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Periodical volume Nr. 3, 04.01.1912

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 19.1912

3t s / 4 Standen. Am 21. Vormittags 10 Uhr tritt 
Sonne in da» Zeichen des Wassermanns. Den 
anuar haben wir Vollmond: ist das Wetter klar, so 
schöne Mondscheinabende zu erwarten. Von den 
neten ist der Merkur morgens in den ersten 3 Wochen 
eS Monats sichtbar bis zu 30 Minuten. Die VenuS, 
Morgenstern, ist anfangs 3*/ 4 , zuletzt nur l 8 /* Stunden 
stbar. — Der Mars, rechtläufig vom Stier, ist die 
nze Nacht zu sehen. — Der Jupiter, rechtläufig in der 
>age, anfangs l l / 2 können wir am Ende d. M18. 2 8 / 4 
tunden der Morgens erblicken. — Der Saturn, recht- 
iufig im Widder, ist von der Dämmerung bis zum frühen 
Korgen anfangs 10, am Ende d. MtS. noch 7^ Stunden 
ang sichtbar. — Dagegen ist Uranus das ganze Jahr 
nicht zu sehen. 
o Jugend-Vereinigung *« Friedenau. Am 
Sonntag, dem 7. Januar, Abends 7*/, Uhr. findet im 
Zeichensaal der Knabenschule in der Albestraße die erste 
Mitgliederversammlung der obengenannten Jugend Ber 
einigung, welche unter dem Protektorat des Jugendpflege 
vereins zu Friedenau steht, statt. — Auf der Tages 
ordnung stehen unter anderem Gründung einer Gesang-, 
Musik- und Hockey-Abteilung. Anträge und Beitritts 
erklärungen (der monatliche Beitrag beträgt 10 Pf., der 
Eintritt 20 Pf.) sind an den Vorsitzenden Herrn Richard 
Müller, Friedenau, Lauterstr. 5/6, einzureichen. Um 
pünktliches Erscheinen wird gebeten. 
o Zur Neichstagswahl. Der erweiterte Wahl 
ausschuß der vereinigten liberalen Parteien in Friedenau 
hält am Freitag, dem 5. Januar, Abends 1 / 2 9 Uhr im 
oberen Saale des .Hohenzollern" eine Versammlung ab, 
Mitarbeiier an den Vorbereitungen usw. zur Wahl sind 
noch dringend erwünscht. — Der Demokratische Verein für 
Steglitz hält abermals eine Versammlung unter freiem 
Himmel am Sonntag, dem 7. Januar, Mittags 12 Uhr, 
auf dem Platz des Privatmarkte? an der Bornstraße ab. 
o Evangelischer Arbeiterverein für Friedenau 
und Umgegend. Die letzte Versammlung am Dienstag, 
dem 2. Januar 1912 verlief unter zahlreicher Beteiligung 
sehr anregend. Nach Erledigung verschiedener geschäft 
licher Dinge erhielt das Mitglied Herr Referendar Krug 
daS Wort zu einem Vortrage: Bilder aus Hamburg. 
Hatte in der letzten Monatsversammlung Herr Pfarrer 
Detter mit dem Leben und Treiben der Menschen an Land 
und an Bord ihres Schiffes bekannt gemacht, so hörten 
wir nun die riesigen Zahlen des nach und durch Hamburg 
flutenden Handels, die Anlage der Stadt, die Schönheiten 
der Alster, das Getriebe des Hafens mit seinen Docks, 
Werften, seinen ungeheuren Verkehr. Der Vortragende 
führte — stets unterstützt durch entsprechende Bilder — 
am genialen Bismarckdenkmal vorbei nach dem wunder 
baren Zentralfriedhof in Ohlsdorf mit seinen Seen und 
Teichen und Hainen; dann weiter nach Stellingen zu dem 
weltbekannten Hagenbeckschen Tierpark und ließ schließlich 
einen Blick tun nach dem fruchtbaren, blumenreichen Bier 
landen und dem scharf befestigten Kuxhaven. Reicher 
Beifall dankte für diesen anschaulichen Vortrag, der zu den 
interessantesten gehört, die in dem Verein gehalten worden 
sind. Einen weiteren Genuß bot der Redner, indem er 
auf seiner Geige, einem sehr wertvollen Instrument, das 
Largo von Händel, die Serenade von Haydn, die 
Träumerei von Schumann und das A-uwII-Konzert von 
Seitz spielte. Mit dem Gold und Silber-Walzer von 
Lehar dankte Herr Krug für den Beifall. — Am 23. 
