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Periodical volume Nr. 233, 04.10.1905

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 12.1905

Ministers in den beteiligten Gemeinden durch die Kom 
munalverwaltungen Vertrauensmänner zur Auswahl der 
Schöffen und Geschworenen bestellt. Das Amtsgericht 
Berlin-Schöncberg, das zum Landgericht II Berlin gehört, 
umfaßt außer dem Stadtkreise Schöneberg auch die Amts 
bezirke Friedenau und Steglitz, sowie den südlich des Land 
wehrkanals und westlich der Anhalter Bahn gelegenen Teil 
von Berlin. -Das Gerichtsgebäude naht sich s iner 
Vollendung. Es wird von der Martin Luther-, Grune- 
wald- und Gothaerstraße begrenzt. Zunächst wird es für 
eine Besetzung von 25 Zivilrichtern eingerichtet; eine Er 
weiterungsfähigkeit für eine Besetzung bis zu 40 Richtern 
ist aber vorgesehen. In das Bereich des Amtsgerichts ge 
hören außer den sog. Bagatellsachen die Grundbuch- und 
Vormundschaftssachen, die Entmündigungs-, Konkurs-, 
Subhastationssachen und die Zwangsvollstreckungsverfahren, 
außerdem wird mit dem Amtsgericht auch ein Schöffen 
gericht verbunden sein, das aber in Moabit tagt. 
Ir- Hausverkauf. Das große, moderne, mit allem 
Komfort der Neuzeit ausgestattete Wohnhaus Wieland- 
straße 6/7, das bisher im Besitz des bekannten Architekten 
Herrn Graßmann war, ist für den Kaufpreis von 400 000 
Mark in dem Besitz des Fabrikanten Bode, Berlin, 
Friedrichstraße, übergegangen. Bei diesem Besitzwechsel 
sind beide Teile vorteilhaft weggekommen. Es sei noch 
bemerkt, daß die geräumigen Wohnungen auf das ele 
ganteste eingerichtet sind und sämtlich schnell vermietet 
wurden. 
1- Eine sehr beherzigenswerte Mahnung, an 
die Hausfranen der befferen Gesellschaft schreibt eine Dame 
an die „Soff. Ztg.": 
„Ich höre von meiner Friseurin, der Waschfrau, Schneiderin, dem 
Klavierlehrer und sonstigen L hrern, b ; e zum Unterricht meiner Kinder 
inS HauS kommen und deren Kenntnisse und Dienste ich mir nutzbar 
mache, so häufig die Bemerkung: „Sie sind immer so pünktlich im 
Bezahlen, die andern Damen sind es durchaus nicht!" Meine 
Friseurin erzählt, daß der größere Teil ihrer Kundinnen erst am 5. 
oder 6. Tage des Monats zahle, vom Klavierlehrer höre ich, daß die 
Damen manchmal eist im zweiten Monat daran denken, daß sie den 
vorgehenden noch nicht bezahlt haben. Wenn die Hausschneiderin 
AbendS spät nach Hause gehen will, so ist die gnädige Frau inzwischen 
edankenlos ausgegangen, ohne daS Geld für sie herausgelegt zu 
oben. Ja, selbst die Dienstboten haben häufig auf ihren Lohn zu 
warten. Und dieses alles in Häusem, wo das Geld nicht knapp ist! 
Ich nehme an, daß sich meine Mitschwestern nicht bewußt sind, wie 
alle diese Leute, die von der Hand in den Mund leben, auf die 
prompte Bezahlung angewiesen sind, wie sie das Geld am 1. des 
Monats für die Miete rc. gebrauchen. Seltsamerweise genieren sich 
diese einfachen Leute, die Damen an ihre schulden und damit an ihre 
Schuld zu mahnen, deshalb tue ich es hiermit." 
