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Periodical volume Nr. 234, 05.10.1905

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 12.1905

unsere Sanitätskolonne jährlich mit einem größeren 
Betrage unterstützt, beabsichtigt die Krankenstube mit allen 
Einrichtungen der Neuzeit zu versehen. Es soll der große, 
helle und luftige Raum nicht nur der Hilfeleistung in der 
eigenen Fabrik dienen, sondern auch dem Dienste des 
öffentlichen Wohles unterstellt sein zur ersten Aufnahme 
Verunglückter. Bekanntlich befindet sich schon jetzt in der 
Fabrik eine Rettungsstation der freiwilligen Sanitäts- 
kolonne, sowie eine Tragbahre zum Transport Verunglückter. 
Wir können diese edlen Bestrebungen der Firma Goerz 
nur anerkennen und beglückwünschen sie zu ihrem Vorhaben. 
-j- Der Oktober dürfte nach Falbs des Jüngeren 
Prophezeiung nur für die ersten Tage warme und trockene 
Witterung bringen, nachher soll es bis zum Schluffe des 
Monats kühl, trüb und regnerisch werden. Den 28. Ok 
tober bezeichnet Falb als einen kritischen Termin erster, 
den 13. als einen solchen zweiter Ordnung. Der 
100jährige Kalender stellt für den Anfang gleichfalls 
schönes, wenn auch frostiges Wetter in Aussicht, dann 
aber würden auch ihm zufolge rauhe windige Tage zu 
gewärtigen sein, während das letzte Drittel des Monats 
sich veränderlich gestalten soll. 
-j- Zur Brötchenfrage. Diejenigen Inhaber größerer 
Gasthäuser der Friedrichstadt, an deren Weigerung bisher 
die Einführung der Bezahlung für da§ Gebäck scheiterte, 
haben nachträglich ihre Unterschrift gegeben, sodaß jetzt alle 
Beteiligten sich verpflichtet haben, einmütig vorzugehen, 
und falls in einer besonders zur Entscheidung dieser Frage 
demnächst einberufenen großen Gastwirteversammlung der 
Beschluß gefaßt wird. das Tischgebäck nicht mehr ohne 
Entgelt zu liefern, dem geschlossen nachzukommen. Betont 
wurde noch, daß die hohen Fleischpreise zwar den Anstoß 
zu der Bewegung gegeben, sie aber keineswegs veranlaßt 
hätten. Der Gastwirt sei Geschäftsmann und könne nichts 
schenken und noch länger ruhig zusehen, wie verschiedene 
seiner Gäste ihren Hunger mit Gratisbrötchen stillen. Der 
Brotkorb müffe überhaupt, schon aus hygienischen Gründen, 
von den Tischen der Gasthäuser verschwinden. 
-j- Ratschläge für Mieter. In der kälteren 
Jahreszeit macht sich in einer großen Anzahl von Wohnungen 
das Auftreten von Feuchtigkeit bemerkbar. Es werden 
von diesem Übelstand auch solche Wohnungen betroffen, 
die sonst trocken sind. Die Ursachen dieses Feuchtwerdens 
liegen in einer schlechten Ventilation, besonders in Ver 
bindung mit den häuslichen Verrichtungen, des Kochens 
und Waschens (Wäschetrocknens) in den zu Wohnzwecken 
bestimmten Räumen. In solchen feuchten Wohnungen ist 
die Gefahr zu erkranken, wesentlich höher als in einer 
trocknen Wohnung. Die Feuchtigkeit begünstigt das Wachs 
tum schädlicher Pilze und führt zu einer Verschlechterung 
der Luft, welche ebenfalls geeignet ist, die Gesundheit der 
in den Zimmern sich aufhaltenden Personen zu schädigen. 