dieses Monats findet im Vereinslokale die Generalver 
sammlung zwecks Vorstandswahlen usw. statt. Aus Anlaß 
deS Geburtstages des Kaisers beteiligt sich der Verein am 
26. d. M. an dem vom Bürgerverein veranstalteten Kaiser 
GeburtstagSkommers und zwei Tage darauf am 28. 
(Sonntag) vereinigen sich die Mitglieder mit ihrem Banner 
zum gemeinschaftlichen Kirchgänge Vormittags 1 / 2 10 Uhr 
im Kaiser Wilhelmgarten. — Die nächste Monatsver- 
versammlung wird am Donnerstag, dem 8. Februar 1912 
im großen Saale des Kaiser Wilhelmgartens abgehalten 
zu Ehren von Kaisers Geburtstag und dem Andenken der 
vor 200 Jahren erfolgten Geburt Friedrich des Großen 
in Form eines musikalischen Unterhaltungsabends, der 
von großer künstlerischer Bedeutung für Friedenau zu werden 
verspricht. 
o Hohenzollerntheater. Am Dienstag, dem 
9. Januar, Abends 8 x / 2 Uhr setzt das Gastspiel der Neuen 
Deutschen Bühne, mit dem unverwüstlichen Schwank „Der 
Raub der Sabinerinnen" von Franz und Paul von 
Schönthan, seine Vorstellungen fort. Dieses übertolle 
lustige Stück hat erst vor ungefähr einem Jahre am 
Baron Gerhard stand neben der Schwester, als sie diesen 
Brief las. Sie reichlc ii»n denselben. 
„Willst du gehen, Hilde?" fragte Gerhard, nachdem er 
gelesen hatte. 
„Gewiß, Gerhard, ich halte das für Pflicht." 
„Wird es dir nicht schwer, Hildegard?" 
Eine leichte Nöte stieg in das sonst so blasse Gesicht der 
Baroneß. 
„Nein, Gerhard," entgegnete sie dann, „es wird mir nicht 
schwer. Mein Herz ist Senden gegenüber völlig ruhig. Seine 
Liebe war eine Täuschung, — — meine wohl auch. Schreibe 
por express an Senden in meinem Namen. Lege den Brief 
des Oberstabsarztes bei und füge zu, daß ich übermorgen 
gegen Mittag eintreffen würde. Vielleicht dient das Anna zur 
Beruhigung. Jetzt will ich zu Tante Elisabeth gehen und ihr 
alles mitteilen." 
Als Graf Erbach eine Stunde später kam und von dem 
Briefe, sowie von Hildegards Entschluß hörte, zuckte es in 
seinen Zügen. 
„Sie wollen wirklich dorthin gehen, Baroneß?" fragte er. 
„Ja, Graf, das will ich. Ich bin überzeugt, wenn ich 
„Nein" gesagt hätte, würden Sie der erste gewesen sein, der mir 
zugeredet hätte, zu gehen. Soll ich den Wunsch einer Schivcr- 
kranken unerfüllt lassen ?" 
„Ach, Baroneßchen, ich bin Ihnen gegenüber iinmer der 
Geschlagene. Gehen Sie nur mit Gott, und". ... Es war, 
als habe er noch etivas zusetzen wollen, doch er schwieg. 
