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Periodical volume Nr. 229, 29.09.1905

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 12.1905

daß, wenn einmal die Bauerlaubnis erteilt sei und der 
Eigentümer die KaiialisationSgebühren bezahle, dieser auch 
den nötigen Anschluß bekommen müsse. Es sei ihm von 
mehreren Bauinteressenten darüber geklagt worden,'daß sie 
keinen Anschluß erhalten können, trotzdem die Kanalisations 
gebühr voll bezahlt sei, Herr Schöffe Draeger bemerkt, 
es handle sich nur um den Äaublock zwischen Stubenrauch- 
und Rheingauftraße, Straße 8 und Schwalbacherstraße 
seien bereits kanalisiert. Herr G.-V. Kunow tritt für 
den Antrag des Bauausschusscs ein, es sei doch im 
Interesse der Gemeinde, wenn der Ort so rasch als 
möglich ausgebaut werde. Beratungen im einzelnen Falle 
halte er für unnötig. Nachdem noch Herr Bürgermeister 
Schnackenburg zur Sache gesprochen, gelangte der Antrag 
des Bauausschusses zur Annahme. 
Debattenlos erklärte sich die Gemeindevertretung auch 
mit der Anstellung von zwei Exekutivbeamten einver 
standen, die die Probezeit hinter sich und die Polizeischule 
des Kreises besucht haben. 
Eine längere Debatte rief jedoch die Beratung über 
die Asphaltierung der Bismarckstraße und Bewilligung der 
Mittel hervor. Herr Bürgermeister Schnackenburg führte 
in seinem Referate aus: Der Bauausschuß habe beschloffen, 
die Bismarckstraße zu asphaltieren. Auch im Gemeinde- 
vorstände sei die Sache nunmehr beraten worden, doch sei 
man hier übereinstimmend der Ansicht gewesen, daß die 
Jahreszeit schon etwas zu weit vorgerückt sei. Er habe 
nun heute mit Herrn Regierungsbaumeister Püttmann 
gesprochen, der warm dafür eingetreten sei. daß man die 
Asphaltierung doch noch vornehme. Die Ausführung der 
Asphaltierung sei aber an eine Bedingung geknüpft, die 
der Bauausschuß gestellt. Sie sei nämlich unter der Be 
dingung beschlossen worden, daß der Besitzer des anliegenden 
Eportparkgeländes für die Steine derBordschwellen den Betrag 
von 3200 M. bezahle. Herr Haberland habe sich nun zur 
Bezahlung bereit erklärt, falls mit dieser Zahlung die 
Anliegerbeiträge als bezahlt gelten. Das entspreche jedoch 
nicht der vom Bauausschuß gestellten Bedingung, man sei 
deshalb vor eine neue Situation gestellt. Herr Regierungs 
baumeister Püttmann gibt die Bersicherung, daß in drei 
bis vier Wochen die Straße asphaltiert werden könnte. 
In 9 Tagen könnte die Betonierung und in 3 bis 4 hellen 
Tagen die Asphaltierung hergestellt werden. Beim stetigen 
Steigen der Arbeitslöhne sei es fraglich, ob die Arbeiten 
im nächsten Jahre zum gleichen Preise ausgeführt werden 
könnten. Herr Schöffe Draeger regt an, daß auch die 
Handjerystraße asphaltiert werde, das Gymnasium bitte 
dringend darum, da das Steinpflaster zu geräuschvoll sei. 
