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Periodical volume Nr. 4, 05.01.1912

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 19.1912

(Friedenauer 
Unparteiische ZMng für kommunale und bürgerliche 
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»». 4, 
Friedenau, Freitag, den 5. Januar 1312. 
Depeschen. 
Letzte Nckchrichte». 
Karlsruhe. Die zahlreichen Reisenden einer Firma 
in Lahr (Baden) haben von ihrem Geschäft die Auf 
forderung erhalten, am 12. Januar von den Plätzen, an 
denen sie sich befinden, nach Lahr zurückzukehren, um ihrer 
Wahlpflicht zu genügen. Die hieraus entstehenden Kosten 
trägt die Firma. 
Neuilly. Hier ist der Advokat Lemonime von un 
bekannten Individuen überfallen, beraubt und in die Seine 
geworfen worden. Der Ermordete trug 500 Frc8. bet sich. 
Konstantinopel. Aus Derna wird gemeldet: Bei 
Jlelisch griffen wir gestern mit 2400 Mann und neun 
Kanonen die Italiener bei der Berstärkung ihrer neuen 
Befestigungen an. Nach blutigem, bis 10 Uhr abends 
dauerndem Kampfe wurde der linke Flügel der Italiener 
in Unordnung zurückgezogen. Wir hatten 77 Tote und 
29 Verwundete. Die Italiener ließen 300 Tote und 
verwundete zurück, darnnter ein Hauptmann tot und zwei 
andere Offiziere schwer verletzt. General Delbuono wurde 
angeblich leicht verwundet. 
Frankfurt a. M. Wie der Franks. Ztg. aus New 
Jork gemeldet wird, hat die dortige Handelskammer eine 
internationale Untersuchung der Gründe der allgemeinen 
Teuerung befürwortet. 
Jnterlaken. Bier Arbeiter, die bei den Arbeiten 
am Siger beschäftigt waren, und nach Grindelwald ab 
stiegen, wurden von einer Lawine überrascht und ver 
schüttet. Drei Arbeiter sind umgekommen, der vierte 
wurde noch lebend, aber in hoffnungslosem Zustande auf- 
gefunden. 
Brest. Auf Anordnung der Marineministers Delcassö 
wurden gestern 12 Matrosen, deren Betragen zu Klagen 
Antnß gegeben hatte, nach der Strafkolonie auf der Insel 
Tahiton geschafft. 
Cerbere. Eine Feuersbrunst wütete gestern am 
iuternationalen Bahnhof Cerbere. DaS Gebäude der 
Schiffer der Compagnie du Midi wurde ein Raub der 
Flammen. Bei den Löscharbeiten wurden mehrere Per 
sonen verletzt. 
Cerbere. In einer Ortschaft in der Nähe von Malaga 
sind dreißig Personen unter Vergiftungserscheinungen er 
krankt. Die Frau eines Carabinieri ist bereits gestorben. 
Zwei andere Personen schweben in Lebensgefahr. 
Sitzung der Gemeindevertretung 
vom Donnerstag, dem 4. Januar 1912. 
Der Hauptpunkt der gestrigen Gemeindevertretersitzung 
war die Besprechung des Antrages des Haus- und Grund- 
besitzerveretnS: die Gemeindevertretung möchte eine noch 
malige Prüfung der Platzfrage für den Rathausbau 
vornehmen. G.-V. Ott (Mieter) machte diesen Antrag zu 
dem seinigen und bewies an der Hand von Zahlen, daß 
der vom Baurat in der Denkschrift herausgerechnete Raum 
bedarf um 430 sjm gut heruntergestrichen werden könnte. 
Außerdem seien in den Plänen erheblich höhere Zahlen 
angegeben, als in der Denkschrift, sodaß beim Vergleichen 
beider Projekte in den Plänen das Marktplatzprojekt sehr 
bevorzugt sei. Auch aus finanziellen Gründen stellte sich 
daS Rathaus am WilmerSdorser Platz günstiger als am 
Markt. Sr beantragte daher zur Beruhigung der Bürger 
schaft nochmals in eine Prüfung der Platzfrage einzutreten 
und bedauerte es sehr, daß damals dem Antrage des G.-V. 