Als Hildegard zur bestimmten Stunde aus dem Bahnhof der 
Garnisonstadt eintraf, stand Lenden dort, sie erwartend. Er 
trat an sie heran und küßte die Hand, die sie ihm freundlich 
reichte. Er sah sehr ernst aus, und in seinem ganzen Wesen 
lag etwas, das ihm früher fremd gewesen war, das Hildegard 
Berliner Lessingtheater sich nach einer jeden Richtung hin 
als ein Zugstück und Kassenmagnet ersten Range- er 
wiesen. Else Lehmann spielte daS Dienstmädchen Rosa, 
und Albert Bassermann den Theaterdirektor ©triefe und 
beide Künstler dürfen diese beiden Rollen alS ihre Meister- 
leistungen betrachten. Im Hohenzollerntheater ist da» 
Stück durch die Neue Deutsche Bühne auf daS sorgfältigste 
einstudiert und die Rollen durchwegs mit glänzenden Ver 
tretern besetzt. So dürfte am kommenden Dienstag unser 
Publikum sich mal wieder herzlich auslachen. Der Vor- 
verkauf hat bereits in den bekannten VorverkaufSstellen 
begonnen. 
o Die Klause, Verein von Literaturfreunden zu 
Berlin (Ehrenvorsitzender Victor Blüthgen), veranstaltet 
am 9. Januar. Abends 8 Uhr, im großen Saale des Ge- 
sellschastShauses des Westens in Schöneberg, Hauptstr. 30/31. 
zu Gunsten ihres Hilfsfonds einen literarisch humoristischen 
Abend. Zur Darstellung gelangen neben lebenden Bildern 
„Die Promotion mit einer Dame", Einakter in 2 Teilen, 
Elstausführung, sowie „Aschenputtel", modern-romantisches 
Märchenspiel von einem jungen Steglitzer. 
o Auf der Treptow-Tternwarte spricht Dir. 
Dr. F. S. Archenhold am Sonntag, dem 7. Januar, 
Nachmittags 5 Uhr über: „Ein Ausflug in den Sternen- 
weiten", und am Montag, Abends 7 Uhr über: „Wandernde 
Sterne." Am DienStag, den 9. Januar, 8 Uhr, hält Dr. 
W. Schultz aus Wien einen Vortrag über das Thema: 
„Die Anschauung vom Monde und seine Phasen in Mythos 
und Kunst der Völker." Mit dem großen Fernrohr werden 
der Mond, Mars -und Saturn beobachtet. 
o Große Militär-Brieftaubenausstelluug. Der 
Bund Ostdeutscher Briestauben-Liebhaber-Vereine veran 
staltet anläßlich seines 10 jährigen Bestehens in den Tagen 
vom 27. bis 29. Januar 1912 in den Prachträumen des 
ZollcriihofeS, Unter den Linden 56, eine große Brief- 
taubenschau: unter Leitung des Vereins „Borussia-Berlin". 
o Der falsche Kutscher der Müllabfuhrgesell 
schaft. Aus unserem Leserkreise wird gemeldet, daß sich 
ein Bursche dadurch Geld zu erschwindeln sucht, indem er 
mit Glückwuaschkarten in den Häusern als Kutscher der 
Müllabsuhlgesellschaften auftritt und zum Neuen Jahre 
gratuliert. Dasselbe Manöver führt er auch in ver 
schiedenen anderen Masken, z. B. als Journal- und 
Zeitungsbote aus. Auf diese Weise sind dem Betrüger 
schon mehrfach Geldgeschenke verabreicht worden. Bor 
dem Schwindler sei gewarnt. 
o In» Steglitzer Gemeindepark machten Kriminal 
beamte, die in Begleitung eines Polizeihundes den Park 
durchstreiften, die Entdeckung, daß die Promenadenwege 
mit Stricken in Kniehöhe abgesperrt waren. Jedenfalls 
hatte man es darauf abgesehen, nichtsahnende Spazier 
gänger durch diese Schlingen zu Fall zu bringen. Bisher 
fehlt noch jede Spur der Täter. 
o Einen furchtbaren Tod wählte die 47 jährige 
Frau Martha Wiedemann auS der Kyffhäuserstraße in 
Echöneberg. Frau W. trennte sich vor einiger Zeit von 
ihrem Manne, bereute aber bald diesen Schritt. Als ihr 
Gatte eine Aussöhnung ablehnte, verfiel die Frau in 
Schwermut. Gestern legte sie ihre besten Kleider au, über 
goß diese mit Petroleum und zündele die Flüssigkeit an. 
