Beilage zu Nr. 366 des „Friedenauer Lokal-Anzeiger".
Freitag, den 80. Dezember 1910
Lokales.
o Draußen iu der Natur macht sich ber Winter
allen,halben fühlbar. Frost und Schnee stellen sich ein
und erschweren dem Wild, sowie den bei uns über»
winternden Vögeln, ihre Nahrung zu finden. Manche»
HäSlein treibt der Hunger de» Nacht» bi» in die Gärten,
und wenn die Bäuerin eine» schönen Morgen« ihren
Kohl hereinholen will — der ja bekanntlich einen Frost
bekommen muß — ist er einfach oerschwvnden. Statt
dessen aber künden die unverkennbaren Hasenspuren de»
Rätsel» Lösung. Im Walde erfreuen fich die vom Förster
gefüllten Wildkrippen eine« zahlreichen Zttspruche». Die
Vögel umflattern in Scharen die reiflgüberdachten Füllnstellen.
Selbst da» scheue Leflügelosild naht Futter
suchend den menschlichen Wohnung«. Die Not de»
Winter», die Sorge um« .tägliche verfolgt auch die
Tierwelt. Doch wie e» unter den Menschen vom Schicksal
Begünstigte gibt. die im Hafen einer gefichertrn Existenz
schlechte Zeiten ruhig an fich vorübergleiten lassen, so
haben auch die oterfüßtgen Bewohner de» Walde» einige
Vertreter der Vornehmheit, »- B. den Dach» und den
Hamster, die sich während der kalten Johre-zeit wohlgenährt
und mit Vorrat versehen in die sichere Klause
ihre» unterirdischen Baue« zurückziehen, um denselben erst
im holden Lenz wieder zu verlassen. Aehnltch tut e» auch
da« Eichhörnchen, nur daß e» sein Winterquartier in den
höheren Region« eine» Baumstamme» aufschlägt. — So
gibt r» auch in der Tierwelt reich und arm.
o Zeotrilverbarrd pensionierter Deutscher
Reich«», Stoat«. und Gemeindebeamten, sowie
Lehrer. Die hier am 14. Oktober d. I«. gebildete Ort»,
gruppe de« gen. Verbände« hat sich trotz ihre» kurzen Bestehen»
bereit» in erfreulicher Weise entwickelt. Bei ihrer
Gründung gehörten ihr nur 40 schon früher dem Zentralverbande
beigetretene Mitglieder an. Seitdem ist aber die
Zahl der Mitglieder ganz bedeutend gestiegen. Der
Gnippenoorstand teilte nämlich Friedenau in 4 und
Steglitz in 7 Bezirke ein und übergab fie Vertrauens«
männern behuf» Werbung neuer Mitglieder. Der angestrengten
Tätigkeit der Vertrauensmänner ist e» zu verdanken.
daß immer mehr Pensionäre der Ortsgruppe beitraten.
Bei Schluß der letzten MonatSoersammlung vom
Dezember zählte die Ortsgruppe bereit« 109 Mitglieder,
inzwischen ist die Mitgliederzahl auf mehr al« 130 gestiegen.
Die Dezember - Monat»versammlung war recht
zahlreich besucht. Sie wurde durch den 1. Vorsitzenden,
Herrn Prof. Dr. Köster, nach Bewillkommnung der Erschienenen,
mit einer Ansprache eröffnet, in welcher er die
Ziele und Bestrebungen de» Zentraloerbande» im allgemeinen
und besonderen darlegte und dir Notlage der Altpenstonäre
und deren Witwen und Waisen schilderte.