Herr G.-V. Homuth spricht sich für Asphaltierung aus, 
falls es wirklich möglich sei, die Arbeiten in so kurzer 
Zeit fertig zu stellen. Herr G.-V. Uhlenbrock ist für 
sofortige Asphaltierung. Wenn für die Gesellschaft deS 
Herrn Haberland eine Verpflichtung zur Bezahlung der 
Anliegerbeiträge bestehe, dann müsse sie heute ebenso 
bezahlen, wie in 10 Jahren. Die Straße müsse unbedingt 
in einen besseren Zustand gesetzt werden. So könne es 
nicht länger bleiben. Die Zustände seien noch schlimmer, 
als in der Kaiserallee. Wenn doch die technische Ausführung 
möglich sei, sehe er nicht ein, was durch das in die Länge 
ziehen verbessertwerde. Herr Schöffe Bache teilt mit, daßHerr 
Haberland sich ihm gegenüber geäußert habe, daß er auf 
keinen Fall auf die Bedingung eingehe, weil er kein 
Interesse daran habe. Herr G.-V. Schultz tritt dafür 
ein, daß die Straße noch in diesem Jahre asphaltiert 
werde. Herrn Bürgermeister Schnackenburg erscheint es 
doch bedenklich, die Arbeiten noch in diesem Jahre auszu 
führen, ob jetzt oder im nächsten Frühjahre, der Unterschied 
sei nicht so groß. Herr G.-V. Schremmer spricht sich in 
längerer Ausführung, für Vertagung aus, besonders, da 
keine Mittel zur Verfügung stehen, die Anleihe sei schon 
zu sehr in Anspruch genommen. Herr G.-V. Kunow tritt 
diesen Ausführungen entgegen, ausgegeben müsse das Geld 
für die Asphaltierung doch werden, wo es hergenommen 
werde aus der Anleihe, den Überschüssen, oder ob man es 
extra bezahlen müsse, sei gleich, wenn es gemacht werden 
müsse; müsse es eben gemacht werden. Er wäre dafür, 
in diesem Jahre die Straße noch zu asphaltieren, wenn 
nicht die eine Frage ungelöst sei, ob nicht die Gesellschaft 
Haberlands Beiträge bezahlen müsse. Diese Frage müsse 
erst gelöst werden. Sonst müsse die Straße geflickt werden 
durch den Unternehmer der Kanalisation, der dazu ver 
pflichtetet sei. Herr G.-V. Homuth ist nunmehr auch der 
Ansicht, daß der Zeitpunkt schlecht gewählt sei. In der 
Vorlage müßte doch gesagt sein, woher die Mittel ge 
nommen werden. Herr Bürgermeister Schnackenburg 
führte schließlich aus, die Mittel für die Asphaltierung der 
Straße könnten doch noch aus der Anleihe entnommen 
werden. Er persönlich müsse sagen, warum man es noch 
in diesem Jahre machen müsse, er werde dagegen stimmen. 
Als Interessenten kämen nur ein paar Anlieger inbetracht. 
Der Antrag des Gemeindevorstandes gehe dahin, die Sache 
zu vertagen. Dieser Antrag wurde angenommen. 
Herr Schöffe Draeger legte hierauf den Plan für 
Abänderung des Platzes an der Kaisereiche vor. Herr 
Bürgermeister Schnackenburg beantragte die Dringlichkeit 
für die Beratung des Gegenstandes anzuerkennen, da der 
selbe nicht auf der Tagesordnung stand. Nachdem in 
diesem Sinne beschlossen, erklärte sich die Gemeindever 
tretung mit dem vorgelegten Projekt einverstanden. 
Die Kirchengemeinde ist an den Gemeindevorstand 
herangetreten, ihr alte Bänke für den Konfirmandensaal 
zu überlassen. Nach dem Referate des Herrn Schöffen 
Bache sind alte Bänke in der Gemeindeschule vorhanden, 
die mit der Zeit durch neue ersetzt werden sollen, Vier 
zehn Bänke sollen der Kirchengemeinde überlassen werden, 
der Schätzungswert für die Bank beträgt 10 M. Es wird 
beantragt, die Bänke der Kirchengemeinde zu schenken. 
Dieser Antrag wird nach einer kurzen Aussprache ange 
nommen. Herr Schöffe Bache beantragt für Anschaffung 
neuer Bänke für die Volksschule 600 M. zu bewilligen. 
Nachdem die Dringlichkeit des Antrages angenommen, 
wurden in 2 Lesungen die Mittel bewilligt. 
Allgemeines. 
ff Anfichtskarten mit brieflichen Mitteilungen 
auf der Vorderseite werden fortan im Verkehr zwischen 
dem ganzen europäischen Kontinent zugelassen. Das 
Reichspostamt hatte mit sämtlichen europäischen Postver 
waltungen Verhandlungen angeknüpft, um die Verschieden 
artigkeit der Bestimmungen über die Zulassung von Mit 
teilungen auf der Vorderseite von Bildkarten zu beseitigen. 
Am 1. September wurden denn auch diese Mitteilungen 
fast im ganzen europäischen Verkehr zugelassen. Abge 
sehen von Großbritannien, das sich gän-lich ausschloß, 
konnte lediglich die niederländische Postverwaltung von 
allen europäischen dem Abkommen vorläufig nicht beitreten. 
Es geschah dies nur deshalb, weil eine derartige Ver 
günstigung dort auch im innern Verkehr nicht bestanden 
hatte. Das Fehlende ist jetzt nachgeholt worden, so daß 
auch nunmehr im Verkehr mit den Niederlanden fortan 
Ansichts-Postkarten mit brieflichen Mitteilungen auf der 
Vorderseite gegen die Postkartentaxe zugelassen sind. 
