro 
vinz ein Pfandbriefamt auf landschaftsähnlicher Grundlage 
gegründet werden, das auch in den Berliner Bororten die 
BeleihungStätigkeit betreiben soll. Es muß deshalb ab 
gewartet werden, ob nicht dieses Pfandbriefamt In der 
Lage fein wird. in gleicher Weife wie eine besondere städ 
tische Psandbriefanstalt auch daS KreditbedttrfniS der 
dortigen Grundbesttzerkreife zu befriedigen. Für eine solche 
Anstalt würden übrigens die Euer Hochwohlgeboren schon 
bekannten grundsätzlichen Bedingungen maßgebend sein, 
die bei den Berhandlungen wegen der Gründung des 
PfandbriesamteS der Stadt Magdeburg gestellt worden 
sind. Namentlich müßte ein Zwang zur Tilgung der Dar 
lehen in Höhe von mindestens */ 4 Proz. jährlich und die 
UnkündbarkAt der Darlehen auf fetten der Anstalt vorge 
sehen werden." — Diese Entscheidung der Aufsichtsbehörde 
verdient um so schärfere Verurteilung, als eine Reihe 
deutscher Slädre bereits Pfandbriefämter für 2. Hypotheken 
begründet hat. Jetzt, wo Großberltn diesem Beispiele 
folgen will, fällt man ihm in die Arme, einfach, weil in 
Preußen daS Agrariertum Trumpf ist und die Städte vor 
dem plattem Lande zurückzutreten haben. Die ganze 
Stellungnahme der Regierung ist nichts weiter, als ein 
neuer Schlag gegen Groß-Berlin. 
o Eine Polizeiverorduung gegen das Teppich- 
klopfen, wie sie vor einigen Jahren auch hier eingeführt 
werden sollte, hatten mehrere Einwohner Schmargendorfs 
bei dem dortigen Amtsvorsteher beantragt. Der Amt»- 
Vorsteher mußte aber diesen Antrag ablehnen und ließ den 
Petenten folgenden Bescheid zukommen: 
.Von dem Erlaß einer Polizeiverordnung zur Regelung der Zeit 
deS TeppichklopfenS muß ich »bstand nehmen. DaS Kammergericht 
hat wiederholt derartige Poiizciverorbnungen aufgehoben, da die mit 
dem Teppichklopfen verbundenen Nachteile, sowohl der Sinn als auch 
die Siaubenlwicklung, wohl eine erhebliche Belistigung, nicht aber 
eine Gefahr für daS Publikum bilden, welche eine polizeilich« 
Regelung, wie sie hier geplant ist, auf Grund des § 10 II 17 S. 8.R. 
rechtfertigen würde. Eine Ausnahme hat das Kammergericht nur da 
gemacht, wo eS sich um Kurorte handelt. Schmargendorf kann aber 
zweifellos als Kurort nicht angesehen werden. Es empfiehlt sich 
daher, die Frage im Wege der Hausordnung durch die Hauswirte 
zu regeln.' 
o Ein interessanter GehaltSuachzahlnugS» 
Prozess ist von der Gemeinde Groß-Lichterselde in der 
höchsten Instanz zum AuStrag gebracht worden. Eine 
Anzahl Oberlehrer hatte unter Bezugnahme auf die Ber- 
I hältnisse m den staatlichen Anstalten die Einführung der 
dort bewilligten Gehalserhöhungen auch für die Gemeinde 
anstalten für daS gleiche Jahr gefordert, da in ihren An 
stellungsbedingungen von dem Normalgehalt, wie an staat 
lichen Anstalten üblich, gesprochen worden war. Während 
das Landgericht den Ansprüchen der Oberlehrer zustimmte, 
UlLLBit BB 
namenloses Sehnen ging es durch Hildegards Seele, wie ein 
Sehnen, das sie selber nicht definieren konnte. Ihr war, als 
müsse das Herz springen, weil es von tausenderlei durchwogt 
war und alles in sich verschlossen hallen mußte. 
Bor Gott strömte sie wohl alles aus, was sie bedrück 
belastete, aber cs liegt eben eine Sehnsucht im Menschcnhei 
einem anderen Mcnschenberzen gegenüber alles aussirönn 
dürfen. Das ist jenes Suchen und Sehnen jeder Mc 
seele nach der einen anderen, die es auf der Welt geb- 
als Ergänzung sür das eigene Selbst. Dieses Schm 
jedem Menschen an. aber Genüge findet nicht jeder, d 
jedem ist cs auf Erden vergönnt, jene andere, gll 
lorene Hälfte zu finden. 
Bor Tante Elisabeth sprach Hildegard wohl i 
manchen Gedanken aus, aber da blieb immer ci 
übrig, in das auch die Tante keinen Blick hinri 
Doch: „Stark und still." sagte die Ba 
nachdem sie Werners Brics gelesen hatte und - 
funlcii geblieben war. Lue machte sich Bor 
lange geträumt hatte, ivar doch noch so 
machte sich Vorwürfe, daß Bangen in tt ' 
Eiskalt war es draußen. Schnee 
Erde, machte die Zweige der Tanne 
beugen unter seiner Last. Eiskalt war 
ein Klingen und Singen, das Menschen 
und fröhlich machte: das WcihnachlS-j, 
Dem ivollte auch Hildegard sich i 
schließen. Sie brachte Tante Eliiabr, 
jetzt selber imstande, diese zu trösten, > 
dem neuen Schlag. 
I „WaS wird Graf Erbach sagen?" 
schließlich. 
(Fortsetzung folg.
        
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