Sodemn »Thi.tr da» Ghrenrnttglled de» Iknrinlvrrbemd k»
und Ortsgruppen - Vorstandsmitglied, Herr OberlandeSgerichtSrat
a. D. Petrtch da» Wort. Dieser hob hervor, daß
die bisherigen Erfolge de» Zentraloerbande» hauptsächlich
der unermüdlichen, mühevollen Tätigkeit' de» Verband»«
syndiku», Herrn Goerlich, zu verdanken seien. Er äußerte
ferner, daß die auf die von ihm in der Verband-zeitung
an die Altpenstonäre gestellten Fragen eingegangenen
Antworten, die zurzeit von dem Zrntralvorstande einer
Durchsicht unterworfen werden,^ rin sehr wertvolle»
Material für die Begründung der einzureichenden Denkschrift
enthalten und in»besondere geeignet seien, den ganz
bedrutenden Unterschied zwischen den Bezügen der Altund
Neupenfionäre nachzuweisen, sowie die Notlage der
ersteren und die Unzulänglichkeit ihrer Bezüge bei den
jetzt herrschenden Teuerung»- und WirtschaftSverhältniffen
darzulegen und glaubhaft zu machen. — Die nächste
MonatSoersammlung findet Freitag, dem fl. Januar 1911,
Nachmittag« 5 Uhr im Restaurant .Kaiserliche" zu Friedenau
statt. Alt- und Neupensionäre au« Steglitz und
Friedenau, die dem Verbände noch nicht angehören und
ihm beitreten wollen, sind willkommen und werden gebeten,
recht zahlreich zu erscheinen. Schriftliche Beitritt»-erklärungen
sind dem Ort»gruppenvorstand (Wohnungen:
Professor Tr. Köster, Friedenau, Wilhelm»höherstraße 8,
GerichtSsekretär a. D. JablonSki, Sieglitz, Albrechtstraße 8)
«inzureichen, welcher auch mündliche Anmeldungen entgegennimmt.
Gerichtliches.
P. 3m Mai d. I». wurde in Friedrichshagen der lanaesuchte
Anführer einer Diebesbande, die Wäschewagen auS Köpenick,
Weißensee usw. beraubte, d« Schlosser Edwin Dombusch verhaftet.
fne-eus, JKoselstr. 1-2
an der Kaiser-Hohe.
Inhaber; Waldemar Reuter. Tel.Wi 1972.
Aach und nach gelang eS auch, die Genossen des D., sowie die Hehler
& ermitteln. Vor der t. Sttafkammer des Landgerichts II hatten
gestem 10 Personen teils wegen schweren Diebstahl», teils wegen
gewerbsmäßiger Hehlerei zu verantworten. Wie die Verhandlung
ergab, wurde Wäsche im Werte von insgesamt 50 000 M. gestohlen.
Unter den geraubten Wäschestücken befanden fich auch viele aus
ßriedenauer Haushaltungen. — DaS Urteil des Gerichtshofes
lautete auf Freisprechung der Angeklagten Roß, Niethe und Grünberg,
gegen Heißer wegen Hehlerei auf 2 Monate Gefängnis (durch Untersuchungshaft
verbüßt), gegen Niendorf aus S Monate Gefängnis (verbüßt),
gegen Lenkest 2 Monate Gefängnis und gegen Br;czewski auf
4 Wochen Gefängnis, gegen Baatzke auf I Monat Gefängnis, gegen
Frau Schettler auf 9 Monate Gefängnis (6 Monate Untcrsuchungshaft
angerechnet) und gegen Dornbusch auf 2 Jahre 6 Monate Gefängnis
unter Anrechnung von 6 Monaten Untersuchungshaft.
vermischtes,
»o Daß eine moderne Zeit allem Tun und Treiben ihre Signatur
gibt, sieht man auch darin, wie das Befesttgen, Schmücken und Beleuchten
deS Weihnacht-baums ausgeführt wird. Vor Jahrzehnten
wurde jeder Christbaum in ein sehr einfaches und nicht einmal immer
mit Farbe angestrichenes Kreuz geschlagen, um den Saum im Zimmer
aufstellen zu können. Heute bevorzugt man in mehr oder weniger
zahlungsfähigen Kreisen einen eisernen Christbaumständer, in dessen
Ring das Stammende eingeschraubt wird. Zuweilen gibt ein solcher
Ständer sogar Musik von sich; während der Christbaum in drehende
Bewegung versetzt wird, spielt eine Spieldose oder Drehorgel: .Stille
Nacht, heilige Nacht". Und wie sehr hat sich der Schmuck des Weih.
