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Periodical volume Nr. 232, 03.10.1905

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 12.1905

die heitere Stimmung immer mehr wächst. Gerade 1905 
soll ein besonders gutes Weinjahr sein, sodaß diesmal der 
10. Monat des Jahres seinem Titel ganz spezielle Ehre 
macht. Was er sonst noch bringt, hat Licht» und 
Schattenseiten, wie alles in der Welt. Wohl kommen 
noch schöne klare Tage, an denen es uns mächtig hinaus- 
lockt in die herbstliche Natur,- aber der Genuß des 
Spazierengehens wird häufig getrübt durch rauhe Winde 
und plötzlich eintretende Kälte. An neue Wintersachen 
muß man schon langsam denken und mit prüfender Miene 
betrachtet der Hausherr den vorjährigen Paletot, ob er 
noch „geht", und die holde Weiblichkeit malt sich bereits 
hochmoderne Mäntel, Kostüme und Hüte in den schönsten 
Farben der Phantasie aus. Daß diese Dinge aber alle 
zur Wirklichkeit werden sollen, ist für den Geldbeutel 
weniger erfreulich. Je mehr der Aufenthalt im Freien 
verkürzt wird, um so mehr kommt der gesellige Verkehr 
wieder zur Geltung und langsam beginnt die „Saison" 
von neuem. 
-j- Freiwillige Feuerwehr. Die hiesige Frei 
willige Feuerwehr will ihren Mannschaftsbestand ver 
größern und sucht hierzu tatkräftige, opferwillige Jünglinge 
und Männer zu erwerben. Anmeldungen nimmt Herr 
Oberführer Steinmetz, Rheinstraße 61, entgegen. (Näheres 
siehe Inserat.) 
-j- Das kleine Rathaus am Marktplatz hat auch 
bereits elektrische Beleuchtung bekommen und entspricht 
das niedliche Gebäude nunmehr allen Anforderungen der 
Neuzeit. Die ehemalige Petroleumlampe hängt jetzt fried 
lich neben der elektrischen Birne und wird nur dann in 
Funkiion treten, wenn der Strom mal versagen sollte. 
-j- Die Verbreiterung des Bahnhofes Friedenau- 
Wilmersdorf ist nunmehr in der Hauptsache fertig gestellt. 
Eine Vermehrung der Geleise der Ringbahn wird jedoch 
erst erfolgen, wenn der Bahnhof EberSstraße in gleicher 
Weise ausgebaut ist. Auf dem Bahnsteig ist für den 
Zeitungsverkäufer ein Verkaufsstand aus Holz aufgestellt 
worden. Der durch die Verbreiterung gewonnene Raum 
in der Unterführung soll für Bureaus ausgebaut werden. 
-f Die Einlösung bezw. Erneuerung der Lose zur 
4. Klasse der Preußischen Klassenlotterie hat bei Verlust 
des Anrechtes bis spätestens Freitag, den 6. Oktober, 
abends 8 Uhr, zu erfolgen. 
-j- Beim Deutschen Kolonialkongreß 1905, der 
am 5. bis 7. Oktober d. I. im Reichstage stattfindet, 
werden aus Friedenau folgende Herren in führender 
Stelle teilnehmen: Kontreadmiral z. D. Strauch, Nied- 
straße 39 als Mitglied des Arbeitsausschusses, des Finanz 
ausschusses und Obmann der Sektion 4 (religiöse und 
kulturelle Verhältnisse der Kolonien) und Kunstmaler 
Hellgrewe als Mitglied des Festausschusses, sowie Prof. 
Dr. Luschan, Abteilungsdirektor am Museum für Völker 
kunde. Kontreadmiral Strauch wird auch einen Vortrag: 
Zur geographischenNomenklatus unserer Südseeinseln halten. 
