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Periodical volume Nr. 231, 02.10.1905

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 12.1905

am offenen Zweispänner durch die Rheinstraße zur Ein 
weihung der neuen Kirche in Zehlendorf. 
f Die westliche Berliner Vorortbahn, die bis 
her nur kleine zweiachsige Motorwagen besaß, erneuert jetzt 
ihren Wagenbestand, indem sie die nach amerikanischen 
System eingerichteten großen Wechselwagen, wie sich solche 
schon seit mehreren Jahren im Betriebe der Gioßen 
Berliner befinden, auch auf ihren Linien einführt. Eine 
größere Anzahl dieser Wagen sind bereits auf den Steglitzer 
Linien in Betrieb gestellt. 
j- Beerdigung. Unter zahlreicher Beteiligung fand 
gestern Nachmittag auf dem hiesigen Friedhof die Be 
stattung des Marktmeisters und Dollziehungsbeamten 
Hermann Gnidtke statt. An dem feierlichen Begräbnis 
nahmen teil außer den Angehörigen und Freunden des 
Verstorbenen unser Bürgermeister Herr Schnackenburg, 
die Schöffen Herren Bache und Lichtheim, sowie fast 
sämtliche Gemeindebeamte. In stattlicher Anzahl waren 
die Mitglieder des Kriegervereins mit Musik und Fahne 
erschienen und erwiesen ihrem verstorbenen Kameraden die 
letzte Ehre. Die Gemeindebeamtenvereinigung und eine 
Abordnung der Steglitzer Beamten hatten einen pracht 
vollen Kranz gespendet. Die zu Herzen gehende Trauerrede 
hielt Herr Pastor Görnandt. Er, der Dahingeschiedene, 
der seiner Frau ein treuer Gatte, seinen Kindern ein für 
sorglicher Vater, vielen ein guter Freund war und sich bei 
seinen Vorgesetzten und Kollegen allgemeiner Beliebtheit 
erfreute, ruht nun im besten Alter aus für immer, aber 
sein Andenken wird von Allen, die ihn kannten, in Ehren 
gehalten werden. Damit möge sich die schwergeprüfte 
Famili : trösten. 
j- Geburtstagsfeier. Unser Mitbürger Herr Aug. 
Hermstein, Hauffstr. 14 beging gestern bei bester Gesund 
heit und völliger geistiger Frische seinen 70. Geburtstag. 
Zahlreich waren Glückwünsche und Geschenke dem alten 
biederen Geburtstagskinde zugegangen. Der Friedenauer 
Männer-Gesang-Verein 1875, deffen Mitglied Herr Herm 
stein ist, hatte ihm ein Morgenständchen gebracht und eine 
Ehrengabe überreicht. Eine urgemütliche Fidelitas hielt 
den Freundeskreis des Geburtstagskindes und die lustigen 
Sangesbrüder einige Stunden im Restaurant Quittmann, 
Hauffstraße beisammen. Allen wird der Ehrentag in an 
genehmster Erinnerung bleiben. 
Jubiläum. Am Sonnabend feierte Herr Genzen 
im Thiel'schen Restaurant, Rheinstr. 14 sein 25 jähriges 
Dienstjubiläum als Tischler bei der Firma Hertzog im 
Kreise seiner Kollegen. Der Inhaber der Firma, Herr 
Hertzog, der ebenfalls mit ganzer Familie anwesend war, 
hatte dem Jubilar in Anerkennung seines ArbeitSfleißes 
und Pflichtreue eine goldene Uhr geschenkt, und es sich 
nicht nehmen lassen die Kosten für die vorzügliche Be 
wirtung seines Personals zu tragen. Die Stimmung der 
Festgesellschaft war eine sehr vergnügte und das ganze bot 
ein Bild schöner Harmonie zwischen Arbeitgeber und 
Arbeitnehmer. 