-f-I. Falsche Nachricht. Die sowohl durch die 
Berliner Zeitungen als auch durch die Zeitungen der Vor 
orte gegangene Notiz, nach welcher Schüler der Vororte 
nicht mehr in Berliner Fortbildungsschulen aufgenommen 
würden, ist nur richtig inbezug auf die am 1. Mai cr. 
eröffneten Pflichtfortbildungsschulen. In die bisher be 
stehenden fakultativen Fortbildungsschulen werden nach 
wie vor Schüler der Vororte aufgenommen, wenn sie in 
Berlin ihre Arbeitsstätte haben, wie umgekehrt in Berlin 
wohnenden ^Schülern, die ihre Arbeitsstätte in einem 
Vororte haben, die Aufnahme nicht verweigert wird. 
(Gewiß entgegenkommend. D. R.) 
Im Theater. „Der Kilometerfresser", Schwank in 
3 Akten von Curt Kraatz, erzielte im „Hohenzollern- 
Theater" gestern ein gut besetztes Haus. Von den neueren 
Schwanks ist der „Kilometerfresser" einer der besten; sein 
Inhalt, seine Form erwecken Keim Publikum, besonders 
im 1. Akt, nicht nur das Gefühl des Amüsements, sondern 
gewähren ihm auch Gelegenheit ein Stückchen Großstadt 
leben zu beobachten. Die beiden letzten Akte erfüllen die 
im 1. Akt gehegten Erwartungen eigentlich nicht, die 
Späße sind hier mehr übertriebener Natur, dennoch birgen 
diese letzten Akte komische Jntermezzis zur Genüge, sodaß 
das Publikum sich köstlich amüsiert. Wie aus dem Titel 
ersichtlich, liegt dem Stücke eine Schilderung des alle 
Hindernisse überwindenden Automobilsports zu Grunde, 
deren Vertreter, Hans Förster, aus Liebe zum Sport, sein 
Weibchen vernachlässigt und nach dem Grundsätze „andere 
Städtchen, andere Mädchen" flott in die Welt hinein 
lebt. Durch eine Freundin, Alexa, erfährt Frau Förster 
von den Abenteuern ihres Gatten, sodaß seine Schliche 
enthüllt werden. Mit dieser eigentlichen Handlung ver 
bindet sich noch die Sehnsucht der Schwiegermutter des 
Förster, ein Großenkelchen zu erhalten. Die hieraus sich 
ergebenden Zwischenfälle lassen das Publikum aus dem 
Lachen nicht mehr herauskommen. — Von den Mitwirken 
den gehört Frau Johanna Suhr; (Minona) der Haupt 
anteil an dem Gelingen der Aufführung, lobend hervor 
zuheben sind Frl. Martha Hoffmann (Minna) und Frl. 
Vilma Stengel (Alexa), ferner die Herren Karl Hermann 
(Kugelberg). Carl Heuser (Cäsar Seefeldt) und Ernst 
Stegemann (Förster). Auch die anderen Rollen lagen 
in guten Händen, sodaß das Gesamtspiel als ein gutes 
bezeichnet werden kann. 
r Vortragsabend. Heute Abend findet, wie 
schon berichtet, im „Hohenzollern" der erste Vortragsabend 
der Gemeindebeamten-Vereinigung statt. Demselben ist 
ein guter Besuch zu wünschen und wird bemerkt, daß 
Kaffeneröffnung bereis um 7 Uhr erfolgt. 
1t. „Deutsche Eiche." Der Postunterbeamten- 
Verein veranstaltet am Sonnabend, den 7. Oktober im 
„Kaiser Wilhelm-Garten" sein erstes Stiftungsfest. Das 
Programm ist ein reichhaltiges und interessantes und 
kann der Besuch dieses Vereinsvergnügens nur bestens 
empfohlen werden. Für gediegene Unterhaltung ist in 
jeder Weise bestens gesorgt. 
1- r. Glatte Bahn. Dieser bekannte Kegelklub ver 
anstaltete gestern im Restaurant Piater ein Preiskegeln. 
Den Kaiserpreis erhielt das Mitglied Klose und zwar ein 
prachtvolles Tee- und Kaffeeservice. Die übrigen Preise 
gelangten ebenfalls in gute Keglerhände. 
-fr Der Militärschwank „In Vertretung" von 
Heinz Gordon wird seitens der Berliner Schauspiel-Bühne 
morgen Abend im „Kaiser Wilhelm-Garten" gegeben, 
worauf unsere Theaterfreunde hierdurch empfehlend auf 
merksam gemacht werden. 
