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Periodical volume Nr. 227, 27.09.1905

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 12.1905

Früchte dieser 10jährigen, segensreichen Arbeit, wir sehen 
sie vor unseren Augen. Herr Rektor Hannemann hat aus 
unserer Anstalt eine Musterschule gemacht, wie sie im 
Kreise ihres gleichen sucht. Der wackere Schulmann hat 
cs verstanden, die Schule zu einer vorzüglichen Ent 
wickelung zu bringen. Ec sorgte dafür, daß nie das 
Band gelöst wurde, das Schule und Elternhaus binden 
muß, wenn die Tätigkeit des Lehrers eine vollkommen 
ersprießliche sein soll. Zu diesem Zwecke wurden auf 
spezielle Anregung des Herrn Rektor Hannemann die 
Elternabende eingeführt, die sich einer so großen Beliebtheit 
erfreuen. Er war es auch, der vor einigen Jahren die 
Anregung zur Errichtung eines Schulgartens gab, der ein 
Mustergarten für ganz Deutschland wurde. Daß unser 
Schulgarten erst in diesem Sommer die volle An 
erkennung einer schwedischen Lehrerin fand, mag ein 
Beweis dafür sein, daß die Einrichtung sogar vom Aus 
lande gewürdigt wird. Nicht zu vergessen ist aber der 
praktische Wert, den die Schulgärten bringen. Die Kinder 
lernen das so wunderbare Sprossen, Blühen, Verblühen 
und Wiedererstehen in 'der Pflanzenwelt beobachten. Es 
wird in das junge Kinderherz die Liebe zur Natur auf 
die Weise aufs schönste eingepflanzt. Mit dem scharfen 
Blicke des erfahrenen Schulmannes erkannte Herr Rektor 
Hannemann auch die Notwendigkeit der Einführung non 
Jugendspielen unter Beaufsichtigung der Lehrer an. Die 
Jugend muß sich austollen, sie muß, nachdem sie geistig 
mehrere Stunden des Tages gearbeitet hat, auch den 
Körper stählen. Die Straße bietet in mancher Beziehung 
zu viel Gefahren für unsere Jugend. Rohe Gassenjungen 
sind die Früchte des aufsichtslosen Herumtollens auf der 
Straße. Sehen wir uns dagegen einmal das muntere, 
jugendfrische Leben und Treiben auf dem Spielplätze am 
Birkenwäldchen an. Hier ist der die Aufsicht führende 
Lehrer nicht der Lehrer, den die Phantasie des ABC- 
Schützen sich nur mit dem langen Rohrstock ausmalt, 
hier ist der Lehrer der wahre Freund der Jugend, der sich 
nicht scheut, auch selbst mitzuspielen. Sollte diese Tat 
sache nicht auch dazu beitragen, das Band zwischen Kind 
und Erzieher zu knüpfen? Dank. warmer Dank gebührt 
auch hier wieder Herrn Rektor Hannemann, durch dessen 
Initiative hier die Jugendspiele eingeführt wurden. Nicht 
unbekannt ist der Bürgerschaft, daß es ebenfalls wieder 
Herr Rektor Hannemann war, der seit Jahren schon für 
die Schaffung einer Fortbildungsschule eintrat und immer 
wieder die Notwendigkeit der Errichtung dieser Schule 
hervorhob, bis sich auch die Gemeindevertretung davon 
überzeugt hatte und die Schule am 1. April d. Js. Tat 
sache wurde. Schließlich sei auch noch des Verdienstes ge 
dacht, das Herr Rektor Hannemann für Errichtung einer 
Schulsparkasse verdient. So hat die Gemeinde Friedenau 
in diesen Tagen allen Anlaß, Herrn Rektor Hannemann 
Dank für seine ersprießliche Tätigkeit während dieser zehn 
Jahre zu sagen. Möge der biedere Schulmann, der sich 
der Sympathien der gesamten Bürgerschaft erfreut, unserer 
Schule noch viele Jahre erhalten bleiben. Ungern sieht 
die Schule auch die Herren Lehrer Horn und Scholz 
scheiden, die als Voxschullehrer an das Gymnasium über 
treten. Die Lehrerin Fräulein Schmuzler scheidet wegen 
Verheiratung aus dem Lehrerkollegium aus. Ein Glückauf 
Lehrern und Schülern für das Winterhalbjahr. 
