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Periodical volume Nr. 229, 29.09.1905

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 12.1905

f Elektrisches Licht aus dem Friedenauer Elek 
trizitätswerk erstrahlte gestern zum erstenmale in dem 
Schaufenster der Firma „Schöning", Rheinstraße 51 und 
in der Apotheke des Herrn Gemeindeschöffen Sadtze. 
-j- Zwei neue Exekutivbeamte Die Gemeinde 
vertretung hat sich mit der Anstellung von zwei neuen 
Exekutivbeainten einverstanden erklärt. Der Vizefeldwebel 
im Infanterie-Regiment Nr. 52, Wilhelm Steudner, ge 
boren am 9. Mai 1874 zu Calau, und der Vizewacht 
meister im Kürassier-Regiment Nr. 7, August Schucht, ge 
boren am 15. April 1872 zu Frankenhausen standen bereits 
seit dem 1. April als Amts- und Gemeindediener probe 
weise im Dienste der Gemeinde und haben die Polizei- 
schulr des Kreises Teltow vom 3. April bis 30. Juni 
1905 mit Erfolg besucht. Es erfolgt nunmehr ihre An 
stellung auf dreimonatliche Kündigung nach Maßgabe der 
Bestimmungen des Ortsstatuts, betreffend die Anstellung 
und Besoldung der Gemeindebeamten, 
f D»ei neue Polizei-Verordnungen treten am 
morgigen 1. Oktober in Kraft. Die erste, für den Um 
fang des Regierungsbezirks Potsdam (mit Ausschluß der 
Stadtkreise Charlottenburg, Schöneberg und Rixdorf) ge 
gebene Verordnung betrifft den Verkehr mit verflüssigten 
und verdichteten Gasen (Kohlensäure, Ammoniak, Chlor, 
Acetylen, Gruben- und Leuchtgas, Wasserstoff, Sauerstoff 
usw) Sie enthält einschneidende Änderungen der Vor 
schriften über die Behälter, in denen gefährlichen Gase auf 
bewahrt und transportiert werden, sowie die Gebühren 
ordnung für die Prüfung und Abnahme der Behälter. — 
Die zweite Polizei-Verordnung betrifft die Ausdehnung des 
Beschauzwanges auf solche Hausschlachtungen Privater, 
welche in Schlachthäusern von Schlächtern vorgenommen 
werden; sie gilt für den Umfang des ganzen Regierungs- 
Bezirkes Potsdam. — Als Dritte ist die Polizeiverordnung 
zu nennen, welche die Anstellungs- und Entlassungsver- 
h ltnisse, sowie die Pflichten der Bezirks-Schornsteinfeger 
meister im Stadtkreise Berlin neu regelt. — Erwähnt sei 
endlich noch, daß der Regierungspräsident von Potsdam 
die Polizei-Verordnung über den Verkehr mit Kraftfahr 
zeugen innerhalb der Provinz Brandenburg „von Neuem" 
veröffentlicht. 
f Mit der Umänderung des Platzes an der 
Kaisereiche wurde gestern begonnen. Wie aus dem in 
der letzten Gemeindeoertreter-Sitzung vorgelegten Plan er 
sichtlich, wird der mittlere Durchgang fallen gelassen und 
gärtnerische Anlagen um die Kaisereiche geschaffen. Vor 
dem Platze wird ein Rasenstreifen angelegt und die Bänke 
etwas weiter nach vorne gerückt. 
-j- Wohnnngsmarktstatistik für Berlin. Im 
Januar 1905hatte eineZählung der leerstehendenWohnuugen 
stattgefunden, die inzwischen wesentlich ergänzt worden ist. 