1t Unglücksfall. Gestern Mittag stürzte der Staker 
Rohrlack aus Charlottenburg von der ersten 1 Etage eines 
Neubaues in der Kaiser-Allee und fiel auf einem Balken, 
R. verletzte sich dadurch den Oberschenkel des linken Beines 
erheblich, und wurde ihm in Anwesenheit eines Arztes in 
der hiesigen Sanitätswache ein Notverband angelegt. 
Mittels Droschke schaffte man den Verletzten nach dem 
Charlottenburger Krankenhaus. 
Schöneöerg. 
— Ueber das Vermögen des Installateurs Friedr. 
Lichtl, Martin Luteistraße 80 und Bambergerstraße 35, 
ist am 30. September, Nachmittags 12 1 / 2 Uhr, das Kon 
kursverfahren eröffnet. Der Kaufmann Goedel in Berlin, 
Melchiorstraße 24, ist zum Konkursverwalter ernannt. 
Konkursforderungen sind bis zum 25. November 1905 
anzumelden. 
— Firmeneintragung. Bei Nr. 27 101 (Firma: 
Siegfried Hammer, Charlottenburg). Der Sitz der Firma 
ist nach Schöneberg verlegt worden. Inhaber wohnt in 
Schöneberg. 
—1. Ein Erpressnngsakt gegen den Or. med. L. 
Hierselbst führte gestern die Frau des Kanzlisten a. D. 
Menzel vor die Schranken des Strafrichters. Die Frau 
wurde zu einem Jahr Gefängnis verurteilt und sofort 
verhaftet. 
Aerttn und Wororte. 
§fr- Droschkenhalteplätze. Bei dem soeben er 
schienenen amtlichen Verzeichnis der Droschkenhalteplätze in 
Groß-Berlin für das Winterhalbjahr 1905/06 sind ent 
sprechend der Einführung des Fahrpreisanzeigers für alle 
Droschken I. Klaffe Änderungen eingetreten. Während des 
Sommers gab es nämlich für Droschken I. Klasse ohne 
Fahrpreisanzeiger in Berlin 114, in Charlottenburg 4 
und in Schöneberg 3 besondere Halteplätze, ferner in 
Rixdorf einen. Diese besonderen Halteplätze sind jetzt 
fortgefallen, und es gibt nunmehr für Fahrpreisanzeiger- 
Droschken, wie von jetzt ab in den Standplatzlisten die 
Dxoschken I. Klasse bezeichnet werden, in Berlin 475, in 
Charlottenburg 54, in Schöneberg 25, in Rixdorf 5, in 
Weißensee 3 und in Wilmersdorf 22 Halteplätze, außerdem 
je einen in Friedrichsberg und Lichtenberg. Halteplätze 
für Kraftdroschken gibt es nach wie vor 15 in Berlin. 
Die Zahl der Halteplätze für Droschken II. Klasse ist in 
Berlin und den Vororten gegen das Sommerhalbjahr 
zurückgegangen, doch sind deren in Berlin immer noch 
263 vorhanden. Mit der Aufhebung der besonderen 
Standplätze für Droschken I. Klasse ohne Fahrpreisanzeiger 
sind auch die Schilder für solche Plätze in Fortfall 
gekommen (rotes Schild mit Angabe der zulässigen 
Droschkenzahl und dem Zusatz I. Klaffe). Die Plätze für 
Fahrpreisanzeiger-Droschken werden nur noch durch ein 
Schild halb rot halb weiß — diagonal geteilt — mit 
Angabe der zulässigen Droschkenzahl und dem Zusatz: 
„Fahrpreis-Anzeiger" bezeichnet. 
81. Die 5. städtische Fortbildungsschule für 
Männer und Jünglinge, Hagelsbergerstraße 34, war im 
verflossenen Halbjahr von 897 Teilnehmern besucht. Die 
Anstalt ist die einzige im Südwesten unserer Stadt, die 
Beamten, Kaufleuten, Gewerbetreibenden Ausbildung in 
allen Fächern des praktischen Lebens gewährt. Unentgelt 
licher Unterricht ist in: Deutsch, Rechnen, Buchführung, 
Schönschreiben, Algebra, Geometrie, Chemie, Physik, 
Trigonometrie, Freihand-, Ornament- und Zirkelzeichnen. 