-f LSjährigeS Dienstjubiläum. Unser Mitbürger 
Herr A. Sobanski, Peter Vischerstraße 2, feierte bei 
bester Gesundheit das Jubiläum seiner fünfundzwanzig 
jährigen Tätigkeit als Expeditionsbeamter bei der Zeitung 
„Die Post". Der Jubilar, der sich in Freundes- wie in 
Kollegenkreisen allgemeiner Beliebtheit erfreut, erhielt zahl 
reiche Glückwünsche und Geschenke. Besonders aufmerksam 
zeigte sich die Firma dem Jubilar gegenüber und seine 
Kollegen übereichten ihm zum ewigen Andenken an diesem 
Ehrentage eine prachtvolle Adresse. Im „Reichskanzler" 
fand ein Abendessen statt, dem sich eine urgemütliche 
Fidelitas anschloß. In stimmungsvollen Ansprachen ge 
dachte man des rührigen Zeitungsfachmannes, dem der 
Jubiläumstag lange in schönster Erinnerung bleiben wird. 
Möge es Herrn Sobanski vergönnt sein noch viele Jahre 
seinem Berufe in voller Rüstigkeit vorstehen zu können. 
-f Die Garde-Infanterie ist heute aus den Korps 
manövern in der Lausitz in die Garnison zurückgekehrt. 
Die Entlassung der alten Mannschaften erfolgt morgen 
(28. d. M). — Garde-Kavallerie und -Artillerie kehren 
erst in 7 Tagen heim, da sie den Rückmarsch ohne Bahn 
benutzung ausführen. 
t Die projektierte Strastenbahnverbiudung 
Berlins mit dem Kreiskrankenhaus iu Lichter- 
felde durch Verlängerung der Linie E der Westlichen 
Vorortbahn über Stegelitz hinaus wird nicht zur Aus 
führung gelangen. Der Plan ist wegen der exorbitanten 
Forderungen der Straßenbahn-Gesellschaft an die Gemeinden 
Steglitz und Lichterfelde aufgegeben worden. 
-f Historisches. Eines der ältesten Dörfer um 
Berlin ist das jetzt dem Untergange geweihte Dorf Dahlem 
bei Steglitz. Sein Alter wird auf Uber 750 Jahre ge 
schätzt, wenn man den Ursprung auch nicht genau akten- 
mäßig belegen kann. Jedenfalls ist erwiesen, daß 1140 
die durch Albrecht den Bären nach der Mark gesandten 
niederländischen Kolonisten an der Stelle des jetzigen 
Dorfes Dahlem das alte wendische Dorf Dol (auf der 
Höhe) als die einzige Niederlassung im jetzigen Berliner 
Westen fast vorhanden. Zu dieser Zeit war der Rheingau, 
der jetzige Kreis Teltow, der seit 949 bereits zum Bistum 
Brandenburg gehörte, nur schwach bevölkert. Genannt 
werden noch die wendischen Fischer-Niederlassungen 
Krummensee und Slatice (Schlachtensee), die bald nach 
Beginn der Germanisterung des Landes eingingen. Unter 
den wenigen Fischerdörfern, die weiter nach Osten lagen, 
fristete auch Berlin damals sein kümmerliches Dasein, so 
daß von den jetzt bestehenden Orten damals nur Berlin 
und Dahlem existierten. Die Dahlemer Kirche scheint 
etwa zu Beginn des 14. Jahrhunderts entstanden zu sein, 
da die alten Wandgemälde, die 1893 freigelegt sind, aus 
dieser Zeit stanimen. Urkundlich wird Dahlem erst 1375 
im Landbuche Karls IV. genannt. Hervorgetreten ist 
Dahlem nie, als der älteste Berliner Vorort ist es stets 
der kleinste geblieben und hat nur 7 Kilometer von der 
Weltstadt entfernt stets ein abgeschiedenes Dasein geführt. 