Danach betrug zu Beginn des Jahres die Zahl der leer 
stehenden Wohnungen 7449 (also 2013 mehr als im Vor 
jahre). Der Hauptanteil der festgestellten Zunahme entfällt 
auf die Wohnungen mit 1—2 Zimmer (1025 gegen 894 
im Vorjahre). Die großen leerstehenden Wohnungen 
gehen ständig zurück (1904: 357, 1905: 310). Die meisten 
leerstehenden Wohnungen weist das östliche Stralauer 
Viertel auf (1449), es folgen Wedding und Gesundbrunnen 
(976), Königsviertel (970), Rosenthaler Vorstadt (746), 
Moabit (445), Friedrichstadt und Schöneberger Vorstadt 
(365). Am wenigsten Leer-Wohnungen zeigen Louisenstadt, 
Dorotheenstadt, Tempelhofer Vorstadt. Die meisten leer 
stehenden Kleinwohnungen sind im Wedding (396), die 
preisten leerstehenden Groß-Wohnungen im Westen und 
der Friedrichstadt (118). Der Grund der immer mehr 
anschwellenden leeren Wohnungen in Berlin ist der Fort 
zug in die Vororte in Verbindung mit der dort sehr rege 
eingesetzten Bautätigkeit. So zeigt die Statistik für die 
Vororte fast gar keine Leerwohnungen im allgemeinen, 
sondern hier werden die meisten Wohnungen der Neubauten 
schon während des Rohbaues vermietet. Die meisten der 
lerrstehenden Wohnungen der Vororte sind fast ausnahms 
los in alten Häusern, die wenig Komfort bieten. 
t Der neue Güterbahnhof. Morgen wird die 
zwischen den Stationen Steglitz und Berlin, Potsdamer 
Bahnhof gelegene Ladestelle Friedenau für den Güter 
verkehr in Wagenladungen eröffnet. Zur Annahme und 
Auslieferung von Sprengstoffen sowie von Gegenständen, 
zu deren Ver- und Entladung eine Kopframpe erforderlich 
ist, ist die Ladestelle nicht geeignet. Ebenso ist die Lade 
stelle für den Tieroerkehr nicht eingerichtet. Von dem 
gleichen Tage ab wird die Ladestelle in den Staatsbahn 
gütertarif der Gruppe II und in die Wechseltarife mit 
dieser Gruppe (I/II, II/III und III IV) einbezogen. Bis 
gut Ausgabe von Tarifnachträgen sind der Frachtberechnung 
die in diesen Tarifen für die Stationen Wilmersdorf- 
Friedenau, Tempelhof, Ringbahn und Steglitz enthaltenen 
Entfernungen, zuzüglich nachstehender Anstoßentfernuiigen, 
je nach dem sich die niedrigste Gesamtentferuung ergibt, 
zu Grunde zu legen: Von Ladestelle Friedenau bis 
Wilmersdorf-Friedenau 4 Kilometer, bis Tempelhof, Ring 
bahn 4 Kilometer, bis Steglitz 1 Kilometer. Für den 
Verkehr mit diesen drei Stationen selbst und Berlin, 
Potsdamer Bahnhof, betragen die Entfernnngen: Zwischen 
Ladestelle Friedenau und Wilmersdorf-Friedenau 4 Kilo 
meter, Tempelhof. Ringbahn 4 Kilometer, Steglitz 2 Kilo 
meter. Berlin. Potsdamer Bahnhof 4 Kilometer. Die 
Einfahrt zum Gllterbahnhof beflndet sich vor dem Hause 
Rembrandtstraße 10. 
f Richtetest. Am Dienstag, dem 26. September a. c. 
fand nachmittags 5 8 / 4 Uhr auf dem Neubau der Schöne 
berger Genoffenfchoftsbank, e. G. m. b. H. zu Schöneberg, 
Hauptsir. 125, das Richtefest statt, zu dem sich viele 
Hunderte Schaulustiger vor dem Gebäude eingefunden 
hatten. Auf dem Dache hatten sich die Direktoren, Auf 
sichtsratsmitglieder und das Personal der Bank, der Bau 
leiter, die beteiligten Baugewerksmeister und sämtliche 
bisher auf dem Bau beschäftigten Personen, sowie ein 
Musikkorps, zusammen etwa Hundertundzwanzig Personen 
versammelt. Unter den Klängen des Chorals: „Lobe den 
Herrn" wurde die große, reich geschmückte Krone unter 
den üblichen Gebräuchen emporgezogen und nach einer 
Festrede des Zimmerpoliers unter den Klängen des Chorals 
„Nun danket alle Gott" an dem First des Daches befestigt. 