Für Modellieren ist halbjährlich nur ein Schulgeld von 
1 M., für Maschinenschreiben und Stenographie von 2 M., 
für Fachzeichnen, Englisch und Französisch 4 M. zu 
zahlen. Anmeldungen werden täglich von 7 1 /*—9 l / 4 Uhr 
Abends bei dem Leiter der Anstalt, Rektor Berndt, Hagels- 
bergerstraße 34. entgegengenommen. 
8 In der Friedrichstraste sind jetzt zwischen der 
Koch- und Leipzigerstraße die Gasglühlichtlaternen, die in 
folge der neuen elektrischen Beleuchtung entbehrlich geworden 
sind, sämtlich herabgenommen worden. Erst hieß es, daß 
die Laternen für den Fall der Not bestehen bleiben sollten. 
8 Eine neue Passage wird im Südwesten der 
Stadt zwischen der Markgrafen- und der Charlottenstraße 
entstehen. In der Markgrafen- nahe der Beffelstraße sind 
bekanntlich die alten Gebäude der Firma Siemens und 
Halske abgeriffen worden, an deren Stelle ein großes 
Geschäftshaus errichtet werden wird. Dieses erhält auch 
eine Passage, die bis zur Charlottenstraße durchgeführt 
werden wird, wo sie gegenüber dem „Berliner Theater" 
mündet. 
8kr. Ein sehr interessanter Abbruch findet jetzt 
auf dem Leipziger .Platz bei dem Hause Nr. 5 statt. Unter 
diesem Gebäude zieht sich nämlich bereits ein Teil der 
neuen Tunnelstrecke der Untergrundbahn hin, die unter dem 
Leipziger Platz hinweg zunächst bis zum Wertheimschen 
Warenhause geführt wird. Jnfolgedeffen mußte das Haus, 
mit dessen Abbruch begonnen worden ist, schon vor einiger 
Zeit auf der linken Seite durch starke Balken gestützt 
werden. Jedenfalls muß beim Niederlegen der Mauern 
mit großer Sorgfalt vorgegangen werden. 
Zuschriften. 
Offene Aufrege au den hiesigen „Nationalen Reichs- 
wahlverein". Bevor die Liberalen Friedenaus sich Ihrem Vereine 
anschließen, bleibt noch die Frage m beantworten, ob der Reichs- 
wahlv-rein sich den liberal-en Mantel nur für die Reichstags- oder 
auch für die Landtagswahlen umhängen will. U. A. w. g. 
Ein Nationalgesinnter. 
Herichlliches. 
(:) Eine für die kaufmännischen Kreise wichtige Ent 
scheidung har in seiner letzten Sitzung das Kausmannsgericht für 
Schöneberg und Friedenau gefällt. Zur Aburleilung lag folgender 
Fall vor: Die bei einem hiesigen Bäckermeister angestellte Verkäuferin 
Niemann hatte unbeschränkte Ausgrhzeit. Im Laufe von zwei 
Wochen wat sie zwei Nächte aus dem Hause geblieben. Da ihr die 
unbeschränkte Ausgehzeit von ihrem Arbeitgeber zugebilligt war, war 
sie nach Ansicht des Gerichts nicht verpflichtet, Nachts nach Haufe zu 
kommen. Trotzdem hatte sie daraufhin von ihrem Chef sofortige 
Kündigung erhalten. Die Entlassene nahm nun die Hilfe des Kauf- 
mannsgcrtchis in Anspruch. Dieses entschied zu Gunsten der Klägerin 
und führte in der Urteilsbegründung u. a aus: Wenn die Klägerin 
durch ihr nächtliches Bummeln ihre Arbeit nicht versäumt — und dies 
wurde nicht unter Beweis gestellt — so war ein Grund zur sofortigen 
Entlassung nicht gegeben. Die R. hatte keine Verpflichtung, während 
der Nacht nach Hause zu kommen. Für gleichgiltig erklärte eS daS 
Gericht, was die Klägerin in den Nächten getrieben habe. Ins 
besondere hielt es einen näheren Verkehr mit Männern für daS gute 
Recht der Klägerin, soweit dadurch öffentliches Ärgernis nicht ent 
standen sei. Dies war ober nicht der Fall gewesen. 