Die entstehende Weltstadt mit ihren Vororten haben an 
dem Aussehen des von 150 Einwohnern bewohnten Dorfes 
Dahlem nichts geändert, die meisten Berliner hörten den 
Namen zum erstenmale, als man den Gutsbezirk und die 
Domäne als Villenkolonie parzellierte und Reichsinstitute, 
sowie der neue Botanische Garten dorthin verlegt wurden. 
Dem alten Dorfe ist nie eine selbständige Stellung be- 
schieden gewesen, seine Bauern waren immer von den 
später entstandenen Dörfern abhängig und den Herren von 
Wilmersdorf und Schmargendorf zinspflichtig, so den 
Familien von Spiel (1375—1671), von Wilmersdorf 
(1671—1799), Graf Podewils (—1813), Großkanzler 
von Beyme und Erben (—1841), hierauf übernahm der 
Domänenfiskus das Gut, der 1901 dasselbe als Villen 
kolonie parzellierte, da die Domäne zu klein geworden 
war. 1898 wurde der größte Teil der Domäne für den 
neuen Botanischen Garten hergerichtet. 2260 Morgen 
groß war bis dahin die Domäne gewesen (1800 Acker, 
160 Wiesen, 300 Unland). — Die alte Kirche spielte 1852 
eine Rolle, als der erste optische Telegraph Berlin-Potsdam 
eingerichtet wurde. Im Glockenstübchen der Kirche hatte 
der Telegraphist seinen Sitz. Die alte berühmte 600 
Jahre alte berühmte Dahlemer Linde wurde 1894 wegen 
Altersschwachheit gefällt. Die alte Windmühle, die 1847 
durch einen Sturm umgerissen und wieder aufgebaut 
wurde, ist in diesem Jahre ebenfalls verschwunden. Da 
die Häuser meistenteils nur von den Arbeitern der 
Domäne bewohnt sind und diese mit dem Gutshof und 
dem Schloß bald verschwinden werden, so wird das alte 
Dorf Dahlem in wenigen Jahren ganz verschwinden und 
wo vor 700 Jahren und auch heute noch ärmliche Hütten 
standen, da werden in 10 Jahren nur Prachtbauten deS 
20. Jahrhunderts stehen, statt der alten Dorfaue werden 
sich breite Straßen hinziehen und wo jetzt noch Hühner 
und Gänse friedlich umherlaufen, werden Straßenbahnen 
und Automobile herumrasen. 
j- Vom Herbst. Über die Stoppeln weht der 
Herbstwind, in den Alleen schüttelt er das Laub von 
Bäumen und die Menschen suchen bereits wärmere 
Kleidung hervor, um sich gegen den unwirtlichen Gesellen 
zu schützen. So schön auch die Tage sind, die Nächte sind 
doch bereits empfindlich kühl und Herbstnebel senken sich 
auf die Erde hernieder. Ein besonders dichter Nebel lag 
heute Morgen auch über unserem Friedenau und die Sonne 
hatte einen schweren Kampf sich durch den Nebelschleier 
hindurch zu kämpfen. Siegreich brach sie sich aber die 
Bahn und ein herrlicher Herbsttag mit Sonnenglanz und 
Herbstzauber ist uns heute beschieden. In der Natur gibt 
es keine gewaltsamen Sprünge, sondern immer nur ein 
sanftes Übergehen von einer Form in die andere. Nicht 
nur, daß der allgütige Schöpfer die reiche Getreideernte 
verliehen, den goldenen Schnitt am Buch der Natur mit 
den wundervoll farbigen Bildern von Himmelsbläue, 
Morgen- und Abendrot, er verleiht ihm auch gütig die 
schwellende, saftige Traube voll Himmelsglut, sich zu 
kräftigen und sein Herz zu erfreuen, er bietet ihm Pomanas 
herrliche Fülle von unzähligen Lmstarten, die ihn im 
Blattfalle anlachen in rötlichen Farben wie ein schöner 
Hochsommermorgen. Das ist Herbstzauber, tausende kennen 
ihn nicht, achtlos gehen sie an ihm vorüber, weil ihnen 
eben der Sinn für die Natur fehlt. Arme Menschen! Für 
sie kann der Herbst freilich keine willkommene Jahreszeit 
sein. Lassen wir uns doch locken durch den Herbstzauber, 
hinaus in Wald und Feld und genießen all die Reize, die 
uns der Herbst beschert. 