-j- Die Folge» des Lohnstreites in der Berliner 
Elektrizitäts Industrie bekommen auch bereits die Vororte 
zu verspüren. Seit heute Morgen ist der Verkehr der 
Großen Berliner Straßenbahn und der Westlichen Vorort 
bahn nach Den Vororten ein beschränkter. In Betracht 
konimen vor allem die erst in jüngster Zeit nach Friedenau 
verlängerten Linien 88, 60 und die Linie 66 (Wilmers 
dorf, Kaiserplatz), Um einen Ausgleich zu treffen, ver 
kehren die Wagen mit Anhänger. 
-j- Mit dem Millionen-Projekt der großen Berliner 
■ Straßenbahn-Gesellschaft wird sich dem Vernehmen nach 
die städnsche Verkehrsdeputation in ihrer heutigen (Dienstag-) 
Sitzung beschäftigen. Auf der Tagesordnung steht zwar 
nur bie Beratung der Fortführung der Hoch, und Unter 
grundbahn vom Potsdamer Platze nach dem Spittelmarkt 
unddes endlichen Abschlusses eines diesbezüglichen Vertrages 
mit der Firma Siemens & Halske Aktien-Gesellschaft. 
, f Grundstücksverkauf. Der Oberbetriebsingenieur 
der Großen Berliner, Herr Buffe, ist Friedenauer Haus 
besitzer geworden. Wie wir erfahren, ist ihm am Sonn 
abend ein Grundstück in der Roennebergstraße aufgelassen 
worden. 
1- Die Beleuchtung in den Straßen Friedenaus, 
so schreibt uns ein seit einigen Wochen zugezogener Herr, 
läßt viel zu wünschen übrig. Jetzt, wo es um 6 Uhr 
Abends bereits vollständig dunkel ist, sind die meisten 
Straßen Friedenaus um 6^/, Uhr noch nicht beleuchtet. 
Ein sehr großstädtisches Bild gibt dies nicht. Außerdem 
ist die Aufstellung der Laternen in manchen Straßen an 
den Vorgärtenmauern sehr unzweckmäßig, da Damm und 
Bürgersteig nur wenig beleuchtet werden, umsomehr jedoch 
Vorgärten und Parterrewohnungen. So kam es gestern 
Abend in der dunkeln Saarstraße zu einem leichten 
Zusammenstoß zwischen Straßenbahn und einem Fuhrwerk, 
weil der Straßenbahnführer dei der traurigen Beleuchtung 
das haltende Fuhrwerk von hinten nicht erkannte. 
t Hohenzolleru-Theater. Auf die heute Abend 
stattfindende Aufführung der Schwank-Novität „Der Kilo- 
meterfreffer" machen wir hiermit nochmals besonders auf 
merksam. Allen Liebhabern eines gesunden Humors kann 
der Besuch dieser Vorstellung nur empfohlen werden. 
-f Der Große Preis von Berlin. Die Direktion 
des Sportparks Steglitz hat für Sonntag, den 15. Oktober, 
Nachmittags 3 Uhr, den Großen Preis von Berlin aus 
geschrieben, der in Gestalt eines internationalen Rad 
rennens mit Motorschrittmachern über 100 Kilometer zum 
Austrag kommen soll. 
f- Deutfchnatioualer HandluugSgehilfeu-Ver- 
band, Ortsgruppe Friedenau. Jahreshauptversammlung 
am kommenden sPittwoch, den 4. Oktober, pünktlich 9 Uhr 
Abends im Vereinsheim „Piater & Co.", Rheinstr. 39. 
Tagesordnung: 1. Geschäftliches und Kassenbericht. 2. Neu 
wahlen. 3. Verschiedenes. Geselligkeit. 
