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Periodical volume Nr. 225, 25.09.1905

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 12.1905

Tagesordnung steht: Grundsätzliche Ermächtigung des Ge 
meindevorstandes zur Vornahme von Kanalisierungen 
(Referent: Herr Schöffe Draeger). Zustimmung zur An- 
Anstellung von 2 Exekulivbeamten (Referent: Herr Bürger 
meister Schnackenburg). Asphaltierung der Bismarckstraße 
und Bewilligung der Mittel (Referent: Herr Schöffe 
Draeger). 
f Aspaltierung. Mit der Asphaltierung der 
Warzincrstraße wird heute begonnen. Die Betonarbeiten 
sind bereits fertiggestellt. Auch mit der Asphaltierung der 
nunmehr planierten Straßen im Sportparkgelände kann 
begonnen werden. 
-j- Die Eröffnung der Ladestelle Friedenau an 
der Wannseebahn, soll, wie uns die Berliner Handels 
kammer mitteilt, am 1. Oktober dieses Jahres erfolgen. 
Die auf dem Gelände der Wannseebahn gelegenen Holz 
plätze sind seit längerer Zeit bereits geräumt. Es wird 
sich bei der Ladestelle fedenfalls ein mächtiger Güterverkehr 
entwickeln. Ausgeschlossen von der Annahme und Aus 
lieferung auf der neuen Ladestelle sind Sendungen von 
Sprengstoffen, Gegenstände, zu deren Verladung oder Ent 
ladung eine Kopframpe erforderlich ist, und Tiersendungen. 
In .die für die Berliner Bahnhöfe und Ringbahnstationen 
giltigen Ausnahmetarife 5 a (gebrannte Steine und Kalk 
sandsteine), 5d (Pflastersteine), 5w (Reihenpflastersteine) 
ist die neue Ladestelle einbezogen worden. Über die Höhe 
der Frachtsätze erteilt das Verkehrsbureau der Handels 
kammer, Dorotheenstraße 7/8, weitere Auskunft. 
P Beerdigung. Auf unserem Friedhof fand gestern 
Nachmittag die Beerdigung des Vaters unseres Amts 
bureauvorstehers Herrn Sud au statt. Eine große Schar 
Leidtragender hatte sich eingefunden. Darunter auch Herr 
Schöffe Bache als Vertreter des beurlaubten Herrn Amts- 
Vorstehers Schnackenburg. mehrere Herren des Gemeinde 
vorstandes und der Gemeindevertretung und nahezu 
sämtliche Beamte der Gemeindeverwaltung. Herr Pastor 
Görnandt widmete dem Entschlafenen einen tief empfundenen 
warmen Nachruf. 
f Jubiläum. Am 30. September kann Herr Wilhelm 
Gensen sein 25jähriges Jubiläum als Maschinist der 
Herzog'schen Fabrik. Handjerystraße 52, feiern. Vor nun 
mehr 25 Jahren trat Herr Gensen in die Fabrik ein, um 
das Tischlergewerbe zu erlernen. Aber mehr als die 
Tischlerei zogen ihn die Maschinen an, und so wurde er 
Maschinist. Als solcher hat er seinem Meister in guten 
und schlimmen Zoten treu zur Seite gestanden. Ein 
Mann vom alten Schlage, bieder, fleißig und unermüdlich, 
hat er es verstanden, in den 25 Jahren seines an Arbeit 
und Mühen reichen Wirkens die Achtung und das Zutraun 
aller zu erwerben. An seinem Ehrentage werden sich daher 
Meister, Arbeiter und Gesellen mit ihren Angehörigen ver 
einen, um im Gesellschaflshause dem Jubilar ihre 
Glückwünsche darzubringen. Hoffen wir, daß Herr Gensen 
noch viele Jahre als „Maschinen-Vater" seines Amtes 
walten möge! 
f Die ersten Droschken au den neuen Halte, 
stellen waren gestern in unserem Orte zu sehen. Sie 
hatten Fahrgäste zum Radrennen nach' Steglitz gebracht 
und warteten hier auf das Ende des Rennens. Sogar 
vor' jeder Kneipe hiellen Droschken, da die Halteplätze nur 
für 9 Droschken eingerichtet sind. 
f Besitzwechsel. Das von Herrn Architekt Wilhelm 
Melling erbaute herrschaftliche Wohnhaus Wiesbadener 
straße 8, Ecke Schillerplatz, ist für den Preis von 235 000 
Mark in den Besitz des Herrn Rentiers Ernst Schneider 
aus Steglitz übergegangen. 
t Vom Sportpark. Beim gestrigen Rennen um 
das „Große goldene Rad" siegte Robl, beim Stunden 
rennen (Kleines goldenes Rad) siegte Huber-München. 