-j- Lehrlings-Bezirksturnen. Am Sonntag fand 
ein Lehrlingsmetturnen in der Turnhalle des Männer- 
Turnvereins zu Mariendorf statt. Gegen 2 Uhr begann 
die Kampfrichtersitzung unter Leitung des 1. Bezirksturn- 
warts Gericke-Schöneberg. Dann trat die stattliche Zahl 
der erschienenen Zöglinge an. (Friedenauer beteiligten sich 
etwa 10, die sich am Mittag an der Kaisereiche ver 
sammelt hatten und unter Führung des Turnwarts Herrn 
Kuckert nach Mariendorf marschierten). Nach einem Auf 
marsch unter den Klängen des alten Turnerliedes: „Turner, 
auf zum Streite" folgten Freiübungen unter Leitung des 
2. Bezirks-Turnwarts Herrn Knappe-Schmargendorf. Die 
Übungen waren vorher nicht bekannt gegeben, die gute 
Ausführung bewies, wie ernst das Turnen der Jugend im 
Bezirk genommen wird. Zu dem nun folgenden Wett 
turnen traten insgesamt 42 Turner an, darunter auch 
fünf Turner aus Friedenau. Vorgeschrieben waren je 2 
Übungen am Reck, Barren und Pferd, sowie eine Kür 
übung an denselben Geräten, ferner als volkstümliche 
Übungen Hochspringen, Dreisprung und Steinstoßen. Mit 
Rücksicht auf die außerordentlichen Leistungen im Drei 
sprung sah sich das Kampfgericht veranlaßt, die Wertung 
für den Punkt von 20 auf 30 Zentimeter zu erhöhen. 
An das Wetturnen schlossen sich Spiele. Bei der nahenden 
Dunkelheit harrte man dicht gedrängt in der sehr ge 
räumigen Turnhalle auf die Siegesverkündigung. Mit 
tiefempfundenen Worten wandte sich der Ehrenvorsitzende 
des Männer-Turnvereins Mariendorf, Herr Pastor Richter, 
an die Versammelten und pries den Wert des Turnens. 
Darauf teilte Bezirksturnwart Gericke die Namen der 
Sieger mit. Als Erste wurden genannt: 1. M. Dahlke, 
Turn-Vereinigung Lankwitz, 67% P.; 2. August Hamann, 
Männer-Turnoerein Tempelhof, 64 P.; 3. K. Spranger, 
Steglitzer Turnverein. 60% P.; 4. W. Heinrich-Lankwitz, 
59% P.; 5. W. Conradts, Gr.-Lichterfelder Männer- 
Turnverein (Stammoerein) 59% P.; 6. G. Meisert, 
Steglitzer Turnverein, 58% P. ES entfielen auf den 
Männer-Turnoerein Tempelhof, auf die Turnerische Ver 
einigung Lankwitz und den Steglitzer Turnverein je 4, auf 
den Männer-Turnverein Schöneberg und Mariendorf je 2 
und auf den Lichterfelder Männer-Turnverein und den 
Zehlendorfer Turnverein je 1 Sieger. (Die Friedenauer 
Turner waren diesmal leer ausgegangen!) Der erste 
Sieger erwies sich gleichzeitig als bester volkstümlicher und 
bester Geräteturner. Als Preise erhielten die Sieger 
Diplome. Ein kräftiges „Gut Heil" den Siegern durchbrauste 
die Turnhalle, dann brachen die einzelnen Vereine auf. 
f Parochialvereiu. Um vielfachen Anfragett zu 
begegnen, wird bemerkt, daß geplant worden ist, daß Stück 
„Maria" — außer der Generalprobe am 4. Oktober — 
zunächst dreimal, am 5., 6. und 9. Oktober, aufzuführen. 