-f Die „Freie Opernbühne" beginnt mit ihren 
Vorstellungen hier am Montag, den 9. Oktober, da das 
„Rheinschloß" geschlossen ist, finden die Vorstellungen regel 
mäßig alle Montage im Kaiser Wilhelm-Garten statt. — 
Das vortreffliche Ensemble ist hier von der vorjährigen 
Saison hinreichend bekannt und ist es daher unnötig die 
in jeder Hinsicht ausgezeichneten Leistungen noch besonders 
hervorzuheben. Die Direktion hat noch einige Künstler 
von ersten Theatern gewonnen und können wir daher, wie 
im vorigen Jahre den Besuch der Vorstellungen warm 
empfehlen. Die Opern werden mit großem Orchester ge 
geben. Als Eröffnungsvorstellung am Montag, den 
9. d. M. geht Beethovens unvergleichliches Musterwerk 
„Fidelio" in Scene. Die Titelpartie singt Olga Orsella, 
fürstl. Hofopernsängerin. — Die Preise der Plätze (find um 
25 Pfg. pro Billet billiger als im vorigen Jahre. 
-j- Die Kochelsee'r in Friedenau. Daß eine so 
vorzügliche Truppe, wie ,,D' Kochelsee'r" bei ihren gestrigen 
Darbietungen im Kaiser Wilhelmgarten so wenige Zuhörer 
fand, ist ein leider bedauerliches Zeichen, wie wenig 
Interesse das Friedenauer Publikum derartigen Auf 
führungen entgegenbringt. Findet man im Oberländer 
schon den Schauspieler und Sänger von Geburt, so sind 
es doch noch viel mehr ,,D' Kochelsee'r" denen ein gutes 
Maß von allem eigen ist. Ihre gesanglichen Leistungen 
als Solisten, Duettisten, im Chor, wie auch in humor 
vollen Gesamtspielen waren vorzüglich; auch ihre Schuh 
plattlertänze verdienen volles Lob. Anerkennenswert ist 
aber vor allem, daß diese Gesellschaft trotz der Saalleere 
sich nicht abhalten ließ, dennoch daS Programm zu Ende 
zu führen. 
-j- Ein verirrter Hase. Der Jugend ein Ver 
gnügen und den Alten eine Überraschung bot ein Hase, 
der sich aus den Laubenkolonien verirrte und sich's in der 
Taunusstraße bequem machte. Lange sollte sich jedoch 
Freund Lampe seines neuen Aufenthaltsortes nicht erfreuen, 
da er mit den dort spielenden Kindern nicht Freundschaft 
halten konnte. 
Schöneöerg. 
— Kronprinzentheater. Das für den Nollendorf- 
platz geplante Theaterunlernehmen hat jetzt greifbare 
Gestalt gewonnen. Binnen Jahresfrist wird sich auf dem 
weiten Raume, der bisher dem vornehmen Westen wenig 
zur Zierde gereichte, ein der Reichshauptstadt in jeder 
Beziehung würdiges Theater, welches den Namen Kron 
prinzentheater führen wird, erheben. Mit der künstlerischen 
Leitung ist von der vor kurzem begründeten Theater- und 
Saalbau - Aktien-Gesellschaft der frühere Direktor des 
Berliner Theaters Alfred Halm betraut worden, und hat 
dieser bereits mit den nötigen Vorarbeiten begonnen. In 
Verbindung mit dem Theater stehen ein vornehmer 
Konzertsaal, sowie besondere Festsäle, ferner ein großes 
Restaurant ic. — Die architektonische Gestaltung, wie die 
Ausführung sämtlicher Baulichkeiten hat die Baufirma 
Boswan & Knauer übernommen. 
Merlin und Wororte. 
8 Zu Ehren des Ober-StaatSanwalts am 
Kammergericht, Geheimen Ober-Justizrats Dr. Wachter, 
der, wie gemeldet, jüngst sein 50 jähriges Dienstjubiläum 
feierte, fand gestern im festlich geschmückten Kaisersaal des 
Zoologischen Gartens ein Festesten statt, an welchem 300 
Personen teilnahmen. Neben dem Justizminister Dr. 
Schönstedt, waren der Unterstaatssekretär Dr. Küntzel, die 
Ministerialdirektoren, Wirkt. Geh. Ober-Justizräte Dr. 