Außerdem beschädigt die Feuchtigkeit die Gegenstände, die 
im Zimmer sind. Ein feuchtes Zimmer ist auch weniger 
leicht warm zu erhalten als ein trockenes. Es ist begreif 
lich, daß die Bewohner solcher Wohnungen haushälterisch 
mit Feuerungsmaterial umgehen. Das gleiche Feuer muß 
zur Erwärmung des Zimmers, zum Kochen der Speisen, 
zum Waschen der Wäsche dienen, weil ein größerer Auf 
wand für Feuerung nicht gemacht werden kann. Bei 
dieser Lage der Verhältnisse muß darauf hingewiesen werden, 
daß sich das Auftreten von Feuchtigkeit in solchen 
Wohnungen wesentlich verhindern läßt, wenn folgende 
Vorschriften beachtet werden: 1. Auch in der kalten Jahres 
zeit soll so oft als möglich geöffnet werden. 2. Insbe 
sondere sind nach dem Aufstehen, nach dem Mittagessen 
und vor dem Zubettgehen die Fenster fünf bis zehn 
Minuten zu öffnen. 3. Wenn in einem Zimmer gewaschen 
wird, wenn beim Kochen eine starke Dampfentwicklung 
stattfindet, so soll während des Waschens oder Kochens 
der obere Fensterflügel geöffnet werden, damit der Dampf 
eine Gelegenheit zum Abzug hat. Rach der Wäsche ist 
gut zu lüften. 4. Das Trocknen nasser Wäschestücke im 
Zimmer ist zu vermeiden; ist kein anderer Platz zur Ver 
fügung, so soll wenigstens nach Beendigung des Trocknens, 
jedenfalls aber abends vor dem Zubettgehen gründlich ge 
lüftet werden. 5. Der Waschzober ist sofort nach dem 
Gebrauch auszuleeren. Vorstehende Bekanntmachung geht 
von dem städtischen Wohnungsamt zu Stuttgart aus. 
Sie ist auch bei uns sehr beherzigenswert. 
t Ein billiges und unfehlbares Mittel gegen 
Blutlaus, Schildlaus, Krebs und Brand an 
unseren Obstbäumen. Als der Erfurter Führer im 
Obst- und Gartenbau vor zwei Jahren die ersten Berichte 
über den Anstrich unserer Obstbäume mit Karbolineum 
brachte — haben viele Praktiker und auch andere Leute 
den Kopf geschüttelt. Dasselbe Karbolineum, welches 
früher als tötliches Gift für die Pflanzenwelt verschrieen 
wurde, sollte ein großartiges Heilmittel sein! — Es ist so. 
— Die Versuche sind abgeschlossen. Sie haben erwiesen, 
daß Karbolineum ein unfehlbares Mittel gegen Blutlaus 
ist. Es hilft auf jeden Fall gegen Krebs und Brand, es 
bringt den Gummifluß fort, bringt bei kränklichen Bäumen 
kräftigen Wuchs — ja es hilft gegen die Schwarzfleckigkeit 
bei Apfel und Birnen — kurzum im Karbolineum besitzen 
wir ein so billiges und ein so sicheres Mittel gegen alle 
Krankheiten, daß jedem Obstzüchter die Bekanntschaft damit 
nur angeraten werden kann. Da der Erfurter Führer im 
Obst- und Gartenbau im Jntereffe der Sache Nr. 26 
unseren Lesern kostenfrei schickt, wenn sie diese Nummer 
über Karbolineum mittels Postkarte verlangen, so wird es 
allen leicht gemacht, sich zu informieren und wir können 
nur raten, dies zu tun. 
t Sternhimmel im Oktober. Merkur in der 
Jungfrau und Wage, anfangs anderthalb Stunden vor 
Sonnenaufgang im Osten sichtbar, dann unsichtbar. — 
Venus im Löwen und in der Jungfrau, Morgenstern, 
geht anfangs um 3 Uhr, zum Schluß um halb 3 Uhr 
morgens auf. — Mars im Schützen, geht bald nach 
8 Uhr abends unter. — Jupiter im Stier geht anfangs 
halb 8 Uhr, zum Schluß um halb 6 Uhr abend auf und 
ist die ganze Nacht sichtbar. — Saturn im Wassermann, 
aufangs bis 2 Uhr, zum Schluß bis 12 Ubr abends sichtbar. 
