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Periodical volume Nr. 224, 23.09.1905

Full text: Friedenauer Lokal-Anzeiger Issue 12.1905

untersten Klaffe ins Leben zu rufen. Wilmersdorf besitzt 
bis jetzt an höheren Knabenschulen das Bismarck-Gymnasium 
Und die Goetheschule (Reform-Realgymnasium und Real 
schule mit gemeinsamen Unterbau). Für die in der Ent 
wickelung begriffene zweite höhere Mädchenschule, die 
'Cäcilienschule, die ein vorübergehendes Heim in der 
katholischen Gemeindeschule in der Düfseldorferstraße ge 
funden hat, wird ein eigenes Anstaltsgebäude auf dem 
Gemeindegelänoe an der Württembergischen Straße in der 
Nähe des Preußendammes errichtet werden. 
f Unter der Spitzmarke „Die Sicherheit in 
de« Vororten" brachten wir in Nr. 219 eine Notiz, in 
welcher wir beklagten, daß in unserer Gemeinde nur ein 
Gendarm stationiert sei, und der im Ort fast gar nicht zu 
sehen sei. Hierzu bemerkt das „Telt. Krsbl.": 
.Infolge der vor etwa ziel Jahren erfolgten Kommandierung 
deS Kußgendarmen Steinert zur Beauffichligung der ausländischen 
Arbeiter zum Teltowkanal. ist allerdings zur,eit nur ein berittener 
Gendarm in Friedenau stationiert, indessen find die Patrouillen- 
bezirke der Steglitzer Genda'men auf Friedenau ausgedehnt worden. 
Wenn der Herr Verfasser des Artikels aus seinem Versteck heraus- 
käme und sich einmal auf den Straßen umsähe, würde er unseren 
berittenen Gendarmen stets auf seinem Posten finden." 
Das Blatt gibt zu, daß gegenwärtig nur ein Gendarm 
in unserem Orte stationiert ist. Der gegenwärtig 
stationierte Gendarm Schulz hat, wie er uns mitteilt, 
keinen Bezirk und ist jetzt nur für Friedenau angestellt. 
Wenn wir sagten. ,,daß der Gendarm im Ort fast gar 
nicht zu sehen ist", so war diese Bemerkung insofern zu 
treffend, als der Bezirk des früheren Gendarm Rückert sich 
auf Schmargendorf und Steglitz ausdehnte und Herr 
Rückert daher nicht immer in Friedenau anwesend sein 
konnte. Daß Steglitzer Gendarmen auch nach Friedenau 
kommen, ist uns neu. 
ch Friedenau, was machst D« für Sachen. 
Unter dieser Spitzmarke erhalten wir von einer Freundin 
unseres Blattes folgendes launige Poem übersandt. 
Friedenau, was machst Du für Sachen I Du kannst lachen! Vor 
ort, oder Villenkolonie nenne Dichtnie! Wenn man soviel hat, heißt 
man Stadt! — Einen Bürgermeister hast Du, sehr viel Räte dazu, 
Du leuchtest elektrisch, (daS GaS brennt zu kläglich,) am Marktplatz 
ar schön, sah man erstehn, als Zierde gar feine, daS Rathaus, 
aS kleine, — 
An jeglicher Ecke, für jegliche Strecke, kannst Du fie ahnen die 
Straßenbahnen; drin fahren wär' schwerlich ganz ungefährlich, man 
könnt'S sonst riskieren, zu karambolieren, wegen .so vieler Auto 
mobiler!' 
Bei dem Verkehr, fällt daS nicht schwer. Auf alle Fälle die 
Haltestelle für Droschken zieh' vor, da stehst Du, o Tor, und denkst so 
alleine: .nun kommt gleich eine,' o herrliches Bild! denn nur 
daS Schild steht da. Ja! 
Dann hab' ich gelesen, daß für die nervösen und kränklichen 
Kleinen, bald Schulen erscheinen, die. — alles Natur, — lehren 
S ielend nur. O glückliche Stadt, die schon sowas hat! 
erlinet Schauspiele, liefen gar viele, hier gleich um die Ecke zu 
löblichen Zwecke, uud Putzateliers, und SahnenbaiserS giebls auch 
hier en naasse; ein herrliches Glas. 
