Path:
Volume Nr. 124, 29.05.1906

Contents : Friedenauer Lokal-Anzeiger (Public Domain) Ausgabe 13.1906 (Public Domain)

hält.  Durch  richtige  Wahl  des  Versandbahnhofs  wird,
neben  einer  Frachtersparnis,  eine  oft  erheblich  schnellere
Beförderung  erzielt,  da  die  Güter  dann  gleich  in  die
direkten  Wagen  und  —  ohne  Umladung  —  in  die  schnellfahrenden, ­
  direkten  Güterzüge  kommen.  Das  für  alle
Güterversender  unentbehrliche  Handbuch  ist  zum  Herstellungspreise ­
  (1  Mark)  im  Auskunftsbüro,  Bahnhof
Alexanderplatz,  und  bei  sämtlichen  Güterabfertigungs-  und
Fahrkarten-Ausgabestellen  Berlins  zu  haben.
ff  StaatSprämien  für  Ausstellungen  von
Lehrlings-Arbeiten  sind  nach  amtlicher  Mitteilung
wiederholt  erst  kurz  vor  der  Eröffnung  der  betr.  Ausstellung ­
  beantragt  worden.  Dem  Handelsminister  ist  dadurch ­
  die  Möglichkeit  genommen,  etwa  erforderliche  Erkundigungen ­
  einzuziehen  oder  auf  eine  Abänderung  des
Ausstellungsplanes  hinzuwirken.  Selbst  in  solchen  Fällen,
in  welchem  dem  Antrage  ohne  Weiteres  stattgegeben
werden  konnte,  ist  es  mitunter  kaum  möglich  gewesen,  die
Beihilfen  so  zeitig  zur  Auszahlung  zu  bringen,  daß  die
Preisverteilung  in  dem  dafür  vorgesehenen  Termin  erfolgen ­
  konnte.  Es  wird  daher  daran  erinnert,  daß  nach
den  bestehenden  Vorschriften  Anträge  auf  Bewilligung  eines
Staatszuschuffes  spätestens  am  1.  September  jeden  Jahres
für  solche  Ausstellungen  eingereicht  sein  müffen,  welche  für
das  nächstfolgende  Etatsjahr  in  Aussicht  genommen  sind.
[]  Für  die  Pfingst-Souderzüge  nach  Stettin-Swinemünde-Heringsdorf
  rc.  sind  die  folgenden  Fahrpläne
festgesetzt  worden:  Abfahrt  von  Berlin,  Stettiner  Bahnhof,
am  3.  und  4.  Juni  Vorm.  5.25,  Ankunft  in  Swinemünde
10.15,  Heringsdorf  10.42,  in  Misdroy  (ab  Swinemünde
10.45)  11.40  Vorm.  Die  Rückfahrt  der  Sonderzüge
erfolgt  an  den  beiden  Feiertagen  ab  Heringsdorf  9.45
Abends,  ab  Swinemünde  10.15,  ab  Misdroy  9.23  Abends,
die  Ankunft  in  Berlin  1.47  Nachts.  Rückfahrkarten,  nur
für  diese  Sonderzüge  giltig,  kosten  nach  Swinemünde
12.20  M.  (II.),  8,10  M.  (dritter  Klasse),  nach  Heringsdorf ­
  12,60  (8,40)  M.,  nach  Misdroy  13,50  (9)  Mark.  —
Die  Sonderzüge  nach  Stettin,  mit  Anschluß  an  die
Rügenfahrten  der  Dampfschiffahrts-Gesellschaft  Bräunlich
daselbst,  gehen  am  3.  und  4.  Juni  ab  Berlin,  Stettiner
Bahnhof,  12,25  und  treffen  in  Stettin  2.35  früh  ein;
die  Rückfahrt  von  Stettin  erfolgt  am  Pfingst-Sonntag
und  -Montag  Abend  11.15,  die  Ankunft  in  Berlin  1.29
Nachts.  Die  Sonderzug-Rückfahrkarten  kosten  8,10  M.  in
zweiter,  5,40  in  dritter  Klasse.  Ausnahmsweise  gelten  die
am  ersten  Feiertag  von  Berlin  nach  Stettin  gelösten
Karten  zur  Rückfahrt  auch  am  zweiten  Feiertage.  Fahrkarten-Verkauf
  am  Stettiner  Bahnhof,  Sonnabend  bezw.