— Am 1. Oktober abends gegen 8 Uhr standen in Berlin 
in der Richtung won Süden nach Norden folgende Stern 
bilder: Adler, Delphin, Schwan Kleiner Bär; im Osten: 
Pegasus, Andromeda, Perseus, Casstopeja, Fuhrmann; im 
Westen: Leier, Herkules. Krone, Bootes. Großer Bär. — 
Dauer der Dämmerung im Oktober: 39 Minuten. 
f Maria» Aufführung. Gestern fand die 
Generalprobe und zugleich Schülervorstellung des religiös 
historischen Dramas „Maria" statt. Der Saal desHohen- 
zollerntheaters war hierzuvonKindern dicht besetzt (über 750). 
Dürfen wir uns über diese Vorstellung bereits ein Urteil 
erlauben, so können wir nur sagen, daß die heutige erste 
Aufführung jedenfalls einen durchschlagenden Erfolg erzielen 
wird. Die Rollen sind gut verteilt und sind die Kostüme 
und die Bühnendekoration prächtig. Über das Stück und 
die Aufführung selbst werden wir in nächster Nummer 
ausführlicher berichten. 
-f Der erste Vortragsabend der Friedenauer 
Gemeindebeamten-Vereinigung fand gestern im „Hohen 
zollern" statt. Der Besuch war ein guter und waren an 
wesend die Herren Beamten, soweit sie nicht dienstlich 
verhindert, Herr Bürgermeister Schnackenburg nebst 
Gemahlin, die Schöffen Herren Bache, Lichtheim, 
einige Gemeindevertreter und Herr Gymnasial-Direktor 
Dr. Busch. Von den eingeladenen Vereinen waren ver 
treten der Krieger- und Landwehroerein, Kciegsveteranen- 
Verein, Parochialverein, Friedenauer Männer-Gesangverein 
1875, Freiwillige Feuerwehr, Schützengilde und Sanitäts 
kolonne. Auch aus den Kreisen der Bürgerschaft hatten 
sich eine Anzahl Freunde der Gemeindebeamten mit ihren 
Damen eingefunden. Das reichhaltige Programm bot 
Ausgezeichnetes auf dem Gebiet der Klavier-, Deklamations 
und Gesangskunst. Der ' Abend wurde eröffnet mit der 
Konzert-Etüde von Meyer durch den hier bereits 
vorteilhaft bekannten tüchtigen Klaviervirtuosen Herrn 
Werner. Weiterbrachte er zu Gehör „Jmpromtu", Ois-moll 
(Chopin), „Am See" (Werner) und Fantasie „Lucia di 
Lammermour" von Thalberg. Über die Leistungen des 
Herrn Werner haben wik uns schon des öfteren lobend 
ausgesprochen und können nur sagen, daß er auch gestern 
wieder meisterhaft gespielt hat, wofür dem routinierten 
Künstler langanhaltender Beifall zu teil wurde. Als 
zweiter Künstler zeigte sich der Hofschauspieler a. D., 
Rezitator und Lehrer der Vortragskunst Herr Matthias 
von Erdberg-Berlin. Er gab eine Reihe ernster und 
heiterer Deklamationen von Dichtern der verschiedensten 
Art, wie Goethe, Schiller, Heine, Chamisso, Gellert, 
v. Scheffel, Fontane usw. zum Besten und zeigte ein 
vortreffliches Können, und vor allem eine bewunderns 
werte Ausdauer. Auftrittsweise wie Aussprache waren 
tadellos und das Organ wohlklingend. So anerkennens 
wert nun die deklamatorischen Darbietungen auch waren, 
muß doch bemerkt werden, daß eigentlich des Guten zu 
viel getan wurde. Es ermüdet sehr, 12 Vorträge von 
ein und demselben Künstler zu hören, und mag er noch 
so tüchtig sein. Er wie auch die Zuhörer werden über 
mäßig angestrengt und die Wirkung derartig guter 
Leistungen büßt viel ein. Jedenfalls erntete der Vortrags 