Über den Gang der Rennen konnte man sich insofern 
schlecht orientieren, als die Nummerntafel nicht beleuchtet 
war. Die einzelnen Rennen verliefen wie folgt: 
Niederrad - Hauptfahr n. 1000 Meter. 1. Theile, 1 ; 39, 
2. Scheuermann, 3. Kurzmeyer. Unpl. Wegener, Arend, Conrad. 
Dos Kleine goldene Rad, Stunden-Rennen t. Huber - München 
78 590 Kilometer, 2. Schipke-Berlin 74 850 Kilometer, 3. Goor- 
Lüttich 71,070 Kilometer, 4. P;yrembel-Berlin 60,250 Kilometer. 
Gliedermann gab auf. Das Große goldene Rad. 100 Kilometer- 
Rennen. I. Robl-München 1 Stunde 12 Min. 24,3 Sek. 2. Demke- 
Berbn 9 1 /, Runden, 3. Günther-Köln 35 Runden zurück. Walthour 
gab auf. Stunden-Rejullat I. Robl 83 820 Kilometer. 2 WaNhour 
79,530 Kilometer. 3. Demke 79,150 Kilometer. 4. Günther 41,630 
Kilometer. 
f Friedenaucr Parochialverein. Wie schon 
wiederholt miipetnlk, hat sich der Friedenaucr Parochial» 
leuchteten und auf der iveitcn Wasserfläche blitzten die sich 
überstürzenden Wogen wie glänzende Silberstreifen auf. Ge 
heimnisvolles Dunkel ivebte zwischen den Felsen, von Zeit zu 
Zeit rollte ein Stein nieder, durch den Tritt eines umher 
schweifenden Tieres gelockert. Leise schlich ein Luchs an Ercole 
heran, sein heißer Atem, seine grausamen Augen waren raub 
lustig — da erhob sich der junge Mann. Mit weitem Satze 
verschwand das Tier. Was im Dunkeln schleicht, wagt keinen 
offenen Angriff. 
Große Erregung läßt Kleines unbeachtet. Es überraschte 
Ercole kaum, sich auf einmal vor Girolamo zu sehen. Ein 
nächtlicher Krankenbesuch hätte als Erklärung gedient, doch 
Ercole fragte nicht. Er führte den Freund an den Rand der 
Klippe, deutete hinab und fragte nur, ob er noch an das Ge 
spräch denke, das sie gerade vor Teresas Auffindung hier ge 
führt. Girolamos dunkle Augen blitzten auf. .Ich glaubte. 
Du hättest es vergessen." 
„Und hätte ich es vergessen können, so wäre es mir heute 
mit feurigem Eisen wieder eingebrannt", versetzte Ercole, und 
Girolamo horchte auf die vor Zorn bebende Stimme, die ihm 
die Begebnisse des Abends wiederholte, auch die Befürchtungen 
Nicolettas. 
. „Aber ich lasse nicht von Teresa, Ihr alle versucht es 
umsonst. Ich werde ihre Liebe erringen, sie soll mein werden. 
Habe ich denn kein Recht auf das Glück!" 
„Und ist sie Dein, wirst Du dann noch an unser Gespräch 
denken wollen?" 
Ercoles Stirn rötete sich. Laveggi hatte Recht, ihm zu 
mißtrauen, schon zu lange hatte er geschiviegen und die Zeit 
ungenutzt verstreichen lassen. Doch die Zukunft war sein und 
sollte seine Rechtfertigung bringen. Diese Stunde machte sie 
erst zu wahren Freunden, jetzt endlich lernten sie sich erst ganz 
kennen und vertrauten sie sich rückhaltlos. Die Liebe hatte 
verein die Aufgabe gemacht, das religiös historische Volks 
schauspiel „Maria" von Will-Miltenstein zur Aufführung 
zu bringen. Mit .den Proben wurde bereits begonnen. 