nachtsbaume» verändett! Während früher Ketten, Netze und Steme
auS farbigem Glanzpapier vorherrschten, sieht man jetzt neben den
üblichen Aepfeln und Nüssen in der Hauptsache nur noch schmackhaften
Konfekt oder buntglitzernden Glasschmuck. Thüringen liefert alljährlich
für über 20 Mllionen Mark Spielwaren, wovon ein großer Teil auf
gläsernen Christbaumschmuck kommt, der nach allen möglichen Ländern
verschickt wird. Die Spitze des Baumes, früher alleiniges Besitztum
des papiernen Weihnachtsengels, schmückt da und dort ein silberglitzerndes
Glockenspiel, das fich infolge der von den Kerzen aufsteigenden
Wärme selbsttätig bewegt und mit zartem Kling-klang dar
Zimmer erfüllt. Aber auch die Beleuchtung ist eine andere geworden.
Wachsstöcke und Wachslichter haben bei Erscheinen schöner bunter
Christbaumlichte auS Stearin, Cerefin oder Parafin den Rückzug ansteten
müssen. Ja, selbst diesen BeleuchtungSobjekten droht Konkurrenz.
Nämlich die der elektrischen Glühlämpchen, welche wie
Sternlein, ins dunkle Grün gefallen, so ruhig strahlen. Dazwischen
sprühen Magnefiumzapfen gleich einem Zauberspuck ihr Blitzlichtfunken!
Geburtstagsgeschenke.
Humoreske von Rudolf Hirschberg-Jura
liatiini verböte».
UR. Am Borabend seines fünszigste» Geburtstages^war
der Versicherungsagent Mar Gernleiu besonders guter Stimmung.
Zu seinem zwanzigsten Geburtstag hatte ihm seine gute
Mutter Großvaters goldene Uhr geschenkt, die schon damals
nicht mehr neu gewesen war und seitdem jährlich etwa zehn
bis fünfzehn Mark Reparaturkoste» verschlungen hatte; endlich
war nun der rechnende Bevstand bei ihm stärker geworden, als
die Pietät, und heute hatte er, ohne seiner lieben Gattin
Minna zunächst etwas davon zu sagen, das alte goldene Tina
gegen eine gute, neue silberne tlhr eingetauscht und »och
dreißig Mark dabei herausbetoinnien.. Dafür gedachte er morgen
seiner guten Minna und sich einen vergnügten Tag zu bereiten,
wie er ihn von seinen schmalen Provisionen nicht hätte bezahlen
tönn««. Heute aber genoß er Pie beenden des Kegelabends, der
ihn allwöchentlich mit einer Anzahl gut situierter und säst
durchweg betitelter und beamteter Herren vereinigte.
Max Gernlei» war der geringste unter diesen Leuten,
deren Verkehr ihn stolz machte. Ihn hatte vor einigen Jahren
sein eleganter College Hohmann in diesen Kreis eingeführt, natürlich
erst nachdem er vorher jedes einzelne Mitglied bis über
die Ohren versichert hatte, so daß dem bescheidene» Gcrnlein die
neuen Bekanntschaften bisher nur zur Freude und nicht zum
Vorteil gereicht hatten. Heute aber änderte sich das.
Unter dem liebenswürdigen Einflüsse Hohmanns dehnte
sich die Kegclei diesmal bis Mitternacht aus, als Hohmann
plötzlich unterbrach und zu GernlcinS freudiger Beschämung
eine Rede aus dessen soeben beginnenden (Geburtstag hielt.
Dann holte er einen Füllfederhalter aus der Tasche und überreichte
ihn dem Geburtstagskinde im Rainen der gratulierenden
Kegelbrüder. Gernlein wär tief gerührt. Bisl>er hatte er alle
seine fleißigen, vielen kleinen Abschlüsse mit einem Tintenstift
gemacht. Bon nun an würde er genau wie der e.'cgante Hohmann.
der allmonatlich nur etwa drei bis fünf große Sack-en
machte, ebenfalls mit einem Füllfederhalter arbeiten.
In seiner Freude bestellte er für die ganze Runde sofort
eine Maibowle; und während der Füllfederhalter nur 0,50 Mart
gekostet hatte, kostete die Maibowle volle 15 Mark. Es blieb
also von dem Uebcrschuß des Uhrengeschäfts nur noch die
Hälfte übrig. Aber das reichte ja für einen vergnügten Nachmittag
mit seiner Minna auch »och aus. Wagenfahrt. Kaffeetrinken
im Parkrestaurant und Abends Besuch der Sommer-Operette!