Befitzwechsel. Das Haus Lauterstraße 19/20, 
bisher dem Gastwirt Herrn Gundlach gehörig, ist nun 
mehr in den Besitz der Herrn Gebrüder Lederer über 
gegangen. Auch die von Herrn Gundlach selbst betriebene 
Restauration hat jetzt einen neuen Inhaber. 
j- Vom Schillerplatz ging uns eine Beschwerde 
zu, daß die Straßen durch den anhaltenden Regen der 
letzten Tage faß unpassierbar geworden sind. Eine Abhülfe 
dieses ilbelstandes können wir der Gemeinde-Verwaltung 
nur dringend empfehlen. 
j- Mit dem Abbruch der Häuser Rheinstraße 1—3 
ist heute begonnen worden. Man hofft, alle diese Gebäude 
bis zum Eintritt kalter Witterung, vollständig niederlegen 
zu können. 
j- Meisterkurse für Handwerker. Wie wir 
einer Zuschrift der Handwerkskammer zu Berlin entnehmen, 
beabsichtigt diese, auch in diesem Winter, besonders in der 
Zeit von Januar bis März nächsten Jahres, also der 
stillen Zeit in den meisten Handwerken, Kurse in Buch 
führung und Geschäftskunde, sowie Fachkurse für Schuh 
macher und Herrenschneider einzurichten. Sje ist dazu 
angeregt worden durch die guten Erfolge der im vorigen 
Sommer und in diesem Frühjahr stattgehabten Kurse. 
Die einzige Vorbedingung ist, daß sich wenigstens 20 Teil 
nehmer finden. Da wir glauben, daß diese Bedingung 
hierorts leicht erfüllt werden kann, so machen wir die 
hiesigen Interessenten auf diese günstige Gelegenheit, in 
der geschästsstillen Zeit sich zu vervollkommnen, aufmerksam 
und teilen zum Zweck näherer Information die Bedingungen 
mit. Die Kurse in Buchführung und Geschäftskunde um 
fassen 24 Stunden, die auf 12 Abende ä 2 Stunden ver 
teilt werden. Gebühr 3 M. Die Schneiderfachkurse um 
fassen 12 Werktage hintereinander mit je 6 Stunden 
Unterrichtszeit, die Schuhmacherkurse 10 Werktage 
& 8 Stunden; wo jedoch mehrere Kurse in derselben 
Gegend zugleich zustande kommen, können die Unterrichts 
tage aus Wunsch auch so gelegt werden, daß nur an 
2 oder 3 Tagen der Woche hintereinander unterrichtet 
roitb; Die Gebühr für die Fachkurse beträgt 5 Mark. 
Der Unterricht wird von bewährten Lehrern erteilt, .die die 
Gewähr für guten Erfolg des Kursus geben. Anmeldungen 
sind zu richten an die Handwerkskammer zu Berlin, Reue 
Friedrichstraße 47 I, von der auch Näheres zu erfahren ist. 
t Zum Bau des KlofterkirchturmS in Neu- 
Ruppin hat unser langjähriger Mitbürger Herr Regierungs, 
baumeister Diehm, der Erbauer des Friedenauer Kaiser 
Wilhelmdenkmals, die Zeichnung und den Kostenanschlag 
angefertigt. Es ist ein Doppelturm geplant, zu beiden 
Seiten der Kirche in der Mitte ansetzend. Beide Türme 
7,70 Mir. im Quadrat, werden einige Meter über dem 
Dachfirst des Längsschiffes durch einen großen Bogen mit 
einander verbunden. Diese Verbindung wird überdacht 
und der Raum mit Fenstern versehen, um einen Ausblick 
zu gewähren. Die Türme erhalten eine Höhe von 55.50 
Meter. Der Kostenanschlag beläuft sich auf 72000 Mark; 
vorhanden sind 63000 Mark. 
