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Periodical volume Nr. 165, 17.07.1905

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 12.1905

sich auf der Elberfelder Schwebebahn bestens bewährt 
habe; bei demselben geschieht die Freigabe der Züge durch 
diese selbst, ohne daß es einer Mitwirkung der StationS- 
deamten bedürfe. Man darf gespannt sein, wie sich nun 
die städtische Verkehrsdeputation zu dem. Projekt und 
Angebot der Gesellschaft stellen wird. 
Allgemeines. 
[] Ahnenforschung. Eine Gründung, die nicht 
verfehlen wird, in weitesten Kreisen Interesse und Unter 
stützung zu finden, ist in Leipzig ins Leben gerufen 
worden. Es ist dies ein Verein zur Begründung und Er 
haltung deutscher Personen- und Familiengeschichte, der es 
sich zur Aufgabe gestellt hat, sich mit Personen aus allen 
Kreisen des deutschen Volkes in Verbindung zu setzen, die 
sich mit ihren Vorfahren beschäftigen und Mühe haben, 
um die für einen Stammbaum oder für eine Ahnentafel 
notwendigen Daten zusammenzubringen. Um dies den 
einzelnen Nachforschenden zu ermöglichen und zugleich auch 
um für genealogische Untersuchungen zuverlässige Mit 
teilungen zu erhalten, will der Verein alle Nachrichten, 
so wie sie ihm überliefert werden, mit genauer Quellen 
angabe zu einer alphabetisch geordneten Sammlung ver 
einigen. Die auf der von dem Verein bereits abgehaltenen 
Hauptversammlung gesprochenen Vorträge Dr. Adolfs von 
den Velden über „Wert und Pflege der Ahnentafel" und 
des Dr. Kekulc v. Stradonitz-Gr.-Lichterfelde über „Wissen 
schaftliche Genealogie als Lehrfach" find in dem ersten er 
schienenen Heft des Vereins für deutsche Personen- und 
Familiengeschichte zum Abdruck gelangt. Die Zentralstelle 
gibt an ihre Mitglieder Fragebogen aus, auf denen der 
Fragende die Rubrik: „Für folgende Familie» sammle ich 
Nachrichten jeder Art", mit Namen ausfüllen kann. Diese 
Anfragen werden im Druck verbreitet ohne Namens 
nennung desjenigen, welcher fragt, und bilden ein wert 
volles, sich stets erweiterndes Material, das dem späteren 
Forscher eine wertvolle Nachschlagequelle werden kann. 
Die Adresse dieser Zentralstelle ist Leipzig, Neumarkt 29. 
Lokales. 
t Vom Elektrizitätswerk Von dem Herrn Ver 
treter der Firma Lameyer u. Co. geht uns heute die 
Mitteilung zu, daß das Elektrizitätswerk noch bestimmt 
in dieser Woche in Betrieb genommen werden kann. Die 
Abgabe von elektrischer Kraft, Licht rc. wird jedoch erst in 
nächster Woche erfolgen können, da der Motor einige 
Tage Probe laufen muß und die Akkumulatoren erst ge 
laden werden müssen. 
f Bauliches. Vom 1. Oktober 1904 bis 1. Oktober 
1905 sind in Friedenau 60 Neubauten abgenommen 
worden und haben außerdem 21 Umbauten und andere 
Veränderungen stattgefunden. Die meisten dieser Neu 
bauten dürften westlich der Kaiserallee ausgeführt 
worden sein. 
f Ordination. Herr Dr. Erich Heintzel hier 
wohnhaft, Senior des Melanchthonhauses zu Berlin ist 
am 24. September zum Hilfsprediger für die evangelische 
Landeskirche ordiniert und der Luisenstadt-Kirchengemeinde 
in Berlin zugeteilt worden. 
t Neuer Eigentümer. Das neuerbaute, jetzt be 
zogene Haus Taunusstraße 6, bisher Herrn Architekt Haag 
gehörig gewesen, ist in den Besitz des Dekorationsmalers 
Herrn Paul Dase, Berlin, Planufer 31, übergegangen. 
1° Im Zeichen des Umzugs steht jetzt mancher 
Haushalt. Wie alles im Leben, so hat auch das 
Wohnungswechseln seine Licht- und Schattenseiten. Wenn 
man in ein anderes Logis zieht, so bietet dieses meistens 
Vorzüge vor dem früheren; die Zimmer sind größer und 
höher, die Lage ist eine bequemere und die ganze Ein 
richtung entspricht mehr den Anforderungen der Gegenwart. 
Neue Tapeten, glatt parkettierte Fußböden wirken bestechend. 