Unser Kirchenchor hat seine Mitwirkung in bereitwilligster 
Weise zugesagt. Als Tage der Aufführung, die im Hohen- 
zollern-Saale stattfinden, wurden der 5., 6. und 9. Oktober 
in Aussicht genommen. 
-j- Krieger- «nd Landwehr-Verein. Der Verein 
kann in diesem Monat auf ein 28jähriges Bestehen zurück 
blicken. Wie alljährlich wird auch in diesem Jahr das 
Stiftungsfest feierlich begangen und zwar kommenden 
Sonnabend, den 30. September, Abends 8 Uhr, im Saale 
des „Hohenzollern". Die Ausführung des Konzertteiles 
hat die Kapelle des Garde-Schiitzen-Bataillons übernommen. 
Im 1. Teile des Programms ist eine besondere Beglück 
wünschung der Kameraden, welche dem Verein 25 Jahre 
angehören, vorgesehen. Im 2. Teile gelangt der heitere 
Schwank „Die Fuchsfalle" zur Aufführung. Die Mit 
wirkenden sind Mitglieder und Angehörige des Vereins. 
Eintrittskarten können bei den Feslausschußmitgliedern und 
dem Vereins-Rendanten, Kamerad Bezirksschornsteinfeger 
meister Stoltzenburg, Handjerystraße 40, in Empfang 
genommen werden. 
t Hohenzollern-Theater. „Ein toller Einfall!" 
Dieser höchst originelle, liebenswürdige und harmlose 
Schwank wird am Dienstag, den 26. September, unserem 
theaterliebenden Publikum einen heiteren, amüsanten 
Abend bereiten, über die Aufführung dieses besten aller 
modernen Schwänke im Berliner Schiller - Theater be 
richtete u. a. der „Berliner Lokal-Anzeiger": „Die flotte 
Situations-Komik, der witzsprudelnde Dialog erregten bei 
dem dicht gefüllten Hause die unbändigste Heiterkeit. 
Stürmischer Applaus rief die Darsteller immer wieder vor 
den Vorhang. Es war ein voller und ehrlicher Erfolg." 
„Ein toller Einfall" ist der lustigste Schwank, den wir je 
gesehen haben. Die ersten Kräfte des Behleschen Ensemble 
werden am Dienstag, den 26. September, die Hauptrollen 
spielen. U. a. der vortreffliche Komiker Herr Carl Hermann 
vom Stadttheater in Konstanz, sowie Frl. Vilma Stengel 
vom Berliner Lessing-Theater, welche die Rolle der 
Operettensängerin Fifi Oritanska zu ihren glänzendsten 
zählt, welche sie in Berlin mehr als 100 Mal mit 
großem Erfolge dargestellt hat. Diese vortreffliche 
Künstlerin dürfte eine ganz besondere Anziehungskraft der 
Behleschen Vorstellungen in diesem Winter werden. Wir 
wollen hoffen und wünschen, daß das ehrliche Streben 
der Direktion, uns stets etwas Neues und Jntereffantes 
zu bieten, auch durch ein volles Haus belohnt wird. 
f Ueber Theorie und Praxis gegenüber dem 
Alkohol spricht am Freitag um 8 l / 2 Uhr in der Aula 
der Oberrealschule zu Groß-Lichterfelde Herr Pastor E. Baars 
aus Vegesack. Nach dem Vortrage findet eine freie Aus 
sprache statt. Freunde, wie Gegner des Alkohols, Damen 
wie Herren, sind willkommen; der Eintritt ist frei. 
P Jagdunfall. Durch einen unglücklichen Zufall 
erlitt der Sohn eines hiesigen Baumeisters (Student) auf 
der Jagd einen schweren Unfall. Während ein Freund 
(Schöneberger Stadtverordneter) das nach abwärts ge 
haltene Gewehr entladen wollte, ging plötzlich der Schuß 
los und die Kugel drang dem jungen Mann in die Knie 
scheibe. In der Klinick soll nun das verletzte Bein mit 
Röntgenstrahlen durchleuchtet werden, damit die Schrot- 
körner entfernt werden können. 
t Gestohlen wurde in der Nacht vom Sonnabend 
zum Sonntag eine Wohnungstafel im Hausflur des 
Hauses Rheinstraße 15. Anzeige ist erstattet. Die Täter 
sind jedenfalls zerstörungswütige erwachsene Jungen, denen 
nur der Rohrstock Ordnungssinn beibringen kann. 