Sonntag  9—12  Vorm.,  3—5  und  7—12  Nachm.;  Schiffskarten ­
  können  im  Büro,  Neustädt.  Kirchstr.  15  (Dorothenstraße)
  und  am  Bahnhof  Friedrichstraße  (Büro:  Saßnitz-Trelleborg)
  gelöst  werden.
sj  Psingst-Sonderzüge  werden  auch  wieder  nach
dem  Osten  der  Monarchie,  BreSlau,  Kattowitz,  Posen  rc.
abgelassen  werden.  Wir  erwähnen  nur  die  folgenden:
Charlottenburg—Kattowitz,  81.  Mai  bis  7.  Juni,  7.58
Vorm.,  31.  Mai  bis  9.  Juni,  4>13  Nachm.,  Charlottenburg—Breslau, ­
  31.  Mai  bis  2.  Juni,  10  Uhr  Vorm.,
Schles.  Bahnhof—Breslau,  2.  und  3.  Juni,  7.08  Vorm.,
2.  Juni  3.01  Nachm.,  1.  und  2.  Juni  8.06  Abends,
31.  Mai  bis  2.  Juni  und  5.  Juni,  9.06  Abends  (bis
Mislowitz);  Charlottenburg—Posen,  1.,  2.,  5.  und  6.  Juni,
9.20  Vorm,  und  2.13  Nachm.,  Schles.  Bahnhof—Posen:
1.,  2.,  3.,  5.  und  6.  Juni,  7.56  Vorm.,  1.,  2.  und
5.  Juni,  5.45  Nachm.
G  Für  die  Pfingst-AirSflüge  nach  de»  Ostseebädern, ­
  den  Inseln  Rügen  und  Bornholm,  nach  Kopenhagen ­
  re.  hat  die  Stettiner  Dampfschiffs-Gesellschaft  Bräunlich ­
  ein  besonderes  Fahrplanbüchlein  für  ein-  und  mehrtägige ­
  Fahrten  herausgegeben.  Danach  werden,  im  Anschlüsse ­
  an  die  Sonderzüge  Berlin—Stettin  am  Freitag
und  Sonnabend,  Vorm.  11  Uhr  die  Doppelschrauben-Schnelldampfer
  „Hertha"  und  „Odin"  nach  den  Ostseebädern ­
  bis  Saßnitz  (an  7.15  Abends)  am  Pfingst-Sonntage
  3.30  früh  „Odin"  und  „Freia"  nach  Saßnitz  (an
11  Uhr  Vorm.)  und  am  Montag,  3.30  früh  der  „Odin"
nach  Saßnitz  und  6.30  früh  die  „Freia"  nach  Zinnowitz
(an  11.30  Vorm.)  fahren.  Die  Rückfahrt  ab  Saßnitz  kann

Zeit  und  Gelegenheit  zu  haben,  sein  schwerfälliges,  philisterhaftes ­
  Wesen  abzulegen.  Er  wollte  die  Baronin  bitten,  ihn
ein  ivcnig  in  die  Schule  zu  nehmen,  es  müßte  doch  mit  dem
Teufel  zugehen,  wenn  mit  so  vielem  guten  Willen  nicht  ein
Erfolg  verbunden  sein  sollte.
Das  alles  ging  ihm  auch  heute  wieder  durch  den  Sinn,
als  er  dem  davonrollenden  Wagen  nachschaute  und  es  beschäftigte ­
  ihn  so  sehr,  daß  er  die  wiederholten  Stufe  der
Tante  überhörte,  die  am  Kaffcetische  auf  der  Veranda  sehnsüchtig ­
  seiner  harrte  und  nun  ungeduldig  die  Stufen  herabgecilt
kam,  um  den  Zerstreuten  höchst  eigenhändig  in  die  Wirklichkeit
zu  befördern,  indem  sie  ihm  einen  scherzhaften  Klapps  auf  die
Schulter  versetzte.  Wie  erschrak  sie  jedoch,  als  sie  den  sorgenvollen ­
  Gesichtsausdruck  des  über-  rascht  Herumfahrenden  gewahrte. ­
  Teilnehmend  schob  sie  die  Hand  in  seinen  Arm  und
führte  ihn  zum  Kaffeetische,  wo  er  sich  müde  auf  das
Korbsofa  niederließ.