f Maria - Aufführungen. Die Proben sind be 
endet, die Aufführungen stehen nun bevor. Zunächst wird 
am Mittwoch, den 4. Oktober, Nachmittags 5 Uhr, die 
Generalprobe in Kostümen stattfinden, welche zugleich für 
Schüler zum Preise von 0,10 Mk. öffentlich ist. Zu den 
eigentlichen Aufführungen haben Schüler zum halben Preise 
des Vorverkaufs Einlaß; Schülerkarten sind aber nur an 
der Kasse zu haben. Für alles Nähere sei auf das heurige 
Inserat verwiesen. Bei der großen Mühe, die die Mit 
wirkenden gern auf sich genommen haben, um der guten 
Sache zu dienen, und bei den Unkosten, mit denen eine 
solche Unternehmung immerhin verknüpft ist, ist es sehr 
erwünscht, daß zahlreicher Besuch die aufgewandte Mühe 
lohne und ein ansehnlicher Überschuß Friedenaus Interessen 
dienstbar gemacht werden kann. 
j- Hohenzollern-Theater. „Der Kilometerfresser", 
welcher in voriger Saison in Berlin im „Thalia-Theater" 
ein Zug-, und Kassenstück allerersten Ranges bildete, geht 
bei uns bekanntlich am Dienstag, den 3. Oktober, in 
Szene. Seit vielen Jahren hat kein Schwank überall 
solch durchschlagenden Erfolg erzielt wie „Der Kilometer- 
fresser", der in Berlin täglich vor ausverkauften Hause 
einen stürmischen Heiterkeitserfolg erzielte. Die besten 
Kräfte des Behleschen Ensembles werden bei uns diesen 
überaus lustigen originellen Schwank darstellen, den sich 
ein Jeder ansehen sollte, der ein Freund gesunden Humors 
und harmloser Heiterkeit ist. Die Billettnachfrage ist eine 
ungemein große, sodaß ein kausnerkauftes Haus bestimmt 
zu erwarten steht. Die Titelrolle wird von dem vor 
trefflichen Komiker Herrn Hermann gespielt werden und 
wurde das Stück auch für die hiesige Aufführung genau 
nach der in Berlin in Szene gesetzt. Es sollte daher kein 
Theaterfreund versäumen, sich den „Kilometerfresser" an 
zusehen und werden sich an diesem Theaterabend sicher alle 
Zuschauer wieder köstlich amüsieren. 
j- Vortragsabend. Am Mittwoch, den 4. Oktober 
d. Js., Abends 8 Uhr veranstaltet die hiesige Gemeinde- 
beamten-Vereinigung im „Hohenzollern" einen klassischen 
Vortragsabend, zu welchem Gäste Zutritt haben. Die 
Vorträge, welche außer Dichtungen unserer bedeutendsten 
Klassiker noch solche von Baumbach, Scheffel, Fontan, 
Gellert, Dahn usw. umfassen, werden von dem Hof 
schauspieler a D., Rezitator und Lehrer der Vortragskunst 
Herrn Matthias von Erdberg aus Berlin gehalten. Herr 
von Erdberg, in weitesten Kreisen bekannt, gilt als ein 
hervorragender Meister in seinem Fach, sowohl im Vor 
trage der ernsten, wie der fein humoristischen Dichtungen. 
Zwischendurch wird durch einige künstlerische Musik 
vorträge des in unserem Ort allgemein bekannten und be 
liebten Klaviervirtuosen Herrn Werner angenehme Ab 
wechselung geboten werden. Alles in allein dürfte an 
diesem Abend den Gemeindebeamten und der Friedenauer 
Bürgerschaft ein Genuß geboten werden, wie wir ihn in 
unserem sonst so schönen Ort selten zu hören bekommen. 