Ja, wenn man nur erst in Ruhe im Hause, das man sich 
nach langem Suchen ausgewählt hat, sich des Lebens 
freuen könnte! Das Einpacken ist etwas sehr unangenehmes, 
nicht nur, daß man fortwährend in Angst schwebt, ob 
auch kein kostbares Stück Porzellan, kein Spiegel oder 
keine zierliche Nippessache zerbricht, sondern auch, weil da 
manches zum Vorschein kommt, von dessen Existenz man 
keine Ahnung mehr hatte. Zum Fortwerfen ist vieles 
schade, aber mitnehmen möchte man es auch nicht. Auf 
den naheliegenden Gedanken, es armen Familien zu 
schenken, wo es noch Nutzen stiften kann, kommen freilich 
die wenigsten Menschen. Beim Umzug verliert mancher 
den Kopf und gerade dabei wird doppelte Überlegung 
erfordert. Ist nian aber nach vielen Mühen im neuen 
Heim glücklich angelangt und hat alles nach bestem 
„Wissen Lie, es ist mir hier zu Hertz", jagte Mynheer zu 
Ercole, der ihn, sehr zu gefallen schien. „Ich wollte, Steinmann 
käme lieber rricht wieder zurück, mir scheint, er hat sich zu sehr 
hier mit den Leuten eingelassen. Man weiß nie, wie weit 
man niitgezogen wird und als Fremder ist es nicht wohlgetan". 
„Diese Befreiung des Frauzesco kann ihm wohl kaum 
irgend welchen Nachteil bringen", meinte Girolamo, der hinter 
ihnen ging, und sich beniühte, für Meffrouw den besten Weg 
auszusuchen. 
Als sie fast unten am Meere angelangt waren, blieb 
Mynheer stehen, bliirzelte die jungen Männer an und fragte: 
„Was halten Sie von seiner Nonne?" 
„Mynheer, das Schiff wartet", fiel ihm seine Frau sehr 
entschieden ins Wort und verabschiedete sich ziemlich kurz von 
ihren Begleitern. 
„Bei uns in Sorrent ist es schön kühl", war Mynheers 
Abschied und dann lud er beide ein, einmal hinzukonimen und 
ihn zu besuchen. 
Die Jacht schaukelte schon wieder auf den blauen Wogen, 
da sagte Meffrouw: „Mynheer, wenn unser Freund seine 
Nonne zu seiner Frau niacht, ist es schicklicher und besser, nicht 
mit Fremden über sie zu sprechen." 
Mynheer zog seine buschigen Augenbrauen empor. „Will 
er es denn?" 
»Ich hoffe es. Sie ist hübsch, gut, hat ein goldenes Herz 
und liebt ihn. Er hat die Liebe in ihr geweckt, es wäre des 
halb unrecht von ihm, sie jetzt zu verlassen." 
Er wiegte zweifelnd den Kopf. „Ist doch unsicher, ob 
sie seinen Ansprüchen genügt." 
Geschmack eingerichtet, dann begrüßt man stolz die ersten 
Besucher und kann nicht genug Worte des Lobes finden. 
Freilich wird auch diese schöne Wohnung einmal abge 
braucht und alt: „sic transit gloria mundil“ 
■f Errichtung eines Findelhauses. Die von 
dem Arbeitsausschuß zur Errichtung eines Findelhauses 
für Berlin und die Vororte zu einer Besprechung ein 
berufene Versammlung war von Damen und Herren der 
Gesellschaft sehr gut besucht. Nachdem der Vorsitzende, 
v. Sierakowski, durch Begrüßung der Erschienenen die 
Versammlung eröffnet und über den Zweck derselben ein 
gehend referiert hatte, wurde der in einer Vorversamm 
lung schon gewählte Arbeitsausschuß bestätigt. Über die 
Errichtung eines Fiudelhauses für Berlin und dessen Vor 
orte entwickelte sich eine sehr lebhafte Aussprache, deren 
Resultat darin gipfelte, daß die Errichtung gedachten 
Hauses eine der wichtigsten und notwendigsten Be 
strebungen auf dem Gebiete dek Wohlfahrts- und der ge 
meinnützigen Bestrebungen unter den heutigen Zeitver 
hältnissen sei. Es wurde einstimmig beschlossen, mit aller 
Energie dahin zu streben, daß baldigst ein Findelhaus er 
richtet werden könne. Es soll an den Magistrat von Berlin 
eine Petition abgesandt werden, 4 Hilfsstationen in den 
verschiedenen Stadtteilen Berlins baldigst einrichten zu 
wollen. Diese sollen uneheliche Kinder verzweifelter 
Mütter ohne Nachfrage aufnehmen. Eine solche Hilfs 
station wurde vor einigen Tagen schon in Charlottenburg 
ins Leben gerufen. Alle diejenigen, welche Herz und Sinn 
für beregte Bestrebung haben, werden gebeten, ihre Adresse 
an den Vorsitzenden, v. Sierakowski, Berlin W 15, Pfalz- 
burgerstraße 15, oder an die Vorstandsdamen Frau Da. 