Auf die gellenden Schmerzensschreic der Unglücklichen, die 
augenblicklich über und über in Flammen gehüllt war, 
eilten die Wirtsleute hinzu, denen eS nach vieler Mühe 
gelang, das Feuer zu ersticken. Frau W. hatte jedoch 
bereits am ganzen Körper so schwere Brandwunden davon 
getragen, daß sie in besinnungslosem Zustande nach dem 
Schöneberger Krankenhause überführt werden mußte. 
o Von einem Straßenbahnwagen überfahren. 
Gestern Vormittag ereignete sich am Olivaer Platz in 
Wilmersdorf ein schwerer Straßenbahn-Unfall. Dort geriet 
der Regierungsassessor v. T. unter einen Straßenbahn 
wagen und wurde überfahren. Als man den Unglücklichen 
unter den Wagen hervorgeholt hatte, zeigte es sich, daß 
er schwere Kopfverletzungen und eine Ausrenkung deS 
rechten Armes davongetragen hatte. Der Verunglückte 
wurde nach der neu eröffneten Unfallstation vom Roten 
Kreuz in der Bregenzer Straße 9 gebracht, wo ihm ärzt- 
liche Hilfe zuteil wurde. 
KereiliS'Aachrtchlen. 
Morgen Freitag tagen: 
Orchester > Gesellschaft deS Westens. Jeden Freitag 9—11 Uhr 
UebungSstunden im Kaiser-Wiihelm-Garten, oberer Eaaü 
Verein für Frauenstimmrecht; Ortsgruppe Schönebrrg. Am Frei 
tag, dem 5. Januar, Abends 8'/, Uhr, findet im großen Saale der 
Schloßbraueeei, Hauptstr. 121, eine öffentliche Volksveiscmmlnng statt. 
jedoch angenehm berührte. Ehe er ein Wort sagen kocknte, 
fragte sie: „Wie geht es Anna?" 
„Nicht gut, Baroneß. Ter Arzt hofft alles von Ihrem 
Besuch, weil 2lnna ununterbrochen seit acht Tagen nach Ihnen 
verlangt." 
„Sie hätten mir eher schreiben sollen, Herr von Senden. 
Sie hätten sich denken können, daß ich kommen würde." 
„Ja," entgegnete der Rittmeister ernst, „ich hätte es mir 
denken können." 
Bald war die Baroneß im Krankenzimmer neben der in 
hohem Fieber liegenden jungen' F-ran. Die schwarzen Augen 
schienen aufzulodern; zu gleicher Zeit sprach jedoch eine gewisse 
Angst aus ihnen. Der Arzt hatte ohne Bedenken gestattet, 
daß Hildegard sofort zu der Kranken ging, die auf den Besuch 
vorbereitet war. 
Die beiden waren allein. Anna faßte Hildegards Hand 
und sagte hastig: „Ich danke dir, daß du gekommen bist, che 
ich sterben muß." 
„Du wirst wieder gesund werden, Anna," beruhigte sie 
Hildegard. 
„'Nein, nein, und ich will es auch nicht. — O Hilde 
gard!" — und die Kranke begann plötzlich zu schluchze», —' 
„hätte er mich nie gesehen! Hätte Arrur mich nie gesehen! 
Ich habe ihn unglücklich gemacht, ich weiß cs. Und jetzt, seit 
I ich krank liege, ist es mir klar geworden, daß ich, ich ' allein 
schuld bin, wenn unsere. Ehe nicht glücklich ist. — Du hättest 
Artur glücklich gemacht." 
„Laß das, Anna," unterbrach Hildegard. „Laß die Ver 
gangenheit ruhen. Dll weißt cs, und du hast es gesehen, daß 
Senden und ich nicht füreinander geschaffen waren. Werde 
ruhig, Anita. Wenn der liebe Gott dir Leben und Gesundheit 
Schöneksrs- 
—o Bauerlaubnis wurde «teilt für die Grund, 
stücke: Straße k. Parzelle 23. Bauherr: Dr. Curt Finster. 