Kunow, eine Ausschußberatung vorzunehmen, nicht ent- 
sprachen worden ist G.-B. Kunow trat der Ansicht deS 
G.-V. Ott bei und beantragte nochmalige AuSschußberatung. 
Dieser Antrag wurde von den Gemeindeoertretern Gerken, 
Schultz und Haustein unterstützt. Bürgermeister Walger, 
der anfangs eine Debatte über die Platzfrage nicht zulaffen 
wollte, beantragte seinerseits Uebergang zur Tagesordnung. 
Diesem Antrage trat der G.-V. v. Wrochem bei, der noch 
betonte, daß er, wenn er zum Gemeindeverordneten wieder 
gewählt werden sollte, es später mit seinem parlamen 
tarischen AnstandSg'efühl nicht vereinbaren könnte, wieder 
einem Ausschüsse anzugehören, sobald zur Beratung ein 
und derselben Angelegenheit noch ein Gegenausschuß ge 
wünscht werde. Baurat Altmann erwiderte auf die ein 
gehenden Ausführungen des G.-V. Ott, daß dieser mit an 
genommenen Zahlen operiere. G.-V. Ott verwahrte 
sich entschieden gegen diesen Vorwurf und verlas als Beweis 
dafür, daß er nur solche Zahlen nannte, die die Verwaltung 
selbst angegeben hatte, die betr. Stellen aus dem gedruckten 
Bauprogramm von 1906 und der letztenDenkschrift des Baurats. 
Man wies auch darauf hin, daß die Gemeinde sehr notwendig 
Sparsamkeit zu üben hätte. Andererseits betonte Bürger 
meister Walger, daß Friedenau finanziell günstiger als alle 
übrigen Vorortgemeinden dastehe. Schließlich wurde über 
den Antrag des Bürgermeisters: Uebergang zur Tages 
ordnung auf Antrag des G.-V. o. Wrochem namentlich 
abgestimmt. Mit 13 gegen 10 Stimmen wurde dieser 
Antrag angenommen. Es stimmten für diesen Antrag: 
Bürgermeister Walger, Schöffen Draeger, Lichtheim, 
Woffidlo, Sadöe, G.-V. Huhn, Lehment, Dr. Lohmann, 
Richter, Sachs, Schölzel, Uhlenbrock und v. Wrochem 
(letzterer legte auf das „Ja" noch ganz besondere Be- 
tonung), gegen den Antrag stimmten: Schöffe Bache, 
G.-V. Franzelius, Gerken, Haustein, Knaak, Kunow, 
Matthies, Ott, Schu und Schultz. Zwei Gemeinde- 
verordnete also, und zwar die G.°V. Franzelius und 
Haustein, haben sich gestern ebenfalls zu gunsten deS 
WilmerSdorser Platzes entschieden und sind damit der 
Opposition beigetreten. — Zu Anfang der Sitzung gab 
Bürgermeister Walger eine von 74 Einwohnern unter 
schriebene Eingabe bekannt, die für das Marktplatzprojekt 
eintritt. Unter den Unterzeichneten befinden sich 37 Anlieger 
des Marktplatzes, die übrigen sind Architekten, Künstler 
und Akademiker. 
Bei Eröffnung der Sitzung fehlen die G.-V. Dr. 
Lohmann, Schölzel und Uhlenbrock, die aber später noch 
(bei Punkt 3) erscheinen. Außer den Mitgliedern der 
Gemeindevertretung sind anwesend Baurat Altmann, 
Affeffor Grundmann und als Protokollführer Bürovorsteher 
Sudau. 