künstler stürmischen wohlverdienten Applaus. Um mehr 
Abwechslung hinein-t/brim'.en, hatte ein Baritonist, Herr 
Süring, das Auditorium mit einigen gediegenen Gesängen 
überrascht, die gute Aufnahme fanden. Allgemein gefiel 
also der Sänger, der über eine vorzügliche Stimme ver 
fügt. Nur sei erwähnt, daß der Klang nicht ganz 
einwandsfrei war und die Vortragsweise mitunter weniger 
tragisch hätte sein können. Das aufmerksame, dankbare 
Publikum geizte auch bei diesem Mitwirkenden nicht mit 
dem Beifall. So ist denn der erste Vortragsabend gut 
verlaufen und werden die weiteren, wenn sie erst ein 
geführt sind, bestimmt noch beffere Erfolge zeitigen. Der 
Gemeindebeamten-Vereinigung, bezw. deren Leiter Herrn 
Klauert, gebührt auf alle Fälle für diese volkstümlichen 
Veranstaltungen, zu denen Jeder gegen niedrigen Preis 
Zutritt hat, voller Dank und Unterstützung dieser Unter 
nehmungen. 
-j- Verein der Gast- und Schankwirte. Die 
nächste Monats-Versammlung findet am Montag, den 
9. Oktober, Nachmittags 5 Uhr, beim Kollegen Braunert- 
Berlin, Alexandrinenstraße 37, statt. Tagesordnung: Ver 
lesen des Protokolls der letzten Sitzung. Verlesen ein 
gegangener Schreiben und Offerten. Anmeldung und Auf 
nahme neuer Mitglieder. Kassenrevision. Besprechung des 
Stiftungsfestes. Verbands-Angelegenheiten. Pause und 
Warenmarkt. Innere Vereinsangelegenheiten. Geschäft 
liches. Fragekasten. 
f Friedenauer Stenographcn-Vercin (Einig.- 
System Stolzc-Schrey). Monatliche Hauptversamm 
lung am Freitag, den 6. Oktober, Abends 9 Uhr, im 
Restaurant „Piaier", Rheinstr. 39. Tagesordnung: Auf 
nahme neuer Mitglieder. Neuer Anfängerkursus. Stiftungs 
fest. Allgemeines. 
f Zweigverein Schöneberg und Umgegend 
des Bundes Deutscher Militäranwärter: Sitzung am 6 10. 
8 Uhr Abends im Vereinslokal Schwarzer Adler Haupt- 
Straße 136. Militär-Anwärter als Gäste herzlich will 
kommen. 
f In die Tiefe gestürzt. Heute Mittag stürzten 
zwei Pferde auf dem Grundstück Zimmermann- Ecke Schloß- 
straße, wo man mit den Ausschachtungsarbeiten für einen 
Hähnelschen Neubau beschäftigt ist, in einen tiefen, alten 
Brunnenschacht, deffen Existenz unbekannt war. Die 
Steglitzer und Schöneberger Feuerwehr eilten herbei und 
unternahmen sofort die Rettungsarbeiten, die lange Zeit 
in Anspruch nahmen. Näheres bezw. das Resultat der 
selben war uns bis Schluß der Redaktion nicht bekannt. 
Wir werden morgen weiter über diesen Einsturz berichten. 
t Wegen Hausfriedensbruch steht am Sonnabend 
vor dem Schöffengericht gegen Dauerheim (Steglitz) und 
Genossen Termin an. Im März d. I. brachen in dem 
Neubau Wilhelmshöherstraße 23 acht Personen unter 
Führung des Dauerheim ein und beabsichtigten, wegen 
einer Forderung Staken zu entfernen und mittels Wagen 
abzuholen. Der Bauwächter Krause wandte sich sofort an 
die Polizei, holte Herrn Wachtmeister Meier herbei und 
wurde dadurch verhindert, daß die Gesellschaft mit den 
Sachen wegkam. Dauerheim, der sich bei der „Arbeit" 
einen Fuß zerbrochen, wodurch ein Termin bereits vertagt 
worden, steht nur mit zweien seiner Kumpane unter 
Anklage, die übrigen wurden nicht haftbar gemacht. 