~ Z» erwischtes. 
* Nicht ohne komische« Beigeschmack ist der Streit, der 
zwischen der Polizeiverwaltung zu Hagen und dem dortigen Verein 
für Feuerbestattung entbrannt ist. Der letztere hat von der Polizei 
den Konsens zum Bau eines Krematoriums, zugleich aber auch eine 
Verfügung des Inhalts erhalten, daß in dem genehmigten Kr ma- 
torium Leichen nicht eingeäjchert werden dürften Der Bezirksaus- 
schuß hat die Klage des Vereins auf Aufhebung dieser Verfügung ab- 
gewiesen, weil eine Rechtsverletzung nicht vorliege. Zur Benutzung 
des Krematoriums sei eine vorherige polizeiliche Erlaubnis garnicht 
erforderlich Der Verein will nun die Sache vor das Ober-Ver- 
waltungsgericht bringen und hier Beweis oa'ür antreten (was die 
Polizei bestreitet), daß er ernstlich gewillt sei, das Krematorium zu 
bau n und nicht nur die grundsätzliche Stellungnahme der Polizei zur 
Frage der Feuerbestattung zu ergründen. Tatsächlich hat denn auch 
der Verein eine Sammlung für den Bau des Krematoriums, das ca. 
60 000 M. kosten soll, in die Wege geleitet und bereits etwa die 
Hälfte dieser Summe aufgebracht. 
* Damen als Raucherinnen. Neuerdings ist wieder die 
Streitfrage aufgetaucht, wie rauchende Damen im Eisenbahnverkehr zu 
behandeln seien, da § l8 der Verkehrsordnung das Rauchen in den 
Nichtraucher- und Frauen-Abteilen (selbst mit Zustimmung der Mit 
reisenden!) verbietet. Man spricht schon davon, daß die Eisenbahn- 
Verwaltungen wohl bald erwägen müßten, ob sich die Einführung 
von „Damen-Abteilen für Raucherinnen" empfehlen würde. Wie wir 
an zuständiger St.lle hören, ist daran garnicht zu denken. Vor der 
Hand gilt das Rauchen noch als eine ausschließlich männliche Ge 
wohnheit; die Frauenabteile sind aber nur für solche Damen ein 
gerichtet worden, welche nicht mit Männern und nicht mit Rauchern 
zusammen reisen wollen. Diejenigen Damen also, welche jene männ- 
liche Gepflogenheit angenommen haben und darauf im Kupee nicht 
verzichten wollen, gehören in das Raucher-Abteil, wo sie für ihre Passion 
wohl auch das nötige Verständnis finden dürften. 
Litterarisches. 
Die Kunst, Gold zu machen, Gold zu machen im Sinne der 
Alchimisten ist uns Menschen des 20. Jahrhunderts verloren ge- 
gangen. Wir sind tiefer in die Welt der physikalischen und chemischen 
Erscheinungen eingedrungen, kennen ihre Gesetze genauer und glauben 
nicht an die Phantastereien mittelalterlicher Gelehrsamkeit. Aber 
dennoch! Diese Alchemisten errangen manchmal ans Zauberhafte 
grenzende Erfolge, die uns anch heut noch unerklärlich sind und gar 
mancher Fortschritt wurde in diesen von einem mystischen Hauch durch 
wehten Brauküchen, in denen man den „Stein der Weisen" suchte, ge- 
macht. Über diese hochinteressante Periode, über ihre Auswüchse, ihre 
Meikwürdigkeiten, ihre Bedeutung für die Wissenschaft, verbreitet sich 
in fesselnder Darstellung Tr. Albert Neuburger in den soeben zur 
Ausgabe gelangenden Lieferungen 9 l—94 des populärwissenschaftlichen 
Prachlwerkes „Weltall und Menschheit" (Deutsches Berlagshaas Bong 
& Co., Berlin W 57, Preis der Li ferung 60 Pf), von dessen 5.und 
letzten Bande nunmehr bald die letzten Lieferungen erscheinen. Was 