An besseren Tropfen, ob Malz oder Hopfen, ob Kognak ob Wein 
kriegen hier fein auch die größten Gourmands, soviel Restaurants 
hat Friedenau! Ne Aufwartefrau, oder Mädchen für alles, » du mein 
Vergnügen, kann man nicht kriegen I Dafür auf den Straßen, giebts 
Zettel in Massen: 
Zu vermieten ist hier ein herrlich Quartier, Zentralheizung, und 
die Zimmer gesund, vorne die Sonne, hinten o Wonne nebst Rasen- 
schonung 'ne GartenwohnungI DaS Dach Platt gebaut, zum Bad 
für die Haut in Luft und in Licht, du ahnst es nicht I — zieht ein 
Brautpaar hinein, giebts noch obendrein ein Hochzeitsgeschenk, daS 
bedenk' l 
Kinder verbeten, die Füße abtreten, zum Schluß . . . ganz ver- 
zweckt, fünf Jahre Kontrakt. Wenn das nicht lockt, ver ist ganz ver 
stockt. Nächstens giebts hier, so recht zum Pläsier für Hans und Liese 
'ne Vogelwiese mit Bum — und Trara wie stehst Du da, 
herrliche Au, Friedenau!? K. S. 
t Der neue Botanische Garten in Dahlem 
wird morgen Sonntag (24. September) von 2—b l j 2 Uhr 
nachmittags zum letzten Male in diesem Jahre für den 
allgemeinen Besuch geöffnet sein. 
ch Jubiläen. Unser Mitbürger Herr Kürschnermeister 
Theodor Lezius, Feurigstraße 1, kann heute auf ein 
25 jähriges Meisterjubiläum zurückblicken. In voller 
Rüstigkeit steht der tüchtige Meister heute noch seinem 
Jeschäfte vor, nachdem es ihm erst am 14. August auch 
vergönnt war, das Jubiläum der goldenen Hochzeit im 
Kreise seiner Angehörigen und Freunde zu feiern. Möge 
es Herrn Lezius vergönnt sein, noch viele Jahre in gleicher 
körperlicher und geistiger Frische seinem Geschäfte vorzu 
stehen und in glücklicher Ehe weiter zu verleben. 
„Und vergisst sie einst auch Dich, weiß nichts mehr von 
Deiner Liebe —!" 
„Laß cs meine Sorge sein, die Möglichkeit dazu für 
immer auszuschließen." 
Ta ging Laveggi, mit ihm aber ging die Frage, was 
Dona Nicoletta tun werde. 
Der Juli war heiß, nur gegen Abend strich eine kühlere 
Luft von den Bergen herab, brachte neue Frische und belebte 
Natur und Menschen. Dann war es verlockend zwischen den 
Felsen, die wie eine Mauer die heiße Welt da draußen ab 
schlössen. Tief unten leuchtete das Meer im Abendscheine, wie 
goldene Bänder zitterten die letzten Sonnenstrahlen darüber 
hin, die Möwen saßen aus den kleinen Wellen und ließen sich 
von ihnen wiegen, träumerisch schlug das Rauschen von Wasser 
und Wind an das Ohr der nach Kühlung Dürstenden. 
An einem solchen Abende ging Teresa langsam vor der 
Terrasse, die nach dem Meere zu lag, auf und ab. Die blonden 
Zöpfe hingen frei über ihr leichtes, weißes Gewand herab, das 
im Gürtel eine rote Granatblüte zeigte. Sie war nicht allein, 
nicht weit von ihr saß Ercole und folgte ihren Bewegungen 
mit seinen Augen, die eine Zärtlichkeit, zu tief für Worte, 
verrieten. Eine Zärtlichkeit, die seiner Mutter Herz mit Ver 
zweiflung erfüllte. Und plötzlich, ehe Nicoletta ahnte, was er 
wollte, hatte er ihre Hand ergriffen und bat um ihre Ein 
willigung zu einer Verbindung, gegen die sich ihre ganze Seele 
empörte. Bleich, mit angstvoll aufgerissenen Augen sah sie ihn 
an, doch kein Wort kam über ihre Lippen. In seinem schönen, 
von ihr so heiß geliebten Antlitze lag ein fremder, harter Zug, 
alles Weiche, Unentschlossene war geschwunden. Jetzt war der 
Augenblick, auf den ihn Girolamo hingewiesen, wo er den 
Mut seiner Meinung zeigen sollte. Doch Ercole dachte nicht 
daran, er wußte nicht, daß er ein anderer war, er fühlte nur, 
daß in dieser Frage seiner Mutter Wort den Ausschlag nicht 
geben durfte, daß er siegen mußte. 