„Gotthard,  mein  Junge,  was  hast  Du?"  fragte  Tante
Molchen,  bckünimert  in  sein  verdüstertes  Gesicht  sehend.  „Bist
Du  krank?  Oder  quälen  Dich  Sorgen?  Ich  beobachte  Dich
schon  seit  Tagen,  und  ängstige  mich  ivcgen  Deines  vergrämten
Aussehens.  Willst  Du  Dich  mir  nicht  anvertrauen,  so  wie
irüher?"
„Ach,  Tantchen,"  seufzte  er  auf  und  fuhr  sich  mit  der
Rechten  durch  das  hochstehende  Blondhaar.  „Mir  selbst  fehlt
nichts,  aber  Marie-Agnes  macht  mir  Sorge,  schwere  Sorge.
Sie  ist  so  furchtbarverändcrt  seit  einiger  Zeit,  so  still  und
traurig,  so  blaß  und  mager.  Der  Gedanke  legt  sich  mir  schwer
aufs  Herz,  daß  sie  sich  unglücklich  fühlt,  daß  —  —"
„Dazu  hat  sie  auch  alle  Ursache!"  unterbrach  ihn  die
Tante  unmutig.  „Aber  da  sicht  man  es  ivieder  einmal,
wenn  die  Leute  keine  Sorgen  haben,  so  machen  sie  sich  welche!
—  Wenn  Dich  weiter  nichts  drückt,  mein  alter  Junge,  so
banke  dem  Himmel  und  fei  zufrieden  und  laufe  nicht  herum
wie  ein  betrübter  Lohgerber.  Sei  versichert,  daß  das  alles
nur  Launen  bei  ihr  sind."
Steinhaufen  schüttelte  energisch  den  Kopf:  „Nein,  da  irrst
„Tu  durchaus."
(Fortsetzung  folgt.)

angetreten  werden:  am  Sonntag  3.15  Nachm,  (an  Stettin
10.15,  an  Berlin  1.29  Abends),  am  Montag,  3.15  Nachm,
(wie  vor),  am  DienStag,  10.30  Vorm,  (an  Stettin  6.15,
an  Berlin  9.05  Abends).  Am  Mittwoch,  6.  Juni  und
Freitag,  8.  Juni,  fährt  die  „Freia"  von  Saßnitz  schon
6.15  früh  ab  und  trifft  in  Stettin  2.15  Nachm,  ein,  sodaß
man  5,36  oder  6.17  Nachm,  wieder  in  Berlin  sein  kann.
Nach  Bornholm  geht  die  „Hertha"  am  Freitag  und  Sonnabend,
  ab  Stettin  11  Uhr  Vorm.,  an  Saßnitz  7.15  Abends,
ab  am  andern  Morgen  6  Uhr  an  Hämmeren  (Bornholm)
10  Uhr  Vorm.  Rückfahrt  5.30  früh  ab  Rönne  (Bornholm), ­
  an  Saßnitz  9.30  Vorm.,  an  Stettin  6.15  Abends.
Lokales.
-j-  Schmuckstreifeu.  In  der  Rheinstraße  sind  nun
auch  die  Schmuckstreifen  fertiggestellt  worden  und  mit
herrlichen  Blumenbeeten  versehen.  Einzelne  Streifen  sind
auch  bereits  mit  Grassamen  besät,  sodaß  wohl  binnen
kurzem  diese  Schmuckanlagen  das  Straßenbild  der  Rheinstraße
  bedeutend  verschönern.  In  Steglitz  sind  die  Rasenstreifen ­
  ebenfalls  fertig  und  schließen  sich  würdig  unsern
Streifen  in  der  Rheinstraße  an.