[] Nicht „Carow", sondern „Karo". Wie die 
Königl. Eisenbahndirektion bekannt macht, wird der 
Stationsname des Personen-Haltepunktes Carow mit 
Giltigkeit vom 1. Oktober d. I. ab in „Karo" umge 
ändert werden. 
Lokales. 
-j- Endlich. Seit beute Morgen kann der Betrieb 
der elektrischen Straßenbahn auf der ganzen Strecke der 
Kaiserallee zweigleisig erfolgen. Die Asphaltierungsarbeiten 
werden in den nächsten Tagen beendigt werden. 
f Der Verein der Vororte Berlins hält am 
Dienstag, den 17. Oktober, Abends l l / 2 Uhr, in den 
„Johannissälen", Berlin Johannisstraße 20, seine dies 
jährige Hauptversammlung ab. Der Vereinssyndikus 
Rechtsanwalt L. Steiner, wird einen Vortrag halten über: 
„Die Befugnisse der Polizei gegenüber dem Grundeigen 
tum". Außerdem stehen noch auf der Tagesordnung: 
Geschäftliche Mitteilungen; Verkündigung und Begrüßung 
der neu aufgenommenen Vereine und Einzelmitglieder; 
Bericht über die Arbeiten der Baukommission in Sachen 
Abänderung der Baupolizei-Verordnung vom 21. April 1903 
(Referent: Direktor Woiwode.Friedenauer Terraingesellschaft, 
Korreferent: Architekt James Ruhemann, Friedenau), die 
Abdeckerei-Anlage der Stadt Berlin in Blankenfelde. 
f Rckrutenabschied. Kaum galt es, dem bunten 
Rock Valet zu sagen, muß nun wieder ein anderer Teil 
unserer jungen Leute aus dem Zivilstand scheiden, um 
nicht nur mit Gewehr und Exerzieren nähere Bekanntschaft 
zu machen, sondern auch mit einer neuen peniblen Ordnung 
und Diziplin. Jin allgemeinen nimmt man wohl leichter 
Abschied vom Soldatenstande, als man in demselben ein 
tritt, und manche Mutter oder Braut trägt oft noch das 
ihrige bei, um diesen Abschied ungerechtfertigter Weise zu 
erschweren. Es ist das eigentlich nicht ein Zeichen wahrer 
Freundschaft. Sie denken dabei nur zu viel an sich und 
zu wenig an den Scheidenden. Bei einer unabwendbaren 
Tatsache soll man sich und andern nicht un.-ütig das Herz 
schwer machen. Im Übrigen ist aber zu bedenken, daß 
die militärische Disziplin, wenn auch streng, so doch gerecht 
ist. Die Jugend wird auch leicht damit fertig. Die 
Rekrutenabschiede aber bei den Schulkameraden und Be 
kannten tragen nun alles andere eher an sich, als etwa 
einen sentimentalen Charakter und mit Recht. Mancher 
sagt: „die Militärzeit war meine schönste Zeit, so sorgen 
frei habe ich nie wieder gelebt." Und dann ist auch zu 
berücksichtigen, wieviel der Rekrut durch dieselbe an Tüchtig 
keit und Brauchbarkeit lernt, auch der Mutter und der 
Braut wird der stramme Soldat auf Urlaub nur gefallen. 
-j- Schülerturufest der höheren Lehranstalten. 
Am Mittwoch Nachmittag fand auf dem Spielplatz in der 
Alsenstraße in Zehlendorf das Spielsest der höheren Lehr 
anstalten der westlichen Vororte statt, an welchem sich 
auch Schüler unseres Gymnasiums beteiligten. Es war 
ein prächtiges Bild jugendlichen Lebens, das sich auf dem 
weiten Heideplan, umrahmt vom Herbstschmuck des Waldes, 
vor den Augen der zahlreichen Zuschauermenge entfaltete. 