„Wer ist sie den», die Du mir als Tochter zuführen willst, 
welchen Namen trägt sie?" fragt Nicoletta mit bebender 
Stimme, der sie vergebens Festigkeit zu geben versuchte. Ercoles 
dunkle Augen lagen fest auf ihr, er richtete sich empor und 
ch Berliner Schauspielbnhnc. Selten mag im 
Saale des Kaiser Wilhelmgarten so herzlich gelacht 
worden ^ein. wie am Donnerstag bei der Aufführung de- 
Benedix'schen Lustspieles „Dr. Wespe". Der gute alle 
Benedix, er verstand es und versteht eS heute noch, daS 
Publikum aufs beste zu unterhalten; fein Humor ist so 
sprudelnd, so frisch, daß er selbst den ausgesprochensten 
Phlegmatiker mit sich reißt. Dabei ist die Handlung aller 
seiner Lustspiele frei von allem Seichten, frei von allen 
Zötchen und Zoten. Es sind deutsche Lustspiele mit 
echtem, rechtem deutschen Humor und Witz, die er den 
Bühnen als Erbe hinterlassen hat. Was für eine herrliche 
Figur ist nicht dieser Dr. Wespe, eine Rolle, an der der 
Darsteller seine Freude haben kann. Sie gibt ihm 
Gelegenheit, schauspielerisches Können zu entfalten. Herr 
Bruno Werner war in der Rolle recht wacker, ohne in 
den Fehler zu verfallen, zu übertreiben. Er fand den 
richtigen Ton sowohl im eigenen Hause als im Salon 
deS Herrn von Zündorf» den Herr Wilhelm Kupfer 
mimte. Der Künstler bescherte uns schon kürzlich 
im „Schlafwagenkontrolleur" eine Leistung, die ganz 
vorzüglich war, gestern durfte er den Löwenanteil' des 
gespendeten Beifalles für sich in Anspruch nehmen. Die 
Rolle des Malers Ludwig Honom als Wespe II lag bei 
Herrn Paul Hoffmann, der vor allem durch fein sicheres 
Auftreten, seine deutliche Aussprache sich als talentierter 
Künstler zeigte. Der alte Diener Christoph wurde durch 
Kurt Sander recht ansprechend wiedergegeben. Herr 
Reiners als Adam (Wespe III) war in Maske und 
Spiel zufriedenstellend. Die Damenrollen waren ent 
schieden bester besetzt als bei der ersten Vorstellung. Da 
war eine brillante Leistung die emanzipierte Elisabeth 
durch Kitty Brauns, ein allerliebstes Backfischlein, dem 
nur etwas mehr Sicherheit zu wünschen gewesen wäre. 
Die nicht minder dankbaren Rollen der Thekla und 
Thandelinde wurden von den Damen Mayerhofer 
von Grothen und Gertrud Hoff recht gut wiedergegeben. 
Bon Akt zu Akt steigerte sich der Beifall des Publikums, 
das wieder sehr zahlreich erschienen war. 
f Gabelsberger Stenographenverein. Die 
Mitglieder des Vereins veranstalten morgen Sonntag 
ihren Herbstausflug. Die Teilnehmer fahren um 2 Uhr 
9 Minuten vom Wannseebahnhof nach Zehlendorf und 
begeben sich von dort nach dem Restaurant „Mutter 
Molchow". Hoffentlich ist der Ausflug auch von der 
Witterung begünstigt. 