f  Der  Verein  der  Vororte  Berlins  hielt  seine
erste  diesjährige  Wanderversammlung  in  dem  kleinen
Ackerstädtchen  Alt-Landsberg  ab,  wo  die  Vertreter  aus
zirka  40  Vororten,  die  zahlreich  mit  ihren  Damen  erschienen ­
  waren,  von  Bürgermeister  Ziemann  und  später
vom  Rechtsanwalt  Schmidt,  dem  Vorsitzenden  des  Ortsvereins, ­
  begrüßt  wurden.  Nach  Besichtigung  des.städtischen
Krankenhauses,  des  Elektrizitätswerkes,  der  herrlichen
Promenaden  an  der  alten  Stadtmauer,  der  Stadtkirche,
und  der  reformierten  Schloßkirche  wurde  die  geschäftliche
Sitzung  im  Schützenhause  abgehalten.  Der  Vorsitzende,
Herr  Albert  Daumann,  verurteilte  aufs  schärfste  die  Annahme ­
  der  Fahrkartensteuer  durch  den  Reichstag  und  wies
auf  die  vielfachen,  leider  vergeblichen  Bemühungen  des
Vorortsvereins,  dieses  volks-  und  verkehrsfeindliche  Gesetz
zu  Fall  zu  bringen,  hin.  Trotz  dieser  Niederlage  würden
die  Vororte  in  ihrem  Bestreben  nach  Verkehrsbefferungen
nicht  nachlaffen.  Als  neue  Mitglieder  wurden  aufgenommen ­
  der  Magistrat  der  Stadt  Kremmen,  der  Bürgerverein ­
  Fichtenau  und  die  Hermsdorfer  Boden-Aktiengesellschaft. ­
  Herr  Garten-Ingenieur  Ludwig  Lesser-Zehlendorf
hielt  einen  mit  großem  Beifall  aufgenommenen  Vortrag
über  Hebung  der  Vororte  durch  gärtnerische  Anlagen.
f  Vier  Eiseubahninspektione«,  welche  bisher
schon  zum  Bezirke  der  Kgl.  Eisenbahndirektion  Halle  a.  S.
gehörten,  ihren  Sitz  aber  in  Berlin  (Anhaltec  Bahnhof)
hatten,  werden  mit  dem  1.  k.  Mts.  von  hier  verlegt,  weil
wegen  der  steten  Verkehrszunahme  über  die  betreffenden
Räumlichkeiten  anderweit  verfügt  werden  muß.  Es  sind
dies  die  Eisenbahn-Derkehrsinspektion  Berlin  5,  die  zu
ihr  gehörigen  Betriebs-Inspektionen  Berlin  12  und
Berlin  13,  sowie  die  Maschinen-Jnspektion  Berlin  5.  Der
Wirkungskreis  der  Verkehrsinspektion  5,  welche  nach  Torgau
verlegt  wird,  umfaßt  die  Eisenbahnstrecken  Groß-Lichterfelde-Süd
  (ausschließlich)  bis  Jüterbog,  Falkenberg,  Röderau  rc.
und  Zossen  (ausschließlich)  bis  Dobrilugk,  Elsterwcrda  rc.
Von  den  beiden  Betriebsinspektionen  kommt  12  nach
Luckenwalde,  13  nach  Finsterwalde;  dieMaschinen-Jnspekton5
endlich  siedelt  am  1.  Juni  nach  Wittenberg  über.
t  Eine  zeitgemäße  Mahnung  richtet  der
Regierungs-Präsident  zu  Potsdam  an  die  Verkäufer  von
Mineral-Wässern  rc.  Da  der  Genuß  eiskalter  Getränke
leicht  zu  ernsten  Erkrankungen  führen  kann,  weist  er  die
Verkäufer  an,  das  Wasser  fernerhin  nur  in  einem  der
Trinkwasser-Temperatur  entsprechenden  Wärmegrade  von
etwa  10  Grad  Celsius  abzugeben.  Zugleich  wird  auch
das  Publikum  vor  dem  Genusse  eiskalter  Getränke  überhaupt, ­
  insbesondere  der  Mineralwässer,  gewarnt.