Gcrnlein war stolz aus die Ausmerkjainkeit seiner licbenswürdigen
Kegelbrüder, stolz daraus, daß sie seine Bowle tranken,
und ging so selig nach Hause, daß er gar nicht merkte, daß
er den Füllfederhalter verkehrt in die Tasche gesteckt hatte.
Am anderen Morgen merkte cs aber die gute Minna au
dem Rockfutter, der Waschiveste und dem Hemde ihres Gatten.
Aber sie war so gut, daß sie nicht schalt, sondern sich nur
vornahm, für zehn Pfennige Bitterklcesalz zu kaufen. Taun
gab sie ihrem Mar drei Gcburtstagsküsse, und tveil er die im
vorigen Jahre gestickten Hausschuhe noch nicht abgetragen hatte,
so hatte sie ihm eine Schlummerrolle gearbeitet und eine
dicke goldene Uhrkette darumgewickelt.
„Nun hast du dock) endlich eine passende Kette zu deiner
goldenen Uhr," sagte sie sreundluü-Pfannkuchen
mit verschiedenen Füüungen empfiehlt zum
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Der Verstand. Georg Hnrtaer. Haensehke. Kogge.
Max aber beschloß, ihr den llhrenhandel nicht so bald einzugestehen,
um ihr die Freude nicht zu verderben, und hakte
die neue Uhrkette an, ohne die Uhr aus der Tasche zu ziehen.
, Tief gerührt war er natürlich und vermochte sich nicht zu
erkläre», wie die gute Minna so viel vom Wirtschaftsgeld erübrigen
konnte; denn er sonnte sich nicht erinnern, daß in
letzter Zeit die Beefsteaks erheblich kleiner oder die Butterbrote
merklich magerer gewesen wären.
Als er nun »ach vielen Dankeszärtlichkeiten ihre Sparsamkeit
lobte, gestand sie ihm freilich, daß sic nur zehn Mark
gespart und deshalb auch nur eine Anzahlung in dieser Höhe
geleistet habe. Max freute sich deshalb im Stillen, daß er
noch nichts von dem geplanten vergnügten Rachniittag gesagt
hatte, und beschloß die 15 Mark lieber zur Tilgung der Uhrkettenschuld
zu verwenden. Er war aber ein guter Mann und
schalt nicht mit seiner Minna, sondern versuchte sich nach
Kräften über" die dicke goldene Uhrkette weiter zu freuen.
So sahen sie in friedlicher Elemeinschast dem Ansturm der
Gratulanten entgegen, der schon in den zeitigsten Vormittagsstunden
seinen Anfang nahm. Tenn Gernleins unterhielte»
mit ihrer zahlreichen Verwandtschaft enge Beziehungen. Erstens
gab der freundliche Gernlcin die Hoffnung nie auf, den oder
lenen Schwager oder Better neu oder höher zu versick)crn, und
zweitens, da er selbst keine Kinder hatte, ivar er allgemein als
guter Onkel beliebt, der sich gelegentlich auch mit 50 Pfennigen
bis 3 Mark aupumpcu ließ.
Tie Folge davon war, daß viele Vettern, Basen, Neffen
und Nichten dem guten Onkel heute auch einnial eine Freude
machen wollten, und als sich Max Gcrnlein nach all den Glückwünschen
endlich wieder mit seiner Minna allein bcsaud, sah
er seinen Besitz uni 5 Sofakissen, 2 Paar Hausschuhe, 3 Paar
Pulswärmer, 2 Fnßsäcke, 6 Schlnminerrvllc», 3 Rückenkratzer,
2 Hauskäppchen, 27 Paar wollene Strümpfe und 8 gestickte
Tabaksbeutel vermehrt.
Sein Gesicht war von all dem vielen dankbaren Lächeln
überanstrengt und zitterte vor müder Freundlichkeit, seine Auge»
irrten ängstlich zwischen all den Schätzen umher. Aber Minna
ivar eine gute Frau; sie tröstete ihn mit der Versicherung, sie
ivcrde schon alles gut „einmotten", so daß nichts zu Schaden
käme.