Welches Interesse auch die Schulbehörden der Pflege des 
Turnens und der Jugendspiele entgegenbringen, das bewies 
die Anwesenheit des Präsidenten des Provinzial-Schul- 
kollegiums, Geheimrats Mager, und vieler Direktoren und 
Lehrer höherer Lehranstalten. Nach dem Eröffnungsliede 
„Turner, auf zum Streite" und einer Ansprache des 
Professors Schneider vom Wilhelms-Gymnasium begann 
der Fünfkampf der Schulen im Dreisprung, Ballschleudern, 
Ballwerfen, Kugelstoßen und 100 Meter-Lauf. Einzelne 
Leistungen erregten staunende Bewunderung und kamen 
denen der besten Turner in den Turnvereinen gleich. Dem 
Fünfkampf folgten Wettspiele, wie Schlagball Schleuder 
ball, Faustball und Fußball, und auch hierin bewiesen die 
jugendlichen Turner gule Ausbildung, Gewandtheit und 
stramme Disziplin. Nach einem äußerst lebhaften und 
spannenden Stafettenlauf erfolgte die Verkündigung der 
Ergebnisse und eine Ansprache des Professors Wickenhagen 
vom Prinz Heinrich-Gymnasium in Schöneberg, die mit 
einem „Gut Heil" auf Kaiser und Reich und dem Gesang 
des Liedes „O Deutschland hoch in Ehren" schloß. Die 
höchste Punktzahl im Fünfkampf, zu dem jede Anstalt acht 
Mann gestellt hatte, erzielte das Steglitzer Gymnasium 
init 4931/.J und auch die beiden ersten Einzelsieger, Krause 
mit 84 und Ziegeler mit 76 Punkten von denen der erstere 
im Dreisprung die außerordentliche Leistung von 12 Metern 
zustande brachte, waren Schüler der Steglitzer Anstalt. 
Im ganzen konnten neunzehn Fünfkampfturner — der 
letzte mit 57% Punkten — den frischgrünen Eichenkranz 
mit weiß-roter Schleife in Empfang nehmen. Dem 
Hauptleiter der Veranstaltung, Herrn Oberlehrer Binting, 
Groß-Lichterfelde, und all seinen treuen Helfern. Kampf 
richtern und Ordnern, gebührt allseitiger Dank. 
f Der 17. UuterverbandStag der freiwilligen Feuer 
wehren des Kreises Teltow wird am Sonntag, den 
8. Oktober, in Zossen abgehalten. U. a. wird Herr 
Direktor Hannemann-Berlin Mitteilungen über das Gesetz 
betr. die Befugnisse der Polizeibehörden zum Erlaß von 
Polizeiverordnungen über die Verpflichtung zur Hilfeleistung 
bei Bränden machen. Ein Referat des Oberführers Diedt- 
Britz betrifft die Versorgung wafferarmer Gemeinden mit 
Wasser für Feuerlöschzwecke. 
-j- Hohrnzollern-Theater. Die seit längerer Zeit 
mit größter Sorgfalt vorbereitete Schwanknovität „Der 
Kilometerfreffer" geht nunmehr am Dienstag, den 
3. Oktober zuin ersten Male in Szene und dürfte von 
allen Theaterfreunden auch hier bei uns mit größter 
Fieude begrüßt werden. Die gesamte Presse Deutschlands 
hat den „Kilometerfresser" als den besten und lustigsten 
Schwank der Neuzeit anerkannt und dementsprechend ist 
dann auch der Erfolg dieses originellen Stückes an allen 
Theatern Deutschlands ein geradezu beispielloser gewesen. 
Die wirklich humorvolle Handlung dieses Schwankes und 
die urkomischen Situationen lassen den Zuschauer auch 
nicht einen Augenblick aus dem Lachen herauskommen. 
Die vortreffliche und beliebte Künstlerschar Direktor 
Behles wird daher mit diesem Stück einen neuen Triumph 
feiern und allen Theaterfreunden mit der Ausführung des 
„Kilometerfresser" einen ungetrübten heiteren Abend 
bereiten. Da sicher 'zu dieser Ausführung ein ungemein 
großer Andrang herrschen wird, wie dies überall der Fall 
war, so dürfte es sich dringend empfehlen, die Billette 
umgehend aus den bekannten Voroerkaufsstellen zu ent 
nehmen. 
f Frische Wurst gibts morgen wieder bei dem 
bekannten Restaurateur Robert Raabe, Rheinstraße 36. 
Der Vorrat ist ein ganz bedeutender, sodaß alle Fein 
schmecker vollauf befriedigt werden können. 
-s Wohnungsanzriger. Anzeigen fürdenWohnungs- 
anzeiger müssen bis morgen Mittag 12 Uhr in unserer 
Geschäftsstelle eingeliefert sein. 
•}■ Steinhaufen ohne Beleuchtung. Man schreibt 
uns: Nur mit Lebensgefahr kann man in der Dunkelheit 
einzelne Strecken des Bürgersteiges in der Kaiserallee 
passieren. Die dort lagernden Steinhaufen sind nicht 
zu sehen und man muß seinem Schöpfer danken, wenn 
man auf diesem Wege mit heilen Knochen davonkommt. 
Es wäre doch eine dringende Notwendigkeit und Pflicht 
seitens der Straßenbahngesellschaft oder der Gemeinde, an 
solch gefährlichen Stellen eine Warnungslaterne anzu 
bringen, oder geschieht dies erst, wenn sich .jemand das 
Genick gebrochen hat? 