ch  Die  Charlottenburger  Abfuhrgesellschaft
schreibt  uns:  Die  Wirtschaftsgenoffenschaft  Berliner  Hausund ­
  Grundbesitzer  aquiriert  in  letzter  Zeit  vielfach  in  unlauterer ­
  Weise  für  die  Müllabfuhr  in  Friedenau  und  den
angrenzenden  Vororten  und  versucht  sich  auch  hier  das
Monopol  zu  verschaffen.  Viele  Abfuhrunternehmer  sind
diesem  Gebühren  bereits  zum  Opfer  gefallen  und  es  besteht ­
  die  Gefahr,  daß  die  Hausbesitzer  in  punkto  Müllabfuhr ­
  demnächst  auf  einen  einzigen  Unternehmer  angewiesen ­
  sein  werden,  in  dessen  Belieben  es  dann  steht,  die
Gebühren  und  die  Abfuhr  nach  Wilkür  einzurichten.  In
richtiger  Würdigung  dieser  Gafahr  haben  neben  vielen
anderen  auch  der  Friedenauer  Gemeindevorstand  und  der
Haus-  und  Grundbesitzerverein  sich  veranlaßt  gesehen  mit
uns  in  Verbindung  zn  treten,  um  auf  loyaler  Basis  einen
mehrjährigen  Vertrag  mit  unserer  Gesellschaft  abzuschließen.
Ferner  verstadtlicht  die  Stadt  Charlottenburg  die  Müllabfuhr ­
  und  ist  bereits  unserer  Gesellschaft  seitens  des
Magistrats  der  Zuschlag  auf  15  Jahre  erteilt  worden.
Es  liegt  in  der  Natur  der  Sache,  daß  wir  die  Abfuhr
um  so  prompter  und  billiger  besorgen  können,  je  mehr
Hausbesitzer  sich  diesen  Bestrebungen  des  Friedenauer
Haus-  und  Grundbesitzerveins  anschließen.  Wir  bitten
deshalb  höflichst  entgegen  den  vielen  Verdächtigungen
fremder  Aquisiteure  uns  auch  für  die  Zukunft  das  Vertrauen ­
  zu  erhalten,  dessen  würdig  zu  bleiben  wir  nach
wie  vor  eifrig  bemüht  sein  werden.
ch  Von  den  westlichen  Vorortbahnen  der  Stadt
Berlin  kann  man  das  Emporwachsen  der  20.  Wander-Ausstellung
  der  Deutschen  Landwirtschafts  -  Gesellschaft,
die  an  der  Rubensstraße  des  Schöneberger  Qrtsteils  von
Friedenau  gelegen  ist,  von  Tag  zu  Tag  verfolgen.  Es
drängt  sich  den  Ausstellungskundigen  dabei  der  Gedanke
auf,  daß  gerade  dieser  Platz  geeignet  wäre,  auch  in  Zukunft ­
  Ausstellungen  aufzunehmen,  da  er  außerordentlich
gut  für  den  Personen-  und  Güterverkehr  gelegen  ist.  Wie
wir  hören,  hat  auch  bereits  eine  andere  Unternehmung
diesen  Platz  für  das  nächste  Jahr  für  eine  ethnologische
Ausstellung  in  Aussicht  genommen.  Es  wäre  zu  wünschen,
daß  die  Stadt  dort  einen  ständigen  Ausstellungsplatz  erwerben ­
  möchte,  welcher  mit  einfachen  Gebäuden  versehen,
zu  den  verschiedenen  Arten  von  Ausstellungen  verwendbar
ist.  Denn  es  ist  sicher,  daß  die  romanische  Halle,  welche
im  Zoologischen  Garten  gebaut  wird,  allen  Ansprüchen

nach  dieser  Richtung  hin  nicht  genügen  kann,  namentlich
wenn  es  sich  um  Ausstellungen  handelt,  welche  Platz  im
Freien  und  mehr  Platz  beanspruchen,  als  in  jener  Halle
vorhanden  ist.  Dieser  Platz  bei  Schöneberg  würde  sich
in  dieser  oder  einer  anderen  Form  sehr  gut  für  einen
derartigen  Zweck  eignen  und  würde  nach  den  Erfahrungen
der  Städte  Hamburg,  München  und  auch  Dresden,  ^die
solche  Plätze  mitten  in  der  Stadt  haben,  sehr  günstig  für
den  Verkehr  und  die  gewerbliche  Entwicklung  der  Stadt
Berlin  wirken.
