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Periodical volume Nr. 242, 14.10.1905

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 12.1905

Beilage zu Nr. 230 des „Friedenauer Lokal-Anzeiger". 
Sonnabend, den 30. September 1905. 
Sonnlagsplauderei. 
Jetzt, wenn die Herbstwinde über die öden Stoppel- 
felder dahinbrausen und das duftende Gras der Wiesen 
schon längst als Heu unter Dach und Fach gebracht 
worden ist, ist die Zeit der Schnitzeljagden gekommen. 
Ein würdiger Abschluß des Pferdesportes vor der toten 
Wintersaison. 
Welch fröhliches Treiben herrscht nicht auf dem länd 
lichen Gutshofe, wenn Nachbarn und Freunde von nah 
und fern am Jagdtage herbeieilen. Das zweierlei Tuch 
herrscht natürlich vor und ist in allen Arten vertreten, 
aber auch den roten Frack der Herren und Damen kann 
man in erheblicher Anzahl schauen. 
Schon geraume Zeit vor Beginn der Jagd hat der 
Schleppreiter seine Route über Gräben und Hürden ge 
nommen, um der später nacheilenden Hundemeute die 
Spur anzugeben. 
Endlich ist der ersehnte Augenblick des Jagdbeginnes 
gekommen. Die Reiter haben die Pferde bestiegen, 
schnappend und bellend springen die Hunde umher, bis sie 
hin und wieder ein wohlgezielter Peitschenhieb ihres 
„Masters" in die gebührenden Schranken zurückweist. 
Das Zeichen zum Aufbruche wird gegeben und das 
stattliche bunte Feld setzt sich in Bewegung. Voran die 
schnüffelnde, klaffende Meute, der sich in breiter Reihe die 
Jagdgesellschaft anschließt. Unruhig klaffend und keuchend, 
die Schnauze am Boden, eilen die Hunde hin und her, 
bis endlich einer die richtige Spur gefunden hat und sie 
nun — mit kurzen Belllauten seine Freude ankündigend 
— eifrig annimmt. Bald folgen ihm die anderen nach, 
und an sie schließt sich die stattliche Schar der Reiter an. 
Über halmleere Stoppelfelder und abgemähte Wiesen geht 
der Weg, Über künstliche Hürden und lebende Hecken. Die 
Hunde wählen sich den bequemen Weg um die Hindernisse 
herum, die Pferde müssen darüber hinweg. Manches, noch 
ungewohnt solcher Beschwerden, bäumt sich unmutig auf 
und weigert sich, den Sprung zu wagen, bis der scharfe 
Sporn des Reiters es zur Raison bringt und es in 
mächtigen Satze das Hindernis nimmt. 
Hier stürzt wohl einer, dessen Roß sich mit einem 
Hufe in einem Erdloch verfangen hat und das Tier, das 
den Reiterj oögeroorfen hat, jagt davon, um später ein 
gefangen zu werden. Auch der Gestürzte erhebt sich bald, 
auf dem weichen Stoppelboden konnte ihm nicht viel Un 
heil geschehen. Er kommt mit einigen blauen Flecken 
davon und begibt sich zu den Wagen, von wo aus die 
älteren Damen die vielen interessanten Momente der Jagd 
verfolgen. 
Wieder jagt ein Reiter auf schnaubendem Rosse seit 
wärts davon. Vergebens hat er versucht, es über den 
breiten Wassergraben zu bringen. Das Tier scheute zurück 
vor dem kalten Elemente, und als er ihm die Sporen 
gab, da raste es halbrechts davon. 
Das geschlossene Feld hatte indessen seinen Weg an 
standslos über alle Hindernisse genommen und eine Wald 
schneise erreicht. Hier soll willkommene Rast gehalten 
werden. Fouragewagen stehen schon längst bereit, und 
bald entwickelt sich auf dem weichen Rasen des von ragen 
den Bäumen friedlich umschlossenen Waldplatzes ein fröh 
liches, frisches Leben, bis das Aufbruchsstgnal wieder er 
tönt und die Jagd ihren Fortgang nimmt. 
Wieder geht der Weg über Felder und Auen, über 
breite Wasserbäche und grüne Hürden, bis das Halali er 
tönt und der Bruch verteilt wird. Heimwärts gehts dann 
auf ermatteten Pferden und nach dem gastlichen Schlosse, 
wo ein Jagdmahl noch einmal alle Gäste zu froher Tafel 
runde vereinigt. 
^^Amtliche Anzeigen' 
Auszug 
aus dem Protokollbuche der 
Gemeindevertretung. 