diese Schilderungen ganz besonders wertvoll macht, sind die prächtigen 
Illustrationen, meist alte Stiche usw., die die G.eräte, Arbeitsmethoden 
und Laborasoricn der Alchemisten darstellen. Überhaupt bietet dieses 
Kapitel über die „Erforschung und Verwertung der Naturkräfke", daS 
in großen Zügen die ganze Entwickelung der Physik, Chemie, Technik 
usw. gibt, wie man sich bei der großen Bedeutung dieser Wissen- 
schäften für das praktische Leben leicht denken kann, eine Unsumme 
von wissenswerten, interessanten Details. Die Geschichte der Er 
findung des Fernrohrs, des Mikroskopes, der Elektrisiermaschinen, des 
Blitzableiters des Telegraphen und Telephons, der Photographie, 
des Phonographen usw. usw., immer durch Illustrationen, die die 
ältesten und allermodernsten Typen dieser Instrumente zur Dar 
stellung bringen, unterstützt, wirb in klarer, sachlicher Sprache vor 
getragen. Von hervorragender Bedeutung find die beigegebenen 
Farbe ndrucktafeln, auf denen eine Reihe optischer und elektrischer Licht- 
erscheinungen in überraschend naturgetreuer Farbenwirkung wieder- 
gegeben ist. Auch die allerneuesten Errungenschaften der Forschung: 
Röntgenstrahlen Rabiumstrahlen, drahtlose Telegraphie und die Tele 
graphie von Bildern sind in W-rt und Bild eingehend behandelt. 
An- und Verkäufe. 
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Musik. Akad. geb. u. staatl. gepr. Leit. 
Friedrich Wilhelm Platz 1? II l. 
Maluntervicht 
erteilt (5078 
Emy Kogge, Lauterste. 21 III. 
Klavierunterricht, Hochschulmethode, 
durch »I. Rattl, Wilhelmstr. 12 I. [5069 
Vormittags von 10—1 Uhr beschäftige 
ich nicht schulpflichtige Kinder. Nach- 
mittags erteile Arbeitsstunden Knaben 
auch Mädchen. Näh. Cranachstr. 50, pari 
Erziehungsschrrle 
Friedenau. 
6- bis 7 jährige Kinder finden zu Michaeli 
d. Js. A-fnahme. Die Erziehungsschule 
bieiet naturgemäße Ausbildung der kind 
lichen Fähigkeiten nach modernen Grund 
sätzen. Sie eignet sich insbesondere für 
schwächliche und «ervöse Kinder. (Sieh 
Aufruf in Nr. 136.) Näheres durch die 
Leiterin der Schule (4131 
Kat! Lotz 
woltersdorfer Schleuse der Lrkuer. 
II Vermischte Anzeigen. 
Jür Irieöenuu 
ist sofort eine 
Refter-Niederlage 
z. V lkauf von allen Art n Woll- u. Baum- 
wollwaren an einen H:rrn od. Dame, 
welche prima Sicherheit bieten können, zu 
vergeben. Bevollmächtigter zu sprechen: 
Vormittag 16 bi« Nachmittag 6 Uhr 
Freitag Sonnabend u. Sonntag 
Hotel Bauer, Berit», . immer 
11. Man bittet, Besuch durch 
Telegramm anzuzeigen. 
[5071 
Qtimmnfa werden angestrickt, angewew 
OblUlUjUv auch handgesnickt. Fuß 
tiuge z. selbstannähen sowie U. Strick 
garne am Lager. Haudjerystratzr 85. 
Schicke, eleg., geschmackv. Kostüme 
fertigt zu so iden P>eilen sv077 
Frau 6rzybow»kä, Rhekustr« 12. 
Grüble Autvefferiu, Hand u. Ma'chine, 
hat noch Tage frei. Frau Hlideaberg, 
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Bamen- n. Mer-jaröerobe 
Kaiserallee 109 Grth 1 nahe d. Rheinstr 
»lrksliMiii'LS'KLsrL" 
a. Hoohzeltsfrlsnrea, Ktpfwuobai. [8348 
Clara Sabaok, Rheinstr. 31, H. p.
        
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