ch  Fahrkarteusteuer.  Die  am  Sonnabend  herausgegebenen ­
  Amtsblätter  der  Eisenbahndirektionen  enthalten
die  offizielle  Mitteilung  an  die  beteiligten  Dienststellen,
daß  die  Erhebung  der  Fahrkartensteuer  am  1.  August  d.  I.
beginnt.  Von  diesem  Tage  an  wird  also  für  jeden  zur
Ausgabe  kommenden  Fahrausweis  erster,  zweiter  und
dritter  Wagenklasse,  deren  Preis  60  Pfg.  und  mehr  beträgt, ­
  die  Steuer  nach  den  vom  Reichstage  beschlossenen
und  vom  Bundesrat  genehmigten  Sätzen  erhoben.  Die
Steuer  wird  in  den  tarifmäßigen  Fahrpreis  eingerechnet,
sodaß  auf  den  Fahrkarten  Fahrpreis  und  Steuer  in  einem
Betrage  erscheinen.  Infolgedessen  werden,  wie  die  amtliche ­
  Mitteilung  weiter  besagt,  zunächst  alle  Fahrkarten
Edmonsonscher  Form  erster  bis  dritter  Wagenklasse  des
Staatsbahnverkehrs  und  der  direkten  deutschen  Verkehre,
soweit  ihr  tarifmäßiger  Preis  60  Pfg.  und  mehr  beträgt,
bis  zum  1.  August  dieses  Jahres  neu  gedruckt.  Die  einzelnen ­
  Dienststellen  sind  angewiesen  worden,  die  neuen
Fahrkarten  bei  der  Fahrkartenverwaltung  anzufordern.
Dabei  soll  der  Bedarf  für  die  Zeit  vom  1.  August  d.  IS.
bis  1907  bemessen  werden.  Dieser  Endtermin  ist  offenbar
mit  Rücksicht  auf  die  Personentarifreform  gewählt  worden,
deren  Inkrafttreten  für  den  1.  April  1907  in  Aussicht  genommen ­
  ist.
ch  Schöneberger  Bank.  Zu  der  gestrigen  Notiz
der  Schöneberger  Bank  sei  bemerkt,  daß  dieselbe  am
kommenden  Sonnabend  nicht  den  ganzen  Tag,  sondern
nur  von  12  Uhr  ab  geschloffen  ist.
-j-  Der  Festplatz  des  Kriegs-Veteranen-Vereins
wurde  auch  gestern  sehr  gut  besucht.  Das  weitaus  größte
Interesse  wird  wohl  der  Ausstellung  der  zur  Verlosung
kommenden  Gegenstände  gewidmet.  Außer  den  Berliner
Firmen  finden  wir  vor  allem  unsere  hiesigen  Geschäftsleute ­
  mit  prächtigen  Sachen  vertreten.  Diese  Ausstellung
gibt  auch  so  recht  ein  Bild  von  der  Leistungsfähigkeit
hiesiger  Geschäfte,  und  verlohnt  es  sich  dieserhalb  schon,
alles  dort  Ausgestellte  in  Augenschein  zu  nehmen.  Wir
werden  vielleicht  später  die  Namen  der  Stifter  des  dort
Ausgestellten  veröffentlichen,  jetzt  müssen  wir  noch  davon
Abstand  nehmen,  da  täglich  neue  Geschenke  hinzukommen.
Der  Losverkauf  ist  ebenfalls  ein  recht  flotter,  zudem  das
Los  nur  50  Pfg.  kostet  und  die  Aussicht  vorhanden  ist,
für  derartig  geringen  Preis  einen  der  herrlichsten  Gegenstände ­
  zu  erlangen.  Neben  der  Ausstellungshalle  erfreuen
sich  dann  noch  der  Kinematograph,  in  dem  die  neuesten
Geschehnisse  u.  a.  zu  sehen,  ferner  der  Zirkus  Kolter
Malmström  mit  seinen  vortrefflichen  Pferdedreffuren,  wie
sie  im  Zirkus  Busch  nicht  schöner  zu  sehen  sind,  und
seinen  Akrobaten,  Jongleuren  und  anderen  ausgezeichneten
Künstlern,  lebhaften  Zuspruches.  Im  Hippodrom  versuchen ­
  Damen  und  Herren  dem  Reitsport  zu  huldigen,
im  Auto-Karussel  aber  findet  dieser  neuzeitliche  Sport  seine
Anhänger  bei  Jung  und  Alt.  Wer  sich  dann  mit  einem
frischen  Trunk  oder  herzerquickendem  Likör  laben  will,  der
findet  dazu  in  dem  Festzelt  bei  unseren  tüchtigen  Gastwirten
Radler  und  Behrendt  und  auch  an  den  Verkaufsständen
der  Likörfabriken  bestens  Gelegenheit.  Für  Damen  besonders
empfehlenswert  ist  aber  Cafö  und  Konditorei  zu  nennen.