Die Rollen der beiden Hauptdarsteller, des Nero und der 
Maria liegen in den Händen von Berufsdarstellern, des 
Herrn Mill-Wiltenstein und seiner Gattin. Die Plätze 
sind auf M. 2 (numeriert), 1 M., und 50 Pf. (Balkon) 
festgesetzt worden. Schon die Proben, welche den Laien 
darstellern zwar viel Arbeit aber auch 'große Freude be 
reiten, lassen schon jetzt erkennen, daß die „Maria" ihre 
Wirkung nicht verfehlen wird. 
t „Ein toller Einfall", dieser alte, immer wieder 
gerngesehene überlustige Lauf'sche Schwank ging gestern 
durch das Behlesche Ensemble im „Hohenzollern" vor vollem 
Hause in Szene. Der Erfolg war ein durchschlagender 
und selten ist dort soviel gelacht worden, wie gestern. DaS 
Stück selbst bietet soviel urkomische Situationen, zeichnet 
eine Reihe origineller Figuren und bietet anhaltend so 
übermäßig Witz und Humor, daß das Publikum zur 
stürmischsten Heiterkeit hingerissen wird. Diese wäre auch 
nicht beeinträchtigt worden, wenn so mancher „faule Zauber" 
unterblieben wäre, aber der Autor verlangts und die Dar 
steller haben dessen Wünsche in lobenswerter Weise 
respektiert. Es wurde flott gespielt und bei der tadel 
losen Rollenbesetzung konnte der tolle Schwank seine Wirkung 
eben nicht verfehlen. Die Familie Sleinkopf (Carl Heuser, 
Anna Ullmann, Else Römer), wurde vortrefflich wieder 
gegeben. Die Rolle deren Neffen Ernst Lüders lag in den 
Händen des uns bestens bekannten Herrn Stegemann. 
Der Wichsier Birnstiel (Dahlmann) imponierte mit seinem 
„tollen Einfall", und die Herren Passarge taten als Musik 
direktor Krönlein, wie Herr Lengling als Julius Knöpfler 
bestens ihre Schuldigkeit. Fräulein Wilma Stengel vertrat 
gewandt und schneidig die Operettensängerin Fist Oritanskä, 
die allgemein gefiel. Besonders zum Gelingen des Ganzen 
trug die gediegene Spielweise der Familie Bender bei. 
Herr Hermann (Adalbert Bender) zeigte sich als tüchtiger 
Komiker, der dem Ensemble alle Ehre macht. Frau Bender, 
Veronika, fand in Johanna Suhr eine würdige Vertreterin, 
wie auch Mia Werner als Benders Tochter Eva sich ihrer 
Aufgabe geschickt entledigte. Die übrigen Nebenrollen klappten 
ebenfalls und so war der äußerst lebhafte Beifall ein wohl 
verdienter. 
-j- Berliner Schauspiel-Bühne. Die am morgigen 
Donnerstag im „Kaiser Wilhelm-Garten" zur Aufführung 
kommende Komödie „Moment-Aufnahmen" von Jarno 
erlebte vor mehreren Jahren im hiesigen Residenztheater 
ca. 75 Aufführungen mit immer gleichgroßem Erfolge. 
Sie hehandelt kurz die möglichen und unmöglichen Versuche 
einer Mutter, ihre Tochter an den Mann zu bringen. In 
den Hauptrollen wirken mit Bruno Werner (Königl. Schau 
spielhaus ^Potsdam), Wilhelm Kupfer, Willy Heim, Wilh. 
Egger, Henny Seidler, Anna Walter. Emmy Neumann» 
Edith Lejenne und Hans Adam Reiners. 