Werlin und Wororte. 
8 Der Bau des zweiten Rathauses schreitet 
rüstig vorwärts. In der Stralauer Straße, woselbst 
bereits das Dach- (Mansarden-)Geschoß aufgebracht wird, 
gewinnt man schon jetzt einen Gesamteindruck von diesem 
vornehmen Monumentalbau, der durch seine einfache, aber 
gediegene Architektur. dem Beschauer imponiert, freilich 
fällt an dieser Faffade Zweierlei auf: einmal die Ver 
schiedenheit in der Größenabmessung der Fenster, das 
andere Mal auch wohl durch die Unregelmäßigkeit des 
Bauplatzes bedingter Mangel an Symmetrie. Wie 
erinnerlich, hatten bei Beratung des Projektes schon einige 
Stadtverordnete gerügt, daß die „Fenster zu klein" seien. 
Diese Ausstellung bezog sich, wie man jetzt sehen kann, 
Ercole zum Manne gereist, der fest und sicher seinem Ziele 
zuschreiten würde. Nichts konnte ihm dies Ziel wieder ver 
rücken; keine Bitten Nicolettas, kein Liebesrausch an Teresas 
Seile konnte ihn je wieder vergessen lassen, was er sich heute, 
jetzt gelobt. Er wußte, was er tat, ivelche Macht er heraus 
forderte, wenn er Rache für seines Vaters Tod verlangte und 
die Namenlose zu seinem Weibe nahm. Welche Wege er ein 
schlagen mußte, um die Fäden zu entdecken, die das über 
Teresa rnheiide Geheimnis entwirren sollten, ahnte er noch 
nicht, aber die felsenfeste Zuversicht des Gelingens lebte in ihm. 
Nicolettas Herz war zerrissen, sie sah Unglück auf allen 
Seiten. In ihrer Verzweiflung wollte sie Jnnocenzo rufen, sie 
hoffte Trost und Zuspruch von ihm, war er doch der einzige 
gewesen, der ihre siete Angst geteilt. Sie verließ ihr Zimmer, 
da hörte sie einen Pfiff, kurz, laut, durchdringend. Mn einem 
Aechzen sank sie halb ohnmächtig gegen die Wand. Diesen 
Psiff kannte sie, er hatte stets die Drohungen verkündet, mit 
denen man sie gequält. Schon hatte Jnnocenzo das Signal 
beantwortet, bebend mit zitternden Lippen. Weder er noch 
seine Herrin hatten jemals an Widerstand gedacht, sie hatten 
sich willenlos den Befehlen des entsetzlichen Geheimbundes der 
Maffia gefügt. Mit Aufgebot all ihrer Kräfte schleppte sich 
Nicoletta vor die Tür des Hauses, wo ein Mann ihrer 
wartete. In einem weiten verhüllenden Mantel, einen großen 
schwarzen Hut tief in die Stirn' gedrückt, trat er ihr entgegen. 
Und sie stand ihm gegenüber wie ein Opfer, das den Todes 
streich erwartet. 