Sutro, Berlin W-, Corneliusstraße 6, oder Frau Fröhlich, 
Lehnitz a. d. Nordbahn. resp. an die übrigen Arbeitsaus 
schußmitglieder baldigst gelangen zu lassen. 
f Achtung, Herbstzeitlosen! So möchten Eltern 
und Lehrer den Kindern jetzt zurufen. Fast alle Teile 
der Blume enthalten starkes Gift, das sogenannte „Colchicin", 
das nicht nur in der Knolle vorhanden ist, sondern auch 
in dem bitter schmeckenden Samen, sowie den Blättern 
und der Blüte. Schon die alten Griechen kannten die 
Gefährlichkeit dieser Blume und warnten vor ihrem Genuß. 
In der Arznei findet das Gift vielfache Verwendung, so 
z. B. gegen Gicht und Wassersucht und wird auch unter 
dem Namen „Wiesensafran" in den Handel gebracht. 
Man nannte die Herbstzeitlose die „totbringende", weil 
man überzeugt war, daß derjenige, der eine Zwiebel aß, 
noch am selben Tage sterben müffe. 
f Der Verband für erste Hilfe wird seine Fuhr 
werke in größerem Umfange wie bisher den Nachbarorten 
Schöneberg dienstbar machen. Er besitzt zurzeit, abgesehen 
von seinen Cholera - Transportmitteln, 30 neue, sämtlich 
auf Gummi laufende Krankenwagen, die unter ständiger 
ärztlicher Kontrolle zu wohlfeilen Preisen Kranken 
transporte ausführen. 
-s Ein NiesenkürbiS von nahezu 140 Pfund 
Schwere hat das „Licht der Welt" in den musterhaft ein 
gerichteten, ausgedehnten gärtnerischen Anlagen des Kreis- 
Krankenhauses Lichterfelde erblickt. Das Ungetüm ist schon 
vielfach angestaunt worden. 
f Hohenzollern - Theater. Wir macheu hiermit 
nochmals auf die heute Abend stattfindende Vorstellung 
der Direktion Behle aufmerksam. 
t Aufführung deö Volksschauspiels „Maria". 
Nachdem am vergangenen Freitag die erste Probe statt 
gefunden hat, konnte gestern Abend die zweite folgen. 
Die äußerst geschickte Art, in der Herr Will-Miltenstein die 
Regie zu führen weiß, gab den Mitwirkenden von vorn 
herein nicht nur Freude an der Sache, sondern auch ein 
Gefühl der .Sicherheit und die Gewißheit eines guten 
Gelingens. Gleich die erste Szene (eine große Volksszene) 
setzt aufs spannendste ein und wird bei der Aufführung 
eine große Wirkung hervorrufen. Möge dem Eifer der 
mitwirkenden Damen und Herren ein schöner, auch äußerer 
Erfolg beschieden sein! 
-s Gemeinschaftliches Turuen. Ein gemein 
schaftliches Turnen von Schülern der Gymnasien der west 
lichen Vororte (Friedenau, Wilmersdorf, Steglitz, Lichter 
felde, Zehlendorf) findet morgen Mittwoch in der Turnhalle 
in Zehlendorf statt. 
-j- Friedenauer Schützengilde. Am Montag den 
9. Oktober 1905 Abends 8*/ 2 Uhr, findet im Vereinslokal 
„Hohenzollern"eineaußerordentlicheMitglieder-Versammlung 
statt. Tages-Ordnung. 1. Verlesung des Protokolls der 
letzten Sitzung. 2. Verlesen eingegangener Schriftstücke. 
3. Aufnahme und Anmeldung neuer Mitglieder. 4. Wahl 
des 1. Rendanten. 5. Wahl eines 2. Schriftführers. 
„Ich muß sie jedenfalls noch erziehen, sobald sie erst 
selbst weiß, wie es um sie steht und die Sache in Ordnung ist." 
Mynheer schwieg. Seine Gattin hatte die Nonne an 
gesehen, für gut befunden und sich auf ihre Seite gestellt. 
Gegen ihre Bestimmung lehnte er sich nie auf, solange es 
innere Angelegenheiten betraf. Häusliches und Herzenssachen 
waren ihr Feld, alles andere aber blieb ihm vorbehalten, er 
ließ sich ebensowenig da hineinreden. 