Infolgedessen beruhigte er sich und ließ sich de» Gcburtstagsbraten
vortrefflich schmecken. Sein Nachmittagsschläschen
unterstützte er mit Vernachlässigung all der anderen neuen
Schlumincrgcrätschasten einzig und allein mit der von Minna
gestickten Schlummerrolle, wurde aber davon vor der Zeit durch
einen zweiten Ausmarsch von Gratulanten und Geschenibringern
unterbrochen. Es kam abermals eine Fülle von ivollenen Handarbeiten,
und da er infolge der Unterbrechung seines Mittagsschlafs
nervös geworden ivar, so besaß er nicht mehr, wie am
Vormittag, die Kraft, all diese beweise warmer Nichtciiliebe
zu zählen und die Schlummerrollen ordentlich von den Pulsivärniern,
die Hausschuhe von den Sofakisscn zu trennen. Willenlos
ließ er cs geschehen, daß sich all diese wollene Freude uni
ihu.cmportürmte, bis ihm zu Mute war, als säße er inmitten
einer gewaltigen Schutzvorrichtung gegen entgleiste Luftschiffe.
Als aber die Flut aller dieser ivarmen, weichen Handarbeiten
endlich ihren höchsten Stand erreicht und die vielen Nichten
sich verlaufen hatten, da kamen auch noch Tante Marga und
Onkel Eduard und mit ihnen einige Gärtncrgehilsen, die einen
blühenden Rhododendron und einen blühenden Oleanderbaum
heraujchlcpptcn.
„Weil Ihr Blumen so gern habt," sagten sie freundlich.
Wenn cs gelang, die beiden großen Kübel iu dem engen
Zimmer unterzubringen, ohne nennenswerte Beschädigungen
an den trotzig aus ihren Prioritätsrechten stehenden übrigen
Möbel» anzurichten, so war das nur de» zahlreichen Handarbeiten
zu danken, die sich überall mildernd dazwischen schoben.
Aber das sreudige Lächeln war ganz und gar von Gernleing
Gesicht abgefallen, und als Onkel und Tante nach vollbrachte«-Beschenkung
wieder fortgegangen waren, wand er sich zwisch
seinen Geschenken bis zu der jenseits des Rhododendron un.er
Strümpfen und Tabaksbeuteln vergrabenen Gattin durch und
sagte:
„Meine gute, liebe Minna, in fünf Monaten ist unsere
silberne Hochzeit."
„Ach' ja!"
„Tas wird »och schlimmer werden, als heute. Habe ich
heute einen Füllfederhalter bekommen, so wird es dann ein
»euer Schreibtisch sein, und ich habe doch das alte Pult von
meinem Vater so lieb. Statt des Oleanders und des Rhododendron
wird es eine ganze Orangerie gebe». Dann haben wir
überhaupt keinen Platz mehr in unserer Wohnung und müssen
auf der Treppe wohnen."
„Es wird grauenvoll."
„Wir können es vermeiden."
„Wodurch?"
„Indem wir die silberne Hochzeit ausfallen lassen."
„Aber wie?"
„Wir lassen uns scheiden!"
..? ? ?"
„Wenn die Gefahr vorüber ist, können wir uns ja wieder
heiraten!"
„Ja, aber während dev Scheidungszeit müssen wir doch
getrennt wohnen. Wer nimmt denn dann all diese Geschenke
mit sich?"
„Das ist doch ganz selbstverständlich, meine gute Minna.
Ich habe sie zu meinem Geburtstag bekommen. Ich bin also
der schuldige Teil. Also werden sie bei der Scheidung dir als
dem unschuldigen Teile zugesprochen." \
Da fiel Minna hinter dem Rhododendron ihrem Max
um den Hals und sagte, sie habe ihn viel zu lieb, um sich
jemals von ihm scheiden zu lassen.
Daraus kletterten sie aus dem Zimmer mit den Gcburtstagssreuden
heraus und beschlossen, sich für den Rest ihres
Lebens mit dem anderen Zimmer zu begnügen, in dem noch
Platz genug zum Leben war.
Alle Leser werden nun gebeten, diese Leutchen zur silberne»
Hochzeit freundlichst zu verschonen.