Lucas und Dr. Licco, waren der Kammergerichts-Präsident 
Dr. v. Schmidt mit den Senats-Präsidenten und Räten 
des Kammergerichts, die Landgerichts-Präsidenten Braun 
und Hartmann, Amisgerichtspräsident Herzog und andere 
hervorragende Juristen erschienen. Nach dem Kaisertoast, 
den Oberstaatsanwalt Dr. Wachler ausbrachte, nahm 
Justizminister Dr. Schönstedt das Wort zu einer längeren 
Ansprache, in welcher er den Jubilar als Menschen feierte 
und auf ihn ein Hoch ausbrachte. Weitere Toaste brachten 
aus: der Kammergerichts-Präsident Dr. o. Schmidt, Geh. 
Justizrat Lademann. Erster Staatsanwalt Preuß, Dr. Ernst 
Wachler usw. Der Jubilar dankte in bewegten Worten, 
sein Hoch galt der preußischen Justiz und ihrem Chef, 
dem Justizminister Dr. Schönstedt. 
8 Die Bahnhofmisfion entfaltet jetzt beim 
Quartalswechsel eine umfangreiche Tätigkeit. Auf allen 
Bahnhöfen sind Männer und Frauen ausgestellt worden, 
die sich der mit den Zügen hier eintreffenden jungen 
Gestein Nacht verstarb piötz ich 
infolge Gehirnschlags meine innigst, 
gelieore Krau, unsere gute Mutier, 
Frau 
Zlenriette Sternbiet 
geb. Keutsch 
im Alter von 51 Jahren. 
Dies reizen tiefbetrübt an 
Die trauernden Hinterbliebenen. 
Die Beendigung findet Donnerstag 
den 5. d. Mts., Nachmittags 4 Ugr 
von der Leichenhalle des hiesigen 
Friedhofes aus statt. (5061 
Milse 
» 
Stellengesuche. 
» 
Aelteres Mädchen sucht Aufwartung. 
Cranach-tr. 8 Krim Portier (5064 
Ei» junges Mädchen sucht Auf 
Wartung von 9 Uhr an (5035 
A. Hermann, Lauterst». I. 
Junge Frau s cht Wasch. Rnnmachstelle 
Frau Kemlein, Wielaudstr. Sä 2 Trep. 
Tuch 
e Ttelle o-.n 9—12 5057 
Niedstr. 9 Port er. 
Stellenangeoote. 
ü 
erdenkliche Auskunft erteilen. Die Männer find durch ein 
blaues Schild mit rotem Kreuz, die Frauen durch eine 
weiße Binde mit rotem Kreuz, die sie um den Arm 
tragen, kenntlich gemacht worden. 
8 In dem Neubau der Königlichen Kunst» 
schule wird am 14. d. M. mit dem Unterricht und mit 
den öffentlichen Vorträgen, die in dem auf dem Hofe er 
bauten großen Hörsaale stattfinden, begonnen werden. 
Gestern wurde mit der Aufnahme neuer Schüler der 
Anfang gemacht. Auf dem großen Hofe, der Abends 
durch elektrische Bogenlanipen beleuchtet wird, sind grüne 
Rasenstreifen angelegt worden. 
8 Mit den großen Maffeuabbrüchen ist heute 
begonnen worden. Am Potsdamer Platz fallen 8 Häuser, 
am Wittenberg Platz 10 und zwischen Mauer- und 
Kanonierstraße 12. Dazu kommt noch in verschiedenen 
Stadtteilen eine ganze Anzahl einzelner Gebäude, die eben 
falls abgebrochen werden. Am Potsdamer Platz bringt 
der Abbruch eine Störung des Verkehrs mit sich, da die 
Bauzäune ziemlich weit auf den Bürgersteig vorgeschoben 
werden wüsten und so den überaus zahlreichen Fußgängern, 
die sich hier zu allen Tageszeiten entlang bewegen, hinder 
lich sind. 
Zuschriften. 