Sie fuhren beide gut dabei. 
Kapitel 10. 
Der große Besitz des Herzogs von Leonforte, Grafen 
di Boyn breitete sich im Osten Siziliens aus und umfaßte 
einen der fruchtbarsten und schönsten Landstriche. Am Aus- 
B eines üppig grünen Tales, das von einem wasserreichen 
mden Flusse durchströmt wurde, lag das palastartige Land 
haus inmitten herrlicherParkanlagen. Undurchdringliche Lauben 
gänge boten selbst im hohen Sommer wundervolle Kühlung; 
Eichen, Platanen, Kastanien und Orangenbäume wechselten 
mit den fein gefiederten Pfefferbäumen und schönblättrigen 
Bananen. Mächtige, grün und weiß gestreifte Agaven, fleischige 
Kakteen, Rhododendronbüsche, Rosen, Lilien und zahllose fremd 
artige, buntfarbige Blumen umgaben Springbrunnen, die mit 
ihrem leisen Plätschern und Rauschen zu träumerischen: Sinnen 
einluden. Schlingpflanzen hingen von Baum zu Baum und ver 
mehrten die grüne verlockende Dämmerung unter den Baum 
kronen. Hier und da erhob eine Palme ihre schlanken Wedel 
hoch über die ander:: Wipfel, oder eine Pinie breitete ihr grünes 
Dach über einen blinkenden kleinen Wasserspiegel aus. Der 
6. Wahl 1 Vertreters für den Teltower Bund. 7. Be 
sprechung über das Stiftungsfest. 8. Besprechung über 
das im nächsten Jahre stattfindende Königsschießen mit 
Schützenfest, v. Verschiedenes und Innere Vereinsange 
legenheiten. Der wichtigen Tagesordnung wegen, werden 
die Kameraden gebeten vollzählig und pünktlich zu er 
scheinen. 
f Historischer Fund. Einen interessanten Fund 
machte ein Hausbesitzer in der Rheinstraße bei der 
Renovierung einer Wohnung im zweiten Stockwerke. 
Beim Abnehmen der alten Tapeten kam ein Exemplar der 
hier in Friedenau erschienenen ersten Zeitung zum Vor 
schein und zwar die Nummer 69 des ersten Jahrganges 
„Unsere Villa" vdm 24. Juli 1887. Leider ist das 
Exemplar nicht vollständig erhalten, sodaß nur der Kopf 
der Zeitung noch leserlich ist. Auf jeden Fall ist der Fund 
doch interessant. 
t Zum Jagdunfaü. Zu dem unter dieser Spitz 
marke gestern mitgeteilten Notiz, erfahren wir heute auf 
unsere eingezogenen Erkundigung hin, daß nach 
der Entfernung der Kugel in dem Befinden des jungen 
Mannes erfreulicher Weise bereits eine Befferung einge 
treten ist, so daß nicht zu befürchten ist, daß ein dauernder 
Schaden die Folge des unglücklichen Zufalles sein wird. 
Weiter erfahren wir, daß nicht ein Schöneberger Stadt 
verordneter den unglücklichen Schuß veranlaßte, sondern 
ein Schöneberger Bürger. 
-j- Einbruchdiebstahl. In dem Hause Hähnel- 
straße- 2 wurde in der Nacht vom Sonnabend zum Sonn 
tag ein frecher Einbruchdiebstahl ausgeführt. Der oder 
die Spitzbubdn erbrachen mittels Brecheisen die Boden 
kammer und durchsuchten diese nach Beute, die ihnen deS 
Mitnehmens wert schien. So fielen ihnen wertvolle 
Kleidungsstücke, Damenroben in die Hände im Gesamt 
werte von etwa 700 M. Von den Dieben, die wahr 
scheinlich auch in der Bodenkammer nächtigten, hat man 
keine Spur. 
f Bodendiebstahl Aus einer verschlossenen Boden 
kammer in der Stubenrauchstraße wurden mehrere Serien 
albums gestohlen, während andere dort aufbewahrte 
Gegenstände von dem Diebe nicht berührt wurden. 
-j- Eine« empfindlichen Verlust erleidet ein 
hiesiger Künstler, dem beim Umzuge ein Bild im Werte 
von 200 M. gestohlen wurde. 
-j- Gefunden wurde eine Damenuhr, eine Brosche 
und ein Regenschirm. Näheres im Polizeibureau in der 
Feurigstraße. 
Schöneöerg. 