Schöneöerg. 
— Die Einwohnerzahl unserer Stadt betrug, nach 
dem Statist. Monatsberichte der Stadt Schöneberg, am 
1. September d. I. 132813 Personen gegen 132301 am 
1. August. Mithin Zunahme 512 Seelen. 
— Die Schöneberger Stadtverordnetenver 
sammlung wird ihre Sitzungen, falls nicht besonders 
wichtige Sachen vorliegen, nach dem Vorbilde von Char 
lottenburg. von jetzt ab nur alle 14 Tage abhalten. 
— Ein Reform-Realgymnasium wird beabsichtigt 
zu errichten. An der städtischen Realschule bestehen drei 
Parallelzöten. von denen der eine zu Ostern n. I. zu 
einem Reform-Realgymnasium ausgebaut werden soll. 
— Eine wichtige sozialhygienische Ein 
richtung wird an den hiesigen Gemeindeschulen getroffen 
werden. Auf Anregung der Schulärzte ist von der Schul 
deputation sowie vom Magistrat die Einführung des ortho 
pädischen Turnunterrichts für solche Kinder beschloffen 
worden, die namentlich Rückgratsverkrümmungen auf 
weisen, deren Leiden sich aber noch im Anfangsstadium 
befindet, sodaß eine Heilung zu erwarten steht. Um den 
Unterricht, der bereits mit dem 1. April k. Js. aufge 
nommen werden soll, erteilen zu können, werden zwei 
Lehrer und eine Lehrerin bei Prof. Dr. Joachimsthal, 
dem Dozenten für orthopädische Chirurgie an der Uni 
versität, ausgebildet werden. 
— Die Einführung von Handfertigkeitsuuter- 
richt ist hier nun auch an den höheren Lehranstalten in Aus- 
sicht genommen. Kurse für Knabenhandfertigkeit bestehen bis 
jetzt nur an zwei Gemeindeschulen, sollen aber mit Beginn 
des nächsten Sommerhalbjahres zunächst an dem Werner 
Siemens-Realgymnasium im Berliner Ortsteil zur Ein- 
führung gelangen; diese Kurse sind fakultativ. 
Werlin und Wororte. 
§ Der Bauzaun, der das große städtische Virchow- 
Krankenhaus zwischen Nordufer und Seestraße umgibt, 
wird nun endlich fallen. Hinter ihm ist man bereits mit 
der Aufführung einer Mauer beschäftigt, die an einzelnen 
Stellen durch ein hohes Eisengitter ersetzt wird. Auch 
sonst wird die Umgebung des Krankenhauses, des größten 
der Welt, überall reguliert. Eine überaus rege Bautätigkeit 
die sich hier bereits entfaltet hat und immer noch andauert, 
zeigt, von welch hoher Bedeutung die Errichtung des 
Krankenhauses für diese Gegend ist, die früher zu den 
ödesten und unbekanntesten Berlins gehörte. Von allen 
Seiten laufen ferner neue. zum Teil im Bau befindliche 
Straßen auf das Krankenhaus zu, so daß es an Ver 
bindungen dorthin nicht fehlen wird. 