Wertin und Wororte. 
§ Neues Strafienbahuprojekt. Der Aufsichtsrat 
der großen Berliner Straßenbahn hielt heute Vormittag 
eine Sitzung ab. In dieser gelangte ein neues großartiges 
Straßenbahnobjekt zur Besprechung. Wie uns unser Rhc-- 
Mitarbeiter vor Redaktionsschluß noch telephonisch mitteilt, 
handelt es sich um nichts geringeres als um einen vier- 
gleisigen Tunnelbau zur Entlastung der Potsdamer- und 
Leipziger Straße über den Spittelmarkt, Wallstraße zur 
Roßstraße. Bis zur Charlottenstraße ist der Bau vier- 
gleisig gedacht, von dort sollen zwei Gleise zum 
Gendarmenmarkt weiter geführen. Die projektierten Tunnels 
am Brandenburger Tor und Opernplatz sollen durch einen 
Tunnel, der Unter den Linden hinweg führt verbunden 
werden. Die Baukosten würden 60 000 000 Mark be 
tragen. Der Aufsichlsrat hat sich mit dem Projekte ein 
verstanden erklärt, das nunmehr den Staats- und Ge 
meindebehörden zur Genehmigung vorgelegt werden soll. 
8 Die städtische Parkverwaltuug hat die 
Arbeiten zur Fortsetzung der Heckenanpflanzungen in der 
Gitschinerstraße unter der Hochbahn beendet. Zur Zeit 
sind Schlosser damit beschäftigt, eiserne Ständer einzu 
graben und Flacheisen als Einfriedigung zum Schutze der 
Hecken gegen die Promenade hin zu verbinden. Mit Rück 
sicht auf den bevorstehenden Winter soll die Anpflanzung 
selbst mit verschiedenen Schatten vertragenden und sich zu 
Lecken eigenden Sträuchern erst im nächsten Frühjahr er 
folgen. Viel kommt bei solchen Anpflanzungen an stark 
belebten Straßen nicht heraus, denn, wie die Gärtner 
klagen, erweisen sich als die schlimmsten Feinde und 
Zerstörer solcher Hecken die Hunde, die mit ihren scharfen 
Excrementen den Pflanzenwuchs unterbinden. Man hatte 
bekanntlich bei der Neugestaltung „der Linden" für die 
Mittelpromenade dieser Straße den Leinenzwang vor- 
schreiben wollen, doch läßt sich eine solche Maßregel wohl 
schwer durchführen. 
§ Kleist's Grab. An dem neuen Wege, der jetzt 
allein zu Kleist's Grab führt und zu dessen beiden Seiten 
sich ein Drahtzaun hinzieht, ist durch „Die Klause, Verein 
von Literaturfreunden zu Berlin" eine Tafel aufgestellt 
worden auf der eine Inschrift nnd ein Pfeil nach der 
Grabstätte hinweist. Diese Tafel stand früher unweit 
des Bahndammes an dem alten Wege, der jetzt ge 
schlossen ist. 
Zehlendorf. Die Einweihung der neuen Kirche 
in Zehlendorf findet am nächsten Sonntag Vormittag um 
11 Uhr statt. In Vertretung des Kaisers wird Prinz 
Friedrich Heinrich, der Sohn des Prinzen Albrecht, der 
Feier beiwohnen. In der alten Kirche wurde am ver 
gangenen Sonntag der letzte Gottesdienst abgehalten. 
HerichINches. 
P Eine grobe Ausschreitung beging aus dem hiesige» 
Güterbahnhof Friedenau-Wilmersdorf der Kutscher Karl MaiSgey-r, 
der sich gestern vor dem Schöffengericht wegen Mißhandlung und 
Beamtenbeleidigung verantworten mußle. Am Lt. Mai d. I. halle 
M. von dem genannten Bahnhof eine Fuhre Bretler abzuholen. AIS 
er durch die Ladestraße fuhr, löste sich die Epannkette am Wagen und
        
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