Berlin, Lindenstr, 15. Bauausführender: H. Heyl, Frie- 
denau, Kaiserallee 70. (Neubau, Wohngebäude). — Mo- 
numentenstraßk, Ecke Bauzenerstraße, Parzelle 18, Bauherr 
und Bauausführender: A. Unger, Schöneberg, Roßbach- 
straße 4 (Wohngebäude Neubau). 
— o Ueber das Vermögen der Firnia Berliner Handels- 
kontor G, m b. H.. vertreten durch ihren Geschäftsführer 
Kaufmanns Tippenhaucr, Viktoria Luiseplatz 4. ist daS 
Konkursverfahren eröffnet. Der Konkursverwalter August 
Beller in Berlin W. 35, Am Karlsbad 14, ist zum 
Konkursverwalter ernannt. KonkurSsorderungen sind bis 
zum 3. Februar 1912 bei dem Gericht anzumelden. — 
Das Konkursverfahren über daS Berinözen der Hand 
werkerbank .Schöneberg" eingetragene Genossenschaft mit 
beschränkter Haftpflicht in Liquidation zu Berlin, Göben- 
straße 2. ist nach erfolgter Abhaltung deS Schlußtermins 
aufgehoben. — In dem Konkursverfahren über das Ver 
mögen des Molkereibesitzers Gustav Studte, Ariamctstr. 3, 
Inhaber der Ziegenmolk-aei „SanitaL" zu BLöneberg, 
Königswcg, Ecke Tempelholer Weg, ist zur Prüfung der 
nachträglich angemeldeten Forderungen Termin auf dem 
9. Januar 1912, Nachmittags 1 Uhr, anberamnr 
—o Im Wege der Zwangsvollstreckung soll da» 
Kufsteiner Str. 14 belegen«, ans den Namen det Architekten 
Artur Seega in Schöneberg, Kutsteiner Striche 3, einge 
tragene Grundstück am 13. März 1912, Vormittags 
11 Uhr, versteigert werden. Das Grundstück ist mit 
einem jährlichen Gebäudesteuernntzungswert von 12 000 M. 
verzeichnet. — Im Wege der Zwangsoollstietang soll daS 
an der Mtthlenstraße belogene, auf den Nan-en deS 
Ingenieurs E-wiu Etoedtner zu Dt.-Wilmersdorf einge 
tragene Grundstück am 11. April 1912, Vorm. 11 Uhr, 
versteigert iverden. — Im Wege der Zwangsvollureckung 
sollen die Sedanstr. 73/74 und Sedanstr. 78 belegenen, 
auf den Namen 1. der veriv. Fiau Emma Fiedler, geb. 
M-y;r, 2. des Braucretbesttzels. früheren Kaufn:anuS Otto 
Billep, beide zu Schöneberg, Sedanstr. 73/74, einge 
tragenen Grundstücke am 30. April 1912, Bonn. 10 Uhr, 
versteigert werden. DaS Grundstück Sedanstr. 73/74 ver 
zeichnet einen jährlichen Nutzungswert von 9120 M., der 
Jahresbelrag der Gebäudesteuer beträgt 290,40 M. Das 
Grundstück Sedanstr. 75 verzeichnet einen jährlichen 
NutzungSwert von 7800 M. 
Merlin und Dororle- 
Zo Die Vorarbeiten zum Spreetunnel sind seit dem 
Wassereinbruch von der Klosterstruße her wiederum ein 
gutes Stück gefördert worden. Die Baustelle läßt heute 
schon recht interessante Fortschritte erkennen. Drei ge 
waltige Dampframmen sind zwischen den Fangedämmen 
in die Tiefe gelassen worden und mit dem Einbringen der 
doppelten Spundwand für die iiinelen Schutzwälle be 
schäftigt. Auf der westlichen Seite ist der größte Teil der 
14 Meter langen Pfähle schon eingerammt, gegenüber 
werden jetzt zwei Maschinen in Tätigkeit treten, um die 
Sicherung der eigentlichen Baugrube zu beschleunigen. 