-{• Quetschung. Beim Kohlenabladen erlitt der 
Arbeiter Schrott aus Schöneberg eine Quetschung von drei 
Fingern der rechten Hand. Auf der Sanitätswache wurde 
ihm ein Verband angelegt. 
f Vorsicht. Dem 10jährigen Gemeindeschüler L. auS 
der Ringstraße glitt gestern beim Öffnen von Nüssen das 
Messer aus und drang rhm tief in die Handfläche ein. Länge 
ren Bemühungen auf der Sanitätswache gelang es, daS 
Blut zu stillen. 
f Fahrraddiebstahl. Am 28. d. M., Nachmittags 
91/2 Uhr ist vor dem Hause Niedstr. 4 ein sehr gut 
erhaltenes Herrenzweirad, Marke „Brennabor", von Unbe 
kannter Hand gestohlen worden. Derjenige, welcher den 
Täter nachweist, erhält eure Belohnung von 20 Mark. 
Anzeige bei hiesiger Kriminal-Polizei. 
Schöneöerg. 
— Firmcneintragung. Nr. 27 465. Firma: 
Friedrich Stichel, Schöneberg, Inhaber Friedrich Stichel, 
Kaufmann, Schönebeig. 
— Durch sechs Nevolverschüffe hat sich gestern 
in der Nähe des Bahnhofes Grunewald der 41 Jahre alte 
Bauwächter Emil Bülow aus der Belzigerstraße 65 in 
Schöneberg getötet. Vorher soll Bülow vergeblich versucht 
haben, sich zu erhängen. Arbeitslosigkeit soll die Ursache 
des Selbstmordes gewesen sein. 
Merlin und Vororte. 
8 Die Trauerfeier für den verstorbenen 
Generalarzt Dr. Schaper fand heute Vormittag in 
der evangelischen Kirche des Jnvalidenhauses statt, wo der 
mit prachtvollen Kränzen bedeckte Sarg, umgeben von 
grünen Blattpflanzen, vor dem Altar aufgebahrt worden 
war. In der Trauerversammlung bemerkte man den 
Kultusminister Dr. Studt und den Ministerialdirektor 
Althoff, den Generalstabsarzt der Armee Dr. von Leuthold, 
den Leiter der Kaiser Wilhelm-Akademie Generalarzt Hahn, 
die Direktoren der Charitö Generalarzt Scheibe und Geh. Rat 
Pütter, die Geh. Räte Rothmaon und Becher vom Verein 
für innere Medizin, Geh. Rat Holzhausen von der Frauen- 
Klinik, die Geh. Räte Förster und Kirchner vom Kultus 
ministerium, die Geh. Räte Senator und Ewald. Der 
Prinz Albrecht hatte mit seiner Vertretung den Kammer 
herrn von der Osten beauftragt, im Namen der Söhne 
des Prinzen war der Adjutant Freiherr von Meerscheidt- 
Hüllessen erschienen, Kranzspenden hatten an dem Sarge 
niederlegen lassen die Kaiserin. Prinz Albrecht, die 
Prinzen Friedrich Heinrich, Joachim Albrecht und Friedrich 
Wilhelm, der Centraloerband der deutschen Vereine vom 
roten Kreuz, der preußische Landesverband vom roten Kreuz, 
die Friedrichs Wilhelms-Universität, der vaterländische 
Frauenverein und andere mehr. Die Gedächtnisrede hielt 
der Hof- und Domprediger Konsistorialrat Kritzinger. Die 
Beisetzung erfolgte auf dem Jnvaliden-Kirchhof in der 
Scharnhorststraße. 
8 Der umfangreiche Neubau der bakteriolo 
gischen Abteilung des Kaiserlichen Gesundheitsamtes 
auf der Dahlemer Feldmark an der Potsdamer Prooinzial- 
Chaussee geht jetzt seiner äußeren Vollendung entgegen. 
Die Bauanlage ist eine der größten in der Umgebung 
Berlins und umfaßt gegen 20 größere und kleinere Ge 
bäude, unter denen sich auch mehrere Ställe für die zu 
Versuchszwecken bestimmten Tiere befinden. Das stattliche 
Hauptgegäude erhebt sich unmittelbar an der Chaussee 
gegenüber dem Material Prüfungsamt. 
8 Für de« Stadtverordneten Fritsch, der sich 
um die Entwickelung des Stadtteils Gesundbrunnen sehr 
verdient gemacht und wegen Verzuges von Berlin sein 
Mandat niedergelegt hat, fand gestern im Lokale von 
Ballschmieder, Badstraße, eine Abschiedsfeier statt, an
        
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