Der hiesige Nationale RetchSwahlverei«, der, wie 
erinnerlich vor drei Jahren begründet wurde mit dem Zweck, unsem 
Reichs agSwahlkreiS womöglich den bürgerlichen Parteien zu erhalten, 
hat eine bemerkenswerte innere Wandlung durchgemacht. Bei der 
letzten Reichstagswahl suchte er seinem Ziele nahe zu kommen, indem 
er auf die konservative Partei, welche bis dahin die weitaus meisten 
bürgerlichen Stimmen im Kreis erlangt hatte, seinen Einfluß dahin 
geltend machte, daß ein möglichst links stehender Konservativer auf 
den Schild gehoben wurde. In diesem Sinne trat er mit aller Ent- 
schiedenheit für den Malermeister Herrn Fritz Hammer ein, wie man 
weiß, ohne den gewünschten Erfolg; der Sozialdemokrat Zubeil 
wurde in den Reichstag gewählt. Das Ergebnis der Wahl von 
1903 gab in mehrfacher Beziehung zu denken. Zunächst lag eS klar 
zu Tage, daß die Hoffnung des Wahlvereins, durch Aufstellung eines 
gemäßigten Konservativen die Liberalen von der Ausstellung eines 
eigenen Kandidaten abzubringen, vollkommen fehlgeschlagen war. 
Kein ultrakonservativer Herr hätte den Liberalen mehr Mißtrauen 
einflößen können, als eS Fritz Hammer un-weiselhaft getan hat. DaS 
war der erste Rechenfehler des Nationalen Reichs-Wahlverbandes. 
Aber auch nach einer anderen Seite hin mußte er nach dem Ergebnis 
der Wahl umlernen. Zwar hatte Hammer wiederum die meisten 
bürgerlichen Stimmen erhalten, aber es wäre kurzsichtig, auf diesen 
Erfolg hin weiterhin ein unbedingtes Vorrecht der Konservativen auf 
unsern Wahlkreis zu beanspruchen. Es zeigte sich vielmehr, daß die 
allmählich fortgeschrittene Entwickelung unserer Vororte zu größere« 
Gemeinden und Städten auch aus die Zusammensetzung der Wähler- 
mästen nicht ohne Folgen bleiben konnte. Zum mindesten mußte man 
die Hoffnung der Liberalen, in Zukunft di- Mehrzahl der bürgerlichen 
Wähler zu gewinnen, als berechtigt anerkennen. So kamen die 
leitenden Männer des Nationalen ReichS-Wahlverbandes zu der 
Erkenntnis, daß, wenn sie ihr letztes Ziel, die Befreiung unseres 
Wahlkreises von der sozialdemokratischen Vertretung, nicht gefährden 
wollten, sie von der Aufstellung oder Begünstigung einer bestimmten 
Kandidaten überhaupt abs hen müßten. Alle, die diesem Verbände 
angehören, wenn sie auch bisher überwiegend konservative Neigungen 
haben, würden auS vollem Herzen jubeln, wenn bei der Reichstags- 
wähl im Jahre 1908 ein Fortschrittler oder Nationalliberaler den 
Sozialdemokraten verdrängte. Unter diesem Gesichtspunkte wird der 
Nationale Reichswahlverband bei den nächsten Wahlen die Kandidaten 
aller bürgerlichen Parteien, soweit sie im bewußten Gegensatz M'- 
Sozialdcmokratie stehen,-gleichmäßig unterstützen, ja, erwirb eine« 
Vorteil darin sehen, wenn noch mehr Kandidaten als bisher auf 
gestellt werden, weil bei einer größeren Auswahl mancher Wähler an 
die Wahlurne gelockt wird, der bisher mit keinem der Kandidaten 
völlig einverstanden war. Denn nur so lasten sich jene säumigen 
Wähler gewinnen, die unser Wahlkreis unbedingt braucht, um bei 
dem ersten Wahlgange wenigstens die Stichwahl zu retten. Ist aber 
diese erreicht, so werden alle bürgerlichen Wähler, nach vorher 
gegangener fester Verabredung, bei der Stichwahl für denjenigen 
Gegner des Sozialdemokraten eintreten, der die relativ größte 
Stimmenzahl erhalten hat. Alle Mitbürger, besonders liberaler 
Richtung, werden aufgefordert, wenn sie den vom Nationalen Reichs- 
wahlverein neuerdings eingenommenen Standpunkt billigen, diesem 
Verrin beizutreten (Vorsitzender: Dr. Kleinccke, Ringstraße 6), ohne 
daß sie damit ihrer bisherigen Parteilichtung oder ihrem politischen 
Vereine untreu zu werden brauchen. Im Gegenteil! 