Nachdem die Musik noch einige lustige Weisen vom Dache 
herab hatte ertönen lassen, fanden sich sämtliche Bauleute 
in dem provisorisch hergerichteten Sitzungssaals im Erd 
geschoß zusammen, um . hier von -der Bauherrin bewirtet 
und durch Geldspenden erfreut zu werden. Der erste 
Direktor der Bank, Herr Gemeindevertreter Hertzer zu 
Friedenau, gedachte hier in schwungvoller Rede der bisher 
beim Bau tätig gewesenen Architekten, Meister, Gesellen, 
Lehrlinge und Arbeiter, und brausende Hochs erschollen 
zum ersten mal am Schluffe derselben durch den Saal. 
Erst in ziemlich vorgerückter Stunde wurde diese erste 
Sitzung bei recht animierter Stimmung aufgehoben. 
-j- Das 28. Stiftungsfest feiert heute Abend der 
Krieger- und Landwehrverein im „Hohenzollern". Beginn 
Abends 8 Uhr. 
f Im hiesigen evangelischen JünglingSvereiu 
entwickelt sich jetzt mit Beginn des Winterhalbjahres 
wieder eine rege Tätigkeit. Die Versammlungen, welche 
sonntäglich von 8 bis 3 / 4 10 Uhr abends im Gemeindehause, 
Kaiserallee 76a, stattfinden, bieten abwechselnd Diskusstons 
abende, Unterhaltungsabende mit musikalischen und 
deklamatorischen Darbietungen und Vorträge aus allen 
Gebieten des Wissens. Das Programm dieser Vorträge 
verspricht in diesem Winter besonders reichhaltig zu werden. 
Auch die wertvolle Vereinsbücherei giebt den Mitgliedern 
Gelegenheit zu guter Unterhaltung und nutzbringender 
Belehrung. Neugegründet ist auch eine Gesangsabteilung, 
welche sich die Pflege des Geistlichen- und Volksliedes zur 
Aufgabe gesetzt hat. Als nützliche Einrichtung mag auch 
die Sparkasse erwähnt werden, welche den Mitgliedern 
unter sehr günstigen Bedingungen zur Verfügung steht. 
Der Besuch dieses Vereins sei daher allen jungen Leuten 
dringend empfohlen; Gäste sind jederzeit herzlich willkommen. 
— Am kommenden Sonntag wird Herr von Berg einen 
Vortrag halten. — Das Jahresfest feiert der Verein durch 
Festgottesdienst und Festversammlung am 15. Oktober und 
durch einen Familienabend im „Hohenzollern" am 
18. Oktober, wozu die Gemeinde schon jetzt herzlich ein 
geladen wird. Der Famienabend wird sich durch die 
Fülle und Mannigfaltigkeit des Programms besonders 
anziehend gestalten. 
f Berliner Schauspielbühne. „Momentauf 
nahmen", eine Komödie in 3 Akten von Jarno, kam am 
Donnerstag im „Kaiser Wilhelmgarten zur Aufführung. 
Die Komödie kann einen besonderen Anspruch auf 
literarischen Wert nicht machen. Der Autor unterhält ja 
das Publikum drei lange Akte hindurch, aber die vor 
gesetzte Speise ist nicht nach jedermanns Geschmack, der 
französische Gout ist zu vorherrschend. Selbst „Zaza", 
„Dame von Maxim" und „Doppelgänger" dürften in 
literarischer Hinsicht über den „Momentaufnahmen" stehen. 