Auch  kleine  Andenken  von  Glücksbuden  oder  in  Gestalt
einer  photographischen  Aufnahme  im  Atelier  der  Schnellphotographie
  kann  man  mit  nach  Hause  nehmen.  So
dürfte  wohl  ein  Jeder  für  sich  Interessantes  vorfinden,
das  ihn  einladet,  öfters  dort  zu  verweilen.  Dem  Platzkomitee ­
  wäre  nur  noch  anzuempfehlen,  ein  wenig  Kontrolle
auszuüben,  um  gewissen  zweifelhaften  Elementen  den
Zutritt  zum  Platz  zu  verweigern.  —  Voraussichtlich  findet
morgen  Abend  großes  Militär-Konzert  und  Feuerwerk
statt.  Die  Veteranen  werden  gebeten,  jeden  Abend  sich
aus  dem  Festplatz  im  Festzelt  einzufinden.
f  Hansa-Theater.  Das  Hansa-Theater  gibt  am
31.  Mai  seine  letzte  Vorstellung  in  dieser  Saison.  Wiedereröffnung ­
  ist  auf  den  Monat  August  festgesetzt.
f  Rohe  Gesinnung  zeigte  gestern  Abend  gegen
7  Uhr  der  Führer  eines  Brotwagens,  namens  Droste,
Steglitz,  Ahornstraße  31  wohnhaft.  Ein  Mitbürger,  Herr
Heuer,  Albestraße  22,  ersuchte  D.,  doch  nicht  so  auf  das
Pferd  einzuschlagen.  Diese  Mahnung  verstand  D.  jedoch
falsch  und  schlug  nun  mit  der  Peitsche  nach  H.  Der
Polizeisergeant  Herr  Sievers  stellte  die  Personalien  des
Kutschers  fest.  Neben  einer  Ordnungsstrafe  wegen  seiner
niedrigen  Handlungsweise,  dürfte  Droste  auch  noch  wegen
Nichtverzeichnens  seines  Namens  am  Fuhrwerk  Strafe  zu
erwarten  haben.
ch  Ein  nächtlicher  Raubanfall.  In  der  Nacht
zum  Sonntag  wurde  der  Optiker  Paul  Obst  das  Opfer
eines  schweren  Überfalls.  Er  ging  die  an  der  Bergstraße
belegene  Straße  A  in  Steglitz  entlang,  als  plötzlich  von
der  Richtung  der  Filandastraße  her  drei  Burschen  auf  ihn
zutraten  und  nach  der  Uhr  fragten.  Ehe  sich  O.  ihrer
irgenwie  erwehren  konnte,  riß  einer  der  Räuber  au  der
Uhrkette  des  O.,  sodaß  diese  in  der  Mitte  sprang,  dann
knebelten  sie  dem  Genannten  die  Hände  auf  dem  Rücken
zusammen  und  entrissen  ihm  das  Portemonnaie  mit
15  Mk.  Inhalt.  Die  Burschen,  von  denen  einer  durch
den  Überfallenen  an  der  Nase  blutig  geschlagen  wurde,
kniffen  dann  in  der  Richtung  nach  Schöneberg  aus.  Der
eine  der  Räuber  soll  etwa  25  Jahre  alt  sein,  schwarzen
Schnurrbart  und  schwarzen  steifen  Hut  getragen  haben,
die  andern  beiden  waren  jünger,  bartlos  und  trugen
sogen.  Ballonmützen.  Einer  der  letzteren  muß  eine  schwere
Verletzung  am  Nasenbein  ausweisen,  wo  ihm  ein  wuchtiger
Faustschlag  des  Überfallenen  traf.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.