Bürgermeister Walger ernennt zu Protokoll-Unter 
zeichnern die G.-V. Knaak und Kunow. Er bittet dann, 
eine Sache, die schon oft vertagt wurde, nämlich die Be- 
19. Kahr-. 
I richterstattung über die besuchten Kongresse, am Schluß der 
heutigen Sitzung zu erledigen oder damit einverstanden zu 
sein, daß die nächste Sitzung um 1 / 2 7 Uhr einberufen wird, 
um dann zu Beginn der Sitzung die Berichte geben zu 
können. 
Hierauf verliest Bürgermeister Walger eine von 74 
Bürgern (Damen und Herren) unterzeichnete Eingabe, in 
der eS u. a. heißt^ 
Am 16. November v. IS. beschloß die Gemeindevertretung daS 
• Rathaus der Gemeinde Friedenau am Marktplatz zu errichten. Dieser 
( einfachen und klaren Sachlage gegenüber habe eine Agitation einge- 
setzt, daß der unbefangene Dritte annehmen müsse, die Bürgerschaft 
sei in ihrer großen Mehrheit gegen diesen Beschluß. Um einer solchen 
Irreführung und um einer Agitation, die den Frieden in unserer Ge- 
meinde zu stören, geeignet sei, entgegenzutreten, hätten die Unter- 
zeichneten die Eingabe gemacht. Sie seien der Meinung, daß die Ge- 
meindevertretung mtt der Wahl deS Marktplatzes für das Rathaus 
die' wahren Jnterepen Friedenaus gewahrt habe. Auf das" „Für' 
und .Wider' wolle man nicht eingehen, da dies eingehend erörtert 
worden fei. Der Erwägung aber, daß das Rathaus am WilmerS- 
dorfer Platz billiger zu errichten wäre, sei kein aus schlaggeben, 
des Gewicht beizumessen. Friedenau habe in seinen Schulbauten 
ebenfalls nicht gespart und doch haben sich diese Bauten bestens be- 
zahlt gemacht. Nicht anders liege es bei dem wichtigsten Bau der 
Gemeinde, dem Rathaus. Das Rathaus müsse an einer vom Verkehr 
bevorzugten Stelle liegen, wodurch es sofort die Gemeinde Friedenau 
als geschlossenes Gemeinwesen erkennen lasse. Auch bei einer später 
evtl, eintretenden Eingemeindung werde das Rathaus diesen Zweck 
erfüllen und in der künftigen Großstadt werde das Rathaus immer 
den Friedenauer OrtSleil als einen geschlossenen Ortsteil erkennen 
lassen. Außerdem würden auch sicher Verwaltungszweige der künftigen 
Großstadt in daS Friedenauer Rathaus gelegt werden und so der 
hiesigen Bevölkerung zum Nutzen sein. 2. wären die gegen die Ver 
schiebung der Baufluchtlinie geltend gemachten verkehrstechnischen Be- 
denken ganz unberechtigt. Die Niedstraße würde in sanftem Bogen 
um das Rathaus herumgeführt, was eine Verbesserung für den Der- 
kehr bedeuten würde, da die Niedstraße dann in stumpfem Winkel über 
die Gleise der Hauptstraße führt. Es haben sich bis jetzt auch noch 
keine Bedenken gegen das Umfahren des Friedlich Wilhelm-Platzes er 
geben (Widerspruch). 3. könne man es von rein menschlichem Stand- 
Punkt den Anliegern des WilmerSdorser Platzes nicht verdenken, wenn 
sie an dem früheren Projekt festhalten und ihre Interessen durch das 
neue Projekt gefährdet glauben. Es müsse aber das Allgemein- 
Jnterefse vorgehen. Auf weitere Einzelheiten wolle man nicht ein- 
gehen. Die Unterzeichneten halten es aber für sehr unangebracht, 
wenn Mitgliedern der Gemeindevertretung in der Oeffentlichkeit vorge 
worfen werde, sie wären umgefallen, darin läge eine verletzende Kränkung, 
durch die die Gegensätze verschärft würden. Von den Unterzeichnern 
sei auch mancher umgefallen, was wiederum auch hier das Sprichwort 
bewahrheitet, daß mancher klüger vom Rathaus kommt, als wenn er 
dort hingeht. Hiernach können die Unterzeichneten der Gemeinde- 
Vertretung nur dringend bitten, von ihrem Beschlusse nicht abzuweichen. 