Verhandelt 
Friedenau, den 28. September 1905. 
Zur Beschlußfassung über die auf der 
nachstehenden Tagesordnung bezeichneten 
Gegenstände war auf heute eine Sitzung 
anberaumt, zu welcher die Mitglieder 
der Gemeinde. Vertretung, unter Angabe 
der zur Beratung kommenven Gegenstände, 
sowie mit dem Hinweise darauf, daß die 
Nichtanwesenden sich oen gefaßten Be> 
schluffen zu unterwerfen haben, eingeladen 
worden find. 
Eingesunken hatten sich die nachstehend 
genannten Personen: 
Gemeinde-Vorsteher Schnackenburg, 
geschenkweise überlassen werden. Gleich 
zeitig genehmigt die Vertretung, daß an- 
stelle dieser Bänke solche Reltig'scheu 
Systems beschafft werden und bewilligt 
die hierzu erforderlichen Mittel in zwei 
Lesungen aus dem Schuletat evtl, unter 
Überschreitung. 
Hierauf folgt eine geheime Sitzung. 
Schluß der öffentlichen Sitzung 8'/« Uhr 
Bekanntmachung 
Mit dem 1. Oktober er. tritt die Kreis. 
Polizeiverordnung, vom 21. März 1905, 
betreffend Leichenschau in Kraft 
Mit diesem Tage sind die ordnungs 
mäßig ausgefüllten L.ichenschauscheine dem 
Standesbeamten bei Anmeldung von 
Sterbefällen zur Einsicht vorzulegen und 
alsdann unverzüglich an die Ortspolizei- 
behörde abzuliefern. 
Eine Beerdigung vor stattgehabter 
Leichenschau darf nicht vorgenommen 
werden. 
Die Leichenschauscheine werden von einem 
als .Leichenbeschauec" bestellten oder von 
Große Auswahl in 
8obuimappvn, Taschen, Koffern etc 
jit soliden Preisen, nur gute Satilerware. 
Reparaturen billigst 
a Bache, Draeger, Wossidlo. Sadöe / »Letchenbeschauer bestellten oder von 
e - Verordneter Bierhan, Fechner' behandelnden Arzt ausgestellt, an die 
Franzelws..-Hrufli-m, *-• s Anmeldung des Sterbefalles 
Miöw, Matthies, Schremmer, Schn, Leo g& r den Umfang oeo «emo... % 
Schultz, Uhlenbrock, außerdem Schöffe Licht- Friedenau ist zur Zeit als „Leichenbeschauer 
deÄi, der erst nach Beginn der geheimen destM. 
Sitzung erschien und als Protokollführer: p>etr Dr. med. Seer hier, Kirchstr. 16 
Bmeauvorsteher Sudan. Entschuldigt: Sämtlichen Herren Aerzten im Amts 
Gemeindeverordneter Panse. bezirk sind Leichenschauscheinformulare zu- 
Die Gemeinde.Vertretung ist, da mehr abstellt, es können solche aber auch auf 
»8 hie Hälfte der Mitglieder derselben tzem Amtsbureau in Empfang genommen 
anwesend ist, beschlußfähig. I werden. 
Lus der Tagesordnung stehen folgende Friedenau, dm 25. September 1905. 
Gegenstände: I Der Aints-Vorsteher. 
1/NItteilungen des Gemeindevorstandes. | I. V.: Bache. 
2. Tagesordnung: 
a) in öffentlicher Sitzung: 
1. Grundsätzliche Ermächtigung des Ge 
meinde . Vorstandes zur Vornahme von 
Kanalisierungen. Ref. Herr Schöffe Draeger. 
2. Zustimmung zur Anstellung von 2 
Exekutivbeamten. Ref. Herr Bürgermeister 
Echnackenburg. 
8. Asphaltierung der Dismarckstraße und 
Bewilligung der Mittel. Ref. Herr Schöffe 
Draeger. 
Mitteilungen. 
Der Hen Bürgermeister teilt mit: 
a) eine Einladung des Krieger- und 
Landwehr-Vereins zur Teilnahme an seinem 
Stiftungsfest am 30. d. Mts.; 
d) daß mit der Gemeinde Steglitz eine 
Vereinbarung wegen der elektrischenSlraßen- 
beleuchtung an dem Schnittpunkt der Rhein 
und Echloßstraße getroffen worden und eine 
Kündigung vorbehalten sei; 
c) eine Eingabe des Haus- und Grund 
befitzer-Vereins betreffend die Feischteuerung 
Hierzu beschließt dieEemeir de-Vertretung 
unter Anerkennung der Begründung der 
Eingabe, den Gemeinde-Vorstand zu er 
suchen, geeignete Schritte zu unternehmen, 
um eine Beseitigung der herrschenden 
Fleischteuerung u. Fleijchnot herbeizuführen. 