Im ersten Akte wird soviel unnötiges erzählt und 
gewitzelt, daß das Publikum in der Tat anfängt sich zu 
langweilen. Erst im zweiten Akte setzt die Handlung ein 
und damit auch das Interesse des Publikums. Gespielt 
wurde wieder recht flott. Eine bessere Vertreterin für die 
doch nicht ganz so herzlose Gcl/Paula als Fräulein 
Martha Neumann wird nicht leicht zu finden fein. Ihr 
Spiel war in jeder Hinsicht lobenswert. Ihr Partner 
Herr Werner zeigte sich als äußerst talentierter Künstler, 
der von Vorstellung zu Vorstellung besseres bietet. Auch 
die übrigen Rollen waren gut besetzt. Der gespendete 
Beifall war also ein wohlverdienter. Die Direktion hat 
durch diese ersten Vorstellungen gezeigt, daß sie im 
Stande ist, Gutes zu bieten. Mögen auch die kommenden 
Vorstellungen guten Besuch aufweisen, sie sind es voll und 
ganz wert. 
Kaiser Wilhelm-Garten. Wir machen darauf 
aufmerksam, daß heute Abend noch eine Vorstellung der 
FUhrmann, Walde - Sänger stattfindet, während an den 
beiden nächsten Sonnabenden die Vorstellungen ausfallen. 
Am Montag findet das erste Gastspiel der Originaltruppe 
der „Kochelseer" statt. 
f Straßeueiustnrz am Teltowkaual. Der 
wolkenbruchartige Gewitterregen, der am Mittwoch Abend 
niederging, hatte zur Folge, daß sich in der stark ab 
schüssigen Chausseestraße in Britz große Waffermaffen an 
sammelten, durch die der Straßenteil unmittelbar an der 
großen Teltowkanalbrücke, die im Mai d. I. dem Verkehr 
übergeben wurde, schnell unterwaschen wurde. Gegen 
9 Uhr begann die Straße auf einer Strecke von ca. 
14 Metern allmählich wegzusinken. Kurz vor 9 Uhr 
stürzte der ganze Straßenteil bis dicht an die Straßen 
bahnschienen und plötzlich mit Donnergepolter in den hier 
jäh abfallenden Teltowkanal hinab, große Wassermengen 
auf beiden Seiten über die Ufer schleudernd. Glücklicher 
weise war die Gefahr des Einsturzes rechtzeitig bemerkt 
worden, so daß Personen und Fuhrwerke von der 
gefährdeten, sehr besuchten Stelle ferngehalten wurden. 
Auch hielt zum Glück daS große Wasserrohr, das in die 
Längsachse der Brücke verlegt ist, dem Einsturz stand. 
Von der Brücke wurden an der einen Seite zum großen 
Teil die Fundamente durch den Einsturz bloßgelegt,' so 
daß sie aus dem tiefen Wasserspiegel des Kanals frei 
aufragen. Die sofort nach dem Einsturz alarmierte frei 
willige Feuerwehr von Britz arbeitete stundenlang im 
strömenden Regen, , um die notwendigsten Sicherheits 
vorkehrungen für die Passage zu treffen. Aller Verkehr, 
besonders der Straßenbahnverkehr wird vor der Einsturz- 
stelle, die ein ungeheures Loch im Straßenkörper von ca. 
14 Meter im Durchmesser darstellte, inhibiert. Noch in 
der Nacht erschienen Arbeiterkolonnen der Firma Holzmann 
und der Charlottenburger Wasserwerke, die bis gestern 
früh durcharbeiteten. Gestern Vormittag konnte erst der 
eine Strang der Straßenbahn wieder in Betrieb genommen 
werden. Der Teltowkanal muß an der Einsturzstelle 
wieder ausgebaggert werden. 
f Unglücksfall Gestern Nachmittag war der Monteur 
L. des elektrotechnischen Geschäfts von Georg Schulz, 
Hauffstraße 5/6 auf dem Fiebig'schen Neubau in der 
Cranachstraße mit Montagearbeiten beschäftigt. Beim 
Ausschmieden eines Meißels tuschte dieser aus der Zange 
und flog glühend gegen den Kopf des Monteurs, un 
mittelbar am rechten Auge. Dem erheblich Verletzten 
wurde in der hiesigen Sanitätswache ein Verband an 
gelegt. 