„Sie haben eine Dame bei sich aufgenommen, ich ver 
lange ihren Namen zu wissen." Nicoletta sah ihn bange, ent 
setzt an, reden konnte sie nicht. Statt ihrer sprach Jnno 
cenzo, der sie nicht verlassen hatte, und versicherte, sie kennten 
den Namen nicht. Die Unglückliche habe ihn noch nicht nennen 
können, sei noch gedächtnisschwach. — 
auf ~bie Fenster der ersten Etage, die nur s / 4 so hoch sind, 
wie die Fenster der darüber befindlichen Stockwerke. Über 
die Wirkung dieser auffallenden Größenverschiedenheit 
wird man freilich ^ erst ein zutreffendes Urteil abgeben 
können, wenn der Gesamtbau vollendet ist. , 
§ Die Trauerfeier für den verstorbenen Präsidenten 
der Hauptverwaltung der Staatsschulden, Wirklichen 
Geheimen Rats Otto v. Hoffmann fand gestern 
Vormittag in dem Hause Oranienstraße 65. dem lang 
jährigen Heim des Entschlafenen, statt. Der Feier wohnten 
bei der Finanzminister von Rheinbaben, der Kultusminister 
Dr. Studt, der Präsident der Reichsbank Dr. Koch, der 
Justizminister a. D. von Schelling, der Präsident des 
Reichsschatzamtes Frh. von Stengel, der Staatssekretär der 
auswärtigen Amts und Bevollmächtigter zum Bundesrat 
Frh. von Richthofen, der Unterstaatssekretär Hengstenberg, 
der Staatsminister und Staatssekretär des Reichsmarine 
amts Admiral von Tirpitz, eine Abordnung von Offizieren 
des 2. Garde-Ulanen-Regiments, bei dem ein zur Zeit 
in Südwest-Afrika als Offizierdiensttuender Sohn des 
Verstorbenen gestanden hat, sowie viele Räte und auch 
andere Beamte der Staatsschulden-Verwaliung. Die 
Trauerfeier leitete ein aus königlichen Domsängern be 
stehendes Quartett mit dem Gesänge des Liedes: „So 
nimm nun meine Hände", ein, worauf Oberhofprediger 
Dr. Dryander die Gedächtnisrede hielt. Hierauf wurde 
der Sarg, der inmitten eines Hains von Blumen und 
immergrünen Blattpflanzen aufgebahrt und von vielen 
prachtvollen Kranzspenden umgeben war, auf den vier 
spännigen Leichenwagen gehoben und nach dem alten 
Matthäus-Kirchhof an der Großgörschenstraße übergeführt, 
wo unter Gebet und Segen die Beisetzung stattfand. 
8 Warnung. Das Polizei-Präsidium erläßt an den 
Litfaßsäulen folgende Warnung: „Infolge eines auf Kahn 
Berlin 1627 vorgekommenen Cholerafalles ist zu befürchten, 
daß in das Wasser des Urbanhafens und der mit ihm in 
nächster Verbindung stehenden Wasserläufe Cholerakeime 
gelangt sind. Die Bevölkerung wird daher vor dem 
Genuffe, aber auch vor dem sonstigen Gebrauche des 
Waffers des Hafens und übrigen Wafferstraßen dringend 
gewarnt." 
8 Orgelkonzert. Am Mittwoch, den 27. September, 
7^ Uhr Abends veranstaltet der Königliche Musikdirektor 
Bernhard Jrrgang in der St. Marienkirche das nächste 
Orgelkonzert unter Mitwirkung von Frl. Willi Kewitsch 
(Sopran). Frau Brigitta Thielemann (Ali) und Herrn 
Heinz Beyer (Cello). Der Eintritt ist frei! 
Gerichtliches. 
k Der bekannte «reineldS-Peozetz gegen den Schlosser- 
meister Ed. Krüger hierfelbst beschäftigte gestern das Berliner Schwur 
gericht. Bor mehreren Jahren war in Friedenau Jemand durch einen 
Sturz mit einer Falltür verunglückt und in dem daraus entstandenen 
Zivilprozeß wegen Schadensersatz war K. als Zeuge vernommen 
worden. Ihm wurde nun vor dem Schwurgericht zur Last gelegt, 
daß er als Zeuge in jenem Zivilprozeß wissentlich eine falsche Aus 
sage gemacht habe. Der Meineidsprozeß zog. sich fast zwei Jahre 
hin, da der Angeklagte ständig behauptete, er habe nur die reine 
Wahrheit in seiner Zeügenausjage s. Zt. bekundet. Nach dem Er 
gebnis der Beweisaufnahme votierten die Geschworenen auf nicht 
schuldig und demgemäß erkannte der Gerichtshos auf Freisprechung. 