Die Aufmerksamkeit weiter Kreise muß auf ein bösartiges Ge-' 
schwül hingelenkt werden, welches sich am sozialen Leibe der Berliner 
Vororte in Gestalt .der Aufwärterinnenfrage'' von Tag zu Tag 
geltender macht. Bekanntlich mietet der Arbeitgeber eine derartige 
Aushilfe für sein HauSwesen nicht mit einem Stunden- oder Tages 
lohnsatze, sondern meist mit einem Monatslohne. Es müßten daher 
die gleichen gesetzlichm Kündigungsfristen wie dies bei monatlichen 
Lohnzahlungen für Dienstboten der Fall ist, gelten. Das Gesetz be 
stimmt eine 14 tägige Kündigungsfrist. Die große Maste der Auf 
wärterinnen steht aber außerhalb dieses Gesetzes, rechnet mit einem 
Stunden- oder TageSlohn und hält sich dadurch für befugt, zu jeder 
Zeit, sogar ohne vorherige Kündigung, nach getaner Stundenarbeit, 
die Arbeit, auf Nimmerwiedersehen, niederzulegen. 
Ist den Herren Gesetzgebern die hieraus entstehende Demorali 
sation und falsche Erziehungsweise breiter Volksschichten gänzlich un- 
bekannt geblieben? 
Wie leicht wäre aber diesem Ubelstande abzuhelfen durch eine 
gesetzliche Bestimmung, daß kein Arbeitgeber eine Kraft, die er für 
eine mit Dauer verknüpfte Arbeit sucht, ohne den Abschluß eines 
schriftlichen Vertrages in seinen Dienst einstellen da f, widrigenfalls 
er.in eine hohe Ordnn» gsstrafe^verfällt. Der Staat erreicht hierdurch, 
daßgder Arbeitgeber naturgemäß lediglich aüf Grund des Dienstboten- 
g-setzes mit der Klaffe der Aufwärterinnen Verträge eingehen wird und 
diese Klaffe Arbeitssuchende werden endlich wieder dazu erzogen, an 
eingegangenen Verträgen festzuhalten, falls sie nicht in recht hohe 
Ordnungsstrafen verfallen wollen. 
DaS bisherige demoralisierende Gebühren dieser Gruppe Arbeits 
suchender erhält denn mit einem Schlage ein anderes Gepräge, während 
jetzt ganze Familien und deren Anhang lediglich nach bem Grundsätze 
im Rechtsstaat- Deutschland l-ben: .Ein stetes Leben führen wir, wer 
kann uns was!" während der Arbeitgeber allein der Geschädigte ist. 
g. bluisLuck. I Imermann 
Hamburg, Ficlitestr. 33' 
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Rheinstr. 9. 
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5037 j Heftchen, Eschenst». 1 Part, l. 
Taubere Aufwartung 
8-11 sucht (5034 
Teichmann, Ringst». SM. 
Saub. Aufwärterin vormittags vo r 
l/,9—>/,!! Ühr gesucht (5051 
Schulze, Rheinstr. 12—13, 1. Etage. 
Für jorott eme saubere Aufwärteri« 
gesucht während der Zeiten 8—12 u. 1—3. 
Haudjerystr. 74 Pt. l. [5018 
Frau zam Frühstücktragen von 6 dis 
7 Uhr früh verlangt (5,43 
Bäckerei Friedrich Wilhclmplatz 6. 
Jung« Mädchen können bie ferne 
Damenschneidrrei praktisch u. theoretisch 
gründlich erlernen (5055 
Frau Schmld, Saarstr. 15. 
Junge Mädchen die das Platte» 
erlernen wollen können sich melden. 
TanuuSstr. 7. 
Fra« oder Mädchen 
auf Nähmaschine geübt, als Waffel« 
schnetdert«, für ganze oder halbe Tage 
sofort gesucht Rheinstr. 8. (5050
        
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