Vor diesen Mitteilungen gab der Herr 
Vorsitzende einen kurzen Bericht über den 
gegenwärtigen Stand der Gemeindeange 
legenheiten. 
Beschlüffe; 
1. Der Vorlage entsprechend wird der 
Gemeinde-Vorstand grundsätzlich ermächtigt, 
in denjenigen Straßen des Oitts, die noch 
nicht völlig kanalisiert sind, auf Antrag der 
Anlieger die Enlwäfferungsleitungen ver 
legen zu laffen unter der Voraussetzung, 
daß die Entwäfferungsbeilräge seitens der 
Anlieger vorher bei der Gemeindekaffe 
eingezahlt werden. 
2. Gegen die Anstellung der beiden 
Amts- und Gemeindediener Steudner und 
Schucht erhebt die Gemeinde-Vertretung 
keine Einwendungen. 
3. Mit dem Vorschlag des Gemeinde 
Vorstandes, die Regulierung der Bismarck 
straße bis zum nächsten Frühjahre zu ver 
schieben, erklärt sich die Gemeinde.Ver 
tretung einverstanden. 
4. Rach zuvoriger Anerkennung der 
Dringlichkeit erklärt die Vertretung ihre 
Zustimmung zu der Abänderung deL Platzes 
an der Kaisereiche in der vom Bauausschuß 
empfohlenen Weise und bewilligt die er- 
forderlichen Mittel in Höhe von 1200 M. 
MS Abschnitt XIX, 6 des lsd. Voranschlags 
in zwei Lesungen. 
5. Nachdem die Dringlichkeit zuvor an 
erkannt worden war, erklärt sich die 
Gemeinde-Vertretung damit einveistanden, 
daß der Kirchengemeinde 14 ältere Schul 
bänke, deren Wert nach Sachverständigen 
Mteil 140 Mk. beträgt, dem Antrag des 
Gemeinde-Verordneten Leo Schultz gemäß 
P. 
Kirchliche Nachrichten. 
Sonntag, den 1. Oktober 
Friedenau. 
Vorm. 10 Uhr: P. Görnandt. 
Dann Seichte und Abendmahl. 
Vorm. llVa Uhr: Kindergottesdienst 
P. Kleine. 
Nachm. 6 Uhr: P. Kleine. 
Dann Beichte und Abendmahl. 
Cvang. JünglingSverei«: Sonntag 
kbends 8—10 Uhr im Gemeindehause. 
Bäste willkommen! 
Evang. Jun^frauenverein, Gemeinde 
haus Kaiser-Alle 76a, 7-9 Uhr. 
Christi. Iungfrauenverein, Fregestr. 46. 
5'/,-9 Uhr. 
Tchönebera. 
Apostel Paulus-Kirche. 
Bvrm. 10 Uhr: P. Rodatz. 
Dann Beichte und Abendmahl. 
Mittags 12 Uhr Kindergottesdienst.- 
P. Mirbt. 
Nachm. 6 Uhr: P. Boehm. 
Dann Beichte und Abendmahl. 
Alte Kirche. 
Vorm. 10 Uhr: P Mirbt. 
Dary..Beichte und Abendmahl. 
Nachm. 6 Uhr: H>dergottcsdienst: 
Dann Beichte und Abenou.^ 
Kirchsaal Sedanstr. 81. 
Vorm. 10 Uhr: P. Boehm. 
Dann Beichte und Abendmahl. 
Nachm. 2 Uhr Kindergottesdtenst: P. 
Boehm. . ,, , 
N a th an ael-Kirche. 
Vorm. 10 Uhr: P Lic. Dr. Becker. 
Dann Beichte und Abendmahl. 
Vorm. 11'/, Uhr Kindergottesdienst:i 
P. Lic. Dr. Becker. 
Nachm. 6 Uhr: P. Neumann. 
Dann Beichte und Abendmahl. 
Mittwoch Abend 8 Uhr Bibelstunde: 
P. Neumann. 
Methodisten.Gemeinde. 
Berlin-Schöncbcrg, Hauptstraße 7a-8. 
10 Uhr u. 6 Uhr: Pred. C- Guther. 
11'/, Uhr K.-G.-D. 
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