Hier kann die Wasserhaltung alsbald in Funktion treten, 
eS wird gegenwärtig der letzte Rohrbrunnen gebohrt. Die 
Baugrube für die Rampe, auf der die auS dem Tunnel 
kommenden Züge zum Bahnhof „Stadthaus" emporfahren 
sollen, ist schon fertig auSgehoben, die Strslauerstraße 
völlig unterminiert und die Ausschachtung dt» weit in die 
Klosterstraße hinein vorgedrungen. Zwischen Stadthaus 
und Parochialkirche beginnt die Baugrube sich zu ver 
breitern, fodaß die seiltch liegenden Gasrohre noch verlegt 
bezw. gesichert werden müssen. Ju dem Gewirr von 
Rohren und Kanälen, das unter der Kreuzung beider 
Straßen über unserem Haupte schwebt, fällt das neue 
Leitungsrohr auf, welches das CondenSwaffer der Berliner 
Elektriziiätswerke quer über die Baustellen zur Spree 
führt. Weiterhin in der Klosterstraße stößt man auf den 
alten Kanal, deffen Bruch Anfang Dezember die ganze 
Baugrube unter Wasser setzte. Das unmoderne Profil de» 
: nahezu 1 Meter hohen Kanals und leine eigeuarrige Bau- 
i weise schon lassen auf ehrwürdiges Alter schließen und er- 
. kennen, daß dieser Entwäflerungskanal d« Ausgabe nicht 
• gewachsen sein konnte, die man ihm beim Bau einer 
j modernen Maschinenanlage zugeinutet hatte. Da er bi» 
zur Rathausstraße in der Trace de: künftigen Untergrund 
bahn liegt, so wird er auf der ganzen Strecke abgebrochen 
und damit für alle Zeit unschädlich gemacht. Auf d« 
wicderichenkt, so kann das, was bis jetzt nicht gut war, es doch 
noch werden. Du weißt: lt is never toolateto mund. — Laß 
nur nie etwas zwischen dir und ihm liegen. Das taugt nicht." 
„O Hildegard, ich habe immer nur getan, was ich gem 
wollte, nie das, was er wollte. Und dann ist cs gekommen, 
daß ich ihm gleichgültig, ganz glcichgüüig wurde, denke dir, 
in so kurzer Zeit. AIs er vom Manöver zurückkam, wo er 
einen Unfall gehab: hatte, war er eigentümlich weich und ernst 
gestimmt. Er war da sehr gut zu mir, und doch hörte ich 
nicht auf, ihn zu kränken und zu reizen. — Und jetzt kommt 
der Tod. Da kam es plötzlich über mich, während ich 
krank lag, daß so viel Schuld aus inir lastet. Hildegard, ver 
gib alles." 
Mit Fieberbast wurden alle diese Worte herausgcsioßen. 
Die Baroneß ließ die Kranke reden. Es war vielleicht am 
besten für sie, wenn fle sich die Seele srcircktrn konnte. 
„Ich habe dir nichts zu vergebe», Anna," sagte Hildegard, 
„ich habe keinen Groll gegen dick'." 
Anna blickte ans die Baroneß, die in der ticken Trauer 
kleidung mit dein edlen Gesicht ihr wie eine Königin erschien. 
„Ich habe ihn unglücklich gcinacht," flüsterte sie wieder. 
„Es ist gut, wenn ich slcrbe." 
„Nein, Anna, wir wollen bitten, daß du leben bleibst 
und du deinen Blaun noch glücklich machen kannst." 
„Bleibst du hier, Hildegard?" 
„Wenn cs dich beruhigt, Anna, gewiß, solange ich dir 
nützen kann. Gerhard ist zu Ha:ije. So ist Tante Elisabeth 
nicht ganz allein." 
„Ach ja, bleibe, bleibe. Weitn jemand bei mir ist, der so 
aut ist wie du. Hilst der liebe Gott vielleicht Artur und mir." 
(Fortsetzung folgt.)
        
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