-j- Eine Verletzung eines Fingers der rechten Hand 
erlitt der Gymnasiast L. aus der Sponholzstraße beim 
Putzen seines Fahrrades. Auf der Sanitätswache wurde 
ein Verband angelegt. 
Wertin und Wororte. 
8 Was ei« Berliner Stadtverordneter leisten 
kaun, ergibt sich aus einem Sitzungsbericht der 
„D. Fr. Pr." Danach hat der Stadtverordnete Sonnenberg 
im Verein „Waldeck" gesagt: „Man könne doch Keinem, 
der vom Spittelmarkt zur Ecke Friedrich- und Leipziger 
straße wolle, zumuten, bis zum Potsdamer Platz zu 
laufen und dann zurückzufahren." Der Herr Stadt 
verordnete scheint keine Zeitung zu lesen, sonst würde er 
aus den veröffentlichten Skizzen ersehen haben, daß der 
Fahrlustige zu der projektierten Tunnelbahn am Spittel 
markt, am Dönhoffplatz, an der Friedrichstraße und am 
Herrenhaus herniedersteigen kann, also nicht gerade bis 
zum Potsdamer Platz „laufen" braucht. Wie schade! 
Der Verein „Waldeck" wird aber doch wohl gegen das 
Tunnelprojekt stimmen. 
■ N § Sein 50 jähriges Militär-Dieufljubiläum 
begeht am morgigen Sonntag der Generalleutnant a. D. 
Priwe, Kalckreuthstraße 5. Derselbe hat als Artillerie- 
Offizier die Feldzüge von 1864/66 und 1870/71 mit 
gemacht und wurde bei der Belagerung von Belfort mit 
dem Eisernen Kreuze ausgezeichnet; er war zuletzt 
Inspekteur der ersten Fußartillerie-Jnspektion und mußte 
vor zwei Jahren eines Gehörleidens wegen seinen Abschied 
nachsuchen. Trotz der Strapazen dreier Feldzüge erfreut 
sich der nahezu 70jährige Jubilar noch großer körperlicher 
Rüstigkeit und geistiger Frische. 
ß Die Bezirke der Gewerbe-Inspektionen im 
Westen und Osten von Berlin werden vom 1. Oktober d. I. 
ab, wie folgt, begrenzt: Gewerbe-Inspektion Berlin W-, 
umfassend die Polizei-Reviere 4, 5, 8, 57, 58, 64, 74 bis 
76. 83, 84, 91, 100, 104 und 107, sowie den Stadtkreis 
Charlottenburg; Gewerbe-Inspektion Berlin 0; umfassend 
die Polizei-Reviere 23, 24, 44, 45, 51, 52, 65, 66, 92, 
bis 96, 102, 103 und 106. 
8 Der Erweiterungsbau des Maschineu- 
haufes für die Heiz- und Lichtanlagen des Kgl. Schlosses 
an der Kaiser Wilhelm-Brücke ist jetzt im Äußern vollendet 
und wird mit der inneren Einrichtung versehen werden. 
Dem Bauwerk hat leider die schöne Schmuckanlage zum 
Opfer fallen müssen, die sich hier am Ufer der Spree 
hinzog. 
8 Das neue monumentale Postgebäude an der 
Ecke der Ritter- und Lindenstraße. das auf dem Grund 
stück des „Vater Philipp" errichtet worden ist, wird jetzt 
vom Baugerüst und vom Bauzaun befreit. Das Gebäude 
ist im Ziegelrohbau unter reichlicher Verwendung von 
Sandstein aufgeführt worden und macht mit seinen hohen 
Ziegelgiebeln und Türmen einen ganz hervorragend schönen 
Eindruck. Es wird das Postamt 60 aus der Junkerstraße 
aufnehmen und außerdem je einen Teil der Ämter 12, 
13 und 68 zugewiesen erhallen. 