Es folgen dann die Unterschriften; außer 37 Anliegern 
des Marktplatzes sind die übrigen Unterzeichner Architekten, 
Künstler und Akademiker. 
Darauf kommt man zur Tagesordnung. 
Ohne Erörterung wird die Gebührenordnung über die 
Benutzung der öffentlichen Bedürfnisanstalten in 2. Lesung 
genehmigt. 
Die Wahl des Gemeindeschöffen Sadöe zum 1. Stell 
vertreter des Vorsitzenden für das hiesige Gewerbegericht 
ist von der Behörde nicht genehmigt worden, da dieser 
Herr gewerbliche Arbeiter beschäftigt. Der Gemeinde- 
vorstand schlägt für dieses Amt die Wahl des Gemeinde 
baurats Altmann vor. G.-V. Gerken bringt den G.-V. 
Kommisstonsrat Sachs für dieses Amt im Vorschlag. Der 
Bürgermeister will darauf diesen Punkt in die geheime 
Sitzung verlegen. G.-V. Sachs erklärt, daß er die Wahl 
Höhe» «ttfc Tiefen. 
Roman von M. E i t n e r. 
37. (Nachdruck Verbote«.) 
Hildegard blieb. Wie vorauszusehen war, und wie der 
zt erwartet hatte, stand es am nächsten Tage schlecht mit 
u von Senden. 
Die Baroneß war viel im Krankenzimmer. Wenn ihre 
wart dort nicht nötig war, blieb sie in ihrem Zimmer, 
'i auszuruhen. Sie wollte dem Rittmeister, soweit es 
war, jedes unangenehnie Gefühl, das durch Alleinsein 
hervorgerufen iverden konnte, ersparen. Sie hatte 
dass er nach wie vor. seit Annas Krankheit, im 
möchte, da sie selber Anna nicht so viel Zeit ent- 
. wie zll gemeinsainen Mahlzeiten erforderlich war. 
ge hindurch erschien der Zustand der Kranken 
gslos. Das Fieber hatte envas nachgelassen, 
che war so, daß der Arzt von ihr alles fürchtete. 
Kranken schien jedoch ruhiger geworden. 
eines Nachmittags neben ihrem Lager gesessen 
' 'en hatte, sagte sie zu Hildegard, die kurz 
nn ich jetzt sterbe, Hildegard, so weiß ich 
alles vergibt. Cr war jo gut' zu mir. 
ch gesund sein würde, so wollen wir alle 
als bisher, aber es ist zu spät, denn 
gcjtind. Ich sehe es an deS Doktors 
i, Anna. Der Doktor ist durchaus nicht 
nunc nur reckst ruhig bleiben.* 
Ach! wenn ick, noch einmal gesund und 
wäre das schön, denn, Hildegard, .ein 
Glück ist es nicht, wenn Mann und Frau nebeneinander her 
gehen. statt miteinander zu wandern, Stein, nein, ein Glück ist 
das nickt." 
Zwei Tage später war der Oberstabsarzt ganz zuver 
sichtlich : „Ich denke, Baroneß," sagte er, .es wird doch noch 
welde». Sie sind die beste Medizin gewesen. Es ist 
wunderbar, welchen Einfluß ein Mensch auszuüben vermag." 
Hildegard wehrte lächelnd und entgegnele: „Schieben Si» 
mir nicht zu viel Einfluß zu. Die Hauptsache ivar wohl 
gewesen, dag der Wunsch der Kranken überhaupt erfüllt wurde. 