ß Das hohe Eisengitter um die uralte Viktoria- 
Platane in der Straße gleichen Namens, das durch Wind 
und Wetter stark gelitten hatte, wird fetzt erneuert, und 
auch die eisernen Platten mit den Inschriften, bei denen 
eine ganze Anzahl von Buchstaben, herausgefallen war«, 
werden durch neue ersetzt. Diese Inschriften lauten: 
„Victoriastraße" und „den 8. Februar 1858". Jede dieser 
Inschriften, die sich um den oberen Teil des GitterS 
herumziehen, erscheint zweimal. Der 8. Februar 1858 ist 
der Tag, an ' welchem die Kronprinzessin Victoria, die 
nachmalige Kaiserin Friedrich, ihren Einzug in Berlin 
hielt. Die Platane, die sich mitten auf dem Fahrdamm 
am Kreuzungspunkte der Margarethenstraße erhebt, ist 
nicht etwa, wie vielfach angenommen wird, zum Andenken 
an diesen Tag gepflanzt worden, sondern ist der letzte 
Rest des alten Gartenlokals „Kemperhof", der vor nahezu 
50 Jahren in Straßenland verwandelt wurde. Die 
Straße erhielt durch Kabinetts-Ordre vom 5. Februar 1858 
ihre heutige Bezeichnung, die schöne alte breitästige Platane 
blieb zum Andenken an den Einzug erhalten und wurde 
von Bewohnern des Tiergartens mit dem Gitter umgeben, 
das auf einem steinernen Unterbau steht. 
8 Wer sich eine Lokomotive zulegen will, 
findet hierzu bequeme Gelegenheit im Kauftermin am 
Mittwoch, den 18. d. M., im Geschäftsgebäude der Kgl. 
Eisenbahndirektion am Schöneberger Ufer. Hier sollen zwölf 
ausgemusterte Lokomotiven und zwei Tender mit einem 
’ Male losgeschlagen werden. Die Verkaufsbedingungen 
liegen im Zimmer 420 zur Einsicht aus. 
8 Mit den Arbeiten für den Bau des großen 
Konzertlokals, das sich auf den Grundstücken Bellevue- 
straße 19, 19 a und 20 erheben wird, ist jetzt begonnen 
worden. Von den 3 Häusern, die hier standen und unter 
denen sich auch die berüchtigte „Spukvilla" befand, ist das 
Nr. 19 a bereits vor 7 Jahren abgebrochen worden, die 
beiden anderen fielen vor etwa 4 Monaten der Spitzhacke 
(um Opfer. 
Wilmersdorf. Die Gemeindevertretung im Vorort 
Schmargendorf hat die Anstellung eines Gemeinde- und 
Amtsbaumeisters mit einem Anfangsgehalt von 4500 Mk. 
geschlossen. Für den Posten ist der bisherige technische 
Beirat Regierungsbaumeister Schulz ausersehen. Die 
Gemeinde beabsichtigt auch, elektrische Straßenbeleuchtung 
einzuführen, zu welchem Zweck ein Vertrag mit dem 
Elektrizitätswerk Süd-West abgeschlossen werden soll. 
Zuschriften. 
Offene Antwort an den Nationalgesiunte«. 
Der Nationale Reichs wahlverein hat sich keinen Mantel umge- 
ängt, um seine wahre Gestalt zu verhüllen. Wollte ich aus den Ton 
ingehen, so müßte ich die Gegenfrage stellen, ob der Liberale etwa 
ine nationale Gesinnung als Mantel umhänge. Dann hätten wir 
jeder den alten bürgerlichen Parteihader in seiner lächerlichsten 
ieflalt, und die Sozialdemokraten hätten ihre Freude daran. Ich 
cnke, die bürgerlichen Parteien haben an ihren sachlichen Gegensätzen 
enug zu tragn; wozu noch die persönlichen Verdächtigungen! — 
)och jetzt zur Beantwortung der Anfrage. Der Rat. R.-W.-V. ist, 
ne auch sein Name besagt, begründet worden zur Einst ßnahme 
diglich auf die Reichstagswahlen und hat dem entsprechend in die 
atzten Landtagswahlen nicht eingegriffen. Nachdem er in dief-m 
-ommer als Ortsgruppe dem ReichSoerbande gegen die Sozial- 
emokratie beigetrelen ist, düsite darin aber wohl ein Wandel ein», 
reter. Dann wird er natürlich auch hier den Grundsatz vertreten, 
ine Sammelstelle zu bilden für Anhänger aller bürgerlichen Parteien
        
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