Wir gehen wohl nicht fehl, wenn wir bei unserem kunst 
sinnigen Publikum zahlreichen Besuch voraussetzen, zumal 
diesem Vortragsabend noch weitere einen zusammen 
hängenden Zyklus darstellend folgen sollen. Programme 
L 30 Pfg. sind zu haben im „Hohenzollern" in der 
Zigarrenhandlung von Schuppen, Handjerystraße Nr. 63 
und in der Papierhandlung von Ebers, Rheinstraße 15. 
j- B. DaS 28. Stiftungsfest feierte am Sonn 
abend im „Hohenzollern" der Krieger- und Landwehr 
verein. Der Einladung hatten vom Gemeindevorstande 
die Herren Schöffen Bache, Lichtheim und SadSe Folge 
geleistet. An der Ehrentafel nahmen mehrere aktive und 
Reserveoffiziere Platz. Eingeleitet wurde die Feier durch 
den Marsch „Unser Kaiser Friedrich" von der Kapelle des 
Garde-Schützen-Botaillons. Mit klingendem Spiel wurde 
hierauf die Fahne des Vereins in den Saal getragen, 
während die Kameraden Spalier bildeten. Nach der 
Ouvertüre zur Oper „Norma" und dem Waldteufel'schen 
Walzer „Ganz allerliebst" begrüßte Vorsitzender Geh. 
Rechnungsrat Hendrich die erschienenen Herren vom 
Gemeindevorstande. die Herren Offiziere, die Abordnungen 
der Vereine (Turnverein, Handel- und Gewerbeoerein, 
Sanitätskolonne, Feuerwehr, Handlungsgehilfenverband) 
Gäste und Kameraden des Vereins, worauf die Fest- 
versammlung „Deutschland, Deutschland über alles" sang. 
Hieran schloß sich eine Beglückwünschung der Kameraden, 
die dem Verein 25 Jahre angehören. Es sind dies die 
Kameraden Görisch und Beutel. Der Vorsitzende über 
reichte ihnen mit herzlichen Worten die übliche Aus 
zeichnung in Form einer Medaille. Nach einigen weiteren 
Musiknummern ergriff Herr Pastor Görnandt das Wort 
zur Festrede. In längerer Ausführung gedachte er mit 
beredten Worten der Bedeutung dieses Tages für den 
Krieger- und Landwehrverein und schloß mit einem Hoch 
auf seine Majestät den Kaiser und König. Im 2. Teile 
des Programms gelangte das Festspiel „Die Fuchsfalle" 
zur Aufführung, das den Damen Sobeck und Dankworth, 
sowie den Herren Wegner, Gellert, Neumann, 
Lauer III und Popp Gelegenheit gab, recht hübsche 
Leistungen zu erzielen, die des gespendeten Beifalls vollauf 
würdig waren. Besonders Herrn Wegner gebührt volle 
Anerkennung, da er die Rolle erst wenige Tage vor der 
Aufführung übernommen hatte, nachdem ein anderes 
Mitglied abgelehnt hatte. Nach der Theateraufsührung 
folgte die Festpolonäse, daran anschließend der Festball 
und um 1 Uhr die Kaffeepause. Hier dankte Herr 
Vorsitzender dem Festausschüsse und den Mitwirkenden. 
Herr Juhl toastete namens deS Handlungsgehilfen 
verbandes auf den Krieger- und Landwehrverein, Kamerad 
Schäfer auf die Damen. Kamerad Wegner dankte 
namens des Festausschusses für die anerkennenden Worte 
des Vorsitzenden. Bis zum frühen Morgen wurde dann 
Terpsichore gehuldigt. 
j- Schülerturufest der höheren Lehranstalten 
deS Westens. Über den Verlauf des Festes in Zehlen 
dorf haben wir bereits berichtet. Bei den Wettspielen und 
zwar beim Faustballspiel siegten die Schüler des Friedenauer 
Gymnasiums gegen das Lichterfelder Schillergymnastum II 
mit 25:15. Im Schleuderballspiel dagegen siegte das 
Bismarck-Gymnasium gegen das Friedenauer-Gymnasium 
mit 2 :0. 
j- Gattempler. Herr Pastor Braß aus Vegesack 
bei Brenien sprach gestern auf Einladung der Guttempler 
loge „Zur befreienden Tat" in der Aula der Oberreal- 
schule zu Groß-Lichterfelde vor zahlreichen Zuhörern über 
das Thema: „Theorie und Praxis gegenüber dem Alkohol." 