Dadurch kam Ruhe über sie." 
Fast drei Wochen blieb die Baroneß. Dann mußte sie 
abreisen. Gerhard wollte nach Heidelberg fahre», Tante 
Elisabeth durfte nicht allein gelassen werden. Sie bereute 
nicht, daß sie gekommen war. Als sie ging, hatte sie ein 
Bomefühl, daß in Annas bis dahin oberflächlichem Wesen 
sickEpine 'Aenderung vollzogen habe, daß sie das Leben ernster 
N'hmen, iacv Pflichten besser eingedenk sein würde, und daß 
sie vor allen Dingen sich bemühen würde, besser zu lieben, 
ihrem Mann mehr zu sein, als sie ihm bisher gewesen war. 
So waren es keine verlorenen Tage, die sie in der Kranken 
stube zugebracht hatte. 
„Ich danke Ihnen, Baroneß, daß Sie gekommen sind," 
war des Rittmeisters letztes Wort. 
» 14. Kapitel. 
Als Hildegard nach Hanse zurückgekehrt war, drängte sie 
Gerhard, nach Heidelberg zu reisen. Er wollte noch nichts 
davon wissen, wollte erst ganz kurz vor deni heiligen Abend 
fahren, ooa, Hildegard wußte, wie lehr Maria sich nach seinem 
Kommen sehnte. 
„Tante Elisabeth und ich könnlen dich gar nicht brauchen," 
sagte sie. „Du bist uns bloß hindernd. Wir haben soviel zu 
tun und vorzubereiten. Durch meine Abwesenheit ist vieles im 
Rückstand geblieben. Du hilfst uns jedenfalls viel mehr, wenn 
du nicht bei uns bist." 
Gerhard lachte. Er umarinte die Schwester und ent 
gegnen : „Du verstehst es wenigstens, jemand auch den Eigen- 
nutz plausibel zu-macheu. Wenn ich jetzt unverzüglich »»einem 
Glück entgegengehe, so sieht es noch aus, als ob ich ein Opfer 
brächte. Richt wahr?" 
„Gewiß, Gerhard, das tust du anch, du mußt dich sogar 
so weit überwinden, daß du versuchst, gar nicht oder doch so 
wenig wie möglich an uns zu denken." 
Sie scherzte und fühlte sich doch innerlich tief bewegt. Sie 
faßte plötzlich Gech-.rds Hände, sah ihm in die Augen und 
sagte: „Gott schütze dein Gluck, Gerhard. Ich hoffe, der lüde 
Gott wird doch einen von den Wellinghausen glücklich sein 
lassen." 
Auch Gerhard war tiefernst geworden. „Meine tckpfere Hilde 
wird doch nicht zaghast werden?" entgegnele er. „Sieh° ich 
fürchce keinen Fluch, keine Verwünschung, denn mein Glück liegt 
ja in Gottes Hand. Würde es mir genommen, so könnte es 
doch nur mit Gottes Willen geschehen, und dann, Hilde, dann 
Hilst kein Grollen und Murren. Laß uns unserem Wappen- 
spruch treu bleiben und alles übrige Gott ailheimstellen." 
(Gerhard reiste ab. Es war gut für Hildegard, daß die 
wenigen Tage bis zum Wnhnachtsscst dergestalt mit Anforde 
rungen an ihre Gedanken ausgefüllt waren, daß alles andere 
momentan in den Hintergrund treten ninßle. Nur hin und 
wieder fand sie eine halbe Stunde Ruhe. Dann sammelten 
sich ihre Gedanken um all das Letzterlebte. Sie dachte an 
'Anna, dachte daran, ivie ruhig sie selber S stiden gegenüber 
gestanden hatte, als habe nie ein engeres Band sie mit ihm 
verbunden. ,,'Rcin, nein," flüsterte sie dann immer wieder 
..wir gehn len nicht Aiiüimiucu.'
        
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