ch Hoheuzolleru - Theater. Die erste Vorstellung 
Dir. Behles hat uns den Beweis erbracht, daß derselbe 
in diesem Winter über ein ganz hervorragendes Künstler 
personal verfügt, das uns noch manche genußreiche Stunde 
bereiten wird. Als zweite Vorstellung in dieser Saison 
bringt uns Herr Dir. Behle am Dienstag, den 26. Sep 
tember den höchst originellen Schwank „Ein toller Einfall" 
von Carl Laufs, der von der gesamten Presse Deutschlands 
als der lustigste und beste Schwank bezeichnet wird. In 
allen Theatern Deutlchlands, wo „Ein toller Einfall" zur 
Aufführung gelangt, und das sind sämtliche deutsche Bühnen, 
wurde das Stück vom Publikum stets bejubelt. In letzter 
Zeit war der übermütige Schwank wieder ein tägliches 
Repertoirstück des Berliner Schiller-Theaters, wo die Zu 
schauer, welche das Theater allabendlich bis auf den letzten 
Platz füllten, sich stets aufs köstlichste amüsierten und bei 
jedem Aktschluß stürmischen Beifall spendeten. Die aus 
gezeichnete Künstlerschar Dir. Behles wird sich auch mit 
diesem Schwank einen glänzenden Sieg erringen. Der 
Vorverkauf hat bereits begonnen. 
f Kaiser Wilhelrngarten. Die so beliebte 
Gesellschaft „Führmann, Walde - Säng er" wird heute 
und nächsten Sonnabend noch eine Vorstellung geben. Im 
Monat Oktober ist der Saal an den Sonnabenden für 
andere Festlichkeiten belegt, so daß erst im Monat 
November die Vorstellungen wieder aufgenommen werden 
können. 
t Schöneberger Wintergarten. Wir haben 
schon wiederholt den Besuch dieses neuen aufs geschmack 
vollste ausgestalteten Varietöe-Theaters empfohlen und 
wer dieser Empfehlung Folge geleistet hat, ist gewiß mit 
Befriedigung von dieser Stätte der heiteren Kunst ge 
schieden. Nicht Spezialitäten, die mit großem Klimbim 
sagte kurz: „Sie wird meinen, unsern Namen tragen und 
sie wird das Höchste und Teuerste für mich sein."' 
„Das ist keine Antwort," stieß Nicoletta hervor. »Eine 
Namenlose, eine Geistesschwache —" 
„Sie wird unter meiner Pflege gesunden," sagte Ercole 
hastig, aufs tiefste verletzt durch seiner Mutter Worte. „Wen» 
Teresa —" 
Dona Teresa hörte ihren Nanien und kam herzu. Schnell 
entschlossen sprang Ercole auf, ergriff ihre Hand, führte sie an 
die von Rosen und Clematis gebildete kleine Laube am Ende 
des Pargola, wo Nicoletta saß und stagte fie: „Bist Du hier 
glücklich, Teresa?" Sie bejahte mit freundlichem Lächeln. „Und 
Du sehnst Dich nicht weg von hier?" fuhr er fort, indem er 
ihre Hand durch seinen Arm zog. Ein kindlich naives Staunen 
zeigte sich auf ihrem zarten Antlitze und ihre Augen blickten 
etwas unruhig auf ihn, der in plötzlicher Aufwallung den Arm 
um ihre schlanke, biegsame Gestalt legte. „Willst Du immer 
bei mir, bei uns bleiben, hast Du uns lieb genug dazu?" 
Ein eigentümliches Liebeswerben, doch ihr Wesen hielt Ercole 
ab, offener, stürmischer mit seiner Leidenschaft hervorzutreten. 
Aber die tiefe, innige Zärtlichkeit in seiner Stimme, in seinem 
Blick rief ein glückliches, erfreutes Lächeln auf ihr Gesicht. Sie 
schmiegte sich an ihn, sie legte ihre Hände auf seinen Arm und 
sah ihn an — doch keine Spur von Verlegenheit oder Be 
fangenheit sprach aus Blick und Wort, als sie versicherte, sehr 
glücklich hier zu sein. Sie nickte auch Nicoletta dabei zu und 
mit einein Seufzer getäuschter Hoffnung ließ Ercole sie aus 
seinen Armen. Ihr Herz schlief noch, es war Ercole noch nicht 
gelungen, es zu wecken, aber es mußte ihm gelingen, sobald 
er mit seiner Liebe offen, rückhaltslos hervortreten durfte. 
Mit gespanntem Blick und innerlichem Frohlocken hatte 
Nicoletta alles verfolgt. Teresa ging in den Garten zurück, 
die Gefahr war >nr jcyt beseitigt. „S.e versteht nicht einmal, 
was Du willst, sie ist noch weniger, als ein Kmd," sagte 
Nicoletta schnell. 