Redner schilderte eindringlich und teilweise in humorvoll- 
satyrischer Weise die Gefahren der Trinksttte und forderte 
alle Menschenfreunde und Patrioten auf, den Kämpfern 
gegen die Volksseuche des Alkoholismus nicht nur kühle 
unfruchtbare Hochschätzung entgegenzubringen, sondern 
ihre Überzeugung in Taten, in das eigene leuchtende 
Beispiel der Totalenthaltsamkeit zu übersetzen. Eine 
lebhafte Erörterung folgte dem Vortrag, wobei namentlich 
der sozial-ethische Charakter der angestrebten Reform 
bewegung betont wurde. 
j- Kaiser Wilhelm-Garten. Wir verweisen hiermit 
nochmals auf das heute Abend stattfindende Gastspiel des 
Oberbayerischen Gebirgsszenen-, Gesangs-, Jnstrumental- 
und Tanz-Ensemble „D'Kochelsee'r". Im Anschluß an die 
Vorstellung findet ein kleines Familienkränzchen statt. 
t Die Holz'sche Drogerie erstrahlte am Sonn 
abend auch im elektrischen Licht und dürfte diese moderne 
Beleuchtung bedeutend zur Hebung des bereits umfang 
reichen Geschäfts beitragen. 
f Postraub. In der Nacht zum Sonntag war ein 
Einbruch in dem in der Albrechtstraße zu Steglitz ge 
legenem Hauptpostamt geplant. Zu diesem Geschäft ver 
banden sich 3 Kumpane. Der Anstifter war der bei dem 
genannten Postamt angestellte Briefträger Albert Girndt. 
Dieser wußte, daß annähernd 100 000 M. am Monats 
ende in dem eisernen Geldspind des Bureaus aufbewahrt 
wurden und auf diese hatte er es abgesehen. Zu dem 
verwegenen Einbruch verband er sich mit seinem in Berlin 
in der Chorinerstraße wohnhaften Bruder, dem Schlosser 
gesellen Arthur Girndt und einem dritten Teilnehmer der 
„Schmiere" stehen sollte. Dem letzteren wurde jedoch dieSache 
leid, er ging zur Polizei und „verpfiff" den Anschlag. Mit 
mehreren Beamten legte sich nun der Polizeikommissar 
Hoffmann, alle in Verkleidung, auf die Lauer. Als der 
Schlosser Girndt gerade im Begriff war, das Geldspind zu 
erbrechen, wurde er festgenommen. Der Dieb, ein athletisch 
gebauter Mann, war zu Tod erschrocken, widersetzte sich 
jedoch seiner Festnahme, so daß der Kriminalbeamte Grund 
wald ihn durch einen Schuß, der dem Verbrecher am 
Hinterkopf traf, kampfunfähig machen mußte. Die Kugel 
streifte auch dieHand des Kommissar und brachte demBeamten ' 
eine leichte Verletzung bei, die wie wir hören, jedoch bereits 
aus dem Wege der Besserung sich befindet, und wird der 
rührige Beamte bald wieder sein Dieilst versehen können. 