P «In ihrem Einfegunngstage im schwarten Kostüm der 
Konfirmandin, in der Hand einen Ltrauß von weißen Rosen haltend, 
erschien in einer Anklagesache die I4jährige Hedwig M. von hier vor 
der Strafkammer als Belastungszeugin. Angeklagt wegen Sittlich- 
keitsverbrechenS war der feit dem 19. August dieses Jahres in 
Untersuchungshaft befindliche Arbeiter Julius Zobel. Er war be- 
schudigt, im Juli dieses Jahres sich an der BelastunaSzeugin 
unsittlich vergangen zu haben. Das Ergebnis der unter Öffentlich 
keits-Ausschluß stattgehabten Verhandlung bestätigte die Behauptungen 
der Anklage, demgemäß wurde Z. zu 9 Monaten Gefängnis ver 
urteilt. 
vermischtes. 
' Die Verkehrseinnahmen deutscher Eisenbahnen, deren 
Gesamtlänge jetzt 48 086 Kilometer beträgt (Z- 746 Kilometer) be 
ziffert sich für August d. Js. auf 182,7 Millionen Mark, von denen 
von denen 118,7 Millionen Mark auf den Güterverkehr entfallen. 
Die Zunahme gegen den gleichen Monat des Vorjahres beträgt 
11,5 Millionen. — Auf den Strecken der preußisch-hessischen StaatS- 
bahnen beliefen sich die Gesamteinnahmen im Aug äst d. Js. auf 
151,3 Millionen (August v. Js. 101,5 Millionen, + 10,2 Millionen). 
Davon entfielen auf den Güterverkehr 94,5 Millionen Mark. 
* Unkenntlichkeit deS AbhängigkeitsverhältniffeS. Wen« 
in der Beitage zur Allgemeinen Zeitung (1903, Nr. 208) stand: „Die 
Aufgabe ist umfassend genug und der Besten Mitarbeit wert", 
so ist zwar deutlich, was gemeint ist, der Ausdruck aber insofern nicht 
anz cinwandfrei, als die gesper ten Worte nach der überwiegenden 
ahl der Fälle, in denen der 4. Fall unbezeichnet bleibt, aufgelöst 
Wäre die Beleuchtung Heller gewesen, das Zusammenzucken, 
das Staunen auf dem Gesichte unter dem schwarzen Hute hätte 
dem Alten nicht entgehen können. „Aber sie wird sich er 
holen, es bessert sich von Tag zu Tag, Ihr versucht alles, 
um die Erinnerung zu wecken!" stieß er hervor und kam 
einen Schritt näher, kaum imstande, seine Erregung ganz zu 
verbergen. 
Jnnocenzo ließ einen lauten, kläglichen Seufzer hören. 
„Es ist ja alles umsonst, das arme Herz weiß von nichts, hat 
alles, alles vergessen." 
„Aber der Arzt, was sagte er? Ihr werdet der Unglück 
lichen" — unaussprechlicher Hohn klang aus dem Worte — 
„den Beistand eines Arztes nicht vorenthalten! Da Ihr sie 
aufgenommen, habt Ihr ja auch Pflichten gegen sie. Kann 
der Arzt nichts tun, wendet er keine Mittel an, um ihr Ge 
dächtnis zu wecken und zu kräftigen?" 
Da Jnnocenzo nur den Kopf schüttelte, wendete sich der 
Fremde zu Nicoletta. „Was sagen Sie, wird die Dame nicht 
bald von sich erzählen können? Unter Frauen findet sich das 
Vertrauen ja leicht, vielleicht hat sie Ihnen doch schon einiges 
mitgeteilt. Vielleicht wissen Sie schon ihren Namen?" Er 
war dicht herangetreten. 
Vor Nicolettas Erinnerung tauchte der Augenblick empor, 
wo Teresa die Frage Ercoles, die sein Lebensglück bedingte, 
nicht einmal verstanden hatte und mit einer unendlichen 
Bitterkeit versetzte sie: „Sie wird nie etwas anderes sein wie 
ein Kind, wird es immer bleiben. Keine Wissenschaft, keine 
ärztliche Kunst kann die Nacht ihres Geistes je lichten, sie ist 
für immer geistesschwach. O eine Unglückliche, die Unglück 
mit sich bringt" --- 
„Herrin, Herrin!" flehte Jnnocenzo und ergriff ihre Hände, 
die sie verzweiflungsvoll rang. „Sagt das nicht, es ist nicht 
so, Herr Ercole wird glücklich mit ihr sein." (Fortsetzung folgt.)
        
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