Mit flammendem Blick drehte sich Ercole um. „Und freut 
Dich mein Schmerz, meine Enttäuschung? Ist Dir mein Un 
glück eine Genugtuung? Möchtest Tn am Ende Teresa hin- 
angeprießen werden müssen, sind eS, die dort gezeigt 
werden, er sind hervorniAende Künstler, die die rührige 
Direktion gewonnen hat. Mit Beifall wird allabendlich 
die so beliebte, fesche Soubrette Erika van Dirksen über 
schüttet, die durch ihr naives Spiel und ihre. so anmutige 
Stimme daS Publikum bestritt. Neben dieser vorzüglichen 
Soubrette gefüllt vor allem das reizende Ballet, in dem 
besonders ein Paar durch die exakten Ausführungen der 
einzelnen Figuren die allgemeine Aufmerksamkeit und 
stürmischen Beifall hervorruft. DaS Programm ist ab 
wechselnd, so daß an Unterhaltung kein Mangel herrscht. 
f Brennender Motorwagen auf der Rad 
rennbahn. Beim Training auf der Steglitzer Rad 
rennbahn geriet gestern Abend während der Fahrt durch 
überlaufen des Benzins ein Motor in Brand. Der Renn 
fahrer Schulze-Zehlendorf, der dahinter lag, kam durch z« 
schnelles Abstoppen der Maschine zu Fall und erlitt einen 
Schlüffelbeinbruch. Der Motorführer erlitt beim Ablenke» 
des Motors auf den Sand erhebliche Brandwunden arr 
beiden Händen. 
ch PoUzeibericht. Gefunden wurde ein Kneifer. 
Zugelaufen ist ein Jagdhund. Näheres im Polizeibureaw 
in der Feurigstraße. 
Schimeöerg. 
— Magistrat und Stadtverordnete. Die 
Stadtverordneten Lesstg und Genoffen hatten am 26. Juni 
d. IS. eine Anfrage an den Magistrat gerichtet, die dieser 
nun, wie folgt, beantwortet: Die durch den Antrag vom 
27. März 1905 erbetene Denkschrift über die voraussicht 
liche Ausgestaltung des Berwoltungswesens der Stadt in 
den nächsten drei Jahren,, sowie über die der Stadt iw 
demselben Zeitraume obliegenden Aufgaben befindet sich- 
seit längerer Zeit in der Vorbereitung. Den städtischen: 
Dienststellen war es wegen der bedeutenden Arbeitslast,, 
die ihnen mit der Erledigung des Auftrages und mit der' 
Nachprüfung des umfangreichen Materials zufiel, bisher 
unmöglich, die Arbeiten abzuschließen. Wir hoffen der 
Stadtverordnetenversammludg bis zum 15. Oktober d. Js. 
die gewünschte Borlage machen zu können. 
— Ginkommeusteuer-VeranIagungSkommisfio». 
Durch die Verfügung der Königl. Regierung in Potsdam 
vom 17. Juli 1905 ist die Milgliederzahl der hiesigen 
Einkommensteuer-BeranlagungSkvmmission von 9 auf 12 
zu wählende Mitglieder und von 4 auf 6 zu wählende 
Stellvertreter vermehrt worden. Die Stadtverordneten 
versammlung hat die Bornahme der gesetzlich vor 
geschriebenen Neuwahl von 3 Mitgliedern und 2 Stell 
vertretern für die mit Beginn der Veranlagung für 1906 
auf 6 Jahre laufende Wahlperiode vorzunehmen. Von 
diesen neuen Mitgliedern sind im Jahre 1908 1 Mitglied 
und 1 Stellvertreter auszulosen. 
— Vertrauensmänner für Auswahl der 
Schöffen uud Geschworenen. Die Stadt Schöneberg 
hat vier Vertrauensmänner des AusschufleS zur Auswahl 
der Schöffen und Geschworenen bei dem am 1. Juni 1906 
neu zu bildenden Amtsgericht Berlin-Schöneberg zu wählen. 