— In der gestrigen Sitzung der Stadtver- 
ordneten-Versammluug teilte der Magistrat mit, daß 
er den von der Versammlung gefaßten Beschlüffen 
hinsichtlich der Besetzung der Stellen eines zweiten Bürger 
meisters und eines Kämmerers beigetreten ist. Beide 
Stellen werden somit zur Ausschreibung gelangen. Die 
Stadtv. Gottheimer und Genossen richten an den Magistrat 
das Gesuch, baldigst die Vorarbeiten für das neu zu er 
richtende Rathaus in Angriff zu nehmen, da die jetzigen 
Verhältnisse unhaltbar find und den Verwaltungsdienst 
sehr erschweren und es auch im Interesse der Gesundheit 
der städtischen Beamten notwendig ist, daß dieselben bessere 
und gesundere Bureauräume erhalten. Hierzu stellte der 
Stadtv. Lohausen noch den Antrag, den Magistrat um 
Mitteilung zu ersuchen, welche Verwaltungszweige nach 
dem neuen Rathause verlegt werden müssen und wie 
viele Räume dazu erforderlich sind. Hinsichtlich der Platz 
srage wurde noch mitgeteilt, daß sich die Verhandlungen 
wegen Ankaufs eines Grundstücks an der Ecke der Haupt- 
und Eisenacherstraße wegen der hohen Kosten zerschlagen 
haben und daß man daher wieder auf den Platz R an 
der Erfurter- und Mühlenstraße zurückgreifen müsse. Die 
Versammlung stimmte den beiden Ersuchen zu. Hierauf 
wurde die Vorlage des Magistrats betr. die Aufnahme 
bedingungen für das Auguste Viktoria-Krankenhaus mit 
den vom Ausschuß beantragten Änderungen genehmigt» 
jedoch wurde die Festsetzung über die von auswärtigen 
Kranken zu zahlende Beträge vorläufig ■ vertagt. Ein 
Antrag des Stadtv. Freund, von der Bedingung von 
Attesten und sonstigen Papieren abzusehen, wenn der 
diensthabende Arzt die sofortige Aufnahme des Kranken 
mit Rücksicht auf dessen Zustand für nötig hält, wurde 
angenommen. Auch sollen in einem solchen Falle Kinder 
unt?r 1 Jahr, die sonst keine Aufnahme finden, zugelassen 
werden. Ferner beschloß die Versammlung nach dem 
Bericht des Stadtv. Dr. v. Gordon, von der Nathanael- 
kirchengemeinde für die Straßen nördlich, westlich und 
ganze berückende Zauber tropnryer Begetatwn war in diesen 
Gärten zu finden, in denen Kunst und Natur wetteiferten, 
immer Schöneres und Vollendeteres hervorzubringen. 
In Terrassen senkte sich der Park bis fast zum Meere 
hinab, und aus der obersten dieser Stufen stand die Marchesa 
di San Croce an der Seite des Grafen Gabrieli di Boyn. 
Hingerissen blickte sie auf die wundervolle klare blaue 
Flut hinab — Blau? Nein, griin, hellblau, dunkelblau mit 
oldigen Streifen, vom tiefften Schwarzgrün bis zum blendend 
ellgrünen Schimmer, der fast das Auge schmerzte. Und eine 
Klarheit der Luft, daß die entferntesten kleinen Barken scharf 
und deutlich umrissen vor dem Blick standen. Dunkelbraune 
Felsstücke schoben sich weit in das Meer hinaus und donnernd, 
brausend prallten die Wogen dagegen, überschütteten sie mit 
weißem Schaun: und zogen sich dann grollend wieder zurück, 
um dasselbe Spiel abermals zu beginnen. Immer gleich und 
jedesmal neu. Barfüßige, halbnackte, schöne, schwarzäugige 
Kinder trieben sich dazwischen herum, schrien bei jeder höheren 
Welle auf, stießen sich hinein, jauchzten, lachten und suchten 
nach eßbaren Muscheln. Die in allen Farben schimmernden 
reizenden, vielgestaltigen anderen Muscheln ließen sie achtlos 
liegen, sie hatten keinen Sinn für das Schöne, nur für daS 
Brauchbare und darin waren sie nicht wählerisch. 
„Wie schön, wie wunderbar schön!" sagte die Marchesa 
bewundernd. Sie war noch nie hier gewesen und nur in 
Ron: mit Estella zusammengetroffen: denn Estella benutzte 
trotz ihrer Liebe zu ihrer schönen Heimat gern jede Gelegen 
heit, fern von ihrem Oheime und Vormunde zu leben. Die 
Marchesa begriff die Freundin und hatte sie stets in Rom bei 
stch aufgenommen. (Fortsetzung folgt.)
        
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