Der Anstifter, Postbote Girndt, wurde am Sonntag 
morgen in seiner Wohnung Albrechtstraße 17 zu Steglitz 
verhaftet, so daß nun beide Täter hinter „schwedischen 
Gardinen" sitzen. Die Polizei ermittelte auch noch, daß 
die Verbrecher auf den sogen, „rauhen Bergen" bereits 
tiefe Erdlöcher zur Verscharrung ihrer Beute gegraben 
hatten. 
f Um sich daS Leben z« nehmen ist ein Liebes 
paar aus Berlin verschwunden. Die 19 Jahre alte Magd 
Lübecks in Friedenau lernte im Mai den 24 Jahre alten - 
Schuhmacher Hans Bernhardt aus Berlin kennen. Im 
Juni gab die L. den Dienst auf, mietete in Berlin eine 
Schlafstelle und beschäftigte sich mit Plätten und Aus 
bessern. Der Brä'-tigam mußte natürlich für sie teilweise 
noch sorgen. Jetzt sollte die L. nach Wittstock zu ihren 
Eltern zurückkehren. Nun schrieb sie an die Eltern, daß 
sie mit ihrem Geliebten gemeinsam sterben wolle, weil sie 
sich im Leben doch nicht angehören könnten. Dann ver 
schwanden sie und Bernhardt aus ihren Schlafstellen. Alle 
Nachforschungen nach den beiden blieben erfolglos. Jetzt 
hat man in der Jungfernheide die Leichen eines Mannes 
und eines jungen Mädchens gefunden. Die Toten lagen 
im Jagen 25 und haben wahrscheinlich Gift genommen. 
Das Selbstmörderpaar war, wie die Polizei feststellte, 
Bernhardt uud seine Geliebte Lüdecke. 
Schöneöerg. 
— I« dem Konkursverfahren über das Ver 
mögen des Zigarrenhändlers Felix Scholz, Kaiser Friedrich 
straße 9, soll die Schlußverteilung der Masse erfolgen. 
Es sind 10 801 M. 62 Pf. nicht bevorrechtigte Forderungen 
zu berücksichtigen, wofür ein Bestand von 160 M. 66 Pf. 
vorhanden ist. 
— Im Wege der Zwangsvollstreckung soll das 
in Schöneberg, Gothaerstraße 8, Ecke Belzigerstraße 15 
belegene, im Grundbuche von Schöneberg Band 60, Blatt 
Nr. 2092, zur Zeit der Eintragung des Versteigerungs 
vermerkes auf den Namen der verwitweten Frau Ansela 
Boerner, geb. v. Klempinska, zu Schöneberg, eingetragene 
Grundstück am 22. November 1905, Mittags 12 Uhr, 
versteigert werden. Das Grundstück ist mit 13 400 Mark 
Nutzungswert zur Gebäudesteuer veranlagt. 
Werlin und Wororte. 
8 Wenn der Kämmerer fehlt. Der Hausbesitzer- 
Verein „Süden" hat dem Magistrat schon zwei Petitionen 
zugehen lassen, in welchen gebeten wird, Einzahlungen 
bei der Sparkasse bis zum Betrage von 5000 Mark zuzu 
lassen; der Verein hat jedoch bis auf den heutigen Tag 
noch keine Antwort erhalten. Nach einer Erklärung des 
Stadtverordneten Liebenow kann die Angelegenheit erst 
geregelt werden, wenn der Posten des Kämmerers wieder 
besetzt ist. Damit ist aber das Ausbleiben einer Antwort 
noch nicht erklärt. 
8 Zwei der städtische« Straßenbahn-Projekte 
abgelehnt. Von den fünf städtischen Straßenbahnen, 
welche der Magistrat den Aufsichtsbehörden zur Ge 
nehmigung eingereicht hatte, waren, wie gemeldet, zwei 
beanstandet worden und zwar die eine der Südlinien 
Großgörschen-Straße—Dönhoffplatz und die eine der beiden 
Nordlinien Bolten-Platz—Stettiner Bahnhof. 
8 Das alte Hotel de refage, auch Maison de 
refage genannt, das Haus Friedrichstraße 61, Ecke der 
Kronenstraße, das bis vor Kurzem der hiesigen fran 
zösischen Kolonie gehörte und in deren Geschichte eine be 
deutsame Rolle gespielt hat, ist in andere Hände über 
gegangen und wird abgerissen werden.
        
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