8 „Observatorium Lindeuberg". Nach einem 
Kgl. Erlasse sollen mit Giltigkeit vom 1. Januar k. Js. 
die Grundstücke des Aeronautischen Observatoriums Linden- 
berg im Kreise Beeskow—Storkow, welche im Grundbuche 
von Herzberg eingetragen sind, abgetrennt und daraus ein 
selbständiger Gutsbezirk mit dem Namen „Observatorium 
Lindenberg" gebildet werden. 
8 Für die Dampf-Straßenbahn Groß-Lichterfelde 
(Osy-Seehof-Teltow-Stahnsdorf und deren Verlängerung 
bis zur Schleuse des Teltow-Kanals bei Klein-Machnow 
ist der Dampfstraßenbahn - Aktien - Gesellschaft jetzt die 
Genehmigungsurkunde , erteilt worden. Dieselbe läuft bis 
zum 15. Dezember 1925. Die Vollendung und Inbetrieb 
nahme der Neubaustrecke soll längstens innerhalb zweier 
Jahre nach Genehmigung des Bauplanes erfolgen. Die 
Fahrgeschwindigkeit darf innerhalb der Ortschaften 12, auf 
freier Strecke bis 20 Kilometer in der Stunde betragen. 
Eine ungewöhnliche, aber wohl verständliche Vorschrift 
enthält der 8 8, nach welchem 100 Meter vor der Werk 
statt des Schmiedemeisters Krause in Klein-Machnow das 
Dampf-Läutewerk in Tätigkeit gesetzt werden muß. — 
Ländlich, sittlich. 
8 DaS neue CafS des Herr« Heinrich Brau« 
in der Potsdamerstraße 74 (Ecke Pallasstraße), das heute 
eröffnet wird, bildet eine Sehenswürdigkeit der Residenz. 
Die innere Ausstattung übersteigt alles bisher Dagewesene. 
Um etwas ganz Originelles — und noch nie Dagewesenes 
zu schaffen, so hat Herr Braun bestimmt, daß jeder Gast 
in der Eröffnungszeit ein wertvolles Präsent erhält. 
Hierzu sind ca. 40 000 verschiedene praktische Gegenstände 
gekauft, und einige Zimmer in der Privatwohnung des 
Herrn Braun gleichen bereits einem kleinen Warenhause, 
so angefüllt sind dieselben mit allen möglichen Geschenken. 
Auch unsere biederen Droschkenkutscher und Automobil 
lenker sind bei der Eröffnung nicht vergessen worden, es 
erhält der Erste, Zehnte und Hundertste von ihnen, 
welcher Gäste absetzt, eine wertvolle silberne Uhr mit 
silberner Kette. Die berühmte, aus erstklassigen Künstlern 
bestehende Musikkapelle, unter Leitung ihres beliebten 
Kapellmeisters, Herrn Birnbaum, wird täglich, bis 2 Uhr 
Nachts konzertieren. Es ist begreiflich, daß das Publikum 
von Berlin und Umgegend der Eröffnung des neuen Caf68 
nicht allein mit großer Spannung entgegensieht, sondern 
diese auch mit Freuden begrüßen wird. 
8 Auf der Treptow-Sternwarte wird Direktor 
Archenhold am Sonntag, dem 1. Oktober, Nachmittags 
5 Uhr den mit zahlreichen Lichtbildern ausgestatteten 
Vortrag über „Die Forschungsergebnisse der Sonnen 
finsternis-Expedition der Treptow-Sternwarte" wiederholen 
und um 7 Uhr über „Das Geheimnis des Weltenbaues" 
sprechen. Das Thema für den Montag - Vortragsabend 
9 Uhr lautet: „Der Mond und seine Gebirge^. Unser 
Trabant wird mit dem großen Fernrohr während der 
ganzen Woche schon von Nachmittags 6 Uhr an den Be-
        
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