— Der kgl. Kreisarzt des Stadtkreises Schöne- 
berg. Medizinalrat Dr. v. Kobylecki, ist vom 23. bis 27. 
d. M. beurlaubt und wird in den Kreisarztgeschäflen von 
dem praktischen Arzt Dr. Schönstadt, Schöneberg, Hohen 
staufenstraße 50 wohnhaft, vertreten. 
f Verkehrsstörung Eine Verkehrsstörung von 
nahezu einer halben Stunde gab es gestern Abend am 
Kaiser Wilhelmplatz, Ein Wagen der Linie 40 war nur 
dadurch von der Stelle zu bringen, daß der Wagenführer 
auf das Geleise Sand streute. Dabei fielen einige Körner 
auf die dort befindliche Weiche, die stch dadurch nicht mehr 
umstellen ließ. Erst nach langen Bemühungen gelang es 
die Körner „klein zu fahren" uni» dadurch das Umstellen 
zu ermöglichen. Inzwischen hatte stch aber ein endloser 
Wagenpark angesammelt. Erst nach einer halben Stunde 
war die Verkehrsstörung aufgehoben» die auch in unserem 
Orte sich bemerkbar machte, da die Wagen der Linien D,. 
E und 88 erhebliche Verspätungen erlitten. 
— Automobiluufalli. In der Hauptstraße, nahe: 
dem Rathaus, ereignete stch gestern Abend ein schwerer 
Automobilunfall. Der 61 Jahre alte Kutscher Joseph, 
Brumke aus der Gubenstraße wollte den Fahrdamm über- 
mtsstossen, sie nochmals dem Tode preisgeben, nur weil Du: 
meine Liebe zu ihr nicht begreifen,, nicht teilen ivillst! Ich, 
glaubte. Deine Liebe habe. mich bisher bewacht, mir jede freie: 
Bewegung versagt, mich bevormundet, bis ich zum Gespött,, 
zum Gclä l,ter der Mcwchew geworden bin, aber es war keine: 
Liebe. Wahre Liebe hätte sich über mein Glück gefreut und.« 
mir dazu verholsen, Du freust Dich meines Kummers!" Ohne 
-- tacken, ivie ein Glutstrom brausten seine Vorwürfe übee 
Nicoletra hin, und dann wandte sich Ercole ab. Doch selbst: 
jetzt vergaß er Teresas nicht, selbst in seiner wilden zornigen 
Empörung dachte er ihrer Sicherheit und geleitete sie hinein. 
Und Nicoletta sah ihnen nach, bis ins tiefste Herz. von 
Ercoles Worten getroffen. 
Der Abendwind, raschelte leise in den Blättern, ein sanftes 
Rauschen und Raunen ging durch die Büsche und, Bäume. 
Cicaden zirpten in der Ferne, und Nicoletta saß mit ver 
hülltem Antlitze uiüreweglich unter den duftenden Rosen. War 
ihr Leben eine große Lüge gewesen, daß sie ihren Lohn nicht 
wahrhaft geliebt hatte? ... Nein. er tat ihr bitter Unrecht . . i 
Aber mußte er nicht io denken, da er den Gründ zu ihrer 
Sorge, ihrer Angst nicht kannte? . . Er durste sie nicht so 
grausam verkennen, er sollte erfahren, was sie im stillen allein 
für sich bisher getragen . . . Und gönnte sie ihm denn sein 
Glück nicht? . . Ja, alles Glück der Welt, doch — was sie 
dafür hielt. . . Und in dieser Stunde lernte Nicoletta, daß 
weder Mutter noch Vater für das Kind etwas bedeuten bei 
solcher . Wahl, solcher Bestimmung für das Glück des Lebens. 
Diese Wahl ist Kindesrecht. Auch die Folgen sind wohl 
Kindcsrecht, doch darf dann die Liebe wieder eintreten, die 
allein selbstlos und opserfähig ist: die Mutterliebe .... Nico 
letta atmete tief auf . . . Sie glaubte, stundenlang hier ge 
sessen und nachgedacht zu haben, in Wirklichkeit war die 
Zeit nur kurz; mau denkt schnell und kann binnen wenigen 
Minuten einen Kampf durchmachen, der für das ganze Leben 
entscheidend ist. Ein unaussprechliches Milleiden mit den 
, Armen, der sein Lebensglück auf ein so schwaches, krankes Rei 
! stützen wollte, wallte in ihr auf, heiße Tränen rannen über 
J rbre Wanaen. (Fortsetzung folgt.)
        
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